geschützten japanischen Bogen anzugreifen, der von Formosa über die Philippinen und Niederländisch- Jndien sowie über Tokio, die Marianen und Karolinen direkt auf die Hauptkampflinie der Salomonen zuläuft. Die Verluste von insgesamt 6 Schlachtschiffen, 4 Flugzeugträgern, 34 Kreuzern, 21 Zerstörern, 9 U-Booten, 1 Minensucher, 17 Transportern und rund 1000 Flugzeugen sind für die USA.- Kriegsmarine so einschneidend, daß man in Tokio mit Recht davon sprechen kann, daß das bisheriae Flottenverhältnis von 5:5:3 für England, die USA. und Japan nicht nur umgekehrt wurde, sondern die nordamerikanische Schlachtflotte heute praktisch für größere Operationen unfähig geworden ist.
Entscheidend ist vor allem auch, daß' es den Hankees weder in der ersten Seeschlacht am 8. und 9. August in der Meerenge von Tulagi, noch am 24. August, am 26. Oktober und schließlich in der großen Seeschlacht zwischen dem 10. und 15. November gelungen ist, die Japaner in die Devensioe zu treiben. Laß vielmehr die Strategie der USA. sich in allen diesen Seeschlachten bei den Salomonen nicht über das Stadium einer „offensiven Defensive" herauskam. Der scheinbare Widerspruch dieses Begriffs erklärt sich sofort, wenn man berücksichtigt, daß die Japaner es waren, die trotz eigener — wenn auch im Verhältnis zum Gegner geringfügiger — Verluste und obgleich sie nicht die Land- dung der USA.-Truppen auf Guadalcanar verhindern konnten, dem Gegner Schauplatz und Gesetz des Geschehens diktierten, was vor allem in dey beiden letzten Begegnungen bei der Rennell- und Jfabell-Jnsel deutlich wurde.
Die beiden nordamerikanischen Schulen, von denen die eine stets einen direkten Angriff auf Japan, die andere ein langsames Vorrücken von Insel zu Insel befürwortete, sind jedenfalls am Ende ihrer Weisheit und müßten heute eigentlich gestehen, daß weder die eine noch die andere Möglichkeit für die USA. auch nur die geringste Chance bietet. Für die USA. sind die Verhältnisse so ungünstig, daß die Vertreter beider strategischer Auffassungen kläglick) Schiffbruch erlitten haben, die einen sofort nach Ausbruch des Krieges, die anderen im Verlauf der feit dem. 8. August stattfiiÄenden Seeschlachten bei den Salomon-Inseln. Aber während man einen direkten Angriff auf Japan wohl längst in Washington abgeschrieben haben dürfte, hält man stur an dem Plan fest, von Australien aus die japanischen Positionen im Pazifik „aufrollen" zu können.
Man müßte in Washington doch immerhin wissen, daß bereits vor einem halben Jahr der Sektionschef der japanischen Marine-Presseabtellung, Kapitän Hiraide, in bezug auf die Salomonen von einer „Falle" sprach, wie es aus der Gegenseite auch auffallen müßte, mit welch' verhältnismäßig geringem und jedenfalls zögerndem Einsatz die Japaner es immer wieder verstehen, den „Topf am Kochen zu halten", um an dieser Stelle die feindliche Flotte entscheidend zu schwächen. Die Pankees haben tatsächlich einen beträchtlichen Teil ihrer Flotte einge- büßt, sie haben außerordentlich hohe» Verluste an Mannschaften und Material gehabt, undsind ihrem eigentlichen Ziel, eine Ausgangsbasis für eine Offensive gegen Japan in die Hand ^u bekommen, keinen Schritt näher gekommen. Das wurde erst vor kurzem* auch in verschiedenen USA.-Zeitungen bestätigt, in denen förmlich Beschwerde darüber geführt wurde, daß die Operationen bei den Salomon- Inseln einen so hohen Preis erforderten, während das Ergebnis bislang gleich Null gewesen wäre. Die Japaner hingegen können heute ihre Karten ein -wenig mehr aufdecken, sie können die Räumung von Guadalcanar ruhig zugeben, denn sie haben das erreicht, was sie in diesem Ggbiet erreichen wollten, die Schaffung einer Reihe starker Stützpunkte, die sowohl ihre_ Defensiv-Funktion erfüllen wie auch als Basis für weitere Operationen gegen Australien dienen können. Daß gerade Australien sich in keiner Weise von den drohenden Gefahren befreit fühlt, ist in den letzten Tagen aus arfftralischem Munde mehr als einmal bestätigt war- den. Für die Nordamerikaner werden die Salomonen also auch nach der Räumung von Guadalcanar ein Gebiet bleiben, das weiter von ihnen hohe Opfer fordert, also von japanischer Seite her gesehen, die Funktion einer Falle vollauf erfüllt.
Eine „strategische Konferenz" in Indien
Lissabon, 11. Febr. (Europapreß.) Eine Konferenz über die Strategie der Anti-Achsenmächte in Indien und Burma wird in Indien abgeb alten. Vertreter Englands, der USA. und Tschungking- Chinas haben sich dazu zusammengefunden. Die Erörterungen stehen im Zusammenhang mit den Be-
Die Verbindungswege sind die Archisiesferse der feindlichen Kriegführung.
Lissabon, 10. Februar. (Europapreß.) „Daily Mail" schreibt, daß zwischen dem nordamerikanischen Flottendepartement und der britischen Admiralität o gut wie keine Zusammenarbeit be- tehe. Im Gegenteil, man arbeite gegeneinander. Während die Nordamerikaner immer wieder auf die großen Tonnageverluste hinwiesen, um der USA.-Oeffentlichkeit'den Emst der Lage vor Augen zu führen, hülle sich die britische Admiralität in eisiges Schweigen. Sie habe den Mut, die derzeitigen Schiffsverluste, die erschreckend hoch seien, als normal zu bezeichnen. Wenn die kürzlich von dem nordamerikanischen Admiral Woodward gemachten Angaben mit den Tatsachen übeteinftimmen, so habe man sich erschreckenderweise den Verlustzahlen des Jahres 1917 genähert, die England damals höchstens weitere sechs Monate im Kriege hätten belasten können, wenn man nicht gegen den Willen der britischen Admiralität zum Geleitzugsystem gegriffen hätte. Wenn der USA.-Marineminister Knox aber feststelle, daß sich heute mehr feindliche U-Boote in See befänden als im Juni 1941, im Rekordmonat der britischen Tonnageverluste, dann müsse man mit
Recht die britische Auffassung zurückweisen, als ob die jetzigen Verluste normal seien.
Die „Daily Mail" schreib? weiter: „Die Achsenmächte haben den großen Vorteil, zehn Tanks zu produzieren und sie direkt an die Front zu schicken mit einem Minimum an Zeit und Arbeit. Wir hingegen sind gezwungen, mehr als zehn Tanks ferttg- zuftellen, da wir die Verluste, bis die Tanks zum Einsatz kommen, einkalkulieren müssen. Weiter müssen wir viele Arbeitsstunden für den Bau der Schiffe verwenden, die sie transportieren. Ferner benötigen wir Zeit und Arbeit zum Ein- und Ausladen, und schließlich, um die wertvolle Fracht zu schützen. Wenn das Schiff verloren ist, müssen wir den Reigen wieder von neuem beginnen. Unsere größten Defizite sinddieVerbindungswege. Deshalb müssen wir alles tun, ifm den Schiffsraum zu retten. Es genügt nicht, die Schiffsbauten auf die Zahl der Versenkungen zu bringen. Die einzige Schlußfolgerung, die wir ziehen müssen, ist die Bekämpfung der gegnerischen U-Boote. )
sprechungen Churchills und Roosevelts in Casablanca.
Geheime Angst vor dem Bolschewismus.
Lissabon, 10.Febr. (Europapreß.) Gegen jene Engländer und Nordamerikaner, die „noch immer die bolschewistische Gefahr fürchten", wendet sich der Londoner „Daily Herold". Diese Engländer und Nordamerikaner fürchteten Sowjetrußland mehr als sie Hitler haßten, schreibt das englische Arbeiterblatt. Ms Beweis dafür zitiert der „Daily Herald" eine nichtgenannte USA.-Zeitung, in der es heißt, wenn die Sowjetunion siegreich wäre, stünde Europa einer schlimmeren Bedrohung gegenüber als je zuvor. Auch in Südamerika sieht man die Folgen des Bündnisses zwischen Plutokratie und Bolschewismus, weil die meisten südamerikanischen Staaten die bolschewistischen Praktiken am eigenen Leibe erfahren haben. So bezeichnet das argentinische Blatt „Ca- bildo" die Errichtung einer Sowjetbotschaft in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo angesichts der Spionagetätigkeit derartiger Botschaften als sehr unangenehm für Argentinien und erinnert an kommunistische Intrigen, die in Argentinien zum Verbot der Sowjet-Handelsgesellschaft Puycmtorg führten. Jetzt würde nur wenige Flugminuten von Buenos Aires entfernt eine regelrechte svwjetrufsische Botschaft errichtet werden, die ihre diplomatischen Vorrechte dazu benutzen könnte, die Lehren von Hammer und Sichel zu verbreiten. Der uruguayische Außenminister Guani habe erklärt, es bestände kein Grund, daß Uruguay die Beziehungen zu einem Land, das „für die Freiheit der Menschheit kämpfe", nicht wieder aufnehme. Diese Begründung nennt das Blatt „äußerst überraschend", zumal sich die Sowjetregierung selbst als Diktator des Proletariats bezeichne. „Verteidiger der Freiheit" nenne Uruguays Außenminister ein Regime, das feit 25 Jahren 160 Millionen Menschen in brutalster Versklavung hält und alle Formen vernünftiger Denkungs- weise für abgeschafft erklärt. Und nun strecke die sowjetische Barbarei ihre Fangarme auch gegen die Völker Amerikas aus.
Wachsende Unruhe im Rahen Osten.
Rom, 10. Febr. (Europapreß.) Zwischen nationalistischen Elementen Syriens und den Organen der englandhörigen Regierung des Landes kam es zu einem heftigen Feuergefecht, bei dem der englandhörige frühere Ackerbauminister Scheich el Ghai- lani durch einen Revolverschuß schwer verletzt wurde. Das Vekanntwerden der Absicht der britischen Behörden, Hunderttausende von Juden aus Palästina nach Syrien und Libanon zu übersiedeln, hat die ohnehin schon gereizte Stimmung der Bevölkerung dieser Länder noch mehr gegen die britische Besatzung aufgebracht, so daß sich die Attentate und Sabotageakte in letzter Zeit immer mehr häufen. Aber auch in Palästina selbst ist in
letzter Zeit der Widerstand gegen die Briten erheblich angewachsen. Aus diesem Grunde haben die Engländer in Palästina drei Militärzonen geschaffen, in denen Sondervorschriften gelten, bte etwa denjenigen des Belagerungszustandes entsprechen.
Kongreß-Attacke gegen Roosevelt.
Lissabon, 11,Febr. (Europapreß.) Die von Roosevelt vor zwei Jahren errichtete nationale Planungsbehörde muß ihre Tätigkeit zum 30. Juni e i n st e I l e n, falls der Kongreß nicht noch die Mit- tel hierfür bereitstellt. Der Ausgabenausschuß des Repräsentantenhauses hat nämlich die für diese Behörde vorgesehenen 1,4 Millionen Dollar mit folgender Begr ündung ab gelehnt: „Es gibt nicht weniger als 157 Regierungsstellen und -behörden, die sich mit Nachkriegsplänen befassen. Diese müssen nun endlich, falls eine noch größere Konfusion vermieden werden soll, unter einen Hut gebracht werden." Die nationale Planungsbehörde war Roosevelts Steckenpferd. Die Attacke des Kongresses ge= rabe gegen diese Behörde, an deren'Spitze der Onkel Roosevelts, Frederik Delano, steht, wird als ein Angriff gegen Roosevelt persönlich betrachtet.
Kleine poliiifche Rachrichten.
In Frankfurt wurde unter der Schirmherrschaft des Gauleiters in Anweseyheit des Gesandten Grafen Bailön als Vertreter des spanischen Botschafters, des Landesgruppenleiters der Falange, des Präsidenten der Deutsch-Spanischen Gesellschaft, Botschafter a. D. Faupel, und zahlreicher Persönlichkeiten von Partei, Wehrmacht, Wirtschaft und Wissenschaft die Deutsch-Spanische Zweiggesellschaft Frankfurt a. M. eröffnet. Zu ihrem Präsidenten wurde Generaldirektor Avieny und zum geschäftsführenden Vizepräsidenten Direktor Dr. Plaß berufen.
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Infolge der Arbeitsüberlastung des Gauleiters Paul Giesler, der bisher mit der Führung des Gaues Westfalen-Süd die verttetungsweise Füb- rung des Gaues München-Oberbayern und die Führung der bayerischen Landesregierung vereinigte, hat der Führer den bisherigen stellvertretenden Gauleiter des Gaues Oberschlesien, Hauptdienstleiter Alb. H o f f m a n n, mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Gauleiters im Gau Westfalen-Süd beauftragt
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Auf Anordnung des Reichswirtschaftsministers wird der variable Handel an den Wertpapierbörsen eingestellt, die Börsenzeit eingeschränkt und die Samstagbörse eingestellt. An den Provinzbörsen dürfen nur an drei Wochentagen Börsenversammlungen abgehalten werden. Auch die Zahl der zur Börse zugelassenen Bankvertreter und Börsenbesucher wird vermindert.
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Eine USA.-Abordnung ist jetzt nach Pretoria unterwegs, wo sie ein Pacht- und Le'ih- abkommen abschließen soll, berichtet der Londoner Nachrichtendienst. Die südafrikanische Union
Larghetto von Beethoven.
Eine Jugenderinnerung von Kurt Mandel.
Es war in den Kriegszeiten um den 90. Todestag Beethovens, im Herbst 1917. Die Wandervogel- Kameraden waren eben erst aus dem freiwilligen Hilfsdienst mit schwielenharten Händen wieder heimgekehrt. Da sie alle leidenschaftliche Musikan- tenfeelen hatten, lag eine Beethoven-Gedenkfeier nahe.
„Spielen mir doch das Larghetto aus der .Zweiten' von Beethoven! Ich möchte schon immer gern Mal eine anständige Cello-Partie pinseln", erklärte der Huckebein unter den Jungens, der seit der Shakespeare-Lektüre den Spottnamen „Shylock" weg- getriegt hatte.
Shylock besaß ein Cello, das nicht minder die Spottlust anregte. Obwohl es von singendem Klang war, trug es eine derart schreiend gelbe Politur, daß man es gleich „Postkutsche" nannte. Das frei» lich weckte Shylocks Manneszorn, weniger der eigene Spitzname.
Otto, der Primgeiger in dieser Mischung von Salonorchester und Kammermusikgruppe, machte warnende Randbemerkungen.' Man überhörte sie. Denn warum konnte man nicht auch einmal einen Satz einer Beethoven-Sinfonie in kleiner Besetzung spielen, nur mit Geigen, Bratsche, Cello und Flöte und dem die üblichen Orchesterstimmen ergänzenden Flügel?
Man hatte ja auch schon Routine, freilich mit Billigerem, mit reiner Unterhaltungsmusik. „Wenn ich das Solo aus Mondnacht an der Alster' nur so hinlege", sonnte sich Shylock in eitlem Ruhm, „bann wäre es doch gelacht, wenn ich nicht das bißchen Beethoven schmisse!"
„3a, eben, weil du es schmeißen wirst, bin ich dagegen", erklärte der Orchesterhäuptling. Aber die andern überstimmten ihn, und so ging es mit fröhlichem Eifer an die Proben.
Um es gleich zu sagen: Otto behielt recht! Man hatte sich die singende Anmut des Larghetto zu einfach vorgestellt. Gewiß, die Streicher schafften den besinnlichen Melodienzauber. Auch Edgar, der zaunlattendürre, wie Shylock ewig hungrige Flötist mH dem Spitzmausgesicht, blies Mm Entzücken. Nur
Shylock rackerte sich an seiner „Postkutsche" ab und verpatzte so ziemlich alle Einsätze.
„Du säbelst wie eine Wildsau!" polterte Otto in wildem Grimm. Er, der heute im Osten ein Sturrn- bataitton führt, war schon mit achtzehn Jahren ein anerkannter, feinsinniger Sologeiger, dem die anderen vergebens nacheiferten. Aber deshalb hätte er Shylock nicht derart abfertigen sollen!
Shylock, schamrot glühend, doch zornbebend, reckte sich empor, fuchtelte mit dem Bogen über seinem strubbeligen Haupt und ächzte wütend: „Na, dann habe ich das letzte Mal in dieser lächerlichen Innung mitgespielt. Main, die Herren!" Damit packte er seine Postkutsche ein und halfterte mit ihr ab. Die anderen aber faßen betreten da. Schließlich war Shylocks Spiel nicht so schlecht. Und bann: wie das Larghetto spielen ohne Cello? Einen Ersatz gab es kaum, wenn auch der dicke Erwin aufsprang und erregt stammelte: .Kinder, ich spiel Cello! Ich hab ja schon mal fn der „Peruanerin" das Trio gespielt!"
„3a, so. daß die letzten Mäuse beleidigt abzogen", spottete Otto. „Nee, nee Jungs, entweder ein anständiger Cellist oder Feierabend mit Beethoven!"
Die „Innung" löste sich diesmal fang» und klanglos auf. Es schien, als fei. es unter den Kameraden, die noch vor Tagen auf einem Gut arbeitsfroh die Ernte eingebracht hatten, zu einem endgültigen Bruch gekommen. Der zarte blonde Walter, der als Meisterschüler des Konservatoriums schon lange den Ruf genoß, ein angehender Pianist zu sein, trollte sich mit Max, dem zweiten Geiger, betreten heimwärts. Sie kamen in die Vorstadt, wo Shnlock in ärmlicher Dachstube mit feiner darbenden Mutter, einer hochgebildeten, aber früh verarmten Witwe, ein von jeher armseliges Dasein führte.
„Maxe, wenn wir den Sylock so lausen lassen, passiert noch was! Mit dem kann man jeden Witz machen, aber man darf ihn als Musiker nicht kränken. Das hätte Otto nicht tun sollen. Und übrigens, so schlecht hat Shylock ja gar nicht gespielt."
„Na, bann rücken wir der beleidigten Knackwurst halt mal auf die Bude und sehen, wie wir das Kind schaukeln", brummte Max, seit Kindesbeinen der Intimus Shylocks. Sie kletterten die wackeligen Stiegen empor. Ein Geruch von kochendem Sauerkraut dampfte ihnen entgegen. Shylock stand tich.
gebeugt über einem Ungetüm von Topf und rührte darin.
„Was wollt ihr denn! Mir die Freundschaft kündigen, wie? Wenn ihr wollt, dann zerhacke ich meinen Esel und koche mit ihm die Krautsuppe!" Die beiden schritten auf das einsam in der Sofa- ecke lehnendej ausgepackte Cello zu. Dicht dabei stand das Notenpult mit der Cellostimme aus dem Larghetto.
Da sprang sie Shylock förmlich an: „So, und ihr glaubt mir auch nicht, daß ich das Larghetto spielen kann?!" Klemmte sich aufs Sofa'und spielte draus los. Und siehe da: er entlockte seiner „Postkutsche" wahrhaft wunderbare Töne!
„Mensch, Shylock, das ist ja kaum zu glauben. .Vorhin spieltest du doch wie ein Holzhacker!" meinte der versonnen dreinblickende Walter.
„Ja, vorhin, da knurrte mir auch der Magen, daß ich das Cello kaum hören jtonnte", ließ sich der Cellist eine Weile später beschämt hören.
Nach tausend Vorbereitungen stieg endlich diese Beethoven-Feierstunde. Schon die zweihändig gespielte Egmont-Ouvertüre wurde ein Erlebnis. Dann spielten Jungen und Mädels eine Szene aus Goethes „Egmont" auf der mit vieler Liebe gebauten Bühne im Musikzimmer des befreundeten Schulrates.
Und dann fang es aus dieser kleinen Gemeinschaft von hingebend Musizierenden, das wunderholde Larghetto aus Beethovens „Zweiter". Und die Cellopartie wurde von Shylock, der tief gebeugt über seiner „Postkutsche" schwitzte, geradezu mit Sirenenzauber bewältigt. Nur hin und wieder schielte Shynlock einsatzbegehrend mit unverhohlenem Grimm auf den ersten Geiger. Doch der lächette nur und zwinkerte uns allen zu, als ob er sagen wollte: ich Habs ja gewußt, Shylock wird es schon schaffen!
Das also ist nun schon lange, lange her. Shylock aber — und darum schrieb ich diese kleine Erinnerung — ruht seit Wochen unter einem Birkenkreuz im Kaukasus. Die anderen tragen auch meist den feldgrauen Rock und werden, wo es nur geht, mit der ihnen gebliebenen unbändigen Musikliebe jene Kameradschaft pflegen, die schon im ersten großen Kriege so eigentlich mit dem Larghetto von Beethoven chre Prüfung bestand
40 auf 48 Stunden erhöht.
.Streng
Kunst und Wissenschaft.
Der Schauspieler Rudolf Rillner gestorben.
werde ihrerseits Rohstoffe und verschiedene Dienst, leifhingen zur Verfügung stellen.
*
Der indische Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi. | der sich noch immer in Gefangenschaft befindet, hat einen 21tägigen Hungerstreik begönnest.
Der japanische Wehrmachtshaushalt in Höhe von 27 Milliarden Yen fand die einstimmige Annahme des Oberhauses. Es ist der bisher größte Wehrhaus- halt in der japanischen Geschichte.
Der neuernannte deutsche Botschafter in Totto Heinrich Stahmer überreichte dem Tenno fein Beglaubigungsschreiben.
.. tiefer
- bleib
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*3n@I W- 1 1896 k Ej# Ke Mit faar 1! Ao-k Wed d feuitb fan, Di Erter1 W Union Wlchsl fez.vol fein Kn, 3er W in Ä Mi er M Seit g^ie 19: ■ Wen Sb. c. 1 Weck in M Heitel 6 Mi Bernat 8 deutsch tonte
Die portugiesische Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten lag 1942 wegen Mangels an Schiffsraum um 18 v. H. niedriger als im Jahre 1941.
Aus dem Reich.
Oie Auswahl des Richters.
Dos neu gegründete Amt „Richter und R e ch t s p f t e g e r" wird die Frage, welche mcht rein richterlichen Aufgaben vorn Richter auf den Rechtspfleger übertragen werden können und ob Rechtspflegeämter einzurichten sind, mit einem Anschuß der Akademie für Deutsches Recht vordere!- , en. Es ist beabsichtiat, Rechtspflegeämter ichon während des Krieges schrittweise in den Bezirken, in denen die günstigsten Voraussetzungen gegeben sind, einzuführen. Wenn dann die für eine Recht- sprechung durch das Volk geeigneten Gebiete der Rechtspflege festgelegt sein werden, werden es in. Zukunft nur echte richterliche Aufgaben fein, zu denen der Richter berufen ift Deshalb muß er auch fachlich und persönlich, sowie charakterlich ein besonders ausgezeichneter Rechtswahrer fein. Bei der Auswahl der Gerichtsassessoren dürfen gute Pni» fungsleistungen allein nicht genügen, wenn der Bewerber zu stark auf den Typ des volksfremden Begriff sjuristen festgelegt ist. Besonderer Kriegs- einsatz wird zugunsten des Bewerbers wesentlich ins Gewicht fallen. Auch seine aktive Arbeit für die Bewegung spielt eine Rolle. Selbstverständlich werden kinderreiche Anwärter bei gleichwertiger fachlicher Leistung und sonstiger (Eignung vorgezogen. Ein lediger Mann wird in Ziv fünft nur ausnahmsweise Aussichten auf Beförderung haben. Die Möglichkeit, Gefallene nachträglich zu ernennen ober zu befördern, ist eine Ehrung der Frontkämpfer, bedeutet aber zugleich eine bessere wirtschaftliche Sicherung der Hinterbliebenen.
Preisauszeichnung nach 100 Gramm bsim Fleischer.
Der Reichswirtschaftsminister hat den Reichs- innungsverband des Fleischerhandwerks darauf hiiv gewiesen, daß eine Preisauszeichnung für den Ver^ kauf von Fleisch und Wurst auf der Basis von 100 Gramm erwünscht,' eine Auszeichnung über 500 Gramm oder 125 Gramm dagegen nicht er« |
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wünscht sei. Der Minister zieht damit die Folg«' rung aus der Einteilung der Fleischkarte mit ihrer Jiä Abschnitten zu 50 Gramm. Er kommt gleichzeitici ' den in der Praxis, vor allem auch in der „Deut- ^‘2- sck>en Fleischer-Zeitung" wiederholt aufgetauchtev Anregungen entgegen. z
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Roosevelt hat zur Beschleunigung der industriellen Produktion die wöchentliche Mindestarbettszelt von 40 auf 48 Stunden erhöht. | & M
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Der Schauspieler Rudolf Rittner ist dieser Tage im Alter von 73 Jahren auf seinem Bauerngut in Ober-Weißbach bei Patschkau in C'/ gestorben. 1869 in Weißbach geboren, wandte sich Rittner nach einem ersten Versuch, in Wien Musik zu studieren, dem Theater zu, erhielt als 19- jähriger sein erstes (Engagement und kam 1891 ans Residenztheater in Berlin, wo er zunächst in fron, zösischen Konversationsstücken auftrat, die feinet» darstellerischen Wesen kaum entsprechen konnten. Rittner wurde bald einer der großen Darsteller des naturalistischen Theaters, vor allem einer der hervorragenden Hauptmann-Spieler. Seine berühmteste Rolle war der schwarze Ritter von Giebelstatt ii» „Florian Geyer". Obwohl er sich schon 1907, mt: 38 Jahren, vom Theater zurückzog, um in seiner, schlesischen Heimat auf dem Lande zu leben, ist et nicht nur der erste, sondern auch der bedeutendstt
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Was aus Haaren alles zu machen ist.
Es ist erstaunlich, was alles aus Menschenhaarm gemacht worden ist und noch gemacht wird: laue, um große Gewichte zu heben, Halsbänder, Armbänder, Uhrketten, Miniaturen usw. Das Haar, d^s so fein und zerbrechlich scheint, ift äußerst widerstandsfähig. Nachdem sie sorgfättig vym Fett mA von allen andern Schlacken gereinigt sind, werde» die Haare auch zu kleinen Klöppelkissen derarbeite! Ja, man hat sogar Fächer aus ihnen gemacht. wurde auf der Pariser Weltausstellung von IM ein solcher Fächer viel bewundert, dessen Herstellung 13 Monate angestrengter Arbeit erfordert hatte und der für 9500 Franken verkauft wurde. Mit Haaren hat man ferner Hosenträger, Krawatten un% Gürtel angefertigt, und nicht nur das, sondern auch Krawattennadeln und Ringe. Im 18. Jahrhundeck in dem so viele kleine Meisterwerke der Elegaw; und der Geduld geschaffen wurden, verfiel man auÄ darauf, Blumen und Miniaturen aus Haaren her-
fe
zustellen. Besonders zu den Miniaturen mußte m<nt die größte Geduld aufbringen. Mit einem kleinen Werkzeug wurden die Haare getrennt, dann mü einer Pinzette gedreht und schließlich auf Tafelchen von 5 oder 6 Quadratzentimeter aufgeleimt. Dfl waren diese Arbeiten kleine Kunstwerke. Die Bl»' men aus Haaren zeigten alles, was eine wirklich Blume auch hat, Stiel, Blütenblätter, Stempel unj Staubfäden.
Das ist noch nicht alles. Die Maler haben aud Farben aus Haaren gemacht. Dazu werden dk- Haare mit sehr feinen Scheren zerschnitten und so . stark zerkleinert, daß sie eine Art Pulver wie Reis' ... w puber werden. Davon nimmt man ein wenig in eiiii U * Schale und verdünnt es mit etwas Wasser, und Farben sind fertig. Man kann wunderbar mit ihnen malen, weil diese Farben durchscheinender sind d'> gewöhnliche und widerstatHsfähiger als die Aqua« rettfarben. Man kann sie auf Glas, auf Perlnmck' ter und auf Elfenbein anwenden.
Als Napoleon am 15. April 1821 fein Testament aufsetzte, schrieb er: „Marchand wird meine Haart aufbewahren, um daraus Armbänder machen J4 lassen, die von einem kleinen goldenen Schloß ver« schlossen werden und die er der Kaiserin Marie- ßuife, meiner Mutter, meinen Brüdern und meint#
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