Aus der Stadt Gießen
Gchießwehrkämpse der SA. 1943
Im Vordergrund stand, dem Gewicht seines Wer- kes entsprechend, Johann Strauß. Die „Fledermaus "-Ouvertüre mit ihren zuckenden Rhythmen, der Vielfältigkeit des Stimmungsgehaltes und ihrer Walzerbercmschtheit wurde sogleich bestimmend für den Abend; wie die Ouvertüre zum „Zigeuner- baron" mit ihrer rhapsodischen Haltung verheißungs- voll den zweiten Teil des Programmes eröffnete. Zwei Meffter-Walzer, die „G'schichten aus dem Wiener Wald" mit ihren poesieumwobenen Einleitung und,Kunstterleben" in innerer Gelöstheit, gezogener. Kantilene, fein entwickelten Gegenstimmen zeugten für Johann Strauß den Jüngeren; empfindungsgeschwellte Innigkeit durchzog die „Dorsschwalben aus Oesterreich" von Josef Strauß. Da durften auch die Polka-Kompositionen der drei nicht fehlen (die dann Johann in seinen Operetten zu letzter Höhe geführt hat); die dezente Intimität der Pizzikato-Polka von Johann und Josef Strauß; .„Feuerfest" von Josef und „Bahnfrei" von Eduard Strauß. Als ein geradezu geniales Werk Johanns des Jüngeren muß der musikalische Scherz „Perpetuum mobile" gelten; eine Reihe von Variationen über ein ständig wiederkehrendes kurzes Thema, die in buntem Wechsel neue Gedanken aufblitzen läßt und die einzelnen Instrumente mit feinstem Geschmack heranzieht und' gegenüberstellt im fortschwingenden burlesken Tone.
Unter Musikdirektor Otto S ö l l n e r bezeugte das Orchester an allen Putten williges Mitgehen und schmiegsame Anpassungsfähigkeit, nicht zuletzt in den sehr diskret behandelten Posaunen. Gabriele Possinke sang voll Temperament und wuchtigem Impuls den Czardas aus der „Fledermaus" und gefühlsinnig das Wienerlied „Draußen in
Theater der Universitätsstadt Gießen
Volkstümliches Konzert: Singendes, klingendes Wien.
Die drei »gestrengen Herren*.
einem gewissen Bangen sehen, auch wenn ™ ®ßtter vorher schön ist, der Landmann und der Gartner den drei „gestrengen Herren" entgegen, die leicht Kälterückfälle bringen können. Kälterückschläge, die uns im wunderschönen Monat Mai mitten in den Winter zurückversetzen, sind schon seit langem beobachtet worden. Die Volksanschauung hat die Kalteruckschläge im Mai an den Gedenktag der drei Heiligen geknüpft, mit denen am häufigsten diese frostigen Rückfälle des Wetters verknüpft find. ,L)ie drei Azius sind strenge Herren, die ärgern den Gartner und Winzer gern." In Süddeutschland und besonders in der Rheinprovinz zählt man aber zu den „drei strengen Herren", die auch die „Wetterheiligen", „Eisheiligen", „Eismänner" oder „Weindiebe" heißen, den heiligen Mamertus, dessen Tag auf den 11. Mai fällt, und scheidet Bonifatius aus, während anderwärts wieder zu den drei frostbringenden Männern eine Frau tritt, nämlich die „strenge Sophie", die am 15. Mai gefeiert wird.
Die Kälterückfälle, die meist um die Mitte des Mai auftreten und zu der Verehrung der Eis- heiligen führten, find von der modernen Meteorologie durch statistische Berechnungen bestätigt worden. Man hat bte Durchschnittswerte für die Witterung des Mai in Abschnitten von immer fünf Tagen berechnet und dabei ansteigende Temperaturen von 10,3 bis 14,7 Grad festgestellt; die größten Kälten schwanken zwischen 0 und minus 6 Grad und be- ttaaen im Mittel 4 Grad. Die meisten Rückfälle traten jedoch in der Zeit vom 16. bis 20. Mai auf, fo daß die Herrschaft der ,/gestrengen Herren" in jüngster Zeit etwas hinausgeschoben ist. lieber die Gründe dieser Erscheinung hat man sich viel den Kopf zerbrochen, hat das Schmelzen des Eises im Norden, das Vorauswirken der Asteoridenschwärme im November, die Nachwirkung des Winters usw. dafür verantwortlich gemacht. Heute erklärt man die Maifröste aus den Schwankungen des Luftdrucks, die durch die verschiedenartigen Bedingungen der allmählichen Lufterwärmung hervorgerufen werden.
JedenfMs hat oft die alte „Bauernprakttk" recht gehabt, die eine letzte Wiederkehr des Winters um die Maimitte ankündigt. Davon erzählen viele Bauernregeln. Wie zum Beispiel: Vor Nachtfrost bist du sicher nicht / Bis daß herein Servatius bricht. — Pankratius und Servatius / Die bringen Kälte und Verdruß. — Kem Reif nach Servaz / Kein Schnee nach Bonifaz. — Vor Sekvatt kein Sommer / Nach Servati kein Frost. — Wer seine Schafe scheret vor Servaz / Dem ist die Voll' lieber als das Schaf. — Ist St. Pankrattus schön / Wird guten Wein man sehn. — In der Pfalz sagt man: „Pankraz, Servaz und Bonifaz find drei Eismänner."
Im allgemeinen sind die Bauernregeln der Ansicht, daß man bis zum 25. Mai, dem Tag des hl. Urban, mit Nachtfrösten rechnen müsse. Sein Festtag gilt als das Ende der kalten Nächte, und man schreibt ihm überhaupt großen Einfluß auf die Ernte zu: „Auf St. Urban / Ist das Korn weder geraten noch verdürben." C. K.
Bewährte Frontsoldaten sprechen.
NSG. In der Zeit vom 8. bis 18. 5. 1943 werden in etwa 180 Versammlungen zahlreiche bewährte Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten, darunter mehrere Ritterkreuzträger, über ihren Einsatz im Osten zur Bevölkerung des Gaues Hessen-Nassau sprechen. Im Auftrag des Gäuleiters empfing Gau- propagandaleiter Stöhr diese tapferen Frontsoldaten am Freitag in Wiesbaden und begrüßte sie in herzlicher Weise. Er gab ihnen bei dieser Gelegenheit einen Einblick in den Umfang und die Art der Propagandaarbeit, die augenblicklich zu leisten
Schaffen und Wirken der Familie Strauß ist für die Geltung der Wiener Musik des 19. Jcchr- hunderts, insbesondere für den Wiener Walzer, zu einem weltumspannenden Symbol geworden. Der Ausdruck des spezifisch Wienerischen mit seinem genießerischen Lebenswillen und seinem herzhaften Humor hat in einer hohen Zahl von Einzelwerken seinen Niederschlag gefunden und wird für alle Zeiten immer wieder aufs neue von Wiener Musikan- tenseligkeit künden.
Johann Strauß der Vater, zeitweilig im engsten Verein mit Josef Lanner wirkend, hat mit diesem zusammen dem Wiener Walzer die endliche For- mung gegeben, und feine Söhne Johann und Josef haben sie zu innerlicher Höhe und Durchdringung vollendet. Aber nicht nur das Material gaben sie der Welt, sondern sie bewiesen durch das Beispiel der von ihnen geleiteten Orchester die Art der Ausübung solcher Musik in vorbildlicher, beispielhafter Weise. Namentlich auf dem Gebiet der Orchester- erzieh ung hat der dritte der Brüder, Eduard Strauß, den Ruf seiner Familie in alle Wett hinausgetragen. Alle drei Brüder wurden vom Vater der Dttisik ferngehalten und zu anderen Berufen gezwungen, und dennoch fanden sie den Weg zu ihrer Kunst: voran Johann mit seiner Lebensbejahung: Josef mit Zügen leichter Melancholie; Eduard als der gewandte Beherrscher der Form. Ihrem Schaffen widmete sich der Abend „Singendes, klingendes Wien" und ließ alle die Werke, die zumal im Rahmen der Rundfun kprogramme beherrschenden Anteil tragen, unmittelbar vor dem Ohr der Hörenden lebendig werden und mit der Beschwingtheil und dem Reiz dieser Musik Stunden innerer Entspannung und erleichternder Aufheiterung durchleben.
ist, wobei er sie mit den besonderen Verhältnissen des Gaues vertraut machte. Er betonte, daß es jetzt vor allem darum gehe, der Heimat die innere Stärke und Entschlossenheit zu geben, die notwen- big seien, um alle Situationen zu meistern, und damit die Voraussetzungen für den Endsieg zu schaffen. Zür Tapferkeit vor üem Keinöe.
Der (Befreite in einem Grenadierregiment Karl Wagner aus Allendorf (Lahn) wurde für
Tapferkeit vor dem Feinde im Osten mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.
Sür unsere Verwundeten.
Im Laufe der Woche hatte die Intendanz des Theaters der Universitätsstadt Gießen Verwundete zu allen Vorstellungen eingeladen. —. Die Ortsgruppe der NSDAP, in Muschenheim hatte mit ihnen Gliederungen am Sonntag eine größere Zahl Verwundeter zu Gast. Ebenfalls waren bei der Ortsgruppe der NSDAP, mit ihren Gliederungen in Ettingshausen eine große Zahl Verwundeter zu Besuch. Die Kameraden waren in den Familien zu Gast. Am Nachmittag fand eine gemeinschaftliche »tunde statt, wobei in beiden Orten für reich- nterhaltung gesorgt war. Die schönen Stunden werden allen in guter Erinnerung bleiben.
Verdunkelungszelt:
10. Mai von 22.02 bis 5.04 Uhr.
*
*♦ Silberne Hochzeit. Die Eheleute Fuhr-, unternchmer Heinrich Velten und Frau Cäcilie, geb. Baummann, Lindengasse 14, begehen am Dienstag, 11. Mai, das Fest der silbernen Hochzeit. — Unseren herzlichen Glückwunsch. — Der Jubilar befindet sich zur Zeit bei der Wehrmacht im Osten.
** Gießener Konzertrina. Als letztes Solistenkonzert des Konzertringes 1942/43 findet am kommenden Sonntag, 16. Mai, ein Kammmusitab end des Wendling-Quartetts statt, das feit vielen Jahren zu den besonders geschätzten Gästen unseres Konzertoereins gehört. Auf dem Programm stehen: Streichquartett d-moll von Mozart (Köchel 421); Streichtrio in a-moll von Reger (op. 77 Bk Streichquartett in G-dur von Schubert (op. 161).
dem e gleichzeitig mit dem Orden einen
M.ef Mussolinis übergab. In dem Schrkib^ des Duce heißt es u. a., daß der Slarirfinn w 2h--z°ichnung erhalten habe als der Führet c.nes Steaks, der btc rumänische Nation mU dem Getstder neuen europäischen Drb- nung befeeU habe. Er habe ferner als alän- zted-s B-tspt-l heroorrag-nder militärischer Tuqend mit tiefem Verständnis und anerkannkm Wae ttLlT“Ppen Stützet, weite Gebiete mm Bolschewismus befreit und einen wertvollen «eikaa ZUM gemeinsamen Kneg geleistet. „ 9
„Das ist der Krieg der Steppe"
Malaga, 9. Mai. (Europapreh > Genera, Franco erklärt- in einer Rede tn M°l°go7 Dies istderKriegderSteppe.der russischen Barbar-,. organisiert durch den blutigsten aU?? wr-n, d-r sich den Weg nach dem Westen bahnen will. Di-l-m Versuch kann.weder Spa, n.en noch die übrig- Welt gleichgültig zus-h-n. Spanien das di- Ereignisse aufmerksam verfolgt, weiß was der Kommunismus bedeutet und kennt die Gefahr die von ihm ausgeht. Die Jnnen- und Außenpolitik Spaniens wird bestimmt von der Erkenntnis der ungeheuren Gefahr der kommunistischen Lehre und von dem Er- kben eines Volkes, dem man feine Kirchen geschändet, ferne Heiligenbilder verbrannt und seine besten Maner durch die Straßen zu Tode geschleift hat. Der Caudillo hielt seine. Rede nach der feierlichen B-grußung durch den Molden der Stadt Malaga Er erklärte darin weiter, daß Spanien sowohl in se-ner inneren wie in dr -äußeren Politik den Bolschewismus bekämpfen werde. Die Einigkeit aller Spanier biete di- beste Garantie 65rtntenaUe ®efal,re"' W‘ das Land bedrohen
Schwedens Neutralitätspolitik.
Stockholm 9. Mai. (DNB.) Der schwedische Außenminister Gunther erklärte in einer Rede über die schwedische Neutralitätspolitik im Groß- mächtekrieg, daß jeder neutrale Staat seine eigene Politik formen müsse. Unter Hinweis auf die gev- graphische Lage Schwedens bemerkte der Außen- mimster, Schweden sei gezwungen gewesen, sich der fein Leben und seine Existenz notwendigen Guter zu versichern, was auch Kompensationen schwemschersetts erforderlich gemacht habe. Selbstverständlich würden die neutralen Staaten in einem Weltkrieg ebenfalls hart angepackt. Es genüge nicht, ine Neutralität zu proklamieren und bereit zu sein fte mit Waffengewalt zu verteidigen, man müsse unaufhörlich seine Grenzen bewachen und Beein- trächtigungen verhindern. Mit der Versicherung, daß Schweden kein Geheimabkommen mit irgendeiner fremden Macht getroffen habe, beendete Außenminister Günther seine Ausführungen.
So treiben es die Inden in England.
G e n f, 9. Mai. (DNB.) Einen interessanten Beitrag zur Frage des A n t i s e m i t i s m u s in Eng- land liefert ein offener Brief an „New Statesman and Nation", der als Antwort auf das Schreiben eines Juden gedacht ist, der sich vorher, ebenfalls m diefer Zeitschrift, über die in England von Tag M Tag wachsende Judenfeind schäft beklagt hatte. Der Einsender betont ausdrücklich, daß er nicht Judengegner, sondern Philosemit sei. Dennoch heißt es in dem Brief u. a.: „Ich habe leider nur zu oft Gelegenheit, zu beobachten, wie aufdringlich sich die Juden in unserer Gegend benehmen, und wie fie auf diese Weise die Feindschaft der übrigen Bevölkerung geradezu herausfordern. Sie haben immer Geld, und zwar viel zu viel Geld, und geben es so aus, daß die Einheimischen davon nur Schaden haben. Wenn irgendein Artikel oder Lebensmittel noch so knapp sind — die Juden haben sie. Sie räumen die Geschäfte förmlich aus, und wenn dann die Arbeiter kommen, ist nichts mehr da. Sie sind den Lanzen Tag unterwegs, von einem Stadtende zum anderen, was sie können, weil sie nicht arbeiten, und kaufen alles auf, was sie bekommen können.
Auch in ihrer Geselligkeit haben die Juden eine fo laute und lärmende Art, daß sie anderen, die Ruhe brauchen, auf die Nerven fallen müssen. Em- ladungen und Festlichkeiten in ihren Wohnungen reißen überhaupt nicht ab. Dazu kommen sie bann — allen Bestimmungen über die Benzinzuteilung jwm Trotz — mit ihrem Wagen vorgefahren, deren Motoren sie stundenlang laufen lassen, und wenn sie dann wieder fortfahren, dann knallen sie in der Nacht "die Türen zu, daß es nur so kracht, ohne Rücksicht auf die Nackcharn.
Diel böses Blut macht auch die Erfahrung, daß Ne Juden immer Hausangestellte haben, obgleich englische Familien keine auftreiben können. Das jber kommt einzig und allein daher, daß die Juden ten Mädchen jeden Phantasiepreis als Lohn zahlen
Am gestrigen Sonntag wurden die von der SA.-. Standarte 116 veranstalteten Schießwehrkämpfe der SA. 1943 bei starker Beteiligung von Einzelkämpfern und Mannschaften auf den Schießständen am Schützenhaus und auf dem Standort-Uebungsplatz durchgeführt. An den Wettkämwen waren die Männer der SA., der SA.-Wehrmannschasten, Politische Leiter, Mannschaften der Wehrmacht, des NSKK., der NSKOV., der • Kriegerkameradschaften, der Schützenvereine und verschiedene Mannschaften aus Gießener Betrieben beteiligt
Mit der Flaggenparade am frühen Vormittag auf den Standen am Schützenhaus wurde die Veranstaltung eingeleitet. Am Vormittag wurden die Cinzelkämpfe durckgeführt, während der Nachmittag für die Mannschaftskämpfe bestimmt war. An den Einzelkämpfen beteiligte sich eine sehr große Zahl von Wettkämpfern, die folgende Bedingungen zuerfüllen hatten: 5 Schuß liegend freihändig, 5 Schuß knieend, 5 Schuß stehend auf Kopfring, scheibe, ferner 5 Schuß Schnellfeuer in 45 Sekunden
unb sie außerdem mit Naturalien bestechen, was sich englische Hausfrauen schon deshalb nicht erlauben können, weil sie eben nichts haben. Diese Dinge scheinen vielleicht alle nicht so wichttg. Sie sind es aber; denn sie schaffen den Aerger und die Wut auf diese Fremden, die an Zahl zwar gering sind, aber austreten, als wären sie in der UÜberzahl."
Das alles bekannte, wie schon gesagt, ein Ju- denfreundl
Kleine politische Nachrichten.
Während des Besuches des Reichsführers Ml Heinrich H immler in Agram überreichte der Staatsführer des unabhängigen Staates Kroatien, Dr. Ante P a p e 11 c, dem Reichssührer Ml die höchste kroatische Kriegsauszeichnung, das Großkreuz des Ordens der Krone des Königs Zvonimir mit Elchenlaub.
auf Kopfscheibe. Die Mannschastskämpse fanden ebenfalls außeroldentlich starke Beteiligung; hier waren die Bedingungen: 5 Schuß liegend aufgelegt auf Kopfti ngfcheioe, 5 Schuß liegend freihändig auf Schartenscheibe und 5 Schuß liegend freihändig auf Kopfscheibe.
Trotz der starken Beteiligung verliefen die Wettkämpfe flott, da auf zahlreichen Ständen gleichzeitig geschossen wurde und infolgedessen allzu große Wartezeiten vermieden werden konnten. Immerhin wurde es später Nachmittag, bis die Mannschaftskämpfe bei der sehr großen Zahl von Mannschaften beendet waren.
Der Verlaus der gesamten Veranstaltung kann als ein starker und greulicher Erfolg für den großen Gedanken der Wehrwettkämpfe der SA. bezeichnet werden, der dieser Einrichtung eine weitere begrüßenswerte Vertiefung auch in unserer engeren fyeimat sichert, lieber die Ergebnisse werden wir noch berichten.
Der Stabschef der faschistischen Miliz, General G a l b i a t i, der am Parteittauerakt für den verstorbenen Stabschef der SA. in Berln teilnahm, wurde vom Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, von Steengracht, empfangen.
Der neue italienische Parteisekretär Carlo Scorza hat dem italienischen Kronprinzen einen Besuch ab gestattet.
ch
Ministerpräsident To jo, der am Sonntag von seiner Reift nach den Philippinen mach Tokio zurückkehrte, wurde Montagmorgen vom Tenno in Sonderaudienz empfangen, dem er über diese Reise und allgemeine Probleme berichtete.
♦
Die Büros des französischen Justizministeriums smd größtenteils von Vichy nach Paris zurück- verlegt worden.
Hans unö Heinz Mch
Novelle von Theodor Storm
2 Fortsetzung. (Nachdruckverboten.) ‘
Als Heinz das sechste Jahr erreicht hatte, nahm hn der Vater zum ersten Male mit sich auf die rott, als „Spielvogel", wie er sagte; die Mutter ich ihnen mit besorgten Augen nach; der Knabe sber freute sich über' sein blankes Hütchen und lief fibelnd überlas schmale Brett an Bord; er freute sch, schon jetzt ein Schiffer zu werden wie sein ->ater, und nahm sich im stillen vor, recht tüchttg lritzuhelfen. Frühmorgens waren sie ausgelaufen; jun beschien sie die Mittagssonne auf der blauen Ostsee, über die ein lauer Sommerwind das Schiff Iur langsam vorwärts trieb Nach dem Essen, be=
der Kapitän zür Mittagsruhe in die Kajüte ! ng, wurde Heinz dem Schiffsjungen anvertraut, ^r mit dem Spleißen- zerrissener Taue auf dem "ck beschäftigt war; auch der Knabe erhiell ein Par Tauenden,. die er eifrig ineinander zu verachten strebte. /
Nach einer Stunde etwa stieg Hans Kirch wieder seiner Kajüte und rief, noch halb im Taumel: '.Heinz! Komm her, Heinz, wir wollen Kaffee trin- nn!" Aber weder der Knabe selbst noch eine Ant- Qort kam auf diesen Ruf; statt dessen klang drüben
Bugspriet her der Gesang einer Kmder- Pnme. Hans Kirch wurde blaß wie der Tod; denn rU fast auf der äußersten Spitze hatte er seinen Einz erblickt. Auf der Luvseite', behaglich an das "alt geschwellte Segel lehnend, saß der Knabe, als
® Er ordnet die verwickelten Fäden!' um sie neu lammenzudrehen.
Mast am Vorderteil des Schiffes.
■ Die Seite, von der der Wind kommt.
ob er hier von seiner Arbeit ruhe. Als er feinen Vater gewahrte, nickte er ihm freundlich zu; dann sang er unbekümmert weiter, während am Bug das Wasser rauschte; seine großen Kinderaugen leuchteten, fein schwarzbraunes Haar wehte in der sanften Brise.
Hans Kirch aber stand unbeweglich, gelähmt von der Ratlosigkeit der Angst; nur er wußte, wie leickst bei der schwachen Luftströmung das Segel flattern und vor seinen Augen das Kind in die Tiefe schleudern konnte. Er wollte rufen; aber noch zwischen den Zähnen erstickte er den Ruf; Kinder, wie Nachtwandler, muß.man ja gewähren lassen; dann wieder wallte er das Boot aussetzen und nach dem Bug des Schiffes rudern; aber auch das verwarf er. Da kam von dem Knaben selbst die Entscheidung; das Singen hatte er satt, er wollte jetzt zu seinem Vater und dem feine Taue zeigen. Behutsam, entlang dem unteren Rande des Segels, das nach wie vor sich ihm zur Seite blähte, nahm er seinen Rückweg; eine Möve schrie hoch oben in der Luft, er sah empor und kletterte dann ruhig weiter. Mit stockendem Atem stand Hans Kirch noch immer neben der Kajüte; seine Augen folgten jeder Bewegung seines Kindes, als ob er es mit feinen Blicken halten müsse. Da plötzlich, bei einer kaum merklichen Wendung des Schiffes, fuhr er mit dem Kopf herum: „Backbord!" schrie er nach der Steuerseite ; „Backbord!" als ob es ihm die Brust zersprengen solle. Und der Mann am Steuer folgte mit leisem Druck der Hand, und die eingesunkene Leinewand des Segels füllte sich aufs neue.
Im selben Augenblicke war der Knabe ftöhlich aufs Verdeck gesprungen; nun lief er mit ausge- breiteten Armen auf den > Vater zu. Die Zähne des gefahrengewohnten Mannes schlugen noch aneinander: „Heinz, Heinz, das tust du mir nicht wieder!" Krampfhaft preßte er den Knaben an sich; aber schon begann die überstandene Angst dem Zorne gegen ihren Urheber Platz zu machen. „Das tust ou mir nicht wieder!" Noch einmal sagte
er es; aber ein dumpfes Grollen klang jetzt in seiner Stimme; feine Hand hob sich, als wolle er fie auf den Knaben fallen taffen, der erstaunt und furchtsam zu ihm aufblickte.
Es sollte für diesmal nicht dahin kommen; der Zorn des Kapitäns sprang auf den Schiffsjungen über, der eben in seiner lässigen Weise an ihnen vorüberschieben wollte; aber mit entsetzten Augen mußte der kleine Heinz es ansehen, wie sein Freund Jürgen,, er wußte nicht weshalb,'von seinem Vater auf das grausamste gezüchtigt wurde.
--Als im nächsten Frühjahr Hans Kirch seinen Heinz wieder einmal mit aufs Schiff nehmen wollte, hatte dieser sich versteckt und mußte, als er endlich aufgefunden wurde, mit Gewalt an Bord gebracht werden; auch saß er diesmal nicht mehr singend unterm Klüversegel°; er fürchtete seinen Vater und trotzte ihm doch zugleich. Die Zärtlich- leit des letzteren kam gleicherweise immer seltener Mage, je mehr der eigene Wille in dem Knaben wuchs; g taub ter er doch selber nur den Erben seiner aufftrebenden Pläne in dem Sohn zu Heben.
x ♦
Als Heinz das zwölfte Jahr erreicht hatte, wurde ihm noch eine Schwester geboren, was der Vater als ein Ereignis aufnahm, das eben nicht zu ändern fei. Heinz war zu einem wilden Jungen aufgeschossen; aber in der Rektorschule hatte er nur noch wenige über sich. „Der hat Gaben!" meinte der junge Lehrer, „der könnte hier einmal die Kanzel zieren." Aber Hans Kirch lachte: „Larifari, Herr Rektor! Ums Geld ist es nicht; aber man sieht doch gleich, daß Sie hier nicht zu Haufe sind."
Gleichwohl ging er noch an demselben Tage zu seinem Nachbarn, dem Pastoren, dessen Garten sich neben seinem Grundstück bis zur Straße hinab erstreckte. Der Pastor empfing den Eintretenden etwas stramm: „Herr Kirch", sagte er, bevor noch dieser
6 Das dreieckige Segel vorn am Schiffe, das Wort zu nehmen vermochte» „Ihr Junge,
Heinz, hat mir schon wieder einmal die Scheiben in meinem Stallgiebel eingeworfen!"
,^at er das", erwiderte Hans Kirch, „so muß ich sie einsetzen lassen, und Heinz bekommt. den Stock; denn das Spelwerk ist zu teuer."
Dann, während der andere zustimmend nickte, begann er mit dem, was ihn hergeführt, herauszurücken: der Pastor sollte feinen Heinz in die Privatstunden aufnehmen, welche er zur Aufbesserung seines etwas schmalen Ehrensoldes einigen Kostgängern und Söhnen der Honoratioren zu erteilen pflegte. Als dieser sich nach einigen Fragen bereit erklärte, machte Hans Kirch noch einen Versuch, das Stundengeld herabzudrücken; da aber der Pastor nicht daraus zu hören schien, so wiedeholte er ihn nicht; denn Heinz sollte mehr fernen, als jetzt noch in der Rektorschule für ihn zu holen war.
Am Abend biefes Tages erhielt Heinz die an- gelobte Strafe und am Nachmittage des folgenden, als er zwischen den andern Schülern oben in des Pastors Studierzimmer faß, von Wohlehrwürden noch einen scharf gesalzenen Text dazu. Kaum aber war nach glücklich verflossener Stunde die unruhige Schar die Treppe hinab und in den Garten hinaus- aestürmt, als der erlöste Mann von dorten unter seinem Fenster ein lautes Wehgeheul vernahm. „Ich will dich Hitfern6 lehren!" rief eine wütende Knabenstimme, und wiederum erscholl das klägliche Geheul. Als aber der Pastor fein Fenster öffnete, fah er unten nur feinen fahlblonden Kostgänger, der ihm am Morgen Heinzens Missetat verraten hatte, jetzt in eifriger Beschäftigung, mit seinem Schnupftuch sich das Blut von Mund und Nase abzuttocknen. Daß er selbst an jenem Spielwerk mitgeholfen hatte, fand er freilich sich nicht veranlaßt zu verraten; aber ebensowenig verriet er jetzt, wer ihm den blutigen Denkzettel auf den Weg gegeben hatte.
0 In der Küstensprache für petzen. (Fortsetzung folgt)


