Ausgabe 
10.5.1943
 
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Wgen und strebenden Willen nun unverzüglich auch die Waffe zu schmieden.

Technische Beherrschung des Panzerkampfwagens war das -erste Ziel, das den Panzermännern gesteckt war. Es wurde schnell erreicht, lieber den Einsatz im großen aber gab es weder eigene Erfahrungen, noch konnte man solche den sich widersprechenden Ansichten der Feindmächte entnehmen. Hier konnten in der kurzen Zeit bis 1939 weder Manöver noch Debatten Klarheit bringen. Hier konnte allein der Krieg entscheiden. z

Polen und Frankreich offenbarten nun der Welt, daß jenerTank" von 1917 mehr geworden war als Ueberwinder des Maschinengewehrs. Die jüngste Panzerwaffe der Welt trat den Beweis an. Es war eine revolutionäre Umwälzung gegenüber der Kriegführung von 1918 eingetreten. Die Panzerkampfwagen, zusammengefaßt in starke Panzerdivisionen, waren zu einer kriegsent- scheidenden Waffe geworden. Die deutsche Wehrmacht war Lehrmeister des Panzerkampfes geworden. Selbstverständlich erkannten die Feinde das und zogen ihre Lehren daraus. Panzerarmeen entstanden hüben und drüben.

Mag man heute lächeln über unsere ersten und alten Panzer, die in Polen unsere treuen Kampf­gefährten waren, mag, um gleich einen großen Sprung zu tun, der sowjetischeT 34" demgegew über ein beachtenswertes Ungeheuer fein, mögen darüber hinaus die Kompfregeln, welche die So­wjets heute herausgeben, bis ins letzte den deut­schen Vorschriften und der deutschen Kampfführung entnommen sein das alles konnte ihnen nicht jene kriegsentscheidende Waffe bringen.

Im Wettlauf zwischen Panzerung, Feuerkraft und Schnelligkeit entstehen neue Erkenntnisse, neue Forderungen und neue Entwicklungen. Heute stehen wir mitten im Fluß dieser Dinge. Nüchterne Er­kenntnis der zurückliegenden Zeit diese Erkennt­nis braucht dabei nicht immer nur von Erfolgen herzurühren läßt uns den Ausblick tun auf die Panzer 1943. Zwei Namen werden genannt. Em neuerTiger, und ein alter bekannter: Guderian". Das sagt uns, daß das neue Material besetzt und geführt wird im Geiste tri-egs- entscheidender Kriegführung.

Manch Außenstehender wird verständnislos sich verwundern, warum denn nicht lange schon der neue Panzer geschaffen wurde. Nun, derDi-ger" läßt sich nicht aus dem Boden stampfen. Aber nun ist er d a. Mit harten Prankenhieben hat er sich als Einzelkämpfer eingeführt, hart im Schlagen und unglaublich hart im Nehmen. Was aus ihm wird, sollen Freund und Feind erfahren. Wir stehen erst am Anfang einer neuen Epoche. DerTiger" wird nicht allein bleiben.

Wer im Panzer und mit ihm gekämpft hat, kennt das Ziel, welches der Führer von Anbeginn dieser Waffe setzte und zu dessen endgültigem Erreichen -er seinen Genevalinspekteur berufen hat. Nicht seelenlose Panzermassen entstehen. Nicht Maschinen gilt es- gegen den Feind zu führen. Was unsere alten Panzer im Zusammenwirken mit allen Was« fen, insbesondere mit der Infanterie und den Pan­zergrenadieren, in drei Feldzügen gezeigt haben, wird die neu entstandene deutsche Panzenyaffe wie­der unter Beweis stellen. Dazu steht heute neben dem Glauben an die Waffe bereits das Wissen.

Dom Generalinspekteur bis zum letzten Panzer­fahrer werden die neuen Waffen belebt von dem einen Gedanken:Kriegsentscheidung und Sieg!"

gruppenführer Jütin er, Im Namen der SA. die Gedenkrede. Er sprach davon, daß Die Ml -Männer im ganzen Reiche trotz ihrer inneren Härte aufs tiefste erschüttert seien, und gedachte dann des be- onders schweren Verlustes, den die Familie erlitten hat, schilderte Viktor Lutze als Gatten und Vater, der seinen Kindern zugleich der beste Freund ge­wesen sei. Er schloß mit dem Gelöbnis: Die Sturm- äbteilungen sind zum Marsch und zu weiteren Kämpfen für die Ideale des Führers, für eine neue segensreiche Zukunft des deutschen Volkes ange­treten. _

Gauleiter Dr. Meyer richtete im Namen des

Gaues Westfalen-Nord letzte Worte an den Stabs­chef, worauf unter den Klängen des Liedes vom guten Kameraden die beiden Särge ins Grab san­ken. Ein Zug der SA.-StandarteFeldherrnhalle" feuerte über dem offenen Grab des Stabschefs drei Gewehrsalven ab. Die Lieder der Nation beschlossen die Feier. .

Die Anteilnahme der Bevölkerung zeigten auch noch die letzten Stunden vor der Ankunft des Trauerkondukts in Bevergern. Ueberall in den Städten und Dörfern waren die Menschen ange­treten, um den Stabschef zum letzten Male zu I grüßen.

Dis Abwehrkämpfe.

3n Tunesien.

Berlin, 9.Mai. (DNB.) In Tunesien setz­ten die deutschen und italienischen Truppen am Samstag den erbitterten Abwehrkampf gegen den mit unverminderter Heftigkeit angreifen­den Feind fort. Südlich des Aschkel-Sees und am Medjerda-Fluß halten mehrere Kampf­gruppen immer noch ihre Stellungen. Unter Aus­nutzung jedes kleinen Geländevorteils verteidigen sie sich mit ungebrochenem Mut gegen die er­drückende Uebermacht des Gegners. Als weit vor­geschobene Wellenbrecher ziehen sie die Angriffe auf sich, zersplittern damit die feindlichen Stoß­kräfte und decken durch ihren heldenmütigen Kampf die Maßnahmen der hinter ihnen im Raum süd­östlich Bizerta kämpfenden Verbände.

Weiter südlich sind die bisher m der Stadt Tunis Widerstand leistenden Einheiten nach Südosten ausgewichen und haben die Ver­bindung mit dem rechten Flügel der Südgruppe Änommen. Durch die schweren, für den Feind streichen Straßenkämpfe ist die Stadt zum Trümmeryaufen geworden. Die Briten stießen un­seren Nachhuten auf der von Tunis nach Ham- mamet-Lif führenden Straße mit etwa 60 Panzern und starken Infanteriekräften nach An­den neu bezogenen Stellungen zerschellte je­doch der Ansturm, 24 feindliche Panzerkampfwagen wurden dabei abgeschossen.

Die in einem großen Bogen nach Westen vor­springende neue Hauptkampflinie, die sich auf die Gebirgszüge südöstlich von Tunis stützt, würde ebenfalls an verschiedenen Stellen von Westen, Südwesten und Süden in wechselnder Stärke angegriffen. Alle diese Vorstöße scheiter­ten jedoch unter hohen Verlusten für den Feind; insbesondere wurden aus Senegalnegern bestehende Truppenteile schwer zusammengeschlagen.

Um die Organisation des weiteren Widerstandes zu stören, erschienen mehrfach starte britisch-nord­amerikanische Fliegerverbände über den tunesi­schen Gewässern und der Halbinsel Bon öst­lich Tunis. Deutsche und italienische Jäger warfen sich immer wieder den feindlichen Geschwcckern ent­gegen und drängten sie aus den Zielräumen her­aus. In erbitterten Luftkämpfen mit dem zahlen-- mäßig weit überlegenen Gegner schossen sie 22 feindliche Flugzeuge ab.

Unsere Flakbatterien ließen sich ebenfalls von den fortgesetzten Bombenangriffen nicht beirren und brachten nad) bisher vorliegenden Meldungen weitere fünf britische Maschinen zum Absturz. Be­sonders erfolgreich war bei den Abwehrkämpfen eine Einheit der Luftwaffenflak, die im Kamps gegen Erd- und Luftziele allein drei feindliche Panzer und drei Flugzeuge vernichtete.

Am Kuban-Brückenkopf.

Berlin, 9. Mai. (DNB.) Am Kuban- Brückenkopf lag der Schwerpunkt starker, von zahlreichen Panzern und Fliegerstaffeln unterstützter Angriffe der Bolschewisten am 8.5. bei Krym­sk a j a und südlich davon. Am hartnäckigen Wider­stand unserer Jäger und Grenadiere scheiter­ten jedoch auch die erneuten Versuche, den Brüt« kenkopf einzudrücken, unter hohen Äerlusten für den Feind. Durch das Feuer schwerer Waffen und durch Vernichtungstrupps wurden dabei 20 So­wjetpanzer zur Strecke gebracht, 16 davon allein im Abschnitt einer Jagerdivision. In erfolgreichen Gegenstößen gelang es, größere Teile der Stoßregimenter abzuschneiden und gefangenzu­nehmen. Nach dem Mißlingen der Angriffe sam­melte der Feind seine angeschlagenen Kräfte, ver­stärkte sie mit frischen Reserven und stellte sich von neuem zu Vorstößen bereit. Artillerie und Luft­waffe zerschlugen jedoch die Trupenansammlungen, so daß die Sowjets gegen Abend ihre Angriffs­absichten aufgaben.

Unsere Luftwaffe war zur Unterstützung des Abwehrkampfes mehrfach schwerpunktmäßig einge­setzt. Kampf-, Sturzkampf, und Schkachtflugzeug- geschwader griffen die Feuerstellungen der Artil­lerie, anruckende Reserven, Panzerformationen und Nachschubkolonnen wirksam mit Bomben und Bordwaffen an. Im Lagunengebiet an der Kuban­mündung wurden Ansammlungen von Uebersetz« boote im Tiefflug von Kampfslugzeugen bombar­diert und beschossen und dabei weitere 13 Fahr­zeuge versenkt oder schwer beschädigt. Unsere Ja^>- flioger bewiesen von neuem, ihre Ueberleaenheit. Sie verlegten zahlreichen feindlichen Bombenstaft fein immer miete den Weg. trieben sich die bol­schewistischen Flugzeuge vor Die Waffen und schos­sen nach bisherigen Meldungen über 40 feind­liche Flugzeuge ab. Insgesamt verloren die Sowjets über dem südlichen Abschnitt der Ostfront durch Jäger und Flakartillerre 50 Fahrzeuge.

Italien und Afrika.

Die letzte Fahrt des toten Stabschefs.

Bevergern (Westfalen), 9.Mai. (DNB.) Das kleine Lanostädtchen Bevergern im Kreise Tecklen­burg stand am Sonntagoormittag im Zeichen des Begräbnisses des Stabschefs Viktor Lutze. Die Männer der SA., die Politischen Leiter, die Partei­formationen, Verbände und Vereine waren auf dem Saltenhofe, der Wohnstätte, des Stabschefs am Rande des Städtchens, angetreten. Vom Wohnhaufe aus, wo seine Leiche und die seiner Tochter ou'fge- bahrt gewesen waren, trugen SA.-Männer die blumengeschmückten Särge zu der Birkengruppe in der Ecke des Bauernhofes, wo die Begräbnisstätte hergerichtet wax. Dahinter wurde als einziger Kranz der des' Führers getragen. Dann folgten, geführt von Obergruppenführer Iüttner, die Frau des Stabschefs mit dem alten Vater und den übrigen Verwandten, denen höhere SA.» und Partei­führer und der Stab des Gauleiters Westfalen- Nord folgten.

Am Grabe hielt der Kamerad und persönliche Freund des Stabschefs wie seiner Familie, Ober-

Das italienische Volk wird bis

Rom, 10. Mai. (Europapreß.) Der Tag des italienischen Imperiums, der zugleich der Tag des Heeres und der Auslandsitaliener ist, wurde am gestrigen Sonntag in ganz Italien feier­lich begangen. Ueberall im Lande wurden vor den Gedenkstätten der Gefallenen religiöse Feiern abge­halten. In Rom verlieh König und Kaiser Victor Emanuel an verdienstvolle Soldaten und an die Angehörigen Gefallener Medaillen aus Gold, Silber und Bronze. Den von feindlichen Luftangriffen be­sonders mitgenommenen italienischen Städten wur­den die vergebenen Abzeichen des Kriegsbeschädig- ten-VerbaNdes übermittelt. Im Palazzo Firenze m Rom weihte Marschall de Bono, einer der hervor­ragendsten italienischen Kolonialsoldaten und Heer­führer im abessinischen Krieg, in Gegenwart des Königs und Koffers eine Büste des Afrika^Kämp- fers, des Herzogs von Aosta ein, der der erste Vizekönig von Äthiopien war und in englischer Kriegsgefangenschaft gestorben ist.

In Mailand sprach in einer machtvollen Kundgebung in der Scala der Afrika-Mi- n i st e r

zum letzten Atemzug kämpfen-.

General Teruzzi,

te in seiner mit starker Zustimmung aufgenomme­nen Rede u. a. sagte: Unser Glaube bleibt uner­schütterlich, so schwer auch die .Prüfungen sein mögen, die der Sieg von uns fordert. Denen, die heute behaupten wollen, daß wir das Imperium verloren haben, antworten wir", so rief der Gene- ral aus, ,baß' wir nichts verloren haben.

Die Schlacht geht weiter, und der Tag wird kommen, da unsere Opfer unsere Ruhmestitel sein werden."

Anschließend rief General Teruzzi die über zweijährige Schlacht bei der erbitterten Verteidigung Libyens wach. Italiens Gruß, so betonte er, gelte auch den Eingeborenen des Imperiums und Li­byens und schließe die Aufforderung zum gedul­digen Ausharren in sich. Italien werde feine Mis­sion in der Welt nicht verraten, sondern mit allen seinen Energien und Kräften erfüllen. Afrika sei heute mehr denn je Lebensraum für seine Expan­sion. 50 000 Italiener bedürften 'Metes Lebens­raumes, zu dem Italien die natürliche Brücke bilde.

Afrika gehört Europa, und das rnittelmeer kst das Mare nostrum.

Gerade wegen unserer Freiheit im Mittellneer", so sagte er weiter, sind wir in den Krieg getreten. Der Verlust von Libyen beweist eindeutig, wie hassenswert und untragbar Englands Herrschaft in einem Meer ist, das nicht ihm, sondern nur uns gehört. Als England wegen des polnischen Korridors und der Rückkehr der deutschen Söhne in die Hei­mat Deutschland den Krieg erklärte, war es Italien nicht möglich, länger neutral zu bleiben. Zudem waren wir bereits an Deuffchland durch einen un­zerstörbaren und keineswegs zufälligen Pakt gebun­den. Mussolini hatte diesen Pakt mit seiner genialen Weitsicht und aus tausend guten Gründen abge­schlossen. Die Neutralität hätte uns ohne Ruhm und ohne Ehre doch in den Krieg gezogen. Das ita- Ilenische Volk", so stellte der General weiter fest,weiß, daß seine ganze Zukunft auf dem Spiele steht und kämpft deshalb bis zum letzten Atemzuge und bis zum letzten Bluts­tropfen. Dieser Krieg war unausbleiblich und unver­meidlich. Wir Italiener haben ein ruhiges Gewissen, weil Mussolini alles tat, um ihn zu vermeiden."

In yllen anderen italienischen Städten fanden Feldmessen und große Veranstaltungen statt, in denen die Bevölkerung in ihrer Verbundenheit mit der Wehrmacht ihre Gewißheit der Rückkehr in das afrikanische Imperium zeigte.

An das Heer.

Rom, 9. Mai. (DNB.) ZumTag des Heeres" richtete der Unterstaatsfekretär im Kriegsminffte- rium, General So r i ce, folgende Worte an d^as Heer:Stolz auf seine Traditionen und pflichtbe­wußt feiert das italienische Heer seinen Ehrentag unter den Waffen. Es steht bereit, mit seinem Eiu° satz und seinen Opfern den Glauben an das unsterbliche Schicksal des Vaterlandes zu bekräftigen."

Italien protestiert in Washington.

Rom, 9. Mai. (Europapreß.) Die italienische Re­gierung hat in Washington wegen der wie» verholten Angrfffe nord amerikanischer Flieger gegen italienische Lazarettschiffe Protest erheben lassen. Der Protest wurde durch Vermittlung der Schweiz, der Schutzmacht Italiens in den Der- einigten Staaten, übergeben. Er stützt sich auf den in der Haager Konvention von 1907 oereinbarten Schutz von Lazarettschiffen im Kriege. Aus dem Beweismaterial geht einwandftei hervor, daß die amerikanischen Flieger die Lazarettschiffe als solche erkannt hatten und trotzdem ihre Angriffe durch- führten.

LlGA.-Lmperialismus schluckt Erithrea.

Juden und Jobber Plündern das Land aus.

Rom, 9. Mai. (Europapreß.) lieber die Durch­dringung der italienischen Kolonie E r i t h r e a durch die Nordamerikaner berichtenPopolo di Roma" undTribuna" am Sonntag. Insbesondere wird hervorgehoben, daß die Nordamerikaner den Hafen Massaua in größtem Stile ausgebaut haben und dort Ende 1942 schon fünf große Werften in Betrieb waren. Die Nordamerikaner erschienen Ende 1941 in Erithrea, d. h. neun Monate nach der Besetzung des Landes durch die Engländer und nur wenige Wochen nach dem Eintritt der USA. in den Krieg. Zuerst kamen Vertreter von großen USA.« Firmen, die Geschäftsreffen im Nahen Orient mach­ten. Diese Vertreter waren meist Juden und ar­beiteten am liebsten mit Juden. Nach ihnen kamen andere Nordamerikaner, und zwar Arbeitslose und frühere Sträflinge. Sie waren schlecht ausgerüstet, schlecht gekleidet und stürzten sich sofort auf das Land, um Geschäfte zu machen. Nach diesen Leuten kam eine Sondermission, die aus Offizieren bestand und die die Tätigkeit der Neuyorker Firmen über­wachte. Später kamen Techniker, Soldaten und an­dere Nordamerikaner, die nach und nach bi e (Eng­länder aus ihren Stellungen dräng­ten. Die Goldminen Ertthreas wurden eines Tages von den Nordamerikanern einfach requiriert.Eri­threa ist der Bestandteil eines imperialistischen Pla­nes der USA., dessen Liquidierung England mtt Besorgnis zusehen mußte", so schließt der Bericht.

Italien ehrt Marschall Antonescu.

Bukarest, 9. Mai. (DNB.) König ,unb Kaiser Viktor Emanuelhat dem rumänischen Staats­chef Marschalb Antonescu das Großkreuz des Or­dens vom Hause Savoyen verliehen. Die hohe Aus­zeichnung wurde dem Marschall durch den italienischen Sondergesandten General Grazioli überreicht, der

Aus einem alten Lexikon.

Von Dr. P. Lücke.

Es gibt kaum eine interessantere Kulturgeschichte als ein Konversationslexikon! Ich blättere gern darin, und zwar nicht nur in der neuesten Aus­gabe eines Brockhaus ober Meyer, und wie die ver­schiedenen Vielwisser heißen, sondern gerade auch in den älteren. Wenn wir genau wissen wollen, in welcher Welt unsere Urgroßeltern lebten, was sie für Kenntnisse hatten, wofür sie sich begeisterten, so müssen wir in einem dieser alten vergilbten Werke lesen, das ihr Wissen und ihre Interessen enthüllt.. Wir ahnen dann, worüber man damals in den Salons wie am Starnnttisch sich unterhielt. Aber auch die jüngeren Ausgaben sind zwar über­holt, aber nicht wertlos! Wer z. B. die letzte Aus­gabe der Lexika vor dem Weltkriea in die Hand nimmt, der ist erstaunt, was wir schon allein in 25 Jahren gelernt und vergessen hoben, obwohl diese Bände schon sehr den heutigen ähneln. Der älteste Brockhaus aus dem Jahre 1809 dagegen, der sich im UntertitelKurzgefahtes Handwörterbuch für die in der gesellschaftlichen Unterhaltung aus Wissenschaften und Künsten vorkommenden Gegen­stände" nennt, umfaßte nur vier Bände im Oktav­format, von denen jeder 400 Seiten hatte. Dafür war er aber auch so handlich, daß der Urgroßvater ihn bequem in der Rocktasche mitnehmen konnte.

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Besonders interessant an einem solchen Z ei Doku­ment ist natürlich, was nicht darin steht. Beechoven z. B. war 1809 noch nicht lexikonreif, obwohl seine ersten sechs Sinfonien bereits erschienen waren. Dagegen wird Joyann Sebastian Bach schon damals der größte unter den deutschen Tondichtern" ge­nannt. Als eine besondere Begabuna wird ange­führt, daß erauf dem Orgelpedal Lauser wie mit den Händen machen konnte", und von seinen Kom- positionm wird berichtet- sie seien so schwer gesetzt, daß nur ein Virtuose sie fehlerfrei spielen könne. Seinen Zeitgenossen und der nachfolgenden Gene­ration war Bach eben der große Orgelvirtuose. Seine Würdigung als Komponist dagegen begann

©er Pulsschlag einer großen Stabs

9 durch Grippe und 1392 durch Typhus und andere

durch Hinzurechnung von Teilen Oesterreichs erklärt werden konnte. Das Lexikon sagt darüber nichts, dagegen erfahren wir, daß Deutschland damals mit 30 Millionen Einwohnern an erster Stelle unter den europäischen Staaten gestanden habe, und daß es 300 kleinere und größere Staaten von besonderen Titeln und Verfassungen enthielt.

Allmonatlich veröffentlicht das Gemeindeblatt von Paris die interessanten Erhebungen des statistischen Amtes über die französische Landeshauptstadt und die nächste Umgebung. Krankheiten, Brände, Ver­haftungen, die Anzahl der beförderten und einge­gangenen Briefe, ja sogar die Einnahmen des Pa­riser Stadtzolles finden hier eine genaue Verzeich­nung. Nüchterne Zahlen, aber hinter ihnen spürt man das pulsierende Leben einer Millionenstadt mit ihren Freuden und Leiden, den Herzschlag von Paris. Die letzten vierzehn Tage des Jahres 1942 brachten 1856 Todesfälle gegenüber 1628 in der ersten Dezemberhälfte: 166 Menschen raffte die Tuberkulose dahin, 289 starben an Herzkrankheiten,

Krankheiten. Der gleiche Zeitraum weist nur 1243 Geburten auf.

Alle Statistiken werden mit größter Genauigkeit in einem verwitterten, grauen Haus von Mt-Parfs unter der Direktion.Liner Frau geführt, der 16 Kartographen und Soezialmaschinenschreiber zur Seite stehen. Hier werden im Laufe eines Jahres 185 000 Karteikarten, die aus 20 Stadtbezirken von Paris und den 80 Bürgermeistereien der Bannmeile ^usammenströmen, sortiert und bearbeitet. Ehe­schließungen, Scheidungen, Geburten und andere Zivilsachen erscheinen auf anonymen, durchlochten Kärtchen, die nur noch der Eingeweihte entziffern kann. Die Tagesleistung beträgt ungefähr 700 Kar«, teitarten. Eine Spezialmaschine überprüft und be­richtigt den Lauf der Lochkarten, die dann durch ein Holzflügelsystem in kleine Kästen geleitet werden. Die Gesamtheit dieser Kästen ist nut einer elektri­schen Schalttafel verbunden, und der sie bedienende Mecanograph kann dank seiner Vollkommenheit jede das Pariser 2eben betreffende Frage klären. Interessiert es uns, wieviel Kinder männlichen Ge­schlechtes an einem bestimmten Tage in Paris zur Welt gekommen sind, so erscheint nach einigem Rasseln und Schnurren auf der elektrischen Tafel die Zahl 80.

Eine der wichtigsten Aufgaben des statistischen Amtes ist die Fesfftellung und Einordnung der ver­schiedenen Krankheiten und Epidemien. Nach einem internationalen Code sind die möglichen Krankheits­erscheinungen mit den Ziffern von 1 bis 200 be­nannt. Sobald eine Krankheitsmeldung eingeht, wird auf der Kartothekkarte die Code-Nummer ein­getragen und ihr eine weitere hinzugefügt, die den Stadtbezirk ober die Gemeinde bezeichnet, in wel­cher der Kranke wohnt. Eine Auslesemaschine zählt alle 14 Tage die schwersten Fälle innerhalb von Paris zusammen. Das Jahresresultat ist in drei kleinen Kartotheken und den 900 Seiten des statisti­schen Jahrbuches enthalten. Das statistische Amt steht in ständiger Verbindung mit den wichttgsten Ländern der Erde und .hofft, bald eine umfassende Bibliothek eröffnen zu können, in der sich Medizimr, Sozialpolitiker und Wirtschafller über alle sie interessierenden Fragen unterrichten können.

Einen der längsten Abschnitte des alten Buches aber durfte ein Graf von Benjowski für seine merk­würdige und verworrene Lebensgeschichte in An­spruch nehmen, die auch für unsere, an abenteuer­liche Schicksale genugsam gewöhnte Zeit phantastisch klingt: Kaiserlicher General in russischen Diensten, dann von seinen habgierigen Brüdern vertrieben, wird er aus unerfindlichen Gründen nach Kam- schaika verbannt. Dort verliebt sich die Tochter des Gouverneurs in ihn und brennt mit ihm durch. Auf einer japanischen Insel muß er sich mit der Tochter eines Jesuiten verloben. Schließ­lich wird er von den Franzosen als Kolonisator nach Madagaskar geschickt. Die Eingeborenen von Mada­gaskar wollen ihn zum König machen, und das verfeindet ihn wieder mit den Franzosen. Er stirbt den Tod des Rebellen. Und diesen Mann haben die heuttgen Lexika glatt vergessen!

erft mit der denkwürdigen Berliner Aufführung seiner Matthäuspassion im Jahre 1829.

Auch der Erfinder^des Porzellans, Johann Fried­rich Böttger, hatte als solcher noch keine eigene Rubrik, obwohl er schon 90 Jahre tot war und die großen Manufakturen ihre erste Blüte längst hinter sich hatten. Dagegen wird er erwähnt unter Alchemie" als einer, der wahrscheinlich imstande gewesen sei, Zinn und Blei in Gold zu verwan­deln. Die Alchemie wird-hier noch alsWissenschaft' der Derwandlung der Metalle" bezeichnet. Sie ge­nießt also durchaus noch eine gewisse Achtung, wenn auch gesagt wird,daß man sich in den Schriften der Alchemisten keinen Rat holen rann, da dieselben lauter unverständliche und unauflös- liche Rätsel enthalten". Wenn man dagegen den AbsatzChemie" aufschlägt, so muß man feststellen, daß die Definitionen sich im letzten Jahrhundert kaum geändert haben. Damals wie heute wird die Chemie die Lehre von der Umwandlung und von den Eigenschaften der Stoffe genannt. Allerdings sucht man vergeblich in einem so alten Lexikon nach dem StichwortElement", obwohl damals schon eine ganze Anzahl der chemischen Grundstoffe be­kannt waren und obwohl der große Lavoisier be­reits den Grund zu der quantitativen Chemie ge­legt hatte. In 16 Zeilen nur wird die Wissenschaft abgespeist, die man heute fast als ,Hie Wissenschaft unserer Zeit" bezeichnen könnte und der in der neuesten Ausgabe des gleichen Lexikons nicht weni­ger als /22 Spalten gewidmet sind.

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Die Veränderung der geschichtlichen Datest ist fast noch interessanter als die Feststellung des wis­senschaftlichen Forffchritts. 1809 wird über Deutsch­land gesagt:Die Kenntnis der Größe dieses weit­läufigen Landes beruht bis jetzt noch bloß auf un­maßgeblichen Zahlen", die Landvermessung war eine Kunst, die erft in den Anfängen steckte. Mit 12000 Quadratmeilen wird die Fläche unseres Vaterlandes geschätzt gegenüber 470 000 Quadrat­kilometer, die es nach dem Frieden von Versailles aufwies. Auch zu dem Deutschland von 1809 gehört allerdings Elsaß-Lothringen nicht und ebensowenig Nordschleswig, so daß die größere Ausdehnung nur