später damit und haben sich dagegen gerüstet-. Die japanische Luftwaffe hat vor allem diese amerikanischen Flugplätze in den von den Japanern nicht besetzten Teilen Chinas aufs Korn genommen und viele von ihnen so gründlich zerstört, daß bei den außerordentlichen Schwierigkeiten des Nachschubs sobald keine Möglichkeit für eine Intensivierung des Luftkrieges gegen das japanische Mutterland bestehen dürfte. Da aber die Entfernung von Hawai bis zu den japanischen Inseln 6300 Kilometer beträgt und die Entfernung von den Midway-Jnseln, dem nächstgelegenen amerikanischen Stützpunkt, immer noch 4500 Kilometer, der Einflug von Dutch Harbour auf den Aleuten eher noch weiter ist, zudem hier durch die starken Nebel das Flugwetter nur selten günstig ist und die Japaner durch die Besetzung der Inseln Kiska, Attu und Agattu leicht
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Sperre legen können, so bleibt der amerikanischen Luftwaffe kaum eine andere Operationsbasis als das Tschungking-Gebiet, denn Flugzeugträger sind in der USA.-Marine nach den schweren Verlusten in der Südsee überaus rar geworden, eignen sich auch nicht für den Transport zahlreicher schwerer Langstreckenbomber, und von Süden her ist ein über« raschender Luftangriff kaum denkbar, da hier die japanische Luftwaffe am Außenwall des ostastatischen Raumes, der zugleich die Kampflinie gegen Australien bedeutet, aus der Wacht ist, mit welchem Erfolg, das zeigen am besten die außerordentlich hohen Verluste an Flugzeugen, die die Amerikaner in den Luftschlachten über Neu-Guinea und den Salomonen ständig erleiden.
Diese für die Amerikaner schwierige Lage erhellt die sowohl für den Einsatz der amerikanischen Luftwaffe wie für eine Fortführung des Kampfes durch Tschungking ausschlaggebende Bedeutung einer Land, Verbindung zwischen Indien und Tfchungking. Durch den Verlust der Burma-Straße ist Tschiangkaischek von seinen Verbündeten praktisch isoliert. Die erfolgreichen japanischen Operationen im mittleren Jangtse-Tal haben im Februar diese riesige Verkehrsader des chinesischen Reiches für Zufuhren Tschiangkaischeks aus den Ostprovinzen abgeschnürt. Die wenig später erfolgte Besetzung der französischen Einflußzone an der Kwang-tschou-Bucht h-at auch dieses letzte Loch, das dem Marschall an der sudchinesischen Küste geblieben war, verstopft. Der Weg durch die Hintertür ist seine letzte Hoffnung. Er führt über ungeheure Entfernungen und durch ein Gelände, das zu den am schwersten zu bewältigenden der Erde gehört, mag man nun den Karawanenweg aus der nordostindischen Grenzprovinz Assam über Tibet wählen, der auf Saumpfaden Pässe von mehr als 5000 Meter Höhe überwinden muß, oder die alte „Seidtnstraße", die von Tschung- king über - Lantschou auf einer Strecke von rund 5000 Kilometer durch die Wüsten Sinkiangs bei Alma Ata die Turkestan-Sibirische Eisenbahn erreicht. Aber bis hierher muß das für Tschungking bestimmte amerikanische Kriegsmaterial den gefahrvollen Weg über den Atlantik und dann über den afrikanischen Kontinent oder um Kapstadt herum zu den Häfen am Persischen Golf und auf der Achse durch Iran und die Sowjetunion zurücklegen. Hier kreuzen sich auch die Interessen Tschiangkaischeks und der Sowjets, die selber dringend Kriegsmaterial benötigen und kaum geneigt sein werden, von dem wenigen, was so tropfenweise den Weg zu ihnen findet, auch noch abzugeben. Zudem scheint ihnen die neuerlich in der Politik Tschiangkaischeks festzustellende Tendenz nicht zu behagen, den Schwerpunkt des Regi- ines immer mehr nach Westen zu verlagern und dabei selbst vor umfangreichen bevölkerungspolitischen und wirtschaftlichen Umsiedelungen nicht zurückzuschrecken, um als Ersatz für die an Nanking verlorenen reichen Ostprovinzen das riesige Sinkiang, das mit 1,6 Millionen Quadratkilometer Fläche,
aber nur 4,3 Millionen Einwohnern, einst Chinas größte, wenn auch dünnst bevölkerte Provinz war, wieder fester dem Reich anzugliedern. Sinkiang aber ist unter dem Namen Ost-Turkestan ähnlich wie die nordöstlich gelegene Äeußere Mongolei während der chinesischen Bürgerkriege mehr und mehr unter den Einfluß der Sowjets geraten und diese suchen als Entschädigung für die in Europa verlorenen Gebiete nun hier ihren Einfluß zu befestigen. Es ergeben sich also auch von diesem Gesichtspunkt her gewisse Reibungsflächen zwischen den Bundesgenossen.
Es ist also zu begreifen, daß Tschiangkaischek ohne viel Hoffnung auf diese Ausweichmöglichkeiten die Amerikaner mit allen Mitteln moralisch unter Druck zu setzen sucht, um sie zu schnelleren und umfangreicheren Hilfeleistungen zu veranlassen, ohne die er den Krieg nicht fortführen kann. Dabei steht ihm vor allem der in Casablanca ohne ihn von Roosevelt und Churchill beschlossene Kriegsplan im Wege, wonach es gelte, erst mit vereinter Kraft die europäische Achse zu vernichten, um sich dann mit aller Wucht auf Japan zu werfen. Tschiangkaischek steht dies Ziel mit Recht in weiter Ferne und fürchtet wohl, nichts mehr in der Hand zu haben, bis die Reihe an ihn kommen soll. So hat die Frau des Marschalls einen Bittgang nach den USA. machen müssen und auch ihr Bruder, der reiche Bankier Sung, Tschungkings Außenminister, hat in Washington kräftig die Werbetrommel gerührt, um Roosevelts These von der Vordringlichkeit des europäischen Krieges zu erschüttern. Im Weißen Haufe haben sie damit kein Glück gehabt. Aber amerikanische Militärkreise sind nachdenklich geworden und namentlich die Befehlshaber der amerikanischen Streitkräfte im Pazifik, wie der von seiner schwächlichen Verteidigung der Philippinen her unrühmlich bekannte General Mac Arthur, der jetzt in Australien kommandiert, fordern sehr nachdrücklich Entsendung von mehr Flugzeugen und Truppen, und auch die australische Regierung selbst, von England schon im Stich gelassen, fürchtet nun ähnliches von den USA. und richtet daher immer dringlichere Hilferufe nach Washington, denn die Lage an der pazifischen Front ist ja, obwohl die Japaner die Salomonen-Insel Guadalcanar aufgegeben haben und die wsA.- Streitkräfte sich auf Neu-Guinea noch halten tonnten, keineswegs so, daß die Australier nicht nach wie vor jederzeit einen japanischen Generalangriff gegen ihren Kontinent befürchten müßten. Die Japaner haben sich in weitem Bogen herangeschoben und fügen, wie erst wieder die gestrige Meldung des kaiserlichen Hauptquartiers erkennen ließ, dem amerikanischen Nachschub zu den vorgeschobenen Stützpunkten ständig empfindliche Verluste zu. Es liegt auf der Hand, daß unter diesen Umständen von der Eröffnung einer amerikanischen Offensive zur W'iedereroberung der Südsee nicht die Rede sein kann, von der Mac Arthur und mit ihm viele Amerikaner träumen, die in Japan den Hauptfeind der Vereinigten Staaten sehen.
Die Verzettelung der Streitkräfte und des noch keineswegs in unbegrenztem Ausmaße vorhandenen Kriegsmaterials auf viele weit ouseinanderliegende Kriegsschauplätze ist auch charakterristisch für die alliierte Kriegführung in Ostasien. Der Generalstabschef der amerikanischen Luftwaffe, General Arnold, war von Casablanca aus mit dem britischen Feldmarschall Dill in Tschungking, um Tschiankai- schek über die ausbleibende Hilfe zu tröffen. Er hat dem Chinesen vorgerechnet, daß eine Luftwaffe, die von Tschungking aus mit nur 400 Bombern und 100 Jägern monatlich 15 Unternehmungen gegen Japan durchführen solle, von allem sonstigen Material, Reparaturwerkstätten und dergleichen abgesehen, allein 75 000 Tonnen Benzin benötige, für deren Transport von Indien aus über den Himalaja 1000 schwere viermotorige Transportflugzeuge zwölf Rundflüge im Monat unternehmen müßten. Arnold erklärte sich zu dieser Leistung außerstande und verwies 015 einzigen Ausweg aus dieser Kalamität auf die Wiedereröffnung der Burma-Straße. Damit ist also wieder das Stichwort gefallen, das tatsächlich A, und O einer praktischen Hilfe für Tschungking kennzeichnet. Die Engländer, an die es ja in erster Linie gerichtet war, hatten diese Bedeutung sehr wohl erkannt und gemeinsam mit Tschiangkaischek eine Offensive vorbereitet, deren Ziel die Wiedereröffnung der Burma-Straße sein sollte. General Wavell, der britische Oberbefehlshaber in Indien, rückte von der indischen Grenze her in Burma ein, während eine starke chinesische Armee von der südchinesischen Provinz Pünnan her noch Westen vorstoßen sollte. Die Chinesen wurden durch einen japanischen Angriff längs der Burma- Straße noch in der Bereitstellung überrascht und zerschlagen. Den Briten ging es 'nicht viel besser. Sie gelangten zwar in das Gebiet nordwestlich der burmesischen Hafenstadt Akyab am Golf von Bengalen, wurden hier jedoch aufgehalten und von japanischen Truppen, die in einem Umgehungsmanö- ver das sich parallel zur Küste in Nord—Süd-Rich-
Gegen den britisch-amerikanischen Lustterror.
Bedeutsame Arbeitstagung in Essen.
Essen, 10. April. (DNB. Funkspruch.) Im Rahmen eines Besuches der durch den britischen Bombenterror besonders heimgesuchten Stadt Essen, berief Reichsminister Dr. Goebbels am Freitag eine Arbeitstagung in die Ruhr-Metropole ein, an der namhafte Vertreter aller an den Fragen des Luftkrieges interessierten Stellen teilnahmen. An den Besprechungen waren u. a. beteiligt: Generalfeldmarschall Milch, Reichsleiter Dr. Ley, die Gauleiter Grohö und Florian, die stellvertretenden Gauleiter Schleßmann und Albert Hoffmann, Reichsjugendführer A x m o n n, Generaloberst D a l u e g e , die Staatssekretäre Backe, Stuckart und Ganzenmüller, Oberbefehlsleiter H i lg enfeld und Oberbürgermeister Liebel (Nürnberg).
Die Besprechungen waren getragen von dem Ernst, mit der sich die Führung des Reiches der Aufgabe widmet, alle notwendigen Darbe ugungs- und Hilfsmaßnahmen, den Luftkrieg betreffend, umfassend festzulegen und durchzuführen, und sie waren erfüllt von dem festen Entschluß, alle Mittel und Möglichkeiten einzusetzen,
um dem englisch-nordamerikanischen Luftterror wirk«, sam zu begegnen.
Nach der Sitzung nahmen Dr. Goebbels und bie anderen Beteiligten Gelegenheit, die Schadens» st eilen in der Stadt zu besichtigen, wobei sie sich von der schnellen und durchgreifenden Hilfe überzeugen konnten, die von allen Stellen namentlich von der Partei, der Essener Bevölkerung zuteil wurde. Notunterkünfte, Gemeinschaftsheime, Großküchen und öffentliche Verpflegungsstellen, gaben ein eindrucksvolles Bild von diesen Hilfsaktionen, zeugten aber auch von der Rücksichtslofig- kett des Verbrechens, das der britische Luftterror an der Bevölkerung Essens begangen hat.
Der Minister konnte sich wiederholt und an zahlreichen leuchtenden Beispielen von der mustergültigen Haltung aller Kreise der Bevölkerung überzeugen. Er war besonders beeindruckt von der unerschütterlichen Standhaftigkeit gerade jener Volksgenossen, deren Hab und Gut in besonders schwerer Weise gelitten hatte. Am Nachmittag sprach Dr. Goebbels auf einem Appell der Parteiführerschaft des Gaues Essen.
Oer Abwehrkampf in Südtunesien.
daß es mitfamt feiner Besatzung und der angehäng- len Pak unversehrt die schützende Bergschlucht erreichte. Sekunden fpäter folgten ihm die beiden Flak' geschutze. Kaum war alles in Deckung, als die hoch- gehend en Sprengladungen ein großes Stück der Sttaße in die Lust jagten und damit ein neues, den Feind aufhaltendes Hindernis schufen.
Der W-brmachtberichi.
Berlin, 9. April. (DNB.) Im Verlaus der schweren Abwehrkämpfe im südtunesischen Raum drückten die Briten mit überlegenen Kräften von Süden gegen die deutschen und italienischen Stellungen an dem schmalen Gebirgsrücken des westlich Gabes liegenden Dschebel Tebaga, um durch Umfassung das planmäßige Absetzen der Ach- senttuppen auf dem Abschnitt Gabes und El Hamma zu verhindern. Durch Gegenstöße, Minenfelder und Sprengungen hatte der Feind empfindliche Verluste und wurde solange -aufgehalten, bis die Hauptträfte ihre neuen Stellungen besetzt hatten.
Zur Sicherung dieser Bewegungen war ein Panzergrenadier-Regiment eingesetzt. Sämtliche Fahrzeuge dieser Nachhuttruppen waren bereits durch die Minengasse über den Paß am Dschebel Tebaga gerollt, und alle Vorbereitungen zur Sprengung der Straße waren getroffen, als dem deutschen Regimentskommandeur, der selbst bis zuletzt am Feind geblieben war, gemeldet wurde, daß draußen im Vorfeld noch ein italienisches Pakgeschütz stunde, dessen Bedienung in dem vorausgegangenen Gefecht abgedrängt worden war. Obwohl Die scharf nachstoßende britische Panzerspitze bereits auf 2 Kilometer an den Paß heran gekommen war und ihn mit Granaten unter Feuer nahm, meldeten sich ein Leutnant und -drei Panzergrenadiere frei» willig, um die Pak zu bergen. Unter dem Feuerschutz zweier links und rechts der Straße in Stellung gegangenen Flakgeschütze preschte ein Kübelwagen mit den ans gesessenen Panzergrenadieren in wilder Fahrt ins Niemandsland vor. Noch bevor der Feind, der das Gelände gut einsehen konnte, begriff, um was es ging, war das Geschütz bereits an das Kraftfahrzeug angehängt. Jetzt erkannten auch die Briten den Zweck des Vorstoßes und schossen aus allen Rohren auf den zurückrasenden Kübelwagen mit der geborgenen Panzerabwehrkanone. Aber auch unsere Flakkanomere legten ihr Sperrfeuer so genau hinter das der Paßstellung zustrebente Fahrzeug,
DRV. Ausdem Führerhauptquarlier, S. April. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Von der Ostfront werden nur Kämpfe örtlicher Bedeutung gemeldet. Bei Säuberungsunternehmen am mittleren Donez wurden zwei feindliche Bataillone vernichtet und eine Anzahl Gefangene elngebracht. Schwere Artillerie des Heeres bekämpfte kriegswichtige Ziele in Leningrad mit guter Wirkung.
3o Tunesien geht der Großangriff vielfach überlegener feindlicher Kräfte gegen die deutsch- italienischen Truppen weiter.
An der Südfront wichen unsere Verbände unter fortwährend schweren Kämpfen auf neue Linien aus. Umfassungsverfuche wurden in erbitterten Kämpfen abgewiesen. Am Mittel- und Vordabschnitt scheiterten mehrere starke Durchbruchsversuche brilisch-nordamerikanischer Kräfte. Dabei wurden 35 Panzer vernichtet.
Der Feind verlor bei Tagesvorsiößen gegen die Küste der besetzten Westgebiete drei Flugzeuge.
Britische Bomber warfen in der vergangenen Nacht Spreng- und Brandbomben auf westdeutsches Gebiet. Die Bevölkerung hatte Verluste. Flakartillerie der Luftwaffe und der Kriegsmarine und Nachtjäger schossen 15 feindliche Flugzeuge ab.
hing erstreckende Arakan-Gebirge überschritten hatten, hn Rücken angegriffen, eingekreist und vernichtet. Andere britische Kräfte wurden am Ostufer des Mayu-Flusses gepackt und ebenfalls zerschlagen.
Damit ist jede Hoffnung Wavells zunichte geworden, noch vor Einbruch der Monfunwinde, die mit ihren ungeheuren Niederschlagsmengen jede Operation in den indischen Dschungeln unmöglich machen, eine Basis zum Vorstoß an die Burma-Straße und zur Rückeroberung Burmas zu gewinnen. Tschungking bleibt blockiert. Die schlechte Ernährungslage in einer Reihe von Provinzen des Tschungking- Gebietes — auch amerikanische Reisende berichten von einer schweren Hungersnot in Honan am mittleren Hoangho und einer Abwanderung von vielen Tausenden — macht Tschiangkaischeks Stellung auch von dieser Seite her schwierig. Die vielen Heber» laufet, die schon nach ganzen Divisionen zählen mit ihren Generalen an der Spitze, deuten ebenso sehr auf die wankende Moral in der Armee des Marschalls hin wie auf die starke Anziehungskraft, die sein Gegenspieler Wangtschingwai und die durch das Bündnis mit Japan eingeleitete Konsolidierung seines Regimes auf die chinesischen Massen auszuüben beginnt. Der frühere britische Botschafter in
Tokio, Sir Robert Clive, warnt in der „Fortnightly Review" feine Landsleute eindringlich vor irgendwelchen Illusionen im Kampf gegen Japan. Er schreibt: „Wenn die amerikanischen Militärs erwarten, Japan werde schließlich den Widerstand auf den Salomonen und auf Neuguinea aufgeben und die USA.-Streitkräste könnten dann Hollün- disch-Jndien wiederbekommen, so ist eine derartige Erwartung Phantasie. Auch Indien ist wie Australien und alle Seewege zwischen Australien, dem Empire und den USA., von Japan ständig bedroht, solange wir nicht Burma wiederneh?mn, wozu indessen keinerlei Aussicht besteht. 'Tschungkings Widerstand bildet die einzige Hoffnung als Ausgangsstellung für einen Angriff auf Japan. Aber wie lange Tschungking überhaupt noch einen militärischen Faktor bilden wird, bleibt ungewiß." So stellt sich die Lage auf dem ostafiatischen Kriegsschauplatz einem Briten dar, der aus der persönlichen Kenntnis der Dinge spricht und sich seinen klaren Blick nicht durch die offiziellen Agttations- phrasen trüben läßt. Japan läßt sich aus der Vorhand nicht wieder hinausdrängen, die es in der ersten Runde des pazifischen Krieges sich erobert halt.
Dr. Fr. W. Lange.
Vom Schicksal verweht
Roman von Holla Outkelch
1. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Der Gouverneur ergreift bedächtig ein Glas. Langsam geht er auf Sedgewick zu und fragt, während er ihm den Whisky-Soda hinhalt, mit fast un- merklich spöttigem Unterton: „Alles Malaria, Mr. Sedgewick?"
„Dachten Sie vielleicht Kindbettfieber? Natürlich 'Malaria. Mit meinem Rikscha-Boy sind das sieben Mann heute. Wissen Sie, was das für mich bedeutet?"
Der alte Herr mit dem feinen Gesicht wiegt bedauernd den Kopf hin und her. „Ja, das ist natürlich unangenehm. Dieses Jahr ist es auch besonders schlimm, so war es noch nie. Wir tun ja, was wir können, aber ..Er zuckt die Achseln.
„So? Dann können Sie eben verdammt wenig, und Ihr ganzes Hygiene-Departement ist ein schlechter Witz. Da zieht man uns erst das Geld aus der Tasche, um dieses herrliche Institut zu gründen und dann besteht sein ganzer Erfolg darin, daß die Malaria langsam aber sicher die Insel unbewohnbar macht!"
Parker dreht sein Glas zwischen aristrokratisch welken Händen hin und her. Ihm ist dieser Besuch unbequem. Wie schön ruhig war es noch vor einer Viertelstunde in meinem Zimmer mit den gegen Sonnenhitze und Lärm halb heruntergclassenen Jalousien, denkt er und entgegnet förmlich: „Mr. Sedgewick, ich als Gouverneur ..
Aber schon fällt ihm dieser schreckliche Sedgewick ins Wort: „Sie als Gouverneur haben dafür zu sorgen, daß ich in Ruhe meine Geschäfte machen kann! Wollen Sie mir gütigst erklären, wie Sie das zu tun gedenken?"
..Einen Augenblick!" Parker hat sich fein Leben- lang ungern zu einem heftigen Wort hinreißen
lassen. Er drückt auf die Porzellanklingel seines Schreibtisches.
Ein Angestellter des Kolonialamtes erscheint. „Bitte, Exzellenz?" fragt er respektvoll. „Herr Professor Forster soll kommen."
Mit diplomatisch liebenswürdigem Lächeln wendet er sich dann wieder zu Mr. Sedgewick. „Sie sehen, ich spiele Ihnen gegenüber absolut mit offenen Karten. Professor Forster, der Leiter des Hygiene-Departements, sollte mir heute Bericht erstatten, er wird das jetzt in Ihrer Gegenwart tun — na, wie bin ich zu Ihnen?" Er hebt sein Glas dem Besucher ’ entgegen und nimmt einen Schluck des kühlenden Getränks.
Doch ein echter Geld mann ist durch Liebenswürdigkeit nicht zu bluffen. „Zu mir sind Sie's gar nicht! Mich würden Sie am liebsten rauswerfen, aber der olle Sedgewick ist zufällig der größte Steuerzahler hier und feine Frau die Kusine vom Kolonialminister — deswegen lassen Sie sich von ihm von Zeit zu Zeit die Meinung sagen! Nur deswegen! Stimmt's?"
Mit einem Knall setzt er sein Glas auf die Schreibtischplatte.
-Hch würde mir nie erlauben, Ihnen zu widersprechen. Mr. Sedgewick!" Der Gouverneur verzieht keine Miene, nur in seinen müden Augen blitzt der Schalk. „Ah, Herr Professor Forster ..." begrüßt er den eintretenben Arzt, „kommen Sie, wir warten schon auf Sie!"
Professor Forster, ein mittelgroßer Vierziger von lebhaftem Wesen, verneigt sich. Unter dem Arm trägt er einen Aktendeckel. Der Gouverneur drückt ihm herzlich die Hand. ,cherr Professor, ich habe Mr. Sedgewick gebeten, sich Ihren Bericht mit an- zuhören, damit er über die vom Hygiene-Departe- ment getroffenen Maßnahmen orientiert ist. Wollen Sie bitte beginnen?"
"Bitte sehr, Exzellenz! Wir haben in der Woche vom 5. bis 12. des Monats 180 neue Erkrankungen behandelt, darunter neun Weiße. In 17 Fällen
wurde die Erkrankung zu spät gemeldet oder war so schwer, daß wir nicht mehr helfen konnten. Die Berichte von der Dschungel-Station besagen, daß die Malaria ebenfalls unter den Dschungelnegern immer neue Opfer fordert."
Sedgewick unterbricht ihn in wegwerfendem Ton: „Das interessiert uns nicht, wir wollen wissen ..
„Verzeihung, aber gerade das muß uns interessieren", erwidert Forster sehr beftimmt. „Denn die Malaria können wir nur besiegen, wenn wir ihre Quelle verstopfen, und die liegt in der Dschungel. Die Dschungelsümpfe der Insel sind die Brutstätten der Krankheit, von dort treibt der Westwind die Moskitos zur Küste. Und deshalb müssen diese Sümpfe trockengelegt werden, wenn die Malaria ausgerottet werden soll."
„Ja, verdammt noch mal, warum tun Sie das nicht?" ereifert sich Sedgewick.
Der Professor ist dem Choleriker gewachsen. ,Zch glaube, Sie überschätzen die Arbeitskraft meiner Aerzte doch etwas!" sagte er ironisch.
„Unsinn — natürlich können Sie nicht selbst graben! Die Verwaltung muß Ihnen Arbeiter zur Verfügung stellen!"
Mit Unbehagen ist der Gouverneur der Unterhaltung gefolgt. „Stop, Mr. Sedgewick — neue Ausgaben kommen überhaupt nicht in Frage. Ich habe die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die Insel Er- trage bringt — nicht, daß sie Zuschüsse braucht", mischt er sich kühl und amtlich ein.
„Unö ob wir dabei verrecken, das interessiert Sie nicht, was?" gibt Sedgewick unverblümt feiner Meinung Ausdruck.
,Zch habe meine Anweisungen, Mr. Sedgewick", lenkt der Gouverneur ein. „Außerdem wissen Sie doch ganz genau, unsere Küsten-Eingeborenen würden nie in der Dschungel arbeiten. Dazu haben sie viel zu viel Angst vor ,Je-crois-en-Dieu'!"
„Ach was, diesen weggelaufencn Missionsknaben wird man doch noch zur Ratsim bringen können!" murrt Sedgewick."
Der Gouverneur spielt mit feiner Ordensschnalle. „Dieser ,weggelaufene Missionsknabe' ist in der Zwischenzeit leider ein ausgewachsener Neger geworden und Häuptling von etwa dreißigtaufend Wilden. Er hat bis jetzt jeden Versuch, mit ihm zu verhandeln, auf eine sehr eindeutige Art beantwortet: mit vergifteten Pfeilen!"
,-Mso mit einem Wort: Wir können uns am besten gleich begraben lassen!" meint Sedgewick sarkastisch und lehnt sich mit einem unwilligen Seufzer in seinen Sessel zurück.
Nach einer Pause, in der nur das feine Surren ber Ventilatoren, die die Lust bewegen, zu hören ist, sagt der Gouverneur mit einer Handbewegung Ast dem Kapttalgewalttgen Puntamarras: „Wollen wir vorher nicht Professor Forster fragen, ob er vielleicht noch einen anderen, weniger kostspieligen graten?® al5 ^ich ganze Dschungel umzu-
„Nein. Exzellenz, es gibt keine andere Lösung, und mehr leisten, als wir geleistet haben, können wir nicht!" antwortet der Arzt ernst.
„Allzuviel ist das nicht, Herr Professor!" Die Stimme des Gouverneurs ist plötzlich eiskalt geworden. Er sieht nichts weiter als feinen Etat, der keine Summe für die Trockenlegung der Sümpfe vorfieht.
„Wir haben getan, was in unserer Kraft stand, Exzellenz. Es ist mir sogar gelungen, Dr. Dos Pas- fos für uns zu gewinnen. Das ist der berühmte Malaria-Spezialist, der in Venezuela so große Erfolge mit dem neuen deutschen Anti-Malaria-Mittel hatte. Aber eins ist sicher, Exzellenz: Mr Aerzte können immer nur den bereits Erkrankten helfen. Wir können nicht dafür garantieren, daß sie am nächsten Tag nichr wieder neu infiziert werden!"
"So? Sagen Sie mal, Herr Professor, was glauben Sie, ob vielleicht jemand anders auf Ihrem Posten mehr Erfolg hätte?"
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