Ausgabe 
10.4.1943
 
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später damit und haben sich dagegen gerüstet-. Die japanische Luftwaffe hat vor allem diese amerika­nischen Flugplätze in den von den Japanern nicht besetzten Teilen Chinas aufs Korn genommen und viele von ihnen so gründlich zerstört, daß bei den außerordentlichen Schwierigkeiten des Nachschubs sobald keine Möglichkeit für eine Intensivierung des Luftkrieges gegen das japanische Mutterland be­stehen dürfte. Da aber die Entfernung von Hawai bis zu den japanischen Inseln 6300 Kilometer be­trägt und die Entfernung von den Midway-Jnseln, dem nächstgelegenen amerikanischen Stützpunkt, immer noch 4500 Kilometer, der Einflug von Dutch Harbour auf den Aleuten eher noch weiter ist, zu­dem hier durch die starken Nebel das Flugwetter nur selten günstig ist und die Japaner durch die Besetzung der Inseln Kiska, Attu und Agattu leicht

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Sperre legen können, so bleibt der amerikanischen Luftwaffe kaum eine andere Operationsbasis als das Tschungking-Gebiet, denn Flugzeugträger sind in der USA.-Marine nach den schweren Verlusten in der Südsee überaus rar geworden, eignen sich auch nicht für den Transport zahlreicher schwerer Langstreckenbomber, und von Süden her ist ein über« raschender Luftangriff kaum denkbar, da hier die japanische Luftwaffe am Außenwall des ostastati­schen Raumes, der zugleich die Kampflinie gegen Australien bedeutet, aus der Wacht ist, mit welchem Erfolg, das zeigen am besten die außerordentlich hohen Verluste an Flugzeugen, die die Amerikaner in den Luftschlachten über Neu-Guinea und den Salomonen ständig erleiden.

Diese für die Amerikaner schwierige Lage erhellt die sowohl für den Einsatz der amerikanischen Luft­waffe wie für eine Fortführung des Kampfes durch Tschungking ausschlaggebende Bedeutung einer Land, Verbindung zwischen Indien und Tfchungking. Durch den Verlust der Burma-Straße ist Tschiangkaischek von seinen Verbündeten praktisch isoliert. Die er­folgreichen japanischen Operationen im mittleren Jangtse-Tal haben im Februar diese riesige Ver­kehrsader des chinesischen Reiches für Zufuhren Tschiangkaischeks aus den Ostprovinzen abgeschnürt. Die wenig später erfolgte Besetzung der französi­schen Einflußzone an der Kwang-tschou-Bucht h-at auch dieses letzte Loch, das dem Marschall an der sudchinesischen Küste geblieben war, verstopft. Der Weg durch die Hintertür ist seine letzte Hoffnung. Er führt über ungeheure Entfernungen und durch ein Gelände, das zu den am schwersten zu bewälti­genden der Erde gehört, mag man nun den Kara­wanenweg aus der nordostindischen Grenzprovinz Assam über Tibet wählen, der auf Saumpfaden Pässe von mehr als 5000 Meter Höhe überwinden muß, oder die alteSeidtnstraße", die von Tschung- king über - Lantschou auf einer Strecke von rund 5000 Kilometer durch die Wüsten Sinkiangs bei Alma Ata die Turkestan-Sibirische Eisenbahn er­reicht. Aber bis hierher muß das für Tschungking bestimmte amerikanische Kriegsmaterial den gefahr­vollen Weg über den Atlantik und dann über den afrikanischen Kontinent oder um Kapstadt herum zu den Häfen am Persischen Golf und auf der Achse durch Iran und die Sowjetunion zurücklegen. Hier kreuzen sich auch die Interessen Tschiangkaischeks und der So­wjets, die selber dringend Kriegsmaterial benötigen und kaum geneigt sein werden, von dem wenigen, was so tropfenweise den Weg zu ihnen findet, auch noch abzugeben. Zudem scheint ihnen die neuerlich in der Politik Tschiangkaischeks festzustellende Ten­denz nicht zu behagen, den Schwerpunkt des Regi- ines immer mehr nach Westen zu verlagern und da­bei selbst vor umfangreichen bevölkerungspolitischen und wirtschaftlichen Umsiedelungen nicht zurückzu­schrecken, um als Ersatz für die an Nanking ver­lorenen reichen Ostprovinzen das riesige Sinkiang, das mit 1,6 Millionen Quadratkilometer Fläche,

aber nur 4,3 Millionen Einwohnern, einst Chinas größte, wenn auch dünnst bevölkerte Provinz war, wieder fester dem Reich anzugliedern. Sinkiang aber ist unter dem Namen Ost-Turkestan ähnlich wie die nordöstlich gelegene Äeußere Mongolei während der chinesischen Bürgerkriege mehr und mehr unter den Einfluß der Sowjets geraten und diese suchen als Entschädigung für die in Europa verlorenen Gebiete nun hier ihren Einfluß zu befestigen. Es ergeben sich also auch von diesem Gesichtspunkt her gewisse Reibungsflächen zwischen den Bundesgenos­sen.

Es ist also zu begreifen, daß Tschiangkaischek ohne viel Hoffnung auf diese Ausweichmöglichkeiten die Amerikaner mit allen Mitteln moralisch unter Druck zu setzen sucht, um sie zu schnelleren und umfang­reicheren Hilfeleistungen zu veranlassen, ohne die er den Krieg nicht fortführen kann. Dabei steht ihm vor allem der in Casablanca ohne ihn von Roose­velt und Churchill beschlossene Kriegsplan im Wege, wonach es gelte, erst mit vereinter Kraft die euro­päische Achse zu vernichten, um sich dann mit aller Wucht auf Japan zu werfen. Tschiangkaischek steht dies Ziel mit Recht in weiter Ferne und fürchtet wohl, nichts mehr in der Hand zu haben, bis die Reihe an ihn kommen soll. So hat die Frau des Marschalls einen Bittgang nach den USA. machen müssen und auch ihr Bruder, der reiche Bankier Sung, Tschungkings Außenminister, hat in Washing­ton kräftig die Werbetrommel gerührt, um Roose­velts These von der Vordringlichkeit des europäischen Krieges zu erschüttern. Im Weißen Haufe haben sie damit kein Glück gehabt. Aber amerikanische Mi­litärkreise sind nachdenklich geworden und nament­lich die Befehlshaber der amerikanischen Streitkräfte im Pazifik, wie der von seiner schwächlichen Ver­teidigung der Philippinen her unrühmlich bekannte General Mac Arthur, der jetzt in Australien kom­mandiert, fordern sehr nachdrücklich Entsendung von mehr Flugzeugen und Truppen, und auch die au­stralische Regierung selbst, von England schon im Stich gelassen, fürchtet nun ähnliches von den USA. und richtet daher immer dringlichere Hilferufe nach Washington, denn die Lage an der pazifischen Front ist ja, obwohl die Japaner die Salomonen-Insel Guadalcanar aufgegeben haben und die wsA.- Streitkräfte sich auf Neu-Guinea noch halten tonn­ten, keineswegs so, daß die Australier nicht nach wie vor jederzeit einen japanischen Generalangriff gegen ihren Kontinent befürchten müßten. Die Ja­paner haben sich in weitem Bogen herangeschoben und fügen, wie erst wieder die gestrige Meldung des kaiserlichen Hauptquartiers erkennen ließ, dem amerikanischen Nachschub zu den vorgeschobenen Stützpunkten ständig empfindliche Verluste zu. Es liegt auf der Hand, daß unter diesen Umständen von der Eröffnung einer amerikanischen Offensive zur W'iedereroberung der Südsee nicht die Rede sein kann, von der Mac Arthur und mit ihm viele Ame­rikaner träumen, die in Japan den Hauptfeind der Vereinigten Staaten sehen.

Die Verzettelung der Streitkräfte und des noch keineswegs in unbegrenztem Ausmaße vorhandenen Kriegsmaterials auf viele weit ouseinanderliegende Kriegsschauplätze ist auch charakterristisch für die alliierte Kriegführung in Ostasien. Der General­stabschef der amerikanischen Luftwaffe, General Ar­nold, war von Casablanca aus mit dem britischen Feldmarschall Dill in Tschungking, um Tschiankai- schek über die ausbleibende Hilfe zu tröffen. Er hat dem Chinesen vorgerechnet, daß eine Luftwaffe, die von Tschungking aus mit nur 400 Bombern und 100 Jägern monatlich 15 Unternehmungen gegen Japan durchführen solle, von allem sonstigen Ma­terial, Reparaturwerkstätten und dergleichen abge­sehen, allein 75 000 Tonnen Benzin benötige, für deren Transport von Indien aus über den Himalaja 1000 schwere viermotorige Transportflug­zeuge zwölf Rundflüge im Monat unternehmen müßten. Arnold erklärte sich zu dieser Leistung außerstande und verwies 015 einzigen Ausweg aus dieser Kalamität auf die Wiedereröffnung der Bur­ma-Straße. Damit ist also wieder das Stichwort ge­fallen, das tatsächlich A, und O einer praktischen Hilfe für Tschungking kennzeichnet. Die Engländer, an die es ja in erster Linie gerichtet war, hatten diese Bedeutung sehr wohl erkannt und gemeinsam mit Tschiangkaischek eine Offensive vorbereitet, deren Ziel die Wiedereröffnung der Burma-Straße sein sollte. General Wavell, der britische Oberbefehls­haber in Indien, rückte von der indischen Grenze her in Burma ein, während eine starke chinesische Armee von der südchinesischen Provinz Pünnan her noch Westen vorstoßen sollte. Die Chinesen wurden durch einen japanischen Angriff längs der Burma- Straße noch in der Bereitstellung überrascht und zerschlagen. Den Briten ging es 'nicht viel besser. Sie gelangten zwar in das Gebiet nordwestlich der burmesischen Hafenstadt Akyab am Golf von Ben­galen, wurden hier jedoch aufgehalten und von ja­panischen Truppen, die in einem Umgehungsmanö- ver das sich parallel zur Küste in NordSüd-Rich-

Gegen den britisch-amerikanischen Lustterror.

Bedeutsame Arbeitstagung in Essen.

Essen, 10. April. (DNB. Funkspruch.) Im Rah­men eines Besuches der durch den britischen Bom­benterror besonders heimgesuchten Stadt Essen, berief Reichsminister Dr. Goebbels am Freitag eine Arbeitstagung in die Ruhr-Metropole ein, an der namhafte Vertreter aller an den Fragen des Luftkrieges interessierten Stellen teilnahmen. An den Besprechungen waren u. a. beteiligt: Gene­ralfeldmarschall Milch, Reichsleiter Dr. Ley, die Gauleiter Grohö und Florian, die stellver­tretenden Gauleiter Schleßmann und Albert Hoffmann, Reichsjugendführer A x m o n n, Generaloberst D a l u e g e , die Staatssekretäre Backe, Stuckart und Ganzenmüller, Oberbefehlsleiter H i lg enfeld und Oberbürger­meister Liebel (Nürnberg).

Die Besprechungen waren getragen von dem Ernst, mit der sich die Führung des Reiches der Aufgabe widmet, alle notwendigen Dar­be ugungs- und Hilfsmaßnahmen, den Luftkrieg betreffend, umfassend festzulegen und durchzuführen, und sie waren erfüllt von dem festen Entschluß, alle Mittel und Möglichkeiten einzusetzen,

um dem englisch-nordamerikanischen Luftterror wirk«, sam zu begegnen.

Nach der Sitzung nahmen Dr. Goebbels und bie anderen Beteiligten Gelegenheit, die Schadens» st eilen in der Stadt zu besichtigen, wobei sie sich von der schnellen und durchgreifenden Hilfe überzeugen konnten, die von allen Stellen nament­lich von der Partei, der Essener Bevölkerung zuteil wurde. Notunterkünfte, Gemeinschaftsheime, Großküchen und öffentliche Verpflegungsstellen, gaben ein eindrucksvolles Bild von diesen Hilfs­aktionen, zeugten aber auch von der Rücksichtslofig- kett des Verbrechens, das der britische Luftterror an der Bevölkerung Essens begangen hat.

Der Minister konnte sich wiederholt und an zahl­reichen leuchtenden Beispielen von der muster­gültigen Haltung aller Kreise der Bevölke­rung überzeugen. Er war besonders beeindruckt von der unerschütterlichen Standhaftig­keit gerade jener Volksgenossen, deren Hab und Gut in besonders schwerer Weise gelitten hatte. Am Nachmittag sprach Dr. Goebbels auf einem Appell der Parteiführerschaft des Gaues Essen.

Oer Abwehrkampf in Südtunesien.

daß es mitfamt feiner Besatzung und der angehäng- len Pak unversehrt die schützende Bergschlucht er­reichte. Sekunden fpäter folgten ihm die beiden Flak' geschutze. Kaum war alles in Deckung, als die hoch- gehend en Sprengladungen ein großes Stück der Sttaße in die Lust jagten und damit ein neues, den Feind aufhaltendes Hindernis schufen.

Der W-brmachtberichi.

Berlin, 9. April. (DNB.) Im Verlaus der schweren Abwehrkämpfe im südtunesischen Raum drückten die Briten mit überlegenen Kräf­ten von Süden gegen die deutschen und italienischen Stellungen an dem schmalen Gebirgsrücken des west­lich Gabes liegenden Dschebel Tebaga, um durch Umfassung das planmäßige Absetzen der Ach- senttuppen auf dem Abschnitt Gabes und El Hamma zu verhindern. Durch Gegenstöße, Minenfelder und Sprengungen hatte der Feind empfindliche Verluste und wurde solange -aufgehalten, bis die Hauptträfte ihre neuen Stellungen besetzt hatten.

Zur Sicherung dieser Bewegungen war ein Pan­zergrenadier-Regiment eingesetzt. Sämtliche Fahr­zeuge dieser Nachhuttruppen waren bereits durch die Minengasse über den Paß am Dschebel Tebaga gerollt, und alle Vorbereitungen zur Sprengung der Straße waren getroffen, als dem deutschen Re­gimentskommandeur, der selbst bis zuletzt am Feind geblieben war, gemeldet wurde, daß draußen im Vorfeld noch ein italienisches Pakge­schütz stunde, dessen Bedienung in dem vorausge­gangenen Gefecht abgedrängt worden war. Obwohl Die scharf nachstoßende britische Panzerspitze bereits auf 2 Kilometer an den Paß heran gekommen war und ihn mit Granaten unter Feuer nahm, meldeten sich ein Leutnant und -drei Panzergrenadiere frei» willig, um die Pak zu bergen. Unter dem Feuer­schutz zweier links und rechts der Straße in Stellung gegangenen Flakgeschütze preschte ein Kübelwagen mit den ans gesessenen Panzergrenadieren in wilder Fahrt ins Niemandsland vor. Noch bevor der Feind, der das Gelände gut einsehen konnte, begriff, um was es ging, war das Geschütz bereits an das Kraft­fahrzeug angehängt. Jetzt erkannten auch die Bri­ten den Zweck des Vorstoßes und schossen aus allen Rohren auf den zurückrasenden Kübelwagen mit der geborgenen Panzerabwehrkanone. Aber auch unsere Flakkanomere legten ihr Sperrfeuer so genau hinter das der Paßstellung zustrebente Fahrzeug,

DRV. Ausdem Führerhauptquarlier, S. April. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Von der Ostfront werden nur Kämpfe örtlicher Bedeutung gemeldet. Bei Säuberungsunternehmen am mittleren Donez wurden zwei feindliche Bataillone vernichtet und eine Anzahl Gefangene elngebracht. Schwere Artillerie des Heeres bekämpfte kriegswichtige Ziele in Leningrad mit guter Wirkung.

3o Tunesien geht der Großangriff vielfach überlegener feindlicher Kräfte gegen die deutsch- italienischen Truppen weiter.

An der Südfront wichen unsere Verbände unter fortwährend schweren Kämpfen auf neue Linien aus. Umfassungsverfuche wurden in erbitter­ten Kämpfen abgewiesen. Am Mittel- und Vordabschnitt scheiterten mehrere starke Durch­bruchsversuche brilisch-nordamerikanischer Kräfte. Dabei wurden 35 Panzer vernichtet.

Der Feind verlor bei Tagesvorsiößen gegen die Küste der besetzten Westgebiete drei Flugzeuge.

Britische Bomber warfen in der vergangenen Nacht Spreng- und Brandbomben auf westdeutsches Gebiet. Die Bevölkerung hatte Verluste. Flakartil­lerie der Luftwaffe und der Kriegsmarine und Nachtjäger schossen 15 feindliche Flugzeuge ab.

hing erstreckende Arakan-Gebirge überschritten hat­ten, hn Rücken angegriffen, eingekreist und ver­nichtet. Andere britische Kräfte wurden am Ostufer des Mayu-Flusses gepackt und ebenfalls zerschlagen.

Damit ist jede Hoffnung Wavells zunichte gewor­den, noch vor Einbruch der Monfunwinde, die mit ihren ungeheuren Niederschlagsmengen jede Opera­tion in den indischen Dschungeln unmöglich machen, eine Basis zum Vorstoß an die Burma-Straße und zur Rückeroberung Burmas zu gewinnen. Tschung­king bleibt blockiert. Die schlechte Ernährungslage in einer Reihe von Provinzen des Tschungking- Gebietes auch amerikanische Reisende berichten von einer schweren Hungersnot in Honan am mitt­leren Hoangho und einer Abwanderung von vielen Tausenden macht Tschiangkaischeks Stellung auch von dieser Seite her schwierig. Die vielen Heber» laufet, die schon nach ganzen Divisionen zählen mit ihren Generalen an der Spitze, deuten ebenso sehr auf die wankende Moral in der Armee des Mar­schalls hin wie auf die starke Anziehungskraft, die sein Gegenspieler Wangtschingwai und die durch das Bündnis mit Japan eingeleitete Konsolidierung seines Regimes auf die chinesischen Massen auszu­üben beginnt. Der frühere britische Botschafter in

Tokio, Sir Robert Clive, warnt in derFortnightly Review" feine Landsleute eindringlich vor irgend­welchen Illusionen im Kampf gegen Japan. Er schreibt:Wenn die amerikanischen Militärs er­warten, Japan werde schließlich den Widerstand auf den Salomonen und auf Neuguinea aufgeben und die USA.-Streitkräste könnten dann Hollün- disch-Jndien wiederbekommen, so ist eine derartige Erwartung Phantasie. Auch Indien ist wie Austra­lien und alle Seewege zwischen Australien, dem Empire und den USA., von Japan ständig bedroht, solange wir nicht Burma wiederneh?mn, wozu in­dessen keinerlei Aussicht besteht. 'Tschungkings Widerstand bildet die einzige Hoffnung als Aus­gangsstellung für einen Angriff auf Japan. Aber wie lange Tschungking überhaupt noch einen mili­tärischen Faktor bilden wird, bleibt ungewiß." So stellt sich die Lage auf dem ostafiatischen Kriegs­schauplatz einem Briten dar, der aus der persön­lichen Kenntnis der Dinge spricht und sich seinen klaren Blick nicht durch die offiziellen Agttations- phrasen trüben läßt. Japan läßt sich aus der Vor­hand nicht wieder hinausdrängen, die es in der ersten Runde des pazifischen Krieges sich erobert halt.

Dr. Fr. W. Lange.

Vom Schicksal verweht

Roman von Holla Outkelch

1. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Der Gouverneur ergreift bedächtig ein Glas. Langsam geht er auf Sedgewick zu und fragt, wäh­rend er ihm den Whisky-Soda hinhalt, mit fast un- merklich spöttigem Unterton:Alles Malaria, Mr. Sedgewick?"

Dachten Sie vielleicht Kindbettfieber? Natürlich 'Malaria. Mit meinem Rikscha-Boy sind das sieben Mann heute. Wissen Sie, was das für mich be­deutet?"

Der alte Herr mit dem feinen Gesicht wiegt be­dauernd den Kopf hin und her.Ja, das ist natür­lich unangenehm. Dieses Jahr ist es auch besonders schlimm, so war es noch nie. Wir tun ja, was wir können, aber ..Er zuckt die Achseln.

So? Dann können Sie eben verdammt wenig, und Ihr ganzes Hygiene-Departement ist ein schlechter Witz. Da zieht man uns erst das Geld aus der Tasche, um dieses herrliche Institut zu gründen und dann besteht sein ganzer Erfolg darin, daß die Malaria langsam aber sicher die Insel un­bewohnbar macht!"

Parker dreht sein Glas zwischen aristrokratisch welken Händen hin und her. Ihm ist dieser Besuch unbequem. Wie schön ruhig war es noch vor einer Viertelstunde in meinem Zimmer mit den gegen Sonnenhitze und Lärm halb heruntergclassenen Jalousien, denkt er und entgegnet förmlich:Mr. Sedgewick, ich als Gouverneur ..

Aber schon fällt ihm dieser schreckliche Sedgewick ins Wort:Sie als Gouverneur haben dafür zu sorgen, daß ich in Ruhe meine Geschäfte machen kann! Wollen Sie mir gütigst erklären, wie Sie das zu tun gedenken?"

..Einen Augenblick!" Parker hat sich fein Leben- lang ungern zu einem heftigen Wort hinreißen

lassen. Er drückt auf die Porzellanklingel seines Schreibtisches.

Ein Angestellter des Kolonialamtes erscheint. Bitte, Exzellenz?" fragt er respektvoll.Herr Pro­fessor Forster soll kommen."

Mit diplomatisch liebenswürdigem Lächeln wen­det er sich dann wieder zu Mr. Sedgewick.Sie sehen, ich spiele Ihnen gegenüber absolut mit offe­nen Karten. Professor Forster, der Leiter des Hygiene-Departements, sollte mir heute Bericht er­statten, er wird das jetzt in Ihrer Gegenwart tun na, wie bin ich zu Ihnen?" Er hebt sein Glas dem Besucher entgegen und nimmt einen Schluck des kühlenden Getränks.

Doch ein echter Geld mann ist durch Liebenswür­digkeit nicht zu bluffen.Zu mir sind Sie's gar nicht! Mich würden Sie am liebsten rauswerfen, aber der olle Sedgewick ist zufällig der größte Steuerzahler hier und feine Frau die Kusine vom Kolonialminister deswegen lassen Sie sich von ihm von Zeit zu Zeit die Meinung sagen! Nur deswegen! Stimmt's?"

Mit einem Knall setzt er sein Glas auf die Schreibtischplatte.

-Hch würde mir nie erlauben, Ihnen zu wider­sprechen. Mr. Sedgewick!" Der Gouverneur verzieht keine Miene, nur in seinen müden Augen blitzt der Schalk.Ah, Herr Professor Forster ..." begrüßt er den eintretenben Arzt,kommen Sie, wir war­ten schon auf Sie!"

Professor Forster, ein mittelgroßer Vierziger von lebhaftem Wesen, verneigt sich. Unter dem Arm trägt er einen Aktendeckel. Der Gouverneur drückt ihm herzlich die Hand. ,cherr Professor, ich habe Mr. Sedgewick gebeten, sich Ihren Bericht mit an- zuhören, damit er über die vom Hygiene-Departe- ment getroffenen Maßnahmen orientiert ist. Wol­len Sie bitte beginnen?"

"Bitte sehr, Exzellenz! Wir haben in der Woche vom 5. bis 12. des Monats 180 neue Erkrankungen behandelt, darunter neun Weiße. In 17 Fällen

wurde die Erkrankung zu spät gemeldet oder war so schwer, daß wir nicht mehr helfen konnten. Die Be­richte von der Dschungel-Station besagen, daß die Malaria ebenfalls unter den Dschungelnegern im­mer neue Opfer fordert."

Sedgewick unterbricht ihn in wegwerfendem Ton: Das interessiert uns nicht, wir wollen wissen ..

Verzeihung, aber gerade das muß uns inter­essieren", erwidert Forster sehr beftimmt.Denn die Malaria können wir nur besiegen, wenn wir ihre Quelle verstopfen, und die liegt in der Dschungel. Die Dschungelsümpfe der Insel sind die Brutstätten der Krankheit, von dort treibt der West­wind die Moskitos zur Küste. Und deshalb müssen diese Sümpfe trockengelegt werden, wenn die Ma­laria ausgerottet werden soll."

Ja, verdammt noch mal, warum tun Sie das nicht?" ereifert sich Sedgewick.

Der Professor ist dem Choleriker gewachsen. ,Zch glaube, Sie überschätzen die Arbeitskraft meiner Aerzte doch etwas!" sagte er ironisch.

Unsinn natürlich können Sie nicht selbst gra­ben! Die Verwaltung muß Ihnen Arbeiter zur Ver­fügung stellen!"

Mit Unbehagen ist der Gouverneur der Unter­haltung gefolgt.Stop, Mr. Sedgewick neue Aus­gaben kommen überhaupt nicht in Frage. Ich habe die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die Insel Er- trage bringt nicht, daß sie Zuschüsse braucht", mischt er sich kühl und amtlich ein.

Unö ob wir dabei verrecken, das interessiert Sie nicht, was?" gibt Sedgewick unverblümt feiner Meinung Ausdruck.

,Zch habe meine Anweisungen, Mr. Sedgewick", lenkt der Gouverneur ein.Außerdem wissen Sie doch ganz genau, unsere Küsten-Eingeborenen wür­den nie in der Dschungel arbeiten. Dazu haben sie viel zu viel Angst vor ,Je-crois-en-Dieu'!"

Ach was, diesen weggelaufencn Missionsknaben wird man doch noch zur Ratsim bringen können!" murrt Sedgewick."

Der Gouverneur spielt mit feiner Ordensschnalle. Dieser ,weggelaufene Missionsknabe' ist in der Zwischenzeit leider ein ausgewachsener Neger ge­worden und Häuptling von etwa dreißigtaufend Wilden. Er hat bis jetzt jeden Versuch, mit ihm zu verhandeln, auf eine sehr eindeutige Art beant­wortet: mit vergifteten Pfeilen!"

,-Mso mit einem Wort: Wir können uns am besten gleich begraben lassen!" meint Sedgewick sarkastisch und lehnt sich mit einem unwilligen Seuf­zer in seinen Sessel zurück.

Nach einer Pause, in der nur das feine Surren ber Ventilatoren, die die Lust bewegen, zu hören ist, sagt der Gouverneur mit einer Handbewegung Ast dem Kapttalgewalttgen Puntamarras:Wollen wir vorher nicht Professor Forster fragen, ob er vielleicht noch einen anderen, weniger kostspieligen graten?® al5 ^ich ganze Dschungel umzu-

Nein. Exzellenz, es gibt keine andere Lösung, und mehr leisten, als wir geleistet haben, können wir nicht!" antwortet der Arzt ernst.

Allzuviel ist das nicht, Herr Professor!" Die Stimme des Gouverneurs ist plötzlich eiskalt ge­worden. Er sieht nichts weiter als feinen Etat, der keine Summe für die Trockenlegung der Sümpfe vorfieht.

Wir haben getan, was in unserer Kraft stand, Exzellenz. Es ist mir sogar gelungen, Dr. Dos Pas- fos für uns zu gewinnen. Das ist der berühmte Malaria-Spezialist, der in Venezuela so große Er­folge mit dem neuen deutschen Anti-Malaria-Mittel hatte. Aber eins ist sicher, Exzellenz: Mr Aerzte können immer nur den bereits Erkrankten helfen. Wir können nicht dafür garantieren, daß sie am nächsten Tag nichr wieder neu infiziert werden!"

"So? Sagen Sie mal, Herr Professor, was glau­ben Sie, ob vielleicht jemand anders auf Ihrem Posten mehr Erfolg hätte?"

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