Ausgabe 
9.4.1943
 
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Rechts- und Standeskunbö in Vorlesungen u-ttb Hebungen zu vertreten. Prof. Dr. Ernst Christ­mann von der Hochschule für Lehrerbildung in Saar­brücken ist zum Honorarprofessor für Volks- und Heimatkunde der deutschen Westmark an der Uni- versität Heidelberg ernannt worden. Der o. Pro­fessor für öffentliches Recht an der Universität Wien, Dr. Ernst F o r st h o f f, ist an die Universität Hei­delberg berufen worden. Geboren 1902 in Duisburg, studierte er in Freiburg, Marburg und Bonn. 1930 habilitierte er sich in Freiburg und wurde 1933 als Ordinarius an die Universität Frankfurt berufen. 1935 kam er nach Hamburg, 1936 nach Königsberg und von hier nach Wien. Der Präsident der Reichspostdirektion Berlin, Dr. jur. Dr. rer. pol. Timm, ist zum Honorarprofessor für das Recht des Post- und Nachrichtenwesens an der Universität Heidelberg ernannt worden.

Haydn im Rundfunk.

Joseph Haydn hat 24 Opern upd Singspiele kom­poniert, die zum Teil für das Marionettentheater bestimmt waren. Am bekanntesten ist das für die Geschichte des Singspiels wichtige liebenswürdige StückDer A p o t he ker", das im Deutschland­sender am Freitag von 21 bis 22 Uhr unter Leitung von Bernhard Zimmermann zur Aufführung ge­langt. Trude Eipperle, Julius Patzak, Georg Hann singen aus HaydnsJahreszeiten" den ersten TeilDer Frühling" unter Leitung von Clemens Krauß in einer Rundfunksendung am Sonntag, 18. April.

Sophie Hoechstelier gestorben.

Sophie Hoechstetter, die Verfasserin historischer Ro­mane und Novellen, ist aus der Moosschwaige in Dachau im Alter von 69 Jahren gestorben. Sophie Hoechstetter ist besonders durch ihre preußische Tri­logieKönigskinber", Königin Luise" undLouis Ferdinand" bekannt geworden. Als letzte Werke er­schienen der NovellenbandDas kleine Herme- buchen" und der RomanIm Tauwind".

Reichel-Graphiken im Linzer Landesmuseum.

Die graphische Sammlung des Linzer Landes­museums erfuhr durch den Ankauf von acht Blättern des Graphikers Karl Anton Reichel eine wert­volle Bereicherung. Der feinfühlende und eigen­willige Künstler, der , als Wels stammt und eine Zeitlang in dem Schlößchen Vürgelstein in Salz­burg zusammen mit Hermann Bahr seinen Wohnsitz hatte, schafft heute als Neunundsechzigjähriger in Wien. Er wandte sich früh der Radierung zu und erreichte seine Meisterschaft in Kaltnadelarbeiten. Sein weit über 300 Blätter umfassendes Gesamtwert verteilt sich auf Kupserstichsammluugen in allen be­deutend.» Städten des Reiches. Bei den von Linz erworbenen Arbeiten handelt es sich um zwei Hand­zeichnungen und sechs Radierungen, vorwiegend -Porträts, in denen sich seine edle, beherrschte filmens füfjnmg offenbart.

Aus aller Wett.

Gerettete Flitterwochen.

Dieser Tage stand der Bierhändler Franz B. in Budapest vor Gericht. Er war der Irreführung, des Betruges und der Urkundenfälschung beschuldigt. Im letzten Oktober hatte er von der Staatsanwatt- schast die Aufforderung erhalten, eine viermonatige Gefängnisstrafe obzusitzen, zu, der er wegen Be­truges verurteilt worden war. An seiner Stelle mel- bete sich aber sein Bruder Joses in dem Gefängnis unb saß die vier Monate auch ab. Erst später kam der Personenwechsel heraus, und nun wurde Josef wegen Urkundenfälschung und Irreführung der Be­hörden zu wei Monaten Gefängnis verurteilt. Jetzt meldete sich sein Bruder Franz vor dem Richter, diesmal als Anstifter der neuen Urkundenfälschung. Der Verlauf der Gerichtsverhandlung war drama- tisch. Als Zeuge erklärte nämlich Joses:Mein Bru- W war nicht zu Hause, als die Aufforderung zuge- 'stelll wurde, daß 'er seine Gefängnisstrafe absitzen solle. Er befand sich gerade aus der Hochzeitsreise. Ich wollte ihm seine Flitterwochen nicht verderben. Deshalb verständigte ich ihn nicht von. der Vor­ladung. Lieber übernahm ich die Verbüßung der Strafe. Das war mein Hochzeitsgeschenk für meinen Bruder." Das Gericht hörte dieses Bekenntnis an und staunte. Franz wurde aus Mangel an Beweisen -freigesprochen.

Sleinzeitfunde in Holland.

Gründliche Ausgrabungen prähistorischer Gräber werden augenblicklich im reichsten Fundgebiet der Niederlande, in Der Provinz Drenthe, mit Hilfe einiger Abteilungen des niederländischen Arbeits­dienstes durchgeführt. Die Untersuchungen haben er­zeben, daß in der Stein-, Bronze- und Eisenzeit »mehrere Niederlassungen in dem heutigen Dorf Havelte bestanden. Auch konnten Spuren nomadi- Icher Renntierjäger, die hier vor ungefähr 10000 Hahren die Sommer verbrachten, festgestellt werden. Äus einer späteren Zeit datieren die bei Havelte legenden Hünengräber. Schließlich stieß man aus ein Heerlager aus der Zeit der Völkerwanderung.

Sowjets im dichten Buschwerk wieder festgesetzt. Flakartillerie und Infanteriegeschütze werden nach vorn gezogen, die feindlichen Stellungen sturmreif geschossen. Die Sowjets greifen mit Schlachtfliegern an, einer wird heruntergeholt. Nun starten unsere Stukas gegen neue Panzerbereitstellungen der Sow­jets. Die Abwehrschlacht tobt mit unverminderter Heftigkeit.

Vorher sieht man den Empfang des Königs Boris von Bulgarien und des italienischen Gene­ralobersten G a r i b o l d'i durch den Führer.

Aufnahmen aus den Einsatzhäfen an der At­lantik-Küste zeigen, wie die von schweren Ge­leitzugskämpfen zurückgekehrten U-Boote in kurzer Liegezeit zu neuer Fahrt klargemacht werden. Tor­pedos, Artilleriemunition und Lebensmittel werden übernommen. Vor dem Auslaufen der Boote wird die Fahrrinne nach feindlichen Minen ab gesucht. Interessant ist auch ein Untersee-Tanker. Der Einsatz dieser Spezialboote ist mitentscheidend für den Er­folg unserer U-Waffe.

Ms Einleitung bringt die Wochenschau den Staats­akt für den verstorbenen Reichssportführer von Tschammer und Osten in der Neuen Reichs- kanüei und die Gedenkfeier für den deutschen Bot­schafter in Madrid, von Moltke, in Breslau.

, D. K. D.

Verdunkelungszeit:

9. April von 21.09 bis 6.08 Uhr.

Alte Kohlenkarten nur noch bis 30. April gültig.

Der Reichsbeaustrage für Kohle hat in einer wei­teren Ausführungsverordnung zur Hausbrandver- ordnung bestimmt, daß alle Reichskarten für Kohle, die bis 31.3.1943 ausgegeben wurden, mit dem 30. April 1943 ihre Gültigkeit verlieren. Reichskar­ten für Kohle (Ausgabe C und D) werden auch im Kohle »W irtschaftsjahr 1943/44 ausgegeben. Der Reichsbeauftragte stellt gleichzeitig klar, daß Ver­wandte, die in einem Haushalt der Verbraucher­gruppe I ausgenommen werden, in der Regel nicht als Untermieter mit Sonderanspruch auf Kohle gel­ten. Abweichend hiervon ist aber zu entscheiden, wenn es sich um eine Ehefrau mit einem ober meh­reren Kindern handelt, deren Ehemann Wehrdienst leistet.

Unbestellte Ware-strafbare Kopplung

Wie der Reichskommissar für die Preisbildung seststellt, kommt es immer wieder vor, daß Erzeuger

Heule beginnt unser neuer Vornan

Vom Schicksal verweht

von Holla Gutkelch

Vom Landdienstlehrhos der HZ. des Gaues Ein neuer Führertyp wird geformt.

Hofes. Der Nachmittag stand im Zeichen des fach­beruflichen Unterrichts, der weltanschaulichen, poli­tischen und körperlichen Schulung. Auch für ihre kulturellen Aufgaben in der Dorfgemeinschaft wur­den die künftigen Landdienstführer und -führerin- nen vorbereitet. Alle Jungen und Mädel wurden im Gesundheitsdienst- ausgebildet. Die Jungen er^ warben ihren K-Schein im Rahmen der Wehr- ertüchtigung und erfüllten die Bedingungen für das HI.-Leistungsabzeichen. Es wurden insgesamt 1209 Unterrichts- und Schulungsstunden im Lehrgangs­jahr erteilt, z. T. durch Lehrer der Landwirtschafts­schule, in der Mehrzahl jedoch durch die lehrhof- eigenen Kräfte. Die Gesamtleitung sowohl des land­wirtschaftlichen Betriebes als auch der Führerous- bifbung oblag im vergangenen Jahr dem Schul­führer des Üehrhofes. Heute selbständiger Bauer, ist er in frühester Jugend selbst den Weg von der Stadt auf das Land gegangen. Als Soldat dieses Krieges und aktiver HJ.-Führer bringt er weitere' Voraussetzungen mit, die ihn zur Heranbildung der künftigen Führerschaft befähigen. In der Erziehung und Ausbildung der Mädel wird er tatkräftig unter­stützt von der'Mädelführerin, die, durch ihre Be­rufsausbildung zur fachlichen Anleitung befähigt, sich durch langjährige Führungstätigkett auch als BDM.-Führerin bewährt hat.

Die Teilnehmer des ersten Lehrganges besaßen nicht alle.die geforderten beruflichen Voraussetzung gen, um geschlossen zur Landwirtschafts- bzw Haus­wirtschaftsprüfung zugelassen zu werden. Ein Teil der Führeranwärter hat noch das zweite Lehrjahr abzuleisten, bevor er in der Landdienstsührung zum Einsatz kommt. Die Mehrzahl jedoch hat nach er folgreicher Teilnahme bereits eine Verantwortung in den Landdiensteinheiten übernommen.

In diesen Tagen beginnt der neue Lehrgang für 60 Jungen und Mädel: der Lehrhof ist dann voll ausgenutzt. Auch an diesen Jungen und Mädeln wird jene zielstrebige Erziehung nicht fehlschlagen, wie sie auf dem Hose herrscht.

Bereit zum Dienst am Boden.

700 Landdienstfreiwittige der H3. vor dem Einsatz.

NSG. In sechs Jahren zielstrebiger Arbett hat die Hillerjugend unseres Gaues den Kreis der für das Land gewonnenen Stadtjugend immer größer ziehen können. Diesmal sind es 700 fianddienstfreiwillige, diä in den nächsten Tagen in den Landdienstlagern des Gebietes Hessen-Nassau zum Einsatz gelangen. Sie beschreiten damit einen Weg, der die besten unter ihnen zum eigenen Hof im Osten führen wird.

Der Eintritt in den Landdienft und damit in den ßebenstreis von Hof und Dorf ist für sie ein be deutungsvoller Markstein. Viele von ihnen kehren dorchin zurück, woher ihre Voreltern kamen, und bauen die Zukunft ihrer Familien wieder auf dem festen Grund des Bauerntums. Alle wissen sie, daß sie nicht nur an wichtigster Stelle Kriegseinsatz leisten, wenn sie dem deutschen Bauern die Ernäh­rung sichern helfen, sondern daß sie darüber hinaus Pioniere im Aufbruch der deutschen Jugend auf das Land und nach dem Osten sind.

Aus der Stadt Gieße«. (Säemannsbrauch.

Die scharfe Pflugschar hat die schlafende Erde auf- gerissen, daß ihr herber Ruch weithin verströmt. Das Streichbrett hat sie umgeworfen, hat viele Enger­linge, Mäuse und Käfer in die grelle Helle des Vor- fruhlingstages gebracht, so daß ftd> die Krähen schreiend darum balgen. Dann kam oer Jungknecht mit dem Grubber, der die Schollen auseinander­brach, und hieraus ging der Junge mit der Egge übers Feld, die auch die kleinen Stücke zerbröckelte. Der Bauer wischt sich den Schweiß von der Sttrne, blickt nach der sonne, damit er den Tag messe; dann bückt er sich, holt eine Handvoll Erde heraus und läßt sie zufrieden durch die gespreizten Finger gleiten: Das Feld ist saatbereit. Er tritt zum Acker­wagen am Feldrain, bindet sich die blaue Säe- mannsschürze um, läßt aus dem vollen Sack das Saatgut hineinrieseln, begibt sich an die Ecke des Ackers und wirft vier Hände voll Körner in die vier Winde, dann füllt er die Hand aufs neue und schreitet gemessen, Schritt für Schritt in gerader Dahn über das saathungrige Feld. Bei jedem zwei­ten Schritt ftreut er eine Handvoll Körner vor sich aus. Am Ende des Feldes haben die Jungen einen zweiten Sack niederlegt. Aus ihm füllt der Bauer die Schürze neu und kehrt in genau abgemessenem Abstand zur ersten Bahn nach der anderen Seite zurück. Und so hin und her, hin und her. Er bat Den Abend gewählt zu diesem Tun, denn da hat sich der Wind des frischen Tages gelegt, die Krähen fliegen auf und der sinkenden Sonne entgegen, und der Junge kann eben noch mit der Saategge dar­übergehen.

Aehnlich wird der Saatgans überall in deutschen Landen getan, wo noch das Säetuch gebraucht wird, zuweilen auch die Schwinge. Es gibt große Höfe, auf denen jetzt noch der Bauer selbst mit der Hand sät. Das Saatgut wird überall heilig gehalten.

In Westpreußen darf man beileibe nicht mit dem rechten Fuß voran den Saatgcmg beginnen, sonst kommt über Nacht das Unkraut auf das Feld. Viele Märlein gehen im Schwäbischen um, von Gewalten, die entweoer die Saat segnen und reichlich wachsen lassen oder sie vernichten, Unkraut da,zwischen säen oder ihre Vögel senden, damit sie die Körner auf« picken. Diese Sagen sind an einzelne Orte gebunden und verlangen üverall ein besonderes Benehmen der Säenden. Da und dort findet man auch den Dru­denfuß als vorgefchviebenes Zeichen, während an­derswo ja kein Kreuz mit Körnern gezeichnet wer­den darf. Fast nirgends ist es erlaubt, während des Säens zu fingen, zu pfeifen oder zu rauchen. Des Säemanns Herz sollzu ®ott gewendet" fein. Den Flachs sät vielerorts die Hausfrau, an anderen Stellen auch die Haustochter. Das Säen mit der Maschine hat leider triefe Brcmchtümer in Vergessen­heit geraten lassen.

Kür Tapferkeit vor Sem KeinSe.

Dem aus Gießen-Klein-Linben gebürtigen Leh­rer Heinrich Link, Oberleutnant und Batterie­führer im Heere, wurde das Eiserne Kreuz L Klasse verlichen.

Was die neue Wochenschau bringt.

Wieder fügt die Wochenschau dem Heldenlied vom Kampf unserer Soldaten im Osten eine neue Strophe hinzu. Wir erleben, wie die Sowjets Tag um Tag mit weit überlegenen Kräften gegen die deutschen Stel­lungen anrennen. Sie wollen unsere Front zwischen L a d o g a - und Ilmensee durchstoßen und da­mit den eisernen Griff unserer Divisionen hei Le­ningrad lösen. Doch der deutsche Soldat ist auf der Wacht.

Ritterkreuzträger Generalleutnant Sinn Hub er besichtigt Artilleriestellungen seines Abschnitts. Bei hereinbrechender Dunkelheit werden Svanische Rei­ter vor die Hauptkampflinie gerollt. Unsere Batte­rien nehmen sowjetische Gräben an der Newa un­ter Feuer. Die Bolschewisten antworten. Ein in Brand geschosseyer Unterstand ist bald gelöscht. Feindliche Panzer, die gegen unsere ßtnien vor­stoßen, werden in direktem Beschuß niedergekämpft. MG.-Garben fassen Sowjets, die ihre zerschlagenen Panzer verlaßen wollen.

Dann begleitet die Kamera den Vorstoß deutscher Stoßtrupps unb Sturmgeschütze durch unübersicht­liches Waldgelände im Raume des Ladogasees. Die Bolschewisten sind in unsere Linien eingesickert; der Wald muß wieder vom Feind gesäubert werden. Die Widerstandsnester werden in zähen Einzelge- sechten niebergerungen. Nur Meter um Meter geht es vorwärts. Dieses schrittweise Durchkämmen des versumpften Geländes reißt an den Nerven; man erkennt es an den Gesichtern unserer Soldaten, die hier in einem Kanwf von unerbittlicher Härte stehen. Am Rande des Waldes wird eine neue Linie ge­bildet. Zweihundert Meter vor uns haben sich die

NSG. Der Landdienstführer hat eine verpflich­tende und verantwortungsvolle Aufgabe zu er­füllen. Mit dem Lebensziel des eigenen Hofes vor Augen wird er in Haltung unb Leistung stets Vor­bild feiner Gefolgschaft fein und sie als Mittler zwi­schen Stadt unb Land in den bäuerlichen Lebens­kreis hineinwachsen lassen. Die Heranbildung eines einsatzfähigen Führernachwuchses ist deshalb erste Voraussetzung für eine ffettge Erweiterung des Landdienfteinsatzes zur umfassenden Nachwuchs­sicherung des Bauerntums.

Mit der Errichtung der Gebistslanddienst- l e h r h ö f e hat die Reichsjugendführung einen Weg beschritten, der die persönliche unb fachliche Entwicklung der Landbienstführerschaft sichert und die Grundlage für eine autoritäre und berufliche Festigung des Landdienstführerberufs gibt. Unter den 20 Lehrhäfen, die im vergangenen Jahr im Reich gegründet wurden, war der im Rheingau ge­legene Lehrhof des Gebietes Hessen-Nas­sau in Aulhausen einer der ersten. Mit per­sönlicher Unterstützung des Gauleiters wurde ein ehemaliger großer Guts- und Heimkomplex in den Dienst dieser neuen großen Aufgabe gestellt. Der Besuch des Gauleiters zum Abschluß des ersten Lehr­ganges hat die Oeffenllichkeit in unserem Gau erst­malig auf diese Einrichtung aufmerksam gemacht.

In den einjährigen Lehrgängen an den Gebiets- lehrhöfen sollen die Führeranwärter und -anwärte- rinnen, die sich entweder im Landdienst ober als nachgeborene Bauernkinder in der örtlichen HJ.- Einheit bewährt haben unb die Bedingungen einer bestandenen Land- bzw. ländlichen Hausarbeitsprü- fung sowie eines ersten Land- bzw. Hauswirtschafts- lehrjahves erfüllen, eine berufliche und pvlittsche Ab- schlußausbilduna mit dem Ziel der fiandwirtschasts- vM. Hauswirtschaftsprüfung und der Befähigung zur Führung einer Dorfschar erfahren. Dreißig Jungen unb Mädel, die zum größten Teil aus dem hessen-nassauischen Landdienst hervorgegangen sind, stellten im vergangenen Jahr die erste Lehrgangs- mannschaft. Als sie im Avril 1942 einrückten, fanden sie einen Bettieb vor, dem zum Lehrhof manche Voraussetzung kehlte. Durch Besitzerwechsel und son­stige widrige Umstände wurde nicht nur die An- »ng neuer Maschinen notwendig, sondern auch e betriebswirtschaftliche Umstellungen mußten vorgenommen werden. Von ihrer richtigen Einstel­lung zur Bauemarbeit zeugt die Tatsache, daß die Jungen und Mädel u.a. die Erträge der Rüben­ernte verfünffachen, die Hafererträge verdoppeln und den Oelftuchtanbau um das Sieb zehn fache steigern konnten. In der Nachbarschaftshilfe hat die Mann­schaft außer den Fruchterträgnissen des nahezu 500 Morgen großen Hofes auch noch 2Vz Tausend Zent­ner Getreide 'für örtliche Bauernbetriebe gedroschen.

Trotz dieser starken Beanspruchung haben die Lehrgangsteilnehmer eine umfassende theoretische Berufs- und Führerschulung erhalten. Vormittags waren die Logerteilnehmer gruppenweise in acht­tägiger Folge zu allen vorkommenden land- und hauswirtschaftUchen Arbeiten ein geteilt. Der Ar­beitsbeginn entsprach dem des normalen Bauern­

sehen, verlassen stehen die Arbeitstische mit den Schreibmaschinen da.Hallo Black Fisher Fum Donnerwetter, ist denn überhaupt kein Mensch da?" poltert er los, zornig funkeln seine Augen. Niemand meldet sich.

Sedgewick reißt die Tür zu seinem Zimmer auf, geht zum Schreibtisch, drückt auf einen Klingelknopf. Dann wirft er seinen Tropenhelm auf einen Stuhl, richt die Jacke aus und schaltet den Ventllator ein. Nervös trommelt seine Rechte auf das Holz der Schreibtischplatte, während die Linke noch einmal Sturm läutet.

Gleich darauf erscheint ein hagerer Mensch nut fiebrigen Augen in der Tür. Man sicht ihm an, baß er krank iftGuten Morgen, Mr. Sedgewick."

Wollen Sie mir gefälligst erklären, was hier los ist, Golder?" schreit der Chef, und eine Ader schwillt auf seiner Stirn.Sfein Mensch itn Schal­te rraum kein Mensch am Eingang? Wo ist Black? Wo ist Fisher? Wo sind die anderen?"

Im Hospital, Mr. Sedgewick", kommt es matt und fast interesselos von Golders Lippen.Ich habe Black und Fisher vorhin selbst hingebracht. Er schauhert und stteicht sich mit müder Bewegung über die Stirn. r..r r

Sedgewicks Gesicht wird fuß-sauer.Sre waren wohl auch besser gleich dageblieben?"

,Nein, ich habe mich so voll Chinin gepumpt ich halte durch!" Golder macht den mißglückten Ver­such eines Lächelns.

Der Chef stützt sorgenvoll den Kopf in die Hand. ,5a, verdammt noch mal, mit Ihnen allein kann ich doch meinen Betrieb nicht weiterführen! Am besten, ich verlege das ganze Geschäft ins Hospital! Rufen Sie mal bei der Kolonialverwaltung an. Man soll uns Ersatz schicken!"

Das habe ich schon getan, Mr. Sedgewick, aber die' haben selbst soviele Ausfälle, unb da hat der Gouverneur angeorbnet, daß niemand mehr zur Aushüfe abgegeben werden darf!" entgegnet der Angestellte leise.

Jetzt ist es mtt Sedgewicks Beherrschung «ms.

Vom Schicksal verweht

Roman von Holla Gutkelch

(Nachdruck verboten.)

Puntamarra, die weiße Stadt an der Küste einer Ser .Inseln über dem Winde" im Karibischen Meer, nst still geworden. Verstummt ist die tonchfe Heiter­keit der Neger und Mulatten, die Weißen haben die Freude am süßen Nichtstun verloren. Sie schlen- idern nicht mehr durch die'Palmenalleen, kaum noa) Liefen farbige Verkäufer auf den Straßen Fruchte uinb Blumen an. Die Malaria mutet auf der grünen Insel, an deren Ufer in sanften türkisblauen Wel­len die See stößt. Wer in Puntamarra noch gesund ist, wagt kaum, sein Haus zu verlassen aus Furcht vor Ansteckungsgefahr. Die schönen blassen Kreolm- men, die sonst an jedem Nachmittag sich aus der Hauptstraße in ihren eleganten Kabrioletts den b.- tounbernben Blicken der Männerwelt Zeigten, sitzen Schon wochenlang in Moskitoschleier gehüllt hinter den kunstvoll gefchmiedeten Gittern ihrer Fenster wie einst ihre Großmütter das ganze ^eben lang.

Selbst auf der Hauptstraße, die im grellen öon= venschein liegt, gibt es nichts Interessantes gu fept . Der Friseur, Monsieur Antoine, dessen Laden sonst «in Treffpunkt der Damen von Puntamorra ist, sttht gelangweilt in der Tür, und das Geschalt da­neben hat, obwohl erst kürzlich modische Klemig feiten mit dem Dampfer angelangt sind, stine Notz- taioufien ganz heruntergelafsen. Glne einzige vo einem Neger jun gen gezogene Rikscha ist unterweg .

In ihr thront Mr. Sedgewick, der F^.E^gewal« tige Puniamarras, ein älterer Mann mit scharf ge­schnittenem Gesicht. Seine -aut rst &raununti ge* gerbt wie Leder. Vor dem Bankhaus Sedgewick & Co. springt er aus der Rikscha, schiebt den <n den Tropen statt einer Tür üblichen Perlenvorhang des Kassenraumes beiseite und sagt mechanisch wiejeben Tag:Morgen!" Da stutzt er, sieht sich verblüh

An den Schaltern sind keine Angestellten zu

Ach, das hat der Herr Gouverneur angeordnet? Na, da werde ich mich mal wieder mit dem Hohen Herrn' unterhalten." Hastig greift er nach Jacke unb Tropenhelm und ist schon draußen.

Golder blickt ihm teilnahmslos nach. Ein Frösteln schüttelt chn. Sein Gesicht sieht plötzlich verfallen aus. Schwerfällig setzt er sich und zieht eine Glas­röhre mit Tabletten aus der Tasche.

Inzwischen ist Sedgewick wieder in seine Nikscha gestiegey.Schnell, Samy, zum Gouverneur." Mit einem Fächer aus weißem Pergament fächelt er sich Kühlung zu, bei Puntamarras reichstem Mann ein Zeichen höchster Erregung.

Mit Ansttengung zieht der Ne^erjunge, sonst ein kleiner Atylet, das Fahrzeug. Sem Atem geht keu­chend, den Kops mit dem großen Strohhut hätt er gesenkt. Plötzlich beginnt er zu taumeln, stolpert. Er versucht noch einige unsichere Schritte, stürzt dann zur Erde.

Unsanft wird Sedgewick in der Rikscha nach vorn geschleudert. ,Lum Donnerwetter, paß doch auf, Samy! Na los, aufstehen! Willst du dich hier viel­leicht schlafen legen? Sarny, was ist denn? Hast du dir was getan?"

Knurrend steigt Sedgewick aus, beugt sich über Samy.Verdammt noch mal jetzt hat's den auch erwischt!" knirscht er. Hoischen den beiden Stangen der Rikscha liegt der Neger am Boden, fein Kops ist schlaff zur Seite gesunken, die Augen sind ver­schwommen.

Drüben auf der anderen Straßensette befeftigt ein schwarzer Polizist ein großes rotes Plakat an der hellgetünchten Mauer eines Eckhauses.Hallo!" ruft Sedgewick chn an, und als er nicht hört, noch ein­mal.Hallo! du fitzt wohl auf deinen Ohren?"

Eilig kommt der Polizist herbeigelaufen.No, Senor Sedgewick. Ich nix fitzen ich stehen" grinst er.

Na, lang genug sind sie dazu. Paß mal auf, mein Rikscha-Boy hat einen Malariaanfall. Du bringst ihn zu mir nach Hause, verftauben?*

Si,. Senor ich ihn bringen nicht nach Haus ich ihn bringen ins Hofpitcll."

Der Schwarze weist mit ousgestrecktem Zeige­finger auf das Plakat.

Sedgewick schiebt den Hut in den Nacken, schlen­dert über den Damm, lieft das Plakat:Achtung! Bei Malariaerkrankungen sich sofort zur kostenlosen Behandlung im Hygiene-Departement melden! Par­ker, Gvuverneur", murmelt er leise vor sich hin. So ein Blödsinn!" unb bann jnacfjt er sich zu Fuß auf den Weg zum Regierungsgebäube.

Ein schwarzer Diener, der oftensichtlich stolz auf seine golSstrotzenbe Livree ist, fuhrt Mr. Sedgewick durch eine kühle Marmorhalle zu den Räumen des Gouverneurs Parker. Lautlos schließt sich die Tür hinter ihm, und die beiden ungekrönten Könige der Insel stehen sich gegenüber. Sedgewick im zerknit­terten weißen Leinenanzug, eine Hand in der Hosem tasche, mit finsterer Falte zwischen den Brauen. Der Gouverneur in hellgrauem Tuch, stteng sportlich, sehr gebügelt, mit verbindlichem Lächeln. Seine Or­densschnalle, erworben in diplomatischen Diensten, blitzt. Feierlich Abstand bewahrend, verbleibt er hinter seinem Schreibtisch.

Schon nach wenigen höflichen Begrüßungsworten wettert Sedgewick los:Blödsinn, Herr Gouverneur, mit ein paar Plakaten ist uns nicht geholfen! Damit erreicht man nichts, fo kommen wir nicht weiter!"

Aber mein lieber Mr. Sedgewick ..." beginnt Parker begütigend. Er ist ein alter Mann unb be gegnet allen an ihn herangetragenen Problemen mtt Gelassenheit. Auch liebt er Leute nicht, die allzu laut reden. Er zieht sich an feinen Klubsessel bas Tischchen mtt Eissoda und Whisky heran unb gießt den sprudelnden Trank in zwei Gläser.

Der Teufel ist ihr .lieber Mr. Sedgewick'!" schreit der andere aufgebracht.Wollen Sie mir vielleicht erklären, wie ich mein Geschäft wetterführen soll, wenn mir an einem Vormittag allein sechs Leute krank werden?"

(Fortsetzung folgt.)