täglich angegeben wurde, den die englische Regie* rung für An> eiten beim Bau amerikanischer Flugplätze in der Nähe der Hauptstadt Nassau zahlen wollte. Die Bevölkerung war mit Recht erbittert, daß Engländer im Verein mit Nordamerikanern die Massenarbeitslosigkeit ausnutzen wollten, um trotz erheblich gestiegener Lebensmittelpreise lediglich Wohlfayrtssätze, aber keine Löhne zu zahlen.
Aehnlich liegen die Verhältnisse auf den benachbarten Bermuda-Inseln. Die in Hamilton, der Hauptstadt der Bermudas, erscheinende Zeitung „The Recorder" berichtet, in der zweiten Hälfte des Vorjahres seien die Lebensmittelvreise doppelt so rasch gestiegen als im ersten Halbjahr. Der Index stand Ende 1942. auf 175,0 gegenüber 100,0 bei Kriegsausbruch. Äuf Trinidad droht die gesamte Zuckerindustrie zusammenzubrechen, weil die englische Regierung den Preis von 14 Schilling 3 Pence für ein hundredweight Exportzucker so niedrig angesetzt hatte, daß die Plantagen nicht mehr kultivieren und die Raffinerien nur noch beschränkt arbeiten können. Was wird aber, wenn die jetzt bei den amerikanischen Stützpunkten Beschäftigten an ihre früheren Arbeitsplätze in der Zuckerwirtschaft zurückkehren?, fragt man mit Sorge.
Die gespannten Zustände auf den westindischen Inseln sind, wie „Economist" zugibt, auch aus eine Unzufriedenheit der Kolonien mit einer „überholten, reaktionären Verfassung" zurückzuführen. Auf den Bermudas — und das ist typisch — hat nur ein Sechstel der Bevölkerung Wahlrecht. Wer in die gesetzgebende Versammlung gewählt werden will, muß ein Mindestvermögen von 200 Pfund aufweisen. Es gibt, so fährt „Economist" fort, auf den Bahamas überhaupt keine soziale Gesetzgebung, so daß die wenngleich beschränkten, so doch vorhandenen Wohlfahrtsfonds in London für die Kolonien schon deswegen von der Insel nicht in Anspruch genommen werden können-. In ähnlicher Weise hat es der gesetzgebende Rat von Jamaica selber bisher verhindert, daß eine fortschrittliche Verfassung eingeführt wurde. Alle Vorwande, die von London immer wieder gegen die Erfüllung örtlicher Verfassungswünsche in anderen Teilen des (Empire vor geb rächt werden, treffen, wie „Economist" eingesteht, für Westindien nicht zu. Weder hat es die kastenmäßige Gliederung Indiens noch die fortschritthindernden sozialen Sitten und Tra° Ättionen Afrikas. Westindien ist daher der beste Beweis dafür, daß den Engländern einfach nicht daran gelegen ist, den ,-neuen Imperialismus" zu verwirklichen, bei dem sich polittsche Erleuchtung mit makellosem Menschentum, mit aufbauender Wirtschafts- und Sozialpolitik die Hand reichen, wie Innenminister Morrison es kürzlich schwärmerisch ausdrückte. Es ist die Probe aufs Exempel.
Im Unterhaus wurde kürzlich freimütig zugegeben, das Mutterland habe für das Wohlergehen der 60 Millionen Einwohner der Kolonie weniger Interesse als etwa für die Freistellung von Mitgliedern der Oxfordbewegung vom Militärdienst oder das Verbot, Blumen auf. Eisend ahnen zu befördern. „Wir haben aber auch von den Amerikanern, die unsere westindischen Kolonien übernehmen wollen, weil sie sie angeblich bester als wir verwalten, nichts zu lernen", erklärte der in Westindien geborene Ar-beiterparteiler Morgan. Damit mag Morgan Recht haben. Ob man aber die Forderungen der „kleinen, aber einflußreichen amerikanischen Gruppe", die als teilweisen Ausgleich für Leih- und Pachtlieferungen den englischen Besitz im Karibischen Meer übernehmen möchte, damit abweisen kann, ist eine andere Frage. Kolonialsekretär Stanley bezeichnete den anglo-amerikonischen karibischen Ausschuß lediglich als den Versuch, die Technik internationaler Zusammenarbeit auf kleiner Basis zu erproben, lehnte aber im gleichen Atemzug irgendwelche internationale Kontrolle britischen Kolonialbesitzes ab. Auch in dieser Beziehung ist Westindien eine bemerkenswerte Probe aufs Exempel.
Oer Schwarzhandel in den USA. floriert.
Lausanne, 8.April. (Europapreß.) American Magazine" berichtet über den in den Vereinigten Staaten immer mehr zunehmenden Schwarzhandel. Die Mitglieder einer organisierten Bande haben einen Kettenhandel mit Bezinbezugscheinen eingeführt. Zwei der Gangster hatten 5000 Bezugshefte gestohlen, die ihnen ermöglichten, vier Millionen Liter Benzin zu beziehen. Das Mitglied einer der bekanntesten ehemaligen Alkoholschmuggelbanden hatte neun Apparate zur Herstellung von Büchsen- fleisch für die Versorgung des schwarzen Marktes gekauft. Während eines einzigen Monats waren die Preiskontrollbeamten gezwungen, 159 Großschlächter wegen Schwarzhandels festnehmen zu lassen. Dieser neue Typ des nordamerikanischen Schwarzhändlers vereinigt sich in mächtigen Organisationen, welche den Handel zu beherrschen beginnen und zahlreiche „Freunde" in den Verwaltungen haben.
Machtkampf vm die Llrwaldhöhe.
NSG. Die Waffen-^ stellt laufend Freiwillige ein. Meldungen nehmen entgegen die Ergänzungsämter 'der Ergänzungsstelle Rhein (XII), Wiesbaden, Bahnhofstraße 46, und Fulda-Werra (IX), Kasfel-Wilhelmshöhe, Löwenburgstraße 10; außerdem die Dienststellen der Allgemeinen ff, der Polizei und Gendarmerie.
Hochgereckt, die scharf zusammengekniftenen Augen unverwandt zum Feinde gerichtet, das blaffe Gesicht des Grabenkämpfers hart gestrafft, so steht em Mann im Graben, eingehüllt in das bergende Grau feiner Windjacke, und die Faust um die Handgranate geklammert, denn vor einer Stunde wuchteten hier noch die Geschosse der eigenen Artillerie hinein, strich das Gehämmer der mechanischen Waffen jede Bodenfalte ab und klatschten die Geschoßgarben in das dichte Gatter der schlanken Flechtenfichten, meist aber ohne Erbarmen hinein in die wilden Rudel der oliobraunen Gardistentrupps, die über Nacht zum großen Stoß auf die beherrschende Urwawhöhe angesetzt waren.
Plötzlich rast es von drüben los. Schlägt sprühend, singend, pfeifend, johlend und mit dumpfem Bah ins Holz. Leichte und überschwere Granatwerfer verwenden sie. Dann noch derbere Kaliber! Sie riegeln das ausgesuchte deutsche Grabenstück ab, — versuchen es wenigstens.
Don rechts erster Gefechtslärm. Die MG.s tacken, oder besser, sie surren schon ... Hart heran sind die Bolschewisten gekommen, dann ist es dort sehr schnell aus. Scheinangrift? Aber hier an der Stelle, wo der Toni aus dem Eisacktal auf der Wacht steht, reißt es ihm hart den Gruppenführer weg — ja, und nebenan auch. Im Dunkel blenden die Detonationen der Minen auf, splittert Drahtwerk und Geäst, vermischt mit dicken Klumpen, in die niedrigen Baumwipfel. Zwar feuern sie, die MG.s, alles heraus, was sie hergeben können. Dann aber springen gespenstische Schatten mit glatten Katzenbewe- gungen hinein ins Dunkel des Grabens, das sie im Nu verschluckt. Die geballten Ladungen zersprengen die Lust, Bäume und Männer hüben wie drüben — und nun deutlich rechts und links der Bruchstelle. Sein -letztes Ci setzt der Totti 'äuf den duckenden Schatten dort neben dem Stumpf. Es dröhnt nur dumpf auf, dann rennt der Südtiroler um den Anschluß — aber direkt vor zwei springende Gestalten. Sie haben ihn, sie zerren ihn, sie sollen ja Gefangene mit herüberbringen, denn die Kommissare wollen Klarheit. Schon rft ihm das Gewehr entwunden. Aber er hat die wütende Bullen- kraft der Gebirgler, reißt sich los von den zähen Griffen, schlägt den ehren nieder, dem anderen chie Waffe aus den knochigen Fängen, legt kurz an, denn da bringen wieder zwei auf ihn ein — Schuß, nochmal Schuß — er ist frei, Und mit ihm geht der Kugelautomat des Feindes. Neben ihm pras-
selt's, Pinter ihm ist ein Orkan, er weiß nur: jetzt hier aufwärts, und bann hat ihn die Kompanie wieder!
Inzwischen ist in der zweiten Linie längst die Abschirmung des Stoßes organisiert, längst die Abriegelung des Einbruches begonnen worden. Es gilt hier das Gesetz wie immer ün Urwald: das kurze Zurück ebenso entschlossen zu wählen wie die Vernichtung des Gegners und beides miteinander zu einer Taktik zu entwickeln, der gegenüber die Sowjets schon stets versagten.
Die Sowjets haben das Glück, den rückwärts führenden Laufgraben zu gewinnen. Aber der Hauptgraben, — ihn können sie schwerlich halten. Im Niemandsland und auf das besetzte Grabenstück ttom- melt die Artillerie der Jäger. Rechts und links der ersten Linie drücken jetzt die neu eingesetzten Reserven der Deutschen. Der kleine Hauptmann aus dem Frankenland klemmt seine heiße MPi. festem in den Armwinkel. Das Getöse der Handgranaten wird immer lebhafter, und der Tag heller... Als die Pak zum direkten Bunkerbeschuß aufgefahren ist, heißt es für die Patjaken, sich aus dem Staube zu machen. Der Bunker verschiebt langsam seine Bohlen, — mit jedem Schuß, den die Pak hineinjagt! Bald ist der Bunker ausgeräuchert, bald auch der Laufgraben vorn mit dem schweren MG. Und -als die Jäger unter dem Befehl ihres schneidigen Steirer Oberleutnants mit dem gellen Hurrah, mit der Hellen Wut des entscheidenden Augenblickes frontal zum Bunkersturm ansetzen, ist es aus...
Die letzten Patjaken flüchten geduckt durch den Laufgraben, in den sie sich um des nackten Lebens willen blindwütig eingewühlt hatten. Keiner kommt mehr durch! Gerade ist der Hauptgraben von den Jägern wieder aufgeroöt worden. Was noch ins Niemandsland rennt, die Angst der letzten Stunde im Rücken, wird erledigt, denn die Artillerie schießt fanatisch, und die MGs. sind nur zu passend wieder eingebaut. So häufen sich die Leichen vor dem wie, dergswonnenen Graben, während drinnen ein halbes Hundert zerschmettert, verbrannt von den eigenen Schwefelslaschen, feinen Todeshauch getan hat.
Die ff-Batterie erhielt jetzt ihre größte Aufgabe. Von den Schallmessern geleitet, hatte sie bereits erfolgreiches Vernichtungsfeuer auf zwei mittelfchwere feindliche Batterien gegeben. Seitdem schwieg es aus dieser Ecke, und die Verwundeten konnten unbehelligt zurück. Nun aber gab es den ersten Feuerschlag in die eben verratene Bereitstellung eines ganzen Gardistenbataillons. Wie der einzige Gefangene später sagen konnte, mit verheerender Wirkung! Aus dem geplanten Nachstoß in die Bruchstelle wurde nichts mehr. Wieder hatte die enge Zusammenarbeit der ff-Kanoniere mit dem „mathematischen Gewissen" der Jäger-Artillerie, wie man dort den tüchtigen Meßtrupp nennt, in die letzte Entscheidung eingegriffen.
ff--Kriegsberichter Georg Wilhelm Pfeiffer.
. „Front der verpaßten Gelegenheiten"
Ankara, 9. April. (Europapreß.) Aks ,Hie Front der verpaßten Gelegenheiten" bezeichnete der australische Premierminister Cu rti n den Kri e gs- schauplatz im Pazifik. „Der Krieg", so fuhr Curtin fort, „wird im Pazifik gewonnen oder verloren werden-. Die vereinigten Nationen haben hintereinander ihre Hauptwiderständslinien auf den Philippinen, in Singapur, in Holländisch-Indien und in Rabaul verloren und sehen jetzt Australien, ihren letzten Haupt stütz punkt im Südwestpazifik, stark bedroh t." Während ihres Siegeslaufes nach Süden feien die Japaner sehr verwundbar gewesen, zahlreiche goldene Gelegenheiten für schwere Gegenangriffe seien von den Achsengegnern verpaßt worden. Die Japaner hätten unterdessen ihre Stellungen konsoldieren können. Heute sei ein Sieg über die Japaner schwerer und langwieriger. Australien sei trotz eigenem großen Risiko zur Zu- sammenheit mit seinen Verbündeten auch auf anderen Kriegsschauplätzen immer bereit gewesen. Die Antiachsenmächte müßten deshalb dafür sorgen, daß der Pazifik nicht zu einer „verlorenen Front" werde. Die Bataa mH alb insel auf ben Philippinen, auf der die USA.-Streitkräfte vor einem Ia^ kapitulierten, und Singapur seien für die Achsengegner ein zu bezeichnendes Symbol, als daß es vergessen werden dürfte.
Emigrantenschmuggel.
Madrid, 8. April. (DNB.) In Madrid trafen 3 8 polnische Emigranten ein, die beim Versuch, sich an Bord eines spanischen Schiffes m i t falschen Papieren nach den USA. einzu- schiffen, verhaftet worden waren. Durchreise und
Aufenthalt in Spanien war den Emigranten durch die USA.-Botschaft in Madrid ermöglicht worden, die sie mit falschen Pcrpieren ausgestattet hatte und je nach Berufseignung entweder an die nordamerikanische Front als Kanonenfutter oder in nord amerikanische Fabriken schicken wollte.
Wiederaufnahme des schwedisch- argentinischen Schiffsverkehrs,
Buenos Aires, 9. April. (Europapreß.) Der Schiffsverkehr zwischen Schweden und Argentinien, der wegen mangelnder (Garantien der Kriegführenden vorübergehend eingestellt worden war, soll — wie ein Beamter der schwedischen Gesandtschaft in Buenos Aires mitteilte — in Kürze wieder aufgenommen werden. Außer den vorhandenen Schiffen sollen zwei neue große Motorschiffe mit Kühleinrichtungen in Dienst gestellt werden. Diese Nachricht löste in den argentinischen Wirtschafts- freifen, in denen man auf die Papier- und Maschinenlie fernn gen aus Schweden angewiesen ist, große Genugtuung aus.
Englands Furcht vor den ttGA.-Erben.
Genf, 9.April. (DNB. Funkspruch.) „Wir sind von jeher das erste Schiffsbauland der Welt gewesen und können es uns nicht leisten, diese Stellung zu verlieren", erklärte der Präsident der englischen Schiffs- und Maschinenbauergewerkschaft,Harrison, auf deren Jahrestag ung in Glasgow. Die Gefahr aber, daß England diese führende Stellung aufgeben müsse, bestehe nicht nur in der Einbildung, sondern sei wirklich vorhanden. Was für den Schiffbau gelte, treffe ebenso für den Maschinenbau zu, vor allem, wenn man dabei an dos Luftvep-kehrswesen der Nachkriegszeit denke. Die Nordamerikaner stellten große Mengen
'Magrer» und Frachtflugzeuge her, wähvend Ctty, land n i ch t s in dieser Richtung unternehmen könntz Bleibe es dabei, dann liefere sich England völlig den Amerikanern aus.
Wer weiß weniger?
Augenblicklich hat sich zwischen Engländern und Amerikanern eine Debatte entspannen über die Notwendigkeit, das englische Volk über die USA.« Geschichte zu unterrichten. Der Abteilungsleiter der Carnegle^Stiftun-g für den Weltfrieden-, Nicholas Murray Autler, hat gefordert, daß künftig die Engländer von den Amerikanern lernen sollten, daß dies „bas Jahrhundert Amerikas" ist und daß man „die geistige und polittsche Geschichte der USA. den großen Massen des englischen Volkes zur Kenntnis bringen solle". Dieses amerikanische Aufttumpsen hat natürlich die Engländer in Harnisch gebracht. Zu ihrem Wortführer hat sich der USA.-Korrespon- de-nt der „News Chronicle" gemacht, der den Hieb mit einem Angriff parierte und dazu sagt, dieser Plan stehe in überraschendem Gegensatz zu dem, was man.in den USA. über die eigene Geschichte wisse. Eine Untersuchung, die kürzlich von der „New Port Times" im ganzen Lande durchgeführt worden sei, habe — so stellt der Korrespondent fest — eine erschütternde Unwissenheit unter den amerikanischen Studenten über fundamentale Tatsachen der amerikanischen Geschichte zutage gefördert. Nur 22 v. H. der Gefragten hätten Washington und Abraham Lincoln in die richtige Beziehung zu den Ereignissen bringen können, durch die sie berühmt geworden seien.
3« Antwerpen 1OOOO Menschen entweder tot, verwundet oder obdachlos.
Antwerpen, 9.April. (Europapreß.) Die bisher aufgefunöen-en Opfer des brittsch-nordamerikw- nischen Terrorangriffs mußten in die Kathedrale übergeführt,werden, da keine andere Kirche groß genug war, die Zahl der Särge aufzunehmen. Der Erzbischof von Mecheln, Kardinal von Roey, wird hier einen feierlichen Trauergottesdienst zelebrieren. Bis Donnerstagmittag wurden über 1000 Leichen 'identifiziert. Von den 17 000 Einwohnern des am stärksten betroffenen Stadtteils sind mindestens 10000 durch den Terrorangriff in Mitleidenschaft gezogen morgen, das heißt entweder tot, verwundet oder obdachlos.
Kleine polittsche Nachrichten.
Nachdem Bolivienin völlige Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten von Amerika geraten ist, ist es anläßlich des Besuches des USA.-Dizepräsi- denten Wallace gezwungen worden, den Mächten - des Dreierpaktes oen Krieg zu erklären.
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Für das Haushaltsjahr 1944 forderte Roosevelt vom Kongreß für die USA.-Marine einen Kredit von über 24 Milliarden Dollar, den höchsten Bettag, der je in einem Flottenhaushalt der USA. vorge«. sehen war.
Die Bewerbung des Oberbürgermeisters von Neu- York, des Halbjuden Fiorello la Guardia, um Eim stellung in den Militärdienst, ist, wie -Kriegsminister Stimson mitteilte, abgewiesen worden mit der Begründung, daß er in feiner gegenwärtigen Stellung für die Kriegsanstrengungen weit nützlicher fei.
Der britische Außenminister Eden teilte dem Unterhause mit, er habe den USA.-Staatssekretär Eor- dell Hüll eingeladen, England zu irgendeiner ihm passenden Zeit einen Besuch abzustatten.
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Der ungarische Unterrichtsminister überreichte im Auftrag des Reichsverwesers dem deutschen Reichsstudentenführer Dr. Scheel das Großkreuz des ungarischen Verdienstordens.
Kunst und Wissenschaft.
Hochschulnachrichlen.
Der innere Kliniker der Universität Heidelberg. Prof. Dr. Richard Sie b e ck, vollendet fein 60. Lebensjahr. In Freiburg geboren, studierte er in Tübingen, Freiburg und Berlin, promovierte in Heidelberg und habilitierte sich.dort 1912. 1924 erhielt er den Lehrstuhl für innere Medizin in Bonn und als 1931 Krehl von feinem Lehrstuhl in Heidelberg zurücktrat und die Leitung des Forschungsinstituts für innere Medizin übernahm, kehrte Siebeck als Direktor der Inneren Klinik nach Heidelberg zurück. 1934 folgte er einem Ruf nach Berlin als Nachfolger von His, kehrte jedoch 1941 abermals als Direktor der Medizinischen Klinik nach Heidelberg zurück. Eides feiner bekanntesten Werke ist „Die BeurtÄ» lung und Behandlung Herzkranker". — Gaua-mts- leiter Sanitätsrat Dr. med. Reinhardt in Melsungen ist beauftragt worden, in der medizinischen Fakultät der Universität Marburg das Fach ärzttiche
Nord und Güd.
Bon Ernst Siebeck, Echzell.
In den Jahren 1878 und 1880 erhielt mein Vater, der damals Professor der Philosophie in Basel war, zwei Briese von früheren Hallenser Kollegen, deren einer Gymnasiallehrer in Flensburg, der andere in Halle war. Der Flensburger schrieb von der Insel Sylt, der Hallenser von Florenz. Beide Briefe verdienen es wohl, veröffentlicht zu werden, weil sie die Eindrücke wiedergeben, die nordische wie südliche Landschaft in die Seelen der Verfasser prägten.
*
„Unser Nord", so schreibt der Flensburger, „ist im Sommer herrlich. Halbe Tage könnte ich auf Sylt zwischen der Düne und der See herumstreichen, bald den mächtigen heranbrausenden Wellen zuschauend oder ihrem gewaltigen Konzerte lauschend, bald die hunderterlei Gegenstände musternd, die das Meer auswirft. Da liegen Steine, Muscheln, Tang, allerhand hölzerne Sachen, als Fifchereigeräte, Kisten, Kästen, Balken, - Bretter, Schiffstrümmer, wie z. B. ganze riesige Masten mit allem eisernen Zubehör, ferner Flaschen, Reste von Lichtkerzen, Korke, Bambusrohre, Federhüte, Körbe, verfaulte Früchte, u. a. Kokosnüsse, tote Fische, Vögel, dann und wann auch ein toter Mensch (den ich jedoch noch nicht gesehen habe). Diese Armen, welche in den Wellen ihren Tod fanden, werden hier auf einem kleinen Friedhöfe begraben, über dessen Eingang steht: .Heimstätte für Heimatlose'. Ein einfaches Kreuz mit Dütum schmückt den sonst schmucklosen Hügel. Es liegt unbedingt Poesie in diesen dem Untergang geweihten Landresten, den Nordseeinseln, mit ihrer herzerquickenden Luft, ihrem Meer, ihren Dünen. Diese letzteren sind öde, so starr und einsam! Kaum spärlicher, sorgsam gepflegter Strandhafer wächst hier. Nur wenige Vogelarten, namentlich Möwen, beleben die Gegend. Trotzdem wurde
ich nicht müde, diese Sandwüsten jauchzend zu durcheilen, von einem Hügel zum andern, immer gelockt von einem weiter entfernten, höheren, mehr Aussicht versprechenden. Die Formen der Dünen sind wild, grotesk, echt romantisch, den Alpenformen recht ähnlich. Aber die Düne ist von Sand und fortwährend wechselnd. Denn unablässig weht der Wind, unablässig fegt feiner Sand dahin, meist von West nach Ost. Daher wandert die Düne in dieser Richtung, allerdings fast unmerklich, aber sicher. Am großartigsten war der Eindruck immer, wenn sich die Schauer der Nacht bereits herabgesenkt hatten. Der Mond befeuchtete phantastisch das immer rauschende, rollende, donnernde, knatternde Meer; die Dünen sehen jetzt riesenhaft groß aus, wie ein unabsehbar langes Kettengebirge. Ich steige eine der hohen Dünen mühsam empor; nach Norden sehe ich die Leuchtfeuer von Sylt, von Süden her blinkt das Feuer von Amrum. Ich wende mich um; eine riesenhafte Gestalt steht hinter mir: mein eigener Schatten, der sich auf der vom Mondlicht hell beschienenen weißen Düne gespenstisch ab hebt. Ich blicke über die Insel hin, vor mir liegt jener stille Friedhof; aber so weit ich sahen kann, blinken über die Insel einzelne Lichterchen; es sind die elenden Lampen der Sylter, die aus den wett zerstreuten Häusern freundlich herausleuchten. Wie mit lauter Sternen ist die Insel besät. Dazu herrscht lautlose Stille, denn das Rauschen des Meeres ist das Ohr so gewöhnt, daß man es fast nicht mehr bemerkt. Nur das Bellen eines Hundes ..
*
Und nun der Brief aus Florenz. Der Verfasser hatte sich auf der Hinreise vom Monte Generoso aus, den er erkletterte, von Süden her einen rigi- artigen Ueberblick über die Berghäupter und Seen verschafft. „Vom Mont Blanc bis zum Ortler umspannt hier der Blick die Riesengebftge und streift die grünen Hügel und die glänzenden' blauen Seen Oberitaliens von Turin bis zum Comerfee." Eine
Kahüfahrt im Hafen zur Besichtigung der neuen Moloanlagen schloß einen Aufenthalt in Genua ab. „Ich kann sagen, daß ich noch nie einen solchen Anbruch der Nacht erlebt habe. Wir waren im freien Meere weit draußen und ganz allein; im weiten Umkreis die Berge, welche das Becken bilden, reckten sich immer mehr empor, und je weiter die Nacht vorrückte, um so mehr kleideten sie und die an ihnen emporklimmenden Häuser sich in ein tiefes durchscheinendes Blau, während die etwas näheren Häuserreihen im Osten goldig erglänzten. Dann schimmerte eine Anzahl von Lichtchen in der fernen Stadt und überall auf den dunklen Bergen auf und bildete ein Sternenheer, welches allmählich mit dem am weiten Himmelsdogen zusammenfloß. In der Mitte aber desselben schwamm einsam die goldene Sichel des Mondes ..."
Oer Erfinder der Drehbühne.
Zum 100. Geburtstage von Karl Lautenschläger.
Am 11. April 1843 wurde in Bessungen bei Darm- stadt der Mann geboren, dessen Erfindung — die Drehbühne — für Millionen von Menschen als größtes Wunderwerk' im Zauberreich jenseits des Vorhanges oilt: Karl Lautenschläger. Am damaligen Hessischen Hoftheater in Darmstadt lernte er bei einem der Meister seines Faches: Karl Brandt hatte schon als Neunzehnjähriger den Posten des Maschinenmeisters am Königstckdtischen Theater in Berlin ausfüllen können, ehe er an das Theater seiner Vaterstadt Darmstadt ging — Karl Lautenschläger war mit siebzehn Jahren bereits imstande, ihn zu vertreten, begleitete ihn auch auf seinen Reisen zu allen großen Bühnen Deutschlands und lernte aus eigenem Einblick unendlich viel kennen, ehe er 1863 nach Riga, 1864 bis 1880 nach Stuttgart und dann bis 1902 nach München «sing, wo er am 30. Juni 1906 starb,
Es ist uns heute schwer, eine Vorstellung davon zu gewinnen, wie umwälzend das Wirken dieses Mannes damals war, als er, 1881 von König Lud wig II. nach Paris geschickt, die Möglichkett erkannt hatte, die sich aus der Ausnutzung der Elekttotechntt' für das gesamte Bühnemftesen, insbesondere auch für die Beleuchtung, ergaben: denken wir doch nur daran, daß beispielsweise im Fesffpielhause zu Bayreuth erst 1889 die Gasbeleuchtung durch elefa ttisches Licht ersetzt wurde, dessen letzte Möglichkeiten auch bei Lautenschlägers Tode noch nicht voll ausgenutzt waren. Er hat aber die Wege gewiesen, auf denen dann die Entwicklung fortgeschritten ist.
Weiter: er sann darauf, die Umbauzeiten bei oer- wandlungsreichen Werken zu verkürzen, er fand zusammen mit dem Regisseur Samts 1889 die Be helfssorm der sogenannten „Shakespearebühne" mit feststehendem architektonischem Rahmen um die Vorbühne und auswechselbaren Prospekten der erhöhten Hinterbühne, sowie mannigfacher Verwem dupg von Vorhängen. Aber er war von dieser sttli- sierenden Ausstattung selber nicht befriedigt und glaubte näher am Ziel seiner Wünsche zu sein, als er im Mai 1896 zum ersten Mal Mozarts „Don Giovanni" auf die Drehbühne stellte. Da war nun die Möglichkeit gegeben, mehrere Bühnenbilder zugleich auf die einzelnen Sektoren dieser kreisrunden Scheibe von 16 Metern Durchmesser zu stellen, jeweils das folgende durch rasche Drehung nach vorn zu bringen und derweile die schon abgespielten Dekorationen auf der dem Zuschauer abgewandten Seite her Bühne abbauen und durch andere ersetzen zu lassen. Mer noch war es ein weiter Weg von diesem ersten Versuch zu der heutigen vollkommenen und abwechslungsreichen Ausnutzung des Raumes und seiner Tiefe, noch galt es erst, den technischen Fortschritt zum Mtdrehen der Untermaschi' nerie zu machen, ehe Lautenschläger tton seinem Werke schied, das seinen Namen weitertragen wird. wieviel auch andere noch daran fortärbeiten mögen
Lebede.


