Ereysler und Harald Paulsen spielen die Haupt- ollen des Films. — Heinz Salfner gibt in forn
■: gräa-Film „Himmel, wir erben ein Schloß!" (Regie P. P. Brauer) eine seiner be- onnten humorvollen Diener-Studien. — Erich Enel, der Spielleiter des neuen Bavaria-Films Man rede mir nicht von Liebe", hat die Atelieraufnahmen in Geiselgasteig beendet. Die Außenaufnahmen werden zur Heit auf der Zugspitze gedreht. Hauptdarsteller des Films find Heidemarie )atheyer und Mathias Wieman. — Hans Schlenk hüt in dem von Alfred Braun inszenierten Ufa- iilm „Zwischen Nacht und Marge n" eineß Krzt dar, der in dem Leben eines erblindeten Bild- auers (Rene Deltgen) und dellen Pflegerin und päteren Frau (Käthe Gold) auch als Freund eine lüscheidende Rolle spielt.
Klassische Musik im Rundfunk.
Am Donnerstag hören wir im Deutschlandsender um 17.15 bis 18.30 Uhr unter Leitung von Reinold Merten Liszts sinfonische Dichtung „Mazep- J .a" und Easellas „Paganiniana", die der italienische Sonfetzer nach Themen des berühmten Geigen- -irtuosen komponiert hat. Zwischendurch spielt die Zreisträaerin Rosl Schmid ein Klavierkonzert von I 'hopin. Das Abendkonzert im Reichsprogramm von .0.20 bis 21 Uhr gilt Mozart. Der Pianist Erich Hebensahm trägt unter Leitung von Hans Ros- l-aud das Klavierkonzert in C-äur vor nach einem ! leinen Adagio für Englisch-Horn und Streicher. Die Stunde von 21 bis 22 Uhr wird mit Szenen aus Leders Oper „Der Freischütz" ausgefüllt. Arthur Köther dirigiert.
Fritz Reupert gestorben.
In Reichenbertz starb kurz vor der Vollendung eines 50. Lebensjahres der Komponist Fritz Neuwert, der dort am Theater Korrepetitor war. Neuwert entstammt einer alten Münchner Musiker- Elie, studierte bei Felix Mottl Komposition, wid- nete sich aber zunächst dem Beruf als Studien* issessor, bevor er den Weg zum Theater fand. $n Heichenberg und Gablonz wurde seine Oper „Carina Corvi" aufgeführt. Mit einem Violinkonzert, Kammermusiken und Liedern ist der Komponist her- mrgetreten, eine einaktige Oper ist noch nicht veröffentlicht.
Opern-Uraufführungen.
In Kassel wird die Uraufführung der neuen Oper atm Joseph Haas „Die Hochzeitdes Jobs" »arberettet. Generalintendant, Dr. Ulbrich beabfich- igt, auch das erste Opernwerk von Haas „Tobias Wunderlich", das Oratorium „Das Liöd von der Blutter" sowie Kammermusik und Lieder des Melkers zu bringen. Die Uraufführung der neuen Oper on W ö l f - F e r r a r i „D e r K u ck u ck v o n T h e- wen" am Opernhaus in Hannover soll im Juni un- cr Leitung von Prof. Rudolf Krasselt stattfinden, »ie Bühnenausstattung hat Prof. Emil Preetovius ibernommen. Fried Walter hat eine heitere Oper .Dorf muf i t" , Text von Paul Beyer und H. E. Lange, vollendet, deren Uraufführung sich Generalintendant Spilcker für das Deutsche ZHeater in Wiesbaden gesichert hat.
Fontane in Serbien.
Die serbische Schriststellergenossenschaft in Belgrad bemüht sich neben der Verbreitung serbischen Schrift- !inns — vor allem Volkslieder, dann der Bücher P-on B. Stankovitsch und St. Movakotitsch — auch tim die Verbreitung deutscher Meisterwerke in serbischer Uebersetzung. So wurden Romane von Fow ane, Kolbenheyer, Carossa und Veröffentlichungen I o-on Will Vesper in serbischer Uebertragung yeraus- xebracht.
Kleine politische Nachrichten.
Die Mauern, die das Gesandtschastsviertel von Peking umgeben, sollen jetzt niedergerissen werden ils ein äußeres Zeichen für die Wiederergreifung >er vollen Verwaltungsrechte über dos Gesandt- chastsviertel durch die chinesische Nationalregierung.
* *
Der Duce überreichte dem ungarischen Ministerpräsidenten Kallay bei dessen Aufenthalt in Rom >05 Großkreuz des „Römischen Adlerordens". Er ft der dritte Träger des Großkreuzes dieses während kts Krieges gestifteten Ordens, der nur fremden Staatsbürgern verliehen wird.
Aus 6er Stadt Gießen
Das „bewegliche $efP.
Weil der Termin des Osterfestes von Jahr zu Jahr innerhalb der beträchtlichen Zeitspanne von 35 Tagen schwankt, hat man ihm vor etwa 400 Jahren die Bezeichnung „Schuckelfeft" gegeben. (Der Volksmund versteht unter „schuckeln" eben ein ungewisses Hin- und Herschwanken.) Wir nehmen dies heute als etwas Herkömmliches hin, für manche hat es sogar einen gewissen Reiz, diesen Schwankungen durch die Reihe der Jahre nachzugehen.
Die österliche Terminbestimmung hat eine alte Uebe^lieferung. Ostern ist eines der ältesten christlichen Feste und wird seit der Mitte des zweiten
der erste, ht den Frühling fallende Vollmond erst 29 Tage später zu erwarten, solange dauert ein Mondumlauf, nämlich am 18. April; ist nun dieser ein Sonntag, so fällt Ostern auf den kommenden Sonntag, 2 5. April; das ist mithin der späteste Ostertermin, der überhaupt möblich ist.
Diese beiden äußersten Termine sind sehr selten, und nach Berechnungen sollen sie nur je einmal in hundert Jahren vorkommen. Das letzte früheste Ostern fiel auf den 22. März 1818, ist also von keinem der heute Lebenden mitgefeiert worden. Das vorletzte früheste war 1761, und das nächste wird erst im Jahre 1970 fällig fein. Auf den spätesten Termin, den 25. April, fiel Ostern zuletzt 1886, das nächste späte Ostern ist in unserem Jahre 1943. Das letzte Spätostern vor 1886 fiel in das Jahr 1834. Seit dem Konzil von Nicäa, also seit 1618 Jahren,
tiner niederdeutjchen Bauernchromk die Schlichtung des blutigen Streites der Jnfelfriesen um ein Stück Weideland schildert. — Die Hörer folgten mit gesammelter Anteilnahme und dankten mit lebhaftem Beifall. Hans Thyriot.
Vom April.
Die Helligkeitsdauer erweitert sich im April ganz erheblich. Im Durchschnitt scheint die Sonne von Tag zu Tag zwei Minuten länger, d. h. sie geht eine Minute früher auf und eine Minute später unter. Im Lause des Monats ergibt sich eine Steigerung der Sonnenscheindauer um 116 Minuten, von denen 65 Minutey auf den früheren Aufgang der Sonne und 51 Minuten auf den späteren Untergang fallen. Im April sind wir jedenfalls so weit, daß wir den ganzen Tag, von morgens 6 bis 20 Uhr gerechnet, ohne künstliches Licht auskommen können, bis zum Ende des Monats verschiebt sich die Taaeshelliakeit sogar bis 20.30 Uhr. Es ergeben sich also im April ganz erhebliche und gleichzeitig einfache Möglichkeiten für die Einsparung von Strom und Gas.
Die durchschnittlichen Tagestemperaturen des April steigen — nach den Angaben des Klimaatlas — im Laufe des Monats im Deutschland-Durchschnitt von 4 Grad Wärme auf 10 Grad Wärme an, so daß man in den Mittagsstunden in der zweiten Hälfte des Monats mit normaler Zimmerlufttemperatur draußen rechnen kann. Es wird also, normale Witterungsverhältnisse vorausgesetzt, in der zweiten Aprilhälfte im größten Teil des Reiches kaum noch Tagesheizung in den Wohnräumen erforderlich fein und auch zu den Übrigen Tageszeiten kann die Heizung auf ein geringes Maß zurückgestellt werden, so daß sich im April schon erhebliche Kohlenmengen einsparen lassen. In Zimmern, die nach Süden und Westen gelegen sind, ist nach allgemeinen Erfahrungen im April bei einigermaßen sonnigem Wetter schon keine Heizung mehr erforderlich. Es kommt natürlich darauf an, die Auslüftung der Zimmer möglichst zu Zeitpunkten w^hr. zunehmen, wo auch die Außentemperatur verhältnismäßig hoch ist, also in den Mittags- und Nach- Mittagsstunden, unzweckmäßig ist es mit Rücksicht auf die Kohlssnsparaktion, die Lüfung der Zimmer gerade auf die Nacht- oder Morgenstunden zu legen, wo unnötig viel warme Lust aus dem Zimmer herausgeht.
Der April macht, was er will, heißt ein altes' Sprichwort. Es ist kaum anzunehmen, daß der diesjährige April auf diese Tradition verzichten wird. Dennoch kann man sagen, daß der Winter jetzt so gyt wie ab gemeldet ist. Ein kurzer Schneeschauer oder ein Nachtfrost kann uns nicht mehr erschüttern. Es ist nun einmal die Eigenart des April, daß er die vier Jahreszeiten in sich vereinigt und einmal gewittrigen Sommer, einmal rauhen Winter, einmal stürmischen Herbst und dann wieder lachenden Frühling spielt. Das Gute bei diesem launigen Spiel ist, daß das Schöne, der Frühling und Sommer, Sieger bleiben wird.
Freitvilliae für die Maffen-U.
Von der Erg.-Stelle Fulda-Werra (IX) erhalten wir die Mitteilung, daß wiederum Freiwilligen die Möglichkeit gegeben ist, in die Waffen-ff einHw treten.
Die Divisionen der Waffen-^ kämpften auf allen Kriegsschauplätzen und stehen jetzt in oorberfter Front im Kampf gegen den Bolschewismus. Ihre stolzen Taten sind ein Ruf an die deutsche Jugend und an die wehrhaften Mäner. Dollmotorisiert umfassen die Divisionen alle Truppen, wie Infanterie, Artillerie, Pioniere, Panzer, Nachrichtentruppen, Kavallerie, Panzerjäger, Flak, Kradschützen, Ge- birgs- und Scmitätstruppen.
Die Waffen-^ stellt ein: a) Kriegsfreiwillige, b) Freiwillige mit Dienstzeitverpflichtung vom vollendeten 17. bis 45. Lebensjahr. Der Dienst in der Waffen-ff ist Wehrdienst. Bei Eignung stehen dem Freiwilligen die Unterführer- und Führerlaufbahn sowie Sonderlaufbahnen offen. Einberufung zur Truppe erfolgt beschleunigt.
Annahmeuntersuchungen finden am 12. April, 9 Uhr, im „Burghof" zu Gießen statt. .MeDungen von Freiwilligen werden dort angenommen. Arbeitsbuch und Wehrpaß sind mitzubringen.
Außerdem nimmt die Erg.-Stelle Fulda-Werra (IX) der Waffen-^, Kassel-Wilh., Löwenburgftr. 10, Tel. 36 683 und 34 441 ständig schriftliche Meldungen an und übersendet auf Anforderung das ausführliche Merkblatt.
Gefallenenehrung der NSDAP, am kommenden Sonntag.
Am Sonntag, 11. April, vormittags, findet in der Aula der Landesuniverfität eine Gefallenenehrung der NSDAP. statt. Die Feieransprache halt Kreispropagandaleiter Zins er. Die Ehrung wird umrahmt von feierlicher Musik und literarischen Darbietungen. Die Bevölkerung von Gießen kann an dieser Ehrung unserer tapferen gefallenen Kameraden teilnehmen. Die Angehörigen der Gefallenen werden besonders eingeladen. Es wird darauf hingewiesen, daß die Feier pünktlich 10.30 Uhr beginnt Die Saaltüren werden sofort bei Beginn geschlossen.
Jahrhunderts als Tag der Auferstehung begangen; unsere germanischen Vorfahren nannten es nach der von ihnen verehrten ©öttin des Feldes und der Fruchtbarkeit, Ostara. Da im Laufe der Zeit Streitigkeiten über den wirklichen Zeitpunkt entstanden, bestimmte das ökumenische Konzil (die erste allgemeine Kirchenversammluna im Jahre 325 unserer Zeittechnung zu Nicäa), Ostern sei am ersten Sonntag nach dem ersten in den Frühling fallenden Vollmond zu feiern; als Tag des Frühlingsanfangs wurde der 21. März genommen.
Die Berechnung ricytet sich also nach dem Frühlingsvollmond. Fällt dieser auf den frühesten Termin, den 21. März, und ist dieser Tag zufällig ein Samstag, so ist tags darauf Ostersonntag; somit ist der 2 2. März der früheste überhaupt mögliche Termin. Fällt der Vollmond aber auf den 20. März, mithin einen Tag vor dem Frühlingsanfang, so ist
Gießener Voriragsring.
Joachim von der Goltz liest aus eigenen Werfen.
Auf Einladung des Vortragsringes — der Kulturellen Vereinigung, des Goethe-Bundes und der Volksbildungsstätte Gießen der NSG. „Kraft durch Freude" — las gestern abend der Dichter Joachim von ber Goltz in der Aula aus seinen Werken. Von der Goltz, der im vorigen Jahre feinen 50. Geburtstag beging, stammt aus Westerburg im Westerwald, studierte Jura und Volkswirtschaft, wurde 1914 Referendar und stand bann im Weltkriege drei Jahre lang an der Front. Das. Kriegserlebnis bestimmte feine dichterische Entwicklung; 1916 erschienen die „Deutschen Sonette". Als Dramatiker wurde er bekannt mit dem Schauspiel „Vater und Sohn", das den berühmten Konflikt des Kronprinzen Friedrich mit seinem Vater behandelt, der „Leuchtkugel" und später dem „Meistermädchen". Don den erzählenden Büchern sind an erster Stelle der Kriegsroman „Der Baum von Clsry", ferner „Der Steinbruch" und „Die Marcellusflut" zu nennen.
Seine Vorlesung begann von der Goltz — nach einem kurzen Dorspruch „Nichts geht verloren ..." — mit dem ersten Kapitel aus dem Schwarzwälder Bauernroman „Der Steinbruch". Dieses Profastück, „Die Brautnahme" überschrieben, erzählt nach einem die eigentümliche südwestdeutsche Landschaft schildernden Natureingang, wie ein Bauernmädchen aus der Ebene ins karge Gebirge hinaufsteigt, um den Burschen, der sie heiraten will,»zu besuchen und dessen Hof und damit ihre neue Heimat kennenzu- lcrnen. Die entscheidende Szene zwischen den beiden jungen Leuten ist aus sicherer Kenntnis von Land
ist der 22. März vierzehnmal, der 25. April nur drei- zehnmal als Ostersonntag begangen worden.
Die alten Sternkundigen bedienten sich zur Berechnung astronomischer Daten der Epakten, der Goldenen Zahl und anderer uralter Kalenderweisheit, was eine mühselige Arbeit gewesen ist. Im 19. Jahrhundert errechnete der große Göttinger Mathematiker Gauß eine Formeltabelle, die bis 1900 reicht und dann von dem Mathematiker Johann Hartmann bis zum Jahre 2199 erweitert wurde. Wem das nicht genügt, her sei auf die Tabellen des Asttonomen Wilhelm Lehmann (1800 bis 1863) verwiesen, der die Dfterbaten sogar bis zum Jahre 22 000 ausgerechnet hat. Und wem das noch nicht genügen sollte, der setze sich an den beiden Osterfeiertagen hin und erweitere die Lehmannschen Tabellen — falls er gerade nichts Besseres zu tun haben sollte!
und Landbewohnern und mit feinem Gefühl für die Wortkargheit und gefühlsmäßige Verhaltenheit der bäuerlichen Natur dargestellt, und es ist eine schöne, menschlich überzeugende Wendung, daß das Mädchen, als durch Sprödigkeit und Ungeschick schon alles verdorben und verloren scheint, mit wortlosem Zupacken und handfestem Arbeiten vom Hofe gleichsam Besitz ergreift und das Verlöbnis bestätigt. — In der „Allen Susanna", ebenfalls aus dem „Steinbruch", fanden wir das schlichte Bildnis eines bäuerlichen Menschen, dessen letzte Stunde durch den septemberlichen Hochzeitsflug der Ameisen wunderlich verklärt wird.
Don der Goltz gab danach Proben seiner Lyrik: .zunächst, auf Wunsch, zwei Stücke aus den schon genannten „Deutschen Sonetten", Bekenntnis zu Volk und Nation iyi ersten Weltkriege; dann aus dem kürzlich erschienenen neuen Gedichtbuche „Ewig wiederkehrt die Freude": hier klingt das nationale Thema („Ewig Volk") ebenfalls wieder an; daneben finden sich Gedichte aus einem zuversichtlichen Lebens- und Naturgefühl — „Der Kirschbaum", „Die Boten des Frühlings" — neben besinnlichen, der Spruchdichtung uno Gedankenlyrik zugehörigen Strophen wie „Fürchte nur dies", „Auch dann" und „Ich möchte danken"; einen schönen Abgesang bildete das zeitnahe, dem Gedächtnis der Gefallenen geweihte Gedicht „Hoffnung".
Den. Ausklang der Lesung ergab die Episode „Der Friede am Deich", ein Kapitel aus dem Roman „Die Marcellusflut", das, um Pfingsten in aller Zeit an der Nordseeküste spielend, im Stile
Glückauf, Renate!
Roman von Grnst Grau.
(Schluß.)
Jä> verließ die Heimat und wanderte durch Äeukschlaitt», hierhin und dorthin, aber überall, wo ch mich anbot, fragte man nach Papieren, nach $eugniffen, nach bestandenem Examen. Die hatte ch natürlich nicht aufzuweisen, und so blieben mir ■Tie die Türen verschlossen, durch die ich hindurch nutzte. , £
In jenen Tagen war es, daß ich Robert Ter- nruggen kennenlernte. Ob er etwas auf dem Kerv- Wlz hotte oder ob ihm nur die rechte Luft zu einer «regelten Arbeit fehlte, danach habe ich ihn nie «fragt. Jedenfalls wollte er nach Südamerika aus- oänbern und suchte, irgendwie das Geld dazu auf- Jiutreiben. Er hatte in Hamburg sein Abiturium gemacht, hole studiert, er hatte alle Papiere, die ich brauchte. Ich dagegen hatte noch ein kleines Erbteil hon Großmutterseite her. Ich hatte das Geld bas 3m fehlte — imb so tauschten wir denn. Ich kaufte 3m seine Papiere unb damit auch feinen Dcamen lk>. Ich war jetzt Robert Terbrüggen; nichts stand neinem Empor^ommen jetzt mehr im Wege. Alles, Das ich begann, gelang mir von nun an. Wo man nich^auf einen Posten stellte, habe ich redlich meine Wicht getan. Meine Zeugnisse beweisen das, und Mch Herr Hammerkott wirb mir das bezeugen Nüssen.
Jener andere war indessen mit meinem Gelbe Lmb meinem Namen ausgewandert, unb somit war slles in bester Ordnung. Niemand hatte einen Un von unserem Tausch. Im Gegenteil. Die All- ?Lrneinheit hatte sogar den Nutzen, daß an Die Delle eines Vaganten ein — ich £?nn ibas ohne Selbstüberhebung sagen — ein pflichttreuer Ar- i-etter getreten war, über den sich niemand zu besagen hatte. _ ,
Aber leider sollte es nicht so bleiben. Denn nach --ahr unb Tag kam jener andere wieder zuruck- (s mar ihm drüben nicht gelungen, festen Futz^ 'offen. Unb als er heimkam, war e^fem erste , ^iich aufzusuchen und vor die $
Men, ihm eine bequeme Stellung zu föaffcnj frenn er unseren Handel von damals nicht verraten
sollte. Was blieb mir in einer solchen Situation übrig? Sollte ich alles mühsam Aufgebaute wieder auf geben? So wurde denn Karl Meinders mein Prioatsekretär auf Hammerkott."
Ein allgemeines Aufhorchen ging durch den kleinen Saal. Jeder hat im stillen schon gewußt, daß Terbrüggens Worte auf Meinders zielen. Aber als er es jetzt ausspricht, richten sich alle Blicke auf den Mann mit der schwarzen Armbinde, der harten Gesichts dasitzt, als ginge ihn das alles nichts an. Nur den unruhig flackernden Augen ist anzufehen, wie es hinter feiner Stirn arbeitet.
„Jahrelang habe ich es ertragen müssen", fährt Berbruggen bann fort, „jahrelang habe ich nichts dagegen sagen dürfen, daß er mich bei dem geringsten Anlaß' an den unseligen Tausch erinnerte, daß er bei allen Gelegenheiten mit Enthüllungen drohte, bis ich es schließlich nicht mehr aushielt unb beschloß, mich von ihm zu befreien, ganz gleich, was daraus werden sollte.
Als er sich an jenem Unglückstage bann selcht dazu drängte, mich beim Einfahren zu begleiten unb mich babei von neuem wieder mit seinen Sticheleien peinigte, siand mein Entschluß unerschütterlich fest.
Gegen Doktor Hellingrath habe ich eigentlich nichts. Mein Groll gegen ihn galt nur dem glücklicheren Berufskollegen in ihm, dem es in verhältnismäßig jungen Jahren schon leicht gewesen war, einen Posten zu kriegen, den ich ttotz allen Lernens erst viel später unb unter so unsauberen Umständen hatte einnehmen dürfen. Es erschien mir wie ein Wink des Schicksals, daß mir der Zufall an jenem Tage gerade Hellingraths Waffe in die Hände spielte. Gelang mein Vorhaben, dann war .ich beide Widersacher mit einem Schlage los.
Daß meine Rechnung nun doch nicht so glatt aufging, damit muß ich mich nun heute abfinden. Aber es macht mich leicht unb zufrieden, daß das alles endlich einmal gesagt worden ist, und daß ich diesen Alpdruck nun für alle Zeiten ab geworfen habe."
Ein tiefes, fast ergriffenes Schweigen folgt feinen Worten. Es war die Beichte eines Mannes, der nichts beschönigte, der mit einfachen, schmucklosen Worten alles preisgab, woran er hing unb wonach er strebte. Werner Hellingrath sitzt erschüttert. Er kann sich aus eigenem Erleben so gut in die Seele dieses Mannes hineindenken. Manches mutwillige Wort bedauert er jetzt, was er in seinem Uebermut ihm leichtfertig hingeworfen hat.
Landgerichtsrat Wildenow wechselt einen kurzen Blick mit dem Staatsanwalt. Der nickt verstehend unb ergebt sich auch sofort.
„Die Staatsanwaltschaft zieht ihre Anklage gegen den Ingenieur Doktor Werner Hellingrath zurück. Der Haftbefehl ist aufgehoben. Dagegen habe ich soeben zwei neue Haftbefehle gegen Robert Ter- brüggen unb Karl Meinders unterfertigt, die sofort zu vollsttecken sind."
Die Beratung dauert nicht lange.
„Das Gericht beschließt gemäß dem Anttage der Staatsanwaltschaft —"
Renate Hammerkott ist während der ganzen Zeit der Verhandlung in dem kahlen Korridor vor dem kleinen Saal auf unb abgewandert. Sie ist als Zeugin geladen unb wartet fieberhaft darauf, daß man sie endlich hineinruft. Aber eine halbe Stunde nach der anderen kommt der Glockenschlag von der Turmuhr, unb niemanb fragt nach ihr. Es ist unheimlich still geworden da drinnen. Was mag dort vorgehen? Kommt alles fo, wie der Anwalt es ihnen vorausgesagt hat?
Endlich geht die Tür wieder auf. Renate eilt sofort hinzu. Aber man braucht sie nicht mehr. Die Verhandlung hat ein überraschend schnelles Ende gefunden. Alles ftrömt auf den Korridor hinaus. Werner und der Vater kommen zusammen, und glückstrahlend steht das Mädchen zwischen den beiden Männern, und ihre Augen winken Thora Kersten zu, die sich eben zu ihnen gesellt.
„Einen Augenblick, Kinder", ruft da Hammerkott plötzlich und läuft den Korridor hinunter. Drüben gehen Terbrüggen und Meinders zwischen zwei Beamten.
Hammerkott drückt seinem ehemaligen Direktor die Hand.
„Wir sehen uns wieder, wenn Sie alles hinter sich haben ..."
Dann kommt er zurück, und sie verlassen zusammen das Haus. Draußen in der blanken Herbstsonne steht die große, blaue Limousine, die nun vier glückliche Menschen nach Hammerkott tyinübertragt ...
Der nächste Tag war ein Sonntag, und im Hause Hammerkott feierte man im engsten Kreise die Dop- pelverlobung.
Renate und Werner standen am Fenster und sahen hinüber, wo sich die wuchtigen Umrisse der Zeche klar gegen den lichten Sternenhimmel ab- zeichneten. Zwischen den beiden höchsten Schornsteinen stand wie an jedem Abend das große kilo
meterweit in die Nacht hinausleuchtende ßi^transparent mit dem Namen Hammerkott.
Beide schwiegen. Sie sahen nichts als diese schlafende Stätte der Arbeit, die in wenigen Stunden wieder zu tausendfältigem Leben erwachen würde.
„Dort drüben, Reni — sieh nur!" sagte der Mann plötzlich und zog das Mädchen in seinem Arm fester an sich.
In der Kolonie, die im tiefsten Frieden zu liegen schien, wurde es in diesem Augenblick lebenoig. Kleine zuckende Lichter entflammten sich, hier, dort, überall zwischen den eng zusammengedrängten Häusern tauchten sie auf, strömten bann auf einen Punkt zusammen, und bann kam es heran, ein Ge» funkel von tausend flammenden und flackernden Lichtern, langsam, ein feierlich schöner Anblick. Wie eine feurige Schlange wand es sich zwischen den niedrigen Häusern und hielt auf das Haus Hammer- ko tt zu.
Werner stand ergriffen, als er sah, was hier vorging. Die dort tarnen, im feierlichen Schwarz den althergebrachten Uniformen der Bergknappen, die schwelenden Fackeln in den harten Fäusten, waren die Kameraden, mit denen er dort unten Freud unb Leid geteilt hatte und die nun tarnen, um ihm zu zeigen, daß sie auch jetzt in ihm einen der ihren sahen.
Das packende Bild des nächtlichen Fackelzuges hatte bas Mädchen laut aufjubeln lassen, unb ihr freudiger Ruf hatte auch den Vater und Thora Kersten ans Fenster gezogen.
Aber fie alle drei hielten sich zurück. Sie wußten, dieses wogende Lichtermeer dort unten vor dem Hause galt nur dem einen Manne, der jetzt allein an der Brüstung stand und vor tief finniger Freude kein Wort hervorzubringen vermochte. Er sah nur hinab in die ledernden Flammen, er hörte die hellen Worte,' die zu ihm heraustlangen und ihm Glück wünschten, und er wußte, daß diese Feuer dort unten das Licht in eine Helle Zu tun st waren.
Er mutzte ihnen antworten und suchte nach Worten. Es war nicht viel, was er zu sagen fand, es bedurfte auch nicht vieler Worte. Sie verstanden ihn auch so.
„... und was das Schicksal auch mit mir noch vorhaben mag ... ich war einer von euch und merbc einer von euch bleiben ... für alle Zukunft ... Glück auf!"
Brausend klang der alte Bergmannsgruß tausendfältig wieder zurück ...


