Ausgabe 
8.4.1943
 
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heraufwachsendem Gewölk, vor dem einzelne dunkle Fetzen herflogen und gelbgeränderte Ballungen sich rasch heranschoben, drohten Feuerschlag und Lärm eines Gewitters; weiße Wolken, die mitten im Bau plötzlich sich formten und zu prallem Pund wuchsen, zeugten von zunehmender Feuchte, lange, dünne, weißgelbe Streifen sagten Wind und Regen an. Aus tiefgeschichteten, schwarzen Wolkenmassen mußte bald Schnee niederschweben und mit weichem Flockenfall langsam das Fenster bedecken; kaltes, gläsernes Geleucht des Abendhimmels sagte ihm voraus, daß bald schon sein Fenster von Frost- blumen überblüht sein würde, die das stählerne Blitzen der Sterne zu gestaltlosem Geglitzer dämpf­ten. Glomm hinter schrvarzen Wolkenballen schwe­felig gelbes Geleucht herauf, so wußte er, daß wilde Güsse mit zornigem Tropfen- oder Körneraetrom­mel das Fenster peitschen mußten; grau sich ver­dichtendes Gespinst war der Vorbote eintönig rau­schenden Dauerregens. Aus der Hohe oder Ver­engung des Blickraumes, aus der Kraft und Farbe des Sonnenlichtes, des Mondgeleuchtes und des Sterngeflimmers las er das Wesen der Jahres­zeiten und den Wechsel des Wetters ab. Die Stimme des Windes sprach zu ihm, der Flug der Vögel wurde ihm vertraut, den Zug des stetig ziehenden oder hastig verflatternden Kaminrauches lernte er als Vorzeichen deuten.

So erhob sich der junge Mensch, der von der Krankheit kraftlos und ohnmächtig niedergehalten wurde, langsam aus der Enge der Kammer und der Haft dieser Kraftlosigkeit zum freien Flug in den Raum, als vermöchte er mit den Winden daher­zuwehen, mit den Wolken schwerelos zu segeln und mit den Flügeln der Vögel sich kraftvoll emporzu­schwingen. Das schmale Fenster über ihm wurde zur Pforte in eine nie geahnte Höhe und Weite. Als er, genesen, nach einem Jahre die Zelle, die langst .schon kein Gefängnis mehr war, verließ, ging er mit sicherem Schritt ben ihm nun geöffneten und vorgezeichneten Weg: Er wurde ein Erforscher, Er­kenner und Deuter der Naturkräfte, die, aus un­endlichen Räumen wirkend, das Antlitz und das Schicksal der Erde und das Werden ihrer Bewohner bestimmen, formen und wandeln.

Oie Danziger Marienkirche,

Zur 600. Wiederkehr ihres Gründungsjahres 1343.

Die Geschichte der Stadt Danzig und ihrer Haupt* Pfarrkirche, ist die eines vorgeschobenen deutschen Außenpostens im Osten, einer Kaufmanns- und HaÄwerkerkolonie, fest verwurzelt im Boden der neuen Heimat und zugleich den Blick auf das hori- zonterweiternde Meer gerichtet. Es mag in den sieb­ziger Jahren des 12. Jahrhunderts gewesen sein, als die ersten Siedler aus West- und Norddeutsch­land, vermutlich den Missionsfpuren der Zisterzienser von Kloster Oliva folgend, an die Mottlau gelang­ten und sich in der Nähe eines kleinen, von Preußen und Kaschuben bewohnten Fischerdorfes unweit der Mündung der schiffbaren Mottlau in die Weichsel häuslich niederließen. Das war im Umkreis des heutigenLangemarktes", der späterenRecht­stadt" von Danzig. Von den einheimischen Fürsten, die sich Herzöge von Pommerellen nannten, begün­stigt und mit Privilegien begabt, entwickelte sich das deutsch Danzig, durch immer neuen Zuzug aus dem Mutterlande verstärkt, in den der, Gründung folgenden Jahrhunderten zu einer bedeutenden Handelsmacht,, ohne doch je aufzuhören, eine deut­sche Kulturinsel zu sein, die in keinem Augenblick ihrer langen und wechselreichen Geschichte mehr als nur fünf v. H. Fremde beherbergt hat.

Die erste Kirche der Kolonie werden wir in der Nähe des Marktes zu suchen haben. Sie scheint als Ersatz einer Nikolaus-Kapelle um 1240 ent­standen zu fein. Klein und bescheiden, war sie den Bedürfnissen der allmählich sich vergrößernden Stadt schon im 14. Jahrhundert nicht mehr gewachsen. Mit der Gründung derNeustadt" im Jahre 1343 und der Befestigung beider Stadtteile durch gemein­same Mauern hatte denn auch die Stunde geschla­gen, in welcher die reiche Bürgerschaft zu dem Ent- schluß kam, sich eine neue und größere, ihrer eigenen Macht und Bedeutung würdige Pfarrkirche zu er­richten. Das Material lieferte der Backstein, wie immer im Küstengebiet

Wenn wir einer neueren Bauinschvrft in der heu« tigen Marienkirche Glauben schenken dürfen, wurde im Frühjahr 1343 der Grundstein gelegt, doch muß man sich klar darüber sein, daß der Gründungsbau des 14. Jahrhunderts mit der Riesenkirche von heute nicht identisch ist, wenn auch Teile davon in dieser enthalten sind, nämlich die unteren Geschosse des Westtürms und die achteckiges Mittelschiffpfeiler, die später durchs Wegschlagen der Oberwände auf die gewaltige Höhe, die sie heute haben, gebracht wur­den. Die Marienkirche von 1343 war, mit anderen Worten, keine Halle mit gleich hohen Schiffen, wie der Neubau des 15. Jahrhunderts, sondern eine im Vergleich damit kleinere Basilika, also ein Bau mit einem die niedrigen Seitenschiffe überragenden, nur freilich zunächst fensterlos gebliebenen Mittel­schiff, eine sogenanntePseudobasilika", wie diese nicht häufig verwendete Raumform heißt. Erst die spätgotische Erweiterung und Umgestaltung zur Halle hat, nach Abbruch des alten Chors (der im Wege stand), die ältere Basilika in den Neubau hineinwachsen lassen, was der unorganische An­schluß ihrer Umfassungsmauern an das'neue Halles querhaus beweist. Dabei muht,en natürlich nicht nur die Gewölbe erhöht, sondern auch der Weftturm dem völlig veränderten Maßstab der Hallenkirche angepaßt werden.

In ihrer heutigen, durch mehrfache Umbildung entstandenen Baugestalt ist St. Marien die ehrwür­dige Mutter aller Danziger Kirchen, das Haupt einer Familie, deren Glieder alle die Züge der Ahnfrau erkennen lassen. Nirgends im ganzen bal­tischen Küstengebiet zeigt sich der Backsteinbau, dem das Zierliche durchaus nicht zu fehlen braucht, von einer so rauhen und schroffen Seite wie in dieser .Kirchenburg" so machtvoll und fast ungegliedert steigen die glatten, durch Riesenfenster geöffneten Mauern am Ende schmaler Gassen empor, als woll­ten sie ihre Undurchdringlichkeit geflissentlich zur Schau stellen. Schon die räumliche Ausdehnung zeigt jene imponierende Maßlosigkeit, die so häufig ein Merkmal der deutschen Ziegelbauten im Kolo­nialland ist. Können tn St. Marien doch bequem 15 000 Menschen Platz finden. v*

tz61 Millionen Pfund!Wahrscheinlich hat feit Be­ginn der Welt", so schrieb Brooks Adams,keine Investierung jemals einen so hohen Profit einge­bracht wie die Plünderung Indiens, denn fast 50 Jahre lang hatte England keinen Konkurrenten."

Man könnte glauben, daß wir diese Tatsachen mühselig zusammengesucht haben. Aber sie wurden von keinem geringeren als dem britischen General­major I. F. C. F u 11 e r, dem Vorkämpfer der Tank­waffe im ersten Weltkriege, in einem Artikel ange­führt, den er noch vor Kriegsbeginn 1939 geschrieben hat. Fuller sieht sehr richtig die europäische Ge^ schichte der ganzen folgenden Jahrzehnte im Zei­chen dieser Despotie der britischen Plutokratie, die im 19. Jahrhundert mit der Zinsoersklavung der wesllichen Welt ihren endgültigen Triumph feierte. Der Sieg der Hochfinanz war gleichzeitig auch ein Sieg des Judentums, wie Lord Byron schon in seinem ,L)on Juan" feststellte. Für ihn waren der Jude Rochschild und sein Anhang die wahren Her­ren Europas, die ,chie Weltenwaage hielten und Kongresse royalistisch oder liberal regierten". So kam es denn dahin, daß die landbesitzende Aristo­kratie, die England beherrscht hatte, von einer Plutokratie von Lager- und Aktieninhabern ver­drängt wurde, die, wie Professor Jenks beschei­nigte,das Einkommen in Dividenden und den Reichtum rn Börsenkursen messen. Das waren die Männer, die die britische Insel regierten und es nicht für- anstößig hielten, die Verfolgung ihrer Interessen mit der Verfolgung der Interessen Großbritanniens gleichzusetzen."

Man muß es geradezu als ehren höheren Akt geschichtlicher Gerechtigkeit ansehen, daß nach dem Vorspiel des ersten Weltkrieges heute England von 'ber gleichen Macht ins Verderben gestoßen wird, der es sich im Laufe seiner Geschichte auslieferte: der des internationalen Finanzjudentums. Nur mit dem einen Unterschied, daß sowohl in der Sowjet­union als in den Vereinigten Staaten das jüdische Untermenschentum triumphiert und keineswegs ge­willt ist, vor dengeheiligten Institutionen" Groß­britanniens haltzumacyen. Diese Institutionen waren jahrhundertelang die Kulisse, durch die der Welt die Illusion erhalten werden sollte, als handele es sich in England um einechristliche Demokratie", die auf ihren Fahnen die ach so erhabenen Grundsätze der Freiheit und der Menschenwürde geschrieben hat. England, das sich in Wahrheit der Knechtschaft des Goldes und der Despotie der Dividende ver­schrieben hat, muß heute erleben, daß im Judentum nicht nur Kräfte schlummern, die die Zusammen­raffung eines ungeheuren Reichtums auf Kosten anderer Völker und Staaten begünstigen, sondern in erster Linie Kräfte, die von uns schon feit Be­ginn des nationalsozialistischen Kampfes alsFer­ment der Dekomposition" erkannt wurden.

Heute sehen sich das Jnselreich und seine mit Blindheit geschlagenen Staatsmänner sowohl in Ge­stalt des jüdischen Plutokratismus der USA. als auch des Mischen Bolschewismus der Sowjetunion diesen Mächten des Chaos gegenüber, die keines- wegs gewillt sind, vor dem britischen Weltreich Halt zu machen. So schließt sich der Kreis. Eng- land wird von der gleichen Mach* zerstört und dem Abgrund entgegengetrieben, der es einst in seiner Gier nach ©alb und Besitz schrankenlos die Tore ausgemacht hatte. Bkn.

Oie bolschewisiisckeJnfittration der LlGA.

EmNationalrat amerikanisch-sowjetischer Freundschaft".

Genf, 7. April. (DNB.) In Neuyork wurde die Bildung einesNationalrates amerikanisch-sowjeti­scher Freundschaft" angekündigt, dessen Ziel es sei, noch engere freundschaftliche Be­ziehungen zwischen den USA. und der Sowjet­union" zu schaffen. Zu denPersönlichkeiten", die diesenNationalrat" unterstützen, gehören der Jude Professor E i n st e i n , der jüdische Dirigent Leopold Stokowski und der Jude Charlie Chaplin, ferner der USA.-Jnnenminister Ickes und der Vor­sitzende des Morgan-Konzerns Lamont. Diese Leute wollen das amerikanische Volkmit allen Aspekten des sowjetischen Lebens" durch Filme, Bro­schüren, Ausstellungen usw. vertraut machen, d. h. also Reklame für die Sowjetunion und ihre jüdischen Genossen in großem Maße betreiben. Daß ein am­tierender Polizeiminister dazu auch seinen Namen hergibt, ist bezeichnend dafür, wie weit die bolsche­wistische Infiltration schon gediehen ist. Im übrigen wird es dieses Nationalrates gar nicht bedürfen, um das amerikanische Volk mit dem ^Bolschewismus ver­traut zu machen. Dafür sorgen bestimmt die Leute der Komintern viel bester.

HSchsteAnforderungenimKn'egsstudmm

NSG. In einer Besprechung mit den Rekto­ren der Hochschulen des Gaues Hessen-Nassau und dem Präsidenten des Landesarbeitsamtes legte Gau­leiter und Reichsstatthalter Sprenger die Kriegs­notwendigkeit des ernsthaft betriebenen Studiums einerseits und auch die Forderung schärfster Auslese der Studierenden nach Haltung und Lei­tung andererseits dar. Die Handhabe dazu sei durch die neuesten ministeriellen Verfügungen gegeben. Im kommenden Semester sollen nur diejenigen ein Studium fortsuhren können,, die neben überdurch- chnittlichen Leistungen auch eine vor­bildliche Einsatzbereitschaft über das Studium hinaus bekunden. Die anderen werden durch das Arbeitsamt einer zweckmäßigeren Arbeit zugeführt. Die Forderung nach Leistungssteigerung im Studium bedeute nicht, daß ein einseitiges Stre­bertum unter den Studenten und Studentinnen ge­ordert werden soll. Partei und Staat haben viel­mehr Interesse daran, daß politische Erziehung und Charakterbildung ebenso intensiv gepflegt werden.

Gaustudentenführer Salon erläuterte die me­thodische Durchführung der Auslese und betonte, daß neben einem Einsatz in den Gliederungen der

NSDAP, von jedem Studierenden im Sommer- Semester vor allem ein zusätzlicher praktischer Arbeitseinsatz erwartet werde, so daß ein zu­verlässiger Maßstab für die Beurteilung der Hal­tung in jedem einzelnen Falle gegeben fei. Für das Frauenstudium, das ebenfalls kriegsnotwendig ist, gelten die gleichen harten Maßstäbe, denn gleiche Rechte erfordern-ein gleiches Maß an Pflichterfül­lung. Auch die Durchführung des Pflichteinsatzes sämtlicher Studierenden während der Semesterferien wurde eingehend erörtert. Die Studenten und Stu- bentinnen bes Gaues Hessen-Nassau werden bewei- sen, daß ihnen kein Einsatz und feine Arbeit im Schicksalskampf des deutschen Volkes zuviel, ist, der gegen Judenknechtschast und Bolschewismus geführt wird für Freiheit, Ehre und Kultur, denen allein auch bas Studium gilt. Verpflichtend stehen den Studierenden in der Heimat die Opfer ihrer Front- kameraden vor Augen, und voller Stolz wollen sie sich mit der Tat 3U der kämpferischen Tradition des deutschen Studententums, dessen Aktivisten stets be­reit waren, ooranzugehen, im Einsatz für die Na­tion, bekennen.

Oer Terrorangriff auf Antwerpen.

,OaS ist kein Krieg mehr, sondern ein entsetzliches Verbrechen.^

Brüssel, 7. April. (Europapreß.) Tiefe Trauer und Empörung herrschen in den belgischen Zeitun­gen über den Angriff britisch-nordamerikanischer Bomber auf Antwerpen.Wer fein Heil noch er­wartet von einer sogenannten Befreiung unserer Gebiete durch britische und norbamerikanische Trup­pen, wird emgeladen, dem Teil Anwerpens einen Besuch abzustatten, der von britisch-nordamerika- nischen Flugzeugen heimgesucht wurde", schreibt Het Laatste Nieuws". Das sei bas Werk von Sol­daten, die von einem Geistlichen begleitet und vor ihrem Abflug vom nordamerikanischen Erzbischof Spellman gesegnet würben. Wer zwischen den Op­fern dieses Terrorangriffs stehe, der wisse, daß er zwischen zwei Welten stehe: einem Europa, das mehr und mehr zu einer Einheit wachse und zwei außereuropäischen Mächten^ die dieses Europa ver­nicht wollten und dazu kein Mittel scheuten, selbst nicht den Massenmord an Kindern. Das Rexisten- blattLe Pays Reel" schreibt:Das ist kein Krieg mehr, sondern ein entsetzliches Ver­brechen, das nach Vergeltung schreite Der Ml- mächtige als Verkörperung der höchsten Gerechttg- feit sei Zeuge der Untat, und vor seinem Gericht werde nach ewigen Gesetzen dieses Verbrechen av- geurteilt werden. ,Hetzt haben wir am eigenen Leibe erfahren, daß es stimmt, wenn der Deutsche Wehrmachtbericht immer meldet, daß Kirchen, Schulen und Krankenhäuser die bevor­zugten Ziele der britischen Bomber sind. Es hat sich nun in Antwerpen gezeigt, auf wen es Churchill abgesehen hat: friedliche Menschen in einer geruh­samen Dorstadt, fleißige Arbeiter, sorgende Mütter und unschuldige Kinder sind ferne Opfer", schreibt Volk en Stadt", und erinnert daran, daß General Eisenhower kürzlich in einer amerikanischen Solbatenzeitung geschrieben habe, es sei nicht so wichtig, Fabriken und andere militärische Anlagen zu zerstören, wohl aber sei es wichtig, Wohnungen zu vernichten und zivile Bürger zu töten, um die Widerstandskraft des Feindes damit zu brechen.

10 Millionen belgische Franken wurden zur Linde­rung der ersten Not im Namen des deutschen Mili­tärbefehlshabers in Belgien und Nordsrankreich, General von Falkenhausen, durch den Militärver- waltungschef, Prgside-nt Reeder, dem Oberbürger­meister von Antwerpen, zur Verfügung gestellt. Der Militärbefehlshaber und der Militärverwaltungs­chef besichtigten bie zerstörten Stadtteile und spra­chen dem Antwerpener Oberbürgermeister ihr Bei­leid aus.

Paris trauert um 411 Todesopfer.

Paris, 7. April. (Europapreß.) Die Opfer des englifch-nordamerikanischen Luftangriffs auf Paris und Longchamps wurden am Mittwochvormittag bei­gesetzt. Vor der schwarzverhangenen Bürgermeisterel eines Pariser Stadtbe.zirkes, wo berittene republi­kanische Garde Spalier bildete und wo in langen' Reihen die blumenbedeckten 150 Särge auf gebahrt waren die Gesamtzahl der Toten ist inzwischen auf 411 angewachsen, fand der feierliche Trauer­gottesdienst statt, der von Kardinaler zbischof Su°

Hard zelebriert wurde. Der Trauerfeier wohnten bei: General Becard als Vertreter des Marschalls Pstain, die Gattin des Marschalls, Finanz-ninister Cathala als Vertreter des Ministerpräsidenten La­val, Botschafter Fernand de Brinon, der Stadtkom­mandant von Paris, Generalleutnant Schaum­burg, der deutsche Gesandte Schleier, der' italieni­sche Botschafter, der Seine-Präfekt und der Polizei­präfekt von Paris.

Kardinal Suhard sagte: ,Hch habe als Erzbischof die Pflicht, zu sagen, daß das Leben der Angehö­rigen der Zivilbevölkerung eine heilige Sache ist. Wer dieses unschuldige Leben an greift, belädt sich mit schwerer Verantwortlichkeit. Der Krieg hat seine Rechte, aber auch seine Pflichten. Die Gerechtigkeit wird niemals zulassen, daß die. Kriegsziele aus Ko­sten unschuldiger Opfer verwirklicht werden." Nach­dem der Kardinal den Töten seinen letzten Segen erteilt hatte, ergriff Finanzminister Cathala das Wort. Die Flugzeuge, so sagte er, die im Sommer 1940 während der Schlachten vom Himmel Frank­reichs ferngeblieben seien, seien jetzt gekom­men, um ihre todbringenden Bomben abzuwerfen. Die ausländische Agitation versuche vergeblich, Zwie­tracht und Panik unter der Bevölkerung zu säen. Selbst der barbarische Angriff forme sie nicht er­schrecken. Die Bevölkerung werde ihre gerade Linie bewahren, denn es gebe fein Haus in Frankreich, das nicht morgen GegenstaUd eines solchen 11 eher= falls sein könne. Die Gefahr sei vor der Tür. Es sei höchste Zeit, daß sich Frankreich um seine leiten­den Männer schare.

Flucht vor dem Gowsetterror.

Bukarest, 7.April. (DNB.) Ein rumänischer Kriegsberichter gibt imCurentul" eine Schilderung über den Kampf, den die wieder in die Hande der Sowjets gefallene rit-f.fi f d)e Zivilbevölke­rung gegen das bolschewistische Terrorregime fuhrt. Die Bevölkerung des Kaukasusgebietes sei einer so unerhörten Verfolgung ausgesetzt gewesen, daß sie sich in die Berge zurückgezogen habe. Dort habe sie Kampfgruppen organisiert, mit denen sie einen ständigen Kleinkrieg gegen ihre eigene bol­schewistische Armee führte. Die Verpstegungstrans- porte würden dauernd überfallen, die Lebensmittel­lager in Brand gesetzt sowie die Brücken und Eisen­bahnlinien immer wieder gesprengt.

Bei einem gefangenen Sowjetofftzier habe man einen Befehl Stalins gefunden, in dem es hieß, man solle die Zivilbevölkerung dem Hungertode überlas­sen,'wenn man gewisse Gebiete aufgeben müsse. Der jüdische Kommissar, der in einer Offiziersversamm­lung diesen Befehl Stalins erläuterte, habe erklärt, baß die Bevölkerung, die mtt denTrägern des faschistischen Giftes" zusammengelebt habe, als Feind des Volkes angesehen 'unb vernichtet werden müsse.Es ist also nicht weiter verwunderlich", so schließt der rumänische PK.-Berichter,daß Massen von Männern und Frauen jeden Alters unb aller sozialen Schichten es vorgezogen haben, sich recht- zeltig in das von den verbündeten Armeen besetzte Gebiet zu flüchten, um nicht mteber in das Blutbad Stalins zu geraten."

Kunst und Wistenfchast.

Eine karl-höller-llraufführung in Frankfurt.

Vor zehn Jahren hat Karl Höller als Opus 16 Tokkata, Improvisationen unb Fuge" für zwei Klaviere geschrieben. Durch zwei Aufführungen ist danach das Werk in Frankfurt den Freunden neuer Musik bekannt geworben. Vor dem Publikum der Museumskonzerte erschien es jetzt in einer vir­tuos gearbeiteten Fassung für großes Or­chester als Uraufführung. Wie weit diese Be- Zeichnung über bie bloße Aktualität hinaus berech­tigt ist, wenn eine bereits bekannte, in ihrem Wesen nicht geänderte Substanz einer neuen Klangin sze- nierung unterworfen wird, mag dahingestellt blei­ben. Die meisten Hörer vernahmen das themattsch ausgiebige, kleinere Formen zu einer geistreich und dabei aus ursprünglicher Musikalität gewonnenen großen Form verbindende Werk tatsächlich zum erstenmal. Die mochten einige Mühe haben, hinter der blenbenben Instrumentation die klaren Grund­linien zu erkennen, standen aber ohne Zweifel unter dem Eindruck einer starken Leistung und spendeten. Karl Höller, der selber dirigiert hatte, viel Beifall.

Friedrich Stichtenoth.

Neues vom Jilm.

In diesen Tagen beginnt die Produktionsgruppv Eduard Kubat in den Amsterbamer unb Den-Haag- Ateliers mit den Aufnahmen für den neuen Terra- FilmDie goldene Spinne". Unter der Spielleitung von Erich Engels werben mir Kirsten Heiberg, Jutta Freybe, Otto Gebühr, Ivan Petro- vitsch, Rolf Weih, Hermann Brix und Josef Sieber sehen. Das Drehbuch, bas Probleme aus der Gegen­wart aufgreift, schrieb Wolf Neumeister. An der Kamera steht E. W. Fiedler, die Musik schreibt Franz Grothe. Siegfried Breuer (als Chemieprofessor), Olga Tschechowa (seine Jugendfreundin) und Winnw Markus (als deren Ebenbild) sind die Hauptgestalten des von Hans Deppe inszenierten Ufa-FilmsGe­fährlicher Frühlin g", dessen Drehbuch Wal­ter Lieck nach einer Idee von Kurt Brunohler schrieb. Ida Wüst werden wir unter der Spiel­leitung von Paul Martin in dem Terra-FilmGe­liebt e r S ch a tz" sehen. Johannes Riemann, Dorik

»Militärische Situation im Pazifik versteifte.

Genf, 8. April. (DNB. Funkspruch.) Im Pazifik bestehe für die Achsenfeinde wenig ober gar keine Aussicht auf eine endgültige und großangelegte Offensive, meldet der Sonderkorrespondent der Sunday Times" aus Sydney". Die augenblickliche militärische Situation im Pazifik habe sich merklich versteift; insbesondere auf Neu-Guinea fei das festzustellen. Ueberall verstärkten die Japaner ihre Stellungen, bauten die Rüstungen und Be­festigungen aus und legten strategisch wichtige Stra­ßen zur Sicherung des Nachschubs an.

War ein Anschlag auf Giraud geplant?

B u t a r e ft, 7. April. Nach Nachrichten aus Lon­don soll General Eisenhower in letzter Stunde vor der Abreise de Gaulles nach Nordafrika von einem bereits bis in alle Einzelheiten vorbereiteten An­schlag auf Giraud erfahren haben, der in dem gleichen Augenblick abrollen sollte, m dem de Gaulle den Boden Nordaftikas betreten würde. Im Lager de Gaulles soll man davon überzeugt ge­wesen fein, daß ein plötzlicher Ausfall Girauds im Augenblick des Eintreffens de Gaulles in Aftika diesem automatisch die ganze Macht in die Hand gegeben haben würde. Das britische Jnformattons- ministerium hat die Verbreitung dieser Erklärung für Eisenhowers brüskes -Verhalten de Gaulle gegenüber strikt gesperrt, sich aber geweigert, diese Version zu dementieren.

Abenteuerliche Flucht aus englischer Internierung.

Mailand, 7. April. (Europapreß.) Der italie« nische Unteroffizier Bormida war am 8. April 1941 bei der Besetzung von Massaua gefangengenommen und auf dem Flugfeld interniert worden. Aus die­sem Lager konnte er mtt Hilfe eines Chauffeurs ent­kommen und unerkannt bei Landsleuten in Mast saua Unterkunft fmlben. Nachdem er sich durch ver­schiedene Beschäftigungen Ersparnisse gesichert hatte, erwarb er gemeinsam mit einigen Kameraden ein kleines Segelschiff und überquerte das Rote Meer. In fünf Tagen konnten sie Gizza erreichen. Von hier gelangten sie längs der Küste Arabiens unter großen Entbehrungen nach Djidda. Der italienische Gesandte ermöglichte ihnen von dort ihre Heim* kehr xdurch die Türkei.

Das Fenster des Himmels.

Von Karl Lerbs»

Als Jean Baptiste Lamarck, der fpäter zu welt­weitem Forscherruhm emporwuchs, der Ueberliefe- rung seiner Familie gefolgt und, fast ein Kind noch, in das Heer eingetreten war, fiel er in schwere Krankheit, die ihn mit der Androhung dauernden Siechtums lähmte. Arm und einsame vom Arzt zur Bewegungslosigkeit verurteilt, lag er zu Paris in einer kahlen Dachkammer und starrte mit rbeitctffe- nen Augen zu dem länglichen Geviert des einzigen schrägen Fensters empor, das ihm den Ausblick in den Raum des Himmels erschloß. Schmerzen be- dränaten ihn, quälende Schwäche preßte ihn auf das harte Lager, und zorniger Trotz wollte ihn im­mer wieder vergeblich emporzerren, so daß ihm bas Stück Himmelsraum im Fensterrahmen zuerst nichts bedeutete als gestaltlose Leere, in der sein sehnsüchtig aufgreifender Blick nichts zu fassen ver­mochte. ' /

Ganz allmählich aber, im Gleichgang der Tage, Wochen und Monate, tat sich ihm das Wunder des unendlichen Raumes auf und füllte sich mit magi­schen Kräften, mit Farben und ewig sich ändernden Gestalten. Was anfangs nur ein aufmerksames und bald schon bewunderndes unb staunendes Schauen gewesen war, wurde bald zur leidenschaftlichen Be­obachtung, zur Erfahrung und Erkenntnis. Er lernte die Tonungen unterscheiden, zu denen das Mau des Himmels sich im Wechsel Der Jahreszeiten wandelte: das helle, freudige und unbekümmerte Leuchten des Frühlings, die tiefe, satte, von heißem, goldenem Flimmern durchzitterte Erfülltheit des Sommers, die kühle, frische, von blassem Gold durch­leuchtete Herbheit des Herbstes, das hohe kalte Strahlen des Winters. Er wurde mit den Wolken und ihrem Fluge vertraut: Wenn sie heraufzogen, so wußte er bald schon, welches Wetter sie kündeten. Aus dem zarten, grauen Dunst, der aufsteigend den Himmel verschleierte, würde der netzende Tau der ersten MorgenstuTiden niederfinken; langsam und feierlich segelnde Federwolken waren die Vorboten eines schönen Tages, und aus schwer und finster