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Die Jugend der Partei im Kriegseinsah.

Als Lustwaffenhelfer im Dienste des Vaterlandes.

Dotierung gegen Die Eindringl-inge aufs höchste auf­gebracht hat.

Ungebetene Gäste auch in Brasilien.

Lissabon, 6. März. (Europapreß.) Zu einem schweren Tumult zwischen der brasilianischen Be­völkerung und USA.-Matrosen ist es in der nord­brasilianischen Hafenstadt Natal gekommen. USA.- Matrosen waren dabei, die gesamten Lebensmittel eines öffentlichen Marktes der Stgüt. a u f z u - k a u f,e n. Es kam zu Diskussionen mit der Bevölke­rung, die sich, ihrer Lebensmittelversorgung beraubt sah. Dabei kam es zu Tätlichkeiten. Die Polizei, die von den Soldaten zum Einschreiten herbeigerufen wurde, stellte sich auf die Seite der Bevölkerung. Es wurden Schüsse gewechselt, worauf weitere USA.- Matrosen zur Unterstützung ihrer Kameraden herbei­eilten. Damit nahmen die Unruhen die Form einer wahren Schlacht um den Marktplatz an. Schließlich stellte eine Abteilung der brasilianischen Armee die Ordnung wieder her. Mehr als 20 Personen wurden verwundet.

Kleine politische Nachrichten.

Reichsstudentensührer Dr. Scheel, der nach sei­nem offiziellen Besuch in der spanischen Hauptstadt noch einige Tage in Sevilla und Barcelona weilte, hat im Flugzeug die Rückreise nach Deutsch­land angetreten.

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Der Führer hat. dem Oberstleutnant a. D. Ernst vonderOelsnitzin Königsberg (Preußen) aus Anlaß der Vollendung feines 85. Lebensjahres in Würdigung feiner Verdienste um die deutsche Sip­penforschung die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.

Der Chef des Generalstabes von General Barrau, der Oberbefehlshaber in Fkanzosisch-Westafrika, Ge­neral T r i ft a n, sowie die ihn begleitenden acht Personen wurden in der Nähe von Port Etienne bei einem Flugzeugunfall getötet. Das Flugzeug stürzte kurz nach dem Aufstieg bei Port {Etienne aus bisher ungeklärter Ursache ab.

Aus dem Reich.

Neun Todesurteile gegen Juden.

Berlin, 6. März. (DNB.) Die Justizpresfestelle beim Volksgerichtshof teilt mit: Der 21 Jahre alte Heinz Israel Rothol) und acht andere Juden, die sich in Berlin zu einer kommunistischen Schulungsgemeinschaft zusammengeschlos- sen hatten, sind vom Volksgerichtshof wegen Vor­bereitung zum Hochverrat und Feind- b e g ü n ft i g u n g zum Xobe verurteilt und am 4.März hingerichtet worden.

Bis Kriegsende die Verleihung der Treudienst-Ehrenzeichen eingestellt

Der Führer hat angeordnet, daß die Verleihung der Treudienst-Eyrenzeichen bis Kriegsende einge­stellt wird. Die Anordnung gilt für das Treudienst- Ehrenzeichen für Beamte, Angestellte und Arbeiter des öffentlichen Dienstes, die Polizei-Dienstauszeich- nung und das Feuerwehr-Ehrenzeichen. Für die .Kriegsdauer sind Anträge auf Verleihung nicht mehr zu stellen. Die bis zum 1. März bei den Obersten Reichsbehörden eingelaufenen Vorschläge werden noch erledigt. Für Beamte, die in den Ruhe- stand treten, soll die Verleihung des ent­sprechenden Ehrenzeichens mit beantragt werden.

Kunst und Wissenschaft.

Das hessische Landeslhealer im Rundfunk.

In der Reihe der Overnsendungen von deutschen Bühnen stellen sich Solisten des Hessischen Landes- theaters Darmstadt am Dienstag von 16 bis 17 Uhr hn Reichsprogramm vor. Generalmusikdirektor Mechlenburg und Kapellmeister Bitter diri­gieren Arien und Ensemblesätze aus selten ausge­führten Werken, so das Quartett aus der Oper.Die Schwalbe" von Puccini, das Terzett ausDer Widerspenstigen Zähmung" von Hermann Götz, Arien und Szenen ausCarmina burana von Carl Orff, ausDie ersten Menschen" von Rudi Stephan und aus RossinisDie diebische Elster". Das Konzert klingt aus mit der Ouvertüre zur Zaubergeige" von Werner Egk.

pofen, Stadl im Aufbau",

ein Prag-Kulturfilm unter der Herstellungsleitung von Kurt Ruvli, gibt einen historischen Rückblick auf das Kulturzentrum des deutschen Ostens, zeigt die Festungsstadt nach der preußischen Besitzergreifung des Jahres 1793, veranschaulicht sodann die Ent­wicklung der alten deutschen Stadt unter der Fremd­herrschaft bis zum Einrücken der deutschen Truppen und zeigt abschließend die gewaltige Aufbauarbeit, feie nach dem Polenfeldzug hier geleistet wurde.

Ans der Stadt Siehe«.

Frühe Heimkhrer.

Zu den ersten Geschenken des Vorfrühlings ge­hören die Lerchenlieder, die uns meist schon in den ersten Märztagen geschenkt werden. Sie geboren zu den kleinen Erlebnissen, die uns das Herz froh ma­chen und uns die Gewißheit geben, daß der Früh­ling, der feine gefieberten Boten über das Meer her in ihre alte Heimat aufbrechen ließ, nun nicht mehr allzu weit fein kann. Und so schauen wir denn dem Sänger, der aus der noch kahlen Flur seine verzückten Triller in steilen Spiralen himmelan trägt, mit frohen Augen nach und fühlen etwas in uns erflingen, was in das Lob der Schöpfung und des ewig sich erneuernden Lebens einstimmt.

Es ist also nicht von ungefähr, daß das erste Ler- chenlied allgemein auch als das erste Frühlingszei­chen aufgefaßt wird und daß gerade der den Jahres­zeiten verhaftete Bauer es am freudigsten begrüßt. Und zwar nicht nur deswegen, weil es ihm gewis­sermaßen ein Signal bedeutet, das ihn wieder an die durch den Winter unterbrochene Arbeit auf den Feldern ruft. Denn meist ist es ja so, daß,- wenn die Lerchen heimkehren, der Boden langsam zu trock- nen und den Zustand anzunehmen beginnt, in dem ihn die Pflugschar vorfinden muß. So kann man die Lerche gewissermaßen die Nachtigall des Land- manns nennen, denn sie singt ihm die Zeit an, die die Saat des Herbstes erst eigentlich zum Wachsen bringt und der Saat des Frühlings den Boden be­reitet.

Als Trabanten der Lerche aber möchte man zwei andere Heimkehrer bezeichnen. Nicht nur weil sie' un­gefähr gleichzeitig mit ihr bei uns eintreffen, sondern auch weil ihre Lebensart der ländlichen Welt nickt weniger eng verbunden ist. Wir meinen die Bach­stelze und den Rotschwanz, die demnächst wieder wippend und wispernd in Hof, Garten und Acker chr Wesen treiben werden, und deren zutrauliche Anhänglichkeit an ihre menschlichen Beschützer sie uns so lieb machen. Zwar: flöten und trillern nach Lerchenart ist diesen beiden Rückkchrern nicht ge­geben. Aber es genügt uns, daß sie wieder da sind und zu dem, was die Jahreszeit uns beschert, nicht weniger Vertrauen $u haben scheinen als wir.

Stadtbaudirektor i. "K Braubach f.

In Wiesbaden, wo er feinen Ruhestand verlebte, ist am Freitag der langjährige frühere Gießener Stadtbaudirettor Adolf Braubach im 71.Le­bensjahre verstorben. Mit ihm ist ein Mann da­hingegangen, der in jahrzehntelanger Arbeit dem Gießener Gemeinwesen unermüdlich und in vielseiti­ger Weise gediente hat.

Adolf Braubach war als Sohn des Oberingenieurs Adolf Braubach am 21. März 1872 zu Admont (Steiermark) geboren worden. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Alzen erhielt er seine praktische technische Ausbildung auf der Werft in Wilhelms­haven, dann machte er Auslandsfahrten für den Norddeutschen Lloyd nach Amerika und China. Nach seiner einjährig-freiwilligen Dienstzeit bei der da­maligen Kaiserlichen Marine in Wilhelmshaven stu­dierte er an den Technischen Hochschulen in Darmstadt und Karlsruhe. Nach Dem Abschluß seiner Studien war er als Bauleiter bei Großbauten in der Schweiz und iif Rumänien tätig.

Im Herbst 1901 kam er nach Gießen, wo vom Frühjahr 1902 ab unser seiner Leitung der Bau der Kanalisation unserer Stadt durchgeführt wurde. Vom Oktober 1902 ab war er als Stabtbaumeister der Stadt Gießen und Vorstand des Städtischen Tiesbau- amtes tätig. Nach dem Bau der Kanalisation und der Kläranlage war seine Tätigkeit «vor allem dem weiteren Ausbau und der Verbesserung unseres Straßennetzes gewidmet. 1907/08 war er, von der Stadt Gießen für einige Zeit beurlaubt, im Auftrage des Deutschen Reiches als Leiter der Naute-Expedi- tion in Deutsch-Südwestafrika tätig. 1911 wurde er neben seinem Amt als Stadtbaumeister noch zum städtischen Branddirektor ernannt und mit der Lei­tung unseres Feuerwehrwesens betraut. Am 1. Juni 1917 wurde ihm nach dem Abgang des Stadtbaurats Gerbel die verantwortliche Leitung des Hoch- und Tiefbauamtes übertragen und ihm die Amtsbezeich­nungStadtbaurat" verliehen. Am 1. Januar 1923 wurde er zum Stadtbaudirettor ernannt.

Aui dem Gebiete des städtischen Wohnungsbaues, bei Schulerweiterungsbauten, Umbauten städtischer Gebäude, bei der Umstellung der städtischen Stra­ßenreinigung und des Fuhrparks vom Pferdefuhr­werk auf Motorbetrieb, aber auch bei dem weiteren Ausbau unseres Feuerwehrwesens, insbesondere durch die Einrichtung der Berussfeuerwehr mit der Wache und modernsten Löschgeräten im Devot am Oswaldsgarten usw., hat er sich um die Stadt Gie­ßen und ihre Entwicklung in hohem Maße verdient gemacht. Außerdem war er eine Reihe von Jahren Vorfitzender des Oberhessischen Provinzial-Feusr-

Am gestrigen Sonntagoormittag war vor dem Theater eine großp Schar Hitlerjungen zur Ver­pflichtung als Luftwaffenhelfer beim Schutz der Hei­mat angetreten. Fanfarenruf und Klänge des Spiel- mannszugs leiteten die kurze Feier ein. Dann sprach

Kreisleiter

Oberbereichsleiter Backhaus

ZU den Jungen. Als heroisches Beispiel für ihren neuen Dienst für das Vaterland wies er die Jungen auf unsere Kämpfer von Stalingrad hin, die mit ihrem opferbereiten Einsatz den Ansturm des Bol­schewismus gegen Europa abgewehrt haben. Dieses Heldentum bedeute für uns, daß wir in der Heimat alles tun müßten, um auch in Zukunft gegen den bolschewistischen Ansturm voll gerüstet zu fein und uns der Helden von Stalingrad würdig zu erweisen, unserer Front immer wieder die Kräfte zuzuführen, die notwendig feien, um für alle Zukunft dem Bolschewismus entgegenzutreten. Dazu würden nicht nur Soldaten gebraucht, sondern es feien auch die besten Waffen notwendig, damit unsere Soldaten weiter mit Erfolg gegen den bolschewistischen An­sturm kämpfen könnten.

Der Kreisleiter gab dann seiner Genugtuung dar­über Ausdruck, daß unsere deutsche Jugend auch in Gießen, wie in allen Teilen des Reiches, zu dem

NSG. Im Zuge der allgemeinen Mobilisierung zur Erfassung aller arbeitsfähigen Kräfte und zur größtmöglichen Einsparung von Strom und Ma­terial sind auch für das Friseurhandwerk einschnei­dende Wandlungen unvermeidbar geworden. Ins­besondere das Problem, den in der Rüstungswirt-, fchaft und in sonstigem kriegswichtigen Einsatz stehenden Volksgenossinnen ausreichende Versorgung mit Friseurleistungen zu sichern, war mitentscheidend für die Regelung, die ab 10. März 19 4 3, vor­mittags 8 Uhr, für das Gebiet unseres Gaues er­lassen wurde.

Bestimmte Bedienungsleistungen, für deren Aus­führung entweder erheblicher Zeitaufwand oder ent­sprechender Materialverbrach notwendig ist, mußten für eine beschränkte Zeit Zurückstellung erfahren. Die Friseure dürfen daher diese Leistungen mit Wir­kung ab 10. März 1943 nicht mehr ausführen. Die in Form einer Anordnung erlaßenen Bestimmungen binden bei Vermeidung von hohen ©trafen die Fri­seure an die Ausführung der folgenden Bedienungs­leistungen:

a) im Herrensalon sind nur noch Haarschneiden, Rasieren und Kopfwäschen erlaubt;

b) im Damensalon sind nur Kopfwäschen und Fri­sieren (Ondulation und Wasserwelle) zulässig, wozu selbstverständlich auch das Haarschneiden gehört. Schönheitspflege, Dauerwelle, Färbungen,

wehrverbandes, ferner war er in weiteren zahl­reichen Ehrenämtern, besonders auf dem Gebiete des Feuerlöschwesens, tätig.

Am 1. August 1933 trat er auf seinen Wunsch in den wohlverdienten Ruhestand, den er zunächst in Gießen verlebte. Er wurde dann zur Erledigung be­sonderer Aufgaben von dem Oberbürgermeister er­neut in den Dienst berufen, der ihn bis zum April 1935 in Anspruch nahm. Am 1. Mai 193q trat er endgültig in den Ruhestand und verzog dann nach Wiesbaden, um dort feinen Lebensabend zu ver­bringen.

Im Kreise der städtischen Beamten und Angestell­ten, sowie der Arbeiterschaft des Stadtbauamts, aber auch in allen Schichten der Gießener Bevölkerung und in den Kreisen der Feuerwehren konnte sich Adolf Braubach großer Wertschätzung erfreuen. Ein gutes Gedenken ist dem verdienten Mamre in Gie­ßen auch über fein Grab hinaus gesichert.

Oer FürsorgeoHzier der Waffen-^

hat Sprechstunde in Gießen.

Der Fürsorgeoffizier der Waffen-ff Fürsorge­offizier im Wehrkreis IX, Nebenstelle Frankfurt a. M. hält am Dienstag, 9. März, im Stadthaus zu Gießen, Bergstraße 20, in der Zeit von 9.30 bis 13 Uhr Sprechstunde ab. Er steht wäh­rend dieser Zeit sämtlichen Hinterbliebenen der Waffen-ff zur Klärung von Fragen der Hinter­bliebenenfürsorge und -Versorgung zur Verfügung.

Verdunkelungszeit:

8. März von 19.12 bis 6.22 Uhr.

neuen Dienst angetreten fei, um mitzuhelfen beim Schutze der Heimat und zugleich Soldaten für di? Front frei zu machen. Er sprach Den Jungen seinen Dank und seine Anerkennung für diesen Einsatz aus, durch den sie bekunden, daß sie gegenüber unseren Soldaten nicht zurückstehen wollen in ihren Lei­stungen und in ihrer Pflichterfüllung für das Vater­land. Wenn der Krieg siegreich beendet sei, werde die deutsche Jugend, die sich jetzt als Luftwaffen­helfer einsetze, mit Stolz von sich sagen können, daß nicht nur Die Soldaten Der Front, sondern auch sie selbst dem Führer und Dem deutschen Volke in dieser schweren Zeit treu gedient hätten, um den deutschen Sieg zu erringen.

Bannführer Wolf

betonte sodann in einem kurzen Schlußwort, daß die jungen Kameraden freudig bereit seien, in die große Gemeinschaft der deutschen Kämpfer einzurücken und beim Schutze Der Heimat' gegen Angriffe Des Feindes mitzuhelfen. Als Jugend des Führers und der Partei brächten sie für diese Aufgabe größte Einsatzbereit­schaft und allen guten Willen mit, um ihre Aufgabe bis zum letzten zu erfüllen.

Anschließend verlas der Bannführer einen Aufruf des Reichsjugendführers an Die Jugend. Dann wurde der Appell mit Dem Gruß an den Führer und die Wehrmacht geschlossen.

Blondierungen, usw. Dürfen also von den Fri­seuren nicht mehr ausgeführt werden.

Verwundete und Fronturlauber sind stets bevor­zugt zu bedienen. Friseurbetriebe, in denen das System Der Vorbestellungen eingeführt wurde, haben trptzdem eine Arbeitskraft für die Laufkundschaft bereitzustellen. Der Samstagnachmittag, ab 14 Uhr, und ein weiterer, den örtlichen Verhältnissen Rech­nung tragenber Nachmittag sind ausschließlich der Bedienung Berufstätiger, die im Besitze eines entsprechenden Ausweises sind, vorbehalten, so daß die übrigen Volksgenossen und Volksgenossin- nen auf die andern Zeiten verwiesen werden müssen. Außerdem ist vorgesehen. Daß für die in Rüstungs­betrieben mit Schichtwechsel Tätigen eine Sonder- reglung eingefijßrt wird, für Die zur Zeit Die Ge­nehmigung Der zuständigen Stellen noch eingeholt werden muß.

Zur Verkürzung Der Wartezeiten wird beitra­gen, Daß Kinderhaarschnitte nur am Mon­tag, Dienstag und Mittwoch ausgeführt werden, und Daß alle seit Kriegsausbruch geschlossenen Herren abteilungssn, soweit Die Verhältnisse es irgendwie erlauben, wieder zu öffnen sind. In Aussicht genommen ist, Die vorhandenen weib­lichen Bedienungskräfte durch Umschulung auch das Herrenfach erlernen zu lassen.

Mit voller Kraft für da« KriegS-ÄHW.

Am Samstag und am gestrigen Sonntag gab die Straßeüsammlmrg für Das Kriegs-Winterhilfswerk auch den Straßen unserer Stadt wieder eirahal ein besonderes Gesicht. ff, SA., NSKK., NSFK. und Mitglieder der NSKOV. reichten unermüdlich die Sammelbüchsen herum, in die alle Volksgenossen gerne immer und immer wieder ihre Groschen oder Fünfziger oder Fünfer,' oft aber auch ihre Markt- scheine hineinsteckten.

Mit ganz besonderem Sck)wung war Die W affen- ff tätig, Die nicht nur ihre Sammler fast durchweg mit je zwei Büchsen pro Mann zum Sammeln aus­gerüstet hatte, sondern auch noch an beiden Sam­meltagen eine Reihe von Veranstaltungen durch führte, durch die immer wieder neueMunition" für Das Krjegs-WHW.. locker gemacht und den Lieferanten" schöne und vielseitige Unterhaltung geboten wurde. In den Mittelpunkt dieser Veran­staltungen hatte Die Sanitäts-Ausbildungskompanie Der Waffen-ff Das ff-Heim in Der Gartenstraßc gestellt, in Dem die außerordentlich zahlreichen Be­sucher an beiden Tagen vielseitige medizinische Be­lehrung und Erkenntnisse über wesentliche Funktio­nen und Organe des menschlichen Körpers erhÄten, ihren Blutdruck messen lassen, die Sehschärfe ihrer Augen prüfen, ja sich sogar einer WHW.- Muste­rung unterziehen konnten, aber auch die Möglich­keit besaßen, sich, photographieren zu lassen und obendrein noch eine Tasse Kaffee (diese kostenlos) zur Herzstärkung zu erhalten. Und das alles nur

Mseuchandwerk und totale Kriegsausgaben.

Glück auf, Renate!

Roman von Ernst Grau.

15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Na ... Herr Doktor, wie heißt sie denn ...?" fragte Mutter Hühnlein, und ein breites, behagliches Schmunzeln breitete sich über ihr Altfrauengesicht, während sie mit geschickten Hunden den Abendbrot- Sisch deckte.

Werner Hellingrath legte überrascht die Zeitung beifeite und sah zu ihr auf.

Nanu? Wie kommen Sie denn darauf, Mutter Hühnlein?" sagte er erstaunt.

Ist doch nicht so schwer, das zu sehen, Herr Doktor", sagte sie, und ihre kleinen lebhaften Augen blinzelten ihm vergnügt zu.Ein alter Mensch wie 5ch, der weiß schon, was die Uhr geschlagen hat, wenn ein junger so hirnmelhochjauchzend zu Tode Jetrübt herumläuft ..."

Einen Augenblick überlegte er, ob er Darauf e'm- Zehen sollte. Doch das ging schnell vorüber. Er konnte der Alten nicht böse sein.

Aber nun machen Sie mal gefälligst _ einen Punkt, Mutter Hühnlein", wehrte er gut aufgelegt ib. .^immelhochjauckzend ... wenn Sie etwa mich Damit meinen ... Das müssen Sie geradezu ge- cräumt haben."

Nein, nein", nickte sie beharrlich und klopfte ihm verständnisinnig auf die Schulter.Und weil Sie's letzt abftreiten, deshalb stimmt's erst recht."

Ein herzliches Auflachen anwortete ihr.

Eine sonderbare Logik, die Sie sich da zurecht- zelegt haben, Mutter Hühnlein. Das muß man 5hnen schon lassen. Aber nun erzählen Sie mal der steche nach, wie Sie eigentlich darauf gekommen

Er nickte ihr aufmunternD zu, während er sein Abendbrot zurechtmachte. War doch eine prachtvolle Frau, Die alte Mutter Hühnlein, Dachte er wohlig. Eine leibliche Mutter konnte es nicht besser mit ihm meinen, konnte ganz gewiß nicht sorglicher um sein Wohl bedacht fein. Uno es tat gut, sich so bemuttert zu wissen. Schon vor Jahren, als er noch J)er junge WerkstuDent war, Der sich auf Der Zeche Hammerkott sein Brot verdienen mußte, schon damals hatte er ein billiges, anspruchsloses Quartier in dem kleinen Häuschen der Witwe Hühnlein gesunden und hatte sich dort wohlgefühlt. Und als er Dann vor kurzem wiedergekommen war, hatte fein er ter Gang Mutter Hühnlein gegolten, und sie hatte es anfangs nicht glauben wollen, daß der Herr Doktor nun wieder bei ihr wohnen wollte. In ihrer alten, bescheidenen Kate mitten in der Kolonie, wo ringsherum die Kumpels mit ihren Familien wohnten. Hier wollte er wieder einziehen, obwohl ihm ein schönes Zimmer drüben im Beamtenhaus zustand? Aber es war dann doch so gekommen, und sie hatte ihm ihre gute Stube mit Den schonen, alten Nußbaummäbeln ein­geräumt, und nun wohnte er wieder hier wie da­mals, und Mutter Hühnlein war glücklich, ihn hegen und pflegen zu können, wie ihren eigenen Sohn. Es ging wirklich ganz mit rechten Dingen zu, wenn der junge Betriebsingenieur von Schacht III nicht zum gemeinsamen Essen im Beamtenhaus erschien. Hier hatte er es bestimmt besser.

Na also, Mutter Hühnlein, nun erzählen Sie schon", ermunterte er sie und zwinkerte ihr verttau- lich zu.Immer frisch weg. Sie wissen ja, ich habe einen breiten Buckel, der verträgt schon etwas."

Erzählen was ist da viel zu erzählen", meinte sie achselzuckend und sah chm beim Essen zu und freute sich, daß es ihm schmeckte. Schade, daß er nicht wirklich ihr Junge war, mußte sie dann immer denken.Also am Sonntagabend, als Sie nach Hause kamen, da haben Sie so vergnügt gepfiffen, wie schon lange nicht mehr"

Er warf ihr mit gespieltem Gruft einen vorwurfs- yollen Blick #r.

Ich denke, dann schlafen Sie schon immer, Mutter Hühnlein?" fragte er unterbrechend.

Sie schüttelte den Kops.

Ein alter Mensch schläft nicht mehr so viel, Herr Doktor", gab sie gleichmütig zurück.Und manchmal ist es schön, so in die dunkle Nacht hinauszulauschen und die vielen Geräusche zu deuten, die von überall her ins Zimmer zu einem kommen. Ich hör' Sie immer, auch wenn Sie noch so leise über den Flur gehen."

Sie fiel nach der Art alter Frauen ins Sinnen und sah vor sich hin.

Na gut. Und was weiter?" drängte er. Die Sache machte ihm Spaß. Er war an diesem Sonn­tagabend wirklich so froh und innerlich beschwingt nach Hause gekommen, wie vielleicht nie zuvor. Denn er kam ja diesmal nicht allein. Im Geiste ging er noch immer neben dem hübschen Mädchen her, hielt noch immer Den Druck ihrer schmalen, kräftigen Hand in Der seinen. Ja, und als er Den Wagen ver­sorgte, hatte er in den Falten Des Sitzes ein weißes Etwas schimmern sehen, ein kleines weißes Tuch, Das bei näherem Bettachten Die Buchstaben R. H. auf­wies und Das er Dann frohen Herzens wie ein Kleinod m feiner Tasche geborgen und mit nach Hause genommen hatte. Ein Teil von chr war also doch mitgekommen, und ihm war, als hielte er damit ein Pfand in Händen, daß sie ihr Versprechen nun auch wirklich einlöfen würde.

Ja und dann", fuhr die Alte wichtig fort,als Sie dann am Montag früh zur Schicht gingen, ha machten Sie auf einmal wieder ein Gesicht, so knurrig, als seien Ihnen über Nacht alle Felle weg- geschwommen."

Er nickte vor sich hin. Ja, auch das hatte schon feine Richtigkeit. Mutter Hühnlein hatte gute Augen. Denn mitten in der Nacht war er plötzlich munter geworden, und da war es ihm schwer auf die Seele gefallen, daß sie ja ihr Wort gar nicht einlöfen konnte, selbst wenn sie es wollte. Durch ferne Schuld. Denn er hatte m seinem jungen Glück ganz Daran;

vergessen, ihr seinen vollen Namen zu sagen. Was nun, wenn sie ihm schrieb? Einen Herrn Werner würde Der Briefträger auf Zeche Hammerkott nie­mals finden, ihr Brief mußte also unbestellbar zurückgehen, und sie würde ihn wohl oder übel für einen Schwindler halten müssen.

Als er am Montagmorgen mit diesen sorgenvollen Gedanken zur Schicht ging, hatte er in der Tat keine Ursache gehabt, fröhlich zu sein.

(Stimmt alles ganz genau, Mutter Hühnlein. Geht es noch weiter?"

Gewiß Doch!" schmunzelte Die Alte.Denn am Montagabend, Da kamen Sie roieher so vergnügt heim, wie am AbenD vorher, unh als ich dann mit Dem Abendbrot hereinkam, steckten Sie ganz fix ein kleines, weißes Tuch dort drüben in den Schreib­tischkasten."

Zögernd hielt sie inne. Hatte sie vielleicht doch schon zuviel gefügt?

Aber nun hören Sie wirklich einmal auf, Mutter Hühnlein", polterte er gutmütig, und sie atmete be­freit auf,Sie sind ja Der geborene Kriminalpolizist, vor Ihnen muß man sich ja direkt in acht nehmen?"

Da bat man nun keinen Menschen, mit dem man sich über solche Dinge einmal so recht aus sprechen kann, dachte er, man würgt alles in sich hinein, und trotzdem diese alte Frau Da wußte alles, ohne daß man ihr auch nur ein Wort gefegt hatte, als ob sie immer Dabei gewesen war. Und alles stimmte aufs Haar genau. Er hatte sich am Montag in hie Arbeit gestürzt unh hatte geglaubt, so am besten über hie Sache hinwegzukommen. Aber has war ein Trugschluß gewesen, die Gedanken ließen sich nicht kommandieren, sie ließen ihn nicht los.Das verspreche ich Ihnen!" so hatte sie zuletzt gesagt, und diese Worte klangen immer wieder in ihm auf. Sie hatte ihn dabei auch so ernst ange­sehen mit ihren schönen, braunen Augen, daß er wußte, sie würde bestimmt Wort halten.

(Fvrtsetz'mg foktf)