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8.1.1943
 
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(95. Jahrgang Nr. 6

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Metzener Anzeiger

VrShlfche UNiverßtStrdrmkekei 8. taut General-Anzeiger für Oberhessen $*,»eiei,<$*eI|r«6«i7-Tae

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Die Hankees imHintergarten der Welt"

Von unserem B.-Berichterstatter.

Was unter dem StichwortHilfe" lief, war in Wirklichkeit eine Verdrängungspolitik reinsten im­perialistischen Wassers. Jedenfalls ist die im Ge­heimvertrag den Nordamerikanern zugesprochene Zone Bahrein, Howcut, Iran, Irak, Syrien-Liba-

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Rom, Januar 1943.

Raymond Clapper, ein bekannter USA- Journalist, hält den Briten in der ZeitschriftLi­berty" eine der heftigsten Standpauken, die jemals in der letzten Zeit von jenseits des Atlantiks an die englische Adresse gerichtet wurden. Clavper hat einen Trip von 50 000 km durch britische Kolonial­gebiete und Protektorate hinter sich, und er hatte nur Augen dafür, in welch niederschmetternder Weise die englische Kolonialpolitik imHintergarten der Welt" versagte. Mit diesem Hintergarten meint Clapper nicht nur Indien, sondern den gesamten Nahen und Mittleren Osten, also gerade jene Ge­biete, in denen die Zankees mit fieberhafter Eile und mit typischer nordamerikanischer Rücksichtslosig­keit ans Werk gehen, sich selbst einenHinter­garten" zu schaffen. Insofern ist also der Artikel Clappers, obgleich er nach außen hin von den Demokratien" spricht und auch die Zustände auf Puerto Rico nicht schont, absolut pro domo ge­schrieben. Er soll den Briten die moralische Be­rechtigung entziehen, in diesen von den Nordameri­kanern zum Zweck der wirtschaftlichen Ausbeutung beanspruchten Gebieten weiterhin die Oberherrschaft auszuüben.

Hat man diele Absicht Clappers durchschaut, möchte man sich selbst gern die Frage beantworten, wie denn die Gewichte des Einflusses in den arabi­schen Ländern verteilt sind, was von der historischen Stellung Englands noch übrig ist, wie und wo sich die Interessen überschneiden und vor allem, wie die Haltung der Araber und Mohammedaner in diesen Ländern selbst ist. Eine erschöpfende Antwort ist unmöglich, denn die Dinge sind derart im Fluß, der Wirrwarr der Gegensätze, der wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten und Verflechtungen ist so groß, daß man nur in groben Zügen die poli­tische Lage skizzieren kann. Aber schon diese grobe Skizze zeigt deutlich, daß England in vielen Ge­bieten des Nahen Ostens bereits auf verlore­nem Posten kämpft, daß der Union Jack immer stärker dem Sternenbanner weichen muß.

Um diese Tatsache in ihrem ganzen Ausmaß zu ertennnen, ist es vielleicht nützlich, zunächst einmal kurz, die britische Orientpolitik in ihren Grunb- zügen aufzuzeigen. Sie war im wesentlichen eine Politik der Versklavung Aegyptens mit dem Ziel, aus diesem Land ein zweites Indien zu machen, um den Weg nach Indien zu sichern. So­lange die osmanische Türkei die nahöstlichen Län­der arabischer Zunge dem Namen nach beherrschte, also Irak, Syrien, Aegypten und die Küstenstriche, solange vor allem in Europa der erwünschte Zu­stand des politischen Gleichgewichts herrschte, hatten die Briten leichtes Spiel. Als nach der französischen Revolution dieses Gleichgewicht gestört wurde, war es das Hauptstreben Englands, denkranken Mann am Bosporus" mit allen Mitteln gegen jeden Eingriff von außen zu stützen, wie es ebenfalls bestrebt war, Persien und Afghanistan als Siche­rungsmächte gegenüber dem Vordringen Rußlands nach der indischen Grenze zu benutzen.

Als der Suezkanal Wirklichkeit wurde, als vor allem durch das Wirken des großen Mohamme- )anerführers Dschemal ud-Din el Afghani eine illislamische und durch die Arbeit des Fellachen- jührers Arabi Pascha eine national-ägyptische Be­wegung entstand, begannen die Briten in Aegypten ' enes Herrschaftssystem auszubauen, das nach außen bas MottoRuhe und Ordnung" erhielt, in Wirk- .ichkeit aber nichts anderes darstellte als die un­rettbare Versklavung. Der französische Gegner mußte bei Faschoda den Platz räumen, während die Türkenpolitik Englands nach dem Berliner Kon­greß radikal geändert wurde. Einmal in den Be- itz Aegyptens gelangt, mußten die Briten danach treben, alle arabischen Länder unter ihr Herr- chaftssystem zu bringen, also jeden Nebenbuhler auf dem Wege nach Indien auszuschalten. Der eng- isch-russische Gegensatz wurde 1902 durch das Bünd­nis mit Japan in die für England günstigen Bah­nen gelenkt, und als 1904 Rußland eine schwere Riederlage einstecken mußte, hatte England auf kosten der mohammedanischen Länder im wesent- ichen sein Ziel erreicht, das dann durch den ersten Weltkrieg endgültig gesichert und ausgebaut wurde.

Durch den jetzigen Weltkampf haben sich die Dinge aber wesentlich gewandelt, so daß man eute bereits von einem Zusammenbruch der gesam- en Nahostpolitik Englands sprechen kann, wenn London auch mit allen Mitteln bemüht ist, das Ge- cht zu wahren. Zeigte schon die kürzlich vorge- ommene Verlängerung des Paktes von 5aababab, der 1937 zwischen der Türkei, Af- ibaniftan, Iran und Irak geschlossen wurde, daß ^otz der gegenwärtigen Ohnmacht zweier Vertraqs- :aaten der Orient nicht daran denkt, abzudanken, mb daß in biesem Akt zwar keine praktische Politik ber immerhin eine bedeutsame Demonstration ge- chen werden muß, so beweisen die Vorgänge pöli- i scher und wirtschaftlicher Art erst recht, was die Blocke für England im Nahen Osten geschlagen hat. £roar ist zwischen den Briten und Nordamerikanern I en Geheimabkommen abgeschlossen worden, wonach Aegypten und Palästina zurbritischen Ein­flußsphäre" gehören, aber ber Kräfteverfall bes bri- t scheu Empires schreitet so rasch vorwärts, baß sich die Pankees auch bereits ganz ungeniert um bas ägyptische Erbe bemühen. Das beweist vor allem die recht mertmürbige Anfrage aus Washington an be ägyptische Regierung, welche Wirtschaftsvläne fb für die Nachkriegszeit zu verwirklichen gebenke, um ein gedeihliches Wirtschaftslebenunter Achtung ber Grundsätze ber demokratischen Freizügigkeit" zu gewährleisten. Was unterdemokratischer Freizügig- kkit" zu verstehen ist. haben die Pankees ja inzwi- fdien in Französisch-Nordafrika bewiesen. Aber ab- j gesehen von diesem Zynismus bedeutet diese An- L frage nichts anderes, als daß Roosevelt gewillt ist, j mit Hilfe des allmächtigen Dollars und vor allem durch das Pacht- und Leihsystem den gesamten

Orient unter die Herrschaft des Sternenbanners zu bringen.

Für Washington war ja bereits die ersehnte Stunde gekommen, als ber Nahe Osten und sein Oel in die Gefahrenzone rückte, England aber nicht fähig war, genügend Material und Menschen auf­zubringen, um diese Gebiete zu verteidigen. Die Nordamerikaner landeten in Basra, machten sich im Persischen Golf breit, bauten Montagehallen und Flugplätze, legten ein Straßennetz an, sorgten für Verbindungslinien nach der Westküste Afrikas und steckten vor allem eine Konzession nach der anderen ein. Während die Briten und Sowjets sich in Iran zankten, kamen die Pankees mit Militärmissionen, Wirtschaftsberatern und zahllosenDiplomaten", sie gründeten Konsulate und Generalkonsulate, setzten Finanzberater und Wirtschaftsfunktionäre ein, kurz: sie spielten mit einem einzigen großen Anlauf und mit rücksichtsloser Brutalität die Briten überall an die Wand. i

non und Transjordanien heute weitgehend ber Herrschaft bes Dollars unterworfen. In Aegypten liegen bie Dinge so, baß England bie Sowjets als Gegengewicht diplomatisch und vor allem agita­torisch einschalten möchte, während gewisse ägyp­tische Kreise die Verstärkung des Sowjeteinflusses wieder zur Ausschaltung der britischen Fronherr­schaft ausnutzen möchten. Hier überschneiden sich die Interessen also wahrhaft heillos, hier herrscht ein Chaos, das zusammen mit der wirklichen Lage in Indien erst beweist, wie es um die gesamte britische Orientpolitik steht.

England ist nicht mehr Herr ber Lage, fonbem sieht sich überall in die Verteidigung gedrängt. Die Hungersnöte und wirtschaftlichen Schwierigkeiten ber betroffenen Länder wirken hier nur beschleuni­gend, denn es ist wieder Nordamerika, das durch seine Anleihepolitik und durch vorteilhafte Oelver- träge die Erbschaft Großbritanniens antritt.

Alle sowjetischen Angriffe im Don- und Kalmückengebiet abgewiesen.

Oer Wehrmachiberichi.

DRV. AnsdemFührerhauptquartler. 7. Jan. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die Kämpfe im Don- und Kalmücken­gebiet und im Raum von Stalingrad dau­ern an. Dabei schlugen deutsche Infanterie- und Panzerdivisionen im Zusammenwirken mit. starken Verbanden der Luftwaffe und rumänischen Kampf- fliegern alle Angriffe der Sowjets zurück. 3m Ge­genangriff wurden an einer Stelle 20 feindliche

kämpfen über dem mittleren und nörd­lichen Frontabschnitt schossen unsere Jagdflieger 44, Flakartillerie 12 feindliche Flug­zeuge ab und verloren selbst nur ein einziges Flug­zeug.

Der Rachschubverkehr der Sowjets auf der L is­st r a h e über den Ladogasee wurde bei Tag und Rächt durch Luftwaffe und Artillerie wirksam bekämpft.

3n Libyen verstärkte Stoßtrupptätigkeit. Schnelle deutsche Kampfflugzeuge griffen motori­sierte Kräfte und einen britischen Flugstützpunkt mit guter Wirkung an.

3n Tunesien wurden angreifende feindliche Kräfle in Gegenangriff auf ihre Ausgangsstel­lungen zurückgeworfen. Der Flugplatz von Bone wurde am Tag und in der Rächt bombardiert, der Feind verlor sechs Flugzeuge.

Im Westen wurden zwei britische Flugzeuge ab- kampfslugzeuge griffen kriegswichtige

Panzer vernichtet.

Stoßtrupps zerstörten im mittleren Front- abschnit t zahlreiche feindliche Kampsstände. Fortgesetzte Angriffe gegen welikije L u ki und südöstlich des Ilmensees wurden abgewiesen, Bereitstellungen zum Teil schon durch Artillerie­feuer zerschlagen.

Die Vernichtung einer dort eingeschlossenen feind-1 geschossen.

lichen Kräftegruppe steht bevor. 3n heftigen Luft-1 Anlagen an der englischen Oftfufte an.

Der Kamps um den Stützpunkt Welikije Xuti.

Von Kriegsberichter Günther Weber.

DNB. ..., 7. Jan. (PK.) Vor sechs Wochen traten die Bolschewisten westlich und südostwärts von Toropez sowie aus ber Richtung von Kalinin zu der erwarteten Winteroffensive an. Sie hat dem Feind bisher nur Mißerfolge gebracht. Neun sowjetische Stoßbrigaden wurden südostwärts von Toropez eingeschlossen und vernichtet. Das, was der Feind an der Front vor Kalinin verlor, übersteigt jene Verluste noch um ein Bedeutendes.

Nun hat sich der Brennpunkt der gewalttgen Schlacht in den Raum um Wilikije Luki ver­lagert, aber auch dort sind alle weitgesteckten Pläne und Ziele der Bolschewisten bisher im Blute ihrer zerschlagenen Verbände erstickt. Die Schlacht ist noch nicht beendet. Die deutschen Divisionen, die den ersten Ansturm des Feindes auffingen, sind zum Gegen st angetreten, und Tag für Tag spricht der Bericht des OKW. von dem heldenhaften Widerstand des vorgeschobenen deutschen Stützpunk­tes in Welikije Luki, wo eine vorgeschobene Schar deutscher Grenadiere seit Wochen einer zehnfachen Uebermacht bes Feindes todesmutig die Stirn bietet.

Nicht jede Einzelheit dieses heldenmütigen Kamp­fes kann heute schon der Heimat gesagt werden. Daß er aber nur wenige Beispiele in der Geschichte des Ostfeldzuges kennt, das verdient schon jetzt festge­halten zu werden. Eine nordwestdeutsche Grenadier­bivision steht im Brennpunkt ber Kämpfe. Nord- westbeutsche unb süddeutsche Grenadiere und Pan­zergrenadiere sind die Träger der deutschen Gegen­operationen.

Mit elf Schützendivisionen, fünf Schützenbrigaden und acht Panzerbrigaden traten die Bolschewisten im Zuge ihrer weitgesteckten Winteroffensivpläne hier vor dem Abschnitt eines deutschen Armeekorps an. Der Geländegewinn, den diese massierten, von starken Panzer- und Luftstreitkräften unterstützten Verbände erreichten, stand von vornherein in keinem Verhältnis zu den hohen bolschewistischen Verlusten an Menschen und Material. Die Wucht ber sowje­

tischen Massenangriffe aber ließ halb an Kraft nach unb zerschellte hier wie an anderen Stellen der Ost­front am unbeugsamen Abwehrwillen des deutschen Soldaten. Die blutigen Verluste bes Feinbes be­tragen mehr als 50 v. H., haben sich nach Aus­sagen von Gefangenen und Ueberläufern, wie burch Beutepapiere bestätigt, in einigen Truppenverbän­den sogar bis auf 80 v.H. erhöht. Don 400 Panzern, bie ben Sowjets zu Beginn ber Offensive schätzungsweise zur Verfügung ftanben, liegen 300 vernichtet auf bem Schlachtfeld.

Angesichts biefer militärischen Mißerfolge hat sich nun bie bolschewistische Agitation fast ausschließlich auf den vorgeschobenen deutschen Stützpunkt W e - likije Luki konzentriert in ber Hoffnung, ba= burch bie Welt vom Scheitern ber Winteroffensive abzulenken. Aber auch Welikije Luki wurde nicht einmal ein Prestigeerfolg für sie. Nach wie vor kämpft die verhältnismäßig kleine deutsche Kampf­gruppe und verteidigt ihre Stellungen gegen den Feind. Munition, Verpflegung, Geschütze, Pionier­stoßtrupps und Aerzte werden auf dem Luftwege dem vorgeschobenen Stützpunkt zugeführt.

Seit dem 4. Januar läuft der deutsche Ge­genstoß. Wieder ist es der deutsche Grenadier, der aus einer Abwehrfront zum Angriff übergeht. Die Luftwaffe unterstützt bei teilweise klarem Win­terwetter die Operationen auf ber Erbe, Artillerie­flieger lenken bas Feuer unserer Batterien, Jäger sichern den Luftraum und schossen zusammen mit der Flak allein am 6. Januar 44 bolschewistische Flug­zeuge ab. Transport- und Kampfflugzeuge sichern die Versorgung bes am weitesten vorgeschobenen beutschen Stützpunktes, unb in ihm kämpft seit Wochen schon Tag unb Nacht bie heldenhafte Schar beutscher Grenadiere. Aber nicht Welikije Luki ein Feld von Trümmern, nicht ein Geländestreifen ist das Ziel der deutschen Divisionen, es heißt hier wie überall: Vernichtung des Gegners! Siegreicher Angriff nach siegreicher Abwehrschlacht!

Die Wendung zur Politik der Intervention.

Roosevelts Kampf gegen den Neutralitätswitten des amerikanischen Volkes begann schon 1937.

Geheimbericht eines französischen Diplomaten.

Berlin, 7. Jan. (DNB.) Die internationale Diskussion über bas nordamerikanische Weißbuch ,Krieg und Frieden" hat erneut bestätigt, daß Roosevelt unb sein Außenminister Hüll als die Schuldigen an diesem großen Krieg angesehen werden. Das Weißbuch selber sagt in feiner von Hüll verfaßten Einleitung, daß bie Politik ber USA. bas Ziel hatte, allmählich die amerikanische öffent­liche Meinung dcchin umzubilden, bie Isolations­politik aufzugeben, wie sie in den amerikanischen

Neutralitätsgesetzen zum Ausdruck kam. Für diese kriegstreiberische Politik Roosevelts ist der Stichtag bie berüchtigte Quarantäne-Rede Roosevelts in Chikago aus dem Jahre 1937. So wurde die ftan- zösische Regierung von dieser Propaganda Roose­velts, das amerikanische Volk zum Kriegseintritt reif zu machen, durch ihre Botschaft unterrichtet. Der französische Geschäftsträger in Washington berichtete im Geheimtelegramm Nr. 1137/43 vom 7. November 1937 an die französische Regierung über eine Un­terredung mit Roosevelt:

Der Präsident kam bann auf bie internationale Loge überhaupt und auf die Gefahr zu sprechen, die sie berge unb fuhr fort:Im Jahre 1920 haben

Grenzen des Imperialismus.

Weltreiche kamen und gingen. Es war im Alter­tum so und ist in der Neuzeit nicht anders. Aber wer die Welt besitzt oder besitzen möchte, ist diesen Einsichten gegenüber oft mit Blindheit geschlagen. Wir sehen es just in unseren Tagen an den Briten, die den vierten Teil ber Welt besaßen unb boch nicht zufrieben waren, und sehen es weiter an Roosevelt unb seinen jüdisch-plutokratischen Freun­den, die zwar einen mit allen Bodenreichtümern ausgestatteten Riesenstaat zu ihrer Verfügung haben, jedoch die ganze Welt besitzen oder zum min­desten kommandieren möchten.

Die abgewirtschafteten und bie neuen Imperia­listen sind gleichermaßen unangenehme Zeitge­nossen. Einer könnte aus der Erfahrung des anderen lernen und erkennen, daß für ein Volk das Streben nach grenzenloser Weltherrschaft ebenso verwerf­lich ist wie etwa der Verluste der nationalen Selb­ständigkeit. Die Briten haben sich während ber letzten Jahrhunderte in allen Zonen der Erde ein» genistet und glaubten, von ihren Zwingburgen, Stützpunkten und vomfreien" Meere her die ganze Welt kontrollieren und tributpflichtig machen zu können. Das geraubte Weltreich befand sich jedoch seit langem in einer Krisis und bricht jetzt unter oen Schlägen ber Freunde und Feinde zusammen. Die Schläge der Feinde sind ein Naturgesetz, daß sich aber auch der amerikanische Freund an diesem Aufräumen beteiligt, beweist nur, daß auch bii Ver« wanbtschaft und die politisch-demokratische JdAnver« bundenheit nicht vor der Todfeindschaft schützen. Roosevelt glaubt mit der Welt sein Spielchen machen zu können und denkt vielleicht mit Goethe:Wer des Knäuels zartes Ende hält, der schlingt sich wohl durchs Labyrinth der Welt."

Wie eine Made im saftigen Apfel möchte Roose­velt als Weltpräsident sich bie fettesten Bissen auf unserer Erde sichern. An ihm zeigt sich wieder ein­mal mehr die Erfahrung der Weltgeschichte, baß im allgemeinen die Menschen aus der Geschichte keine Lehre ziehen. Sonst müßte er sich bas britische Beispiel täglich vor Augen führen und daraus er­sehen, baß es in der modernen Welt ber Ueber­rechn ik einem einzigen Staate nicht mehr möglich ist, sich mit Erfolg an allen Enden der Welt zu behaupten. Die Feinde bedrohen die Verbindungs­wege, und die Völker stehen auf und widersetzen sich. Das britische Weltreich ist überlebt, seine Idee ist tot, also muß es fallen, und es ist die Aufgabe

die Vereinigten Staaten es abgelehnt, dem Völ« kerb und beizutreten, weil sie überzeugt waren, daß sie Gefahr liefen, infolge von Beschlüssen, die in Genf und nicht in Washington ge­faßt würden, in einen Krieg verwickelt zu werden. Die Folge war, daß die öffentliche Meinung in Amerika siebzehn Jahre lang mit aller Entschiedenheit bie Isolierung gefordert hat. Diese Einstellung ist dann auch darin zum Ausdruck gekommen, daß ber Kongreß bie Ihnen bekannten Maßnahmen beschlossen hat. Aber ist es denn sicher, daß eine Politik der Neutralität um jeden Preis dem amerikanischen Volke die Sicherheit geben kann, bie es verlangt? Keineswegs, denn sie bringt Gefahr mit sich unb kann zu gefährlichen Situatio­nen, ja sogar zum Kriege führen. Vor einem Mo­nat ist noch etwas Neues hinzugekommen, nämlich meine Rede in Chikago. Ich hielt es für notwendig, einen Appell an mein Land zu richten und bie öffentliche Meinung aufzuklären. Das ist der Zweck meiner Ausführungen."

Der Bericht des französischen Geschäftsträgers fährt bann fort:Die Ereignisse biefer letzten Mo­nate haben Übrigens seinen Widerwillen gegen bie Diktaturen noch verstärkt. Zweifellos teilt die Mehrheit des Landes nicht seine persönlichen Ansichten über bie Außenpolitik, wie aus ber Presse, aus Kundgebungen verschie­dener Art und der Stimmung bes Kongresses her» vorgeht. Das sind Tatsachen, die man nicht aus ben Augen verlieren darf. Aber ber Präsident ge­nießt immer noch ein beträchtliches Ansehen, wie seine kürzlich nach dem Westen unternommene Reise beweist. Er scheint entschlossen zu sein, seine Poli­tik internationaler Zusammenarbeit soweit wie mög­lich auszuüben und die öffentliche Meinung wach­zuhalten. Für uns kann bie moralische Unter­stützung, die Roosevett für uns barstellt, nur eine Ermutigung bebeuten zu einer Zeit, ba sein Land uns so viel Interesse und Freundschaft bekundet, wie wir dies feit 1919 nicht mehr erlebt haben unb wo es mit Rücksicht auf bie internationale Lage wünschenswert erscheint, daß diese Einstellung er­halten bleibt und weiter verstärkt wird."

Soweit das aufschlußreiche Dokument. Man weiß, daß diese Unterredung keinen anderen Zweck hatte, als ben Wiberstanbswillen ber französischen Regie­rung gegen bie Revision bes Versailler Vertrages zu verstärken und die wiederholten Versuche des Führers, das deutsch-französische Verhältnis zu ent­giften, wie sie auch ihren Niederschlag in dem deutsch-französischen Abkommen fanden, ^as Reichs­außenminister von Ribbentrop am 6. Dezember iit Paris unterzeichnete, zu sabotieren. Zu dieser Ein­mischung in Europa wollte sich das amerikanische Volk nicht hergeben, und so begann Roosevelt mit dieser Chikagoer Rede seinen fünfjährigen Propa- gandafeldzug, um das amerikanische Volk für diesen Interventionskrieg aufzuhetzen und reif zu machen.

Darlons Mörder

Havjude und Gauttiff.

Paris, 8. 3an. (DRV. Funkspruch.)'Rach Mel­dungen der Agentur OF3. aus Tanger ist der Dar- lan-Mörder ein Gaullist namens Vonnler de la Cha pelle. Die derPetit Parifien" dazu ergänzend ans Vichy erfährt, wohnt die Familie des Täters in Algier. Der Vater, ein Sport- berichkerstatter, ist mit einer 3 übin verheil ratet. Sein zweiter Sohn studiert ebenso wie der Attentäter in Algier. Alle drei waren in Algier als Gaullisten bekannt.