Ausgabe 
7.4.1943
 
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heraus, daß dieser Robeaud von dem von Napoleon abgefallenen Fouchö auf das Schloß geschickt wurde, um die Komtesse auf ihre politische Gesinnung zu prüfen. Dieser letzte Akt ist, obgleich er das ange­schlagene Thema. eigentlich fallen läßt, vom rein Bühnenmäßigen her gesehen am geschlossensten ge­raten. So enthüllt sich das wahre Geheimnis des Theaters, das eben Geist pnd Erfüllung der dra- maturaischen Grundaesetze zu seiner Vollendung be­darf. Ungeachtet dieser Einwände müssen wir aber seststellen, daß Menzels Komödie weit über dem Durchschnitt der normalen Lustspielerzeugnisse liegt. Es ist aewiß eine Kühnheit, das Schaukelspiel zwi­schen Wirklichkeit und Schein in einem fast drei- viertelstündigen Dialog zu kristallisieren, und wir lassen uns durch die Kühnheit dieser Szene für das Fehlen ihrer letzten Verdichtung entschädigen. Den Erfolg des Abends heimste Maria Bard ein, die in Der dem Autor am besten gelungenen Figur, der Geliebten Napoleons, ihr spühendes Temperament zum Einsatz bringen konnte. Karl Haubenrei­ßer war Robeand-Napoleon. Es gelang ihm treff­lich, die Figur bis zu jener Klippe vorwärts zu -treiben, die es verständlich machte, daß die Kom­tesse in ihr gar Napoleon zu erblicken alaubt.

Gerhard Äichinger.

hochschulnachrichlen.

Am 1. 4. waren es 50 Jahre, daß der Botaniker Geh.Hofrat Professor Dr. Oltmanns in Frei­burg seine Lehr- und Forschungstätigkeit aufnahm. In Würdigung seiner Verdienste wurde er zum Ehrenbürger der - Freiburger Universität ernannt. Oltmanns, der besonders durch eine Systematik der Algen und durch die Herausgabe der Pflanzenwelt des Schwarzwaldes bekannt wurde, ist die Neu- errichtung des Botanischen Instituts und Gartens in Freiburg zu verdanken. Oltmanns wurde 1860 au Oberndorf (Hannover) geboren. Er studierte in $ena und Straßburg und promovierte dort 1884, habilitierte sich 1886 in Rostock und wirkte von 1893 bis zu seiner Emeritierung 1930 in Freiburg. Er mar 1912/13 Rektor der Universität. Professor Dr. Karl H e n tz e von der Universität Gent wurde - .mm o. Professor für Sinologie an der Universität Frankfurt ernannt. Er ist ein hervorragender Re- -präsentant des flämischen Volkstums und besonders Durch seine Forschungen über frühchinesische Kunst bekannt geworden. Professor Dr. med. Walter Ia e nf ch ist zum a. o. Profesior für innere Medizin und Konstitutionsmedizin an der Universität Berlin ernannt worden. Jaensch wurde 1899 in Breslau Geboren. Er studierte in Berlin, Marburg und Bres­lau und promovierte 1920 in Marburg. 1927 habili­tierte er sich in Frankfurt. Im selben Jahr siedelte er nach Berlin über und wurde 1931 auch Dozent für biologische Psychologie an der Deutschen Hoch­schule für Leibesübungen. Professor Dr. Peter- Heinz Seraphim ist zum o. Professor für wirt­schaftliche Staatswissenschaften an der Universität Greifswald ernannt worden. Seraphim wurde 1902 in Riga geboren. Er studierte in Königsberg, Graz und Breslau und promovierte '1926 in Breslau. 1937 habilitierte er sich in Königsberg, 1941 wurde er als a. o. Professor nach Greifswald berufen.

Aus sllsr WsN.

Ein gläsernes Blasorchester.

Die Werkstoffe Glas und Porzellan haben zahllose neue Verwendungsmöglichkeiten gezeitigt. Neu dürfte ' es fein, daß sich auch Musikinstrumente aus Glas 1 Herstellen lassen. Die Glasbläser eines dänischen Preßwerkes haben ein ganzes Blasorchester aus dem durchsichtigen Material hergestellt. Körnet, Alt- Horn, Tuba und Posaune wurden für eine 8 Mann ; starke Kapelle in Glas geblasen, die selbst aus Glas­bläsern besteht. Die Mitglieder dieser, gläsernen Blaskapelle schufen sich dadurch eine reizvolle (Er* holuyg von ihrer täglichen Arbeit.

Blinder Elfer schadet nur.

Beim Erbschaftsgericht in Aarhus erschien ein funger Mann, um den Tod seines Erbonkels anzu­melden mit der Bitte, dessen hier deponierte testa- ' mentarische Verfügung zur baldigen Einleitung der Trbschaststeilung inzwischen herbeizusuchen. Anderen Tages stelle der Jüngling sich wieder auf dem Ge- richt ein mit der unangenehmen Neuigkeit, der Onkel lebe Mar noch immer, werde jedoch aller { Wahrscheinlichkeit nach im Laufe von 24 Stunden das Zeitliche segnen. In diesem Punkte sollten die Erwartungen des liebere ifri gen tatsächlich in Er­füllung gehen, dagegen fiel er aus allen Wolken, ils das Testament des Verstorbenen eröffnet und chm mitgeteilt wurde, daß der von der Ungeduld 'eines Neffen unterrichtete Onkel diesen in letzter Minute noch enterbt hatte.

Aus der Stadt Gießen.

Zärtliche Episode.

Das Kind war müde, es wollte schlafen. Also nahm der Mann es in den Arm und setzte sich auf seinem Eckplatz in der Straßenbahn zu recht. Bald schon schlief das Kleine im seligen Kinherschlaf, hörte und sah nichts von der Welt ringsum.

Mer auch der Mann sah und hörte nichts um sich her. Er blickte mit zärtlichem Ausdruck auf das schlafende Kind, alle Härte war aus dem energisch geschnittenen und nicht mehr ganz jungen Gesicht wie weggewischt. Gang leise machte er wiegende Be­wegungen mit den Armen, obschon das garnicht notwendia gewesen wäre bei dem festen Schlaf des Kindes. Unermüdlich und unendlich behutsam schau­kelte er das kleine Wonnepaket, die hütenden Augen nicht davon ablenkend. Die Umsitzenden sahen lächelnd auf das hübsche und schließlich auch nicht alltägliche Bild.

Wohl noch ein kleiner Nachkömmling?" konnte ein altes Mütterchen seine Teilnahme nicht länger zurückhalten. Der Mann sah auf, sein Blick mußte sich erst wieder auf die Umgebung einstellen. Dann lachte er vergnügt auf:Aber nein, das hier ist mein erstes Enkelchen!"

Hätte man sich das nicht eigentlich selber denken können? Eltern sind zärtlich zu ihren Kindern, Großeltern aber noch viel, viel zärtlicher. G. K.-H,

$ür Tapferkeit vor öem ßeinöe.

Dem Grenadier Willi Schmidt aus Lang- Göns, Holzheimer Straße 23, wurde für Tapfer­keit vor dem Feinde das Eiserne Kreuz 2. Klaffe verliehen.

Verbilligte Aachigespräche tagsüber anmelden. -

Für die in der Zeit von 19 bis 24 Uhr geführten Ferngespräche werden die ermäßigten Gebühren nur dapn berechnet, wenn diese Gespräche bereits tagsüber, spätestens aber bis 19 Uhr, angemeldet werden: will der Teilnehmer sicherstellen, daß ihm die verbilligte Gebühr berechnet wird, so muß er das Gespräch mit dem Zusatz:Zurückstellen bis 19 Uhr" anmelden.

Die Gespräche kommen in der Rechenfolge der Anmeldezeiten zur Ausführung, es empfiehlt sich daher, frühzeitig, möglichst schon in den Dormit- iagsstunden, die Gespräche anzumelden. Für Ge­spräche, die erst in der Zeit von 19 bis 24 Uhr ange­meldet und geführt werden, wird die volle Gebühr berechnet. Diese Gespräche werden außerdem ent­sprechend ihrer späteren Anmeldezeit nach den früher angemeldeten verbilligten Gesprächen abgewickelt. Der Teilnehmer hat also nur Nachtelle, wenn er seine Ferngespräche erst nach 19 Uhr cmmeDet.

Mädel im Leistungswettkampf.

NSG. Unter dem Leitwort ,Kriegseins>atz und Leistung" stehen die BDM.° und JungmadelgrUp­pen unseres Gebietes im alljährlichen Leiftungswett- kampf, der die bannbesten Einheiten für den Ge- bietsentschew ermitteln soll.

Jede Arbeitsstunde des vergangenen Winterhalb­jahres wird ausgewertet. Das äußere Auftreten der Einheit ist ebenso wichttg wie der Stand ihrer körperlichen und weltanschaulichen Schulung, ihrer Führerinnen- oder Gesundheitsausb'ilLuna. Entschei­dend ist jedoch die Leistung im .Kriegseinsatz: Ob bei der Hellkräutersammlung, -rm Einkaufsdienst, in der Kindergartenarbeit oder in der Nachbarschaftshilfe nichts wird vergessen, was in den zurückliegenden Monaten für den Einsatz in der Heimat bei getragen wurde. Auch die Lazarettbetreuung und der Kriegs- betreuungsdienst für die Soldaten der Ortsgruppe werden berücksichtigt, gehören diese doch zu den schönsten Aufgaben unserer Mädel, als Brücke zwi­schen Front und Heimat Mitwirken zu können.

Die Werkarbeit und deren sichtbares Ergebnis Wettrüsten für das WHW.", das Singen, ober auch die Kenntnis der wichtigsten Jugendgesetze durch die einzelnen Mädel werden bewertet. Don Bedeutung ist ferner der Stand des Jugendsparens m den Ein­heiten.

So rundet sich das Bild, bas die Prüferinnen ge­winnen. Aus den Erfahrungen dieser Wettkämpfe können die Mädelführerinnen die Diensigestaltung in den Einheiten beefnfluffen, wissen sie doch, woraus aufgebaut werden kann und wo noch Mängel aus­zugleichen sind. Seine größte Bedeutung erfährt der Leistungskampf jedoch als ständiger Kraftquell für die Einheitenarbeit, deren Ziel es ist, an diesem

Glück auf, Renate!

Roman von Ernst Grau. \

X

\ 41. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Angeklagter", fährt der Vorsitzende sofort auf, ; Mas Haden Sie dazu zu sagen? Sie Haden uns '»och da etwas ganz anderes erzählt?

Hellingrath steht auf. Er sieht durchaus nicht be° H Klommen drein.

Ich muß leider zugeben, Herr Landgerichts rat, Mj ich bezüglich des Aufbewahrungsortes der k Waffe eine Notlüge gebraucht habe"

Eine Notlüge?" wiederholt der Staatsanwalt * weifelnd.Wozu? Um das Gericht irrezuführen?"

Nein. Nur aus dem einfachen Grunde, um nicht ioch mehr, belastende Umstände gegen mich selbst . ommeln zu helfen."

Doktor Wildenow ist von diesem Bekenntnis nicht vhr erbaut.

Aber warum verwahrten Sie die Waffe gerade it Ihrem Werkbüro? Gegen wen mußten Sie sich ^ort schützen? Sie sehen, daß diese gewiß sehr un- equemen Fragen auch jetzt kommen. Trotz Ihrer d genannten Notlüge."

Werner Hellingrath lächelt unmerklich. Heute^kann t es ruhig sagen. Heute kann man ihm keinen strick nehr daraus drehen. .±

Ich habe den Revolver schon vor längerer Zeit ei einem Althändler in Essen getauft Spater |ahm ich ihn dann einmal mit auf die Zeche, um hn gelegentlich dort zu ^einigen und einzufetten, hernach blieb er eben dort liegen mehr aus Nachlässigkeit als aus einer- bestimmten Absicht, *nn ich brauchte ihn ja nicht sehr dringend."

Der Staatsanwalt lächelt, sagt aber nichts.

Und Sie glauben nun, daß wir uns mit diesen nkonttollierlurren Angaben so einfach zufrieden fwben werden? Uedrigens", der Vorsitzende wen- '«t sich noch einmal' an den Zeugen Giese,wie 'ommt es eigentlich, daß Die über die Zeit m der Waffe angeblich abhanden gekommen fein soll, < Sie über diesen Zeitpunkt so genau unter- ichtet sind?"

Schachtmeister Giese ist über diese Frage sehr

verwundert. Es scheint, daß man seine Angaben hier anzweifelt. Aber er ist Zeit feines Lebens immer ein ehrlicher Mann gewesen und lugt auch jetzt nicht.

Nachdem Doktor Hellingrath eingefahren war, holte ich mir aus seinem Schubkasten den Schlüssel zum Werkzeugschrank, und dabei sah ich den Re­volver an seinem gelohnten Platz liegen. Als ich dann später den Schlüssel wieder zurückbrachte, war die Waffe weg."

Und inzwischen war der Zeuge Terbrüggen im Zimmer gewesen?"

Ja/

Das können Sie beeiden?"

Jawohl."

Zeuge Terbrüggen", wendet sich der Vorsitzende an diesen,es werden hier außerordentlich schwere Beschuldigungen gegen Sie erhoben. Treffen die Aussagen des Zeugen Giese zu? Das heißt, haben Sie sich vor Ihrer Einfahrt im Werkbüro des An­geklagten aufgehalten?"

Nein!" erklärt Terbrüggen bestimmt.Im übri­gen ist diese Aussage nicht ehren roten Heller wert. Hellingrath hat seine Leute gut instruier^."

Es ist der letzte verzweifelte'Versuch, die schon fast verlorene Stellung zu halten.

Der Richter sendet einen langen, prüfenden Blick zu ihm hinüber. Aber ohne Erfolg: Dann wendet er sich an den Staatsanwalt.

Ich glaube, Sie werden nichts dagegen haben, Herr Staatsanwalt, wenn wir unseren Beschluß von vorhin ändern und den Zeugen Giese sofort vereidigen?"

Bitte."

Der Vorsitzende erhebt sich.

Gut"

Auch die Anwesenden stehen auf. Wort für Wort spricht der Zeuge die Worte nach, die der Richter ihm vorsagt. Eine ungewöhnliche Spannung liegt über dem ganzen Raum. Jeder weiß, daß jetzt die Entscheidung fallen muh und jeder ist neugierig, wer hier unterliegen wird.

Doktor Wildenow legt das Barett wieder beiseite und sieht abwartend zu Terbrüggen hinüber.

,Zch möchte nun den Zeugen Terbrüggen noch einmal fragen, wie er sich zu der Aussage des soeben vereidigten Zeugen Giese stellt?"

Terbrüggen sitzt unschlüssig da. Seine Hände batten sich. Ein unstetes Feuer liegt m seinen

Oie Wohnraum-Meldepflicht.

Kristablauf am 40. April.

Durch § 12 der Verordnung zur Wohnraumlen­kung vom 27.2.1943 ist angeordnet worden, daß diejenigen Wohnungsinhaber, die über mehr als eine selbständige möblierte oder unmöblierte Woh­nung für ihren eigenen Bedarf oder den chrer Fa­milie verfügen (Inhaber von Doppelwohnungen), eine Meldung an jene untere Verwaltungsbehörde (Landrat oder Oberbürgermeister), in deren räum­lichen Bereich sie eine oder mehrere derartige Woh­nungen besitzen, zu machen haben. Diese in der Wohnraumlenkungsoervrdnung angeordnete Melde- pflicht läuft am 10. April 1 9 4 3 ab. Wer oorsätz- lich oder fahrlässig die ihm obliegende Meldung un­terläßt, kann bestraft werden.

Ebenso hat jede Einzelperson, die eme selbständige möblierte oder unmöblierte Wohnung innehat, diese unter Angabe der Zahl der zu der Wohnung ge­hörenden Räume und der etwa darin befindlichen Untermieter und Untermieterfamilien der Gemeinde,

jn der eine solche Wohnung liegt, zu melden. Auch hier läuft die Frist am 10. April 1943 ab. Bei Un­terlassung der rechtzeittgen Meldung gelten ebenfalls die Strafbestimmungen.

Es wird ausdrücklich darauf hingewiefen, daß die Meldungen nach dem Stande vom 10. März 19 43 zu erfolgen haben und daß die vorerwähn­ten beiden Meldepflichten allgemein kraft Gesetzes bestehen, daß es also einer besonderen Aufforderung seitens der Gemeinde oder des Gemeindeverbandes nicht bedarf.

Auf die genaue Einhaltung des in Kürze ablau­fenden Meldetermins wird nochmals aufmerksam gemacht.

In Gießen sind die Anmeldungen an die Stadt­verwaltung (Wohnungsamt) zu richten. Meldefor­mulare sind in »der Auskunststelle im Stadthaus Bergstraße zu haben.

Oberhessen sammelte 2800 Zentner Heilkräuter und Wildsrüchte.

Die vorläuftge Abschlußbilanz der Heilkräu ° terernto 19 4 2 hat für den Gau Hessen-Nassau eine gewaltige Steigerung aufzuweisen. Das Ergeb­nis an Trockengut an Hell- und Teeträutern ist mit 320 000 kg gegenüber dem schon ausgezeichneten Erfolg von 1941 fast noch einmal verdreifacht wor­den, und die Gauabteilung Hessen -Nas­sau der RfH. (Reichsarbeitsgemeinschaft für Heil* Pflanzenkunde und Heilpflanzenbeschaffung) steht da- mit wieder an der Spitze im Großdeut- scheu Reich. Zu dem Trockengut kommen noch 54 150 kg frische Kräuter, 113 583 kg Wildfrüchte (Hagebutten, Mehlbeeren, Schlehen u. a.), 81 474 Kg Bucheckern und 77 000 kg Roßkastanien. Alles in allem ein stolzes Ergebnis, das nur dank dem un­ermüdlichen Einsatz der Schulen und der HI. erreicht werden konnte.

Fast ein 231 e rtet des von den 26 Kreisen des Gaues aufgebrachten Sammelgutes entfällt auf Oberh essen. An Trockengut kamen aus der Pro­vinz über 7 7 000 kg (gegenüber 28 500 kg in 1941) zur Ablieferung an die Gau-Sammelstelle in Frankfurt a. M-Höchst. Berücksichtigt man die Ein­wohnerzahlen der oberhessischen Kreise, dann er­geben sich für sie relativ fast gleichwertige Leistun­gen. Obenan sicht der Großkreis Wetterau mit 53 000 kg Trockengut; es folgen Kreis Büdin­gen-Schotten mit 13 400 und Kreis Alsfeld-Lauter­

bach mit 1200 kg. An Wildfrüchten lieferte Ober. Hessen mit über 41 000 kg mehr als ein Drittel des Gauaufkommens. Hier steht Alsfeld-Lauterbach mit 17 000 kg an der Spitze vor Wetterau (12 700) und Büdingen-Schotten (11 750) kg. An der Buch­eckernernte des Gaues ist O d e r h e f s e n mit rund 20 500 kg zu einem Viertel beteiligt. 7880 kg hat die Wetterau aufgebracht, 7625 kg Alsfeld-Lau­terbach, fast 5000 kg Büdingen-Schotten.

Inzwischen hat die Heilkräutersammlung 1943 mit sich weiter steigerndem Einsatzwillen begonnen. Al lenthalben werden zur Zeit die gelben Blütenköpf­chen des Huflattichs gesammelt. Wo die Ernte dieser wichtigen Hustendroge noch nicht eingesetzt hat, muß unverzüglich damit begonnen werden. Mit dem Sammeln der Schlüsselblumenblüten kann vielerorts angefangen werden. In Kürze wird auch der Blütenfchnee des Schwarzdorns zum Sammeln rufen. Die Gauabteilung der RfH. legt großen Wert auf das Aufbringen großer Mengen gerade dieser wichtigen Frühlingsblüten. Da die Blütezeit heuer im wesentlichen mit den Osterferien zusammen fällt, kann das hohe Kreiskontingent nur bann erfüllt werden, wenn alle Schulleitungen einen besonderen Ferieneinsatz anorbnen, der sich im Dor«, fahr in den Sommer- und Herbstferien bereits be währt hat.

Maßstab Stiftung und Einsatz ttn Kriege ständig zu steigern.

Grenzen der Urlaubsabgeltung.

Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitsein­satz veröffentlicht eine Klarstellung zur Frage der Urlaubsabgeltung. Jn der Anordnung vom Dezem­ber M für die private Wirtschaft vorgesehen, daß eine Abgeltung nicht erhaltenen Urlaubs nicht statt- findet, soweit der Jahresurlaub die Dauer von drei Wochen übersteigt. Es werden also Urlaubstage, die über 18 Arbeitstage hinausgehey, nicht abge- gölten. Steht einem Gefolgschaftsmitglied z. B. ein Jahresurlaub von 24 Arbeitstagen zu, so können dem Gefolgschaftsmitglied, das 12 Arbeitstage Ur­laub erhalten hat, nur noch 6 Arbeitstage abgegol­ten werden. Die Auffassung, daß die Abgeltung volle 18 Arbeitstage betragen kann, auch wenn das Gesolgschaftsmitglied einen Teil seines Jahresur­laubs bereits in Natur erhalten hat, findet in der Anordnung ebensowenig eine Stütze, wie die Auf­fassung, daß eine Abgeltung überhaupt nicht statt- finben darf, wenn einem Gesolgschaftsmitglied ein längerer Jahresurlaub als 18 Tage zufteht.

Gießener Gchlachtviebmartt.

Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtoiehoerteilungsmarkt) in der Viehversteige­rungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 36 bis 45 Rpf., Bullen 40 bis 50, Kühe 15 bis 44, Färsen 15 bis 45, Kälber 35 bis 57, Schafe 35 bis 50 Rpf. je 1U kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise erziell: Klasse a (150 kg und mehr) 1,45 RM, bl (135 bis 149,5 kg) mBEanaMnBaHoaraaBnEnnssKramiMaaaBKiKB Augen, die nirgends einen festen Hall zu finden scheinen.

Ich kann nichts dazu sagen, denn ich erinnere mich nicht daran. Im übrigen ist ja schon vorhin einmal festgestellt worden, daß für mich keinerlei Gründe Vorlagen, gegen Meinbers mit einer solchen Tat vorzugehen."

Vielleicht besinnen Sie sich doch noch, Herr Zeuge", bemerkte Doktor Reckling ruhig.Die Aus­sage des Zeugen Giese ist von außerordentlicher Bedeutung für den ganzen weiteren Verlauf des Prozeßes."

Terbrüggen fährt mit einem wilden Blick zu feinem Angreifer herum.

Wenn Sie mehr wissen, als ich, Herr Rechts­anwalt, bann bitte heraus damit!" schreit er laut und unbeherrscht in den Saal.

Doktor Reckling verbeugt sich. Ein spöttisches Lächeln liegt in seinen Mundwinkeln.

Da Sie darauf bestehen, Herr Zeuge gern. Zunächst möchte ich Sie bann fragen, seit wann Sie den Namen Robert Terbrüggen führen?"

Ein Blitzschlag konnte nicht durchdringender und erschütternder einschlagen, als diese unverhoffte Frage. Terbrüggen und Meinbers springen wie auf Kommando fast gleichzeitig von ihren Plätzen auf und starren den Frager an. Ein jahrelang künstlich aufrechterhaltenes Gebäude bricht in Gedanken­schnelle über ihnen zusammen. Alles ist umsonst gewesen. Der unglückselige Schuß hat zwar kein Menschenleben, dafür aber die Zukunft zweier Menschen zerstört.

Für Meinders gibt es dabei noch eine zweite Ueberraschung. Als sein abirrender Blick die Reihen der Zuhörer ftreift, bleibt er voller Entsetzen an Thora Kersten hängen. Jetzt erkennt er den Zusam­menhang. Also aus dieser Richtung kam der Pfeil das Senatorentöchterlein, mit dem er als Kind ge­spielt hatte Thora Hagensttöm hatte ihn er» kamst sie hatten ja Haus an Haus gewohnt

Alles Geschehen im Leben rundet sich immer wie­der zu einem Kreise.

Terbrüggen war auf seinem Platz zusammen- gesunken. Er sah, daß nun alles aus war. Alle seine stolzen Hoffnungen lagen zerbrochen vor ihm am Boden.

Herr Rechtsanwalt", meldet sich der Vorsitzende wieder zum Wort, natfybem sich das allgemeine Er­staunen gelegt hat, ich Sie reckst verstanden

1,43, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,41, c (100 bis 119,5 kg) 1,37, d (80 bis 99,5 kg) 1,31, e bis ( (unter 80 kg) 1,25, gl (fette Speckfauen) 1,45, i (Altschneider) 1,41, g2 (andere Sauen) 1,31, h (Eber) 1,31 RM. Marktverlauf: alles zugeteilt.

Verdunkelungszeit:

7. April von 21.05 bis $.13 Uhr.

*

** Grüße vonder Front. Aus Westfrank­reich übermitteln durch uns die Soldaten Albert Rinn aus Gießen, Alfred Müller aus Lang Göns, Ernst Wüst aus Allendorf, Wilhelm Strack aus Allendorf a. ö. Lda., Helmut L i ch aus Lon­dorf und Willi Seitz aus Homberg (Ohm) der Heimat herzliche Grüße. Die Heimat grüßt ihre Soldaten in gleicher Weise und wünscht ihnen ge­sunde und siegreiche Heimkehr.

** Dienstjubiläum bei der Reichs­bahn. Am vorigen Samstag, 3. April, konnte der Oberlokomotivführer Johannes Gärtner, wohn' haft in Klein-Linden, Frankfurter Sttaße 131, auf eine vierzigjährige Dienstzeit bei der Reichsbahn zurückblicken. Der Jubilar gehört einer alten Eifen- bahnerfamilie an, in der schon der Großvater als Bahnwärter der Main-Wefer-Bahn, der Vater des Jubilars als Stellwerksmeister und auch ein Bru­der viele Jahre lang als Lokomotivführer im Dienste der Reichsbahn tätig gewesen sind. Dem Jubilar bringen wir nachtäglich unseren herzlichen Glück­wunsch dar.

** Gießener Dortragsring. Auf Ein­ladung der Gießener Kulturverbände (Goethe-Bund, Kulturelle Vereinigung und DolksbiDungsstätte Gie-

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habe, bezichtigen Sie den Zeugen Terbrüggen, daß er hier unter einem falschen Nomen ausgetreten, ist?"

,/Diefe Feststellung war leider nickst zu umgehen, Herr Landgerichtsrat. Frau Thora Kersten", er weist auf die Frau, die neben Walter Hammerkott sitzt.Frau Kersten ist eine geborene Hamburgerin und kennt die Familie Terbrüggen sehr genau. Frau Kersten ist auf Wunsch auch sofort bereit, ihre Aus­sage zu machen."

Und Sie, Zeuge Terbrüggen? Was sagen Sie zu diesen Behauptungen?"

Terbrüggen nickt vor sich hin.^ Es hat keinen Wert mehr, etwas abzustreiten, was sich in diesem Augenblick nicht mehr abstreiten läßt.

Es ist so", beginnt er dann leise, und seine Stimme gewinnt erst allmählich die gewohnte Sicherheit zurück. ,Jch bin nicht der Sohn des Ham­burger Großkaufmanns Terbrüggen. Mein Dcster war ein einfacher Bergmann, der sich in den Gru­ben Oberschlesiens schlecht und recht fein karges Stück Brot erarbeiten mußte. Und ich selbst hatte säum die Schule verlassen, als ich ebenfalls schon mit hinunter mußte.

Jahre hindurch ging es so. Zehn Stunden lag ich täglich unter Tage vor der Kohle, und dann saß ich zu Hause noch Stunden um Stunden über den Büchern und lernte und zeichnete, während die anderen ihre schwer verdienten Groschen in billigen Kneipen und Vergnügungen vertaten. Ich scherte mich den Teufel darum, daß sie hinter mir her­spotteten und mich einen Narren und Streber schal­ten. Sie kannten es jo nicht besser. Aber ich kühlte, nun einmal das Zeug in mir, daß ich mehr forme, und ließ nicht nach, immer mehr Wissen und Kön­nen an mich zu reißen.

Als ich dann fo wett war, .daß ich es mit jedem Ingenieur hätte aufnehmen formen, wurde ich bei meinem Grubenherrn vorstellig und bat ihn, mich wenigstens einmal probeweise auf einen verant­wortlichen Posten zu stellen. Aber der lachte mich aus und meinte reckst überheblich, ein bummer Kerl, wie ich, solle nur dort bleiben, wo er hingehöre. So waren die Menschen früher.

Es war eine sehr bittere Stunde für mich, als ich mich so voll Hohn abgewiesen sah. Und damals schwor ich mir, um feinen Preis der Welt nachzu­geben, che ich mein Ziel erreicht hatten

«Schluß folgt) >