Mittwoch, 7. April MS
195. Jahrgang Nr. 82
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Gießener Anzeiger
SttM General-Anzeiger für Oberhessen
Clausewitz.
tut.
Schiffsziele mit gutem Erfolg an. Jäger und Flakartillerie sowie Unterseebootjäger der Kriegsmarine vernichteten 18 feindliche Flugzeuge. Zwei eigene Flugzeuge werden vermiht.
Vritisch-nordamerikanische Fliegerverbände griffen am gestrigen Tage di^ besetzten Westgeblele, vor allem die Stadt Antwerpen an. Die Bevölkerung hatte erhebliche Verluste. In einer Schule wurden 180 Kinder getötet. Jäger und Flakartillerie der Luftwaffe schossen 19 feindliche Flugzeuge ab.
In Vordnorwegen wurde ein feindlicher Sa- hotagetrupp bei der Annäherung an die Küste zum Kampf gestellt und vernichtet.
Keine sowjetischen Angriffe mehr am Kuban-Brückenkops.
Belgische Schulkinder die Opfer des britisch-amerikanischen Lustterrors
der Korrespondent der schwedischen Zeitung „Alle- handa". Man sei besonders verärgert, datz ein Zeit- punkt für die Zusammenkunft zwischen Giraud und de-Gaulle überhaupt nicht vorgesehen sei. In anderen Kreisen Londons hätte man schon gehört, daß die Nordasvika-Verhandlungen nicht wunschgemäß verliefen und die Beziehungen de Gaulles zum nord- amerikanischen Staatsdepartement nicht besser geworden seien. Don gutunterrichteter Seite werde die ablehnende Haltung Eisenhowers damit begründet, daß gewisse französische Elemente in Nordafrika — darunter vor allem ältere Offiziere —, die „immer noch Pstain-AnHänger seien", Giraud wissen ließen, sie seien gegen jede Zusammenar-- beitmitdenGaullisten, welche immer noch als Rebellen betrachtet würden. Schließlich glaube man in Nordafrika, daß die Ankunft de Gaulles, dessen Anhänger in jüngster Zeit dort sehr eifrig und nicht ohne Erfolg agitiert hätten, Anlaß zu Demonstrationen sein könnte.
Häuser und Villen. V ie r S chu l e n wurden in Mitleidenschaft gezogen, von denen zwei bis auf den Grund zerstört wurden, so daß buchstäblich kein Stein auf dem anderen blieb. Da der Angriff während der Schulzeit erfolgte, liegen unter den Trümmern der zerstörten Schulen etwa noch 250 Knaben und Mädchen. Aus dem einen Schulgebäude wurden bisher über 40 Kinder als kaum noch identifizierbare Leichen geborgen. Dor den Schulen spielten sich nach dem Angriff Schreckensszenen ab, als die betroffenen Eltern in den Trümmern nach ihren Kindern zu suchen begannen. Tausende von Menschen sind obdachlos und ihrer ganzen Habe beraubt. Die Krankenhäuser sind mit verwundeten Zivilisten überfüllt.
328 Todesopfer in Paris.
Paris, 6. April. (Europapreß.) Die Zahl der Todesopfer des britisch-nordamerikanischen Terrorluftangriffs auf die Pariser Zivilbevölkerung hat sich auf 328 erhöht. Es wurde ein Generalsekretär für die französische Luftverteidigung in der Person des Generalmajors Gästin ernannt. Die feierliche Beisetzung der Opfer des Pariser Blutsonntags erfolgt am Mittwoch, der zum nationalen Trauertag erklärt wurde. Die französische Presse nimmt weiterhin scharf Stellung gegen die britisch-norüamerikani- schen Luftpiraten. Das „Oeuvre" bezeichnet sie rundweg als Verbrecher, die die Verachtung der Menschheit verdienen. „Die Piloten Roosevelts und Churchills beweisen, daß sie keinerlei militärische Tradition besitzen und daß sie sich ihrer Waffen nur bedienen, um ihrer Zerstörungswut zu genügen", erklärte der französische Botschafter Fernand de B r i n o n. „Wir Franzosen stellen fest, daß diese Art der Kriegführung nicht zu entschuldigen ist."
Terrorangriffe auf Süditalien.
Rom, 6. April. (DNB.) Der italienische Wehrmachtbericht vom Dienstag gibt bekannt: Zahlreiche viermotorige Flugzeuge warfen Bomben auf die Umgebung von Marsala und Palermo, Trapani und Porto Empedocle, die beträchtlichen Schaden verursachten. Unter der Bevölkerung gab es in der Gegend von Marsala vier Tote, in Palerma 17 Tote und in Porto Empedocle 13 Tote. Zwölf feindliche Flugzeuge wurden abgeschossen, davon sieben von deutschen Jägern und fünf von der Bodenabwehr. Bei den Angriffen auf Neapel am 4. April verlor die feindliche Luftwaffe außer den zwei bereits gemeldeten ein viermotoriges und ein zweimotoriges Flugzeug, die ins Meer stürzte^
Daß die britisch-amerikanischen Mordbrenner nach einem ganz klaren Plane vorgehen und es auf die Vernichtung und Ausrottung der Zivilbevölkerung und vor allem der Frauen und Kinder abgesehen haben, war demjenigen, der die Systematik der bri- üsch-amerikanischen Terrorangriffe seit längerer Zeit beobachtet, von vornherein nicht zweifelhaft. Nunmehr mehren sich aber die drastischen Beweise, daß es sich bei den. Luftangriffen der englisch-amerika- niscyen Mordbrenner um die strikte Durchführung eines ebenso scheußlichen wie verbrecherischen und folgerichtig ausgedachten Mordplanes gegen die Zivilbevölkerung handelt. Erft grn Sonntag wurde dieser Beweis erhärtet durch den gemeinen und niederträchtigen Luftangriff der englisch-amerikanische« Mordbrenner auf die mit Menschen übersäten Rennplätze und die Wohnviertel der Stadt Paris. Man scheute hier nicht einmal davor zurück, mit einem Zynismus sondergleichen durch den Londoner Nachrichtendienst der ganzen Welt offenkundig machen zu lassen, daß dieses fluchwürdige Verbrechen „b e i klarer Sicht" begangen wurde und daß die „Ziele klar ausgemacht und schwer bombardiert" worden seien. Damit ja kein Zweifel an dieser verbrecherischen Gesinnung der englisch-amerikanischen Mordbrenner auskommen konnte, wurde gleich am Montag ein neuer Mordplan inszeniert und verwirklicht. Die britisch-amerikanischen Mordbrenner bombardierten an diesem Tage in einem Tagesangrift Wohnviertel der Stadt Antwerpen und mordeten 180 unschuldige Kinder hin. Die britisch- amerikanischen Mordbrenner dürfen sich angesichts dieser feigen und verbrecherischen Handlungen nicht darüber beklagen, wenn ihnen eines Tages ihre Mordbrennerei gründlich heimgezahlt wird.
Oer Lleberfall auf Antwerpen.
Zwei Schulen während der Schulzeit bis auf den Grund zerstört.
Brüssel, 7. April. (Europapreß.) Mehr a\=> 2000 Tote neben einer großen Zahl von Verletzten und zahlreichen Verschütteten forderte der britischnordamerikanische Terrorangriff auf Antwerpen, wie von zuständiger Seite mitgeteilt wurde. In knapp fünf Minuten wurden durch den Bombenangriff aus großer Höhe, wobei von einem gezielten Wurf auf militärische Objekte nicht die Rede sein fatal, Hunderte von Wohnhäusern entweder völlig vernichtet oder schwer beschädigt. Darunter befinden sich eine schöne alte Kirche, ein Altersspital, das Gemeindehaus und mehrere hundert Arbeits-
Oer Wehrmachiberichi.
DNB. Aus dem Führerhaupkquarkier, 6. April. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Am Kuban-Brückenkopf setzte der Feind feine Angriffe infolge der am Vortage erlittenen Verluste nicht mehr fort. Von der übrigen Ostfront
„Oie dunkelsten Tage."
wird nur örtliche Gefechtslätigkeit gemeldet.
Auch an der tunesischen Front verlief der Tag Im allgemeinen rvhig. Bei einem eigenen Anv grisfsunternehmen in Südtunesien wurdF eine wichtige höhe genommen. Im Wittel- ' meerraum griff die Luftwaffe Flugplätze und
nordamerikanischen Aktivität. Wenn der Bau von neuem Schiffsraum die Dersenkungszifter dürch U-Boote nicht übersteigen würde, wäre die Zukunft in tiefes Schwarz gehüllt."
... Wenn der Bau von neuem Schiffsraum die Versenkung durch U-Boote nicht übersteigen würde ... das ist also der einzige Trost, den die „Times" in dem Meer von Sorgen sieht; ein Trost allerdings, der noch am selben Tage erledigt worden sein dürfte durch die Nachricht aus den USA., daß die USA.-Regierung einen neuen Sachoerständigenaus- schuß eingesetzt habe, um die Möglichkeiten für eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit in den USA.-Weif- ten zu untersuchen. Denn die U-Boot-Gefahr im Atlantik — so schreibt das schwedische Blatt „Dagens Nyheter" dazu — bilde ein ernstes Hindernis für die Transporrverbindungen zwischen England und Amerika und die bisherigen Maßnahmen schienen nicht zuftiedenstellend zu sein. Auch.der Erste Lord der britischen Admiralität, Alexander, vermag den Briten keine tröstlicheren Worte zu geben. Die Härten und Schwierigkeiten des Kampfes zur See seien größer als je in der Vergangenheit. Niemals habe die britische Marine so vitodbringende Waffen gegen ihre Schiffe abwehren müssen. ... Zu keiner Zeit sei das Aufgabengebiet der britische« Marine so umfangreich gewesen, wie in den vergangenen dreieinhalb Jahren. Und dazu erklärt der Sekretär des Schatzamtes der britischen Admiralität in Glasgow, daß auch die Beschädigung von Handelsschiffen durch Bomben, Minen und Torpedos die Tonnage der Achsenfeinde beträchtlich herabmindere. 30 000 Schifte mußten seit Kriegsbeginn auf englischen Werften repariert werden. Im Jahre 1942 betrug der Tonnengehalt der reparierten englischen Schiffe rund 10 Millionen.
Heute dürfen die Briten sicher sein, daß das
Als die europäische Politik im Mittelalter mit Ausnahme der kaiserlichen und päpstlichen sich meist nur auf Beziehungen zu Grenznachbarn beschränkte, war England infolge seiner insularen Lage davon ausgeschaltet. Zu seinem einzigen wirklichen Nachbar, Schottland, mit dem es bis zur Vereinigung beider Reiche (1603) immer wieder Krieg führte, kam aber im 12. Jahrhundert ein neuer, der erste Gegner auch auf dem Festlands— Frankreich.
Im Jahre 1154 beerbte Graf Heinrich von Anjou, der ein größeres Gebiet beherrschte als der König von Frankreich selbst, das ausgestorbene normannische Herrscherhaus von England und begründete dort die Dynastie Anjou-Plantagenet, die bis 1485 regierte und bis zur Schlacht bei Bouvines (1214) auch halb Frankreich unter der Lehenshoheit des französischen Königs beherrschte, was die erste Ursache der fast ständigen Konflikte zwischen diesen beiden Staaten war. Den Höhepunkt dieser Kämpfe bildete der mehr als 100jährige Krieg (1339—1453), der entbrannte, als der König von England nach dem Aussterben des verwandten Hauses Valois 'die Erbfolge in Frankreich beanspruchte, ein Kampf, der erst mit dem Austreten der Jungfrau von Orleans zu Gunsten Frankreichs entschieden wurde. Seitdem war bis zum Krimkrieg (1854—1856), also durch genau sieben Jahrhunderte, England nie mit Frankreich verbündet, sondern meistens als Bundesgenosse auf Seite der Gegner Frankreichs.
Zu diesem Erbfeind im doppelten Sinn des 2Bor=. tes kam dann Sv a n i e n. Philipp II. hatte Königin Maria von England, die Tochter Heinrichs VIII. geheiratet, so daß beide Reiche vorübergehend vereint waren. Nach dem kinderlosen Tode seiner Gattin beanspruchte er England als Erbe und bestritt das Erbrecht Elisabeths, die aus einer kirchlich nicht anerkannten Ehe Heinrichs-stammte. Er unterstützte nun die Empörung der katholischen Iren gegen England, während Elisabeth der Erhebung der Hollän-
troffenen doppelt ausgebeutet und doppelt geknechtet würden.
Es gibt freilich noch einige Verblendete, die in einem verbrecherischen „Attentismus" verharren, in der Annahme, der Sieg der Gegenseit würde jenes alte System wieder in seine angeblichen „Rechte" setzen, das die anarchische Regellosigkeit zufälliger Staatenkombinationen als eine Art Naturgesetz pries, wobei nicht geleugnet werden soll, daß diese während des Wiener Kongresses von 1815 zur bestimmenden politischen Ordnung erhobene europäische Gleichgewichtstheorie einigen kleinen Staaten vor allem in der Blütezeit des Liberylismus und der Welthandelsfreiheit ermöglichte, unter dem mächtigen Schatten des britischen Baumes das bescheidene Dasein eines Blümeleins zu führen, das für Deutschland schon infolge seiner geschichtlichen Vergangenheit, aber auch infolge seiner eigenständigen wirtschaftlichen Kraft und der Tüchtigkeit seiner Erfinder und Wissenschaftler keineswegs in Frage kam. Alle diese Unbelehrbaren — es sind Gott sei Dank nur noch wenige — müßten inzwischen erkannt haben, daß weder die Souveränität zahlloser Einzelstaaten unter der Regie britischer Gleichgewichtspolitiker nach dem Prinzip „teile und herrsche" die künftige Weltordnung bestimmen wird, noch gar jene völlig verfehlte Konstruktion der Genfer Liga, die eine bloße Fortsetzung des Mächtekonzerts der Zeit vor dem ersten Weltkriege mar.
Und da man füglich nicht annehmen kann, daß sie das bolschewistische Chaos des Kollektivismus noch die Verwirklichung der nordamerikanischen Standardisierung wünschen, zwei Prinzipien also, die nicht nur die Seelenlosigkeit ihrer Systeme, sondern auch die infame Demagogie des jüdischen Macht- und Geltungswillens gemeinsam haben, mühten sie erkennen, daß ihr Heil einzig und allein bei dem von den Dreierpaktmächten vertretenen schöpferischen Ordnungsprinzip der Lebensräume liegt. Und in der Tat kann chan feststell-en, daß die Neutralen immer stärker zu der Uederzeugung gelangen, zu der die Verbündeten der Achse in Europa und Japans in Ostasien schon früher gekommen sind: daß es nämlich bei diesem Kamps um Kontinente ausschlaggebend ist, auf welcher Seite ein festes, organisch gegliedertes und sicher funbamentiertes Ordnungssystem zu finden ist, das sich nicht in: Negattoen erschöpft sowie in dem Willen, die Welt als die große Beute zu bettachten, sondern das um Verantwortung vor der Kuttur und der Geschichte Europas weiß, wie es die Eigenart und die Lebensrechte der kleinere^ ostasiatischen Völker zu refpettieren gewillt ist.
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Es gibt im Kriege kein ruhmvolles Unternehmen, das nicht mit unendlicher Anstrengung, Wühe und 7lot zustande gebracht würde. Wenn die Schwäche des physischen und geistigen Wenschen zum Nach- geben bereit ist, kann immer nur eine große Willenskraft zum Ziele führen, die sich in einer von Welt und Nachwelt bewunderten Ausdauer kund-
Schöpferische Ordnung.
Ueberblictt man die großen Zeitickume der Geschichte, so kann man aus ihnen immer wieder die Lehre entnchmen, daß machtpolitische Gebilde nur dann die Gewähr in sich tragen, zur völligen Reife zu kommen, wenn ihre Fundamente von Ideen und schöpferischen Kräften getragen werden, bei denen die Macht nur die Voraussetzung für eine Ordnung ist, an der die Weisheit und staatsmännische Einsicht ebenso Anteil haben wie die Fülle des Lebens mit seinen vielfältigen Gestaltungen, Gesetzen und Satzungen selbst. Das alte römische Imperium war nur solange eine Ordnungsmacht, als es sich freihalten konnte von den Einflüssen größenwahnsinnig gewordener Cäsaren und von jenem Herostratentum, das in die Geschichte als politische Geisteskrankheit eingegangen ist, die ihre Fortsetzung fand in Lenin, in Stalin, in Roosevelt, mit einigen Einschränkungen auch in Churchill, der sich freilich noch nicht ganz lösen konnte von jener britischen Ideologie der Gleichgewichtspolitik und der Auffassung, daß die ,.rule of law“ eine Art höherer Humanität verkörpere, eine moralische Norm sei, die, da sie Englands Vorteil am besten diente, für die ganze Menschheit Gültigkeit habe. Der Blick der britischen Führungsschicht ist also rückwärts gewandt und daher rührt es auch, daß sie in so auffälliger Weise den nord amerikanischen Anspielungen ausweicht, die die Gestaltung der Nachkriegswelt zum Gegenstand hccken. Atlantik-Charta bedeutet eben für Roosevelt etwas ganz anderes als für Churchill. Der nord- amerikanische „Weltpräsident in spe" sieht in ihr ein bequemes Betrugsmanöver, um mühelos den ganzen Erdball Wallstreet untertan zu machen. Der „Em- pireverderber" Churchill möchte in ihr die Garantie erblicken, daß in bezug auf das Gefüge der britischen Weltherrschaft alles beim alten bleibt, da doch einmal die Briten „unstreitig die größeren Erfahrungen im Herrschen" besäßen.
Alle Pläne aber, die auf der Gegenseite geschmiedet und teilweise ja auch veröffentlicht werden, haben das eine Kennzeichen, daß sie im Negativen völlig übereinstimmen, während sie in allen anderen Fragen der immer hellhöriger werdenden Welt- ‘ öffentlichkeit verraten, daß sich in Stalin, Roose- ' Delt und Churchill drei reißende Wölfe gegenüber» stehen, die — das Schicksal aller Koalitionen dieser Art — niemals zu einer Harmonie kommen könnten, da sie von völlig verschiedenen Voraussetzungen ausgehen. Angenommen, unsere Gegner würden den Sieg erringen. Sie würden der Menschheit dann nicht, wie sie immer wieder glauben machen wollen, den Frieden, den Wohlstand, die „viex Freiheiten" und Gott weiß was sonst noch bringen, sondern sie würden einzig und allein danach trachten, ihr Geschäft mit dem Elend, dem Hunger und dem Chaos zu machen. Das heißt aber in der Praxis, daß Europa von den sowjetischen Fluten überschwemmt würde, während sich in der übrigen Welt England und die USA. den Vorrang streitig machen würden, was am Ende nichts anderes bedeuten könnte, als daß die von diesem Streit Be-
Deutschland von heute sich nicht wieder den sicheren Sieg aus den Händen gleiten lassen wird. Künftig wird kein Lord Fisher stoßseufzend den „Engel des Herrn, der die Deuftchen blendete, lobpreisen können, und kein Churchill wird aufatmend das „dünne Fädchen" bettachten, das die Rettuna Großbritanniens bedeutete. Diesmal kämpft ein Volk, das weiß, um was es geht und das solange entschlossen am Gegner bleiben wird, bis auch sein letztes „dünnes Fädchen" gerissen feiin wird.
Weshalb de Gaulle nicht nach Nordafrika darf.
Stockholm, 6.April. (Europapreß.) Die Aufforderung General Eisenhowers an d e Gaulle, seine geplante Reise nach Nordafrika vorläufig auf» zus chieben, hat in Londoner gaullistischen Kreisen großes Mißvergnügen hervorgerufen, berichtet
Englands Eintritt in die europäische Politik
Von Professor Dr. A. R. Franz.
der Hilfe leistete. In dem daraus sich ergebenden Kriege wurde fast die ganze Flotte der von Philipp beherrschten Königreiche Spanien und Portugal, hauptsächlich durch Stürme, völlig vernichtet. Dadurch war England, das kurz vorher seine ersten Kolonien in Amerika begründet hatte, zur ersten Seemacht geworden. Seitdem war sein konsequent verfolgtes Ziel, diese Seegeltung zu behaupten, keinen Konkurrenten mehr aufkommen zu lassen und sein Kolonialreich möglichst auf Kosten anderer zu vergrößern.
Zur Erreichung dieses Zweckes wurden Zwistigkeiten gestiftet und genährt, wurde jede förderliche europäische Kombination unterstützt, jede Macht oder Koalition bekämpft, welche dft Erreichung eines dieser Ziele gefährden konnte. Das Streben der neuen Seemacht und damit maßgebend gewordenen Weltmackt war jetzt die Erhaltung des „e u r o p äi« schen Gleichgewichtes", d. h. das Streben, keine Macht so groß werden zu lassen, daß sie England gefährlich werden könnte. Je. konsequenter und erfolgreicher England diele Bahn mit aller seiner sprichwörtlichen Zähigkeit und Rücksichtslosigkeit verfolgte, alte Feindschaften nur vorübergehend zurückstkllend, um einen gefährlichen Gegner zu bekämpfen, uta'so mächtiger wurde es, um so größer wurde sein Kolonialreich. Immer leichter wurde es der bis in die neueste Zeit fast allein die Meere beherrschenden Weltmacht, jede europäische Entscheidung nach seinem Willen und in seinem Interesse zu beeinflussen sowie andere für seine Interessen als Kämpfer vorzuscbieben' und von der Siegesbeute ohne große Opfer seinerseits einen entsprechenden Anteil einzuheimsen.
So bekriegte England zunächst unter Cromwell die früher unterstützten Holländer und brach die Konkurrenz ihrer gefährlich werdenden Seemacht. Im spanischen Erbfolgekrieg unterstützte der Herzog von Marlborough, der Ahnherr Churchills, den Kaiser, um zu verhindern.
Wie ein drohendes Menetekel, düster gegen einen krarnphaft rosa in rosa gehaltenen Hintergrund, erscheint immer wieder zwischen all den Berichten, Stimmungsbildern und Kommentaren, mit denen unsere Feinde in ihren Völkern den Optimismus hochzuhalten sich bemühen, das Gespenst der U-Boot-
Lie^st man all diese Stimmen, die echt sind, weil aus ihnen Not und Hilflosigkeit sprechen, und erinnert man sich noch dazu an die vielen Ausspruche englischer Politiker nach dem ersten Weltkrieg, bie «alle übereinstimmend und im Tenor wie die Churchills in einen wahren Aufschrei der Erleichterung ausbrachen: „Wir sind nur eben durchgekommen. Je mehr wir über den Kampf erfahren, um so mehr erkennen wir, an welch dünnem Fauchen unser Erfolg hing!" — oder die einfach wie Lord Fisher erleichtert aufteufzen: „Der Engel des Herrn hat die Deutschen geblendet" — dann wird man erst einen Leitartikel wie den der „Times", in dem sie einen Vergleich zwischen den Kriegsaussichten der Achsenfeinde zwischen heute und 1918 sieht, ganz würdigen können. Schreibt doch dies konservative Blatt im Ton höchster Besorgnis: „Es muß often zu- Zegeben werden, daß im März 1918 die Wege für einen Sieg in erreichbarerer Nähe lagen unb Die Alliierten nur Zeit finden mußten, um zuzugreifen. Die dunkelsten Tage des U-Boot-Krieges waren oorüber; heute sind sie noch lange nicht vorbei. Im vergangenen Kriege besetzten die alliierten Armeen «roße Gebiete in Westeuropa; heute haben wir Dort "einen einzigen Streifen Land. Wir können nur nach Westeuropa hinein durch taktische Operationen vöchst schwieriger Art. Gegen England, gegen das Kritische Empire und gegen die USA. ist das U-Boot Deutschlands erste Waffe. Der Kampf gegen die A-Doot-Gesahr bestirnt jede Phase der britischen und


