Ausgabe 
7.1.1943
 
Einzelbild herunterladen

tumlichen Prägung entgegen: eine Geisteshaltung, die, wie viele Zeugnisse, nicht nur die Darlegungen von Kingsley Martin beweisen, den Engländern schwer auf die Nerven geht, obwohl heute sehr na» türliche Rücksichten zu einem geduldigen Schweigen Anlaß geben, das alle englischen Bitternisse in den innersten Herzensschrein einschließt. Sehr interessant ist auch die Darstellung Kingsley Martins über den gefühlsmäßigen Gegensatz zwischen dem durchschnitt­lichen USA.-Offizier und dem Bolschewismus. Man erinnert sich, daß Churchill den englischen Offizieren alles Nachdenken über dieses Problem verboten hat. Jedenfalls Kingsley Martin fühlt, daß feine eng­lische Heimat von den Fangarmen des USA.-Poly­pen umklammert ist. Er bringt den Mut auf, es zu sagen. Weil er den Mut dazu hat, ist er ein Rufer in der Wüste seines eigenen Heimatlandes, um das er sich sorgt.

Puerto Rico hungert.

Lissabon, 6. Jan. (Europapreß.) Puerto Rico hungert, stellt die USA.-ZritschriftTime" fest. Schuld daran sei in erster Linie der Mangel an Schiffsraum. Selbst als Schiffe noch regel­mäßig Reis, Bohnen und Stockfische für die Be­völkerung der Großen-Antillen-Insel im Karibischen Meer brachten, gab es schon Entbehrungen. Seit ihrer Zugehörigkeit zu den Bereinigten Staaten ist die Kolonie völlig auf die Erzeugung von Zucker, Rum, Tabak und Kaffee umgestellt worden. Ver­geblich habe Puerto Rico nach dem Kriegseintritt der USA. sofortige Hilfe verlangt, schreibt die Neuyorker Zeitschrift. Immer mehr habe sich die übervölkerte Insel zum Stiefkind der USA.- Wirtschaft entwickelt. Jetzt, da deutsche U-Boote in der Karibischen See lauerten, habe der Hunger aufgehört, eine bloße Drohung zu sein und sei nun grimmige Wirklichkeit geworden. In den sonnen- äberglünzten Straßen der Hauptstadt San Juan fielen die Menschen einfach vor Hunger um. Der Berichterstatter derTime" schreibt, wie es erst unlängst zu schweren Prügeleien kam, als Zoll­beamte 22 Pfund verdorbenen Stockfisches ins Meer warfen. Das zur Bekämpfung der Malaria lebens­wichtige Chinin sei völlig aufgebraucht. Von

320 000 höheren Schülern litten nach amllicher Schätzung 200 000 an Unterernährung.

Ein englischer Angriff auf den Burma- Hafen Akyab abgeschlagen.

Tokio, 6. Ian. (DNB.) Ein englischer Ver­such zur Rückeroberung des burmesischen Hafens Akyab, etwa 250 Kilometer südlich von Chitta­gong, wurde von den Japanern erfolgreich abge­wehrt. Beim ersten Angriff versuchten 400 Mann des Lancashire-Regiments in Booten über den Mayafluß zu setzen. Sämtliche Boote wurden ver­senkt und 16 Gefangene gemacht. Die Engländer hatten 60 Tote. Ein weiterer Angriffsversuch von Norden her mit 800 Mann wurde ebenfalls abge­schlagen. Die Japaner hatten seit der siegreichen Schlacht am Chindwinfluß vor sechs Monaten nicht mehr im Gefecht gestanden. Gefangene sagten aus, daß das Lancashire-Regiment im vorigen Januar in Bombay gelandet, erst Ende November an der indischen Grenze angekommen sei und in den letz­ten Monaten schwer unter den japanischen Luftan­griffen sowie unter der schlechten Versorgung ge­litten hätte. Das Ueberlaufen indischer Sowaten habe in der letzten Zeit derartig zugenommen, daß man die Inder aus der Frontlinie zurückgenommen habe, um em vorschnelles Kapitulieren zu ver­hindern.

Viktor Emanuel III. besichtigte Befestigungsanlagen auf Sizilien.

Rom, 6.Jan. (DNB.) Viktor Emanuel III. weilte auf Sizilien, um die zum Schutz der Jnfel getroffe­nen Bofeftigungs- und Sperranlagen in den ver­schiedenen Gebieten an der Küste wie im Hinterland au besichtigen. Dem Besuch des Königs war ein Be­such des Kronprinzen vorausgegangen, der als Kom­mandant der Heeresgruppe Sud das Weihnachtsfest unter seinen Soldaten verbracht hatte. Der König und Kaiser wurde non der Truppe wie von der Be­völkerung mit großtr Freude begrüßt. Die Bevölke­rung brachte dem Souverän ihren entschlossenen Sie­geswillen zum Ausdruck. Die Begrüßung gestaltete sich besonders eindrucksvoll in den von mehrfachen Luftangriffen heimgefuchten Orten.

Der Kampf gegen die Banden.

Berlin, 6. Ian. (DNB.) Das bolschewistische Bandenunwesen ist eine echte Manifestation des Bolschewismus. Für diese Art seiner Kriegführung im weiten Raum hinter der gegnerischen Front hat der Bolschewismus die Feigheit geradezu zum Prin­zip erhoben. Zehn Regeln hat der Bolschewismus für den Bandenkrieg herausgegeben. Eine besagt, daß der Feind nur dann anzu greifen ist, wenn der Angriff aus dem Hinterhalt möglich und der Geg­ner in absoluter Minderheit ist. Diese hinterlistige Kampfesweise hat dazu geführt, daß die Banden bei hartem Zupacken oft bis auf den letzten Mann ausgehoben werden konnten. So blieben z. B. bei einer vor etwa 14 Tagen im weißrutheni- s ch e n R a um von ff, Polizei und Artillerie durch- geführten Bandenaklion 864 Banditen tot auf dem Kampfplatz, während wir feßjft nur fünf Tote zu beklagey hatten.

Man muß, um sich die Bildung einer solchen Bande erklären zu können, Maßstäbe anlegen, die dem weiten russischen Land mit seinen unendlichen Wäldern und den kilometerbreiten Sumpstaken ge­recht werden. "Ein solcher riesiger Raum kann hinter der Front nicht in jedem Dorf und WakdgMet be­setzt gehalten werden. Eingehende Bandenerkundung ist die unumgängliche Voraussetzung für den Erfolg. Sicherheitspolizei und SD. bleiben den Banden un­ermüdlich auf der Spur. Gutwillige Kräfte des fried­lich ge-finnten Landvolkes stehen oft in Abwehr der Bandentätigkeit. Ihr Gegner ist ein Heckenschütze in der Tarnung eines Zivilisten, im zerschlissenen Rock eines Bauern oder eines Holzfällers. Nur wer die gange Verschlagenheit der bolschewistischen Banden kennt, weiß, was es heißt, als kleiner Erkundungs- trupp dem getarnte» Gegner auf der Spur zu blei­ben.

In den Landkarten eines Gebietes, in dem eine Bande ihr Unwesen treibt, wird mit Bundstisten das Bandentreiben registriert. Ueber Wegkreuzun­gen und Wälder in der gleichen Weise, in der die Bande ihre Standorte wechselt. Von ihren eigenen Landsleuten, friedlichen Bauern, als Plünderer, Diebe und Mordgesellen gefürchtet, von uns Deut­schen immer wieder verfolgt und gestellt, vegetieren die Banden in den düsteren, sumpfigen Wäldern. Oft sind es politische Kommissare, manchmal auch

Kommandeure der Sowjetarmee, die die Banden bilden und Zusammenhalten. Mit feindlichen Zen­tralen stehen sie zuwelle'n durch Funk in Verbin­dung und erhalten nähere Anweisung. Kürzlich griffen wir eine Fallschirmspringerin, eine junge Frau von 26 Jahren, auf, die, mit einem Funkgerät versehen, den Auftrag hatte, zunächst militärische Spionage zu treiben und sich dann einer Bande anzuschließen. Drei Tage zuvor war sie noch in Moskau gewesen.

Es steht ohne Zweifel fest, daß der Kreml sich weitaus mehr von dem Einsatz seiner Bandentaktik versprochen hat. Gewiß fallen auch einzelne deutsche Soldaten dem hinterhältigen Mord zum Opfer. Auch gelingt es den Banden hier oder dort, einmal eine Brücke zu zerstören oder einen Eisenbahnzug durch Sprengung zu beschädigen. Dabei denke man aber immer wieder an den Raum, den man nun einmal nicht mit den Maßstäben unserer eigenen Heimat messen darf. Es ist jedoch den Banden in keiner Weise gelungen, das Hinterland zu des­organisieren und den Nachschub der Front entschei­dend zu stören. Zweiffelos hatte der Kreml daran geglaubt, die fehlende zweite Front der Briten in Europa durch seine Banden zu ersetzen. Aber auch das blieb nur eine trügerische Hoffnung. Ge­wiß beklagen wir tief die Opfer, die das Banden­unwesen hier und dort von uns gefordert hat. Ge­messen aber an den Erwartungen, die der Bolsche­wismus an das Bandenunwesen knüpfte, darf man sagen, daß auch diese Hoffnung der bolschewistischen Usurpatoren zusammenbrechen wird.

Aus -em Reich.

Wiedereinführung der Dorf- und Stadtgerichtsbarkeit.

In Breslau gab Reichsjustizminister Dr. Th i e -- rack in einer Kundgebung der NSDAP, einen Ueberbllck über alle Probleme des Rechts und nahm auch zu verschiedenen Sonderfrngen aus der Praxis der Rechtspflege Stellung. Durch Wiedereinführung der Dorf- und Staatsgerichtsbarkeit soll dem Volks selbst wieder die Möglichkeit gegeben werden. Recht zu sprechen. Der Minister hob auch den tief im

Bekämpfung der Karies.

Pon Prof. Dr. H. Euler, Leiter des Instituts für Kariesforschung.

Das Wesen der Karies ist noch nicht genügend geklärt, um durchgreifende Maßnahmen zur Ver­hütung dieser Erkrankung zu treffen und die Zähne der Nation von Grund auf zu bessern." Mit die­sen knappen Worten hat der bekannte Kariesforscher Schröder bei der Gründungssitzung des Insti­tuts Ende Februar dieses Jahres ungeschminkt die tatsächliche Lage gekennzeichnet. Er bat damit aber auch zugleich im großen die Grundaufgaben des Instituts umrissen: Klärung des Wesens der Karies und Finden wirksamer Be­kämpf ungsmittel!

Schröder hat bereits betont, daß die Lösung der Kariesfragen nur auf Grund einer eingehenden Betrachtung der Vorgänge am Zahn im engsten Zusammenhang mit den Lebensvor­gängen des Gesamtorganismus möglich ist. Es ist selbstverständlich, daß diese Richtschnur un­verändert beibehalten wurde, die zugleich auch die weitere Gliederung der Aufgaben in sich schließt: Studium der Vorgänge am Zahn selbst, Studium der Verbindungswege zum Gesamtorganismus, Studium der allgemeinen Verhältnisse, soweit sie irgend Beziehungen zu den lokalen Vorgängen be­sitzen, immer aber: Wahrung der großen Gesichts­punkte Ganzheitsbetrachtung und Biologie!

Bei den Vorgängen am Zahn selbst werden, ab­gesehen von den sonstigen Verhältnissen im Munde und am Gebiß, die bakteriologische und (gärungs-) chemische Forschung im Vor­dergrund stehen, bei den den Gesamtorga nismus betreffenden Fragen müssen u. a. Berücksichtigung finden: 1. Forschungen auf dem Gebiete der Kon­stitution, der Erbbiologie, der Raste, des Lebens- Mers, Geschlechtes; 2. Forschungen auf dem Gebiete

der Umweltverhältnisse (Klima, Bodden, Wasser, Vichf, Luft), der Ernährung und ihrer Wirkstoffe, wie auch die Zivilisation und ihre Auswirkungen im ganzen hierher gehören; 3. Forschungen auf den einschlägi­gen Gebieten der inneren Medizin mit Einschluß der Endokrinologie, der Kinderheilkunde, der Phar-- makologie, und endlich 4. spezielle Forschungen auf dem Gebiete der Mund- und Zahnpflege, wobei uns auch wieder die Pharmakologie eine unentbehrv liche Hilfe bedeutet; aber auch die Erfahrungen der Iugendzahnpflege werden dabei von Wichtigkeit feilt. Zu diesen vier Punkten kommen dann noch die Leh­ren, wie sie sich aus der zahnärMch-klimschen Be­obachtung ergeben.

Erfreulicherweise ist es gelungen, auf all den ge­nannten Gebieten namhafte Fachoertreter zu gewin­nen, die sich bereitfinden, an der Lösung der dem Institut gestellten Aufgaben mit ihrem reichen Wis­sen und ihrer großen Fachkenntnis mitzuarbeiten. Folgende Arbeitsgebiete und Mitarbeiter sind bis­her vorgesehen: Nahrungsmittelchemie und Physio­logische Chemie (Professor Schoenbeck, Professor Flößner, Professor Schmitz, Wohinz); Biologie und Histologie (Professor Euler, Dr. Keil); Erbdiologie (Professor Nachtsheim, Professor Korkhaus, Dozent Dr. Ritter); Hygiene (Professor Kollath); Bakterio­logie (Prof. Zeiß, Prof. Zeißler, Prof. Kliewe- Gießen); Pharmakologie (Professor HeUbner>x Innere Medizin (Professor V o i t - G i e ß e n); Kin­derheilkunde (Professor Klinke): Konstitutionsfor^ fdjung (Professor Jaensch); Klinische Forschung (Professor Wannemacher): Iugendzahnpflege (2r* Kientopf, Dr. Liebenow); Spezielle Kariesprophylaxs (Professor Schoenbeck).

Rechtsdenken des deutschen Volkes verwurzelten deut­schen Rechtsanspruch auf die staatliche Zusammen­fassung aller Teile der Nation und einen ausreichen­den Lebensraum hervor.

Das Amt für Beamte im vergangenen Jahre.

NSG. Auch der Beamte in der Heimat hat ein erhebliches Maß kriegsbedingter Aufgaben zu be­wältigen. Zahlreiche Einberufungen vervielfachen feine Arbeit, die Voraussetzung eines reibungslosen Ablaufes verschiedenartigster Angelegenheiten ift Das Amt für Beamte des (Baues Hessen-Nas­sau hatte sich im vergangenen Jahre vor allem zur Ausgabe gesetzt, den letzten Beamten zum helfen­den Kameraden des Volksgenossen zu erziehen. Die Betreuung der Einberufenen stand im Vordergrund. In der gleichen Linie lagen die Arbeiten im Inter­esse der Angehörigen von Soldaten und der Hinter­bliebenen von Gefallenen. Neben Feldpostpackchen, die durch die einzelnen Kreiswaltungen verschickt wurden, wurde vom Amt für Beamte bei der Gau­leitung Hessen-Nassau mit mehr als 10 000 Feld­postbriefen die Verbindung mit den zur Wehrmacht einberufenen Kameraden aufrechterhallc,,. Diese Ein­richtung ist in den Kreisen der SoNatrn überall freudig begrüßt worden. Nicht unerwähnt soll die Beteiligung der Beamtenschaft an Ernte- und Feld­bestellungsarbeiten und die Lazarettbesuche weib­licher Beamten, deren Tätigkeit auch auf Hausbe­suche bei eingezogenen bzw. ab geordneten Beamten zur Betteuung der Familien ausgedehnt wurde, bleiben.

Kunst und Wissenschaft.

Aus der ltterarifchen Well.

^Albom und Rosamunde", die Dichtung Walter Stangs, des Leiters des Hauptamtes für Kunst­pflege beim Reichsleiter Rosenberg, wurde von den städtischen Bühnen in Breslau zur Erstauf­führung in der Spielzeit 1942/43 erworben. Die m Oslo in norwegischer Uebersetzung erscheinende SerieGroße deutsche Romane" wurde mit ihrem zehnten Band soeben abgeschlossen. Als letztes Werk erschien der RomanDrei Nächte" von Hermann Stehr. Von Hans Hennig Freiherr Grote erscheint demnächst ein Band Balladen und Lieder, in dem der Dichter zum erstenmal sein gesamtes lyrisches Schaffen zufammenfaßt. Grote gehört zu den leidenschaftlichen Rufern für die Wieder­erweckung der nationalen Sendung unseres Volkes. Der Mut und die Unerschrockenheit des soldatischen

---

Geistes, das ist der Gehalt dieses Werkes, das vont Ernst der Pflicht wie vom Glück der Lebensfreude kündet. Von Robert Lindenbaum, dem Träger des Sudetendeutschen Gaukulturpreises 1940 erscheint ein RomanZwischen gestern und heute". Der Held ist der sudetendeutsche Bergarbeiter, bett der Dichter als den mühseligen Deutschen, der leib­liche und seelische Rot erträgt und überwindet, bar­stellt. Im Ausklang sehen wir den Helden und seine Kameraden in den Kampf ziehen um Großdeussch- lands Schicksal.

Neuer Intendant In Göllingen.

Der Oberbürgermeister der Stadt Göttingen hah an Stelle des Intendanten (Seltner, her mit be^ Führung der Generalintendanz in Hannover beauf­tragt wurde, den bisherigen Oberspielleiter vont Hessischen Landescheater in Darmstadt, Hansr Karl Friedrich, zum Intendanten des Göttinger? Stadttheaters berufen.

Das Gastmahl unter den Kerzen.*

Im niederländischen Rundfunk kam unter PierrS Reinhards eine Weihnachtsoper von Hermann Un­ger, dem Kölner Komponisten, zur Uraufführung. Das Gastmahl unter den Kerzen" ist keines­wegs nur ein Singspiel, sondern mehr der Spieloper zuzurechnen. Das Erlebnis des Lichterbaumes und des weihnachtlichen Abends in seiner tiefen Sym« bolik als Fest der Gemeinschaft steht im Mittelpunkt einer Dichtung, die von Heinz Steguweik stammt. Steguweit läßt drei Männer unter dem Lichterbaum aus ihrem Leben erzählen. Es sinS Diener, die neben den Geschenken ihrer Herren zu- gleiich deren Absage zum gastlichen Weihnachtsmaht einer befreundeten Dame Ü6erbringen. Diese hak alles gerichtet, und lädt nun die drei Diener ein, ihr den Abend mit ihren Erzählungen zu ver­kürzen. Es sind feltfame Menschenschicksale, die dabek an den Tag kommen. So wird dasGastmahl unter den Kerzen" zu einem wahren Weihnachtsabend. Die Musik trägt den Stempel jener Regernachfolge, der Unger uneingeschränkt zuzurechnen ift; die aber doch zu Eigenem vorgestoßen ist. Ueber allem leuch­tet eine starke poetische Melodik, die ganz auf dis Symbolik des Weihnachtsbaumes ausgerichtet ift

Erich Traumann.

Ein Divertimento von Ricard Strauß.

Die dritte der drei Philharmonischen Akademien, in Wien unter der Leitung von Clemens Krauß bringt eine Neuheit von Richard Strauß. Der Mei­ster hatte auf Anregung von Clemens Krauß feine Couperin - Suite" für das in der Münchner Staatsoper zur Uraufführung gebrachte Ballett Verklungene Feste" um mehrere Satze erweitert.

Das ewige Herz.

Die wahre Geschichte

des Gchlossermeifiers Peter Henlein.

Täglich erfinden sie feinere Dinge. So bringt Peter Hele, ein noch junger Mann, Werke hervor, welche selbst die gelehrtesten Mathematiker bewun­dern, denn aus ein wenig Eisen fertigt er mit sehr vielen Rädern ausgestattete Uhren, die, wie man sie auch wenden mag und ohne irgendein Gewicht 40 Stunden zeigen und schlagen, selbst wenn sie im Busen oder Geldbeutel getragen werden." Dieser aus dem Jahre 1511 datierte Bericht des Schulrek­tors in Nürnberg, C o ch l ä u s, beweist unwider­leglich, daß Peter Henlein, nach den Ur­kunden seit dem 16. November 1509 Meister der Nürnberger Schlosserzunst, der Erfinder der Taschenuhr ist. Dieses Dokument muß als um so wertvoller gelten, als leider von den Uhren Henleins nicht eine auf uns gekommen ist Zwar besitzt das Germanische Museum in Nürnberg ein solches Werk mit Namen und Datierung; die Bau­art dieser Uhr deutet aber auf eine Entstehungs- zeit weit nach Henleins Tode hin. Nicht sehr Ge- na-ues wissen wir über feine Geburt. Wahrscheinlich fand sie im Jahre 1479 statt; besser läßt sich der Tag seines Todes datieren, denn aus der Reihen­folge der Namen im Großtotengeläutebuch der Se- balduskirche in Nürnberg kann man folgern, daß Meister Henlein zwischen dem 4. Juni und 14. Sep­tember des Jahres 1542 gestorben ist, und daß wahrscheinlich der Todestag in den September ver­legt werden muß. Mehr als über den Eingang und Ausgang seines Lebens wissen wir aber über seine Werke, denn die Rechnungsbücher der Freien Reichs­stadt Nürnberg geben darüber Aufschluß, daß die Erzeugnisse des großen Uhrenkünstlers beliebte Staatsgeschenke gewesen sind.

nämlich keineswegs der Verfertiger der später so berühmt gewordenenNürnberger Eyer- l e i n", er brachte seine Uhrwerke zuerst in Bisarn- apfeln unter, kugelförmigen Vorläufern der Riech­fläschchen, die ihren Namen dem Bisam- oder Moschusduft verdankten, den sie in ihrem Innern bargen. Diese Kugeln hatten nur einen Durchmesser von 3 bis 4% cm, waren also für damalige Ver­hältnisse erstaunlich klein. Die darin angebrachten Uhrwerke müssen somtt schon recht genau gearbei­tete, kleine Kunstwerke gewesen sein.

Erhebliches Kopfzerbrechen hat dem Erfinder die Hemmung gemacht, die bei der Taschenuhr verhin­dert, daß die Feder sich allzu rasch entspannt, und die außerdem dem Zeiger einen regelmäßigen Gang gibt. Henlein benutzte dazu eine winzige Waage", deren gleichmäßiges Hin- und Herschwin­gen er durch Schweinsborsten regelte. Das war die erste Form derUnruhe". Nachdem der Bau des Werkes erst einmal erdacht und durchkonstruiert war, ging Henlein an die weitere Vervollkommnung; er fügte dem Stundenzeiger einen Minutenzeiger hinzu, und er machte auch das Gehäuse immer kunstvoller. Seine Vaterstadt bedient sich gern der Fertigkeit ihres begabten Sohnes. Immer wieder mußte wie Dominik in seinem BuchDas ewige 5"?rz" es lebendig schildert der Ratsschreiber Melchior Sartorius Abrechnungen über bestellte und ordnungsgemäß abgelieferteOerlein" notieren. So findet sich unter anderem auch ein Vermerk über die Bezahlung von 72 Gulden 14 Schillingen 4 Hellern fürzwey selbgeende Oralogia", die dem Kanzler Kaiser Karls V Kardinal v. Gattinara, von einem Beauftragten des Nürnberger Rats überreicht worden waren. Auch Luther erhielt rin solches Erzeugnis aus Henleins Werkstatt zum Geschenks Er antwortete freudig überrascht und dankte für dassehr willkommene Geschenk", wo­bei er bemerkte, daß er noch nie vorher ähnliches zu Gesicht bekommen habe.

mer aber bereitete ihm das Schicksal seines Bru­ders, des Messerschmiedes Hermann Henlein. Dieser war in einen nächtlichen Raufharckiel verwickelt worden, bei dem ein Bettelmädchen schwer zu Schaden kam. Es gelang ihm zwar, rechtzeitig zu entweichen, aber er folgte nicht dem Rat feines Bruders, gänzlich außer Landes zu gehen. Durch den Verrat eines Augsburger Zunftgenossen namens Lutz wurde er von den Augsburgern gefangen und in einen hochnotpeinlichen Prozeß verwickelt. Trotz aller Bemühungen Meister Peters, seinen Bruder zu retten, wurde in Augsburg am 18. August 1524 das Todesurteil über den Messerschmied gespro­chen und fünf Tage später mit dem Schwerte voll- streckt. Meister Peter konnte seinen Grimm nicht bezähmen und äußerte zu jedem, der es hören wollte, daß der Augsburger Meister Lutz schmachvollen Verrat verübt habe. Seine Heftigkeit brachte dem Taschenuhrerfinder schließlich eine vierzehntägige Haststrafe im Turm ein, aus dem ihn der wohl­wollende Nürnberger Rat allerdings nach drei Tagen wieder entließ. Nach diesem Zwischenfall lebte Peter Henlein noch 18 Jahre in Frieden und Geruhsamkeit, geachtet und geehrt.

Die volle Größe seiner Erfindung wurde aller­dings erst der Nachwelt bewußt, denn sie hat uns wahrhaft die Zeit geschenkt. Aus der Taschenuhr entwickelte sich der Schiffs-Chronometer, der bis in die Gegenwart für jeden Seemann ein unentbehrliches Instrument für die Feststellung sei­nes Standortes zusammen mit den von Martin B e h a i m in die Seefahrt eingeführten Werk­zeugen zur asttonomischen Ortsbestimmung war. Erst die Zeitübertragung durch Funk machte den Schiffs-Chronometer entbehrlich. Lang ist die Reihe der Männer, die Henleins Erfindung'verbessert und weiterentwickelt haben. Mancher Deutsche befindet sich darunter, so der Begründer der weltberühmten Präzisionsuhrenfabriken in Glashütten Adolf L a n g e. Ja, sogar die in der Physikalisch-Technischen Reichsanstall zu Berlin erfundenen Quarzuhren mit ihrer Genauigkeit von Vi« ooo Sekunde pro Tag dürfen als ein Höchstprodukt der aus denOertern* Peter Henleins hervorgegangenen neuen Uhrmacher­kunst angesehen weichen, wenn sie auch in ihrem Bau mit den Federuhrenwerken nichts mehr a-mrin haben« Dr. Ludwig Kühlfe

Jenseitige Weisheiten.

Diese ewige Illusion, daß das Leben noch vor einem liege! Das Leben liegt immer hinter uns.

Es werden auf dieser Erde nur menschliche Dinar verhandelt.

Was ift ein Gemetzel wie bei (Tanna, Leipzig oder Sedan gegen die fort und fort um den Erdball tosende Schlacht des Daseins?

Es gibt nur zwei Sorten Leute. Die eine meint, sie- stehe am Anfang aller Dinge, und die andere ist vorn Gegenteil fest überzeugt. Ich gehöre zu den letzten.

e

Ueber den Tod kommt jeder leicht hinweg. Abe- mit dem Sterben ist's eine andere Sache.

Was ist mir eine Leiche, nachdem ich die meiner Mutter gesehen habe!

Wenn längere Zeit nach dem Tode eines geliebten Wesens einen der alte Schmerz überkommt, so über­lege man, was der Tote versäumt habe, während wir selbst und die anderen weiter lebten.

*

Das Beste, was der Mensch im Leben haben kann, ist ein Stück von dem, was er im Tode ganz haben wird Ruhe.

Die Zeit, in der man nicht mit dem Körper son* dem mit dem Geist erkennt, daß mit dem Hasset der Schlaf das Beste in der Welt ift

*

Wir müssen die Ereignisse nach dem Tode ab- warten wie die des nächsten Tages. Es wird für unser Gefühl und unsere Stimmungen auch wohl kein großer Unterschied vorhanden fein.

Da man sich in bas Leben hat fügen müssen, wie* oiel leichter sollte man ücb in den Xoö fügen tonnäfc

Ein Zeitgenosse von Henlein, der Schre-ibmeister und Kunsthistoriker Neudörfer, vermerkt in feinen Nachrichten von Nürnberger Künstlern und Werk­

leuten", daß Henlein der ersten einer gewesen sei, so die kleinen Oerlein in die Bisamköpf zu machen erfunden hat". Der «eschickt» Schlossermeister yt

Wahrend sich so sein Ruhm immer mehr in Deutschland und darüber hinaus in der ganzen abendländischen Welt verbreitete, lebte Meister Peter Henlein durchaus nicht immer ruhig und . v- v-, sorgenlos. Zweimal heiratete er. Beide Frauen Schlossernreister starben ihm fcrüfötftfg hinweg. Den größten Kum-