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7.1.1943
 
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(95. Jahrgang Nr. 5

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Eichener Anzeiger

Donnerstag, 7. Januar (9(3

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General-Anzeiger sürOberhessen

Die schweren Abwehrkämpfe im Don-Gebiet halten in unverminderter Stärke an.

Berlin, 6. Ian. (DNB.) Im Dongebiet hielten die heftigen Abwehrkämpfe an. Starker Frost, Sturm uni) Schneeverwehungen erschwerten das harte Ringen um Stützpunkte und Stellungen, die erneut den schweren Infanterie, und Panzeran­griffen des Feindes ausgesetzt waren. In erbitterten Nahkämpfen gelang es jedoch unseren Truppen, die Sowjets unter hohen Verlusten zurückzuschlagen. M die Bolschewisten an einzelnen Stellen in die deutschen Stellungen eindrinaen konnten, gingen unsere Grenadiere in heftigen Gegenstößen gegen die Embruchsstellen vor und kämpften die Hauptkampf- lime wieder vom Feinde frei. Besonders erfolgreich war der Gegenangriff eines motorisierten Grena- dier-Reglments, das bis zu den Artilleriestellungen Vordringen und hier zwei bolschewistische Batterien vernichten konnte.

Im mittleren Abschnitt der Ostfront wurden vlse feindlichen Artilleriestellungen bei Welikije Luki durch Bombentreffer schwer mitgenommen. Unsere Flieger erleichterten damit den Heldenkampf un- serer Stutzpunktbesatzung, die wiederum die feind­lichen Massenangriffe unter Abschuß von neun Pan­zern abwies. Ebenso erfolglos blieben die Vorstöße des Femdes südöstlich des Ilmensees. Die starken, von Panzern begleiteten Infanteriever- bande wurden in erbitterten Kämpfen überall zu- ruckgeschlagen und erneute Bereitstellungen durch Artilleriefeuer zersprengt. Trotz des stürmischen Etters sicherten unsere Jäger den Luftraum und schossen gemeinsam mit der Flakartillerie im mitt= feiten und nördlichen Abschnitt der Ostfront zwanzig bolschewistische Flugzeuge ab.

Elastische Verteidigung.

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Der Wehrmachtbericht vom 5. Januar sagte: ,L>ie schweren Abwehrkämpfe im Dongebiet halten an."

6. Januar heißt es:3m Dongebiet hielten auch gestern ^die schweren Abw-ehrkämpfe in unvermin­derter Stärke an." Die sowjetischen Angriffe began­nen im Raum von Stalingrad etwa am 20. Novem- bec, am 25. November setzten sie sehr viel weiter -lördlich in dem vorgeschobenen (fast rechten) Winkel RschewToropez-^Ilmensee ein. Die Abwehrschlach- en, die unsere Truppen schlagen, dauern also jetzt ast sieben Wochen an. Der Brennpunkt der Kämpfe verlagerte sich. Im mittleren Abschnitt »atzen sich die Sowjets bei Toropez einen sehr emp* indlichen Nasenstüber geholt und seither ihre Stoß- ichtung nicht mehr nach Süden, sondern nach Lesten geführt: daher tritt der vorgeschobene Posten on Welikije Luki am Lowat, dem Hauptzufluß des Ilmensees, in den letzten Tagen stark in den Dor- ' ergründ. Er wird von allen Seiten von den Sorv- 4s unter ungeheuren Verlusten berannt. ImSüd- b s ch n i 11 trat zu den Kämpfen zwischen Don :nd Wolga Mitte Dezember ein großangelegter sow- 2ti'scher Angriff an der eigentlichen Don-Front auf rner Basis, die etwa Halbwegs Woronesch und Don­nie gelegen war.

Heftigkeit, Dauer und Materialeinsatz bei diesen ämpfen weisen auf große Ziele. Nach englischen Pressemeldungen ist der bestimmende Geist auf iwjetischer Seite der General Schukow, der seit vorigem Herbst den Mittelabschnitt komman­

diert, setzt aber den Oberbefehl über die Gesamtfront übernommen und damit auch Timoschenko in den Hintergrund gedrängt haben soll.

Die Winterschlacht, die jetzt ausgetragen wird, ist sicherlich eine Materialschlacht. Aber sie ist keine Schlacht an erstarrter Front, sondern eine Be­wegungsschlacht. Die elastische deutsche Abwehr klam­mert sich nicht an'einzelne Punkte. Sie hat einen großen Bewegungsraum für sich. Mit eiserner Ent­schlossenheit verteidigt sie die Hauptkampflinie. Die sowjetischen Verluste betragen ein Vielfaches der deutschen. Im Dezember haben die Sowjets 3522 Panzer verloren. Die Luftüberlegenheit ist auf deutscher Seite, wenn auch oft durch Witterungs­einflüsse gehemmt. Dank dieser Luftüberlegenheit kommt auch die glänzende Organsation unserer Lust­transportflotte zur Auswirkung, die schon im Vor­jahr für die typischen Igelstellungen der Ostfront von unbeschreiblichem Nutzen gewesen ist. Der Bol­schewistensturm hat in diesen Winterkämpfen bis jetzt fast sieben Wochen gedauert. Das gibt eine Vorstellung von dem verzweifelten Einsatz der Sow­jets. Die standhafte deutsche Ostfront weiß, daß sie in der Ferne die Grenze der Heimat verteidigt.

Der Wehrmachtbericht.

DftB. Aus dem Führerhauptquartier. 6. Jan. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Im Don-Gebiet hielten auch gestern die schweren Abwehrkampfe in unverminderter Starke an. Angriffe der Sowjets wurden unter hohen feind­lichen Verlusten abgeschlagen. Eine Panzerdivision schoß dabei 31 Panzerkampfwagen ab. 3m Gegenangriff vernichtete ein motorisiertes Grena­dierregiment weitere 25 Sowjetpanzer sowie zwei Batterien und 22 panzerabwehrge- schuhe. An anderer Stelle zerschlug ein deutscher Gegenstoß zwei feindliche Bataillone. Die Luftwaffe bekämpfte den Vachschubverkehr und Truppenbereit- stellungen des Feindes.

3m mittleren Frontabschnitt wurde ein feindlicher Kavallerieverband gestellt und vernichtet. Feindliche Angriffe gegen den Stützpunkt kije Luki und südöstlich des 3 l m e n s e e s wur­den abgewiesen.

3agdflugzeuge und Flakartillerie schossen über der mittleren und nördlichen Ostfront 20 Sowjetflugzeuge ab. Anlagen der Mur- m a n - B a h n wurden durch deutsche Kampf- und Zerstörerflugzeuge, bei Rächt auch das Vahnhofs- gelände von Kandalakscha angegriffen.

3n Vordafrika sanden nur Kampfhandlungen geringen Umfanges statt.

3n Tunesien beiderseitige lebhafte Auskla- rungstatigkeil. Die Luftwaffe griff einen feind­lichen Flugstützpunkt, Flakstellungen und Panzer­ansammlungen an. 3n Lufkkampfen wurden drei Flugzeuge abgeschossen.

Ein deutsches Unterseeboot versenkte im Vord- m e e r einen Vachfchubdampser von 5000 BRT.

Angst vor neuen Attentaten.

Mailand, 6. Ian. (Europapreß.) In der Um« -bung (Biraubs wächst nach italienischen Jnfor- INationen die Furcht vor weiteren Attentaten durch ^ullrstische Elemente im Auftrag Englands. Gi- rud soll bereits über 1000 Franzosen, darunter nhänger Darlans sowohl als auch de Gaulls, un- ;r dem Verdacht der Vorbereitung neuer Mordan- ciläge haben verhaften lassen. Der in gaullistischer Hand befindliche Sender Brazzaville (Mittelkongo) v rbreitete eineßifte französischer Verräter". Der kprecher des Senders erklärte, diese Verräter müß- Ktrt ebenso von der Oberfläche verschwinden wie Larlan. Die Liste enthielt die Namen der Generale !li o g u e s und I u i n sowie des Generalgouver- urs für Westafrika B o i s s o n. Die italienische zqentur fügt hinzu, diese Männer müßten nach :'ullistischer Auffassung offenbar ebenso verschwin- m wie Darlan, weil sie den Engländern zu offen icrtei für die Vereinigten Staaten genommen itten.

General Girau d ist übrigens in Dakar ein- gttroffen. Er will die Ilebergabe der französischen d:e-, Luft- und Landbasen Westafrikas an die Nord- anerifaner vornehmen.

Die französische Verwaltung in Westafrika hat für T Zeit seines Besuches sorgfältige Schutzmaßnah­men durchgeführt. Giraud, der eine ausgedehnte 3i Ipeftion der französisch-westafrikanischen Gebiete plint, war auf seinem Flug von Algier nach Dakar vor 25 weiteren Maschinen als Schutz begleitet, ki hatte bereits Besprechungen mit dem Gouver- je ir von Westafrika, B o i s s o n. Nachrichten aus Icriibon lassen erkennen, daß man dort von dem sl.'tzlichen Besuch Girauds in Westafrika überrascht v:r. Man betont, daß dieser Besuch Girauds [Jcht auf Einladung de Gaulles erfolgt

^an sieht in den Verhandlungen zwischen Ge- ttml Giraud und der in Dakar eingetroffenen I 5 A.- W i r t s ch a f t s m i s s i o n ein neues Zei- der ständig enger werdenden Zusammenarbeit schen Giraud und den Nordamerikanern, wo- mich de Gaulle in immer höherem Maße ausge- shcltet wird.

Casey in Washington.

Stockholm, 6. Ian. (Europapreß.) Der Lochsende Anteil, den die USA. in den letzten Mo-

Oer Gegensatz zu de Gaulle.

naten an der finanziellen und militäri­schen Durchdringung des Mittleren Ostens genommen haben, machte es für den bri­tischen Minister im Mittleren Osten, Casey, not­wendig, die schwierigen Versorgungsprobleme der dort-stationierten britischen und nordamerikanischen Truppen in Washington zu diskutieren. Ca­sey wurde von Staatssekretär Cordell Hüll emp­fangen. Später hatte er auch mit dem General- stabschsf der USA.-Armee^ General Marshall, eine Unterredung.

Der neue LlGA.-Kongreß.

Stockholm, 7. Jan. (DNB. Funkspruch.) Nach Meldungen aus Washington wurde in der Mittwoch­sitzung des Repräsentantenhauses der Demokrat N a y b u r n mit knapper Mehrheit von 217 gegen 206 Stimmen zum Präsidenten des Repräsentan­tenhauses wiedergewählt. Am Donnerstag wird die Kongreßbotschaft Roosevelts von ihm per­sönlich in beiden Häusern verlesen werden. In Par­teibesprechungen konnten Annäherungen zwischen verwandten Gruppen beider Parteien beobachtet werden. Während die liberalen Republikaner der Willkte-Austin-Gruppe, die zahlenmäßig nur gering ist, sich mit den New-Deal-Dernokraten auseinander­setzten, ist eine wichtigere neue Majorität in einer beide Häuser bindenden Querverbindung zwischen der Tast-Vandenberg-Gruppe, den konservativen Re­publikanern und den ebenfalls konservativen Demo­kraten der Südstaaten zu beobachten. Sie wird sich vor allem gegen die Bürokratie Washingtons und auch gegen die übersetzte Verwaltung Roosevelts aussprechen.

Angesichts der unruhigen Stimmung weiter Kreise des neuen USA.-Kongresies befürchtet die Regie­rung, daß sowohl im Senat wie im Repräsentanten­haus vor allem auch die skandalösen Unzulänglich­keiten und riesigen Kriegsgewinne zur Sprache kom­men, die bei einer Untersuchung der unbefriedigen­den Leistungen^ der Werften aufgedeckt wurden. So sollte die South Portland Shipbuilding Corpo­ration in 18 Monaten 84 Frachtschiffe liefern. In Wirklichkeit wurden nur acht Schiffe hergestellt. Der Reingewinn dieser Werst für die gleiche Zeit belief sich auf nicht weniger als 200 v. H. des Anlage­kapitals, Der Vertreter der Regierung, Admiral

Giraud in Westafrika.

Land, der bezeichnenderweise* in engsten persön­lichen Beziehungen zu dem Gründer der Gesellschaft steht, erklärte, die Werft sei nicht das einzige Bei­spiel für schlechte Bauleistungen. Der Mangel an erstklassigen Schiffswerften sei zu groß, als daß man drastisch gegen eine einzelne Firma vorgehen könne. Die Bethlehem-Werft Karny hat aus dem Bau von Arbeitshäusern ein Riesengeschäft gemacht, bei dem sie mehrere Millionen Dollar verdiente. Die Häuser waren sehr schlecht gebaut. In den Kellern stand das Wasser, die Dächer gaben nach wenigen Wochen nach, die Fußböden warfen sich, alle sanitären Ein­richtungen fehlten. Die Folge war, daß die Häuser überhaupt nur zur Hälfte bezogen werden konnten. Viele Arbeiterfamilien mußten notdürftig in Zelten und Baracken untergebracht werden.

Mac Millan in Algier.

Das britische Gegenstück zu Murphy.

Die englische Regierung hat nicht einen einfachen Gesandten nach Algier geschickt, sondern einen Mlnister, um dadurch von nherein den ame­rikanischen General Eisenhower und Roosevelts Gesandten Murphy in einen Nachteil der diplo­matischen Etikette zu versetzen. Als Minister steht der Brite M a c M i l l a n höher im Rang als der USA.-General und der USA.-Gesandte. Alle Welt wird über diesen Versuch Churchills, den Vorrang Großbritanniens sicherzustellen, den Kops schütteln. Die Pankees sind viel zu hemdsärmelig, als daß sie sich durch solche Kniffe des diplomatischen Zere­moniells von ihren bewußten Sonderwegen in Al­gier abbringen lassen würden. Aber das soll nicht unsere Sorge fein. Interessant sind nur noch fol­gende Zeilen, die dieTime s zur Ankunft Mac Millans in Algier schreibt:MacMillan hatte be­reits eine Besprechung mit General Eisenhower und seinem amerikanischen Gegenstück Murphy. Seine Ernennung ist eine Bürgschaft, daß die britische Regierung jetzt eine direkte Einsicht in eine politische Situation, die noch verwickelt und in mancher Hinsicht dunkel ist, haben und damit in der Lage sein wird, ihren Standpunkt über politische Fragen im Hauptquartier der Ar­meen Ausdruck zu geben. Trotz des Austausches von Freundschaftsbotschaften zwischen Giraud und de Gaulle muß eine Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Gruppen des französischen Kolonial­reiches noch erzielt werden." Die englische Ab­sicht, sich gegen den vorwaltenden Einfluß der Ame­rikaner in Französisch-Nordafrika zur Geltung zu bringen, geht aus diesen Sätzen derTimes" klar hervor.

Die USA. und die britische Kolonialpotitik.

Rom, 7.Ian. (Europapreß.) Auf Grund eines englisch-nordamerikanifchen Kolonialabtommens, das schon in seinen Grundzügen festgelegt sein soll, wer­den die englischen Kolonien gemischte Ver­waltungsräte erhalten, in denen d i e USA. neben England vertreten sein werden. Um dies Ab- kommn perfekt zu machen, fährt der bvitische Kolo­nialminister Oliver Stanley demnächst nach Wa­shington. Unter dem Vorwand der Verteidigung, der Ausnutzung der Rohstoffe und der Wirtschafts­entwicklung in den englischen Kolonien versuchen die USA. durch dieses Abkommen noch mehr Einfluß auf die koloniale Entwicklung des Empire zu erhal­ten. Dis jetzt sind solche Verwaltungsräte für die britischen Besitzungen in Asien, in Afrika und Zen­tralamerika vorgesehen.

3m Fangarm des Polypen.

Wie eine vorausgenommene Randglosse zu dem Weißbuch von Roosevelt und Hüll, die sich dem Ausland und Inland als brave Biedermänner des Friedens empfehlen, lesen sich Erlebnisberichte und Schlußfolgerungen, die der englische Schriftsteller Kingsley Martin in der Londoner Wochen» ZeitschriftNew Statesman and Natton" vom 26. Dezember veröffentlicht. Er zieht einen scharfen Querschnitt durch die Geistesverfassung führender Pankees: Für sie stehe die Herrschaft über den gegenwärtig geschaffenen Kriegsapparat und selbst­verständlich die Gestaltung des Friedens durch die erhoffte Vormacht der Vereinigten Staaten im Vor­dergrund. Er habe sich mit vielen amerikanischen Soldaten und Offizieren über eine englisch-amerika­nische Zusammenarbeit unterhalten, dabei aber fast in jedem Fall festgestellt, daß der Amerikaner stets nur aus Höflichkeit die Engländer erwähnte. Denn er glaube, die USA. könnten mit dem ganzen Krieg allein fertig werden. Eine Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien stelle sich deshalb vor dem geistigen Auge der Pankees so dar, als ob die Vereinigten Staaten in Wirklichkeit herrschen und nach Bedarf die Hilfeihrer Iran« bauten" in Anspruch nehmen. Solche Trabanten feien Großbritannien, Südamerika, Kanada und Australien.

Ueber die Sowjetunion könne man von USA.-Offizieren die Ansicht hören, daß eine Ueber» einfunft mit dem Bolschewismus nur zu einem neuen Krieg führe. Man dürfe die Sowjets nicht einfach machen lassen, was sie wollen. Der ameri­kanische Durchschnittsoffizier empfinde deshalb, daß fein Land im Augenblick des Friedensschlusses das Höchstmaß an militärischer Stärke erreicht haben müsse, damit Stalin nicht ungehindert die Welt nach seinen Vorstellungen umbilden könne. Es sei des­halb kein reines Hirngespinst, wenn kürzlich dis amerikanischen Blätter der Patterson-MacCornick« Gruppe für die Errichtung einer Militärdik­tatur in den Vereinigten Staaten am Ende die­ses Krieges plädiert. Der USA.-General Somer- well habe die Forderung nach einem 13-Mil- lionen-Heer ausgestellt: zwischen den Militär- und Zivilbehärden in Washington herrsche ständiger Streit. (Dieser Hinweis ist im Augenblick besonders aktuell, da das Weißbuch Roosevelts die Katastrophe von Pearl Harbour sehr tendenziös den amerika­nischen Militärbehörden einseitig zur Last legt, um Roosevelt und Hüll zu entlasten.) Den weitgehen­den Militarisierungsplänen Somerwells komme be­sondere Bedeutung zu, da er ein einflußreicher Mann sei. Kingsley Martin kommt zu dem be­merkenswerten Satz:Generale feines Schlages er­blicken in der heutigen politischen Konstellation eine einzigartige Gelegenheit für die Verwirklichung ihrer Gedankengänge. Sie wollen eine gewaltige Kriegsmaschine errichten."

Die ZeitschriftNew Statesman and Nation", die diesen Artikel von Kingsley Martin veröffentlicht, hat sich trotz ihres Alters den Ruf bewahrt, jungen Menschen oder Außenseitern ihre Spalten zu öffnen. Das zwingt zu einer gewissen Zurückhaltung. Aber die Zukunftsprognose, die Kingsley Martin stellt, steht auch gar nicht zur Erörterung. Im Augenblick interessiert nur die überhebliche Wurstigkeit, mit der die Amerikaner, die den Roosevelt-Kurs mitmachen, sich als die Herren der Welt fühlen, obwohl die ersten dreizehn Monate, in denen die USA. Krieg führen, zu einem solchen krassen Optimismus kei­nen Anlaß geben. Eine bestimmte Geisteshaltung tritt uns hier in einer ganz eigenartigen und eigen«

Dänemarks Sonderstellung.

Von unserem H. E. G.-Berichterstatter.

Kopenhagen, irn Dezember 1942.

Das wichtigste politische Ereignis des Jahres 1942 war für Dänemark der Tod des Ministerprä­sidenten Thorwald Stauning. Von Hause aus So­zialdemokrat, hatte Stauning etwas von einem alten Wickinger. In den letzten 15 Jahren war er die tragende Figur in der dänischen Politik, von allen Parteien, auch von seinen polit'!schen Gegnern, an­erkannt. Seine Ruhe und Sicherheit hat Dänemark vor manchem bewahrt. Sein Nachfolger, der Fi­nanzminister Buhl, konnte sich nur fünf Monate behaupten. Es war Staunings Wirklichkeitssinn und nicht zuletzt der tatsachennahen Weisheit des Königs zuzuschreiben, daß Dänemark seit der Besetzung am 9. April 1940 eine Sonderstellung einnimmt, die feinem anderen Lande beschieden ist.

Dänemarks staatsrechtliche Stellung wird oft ver­kannt. Zwar befinden sich deutsche Truppen im Lande, doch ist Dänemark kein besetztes, sondern ein beschütztes Land. Das bedeutet, daß die deutschen Truppen den Schutz des Landes gegen äußere Ge­fahren übernommen haben, für den das kleine Dänische Kadre-Heer nicht in der Lage gewesen wäre. Indessen hat die dänische Regierung die volle Sou­veränität im Lande. Der deutsche Militärbefehls­haber hat nur insofern Einfluß, als militärische Be­lange in Frage kommen.

Dänemark ist dem Antikominternpakt beigetreten und arbeitet dementsprechend mit den änderen Mächten des neuen Europas zusammen. Auf der an­deren Seite hat Dänemark seine Kolonie Grönland und das Kondominium Island an England und die USA. verloren. Große Werte für dänische Ver­hältnisse sind auf angelsächsischem Boden in­vestiert. Viele dänische Familien haben verwandt­schaftliche Beziehungen nach England und vor allem nach den USA. Hierin liegen gewisse psychologische Schwierigkeiten begründet.

Die einzigartige staatsrechtliche Stellung gewähr­leistet Dänemark einen höheren Lebensstandard als irgendeinem anderen Lande Europas. Zwar sind einige wichtige Lebensmittel rationiert, manche Waren kaum noch käuflich zu erwerben und es ist der Wert des Geldes gesunken, ohne daß die Löhne gestiegen wären. Aber viele andere Waren z. B. Fleisch sind nicht rationiert und es gibt eine

große Menge Ausweichwaren. Es ist daher bedauer­lich, daß die dänische Bevölkerung ihre Vorzugs­stellung nicht mehr würdigt. Man steckt noch zu tief in den Vorstellungen der Vorkriegszeit und die alten Parteien spielen immer noch eine verhältnismäßig große Rolle.

Nach dem harten Winter und einem ungünstigen trockenen Vorsommer geriet die Ernte dennoch über Erwarten gut. Der Landmann war zufrieden, die Industrie arbeitete voll, großenteils an deutschen Aufträgen. Plötzlich verursachten Vorgänge, die auf den angedeuteten Dualismus der dänischen Auf­fassung über die Stellung zu Europa und zur übri­gen Welt zurückzuführen sind, eine Regierung s- k r i s i s. Ein Wechsel in der Person des Bevoll­mächtigten des Deutschen Reiches und des Befehls­habers der deutschen Truppen in Dänemark ging voraus. Die Regierung Buhl trat zurück und wurde durch eine Regierung Scavenius ersetzt, die mehrere alte Minister beibehalten hat, aber doch einige neue Köpfe zeigt, welche nicht dem Parla­ment angehören. Das Parlament hat sich durch ein Ermächtigungsgesetz, das der Regierung freie Hand in vielen Stücken gibt, in weiser Selbstbescheidung, zeitweilig ausgeschaltet.

Es gärt geistig und politisch im dänischen Volk, wie in den Völkern des übrigen Europas. Man ist ungewiß, ob die alten Formen für das neue Leben und für die künftigen großen Veränderungen aus- reichen. Es gibt Dänen, die glauben, nur aus Eng­land und Amerika sei das Heil zu erwarten. Es gibt aber auch Dänen, die ernsthaft mit Deutsch­land Zusammenarbeiten wollen. Wieder andere Dä­nen blicken erwartungsvoll auf den Führer der- Nischen Nationalsozialisten Fritz Clausen. Dieser hat sich bei der letzten Regierungskrisis zurückgehal­ten, und fein Organ Faedrelandet steht auch zur Regierung Scavenius in Opposition.

Je härter der Krieg Europa anfaßt, um so härter wird auch das Leben in dem friedlichen und unbe­rührten Dänemark roerbtn. Die ungeheuren Erd­stöße, die den Kontinent erschüttern, können auch Dänemark nicht unberührt lassen, auch wenn die Mehrzahl der Dänen gar zu gern als Zuschauer am Rande der Dinge bleiben möchte.