Ausgabe 
6.4.1943
 
Einzelbild herunterladen

Dienstag,6. AprttMZ

Annahme von Anzeige« für die Mittaasnummer bis 8'i Ubr desSormittagS

Anzeigen-Preise:

Anzeigenteil 7 Rvi. te mm bei 22 mm Zeilenbreite, Textteil 50 Rvf. je mm bei 70 mm Zeilenbreite

Nackläfte:

WiederholungMalstaffeH AbscblüsseMengenslaffelS Platzvorschrift t vorherige Vereinbarung) 25°.mehr

(95. Jahrgang Nr. 8t Erscheint täglich, außer Lonntags und feiertags

Beilagen:

Gießener ivamilienblatter Heimat imBild- DieScholle

Bezugspreis: Monatlich..... RM. 1.80 Zustellgebühr... -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsprechanschluß 2251 Drahtanschrift:Anzeiger" Pomcheck 1168k F-rankf.M.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen «irtzkN.^chuNlratzt 7-9

Mit geballter Krast.

Die Natur selbst gibt uns Beispiele genug, was plötzl.ch zusammengeballie Kräfte auszurichten ver­mögen. Der gleiche Fluß, der sich eben noch gemäch­lich dahinschob, wird in der engen Schlucht zu einer ungeheuren Energie. Das Staubecken einer Tal­sperre nimmt winzige Rinnsale auf und entwickelt von kluger Hand gelenkt doch die Kräfte eines Titanen. Das gleiche Meerwasser, das sich im Som­mer die Kinder um die Ohren spritzen, vermag, vom Sturm bewegt und in einer Richtung gelenkt, meter-' starke Mauern einzureißen. Daß der Mensch diese Gewalten zu lenken und zu nutzen wußte, zeigt ihn in seinen tüchtigsten Pionieren als gelehrigen Schü­ler dieser Naturerscheinungen.

Wenn mir heute immer wieder die Forderung nach der Zusammenfassung aller menschlichen Kräfte in unserem Volke hören, dann sind wir alle von der Notwendigkeit überzeugt/ ohne doch immer das Wie" ganz klar und unmißverständlich vor Augen zu haben. Wir wissen zwar, daß der Wert der Ein- zelleistung in der Gemeinschaft bedeutend sein muß, und daß wir uns strecken müssen, um mit der Zeit und ihren Verpflichtungen Schritt zu halten, aber zu einer klaren Bilanz der eigenen Kräfte sind viele noch nicht gekommen. Uw so nötiger ist es, das ehe­stens nachzuholen.

Die Härte der Zeit aber ist der beste Arzt, einmal mit Rückständen aufzuräumen. Wieviel Menschen kennen wir nicht, die zum Beispiel darüber fingen, daß ihnen vor lauter Geschäftigkeit gar keine Zeit bleibe, dieses oder jenes Vordringliche zu erledigen. Erinnern wir uns nur daran, daß gerade der Be­griffTempo, Tempo" in feiner sinnlosen lieber» treibung typisch liberälistisch ist.

Wir brauchen dem nur gegenüberzustellen, was gerade die Größten unter den Deutschen in einem Leben zustandebrachten. Ein Bach hat Sonntag für Sonntag eine neue Kantate geschrieben, eine schö­ner als die andere, und die Zahl feiner Konzerte

und Divertimenti, feiner kleinen und großen Schöp­fungen' geht ins Unermeßliche. Das Lebenswerk eines Goethe ist kaum in fünfzig Lexikonbände zu fassen und ward doch achtsam und ordentlich, Stück für Stück wirklich erarbeitet, gefeilt und vollendet. Man trage einmal die Akten zusammen, auf denen der persönliche Federzug des großen Preußenkönigs verbessernd, entscheidend, lenkend und ordnend sicht­bar wird.

Wir hören den Einwand, das seien nun eben geniale Männer, und mit ihnen könne man sich doch nicht gut messen. Sicher ist der Genius ein unerreichbares Vorbild, aber daß er im besten ©inne eben Vorbild ist' und fein muß, daran haben wir allzu oft vorbeigesehen. Auch wir können mit unseren Kräften haushalten, können unsere Energie ins Ungemeffene steigern, indem wir alles befeiti» gen, was sie hemmen kann. Unproduktiver Kräste- verschleiß und Zersplitterung lassen sich im letzten nur befeitigen, wenn jeder bewußt an sich mitar­beitet. Wer alles von sich weist, was in diesen Zei­ten seine Kraft unnütz beansprucht, der ist einen guten Schritt weiter.

Diele haben schon von derOefonomie der Kräfte" gesprochen mit einem ehrfürchtigen Schauer; es ist aber im Grunde ganz einfach. Was uns die Natur Tag für Tag vor Augen stellt, das sollen wir bewußt auf uns anwenden und treu, tapfer, unverzagt alles hingeben, damit die deutsche Sen- duna erfüllt werde. Gelenkte Kraft ist doppelte Kraft, geballte Kraft ist verstärkte Kraft, das gilt für jeden, wo er auch heute stehen mag.Glück hat auf die Dauer nur der Tüchtige", so hat uns der Führer oft genug, gemahnt. Tüchtig aber ist nur der, der sich seiner.eigensten Energien bewußt ist, der alles auf ein großes Ziel abstellt und in seinem Haus schon durchführt, was in der Gemeinschaft un­abdingbare Voraussetzung des Sieges ist.

Dir roiffen, daß wir unser eigenes Leben nicht achten dürfen, wenn es um das Leben der Nation geht. Dr. Goebbels.

Sowjetische Angriffe gegen den Kuban-Brückenkopf zerschlagen

Es war vorauszusehen, daß die Bolschewisten ver­suchen würden, nach dem von ihnen gemeldeten Ab­schluß der Winterschlacht doch noch einige größere Vorteile zu erringen, bevor der Frühsommer mit seinen völligen Ungewißheiten auf den Plan tritt Betrachtet man den Gesamtverlauf der deutschen Stellungen im Osten, so erkennt man unschwer, daß der Kuban-Brückenkopf für den Feind eine der unangenehmsten Positionen darstellt. Es läßt sich leicht erraten, daß den Sowjets viel daran ge­legen sein muß, den Hafen von Noworossijsk wieder für sich nutzbar zu machen. Am liebsten wäre es ihnen selbstverständlich, ro^nn sie den gan­zen Brückenkopf ausräumen und wieder m ihren Besitz bringen könnten und wenn sie dann wieder >die Straße von Kertsch beherrschten, um die Möglichkeit eines Einfalls auf die Halbinsel Krim zu gewinnen. Man darf der bolschewistischen Führung ohne weiteres zutrauen, daß sie mit so weit gesteckten Zielen in die größere Aktion ein ge­treten ist, die jetzt offenbar am Kuban-Brückenkopf "ihren Anfang genommen hat.

So wenigstens muß voraussichtlich die Mitteilung Des OKW.-Berichtes vom Montag gedeutet werden, Daß der Feind am Kuban-Brückenkopf wiederum unit starken Kräften angegriffen bat. Anscheinend !haben sich die Witterungs- und damit die Wegever- chältnisfe an diesem südlichsten Teile der Ostfront in- Zwischen schon so weit gebessert, daß größere For- rmafioroen in den Kampf geführt werden können. Al­lerdings haben diese Angriffe bisher für den Feind mur Enttäuschungen gebracht. Sie sind mit hohen Verlusten für den Gegner abgeschlagen worden. Bei «der Verteidigung der Stellung des Kuban-Brücken- lopfes haben sich auch rumänische Truppen wieder hervorragend geschlagen^ Damit hat sich die Waffen­brüderschaft zwischen Deutschen und Rumänen, die in diesem Kriege schon so viele hervorragende Pro- tben ihrer Bewährung geliefert hat, aufs neue ge- ieftigt. Die Verteidigung des Kuban-Drückenkopfes steht, und es ist anzunehmen, daß der Gegner, wenn sr seine Angriffsversuche wiederholt, auch weiterhin mit blutigen Köpfen heimgeschickt werden wird.

Die Kampfhandlungen an den übrigen Teilen der Ostfront haben einen vergleichsweise geringeren Umfang gehabt. Weiter nördlich sind offenbar die Wegeverhaltnisse noch derart, daß sich größere Ope­rationen von vornherein verbieten. Man wird ab­warten müssen, was der Feind an strategischen Plänen für die kommenden Wochen vorbereitet hat. Eines wird er allerdings nicht erreichen: Es wird -hm nicht gelingen, die deutschen Pläne für den -ommenben Sommer zu stören. Die deutsche Ver­teidigung hat die nunmehr konsolidierten Stellun­gen an der ganzen Ostfront fest in der Hand und sst bereit, den Gegner zurückzuschlagen, wo immer

er anzugreifen sich anschickt. Daß unsere Grena­diere aber auch heftig zuzuschlagen wissen, wenn es gilt im Gegenstoß die Stellungen zu verbessern, das beweisen sie immer wieder an ollen Abschnitten der Front. Der deutsche Soldat, der diesen harten Winterkampf, wenn auch unter manchen Zwischen­fällen, durchgestanden hat, hat sich das Bewußtsein seiner Ueberlegenheit auf der ganzen Linie be­wahrt. Er wird es zu gegebener Zeit sehr tatkräftig zur Geltung bringen.

Oer Wehrmachtbericht.

DVV. Aus dem Führerhauplquarkier, 5. April. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die Sowjets traten gestern mit mehreren Divi­sionen zu dem erwarteten Angriff gegen die Ost­front des Kuban-Brückenkopfes an. Die immer von neuem vorgetragenen, von starker Artillerie und vielen panzern unterstützten Angriffe wurden unter hohen feindlichen Verlusten an Men­schen und Material durch deutsche und rumänische Truppen zerschlagen. Die Kampfe dauern noch an.

Ein eigenes Angriffsunlernehmen östlich Orel verlief erfolgreich. An der übrigen Ostfront nur südlich des Ilmensees und vor Leningrad lebhaftere örtliche Kampflaligkeit.

An der tunesischen Front verlief der Tag bei örtlicher Späh- und Stoßtrupptätigkeit ruhig.

Die Luftwasfe bekämpfte mit starken Kräften feindliche Fahrzeug- und panzeransammlungeu. Deutsche Jager errangen acht Luftsiege. Kampfflug­zeuge griffen im Seegebiet von V o u g i e ein gro­ßes feindliches Frachtschiff an und beschädigten es schwer.

Ein gemischter britisch-nordamerikanischer Ver­band griff am gestrigen Tage das Gebiet von Pa­ris an. Durch Bombentreffer in Wohnvierteln, städtischen Anlagen und auf Sportplätzen bet Stadt hatte die Bevölkerung mehrere hundert Tote und verletzte. Bei diesem Terrorangriff und anderen Vorstößen des Feindes gegen die besetzten west- gebiete und Vorwegen wurden 19 Flugzeuge ab- i geschossen. Drei eigene Flugzeuge gingen verloren.

In der vergangenen Nacht warfen britische Flug­zeuge planlos Spreng- und Brandbomben vorwie­gend auf offene Landgemeinden des norddeutschen Küstengebietes. Zehn der angreifenden Bomber wurden durch Nachtjäger und Marineflak zum Ab­sturz gebracht.

Mordbrenner über Paris.

Wenn das britische Mordbrennergesindel von Zeit 4U Zeit mit der Miene der unschuldig Verfolgten sich bitter beklagt, daß man ihm zu Unrecht vor- merfe, daß es mit Absicht und kalter lleberiegung Kultur« und Wohnstätten des deutschen Volkes an- ireife, und die nordamerikanische Luftwaffe ebenso Heuchlerisch in diesen Kantus mit einstimmt, dann weisen wir Deutschen mit der ganzen Verachtung, »ie eine ehrlich kämpfende Nation für feige Mord- Mschläge und deren Urheber hat, aus die unzähligen Rutschen Kulturstätten hin, die weit ab von jeder Ünsiedlung oder jedem militärisch wichtigen Objekt, '«ennoch Ziel der britischen Bombardements geroor» ten sind. Der Versuch der Zerstörung der Grab- ^ätte Bismarcks, tief im Sachsenwalde gelegen, und "es Gartenhäuschens Goethes inmitten eines Par­kes, der Angriff auf den Park von Sanssouci und «me Gebäude, die Bombardements ungezählter em.

zelstehender Krankenhäuser, Sanatorien, Bauern- gehöfte usw. illustrieren aufs beredetste, was es mit all den Beteuerungen der Briten und auch der nord- amerikanischen Mordbuben, nur militärische Ziele anzugreisen, und nur ausZufall" nichtmilitärische Objekte zu treffen, auf sich hat.

Nun haben sich vergangenen Sonntag, und zwar am frühen Nachmittag bei bestem Licht und bester Sicht also diesmal britische und nordameri­kanische Mordbrenner einen Terrorangriff geleistet, der wieder einmal die Absichten und Zielsetzungen der vereinigten Mordgeschwader der Briten und Nankees aufweist.Das Wetter war klar, und das Ziel wurde schwer und genau bombardiert" s o meldete Reuter über diesen reinen Mord- anschlag, der sich diesmal gegen das Gebiet und insbesondere gegen zwei Sportplätze von Paris richtete. Auf beiden Plätzen eine Pferderennbahn

Kriegswirkungen in -er südamerikanischen Wirtschaft.

Von unserem ew.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Buenos Aires, April 1943.

Wenn man von der südamerikanischen Wirtschaft spricht, denkt man in erster Linie an das Wirt­schaftsleben der sog. ABC-Staaten Argenti­nien, Brasilien und Chile. Denn in ihnen ist die Entwicklung so weit gediehen, daß sie selb­ständig die naturgegebenen Kräfte ihres Landes entfalten könnten. Nur bei einer solchen Sachlage läßt sich über Kriegswirkungen reden, weil sie eine Auseinandersetzung darstellen zwischen fremden Ein­flüssen und den Erfordernissen sowie den Bedingt­heiten des jeweiligen Landes. Selbstverständlich sind sie verschieden nach der Leistungsmöglichkeit wie nach der Richtung der bisherigen wirtschaft­lichen Beziehungen. Die Rangordnung der ABC- Staaten wird gewissermaßen durch die Reihenfolge der Buchstaben bestimmt.

An der Spitze marschiert Argentinien. Bei ihm läßt sich auch gleich das Grundsätzliche über die Kriegswirkungen abwandeln. Diese richten sich hauptsächlich nach den Wirtschaftsbeziehungen des jeweiligen Landes zu Europa. Die Eigenleistung steht erst an zweiter Stelle. Ein solcher Zustand ist bei der herrschenden Kriegslage verständlich. Aus der einen Seite versucht England das Gebiet der Achsenmächte zu blockieren, auf der anderen be­drohen deren U-Boote die Verbindungswege der Engländer und Amerikaner und fügen ihrer Schiff­fahrt ständig wachsende Verluste zu. In beiden Fällen werden die südamerikanischen Staaten mehr oder minder stark betroffen. Der Hauptleidtragende ist dabei Argentinien. Denn 75 v. H. seiner Ausfuhr ging nach Europa und 50 v. H. seiner Einfuhr bezog es von dort. Bei diesen Ziffern ist zu beachten, daß der von den Achsenmächten in Europa kontrollierte Raum im Frieden insgesamt nicht sehr viel mehr Waren aus Argentinien bezog als Großbritannien allein. Diese Tatsache wird verständlich, wenn man berücksichtigt, daß Argen­tiniens Ausfuhr in der Hauptsache in Getreide, Fleisch und Fellen bestand, für die Europa als Großabnehmer allein in Frage kommt, während die USA. darin Selbstversorger sind und infolge­dessen in der argentinischen Ausfuhr auch nur mit 8 v. H. erscheinen. Bei der Einfuhr ist dieses Ver­hältnis für die USA. beträchtlich günftiger, aber im Vergleich zu Europa doch bescheiden. Man darf also von dieser Seite keine Erleichterung für den argentinischen Markt erwarten. Vielmehr ist zu betonen, daß die Ausfuhr von Argentinien in die Gebiete der Achsenmächte so gut wie ganz fort» fällt, und daß diejenige noch Großbritannien unter dem scharfen Druck der U-Boote^ steht.

Für die argentinische Wirtschaft find beide Mo­mente gleich hart, wenn sie auch wertmäßig einst­weilen noch nicht in Erscheinung treten. Aber die Tatsache bleibt doch bestehen, daß die Ausfuhrmenge

1942 derartig zurückgegangen ist, daß sie nur noch 5,3 Mill. Tonnen betrug und als die niedrigste in den letzten zehn Jahren anzusprechen ist Die Ge» fahren, die in einem solchen Zustand für die Finanz­gebarung des ganzen Landes liegen, können zunächst nur angedeutet werden, jedoch die Regierung hat sie erkannt und trifft Gegenmaßnahmen. Die wich­tigste davon sieht man in der Förderung der Industrie und des Gewerbes, teils durch Neuanlagen, teils durch Erweiterung der bestehenden Einrichtungen. Bei Gleichsetzung der Wertfaktoren wurde errechnet, daß seit 1939 die argentinische Ge­samterzeugung um 20 v. H. gestiegen ist. Dabei stellte sich heraus, daß 1942 die von Industrie und Gewerbe geschaffenen Werte nicht nur eine Ver­doppelung erfahren hatten, sondern auch nahe­zu an die Werte der Landwirtschaft heran kamen. Die feit 15 Jahren betriebene JndustrialisiePpng ver­setzt also jetzt das Land in die Lage, aus eigener Kraft seine Wirtschaft aufrecht zu erhalten. Natür­lich geht das nicht ohne die Opfer, die sich aus der Eins uhrvermind erung ergeben und manchmal als recht schmerzhaft empfunden werden.

Brasilien befindet sich in einer etwas gün­stigeren Lage als Argentiniern Es ist nur zu 50 o. H. in seiner Ausfuhr nach Europa gerichtet. Ande­rerseits gewähren ihm das ttopische Klima und seine Bodenschätze Vorzüge, die gerade in einem Krieg recht in Erscheinung treten. Dabei braucht es nicht einmal nach neuen Kunden Ausschau zu halten. Die USA. waren schon vor dem Kriege nächst Europa sein bester Kunde, jetzt stehen sie an erster Stelle^ Die tropischen Erzeugnisse, voran Kaffee und Kaut­schuk, finden in Nordamerika bereitwillig Auf­nahme, da die Märkte in Ostasien seit Japans Sie­geszug über Jnsulinde versperrt sind. Brasilien tritt auch nicht nur als Lieferant von hochwertigen Eisen­erzen auf, es führt sogar schon Gußeisen aus und ist überdies dabei, eine nationale Schwerindustrie großen Stils aufzuziehen. Mit diesem Schritt kann nicht nur die Wirtschaft Brasiliens, sondern auch der ganze süd amerikanische Handelsaustausch auf eine neue Grundlage gestellt werden.

Chile weih sich im Besitz gewaltiger Kupfer- lager, die seiner Wirtschaft im Augenblick eine be­achtliche Wichtigkeit geben. Zeichen dafür ist der Umstand, daß seine Kupseraussuhr bereits 60. v. H. seiner Gesamtausfuhr ausmacht. Doch ist dabei zu bemerken, daß diese sich überaus einseitig nach den USA. entwickelt hat, während die Handelsheziehun- gen mit der übrigen Well stark zurückgegangen sind. Darin liegt einmal schon eine Gefahr, zum andern aber auch in dem Umstand, daß gerade das Stupfer der Hauptträger seines wirtschaftlichen Aufschwunges ist. Kupfer ist aber nach den Erfahrungen der Ver­gangenheit eines der labilsten Elemente der Weltwirtschaft. Hiernach liegt der Verdacht nahe, daß Chile höchst wahrscheinlich nicht über die Rolle

der eine, die gerade an diesem Sonntag ihre Rennsaison eröffnete, ein Fußballplatz der andere, aus dem eine Veranstaltung zugunsten der fran­zösischen Kriegsgefangenen stattfand waren Tau- sende von Zuschauern versammelt. Die Verluste der französischen Zivilbevölkerung waren demgemäß schwer. Mehrere hundert Tote und Verletzte wurden gezählt.

Es gab eine Zeit, wo sowohl die Briten als auch in ganz besonderem Maße die Nordamerikaner sich nicht genug tun konnten, ihre französischen Ver­bündeten in wahren Lob- und Schmeichelgesängen in den Himmel zu heben. Nun diese französischen Verbündeten aber ihren schweren Blutzoll für die Sache der Alliierten entrichtet haben und ihnen diese noch obendrein ihr Kolonialreich raubten, nun sind Bomben auf die französische Zivilbevölkerung Lohn und Dank der britisch-amerikanischen Mord­brenner.

Oie Opfer des Terror-Angriffs

Paris, 5. April. (Europapreß.) 252 Tote be­trug ant Montagvormittag die Zahl der Opfer des englisch-nordamerikanischen Luftangriffes auf Pa­ris. Die Pariser Polizeipräfektur erklärte, daß mit einem weiteren Anwachsen der Zahl der Todes­opfer gerechnet werde nmüsse. Die Zahl der Ver­letzten beträgt 700, hierunter befinden sich 115 Schwerverletzte. In der Nacht zum Montag waren 67 Schwerverletzte in den Krankenhäusern ge­storben.

Die am meisten heimgesuchte Gemeinde ist Boulogne-sur-Seine, wo allein 55 Bom­ben fielen, 29 Häuser zerstört und 63 Häuser schwer beschädigt wurden. In Suresne sind 4 Bomben auf Wohnviertel gefallen. Außerdem wurde die bekannte Parfümfabrik Coty zerstört, lieber die schrecklichen Folgen des Bombenwurfs auf eine Station der Pariser Untergrundbahn berichtet ein Augenzeuge in der Zeitung,La France Socialiste": Hunderte von Personen hotten sich beim Alarm in den Eingang einer U-Bahn-Station ge­flüchtet. Die Station erhielt jedoch einen Voll­treffer, so daß die Wände zusammenstürzten. Die Feder sträubt sich, das Entsetzen zu beschreiben, das sich unseren Augen darbot. Zerrissene menschliche Körper lagen überall auf den Treppen ober hingen in den Aesten der nächsten Bäume. Es gibt kaum einen Toten, der nicht zerstückell ist." In einer anderen U-Bcchn-Stotion hat eine Bombe die Decke durchgeschlagen, wobei zehn Reisende ums Leben gekommen sind. Auch in einem Kino gab es zehn Tote und zahlreiche Verletzte. Ein Mütterheim ist dem Erdboden gleichgemacht, lieber die Panik a u f dem Rennplatz von Longchamps berich­tet imMatin" ein Augenzeuge, daß die Jockeys gerade aufgesessen waren, ols die ersten Bomben herabstürzten. Ein Tell der Menschen floh, um sich in Sicherheit zu bringen, andere blieben wie. ge­

bannt auf ihren Plätzen stehen. Wenige Minuten später kam eine Gruppe von Verletzten heran, deren Gesichter und Anzüge mit Blut beschmiert waren.

Englisch-nordamerikanische Luftwaffe mordet Pariser Sonntags-Spaziergänger",Luftmörder operierten über Groß-Paris", mit solchen Schlagzeilen nimmt die Pariser Presse Stellung zu dem Terror an griff.Wer das mit angesehen hat, kann weder seinen Schmerz noch seinen Haß zu­rückhatten", schreibtLa France Socialiste". Die ZeitungAujourdHui" spricht von einerMischung aus Scham und Grauen, Verblüffung und Ent­rüstung", die Attentate Hervorrufen, die die Fahne der Vereinigten Staaten mit untilgbarem und blu­tigem Schmutz besudelten.

Eine Rundfunkansprache Marschall P6tains.

Vichy, 5. April. (^)RB.) Der französische Staats­chef, Marschall Petain, hat am Sonntagabend über den Rundfunk eine Ansprache an das französische Volk gehalten, in der er betonte, daß die für den Krieg und die Niederlage Verantwortlichen ins Ausland geflohen seien, während er in Frankreich geblieben sei. Jetzt versuchten die Rebellen, die untereinander wegen Kommandostellen und Posten streiten, das frühere Regime, das das Land ins Unglück gestürzt habe, zu rehabilitieren. Aber die Methoden und die Männer, die Frankreich dem Untergang preisgaben, könnten ihm sicherlich nicht feine ehemalige Größe zurückgeben. Wenn der Friede, den jene schlechten Franzosen erwarteten, Frankreich zu den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Gewohnheiten der Vorkriegskreit zurück- führe, bann werde sich Frankreich beftimmt nicht wieder erheben. Wenn die kommunistische Barbarei triumphieren sollte, werde sie für immer die fran­zösische Kultur und die nationale Unabhängigkeit vernichten. Am Schluß seiner Rede gedachte der Staatsches der Opfer der britischen und noroameri* konischen Terrorangriffe in Frankreich und erklärte, daß er gegen diese Handlungen, die durch nichts gerechtserttgt seien, proteftiere, die Familien der unschuldigen Opfer sollten seiner tiefsten Trauer und Anteilnahme gewiß sein.

Terrorangriff ans südiialienische Städte

Rom, 5. April. (DNB.) Der italienische Wehr­machtbericht vom Montag gibt bekannt, daß Neapel, Svrakus, Palermo und Carloforte von feindttchen Flugzeugen angegriffen wurden, die in den beiden erstgenannten Städten bettächtliche Schäden an öffentlichen und privaten Gebäuden anrichteten. In Neapel sind 221 Tote und 387 Verletzte, in Syra­kus 4 Tote und 20 Verletzte, in Carloforte 12 Tote und 30 Verletzte zu beklagen. Vier feindliche Bom­ber wurden zum Absturz gebracht.