eines Kriegsgewinnlers hmauskommen wird. Andererseits kann nicht verschwiegen werden, daß die angelsächsischen Mächte diesseits und jenseits des Atlantik selbst in höchster Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung in Südamerika sind. Der Krieg b-ahnt Selbstversorgungsbestrebungen hier in einem Maße an, die aus die Dauer keine Macht der Welt mShr zurückhalten kann, weil sie sich unmittelbar auf Naturgesetze und natürliche Forderungen gründen.
Massenumsiedlung brasilianischer Arbeiter.
S to ck h o l m, 6. April. (DNB. Funkspruch.) United Preß meldet aus Ceara: Zehntausende von Arbeitern würden aus den Nordstaaten zu Arbeiten in den eben eingerichteten Gummiplantagen im südlichen Amazo nasgeb iet geschickt. Die Reise von Ceara in' die Plantagen umfasse mehr als 2000 Kilometer und nehme ziemlich lange Zeit in Anspruch. Hauptsächlich würden indianische Arbeiter eingesetzt, da sie das F ie- berklima dieser Gebiete am besten ertrügen und außerdem von einer kleinen Ration Manioka und Mais leben könnten.
Oer Sowjet-Anschlag auf die Meerengen.
Enthüllungen eines bulgarischen Ministers.
Sofia, 5. April. (Europapreß.) „Die Regierung der Sowjetunion hat bereits Ende 1940 Bulgarien aufgefordert, ihr in einem von ihr geplanten Krieg gegen die Türkei Hilfe zu leisten", erklärte der bulgarische Bautenminister Dimitar Wassileff in einer Rede. Der Sowjetdiplomat Sobolew sei damals mehrmals an Bulgarien herangetreten und habe es auf gefeiert, der Sowjetunion militärische Stützpunkte in den bulgarischen S ch w a r zm e e r h ä f e n abzutreten. Bulgarien sollte als Gegenleistung Thrazien erhalten. Dafür habe die Sowjetunion Unterstützung bei dem von ihr gegen die Türkei geplanten Krieg verlangt. Dieser Krieg sollte zur Besetzung der Dardanellen urtb des Bosporus durch die Sowjets führen.
Bulgarien, so erklärte der Minister, habe die Dorschlage der Sowjets natürlich a b g e l e h n t, denn es habe keinen Anlaß gehabt, mit der Türkei, mit der es durch einen Freundschaftspakt verbunden fei, Krieg zu führen. Außerdem habe Bulgarien noch zu deutlich das Schicksal der baltischen Staaten vor Augen gehabt, um zu vergessen, was es heiße, sich mit den Sowjets einzulassen.
Ganiiäisunierstand im Abwehrkampf.
Berlin, 5.April. (DNB.) Während der jüngsten Abwehrkämpfe im Raum nordwestlich Orel gelang es vier Sowjetpanzern mit ausgesessenen. Schützen, unter Ausnützung eines Schneesturmes die deutschen Stellungen zu durchfahren und bis nach einer von zwei Aerzten betreuten Verwundetensammelstelle vorzudringen. Die Bolschewisten eröffneten das Feuer, und die Granaten der Panzer schlugen rings um den Sani- tätsuNterstand ein. In 200 Meter Entfernung saßen die bolschewistischen Schützen von den Panzern ab und gingen zum Angriff gegen den Sanrtätsunter- stand vor.
Zum Schutz der Schwerverwundeten nahm nun der Oberarzt mit einigen Leichverwundeten die Abwehr aus. Die kleine Kampfgruppe schoß, was die Gewehre hergaben. 16 der anstürmenden Bol- schewisteir wurden tödlich getroffen. Trotzdem konnte das Schiasal des Verbandsplatzes nicht zweifelhaft fein. -Immer näher kamen die Panzerkampfwagen den wenigen Verteidigern. Doch im letzten Augenblick stürzten die Grenadiere des Stellungsbataillons heran, riegelten die feindliche Stoßgruppe ab und drückten sie im Nahkampf zurück. Noch während der Gegenstoß im Gange war, konnten aste Verwundeten, die währenddessen von dem zweiten Truppenarzt betreut wurden, guf Schlitten zurückgeführt und geborgen werden.
Kleine politische Nachrichten.
Ein im Atlantik operierendes italienisches U-Boot versenkte den griechischen Dampfer „Granicos" von 3000 BRT., der eine für England bestimmte Ladung Schwefelkies an Bord hatte, und den englischen Dampfer „Celtic Star" von 3000 BRT.
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Der Chef der belgischen Rexisten-Partei, Leon D e g r e 11 e , ist wieder an die Ostfront ab gereift. In einer Ansprache erklärte er, daß Wallonen und Flamen sich gleichermaßen zur germanischen Gemeinschaft bekennen.
Glück auf, Renate!
Roman von Ernst Grau.
40. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
,^)err Vorsitzender", wirft der Staatsanwalt hier ein, „nach dem, was wir hier bisher gehört haben, bin ich der Meinung, daß wir mit der Vereidigung der Zeugen bis zum Schluß der Beweisaufnahme warten."
Der Richter nickt. \
„Das Gericht ist der gleichen Ansicht, Herr Staatsanwalt."
Während dieses kurzen Wortwechsels ist Terbrüg- gen eingetreten. Mit einem prüfenden Blick auf die Plätze des Angeklagten, der Zeugen und Zuhörer geht er rasch auf den Tisch des Richters zu.
Zunächst Ihre Personalien: Robert Terbrüggen, ^>ohn des Hamburger Großkaufmanns gleichen Namens, geboren am 13. Dezember 1888 in Blankenese bei Hamburg. Zur Zeit Direktor der Zeche Hammerkott."
,Za." <
Bei dieser Antwort gilbt es auf der ersten Bank im Zuhörerraum zwischen Walter Hammerkott und Thora Kersten wieder ein lebhaftes Geflüster, das der Vorsitzende mit einem rügendem Blick beendet.
,Ljon der Verteidigung wird soeben die Behauptung aufgestellt, Herr Zeuge, daß zwischen Ihnen und Ihrem Sekretär Meinders ernsthafte Differenzen bestanden. Wollen Sie sich bitte dazu äußern."
Terbrüggen sieht verwundert aüf. Als erste Frage hat er eigentlich etwas anderes erwartet. Aber er stellt sich rasch um.
„Davon kann wohl nicht die Rede fein, Herr Landgerichtsrat. Es hätte ja auch durchaus bei mir gelegen, mich in einem solchen Falle von einem ungeeigneten Mitarbeiter zu trennen."
Der Führer hat dem ordentlichen Professor em. Dr. med. August Wagenmann in Heidelberg aus Anlaß der Vollendung seines 80. Lebensjahres in Anerkenung seiner Verdienste um die deutsche Augenhellkunde die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.
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Der Führer hat dem ordentlichen Professor em. Geh. Regierungsrat Dr. Dr. h. c. Theodor Remy in Bonn aus Anlaß der Vollendung feines 75. Lebensjahres in Anerkennung seiner Verdienste als Forscher der Bodenbiologie die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.
Das bisher beste Gpenden-Ergebnis.
Das vorläufig festgesteltte Ergebnis des am 14. März durchgeführten 7. und letzten Opfer- sonntags des Kriegs-Mhlv. 1942/43 beträgt 56179 613,58 RM. Gegenüber der gleichen Sammlung des Vorjahres mit einem Ergebnis von 38 083 696,36 RM. ist eine Zunahme von 18 095 917,22 RM., das sind 47.52 v.H. zu verzeichnen. Der 7. und letzte Opfersonntag erbrachte das höchste Ergebnis aller Opfersonulage. Jm Vergleich zum diesjährigen ersten Opfersonntag beträgt die Steigerung 40 v.H.
Neuyork spürt Roosevelts Krieg.
Nach amerikanischen Zeitungsberichten gehört Neu- york zu den Städten der USA., die am meisten unter den Kriegsverhältnissen leiden. Den Milliardären steht freilich die schwarze Börse zur Verfügung, der Schleichhandel bedient sie, und die Gangster haben seit den Zeiten der Prohibition nicht mehr' so goldene Zeiten erlebt wie jetzt. Machten sie früher Geschäfte mit Alkoholschmuggel und in Flüster kneipen, so werden jetzt Lebensrnittel und Luxuswaren von ihnen zum zehn- und zwanzigfa- chen Preise an die reichen Leute und an die Nachtklubs verschoben. Das Hintertreppengeschäft blüht wie noch nie, während die breiten Massen bereits anfangen, den Hunger zu spüren. Fleisch, Kaffee und Zucker sind in Neuyork bereits rationiert, demnächst werden auch Obst und Gemüse nur noch auf Karten verkauft werden. Vor den Restaurants und Speisehäusern stehen die Leute Schlange und erhalten eine Nummer, damit sich niemand vordrängt. Gouverneur und Bürgermeister mahnen in Aufrufen zur Einfachheit und empfehlen die kalte Küche, um Heizmaterial zu sparen. Aber niemand kehrt sich daran. Man versucht, sein Geld in Sachwerten anzulegen, kauft altes Porzellan auf, und gibt Unsummen für allerlei kitschige Gemälde aus, die von den
jüdischen Emigranten in riesigen Mengen über den Ozean gebracht worden sind und die als Kunstwerke alter Meister ausgegeben werden.
Neuyork war immer die Stadt der übersteigerten Löhne, aber die Neuyorker Industriebetriebe eignen sich nur in geringem Maße für Heerestieferunaen, so daß sie kaum für die Kriegswirtschaft eingesetzt werden können. Die Industrie Neuyorks beschränkte sich hauptsächlich auf die Fabrikation von Textilien und Lebensmitteln. Da aber die Militärverwaltung keine Rücksicht auf die höheren Lohnforderungen der Neuyorker Arbeiterschaft nimmt, haben die Textilfabriken der größten Stadt der Wett nur ein Prozent anstatt der erwarteten 40 Prozent der Bestellungen erhalten. Die kleineren Betriebe, die über keine Kapitalreserven verfügen, sind in schwere Not geraten. Auch die Banken und Versicherung sgesell- schäften geraten in Schwierigkeiten, viele werden schließen müssen. Der Bürgermeister hat einen Not- ruf nach Washington gerichtet, schon jetzt seien 10 Prozent aller Angestellten entlassen worden, weitere Entlassungen feien unvermeidlich, wenn die Neuyorker Betriebe bei den Heereslieferungen nicht mehr berücksichtigt würden.
Der Rubel rollt in England.
Von unserer Berliner Schriftleitung.
„Gewalttge Geldsummen werden für die kommun i st i s ck e Agitation in England ausgegeben, doch weiß niemand, woher das Geld komm t", jammert der Londoner „Manchester Guardian" in beweglichen Tönen. Er beruft sich dabei ausdrücklich auf einen Artikel des amtlichen Organs der britischen Labour-Partei, „Labour Preß Service", mit der Überschrift „Wo ist die Jahresbilanz der Kommunistischen Partei?" In dem Artikel heißt es: Allein das Londoner Kommunistenblatt „Daily Wörter" habe im vergangenen Jahre doppelt soviel gekostet, wie die Labour- Partei jährlich an Beiträgen der ihr angeschlossenen 2'/- Millionen Mitglieder eingenommen habe. Wenn man dazu noch bedenke, daß der „Daily Worker" llur eines der vielen kostspieligen kommunistischen Unternehmen Englands sei, dann könne man sich einen Begriff davon machen, über welche Vermögen die kommunistische Parteileitung verfügen müsse. Von dem, was sie von ihren Anhängern in England an Beiträgen und Sonderzuweisungen erhalle, könnten solche Ausgaben nie bestritten werden. Außer ein paar Männern an der Spitze der kommunistischen Organisation wisse auch niemand über die kommunistischen Finanzmanipulationen Bescheid. Die Mitglieder der Koimnunistischen Partei würden jedenfalls im Dunkeln gehalten.
Die Harmlosigkeit, mit der angesichts dieser Tatsachen die Frage aufgeworfen wird, woher die Kommunisten in England nur das viele Geld haben, steht sowohl dem amtlichen Organ der Labour-Partei ols auch dem „Manchester Guardian" schlecht zu Gesicht. Sie ist nur ein neuer Beweis dafür, wie man in London auch in der Innenpolitik Vogel Strauß spielt. Außer den harmlosen Briten weiß nämlich jeder, der sich mit politischen Dingen beschäftigt, daß die Bolschewisten überall in der Welt ihr Geld von Moskau und der Komintern beziehen, und daß diese Mittel sehr erheblich sind. Alle Welt weiß auch, wo dieses Geld herkommt: aus den Plünderungen und Raubzügen, die die Bolschewisten nicht zuletzt in ihrem eigenen Lande unternommen haben. Die Kirchenschätze, das Vermögen der politischen Gegner und schließlich die wirtschaftlichen Kräfte der UdSSR, werden ausschließlich zwei Zielen dienstbar gemacht: der bolschewistischen Agitation in der Welt und der Ausrüstung der Sowjetarmee, die die durch die Agitation vorbereitete Wettrevolution militärisch zu vollenden hat. Für diese Ziele,ber bolschewistischen Machthaber hat die Bevölkerung der UdSSR. 25 Jahre unsägliches Massenelend erdulden müssen.
Mit der schüchternen Frage, woher die Kommunisten nur das Geld haben mögen, macht der „Manchester Guardian" sich mit seinem Kronzeugen also nur lächerlich. Warum soll es England anders ergehen als den anderen Staaten/in denen Moskau nach Herzenslust agitieren durfte? Heute ist gerade ßonbon — und in den USA. ist es nur um Nuancen anders — ein bolschewistisches Agitationszentrum. Auch dafür kann das englische Volk sich bei Churchill bedanken. Er ist es, der, in striktem Gegensatz zu seinen eigenen früheren Beteuerungen, die Bolschewisten in England hoffähig gemacht bat und der, genau fo wie Roosevelt in den USA., mit den Sowjetjuden an einem Tische sitzt und an einem Strange zieht. Churchill und Roosevelt sind es, die Stalin immer von neuem Europa ver- nrt als Gegenleistung für die Blutopfer, die oskauer Machthaber für ihre Einheitsfront mit der Plujokratie aus ihren Untertanen heraus- pressen. In diese Gegenleistung einbegriffen ist die Forderung nach freier Bahn für eine zügellose bolschewistische Agitatton, die Churchill und Roosevelt ebenso akzeptiert haben wie alle anderen, noch nicht einmal fest umschriebenen Ansprüche Stalins. Ein anschauliches Beispiel bafur, wie diese Agitatton sich breitmacht, sind die beweglichen Klagen bes amtlichen Organs der britischen Labour-Partei und des „Manchester Guardian". Wer denkt habet nicht an die Waryung des Führers, der den Feinden Deutschlands prophezeite, daß sie am Bolschewismus zugrund egeh en werden!
Aus aller Welt.
Die größte und die kleinste Uhr der Welt.
In mehr als fünfjähriger Arbeit hat in St.- Trond in' Belgien der Mechaniker Kamiel Fe- straets eine astronomische Uhr gebaut, die aus über 20 000 Einzelteilen bestehend als das größte und komplizierteste Werk anzusprechen -ist. Die Riesenuhr entstand aus einem kleineren, aber sehr kunstvollen astronomischen Uhrwerk, für das bet Erbauer die goldene Medaille auf der Brüsseler Weltausstellung von 1935 bekommen hatte. In ihrem jetzigen Umfang hat die Uhr nicht weniger als zweihundert verschiedene Zifferblätter, auf denen abzu- lesen sind: die genaue Uhrzeit in den verschiedenen Ländern Europas, Stand und Lauf von Sonne, Mond und Planeten, der Wechsel der Jahreszeiten, die Zeit von neun verschiedenen Ländern der Welt (darunter auch die Uhrzeit Chinas,, wo die Zeiger in umgekehrter Richtung laufen). Der Lauf von
Ebbe und Flut usw. Eines der Zifferblätter stellt die kleinste Uhr der Well dar, die in dem 150 kg schweren Pendel der 'Riesenuhr eingebaut ist: diese kleinste Uhr. auf einen Damenrina montiert, hat ein Zifferblatt von wenig Millimeter Durchmesser. D^r vierstimmige Stundenschlag der Riesenuhr, die sieben Meier hoch ist, wird von Figuren, die die vier Jahreszeiten darstellen, geschlagen: kaum ist der letzte Schlag verhallt, setzt sich ein Glockenspiel in Bewegung, voran der löbliche Magistrat zu Pferde, dahinter die Vertreter der zwölf mittelalterlichen Zünfte inmitten ihrer Arbeit. Das Wunderwerk, das im Beginenmuseum zu St.-Trond zur Schau gestellt ist, hat schon Hunderte von Besuchern aus allen Gauen Belgiens an- gezogen.
Protektoralsfondermarken zum Geburtstag des Führers.
Die Post des Protektorats Böhmen und Mähren gibt in diesem Jahre zum Geburtstag des Führers zwei Sondermarken mit einem Zuschlag zugunsten des Kulturfonds des Führers aus, eine zu 60 Heller plus 1,40 K. in blauvioletter Farbe und eine zu 1,20 plus 3,80 K. in Dunkelrot. Beide Marken zeigen eine Aufnahme des Reichslichtbildners Prosts- sor Heinrich Hoffmann während des Aufenthalts des Führers in Prag im März 1939, und zwar den Führer am Fenster der Prager Kaiserburg?
Sturm in den schwedischen Wqldern.
Die letzten Stürme habey in den schwedischen Wäldern große Verheerungen angerichtet. Allein im Gebiet von Surahammar wurden 30 000 bis 40 000 Bäume vom Sturm gefällt. Im Kreis Vestmanland- muß man mit Hunderttausenden von gestürzten Bäumen rechnen. Im Gebiet von Katrineholm ist mehr als die Hälfte des jährlichen Schlages umge* stürzt worden.
Kunst und Wissenschast.
„Vagabunden".
Das Kleine Haus der Staatstheater hat zugleich mit dem Theater ht ber-Josefstadt Wien das neue Stück von Juliane Kay „Vagabunden" urauf- geführt. Die Verfasserin, bekannt durch ihre interessante Themenstellung um nicht alltägliche Charaktere, ist diesmal gerabliniger verfahren. Es will uns dünken,' daß wir den Arzt, der seiner Eehegefährttn mit einer kleinen Filmdiva untreu wird, um dann aber reumütig vom Erotischen zum Mütterlichen heimzukehren, in letzter Zeit mehrfach begegnet sind. Fast hat es den Anschein, als ob die Dichterin btes^ mal einer bestimmten Schauspielerin eine Rolle auf den Leib schreiben wollte, nämlich Paula Wes>- s e l y, die sie in Wien auch gespielt hat. Die stärkste Szene gehört nicht der Heldin, auf die sonst alle Siebe gehäuft wurde, sondern dem treulosen und ein wenig unsympathischen Manne: jene Szene, in der die Trennung von der Gattin mit der grausamen, aber psychologisch scharf gesehenen Wendung durchgeführt wird, daß sich der Schuldige damit rechtfertigt, die Duldermiene der Betrogenen nicht ertragen zu können. Der Regisseur Helmuth K ä ut° n e r sorgte dafür, daß das Stück in allen seinen Sentiments nicht voll ausgespielt wurde, so daß es leichter blieb, als es der Autorin vorgeschwebt haben mochte. Gerhard Aichinger.
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In der Wiener Aufführung ging es der Regie Rudolf Steinboecks darum, den Zuschauer möglichst weit von den literarischen Erinnerungen weg- und möglM nahe an das Menschliche heranzuführen. Paula We'ssely erweist sich wieder als eine Meisterin der Zwischentöne. Sie spielt nichts auf .Bedeutung ober Rührung ober gar auf Heiligenschein hin, sie ist nur da, aber die ganze Fülle des Schicksals, die ganze Musik des Frauentums ist darin, ob sie nun suchend blickt, ob sie verstummend ihr Antlitz verbirgt, ob sie durch Lachen sich Mut machen möchte, ob ihre Worte leicht hinwehen wie bunte Schmetterlinge ober langsam zu Boden sickern wie Bluttropfen aus einer Wunde. Beherzt schreitet sie in das Unwetter und den Sturm des Leids hinein, nie geht sie sich selber verloren und muß darum das Gluck doch noch zwingen.
Oskar Maurus Fontana.
Helmut Weiß als Filmregisseur.
Helmut Weiß, der Schauspieler, der kürzlich unter die Bühnenautoren ging und mit „Sophien- lund" einen schönen Erfolg hatte und dann als Regieassistent bei den Filmen „Quax, der Bruchpilot", „Ich vertraue dir meine Fron an" und auch bei der Verfilmung seines „Sophienlund" tätig war,- inszeniert nun feinen ersten Film „Die Feuepzangenbowl e", dessen Drehbuch von Heinrich Spoerl geschrieben wurde. Die künstlerische Gesamtleitung hat Heinz Rühmann. An der Kamera steht Ewack Daub. Hauptdarsteller sind Heinz Rühmann, Karin Himboldt, Erich Ponto-, Paul Henckels, Hans Leibett und Lutz Götz.
Das klingt so einfach und selbstverständlich, daß eigentlid) kaum daran zu zweifeln ist.
,Zch glaube, Herr Rechtsanwalt", wendet sich der Vorsitzende an den Verteidiger, „damit erledigt sich die Behauptung des Angeklagten. Auch ich bin der Meinung, daß ein'Betriebsführer einen unbotmäßigen Angestellten auch auf gesetzlich einwandfreier Weise entfernen kann, ohne zur Waffe greifen zu müssen."
Doktor 'Reckling macht eine kurze, zustimmende Verbeugung und erhebt sich.
,Zch möchte nun meinerseits an den Zeugen Terbrüggen auch die Frage richten, ob er sich darüber äußern kann und will, auf welche Weise die Waste des Angeklagten an den Tatort gelangt ist?"
Terbrüggen sieht plötzlich, wie alle Augen im Saal auf ihn gerichtet sind. Er sieht, welche Gefahr ihm aus dieser Frage droht und fühlt sich sehr unbehaglich. 21ber ehe er antworten kann, kommt ihm völlig unerwartet der Vorsitzende zu Hilfe.
„Ich sehe den Zweck dieser Frage nicht ganz ein, Herr Rechtsanwalt. Nein — bitte, lassen Sie mich einmal aussprechen. Ich begreife ja vollkommen, daß Ihnen daran liegt, den auf dem Angeklagten ruhenden Verdacht auf Terbrüggen obzuwälzen. Dazu sind Sie ja sein Verteidiger. Aber beide Zeugen haben eben erst übereinstimmend bekundet, daß zwischen ihnen keinerlei Mißhelligkeiten bestanden. Und diese beiden müsien doch selbst am allerbesten wissen, wie sie zueinander stehen. Ich sehe also durchaus keinen Grund mehr, warum der Zeuge Terbrüggen auf seinen Sekretär geschossen haben soll. Denn darauf wollen Sie doch mit Ihrer Frage hinaus, Herr Rechtsanwalt?"
Doktor Reckling läßt sich jedoch nicht so schnell beirren.
„Ich bitte um Vergebung, Herr Landgerichtsrat, wenn ich Ihren Ausführungen in diesem so überaus wichtigen Punkt widersprechen muß. Ich kann Ihnen da nicht folgen, denn ich bin der Meinung, daß gerade der Zeuge Terbrüggen uns über diese so strittige Frage am besten Auskunft geben kann."
Eine atemlose Stille liegt nach diesen Worten über der kleinen Versammlung. Der offene Angriff des Verteidigers überrascht allgemein.
Nur der Angeklagte sitzt mit ruhiger Miene und beobachtet Terbrüggen, dessen Augen unruhig von einem zum anderen wandern.
Endlich nimmt der Vorsitzende etwas unwillig wieder das Wort.
„Herr Rechtsanwalt", bemerkte er mit erhobener Stimme, und es klingt fast wie ein Tadel, „ich darf wohl annehmen, daß Sie für die so ungewöhnliche Beschuldigung eines Zeugen auch die entsprechenden Beweist in Händen haben. Darf ich Sie deshalb bitten, diese Beweise nunmehr auch dem Gericht zu unterbreiten?"
Der Anwalt lächelt verbindlich.
„Sehr gern, Herr Landgerichtsrat. Die Verteidigung hat zu diesem Zwecke als Zeugen den Schacht- meister Giese von Schacht III der Zeche Hammerkott als Zeugen geladen. Der Zeuge wartet bereits draußen."
„Ich bin dafür, daß der Zeuge sofort vernommen wird", schlägt der Staatsanwalt vor, der den Auseinandersetzungen mit steigender Aufmerksamkeit und Spannung folgt.
Auch der Vorsitzende ist dieser Meinung.
Der Verteidiger hat vielleicht recht, denkt er, wenn diese Frage einmal geklärt wird. Terbrüggen muß inzwischen auf der Zeugenbank Platz nehmen. Man sieht deutlich, daß es ihm schwer fällt, den kurzen Weg zurückzulegen. Sein Gang ist schleppend. Er sieht auch nicht auf, er weiß, daß aller Augen jetzt neugierig nur an ihm hängen.
Schachtmeister Giese wird hereingeführt. Beschei- den steht er vor dem Tisch des Richters. Er hat bisher noch nie vor Gericht gestanden und ist im ersten Augenblick ein wenig befangen.
„Erzählen Sie uns bitte gleich im Zusammenhang, was Sie von der Sache roiffen, Herr Zeuge. Die Verteidigung wird Ihnen ja gesagt haben, um was es sich handelt. Ich mache Sie bei dieser Ge
legenheit darauf aufmerksam, daß Sie später vereidigt werden. Beachten Sie das bitte bei jedem Wort Ihrer Aussage."
Der strenge, etwas scharfe Ton des Vorsitzenden ist nicht gerade besonders angetan, Giese von ferner Befangenheit zu befreien. Doch er reißt sich zusammen. Für Hellingrath tut er alles.
„Ja — als Herr Direktor Terbrüggen damals- mit Herrn Meinders einfahren wollte, hiett er sich vorher kurze Zeit in dem kleinen Büro auf, in dem Doktor Hellingrath sonst immer arbeitet."
„Das ist nicht wahr!" fährt Terbrüggen von seinem Platz aus dazwischen. Seine Stimme ist rauh, fast heiser. Er weiß, wohin diese Aussage führen kann. Es ist, als ob ein dunkles, ungeheures Etwas drohend auf ihn zukommt und chm jemand den Weg zur Rettung versperrt.
Der Richter kennt bas. Es ist nicht das erstemal, daß er so etwas sieht und er weiß, daß die Schuld dahinter steht.
„Bitte, Herr Zeuge", wehrte er Terbrüggen jetzt unwillig ab. „Sie werden nachher noch Gelegenheit haben, sich zu der Aussage dieses Zeugen zu äußern. Also fahren Sie bitte fort, Herr Zeuge —"
Giese ist durch das verletzende Dazwischenfahren seines Chefs wieder etwas verwirrt. Er hat sich gleich gesagt, daß es für seine Stellung gefährlich lst, sich irt Dinge zu mischen, die ihn nichts an- gingen. Doch, es ging ja um Hellingrath, und da durfte er nicht zurückstehen. Ein ermunternder Blick des Richters hilft ihm weiter.
„Ich weiß nun ganz genau, daß die Waffe noch im Tischkasten lag, als Herr Doktor Hellingrach einfuhr. Aber nachdem auch Herr Terbrüggen ein- gefahren war, war sie aus dem Kasten verschwunden."
Meinders steht erstaunt zu Terbrüggen hinüber. Bis jetzt hat er vielleicht wirklich geglaubt, daß Hellingrath der Täter war. Doch Terbrüggen beachtet diesen Blick nicht. Er hat anderes zu denken-
(Fortsetzung folgt.)


