Ausgabe 
6.1.1943
 
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Verfahrens, des genormten Cinheltsformats. Seine Arbeiten in derZeitschrift für physikalische Che­mie" waren bahnbrechend. Luther wurde in Mos- kau als Sohn eines Rechtsanwaltes geboren. Er studierte in Dorpat und Leipzig und habilitierte sich ebenda 1899. Er war dann Assistent von Wilhelm Ostwald, bis er 1908 nach Dresden berufen wurde. Bis 1936 war er Herausgeber derPhotographi­schen Rundsä^au". Frau Professor Dr.' Marie Schütt in Hamburg ist beauftragt worden, an der Universität Freiburg die Vertretung des zum Wehrdienst einberufenen Professors Dr. Koziol, der den Lehrstuhl für englische Philologie innehat, zu übernehmen. Frau Schütt ist 1888 in Hamburg ge­boren, studierte in Göttingen, Freiburg, Berlin, Marburg und Hamburg und promovierte 1923 in Hamburg, wo sie sich 1928 habilitierte.

Professor Klumberg gestorben.

In Berlin verschied im Alter von 56 Jahren Prof. Dr. Wilhelm Klumberg. Klumberg, 1886 in Riga geboren, beendete dort sein wissenschaftliches Studium und betätigte sich nach der Besetzung Rigas im Jahre 1917 am deutschen Kulturaufbau, er grün­dete eine Herder-Gesellschaft und die Her­der-Hochschule und an der Albertus-Univer- sttät in Königberg das I n st i t u t für Ostfor­schung, der später die des Dolmetscher-Instituts für Ostsprachen folgte. Im Frühjahr 1939 wurde Prof. Klumberg Ehrendoktor der Albertina, er war auch Ehrendoktor der Universitäten Jena und Leip­zig. Don der Universität Königsberg wurde er 1940 als erster mit dem Herder-Preis ausgezeichnet.

Karajan dirigiert Johann Strauß.

Für drei Abende mitbeschwingter Musik", die das Berliner Reichspropagandaamt für das WHW., für Rüstungsarbeiter und für Verwundete veran­staltete, war mit dem Berliner Philharmonischen Orchester Herbert von Karajan als Dirigent eines reinen Johann-Strauß-Programms gewonnen wor­den. Man kann diese Ouvertüren, die Walzer, Pol­kas und Galopps sicherlich nicht exakter spielen, als es hier geschah. Große Kunst wurde an kleine Stücke gewandt, vom Orchester eine oft staunenerregende Virtuosität, vom Dirigenten ein rhythmischer Schwung, der gleichwohl niemals die Präzision ge­fährdete. Ueberrafchungen gab es auch hier, auf scheinbar ganz vertrauten Pfaden, wie stets bei Karajan: Stimmen und Jnstrumentengruppen, die man meistens im großen Fluß des Ganzen überhört, nahmen zuweilen ein frappierendes Eigenleben an, raffinierte Rubati sorgten für dynamische Effekte, die dem Publikum den Applaus in die Hände trieben. Einen beträchtlichen Anteil an dem Beifalls­erfolg des ersten Abends hatte auch die Solistin Irma Seilte, die mit ihrem glockenstimmigen Koloratursopran und zündendem CharmeG'schich- ten aus dem Wiener Wald" und den Frühlingsstim- menwalzer vortrug. Johannes Jacobi.

Aus aller Wett.

Sturm in Kanada.

Den schlimmsten Sturm seit 50 Jahren hat Ka- vada um die Jahreswende erlebt. Das Gebiet, das hauptsächlich in Mitleidenschaft gezogen wurde, er­streckt sich von Toronto bis Montreal. Eisenbahn und Straßenbahnlinien waren zeitweilig abgeschnit­ten. Die Fahrpläne der Eisenbahn gerieten völlig in Unordnung. Das Telegraphensystem wurde weit- gehend zerstört.

Schwere Ilnwellerschaden in Südbrasilien.

Durch einen Wirbelwind verbunden mit heftigem Hagelschlag wurde jede Verkehrsoerbindung zu der südbrasilianischen Stadt Curityba am Flusse Jguassu unterbrochen. Die Hagelkörner bedeckten Straßen und Plätze der Stadt halbmeterhoch, viele Häuser wurden abgedeckt und die Lichtreklamen zer­stört.^ Das Zentrum ist bis zu einem Meter Höhe überschwemmt.

(Eine unbekannte Pavianarl.

. Oftmals wird an den Tierkundigen die Frage ge­richtet, ob noch unbekannte oder unentdeckte Tier­arten aus den unbekannten Wildnissen fremder Län­der zutage gefördert werden. Rach den Forschungs- berichten neuerer Zeit muß diese Frage zustimmend beantwortet werden, da noch immer gelegentlich in­teressante neue Tierarten bekannt werden, wenn sie auch nicht immer die Ausmaße eines Elefanten oder eines Löwen haben. Im Frankfurter Tiergarten haben jetzt einige Paviane aus dem wenig bekannten Webbigebiet in Somaliland ihren Einzug gehalten, hie durch ihre lange, strähnige Behaarung, den über den ganzen Körper reichenden Mantel und die gleichmäßige graugelbliche Färbung von den anderen Pavianen so sehr abweichen, daß sie als Vertre­ter einer neuen Affenart in die Wissen­schaft eingeführt werden muffen. Die auch im Wesen und Gebaren von ihren Gattungsgenossen nicht un­erheblich abweichenden Sonderlinge fanden Unter­kunft im Menschenaffenhaus.

AUF MÖNCKEBERG ist del "Teufel los.

ROMAN VON OLAF BOUTERWECK

7. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Nur dem Namen nach; persönlich kenne ich ihn »licht!" Und in Gedanken fügte Raucheisen hinzu: »Aber dieses Vergnügen werde ich ja jetzt wohl in Kürze haben!'

Er zündete die Pfeife an, machte einige tiefe Züge und starrte nachdenklich vor sich hin.

Hier schien sich so etwas wie ein Grund zur Tat herauszukristallisieren; denn Eifersucht als Anlaß zu der Tat war in diesem Fall ausgeschlossen, Rach­sucht unwahrscheinlich. Also blieb nur noch Geld­gier übrig. Aus diesem Gedanken heraus fragte er vorsichtig:

Herr Holm kam wohl öfter hierher zu Besuch?" Der Diener schüttelte den Kops.

Früher ja, da kam Herr Holm regelmäßig 'ehe Woche einmal zu Besuch. Er blieb dann den ganzen Abend über und manchmal auch zur Nacht gier, aber seit etwa vier Monaten kommt er nur aoch sehr selten. Zuletzt war er allerdings vor drei »der vier Tagen hier, aber nach kurzer Zeit ging er schon wieder."

Warum? Bestanden irgendwelche Zwistigkeiten zwischen dem Professor und seinem Resten?"

Nun, Zwistigkeiten ist wohl nicht der richtige Ausdruck, Herr Kommissar", antwortete der Diener Hgernd, invem er das Spiel seiner Hände mit den Knöpfen des Regenmantels wieder aufnahm. .Allenfalls eine kleine Meinungsverschiedenheit, die cber kaum tiefere Bedeutung haben konnte! Dem Herrn Professor gefiel es nämlich nicht, daß Herrn Holms Schaffen ausschließlich auf leichte Unterhal- TUngsIiteratur abgestimmt war. Diese Literaturgat- iung war dem Herrn Professor ein Dorn im Auge;

Aus der Stadt Gießen.

Eine Minute.

Mein Freund hatte mir geschrieben, daß er auf feiner Urlaubsrückreise einige Stunden Aufenthalt in F. hätte. Das gäbe Gelegenheit für ein frohes Wiäersehen. An dem bestimmten Tage kamen einige unerwartete Zwischenfälle, so daß ich nur noch in größter Elle den Bahnhof erreichen konnte. 11.57 sollte der Zug abfahren. Die Uhr zeigte 11.56, als ich ankam und sah, wie gerade der Zug abfuhr. Ich schaute auf der großen Tafel nach. Richtig: 11.56. Also hatte ich mich um eine Minute geirrt. Tier Zug war fort. Der nächste Zug ging erst in drei Stun­den. Ich mußte auf das Wiedersehen mit meinem Freunde verzichten. Wegen einer Minute!

Enttäuscht ging ich zum Schalter und gab die Karte zurück ...

Dieses ärgerliche Erlebnis kam mir in diesen Tage wieder einmal zum Bewußtsein, als ich so eine kleine Rückschau über das abgelaufene Jahr hielt. Wie oft müssen wir Sätze mitWenn ich ..." anfangen! Wegen irgendeiner Kleinigkeit ging uns ein schöner Tag verloren. Eine Vergeßlichkeit führte zu größeren Verlusten. Wie oft entscheidet eine kleine Zeitspanne über wichtige Begebenheiten. Die eine Minute, die wir nicht achten, bringt manchmal un­sägliches Leid und Trauer ...

Wenn wir das verflossene Jahr im Geiste noch einmal abrollen lassen, dann wird uns manches Er­lebnis recht unangenehm daran erinnern, daß wir dieeine Minute" verpaßt haben. Wir waren nicht immer pünktlich, wir haben manches versäumt. Aus Vergeßlichkeit? Aus Nachlässigkeit? Das ist schließ­lich einerlei. Auch eine späte Reue hilft nun nicht mehr.

Aber solche unangenehmen Erlebnisse haben doch auch chr Gutes. Sie sind wie Wegweiser, die wohl einen Weg zeigen, aber nicht den richtigen. Sie sollten unbedingt hinter uns stehen, damit wir von Zeit zu Zeit einmal rückschauend daran erinnert werden, daß wir im Begriff waren, in die Irre zu lausen oder schon gelaufen waren.

So wollen wir einmal oas vergangene Jahr be­trachten. Wenn uns im Drange des Alltags keine Zeit blieb, uns auf uns selbst zu besinnen, so mahnt uns das neu beginnende Jahr, Rückschau zu halten. Seien es auch nur wenige Stunden, die wir recht und tief durchleben, so werden wir gar bald fühlen, welchen Weg wir im neuen Jahr einschlagen müssen. Versäumnisie und Verfehlungen, die von dereinen Minute" tarnen, sind es vor allem, die wir scharf ins Auge fassen, und die sich nicht wiederholen dürfen. Wenn wir uns einmal angewöhnt haben, immer pünktlich zu fein, dann werden wir niemals in letzter Minute zum Bahnhof sausen, dann werden wir mit unserer Zeit haushalten. Die Hauptsache aber ist, daß wir zur Stelle sind, wenn es an den Mann geht.

Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind Pflichten, die wir nicht nur uns schulden, sondern allen Volks­genossen. Dabei kommt es aber auch auf dieeine Minute" an!h.

Sprechstunde des Kreisleiters.

Die Sprechstmcke des Kreisleiters findet am Don­nerstag, dem 7.1.43, nachmittags von 15 bis 17 Uhr, in Gießen, Alicenstraße 10, statt.

Amt für das Landvolk.

Die Sprechstunde des Amtes für das Landvolk findet am Donnerstag, dem 7.1.43, nachmittags von 15 bis 17 Uhr, in Gießen, Alicenstraße 10, statt.

Kohiendiebe stellen sich vor.

Viel Kohle und Wärme gehen verloren, wenn in Betrieben

in unbenutzten oder wenig betretenen Räumen stundenlang das Licht brennt,

in den Waschräumen ununterbrochen ungenutzt das warme Wasser läuft oder tropft,

Nebenräume ober Treppenhäuser mitgeheizt wer­den, weil die Heizkörper nicht abgestellt sind,

die Brennstoffkörnung zu groß ist,

die Roste der Feuerung nicht den rlchUgen Luft­spalt haben,

die Heizflächen des Kessels und Vorwärmers nicht gereingt sind,

Zugmesfer, Abgas-Temperaturmesser und Rauch­gasprüfer nicht vorhanden sind,

das Mauerwerk undicht ist, der Kessel Kesselstein angesetzt hat, Absperrventile und Leitungen Dampf entweichen lassen,

Isolierungen der Dampf- und Wasserleitungen beschädigt sind ober gar fehlen.

Motoren unwirtschaftlich belastet sind, Transmissionen unnötigen Leerlauf haben.

Achte darum als Betriebsführer oder Abteilungs­leiter auf diese getarnten Kohlen- und Wärmediebe! Sie rauben den kostbaren Brenn- und Rohstoff. Kohle hilft auch mit zum Sieg!

wenn er davon sprach, geriet er immer in heftige Erregung, und bann konnte er sehr kräftige Aus­brücke gebrauchen. Er bedrängte seinen Neffen, sich der ernsten Literatur zuzuwenden, aber Herr Holm konnte oder wollte das nicht."

War Herr Holm in geldlicher Hinsicht von seinem Onkel abhängig?"

Das kann ich nicht sagen, Herr Kommissar. Ich weiß nur, daß Herrn Holm regelmäßig an jedem Monatsersten eine bestimmte Summe überwiesen wurde."

Wie hoch war triefe Summe?"

Das weiß ich nicht, aber Herr Rechtsanwalt Ull­rich kann darüber Auskunft geben und natürlich auch die Bank, die diese Zahlen abgebucht hat."

Wo wohnt Herr Holm?" fragte Raucheifen in einem plötzlichen Einfall.

Er bewohnt ein großes, geräumiges Blockhaus in Kladow an der Havel.""

.Kennen Sie seine Telephonnummer?"

Im Kopfe habe ich sie nicht", sagte Friedrichsen zögernd und mit einem verwunderten Blick auf die Standuhr. Es erschien ihm unfaßbar, daß der Korn- miffar jetzt mitten in der Nacht dort anrufen wollte.

Brandstetter, stellen Sie sofort die Nummer fest!" sagte Raucheisen.

Das ist nicht nötig", fiel Friedrichsen in leichter Erregung ein.Aus dem Schreibtisch in der Biblio­thek liegt neben dem Fernsprecher eine alphabetische Liste; dort ist die Nummer leicht zu finden."

Raucheisen klopfte seine Pfeife aus, steckte sie in die Tasche und erhob sich.

Augenblick mal!"

Er ging hinüber in die Bibliothek und zog die Tür hinter sich zu. Als sein Blick auf den Toten fiel, blieb er stehen und betrachtete ihn nachdenklich.

Da lag ein Mensch, besten einsames und arbeits­reiches Leben nun ein plötzliches und unerwartetes Ende gefunden hatte. Einsam wie sein Leben war nun auch sein Tob. Rebeten die tiefen Falten um fernen Mund nicht von Entsagung und Bitterkeit?

Aenderungen beim Metzger.

Was es jetzt doppelt und vierfach gibt.

Die Hauptvereinigung der Deutschen Viehwirt- schaft hat mit ihrer ersten Anordnung für 1943 auch einige Aenderungen der Anrechnung auf die Bedarfsnachweise beim Fleischer verfügt. Es handelt sich zwar nur um geringfügige Aenderungen gegen­über der Vorjahrsregelung. Dennoch ist bei der allgemeinen Bedeutung der Angelegenheit die Klar­stellung geboten, was es nun beim Fleischer doppelt ober vierfach gibt:

In bo p p eiter Menge werden nach ber Neu­regelung abgegeben: Vom Rind: Köpfe mit Zunge, Brägen (Hirn), Schlundfleisch, Lunge, Herz, Milz, Euter, frisch oder gebrüht, Schwänze, Knochen aus- putz (Polk), Geschlinge. Dorn Schwein: Kops ohne Fettbacke, Brägen (Hirn), Lunge, Herz, Milz, Kno- chenausputz (Polk), Geschlinge, Schwarten, Eisbein (Dickbein), Eis- und Spitzbein in einem Stück, Schnauzen, Magen (soweit nicht als Darrn gehan­delt). Dorn Kalb: Brägen (Hirn), Lunge, Herz, Milz, Gekröse, gebrüht, gesalzen, Geschlinge, Hachsen, Knochenausputz (Polk). Dorn Schaf: Lunge, Herz, Milz, Brägen (Hirn), Geschlinge. Fleischwarem Ochsenmaulsalat, Konsumsülze, Jnnereiensülze,

Gänfeleberwurst, sofern bei Herstellung zum Teil bewirtschaftetes Fleisch verwendet worben ist.

In vierfacher Menge werben nach ber neuen Anordnung abgegeben: Vom Rind: Köpfe ohne Zunge, Mäuler, gebrüht, Pansen (Fleck), gebrüht und gesalzen einschl. Netz- und ß ab mögen, Sehnen, Flechsen, Kopfhäute. Vom Schwein: Spitzbein (un< mittelbar hinter bem Dickbein oder dem Sprung« gelenk abgehauen), Schwänze, Ohren. Vom Kalbt Köpfe, mit und ohne Zunge, Schwänze, Kopfhäute. Dom Schaf: Köpfe, mit und ohne Zunge. Knochenr Schweinekammknochen, Speerknochen (Rückenmark- knochen), Bauchrippen, die nicht nachgeputzt sind» außerdem alle sonstigen nicht nachgeputzten Knochen, Rindermarkknochen (ohne Kugelgelenk). Fleisch« waren: Fleischsalat.

Alle vorstehend nicht genannten Knochen sowie Kalb süße, Rlnd erunterbeme, Rinderblätter magen, Kälbermagen, Hammelpansen einschl. der übrigen Magen und das an Schlachtbetriebe abgegebene Blut unterliegen nicht der Anrechnung. Fleischkon- fernen werden in voller Höhe bes Nettoinhalts, Mischkonserven in Aller Gewichtshöhe ber Fleisch­einlage angerechnet.

Die Streupflicht des Grundeigentümers.

Jeber Grundstückseigentümer ist verpflichtet, in der Breite feines Grunbstücks zu streuen. Es kommt nicht darauf an, ob bas Grunbftück bebaut ist ober nicht. In den meisten Fällen bestehen Polizeiverord­nungen, die den Straßenanliegern die Streupflicht auferlegen. Aber auch beim Fehlen einer Polizei­verordnung folgt die Streupflicht aus ber Verant­wortlichkeit burch dieVerkehrseröffnung". Denn ber Hauseigentümer hat allaemein dafür einzu- stehen, daß der Verkehr vor seinem Hause und auch erst recht in seinem Hause unbehindert von- statten gehen kann. Es ist natürlich möglich, baß durch Polizeiverordnungen ber Umfang der Streu­pflicht besonders geregelt werden kann. Aber im allgemeinen kann man folgende Grundsätze als gültig ansehen:

Zu bestreuen sind Bürgersteige und Straßenüber- gänge. Straßendämme brauchen dagegen nur bei besonderem Bedürfnis und bann zumeist nur auf Grund besonderer Anordnung gestreut zu werden. Maß und Umfang der Streupflicht richtet sich vor allem nach den Verkehrsbebürfnissen. Grundsätzlich sind an die Streupflicht strenge Anforderungen zu stellen. Es kommt hier also vor allem auf den tat­sächlich herrschenden Verkehr an. Daraus ergibt sich auch eine unterschiedliche Behandlung ber Hauptver­kehrsstraßen in der Stadt und beispielsweise von Promenadenwegen und Verbindungswegen, die nur der Verkehrserleichterung dienen. Beginn und Ende der Streupflicht richten sich nach dem Tagesverkehr

der Fußgänger. Normalerweise besteht keine Ver­pflichtung, den Nachtverkehr der Fußgänger zu sichern. Anders ist es in Straßen, in denen auch nachts starker Fußgängerverkehr herrscht. Aber im allgemeinen endet die Streupflicht mit Eintritt der Nachtstunden (z. B. in Berlin um 21 Uhr, in Mün­chen um 20 Uhr. In Kleinstädten wird die Stteu­pflicht schon früher enden. Für den Beginn der Stteuverpflichtung ist die Zeit des Hauptberufsoer- kehrs maßgebend.

Ueber das Ausmaß ber Streupflicht kann nur im einzelnen Fall entfchieben werden. Es lassen sich aber folgende Grundregeln aufstellen, die unab­hängig von örtlichen Verhältnissen sind: Mit dem Streuen ist erst nach Aufhören bes Schneefalls ober nach Eintritt ber Glätte zu beginnen. Denn bet bichtem Schneefall ist es zwecklos, zu streuen, bevor das Schneien aufhört. Bei leichtem Schneefall insbesondere wenn es mit Unterbrechungen schneit> muß auch zwischendurch gestreut werden. Die Be- schaffenhett von Boden und Schnee sind entscheidend (Pulverschnee verlangt anderes Streuen als nasser, fester Schnee; ebener Boden ist nicht so gefährlich wie abschüssiger). Außergewöhnliche Glätteverhälri nisse verlangen erhöhte Sorgfaltspflicht. (Gefrieren nach Regenfall ist wegen ber Glatteisbilbung beson­ders zu beachten.) In kleinen Gemeinden mit langen Wegen besteht eine Streupflicht nur für die Ver­kehrsmittelpunkte. Landstraßen sind nur unter ganz besonderen Umständen zu streuen. Dr.Tw.

Helft Frostschäden vermeiden!

NSG. Immer wieder hat Me Reichsarbeitsge­meinschaft Schadenverhütung darauf hingewresen, daß durch rechtzeitig vorgenommene Frostschutzmaß. nahmen das Einfrieren von Wasserleitungen und ähnlichem mit Sicherheit verhütet werden kann. Dennoch erreichen die Frostschäden jährlich eine Höhe, die in der heutigen Zett vor allem bei dem Mangel an Facharbeitern zu denken An­laß gibt.

Darum beuge vor! Rechtzeitig getroffene Frost­schutzmaßnahmen verhüten mit Sicherheit das Ein­frieren von Wasserlettungsrohren!

Bei strengem Frost gefriert das Wasser in den Leitungen und Behältern, die im Erdboden oder im Freien liegen oder sich in ungeheizten Räumen befinden. Das gefrorene Wasser zerstört die Lei­tungsanlagen und verursacht teure Reparaturen. Der dadurch bedingte Wassermangel bringt lästige Störungen im Haushalt und Bettieb mit sich!

Frostschäden können nur durch bas Abbecken von Leitungen im Erdboden öder in frostgefährdeten. Räumen vermieden werden. Fenster, Türen und undichte Stellen sind in diesen gut abzudecken. Frost- gesährdete Wasserleitungen sind bei strengem Frost nachts zu entleeren bzw. ftostgefährdete Räume, in denen Wasserleitungen liegen, auf Heiztemperaturen von 8 bis 10 Grab Celsius zu halten.

Frostschäden bringen bet ihrer Beseitigung auch Brandschaden. Darum: Vorsicht bei Auftauarbeiten! Schabenoerhutung ist Pflicht.

Verdunkelungszelt:

6. Januar von 17.23 bis 8.02 Uhr.

Zur Gorgfaitspflickt des Hauseigentümers bei Schneefall.

3itr Sorgfaltspflicht des Hauseigentümers bei Schneefall ist ein Urteil des Reichsgerichts von all-- gemeinem Interesse. Es liegt ihm ein winterlicher Unfall zugrunde, bei dem ein nicht ganz einjähriger Knabe ums Leben kam. Die Mutter fuhr mit bem Kinderwagen auf dem Fußweg, als plötzlich vom Dach eines Hauses ein Schneerutsch erfolgte, durch den bas Kind getötet wurde. In dem Gerichtsver­fahren wurde der Hauseigentümer vom Landgericht zunächst wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Das Gericht stellte fest, der Angeklagte hätte das Dach, und zwar auch am arbeitsfreien Sonntag, bem Tage vor dem Unfall, auf bas Vorhandensein von Schnee untersuchen müssen. Auch hätte er voraus^ sehen müssen, daß vom Dach des Hauses herabfallen- ber Schnee den Tod eines Menschen zur Folge haben könnte. Er hätte deshalb entweder durch völlige Beseitigung des auf bem Dach befindlichen Schnees ober durch Absperren die Möglichkeit aus* schließen müssen, oaß Schnee herabfiel ober baß burch Herabfallen von Schnee mangels Warnung Vorübergehende zu Schaden kamen. Das Reichsge­richt erflärt demgegenüber, daß die Ansicht des Landgerichts fehlgehe. Zwar trifft es zu, so sagt die oberste Instanz, daß der Eigentümer einer Sache die Beschädigung dritter Personen durch seine Sache insoweit verhüten muß, wie dies die billige Rück­sichtnahme auf die Interessen anderer verlangt. Daraus folge aber nicht die Pflicht des Hauseigen­tümers, ständig, so lange und so oft Schnee auf dem Hausdach liegt, durch Verträumen des Schnees ober durch Ab sperren des Bürgersteigs Vorsorge

Hatte es nie eine weiche Frauenh and gegeben, deren zärtliches Streicheln bie£e Falten zu glätten ver­mochte?

In einer sprunghaften Gedankenverbindung mußte Raucheisen plötzlich mit einem Gefühl von Rührung und Zärtlichkeit an seine junge Frau denken. Er stellte sich vor, wie Ellen jetzt daheim in ihrem Bett lag, den blonden Locken köpf in die Kisten gewühlt, den Mund im Schlaf leicht und lächelnd geöffnet und die seidene Steppdecke na­türlich wie gewöhnlich auf dem Fußboden ...

Aber plötzlich straffte sich feine Gestalt; mit ärger­lichem Kopfschütteln zuckte er die breiten Schultern und trat schnell an den Schreibtisch.

Wie ber alte Diener es beschrieben hatte, lag bie alphabetische Liste neben bem Fernsprecher, und oben darauf lag die schwere goldene Uhr bes Professors.

Der Name Axel Holm war schnell gefunden. Raucheisen nahm den Hörer ab und drehte die Nummerscheibe.

Es dauerte eine halbe Minute, bis der Kommissar ein Knacken in der Hörmuschel vernahm und er bann zu feiner Verwunderung die in lautem, schwungvollen Pathos hervorgestoßenen Worte hörte:

Wer scheucht mir nachts den Schlaf von hinnen?"

Spreche ich mit Herrn Axel Holm?"

,T> nein, mitnichten spricht ber Meister; nur Otto ist's, sein Famulus!"

Raucheisen mußte unwillkürlich lächeln.

3a, hören Sie, Herr Otto, bann wecken Sie bitte Ihren Herrn und Meister! Ich muß ihn unbe» bingt sofort sprechen!"

Das bürste seine Schwierigkeiten haben", dekla­mierteDtto" mit schönem Pathos weiter;wes Stimme hör' ich benn in später Nacht?"

Hm hier spricht ein alter Bekannter Axel Holms! Es handelt sich um eine dringende Ange­legenheit: hören Sie, Herr Otto?!"

Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube! Mir scheinet auch die Nacht zum Scherzen schlecht gewählt*.*

Raucheisen wurde langsam ungebulbig; aber et unterdrückte rechtzeitig die heftige Bemerkung, biö er machen wollte, und sagte statt dessen ruhig und eindringlich:

,^ören Sie, Herr Otto, zum Scherzen bin ich wirklich nicht aufgelegt! Es ist im Gegenteil ein sehr trauriger Anlaß, ber mich zwingt, Sie mitten in ber Nacht im Schlaf zu stören. Es handelt sich nämlich um einen plötzlichen Todesfall!"

Einen Augenblick war es still, und Raucheisen glaubte schon, daß feine Worte endlich Eindruck ge­macht hätten; aber der deklamationswütige Otto zitierte schon wieder:

Rasch tritt der Tod den Menschen an, es ist ihm keine Frist gegeben ... Doch kann ich's meinem Herrn nicht melden, er ist heut nacht just nicht daheim!"

Wo ist Herr Holm?" fragte Raucheisen schnell.

Wo ist Herr Holm? Das ist die Frage! Et sumpft gewiß im Sündenpfuhl Berlin!"

Wollen Sie damit sagen, daß Herr Holm nach Berlin gefahren ist?"

Genau das ist der Sinn meiner Worte, Herr!"

Seit wann ist Herr Holm in Berlin?" fragte Raucheisen mit Betonung.

Du liebe Zeit! Die vielen Fragen, die machen meinen Kopf ganz wirr ..."

3um Donnerwetter? Mann, nehmen Sie doch endlich Vernunft an!" rief Raucheisen ärgerlich. Hier ist ein Mord geschehen, und Sie stehen ba und deklamieren bie ganze Zeit Unsinn! Antwor­ten Sie endlich flipp und klar auf meine Frage: Wann ist Herr Holm nach Berlin gefahren?"

In der Hörmuschel wurde ein lautes, herzhaftes Gähnen hörbar, und bann kam die unerwartete Antwort:

Der^Worte sind genug gewechselt, nun laßt uns endlich schlafen gehn!"

Es folgte ein lautes Knacken in ber Leitung, und bann war alles still.Dtto" hatte eingehängt.

(Fortsetzung folgt)