Ausgabe 
6.1.1943
 
Einzelbild herunterladen

Mit solchen Siegesmeldungen sollen die Sowjet­bürger über ihre Notlage, die keine Besserungsaus­sichten zuläßt, hinweggetäuscht werden.

Unsere Grenadiere, hervorragend unterstützt durch Panzer, Flak, Artillerie und Luftwaffe, beweisen auch in diesen Wirrterkämpfen, daß nicht nur die Kämpfe, sondern sie selbst hart und immer harter geworden sind. Sie haben die Massen Statins vom Kaukasus über den Donbogen und den mittleren Ostabschnitt bis Leningrad vergeblich anrennen las- len, in härtestem Winterwetter alle Angriffe der Gegner zum Scheitern gebracht und an einzelnen Frontabschnitten sogar im Gegenstoß unsere Stel­lungen verbessert. Unsere Stellungen dort bestehen aus Stützpunkten und Sperriegeln. Wo in diesen Kämpfen, die das Letzte von unseren unvergleich­lichen Truppen fordern, es dem Gegner gelang, Panzerkeile vorzutreiben und die Engländer sich dann über einenDurchbruch" freuten, da war es

in Wirklichkeit höchstens ein Einbruch, der sofort durch flankierende Vorstöße abgeklemmt wurde, wo­bei die abaequetschten Bolschewisten aufgerieben wurden. Diese aus der ganzen Anlage unserer Front sich ergebende Methode der Abwehr erfordert höchste Schulung und die äußerste Hingabe jedes einzelnen Soldaten, sie stellt die höchsten Ansprüche an das selbständige Handeln des Mannes, aber diese Eigen­schaften sind unseren Truppen in Fleisch und Blut übergegangen. Das Ergebnis beginnt sich bereits abzuzeichnen: Die Bolschewisten haben ungeheure Berichte an Menschen und Material erlitten, und unsere Front steht nach wie vor! Mr in der Heimat wollen aber nicht vergessen, daß aus der Härte dieser Abwehrkämpfe im Osten auch für uns neue Verpflichtungen erwachsen, die nämlich, noch härter zu werden in dem Willen, am deutschen Sieg nfit all unseren Kräften mitzuwirken. Po.

Schwere Abwehrkämpfe an der Ostfront.

Berlin, 5. Jan. (DNV.) 3m Dongebiet versuchten die Bolschewisten an verschiedenen Stel­len mit starken Infanterie- und Panzerkräften in deutsche Stellungen einzudringen. Unsere Truppen schlugen jedoch die immer wieder angreifenden Sowjets in sehr schweren Abwehrkämp- f en zurück und warfen den Feind bei Gegenstößen aus Ortschaften und Waldstellungen heraus. In rascher Folge wechsellen Vorstöße und Gegenan- griffe ab, bei denen es ost zu erbitterten Nahkämpfen kam Die im Brennpunkt des Ringens stehende Kampfgruppe hatte den ganzen Tag über besonders schwere Gefechte zu bestehen. Schon am frühen Morgen rollten die Sowjetpanzer gegen ihre Stellungen und Stütz­punkte an. Das Schicksal dieses ersten Angriffes ent­schied eine -Sturmgeschützabteilung, die innerhalb einer Stunde 17 bolschewistische Panzer vernichtete. Auch bei den weiteren wechselvollen Abwehrkämpfen und Gegenangriffen setzten sich unsre Truppen geaen die feindliche Uebermacht erfolgreich durch. Als der Feind am späten Abend seine Angriffe abbrechen mußte, lagen die Trümmer von 31 zerschossenen und brennenden Sowjetpanzern zwischen und vor den deutschen Stützpunkten.

Im mittleren Abschnitt richteten sich die schwersten Stöße gegen den Stützpunkt Welikije L u k i, ohne daß es dem Feind gelang, den Wider­stand der deutschen Besatzung zu brechen. Im Verlauf der harten Abwehrkämpfe zerschossen die unerschütterlichen Verteidiger 14 feindliche Panzer- kampfwagen. Trotz ungünstiger Wetterlage rich­teten Kampfflieger Tiefangriffe gegen Feldstellun­gen, Maschinengewehrnester und Flakbatterien. Säger brachten ohne eigene Verluste sechs gepan­zerte Schlachtflugzeuge zum Absturz.

Auch südöstlichdes Ilmensees konnte der Feind bei seinen bis zu sechsmal wiederholten An­griffen keine Erfolge erzwingen. Die Kraft der Vorstöße hat in diesem Raum offensichtlich nach­gelassen. Das ist nicht nur eine Folge der heftigen Schneestürme, sondern mehr noch der schweren Ver­luste des Feindes, die er feit dem 21. 12., dem Be­ginn der letzten Angriffsperiode, hinnehmen mußte. Die in diesem Zeitraum vernichteten 111 Panzer sind wegen des hohen Schnees und der vereisten Nach­schubwege nur schwer zu ersetzen. Die Bolschewisten führten daher Vorstöße unter Ausnutzung der Dun­kelheit als Infanterieangriffe ohne Panzerfchutz durch. Grenadiere und Panzerjäger erwarteten in chren schneeumwirbelten Schützenlöchern und voraescko- bencn Stellungen die bolschewistischen Angriffe, Die sämtlich im deutschen Feuer zusammenbrachen. Im Schutz des schweren Schneetreibens versuchte eine feindliche Kampfgruppe, die während der jüngsten Abwehrkämpfe abgeschnürt werden konnte, die Um­klammerung zu durchbrechen. Die Ausbruchsver­suche mißlangen aber ebenso wie die Entsetzungs­angriffe dreier sowjetischer Regimenter

Oer Wehrmachtberichi.

D7lV. Aus dem Aührerhaupt quartier, 5. Jan. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Im Westkaukasus wurde In überraschendem Zugriff ein feindlicher Stützpunkt ausgehobeu. Kampfflieger griffen die Hafenanlagea von Ge­le n d f h i k an und zersprengten Transportkolonneu auf der Süftenftraße. Feindliche Angriffe im le- rekgebiet wurden abgewiesen.

Die schweren Abwehrkämpfe im Dongebiet hallen an.

Im mittleren Frontabschnitt verloren die Sowjets bei den Kämpfen um W elikije Lu ki wieder 14 Panzerkampfwagen.

Angriffe feindlicher Infanterie südostwärts des Ilmensees und Ausbruchsversuche schwäche- rer feindlicher Kräfte, die in den vergangenen Kämpfen eingeschlossen wurden, brachen zusammen. Auch am Wolchow und vor Leningrad wur­den vereinzelte feindliche Vorstöße abgewiesen.

An der Kandalakschafront scheiterten An­griffe der Sowjets unter hohen blutigen Verlusten. Mehrere feindliche Kampfgruppen, darunter ein Schi, bataillon wurden eingeschloffen und vernichtet, zahl­reiche Waffen als Beule eingebrachl.

In Tunesien wurden bei Stohtruppunterneh- mungen Stützpunkte des Feindes ausgehoben und englische Gefangene eingebracht. Die Luftwaffe setzte ihre Angriffe gegen feindliche Flugstützpunkte fort und erzielte dabei umfangreiche Zerstörungen. Zum Begleitschuh eingesetzte deutsche Jagdflugzeuge schos­sen ohne eigene Verluste acht feindliche Flug­zeuge ab.

Angriffe britischer Flugzeuge auf westdeutsches Gebiet verursachten Gebäudeschäden und Verluste unter der Zivilbevölkerung. Vier mehrmotorige Flug­zeuge wurden abgeschossen.

Schnelle deutsche Kampfflugzeuge griffen bei Tage militärische Anlagen an der britischen Südost - lüste an. SicherungsstreitkrSfke der Kriegsmarine und Marineflak schossen vor der französischen und niederländischen Küste am 3. und 4. Januar drei Flugzeuge ab.

Oie japanische Aufbauarbeit in der Güdsee.

Tokio, 5. Ian. (Europapreß.) Ein soeben aus Malaya heimgekehrter Korrespondent der JDlai» nicht" berichtet: Wenig ertragreiche Gummiplan- tagen in Malaya seien abgeholzt worden, um Raum zu schaffen für den Anbau von Baum­wolle, Rizinus und anderen Produkten. Der trotzdem im Ueberfluß produzierte Gummi wurde nach einem neu entdeckten Verfahren in Treib­stoff für Automobile verwandelt. Die großen Bauxitgruben auf der Insel Dintan seien völlig wi^erhergestellt, ihre Produktton übertreffe den Bedarf Japans. In Sumatra seien die Oel­fe l d e r, die vor dem Kriege jährlich etwa 4 Mil­lionen Tonnen hergaben, wieder vollkommen in- standgesetzt worden, während von den vor dem Rück­zug der Feinde ernstlich zerstörten Eisenberg- w e r k e n in Malaya etwa 70 v. H. wieder in vollem Betrieb seien. Schließlich habe auch die Elektrizitäts­versorgung von Malaya in einer gegenwärtigen Erzeugung von mehr als 180 000 kW etwa 90 v. H. der Vorkriegsleistung wieder erreicht.

Auch ein Rückblick auf die Entwicklung der Phi­lippinen seit ihrer Eroberung durch die Japaner offenbart die großen Erfolge der japanischen Mili­tärverwaltung durch Erschließung der natürlichen Hilfsquellen des Landes, Steigerung der Nahrungs­mittelproduktton und Wiederherstellung des Ver­kehrs. Die Erzeugung von Kupfer und Man­ganerzen ist besonders gefördert worden. Auf

Das Aeußerste aus der heimischen Scholle Oie Bodenerzeugung des Gaues Hessen-Nassau im Lahre 1942.

NDG. Wie im gesamten Reicksgebiet, so lief auch die Bodenerzeugung des Gaues Hessen-Nassau im vergangenen Jahre auf höchsten Touren. Auf sine diesbezügliche Rück­frage teilte der S t e l l v. La n d e s b a u e r n- führer Weintz folgende interessante und aufschlußreiche Einzelheiten mit:

,Ias Ziel, dem Böden im Dienste der Ernährung von Front und Heimat das Letzte abzuringen, galt es im Jahre 1942 auch in unserem Gau gebiet wie­der zu verfolgen. Bei der Brotgetreideer^ z e u g u n g war ein durch die Frostschäden beding­ter Ausfall von 50 v. H. der Winterweizenanbau­fläche und von 15 bis 20 v. H. der Winterroggen­anbaufläche auszugleichen, außerdem hatte der Frost 70 o. H. der Wintergerste vernichtet. Neben der Riesenarbeit des Umbruches und der Neuanfaat einer so großen Fläche war ein Saatgutbedarf von nicht weniger als 70 000 Doppelzentner zu decken. Sommerweizen und Sommerroggen, deren Anbau gegenüber den Vorkriegsjahren an sich bereits ver­doppelt war, wurden eingeschaltet, die Sommer- gerftenfläche um 30 v. H. ausgedehnt. Eine außer­gewöhnlich schwere, unvorhergesehene Aufgabe wurde damit durch das Landvolk gemeistert.

Die auf Grund aus gegebener Parolen ebenfalls vor genommene Ausweitung der Kartoffel­anbaufläche wurde schon im Frühjahr durch eine noch nie in solchem Ausmaß erlebte Anforde­rung an Pflanzkartoffeln erkennbar. Trotzdem konnte die große, vorgesehene Fläche mit Saatgut beschickt werden. Vorausblickend ist dabei zu be­merken, daß die Dersorgungsmöglichkett mit Pflanz- kartoffän für das Jahr 1943 günstiger liegen wird, und dies eine weitere Auswirkung auf den Kar­toffelertrag verspricht.

In das Jahr 1942 hätte eine Winteröl­fruchtanbaufläche im Umfange von 60 v. H. des für Hessen-Nassau vorgesehenen Gesamtanbau­kontingents übernommen werden können, um dann die restlichen 40 v.H. durch Sommerölfrüchte zu erfüllen. Auch diese Rechnung warf der Frost um, indem er nur 25 v. H. übrig ließ, so daß also durch einen wieder Arbeitszeit und Saatgut erfor­dernden Neuanbau von Oelfrüchten für die nunmehr

fehlenden 75 v. H. weitmöglicher Ersatz zu schaffen war. Dies geschah unter Einschaltung aller Mtttez der Aufklärung, durch umfangreichen Sommer­raps- und Mohnanbau, der große Del« mengen für die Fettversorgung auifbrächte. Auch im Flachsbau erkannte das Landvolk die Not- der Zeit und konnte die Anbausollfläche durch dis tatsächliche Anbaufläche um 7 v. H. überhöhen. Die« fes Ergebnis ist deshalb von besonderer Bedeutung^ well der Flachs die Spinnfaser, das Leinöl als Fett- (ieferanten und schließlich den Leinkuchen als Mllch« fett erzeugendes Futtermittel liefert.

Beim Anbau von Rüben kam der Zucker« r y b e ganz besondere Bedeutung zu. Das Jahres« lieferrecht für 1942 konnte erfüllt werden. Auch füe die Zukunft gilt der Grundsatz, daß das Lieferrecht gleichbedeutend fein muß mit Anbaupflicht. Ieds Zuckerrüberernte liefert einen gewaltigen Beitrag zur fcholleneigenen Futtergewinnung, so daß schon aus diesem Grunde ein starker Zuckerrübenanbau auch in der Zukunft erforderlich fein wird.

Daß der F u 11 e r a n b a u mit allen Mittels durchgeführt wurde, zumal der Frost in die Klee« bestände und in die überwinternden FuttergemengS eingebrochen war, bedarf kaum der Erwähnung Vor allem wurden Kleegrasgemische und auch verschiedene neue Futterpflanzen, wie die Hirse, angebaut. Der Zwischenfruchtbau wurde in roeitä gehendster Weise wieder zur Durchführung aebrachH um vor allem für die Milcherzeugung die beftmogt lichen Voraussetzungen zu schaffen.

Zur Gemüse mehrerzeugung wurden nicht wer Niger als 25 000 weitere Frühbeetfenster neu ein« gesetzt. Die Auswinterungsschäden trieben zu beson* berem Einsatz. Weitgehend stellten auch die Blumen« gärtnereien ihre Flächen auf den Gemüsebau wm Der Feldgemüsebau allein erfuhr eine Vergrößerung von über 50 v. H.

Daß trotz des Krieges, vor allem im Odenwald, die Rodung ehemaliger Waldflachen fortgesetzt wurde, liegt im Rahmen der gesamten Bemühungen, das letzte Stück Boden auszunutzen, und dach Aeußerfte aus der heimischen Schölle herauszuholen, Dieser Grundsatz wird auch im Jahre 1943 unein« geschränkt fortbestehen und alle zu ergreifendes Maßnahmen leiten."

der Insel Luzon wurde die Anpflanzung von Baumwolle auf Zuckerrohr^im großen Maßstabe durchgeführt. Die jetzige Baumwollanbau­fläche soll im nächsten Jahre verdreifacht werden. Die Erzeugung von Kopra, Palmöl und R e i s hat eine erhebliche Steigerung erfahren, so daß die Lebensmitteleinfuhr nach den Philippinen herab­gesetzt werden konnte. Durch die gesunde Währungs­politik der japanischen Verwaltung wurde ein zügel­loses Ansteigen der Preise verhindert. Die Steuerein­kommen haben sich beträchtlich erhöht.

Italiens Versorgungslage.

Rom, 5. Januar. (DNB.) Der iritaninifterieHe Ausschuß für Versorgung und Preisgestaltung stellte fest, daß die Lebensmittelversorgung im Verhält­nis zum letzten Winter eine Besserung auf- weise, die durch eine Verbesserung der Kontroll- und Sammeldienste sowie der Zubringerdienste noch wetter gehoben werden konnnte. Auch die Weinver­sorgung, für die bereits 30 Millionen Hektoliter er­faßt worden sind, ist für das laufende Jahr sicher- gestellt. Zur Erleichterung der landwirtschaftlichen Produktton wurde beschlossen, schon jetzt die Preise für sämtliche landwirtschaftlichen Erzeugnisse des ganzen Jahres festzusetzen, damit die Erzeuger einen sicheren Überschlag machen können. Gleich- ze-ittg sollen die landwirtschaftlichen Pachtverträge nach einheillichen Gesichtspunkten remitiert werden.

60 Jahre Postsparkassenamt.

Das Postsparkasfenamt in Wien, die Zentrale des großdsutschen Postsparkassendienstes, verwaltet zur Zeit etwa 8,3 Millionen Sparkonten mit einem Gesamtspareinlagenbestand von 'rund 2,8 MMar- den RM. Das Postsparkassenamt, das am 12. Ja­nuar 1943 auf ein öOjähriges Bestehen zurückbticken kann, hat damit vier Jahre nach Ausdehnung seines.Wirkungsbereichs auf das gesamte Reich einen in jeder Hinsicht beachtlichen Sparerfolg er­zielt. In bewußter Pflege seiner geschichtlich Übet« lieferten Aufgabe, vornehmlich das Klein sparen

zu fördern, ift das Postsparkassenamt Träger deß freizügigen Postsparsystems mit einzigartiger Brei­tenwirkung geworden. Die Freizügigkeit des Postt sparbuchs in Verbindung mit dem 'dicht verzweigten Netz von über 80 000 Postdienststellen geben deirj Postsparkassendienst fein besonderes Gepräge. Das Postsparbuch ist überall in Stadt und Land anM treffen, nicht zuletzt auch in der Großstadt be­reits heute hat jeder fünfte Berliner sein Postspar­buch! Besonders beehrt ist es bei der Wehrmacht. Mehr als drei Millionen Soldaten sparen mit dem roten Büchlein. Durch Einschaltung eines bis an die äußersten Fronten reichenden Netzes von Sam* melstellen werden auch im Felde Spareinlagen ent* aegen genommen. In diesen Tagen tritt ein Ver­fahren in Kraft, das durch Vermittlung der Post« ärnter die telegraphische Kündigung und Rückz ah« hing von Postspareinlagen von mehr als 100 RM ermöglicht.

Kunst und Wissenschaft.

Hochschulnachrichten.

Der emer. Ordinarius für theoretische Physik des Technischen Hochschule Karlsruhe, Geheimer Hofrat Professor Dr. August Schleiermacher, voll­endet in diesen Tagen fein 85. Lebensjahr. 1857 in Darmstadt geboren, studierte er in München, und Würzburg und habilitierte sich 1879 in Karls­ruhe, wurde 1889 a. o. Professor und 1896 Ordina­rius. Er war der erste, der an einer deutschen! Technischen Hochschule die theoretische Elektrizitäts­lehre auf Maxwellscher Grundlage formvollendeL darstellte und dabei den Weg zu ihrer Anwendung auf die praktisch wichttgen Aufgaben der Elektro­technik zeigte. In Dresden vollendete der durch seine Forschungsarbeit in der Photographie weit­hin bekannt gewordene Professor Dr. Robert Luther fein 75. Lebensjahr. Der Forscher, Leiter der von ihm 1919 begründeten Deutschen Photo­händlerschule in Dresden und des wissenschaftlich geographischen Instituts der Dresdener Technischen Hochschule, ist einer der Mitschöpfer des DIN*

Mittwintertag.

Von Otto Alscher.

Die Nadeln des Rauhreifs rieseln immer schneller pön den Wipfeln der Urwaldbuchen nieder. Ein Knistern und Helles Klingen erfüllt den Bergwald, wie Blitz und Funkeln, wenn die eckigen Eiskristalle die gelben Sonnenstrahlen durchschneiden, als kämen von Ferne fremde Stimmen herüber oder als fei das nächtlich zitternde Heulen der Wölfe dieser Wälder zu taghellem Drohen erwacht. Drüben der Berghang jenseits des Tales sieht grau und düster aus. Dort stehen die mächtigen Baumkronen noch wie müde krause Greisenyäupter da; Meisen zirpen in den Bäumen, suchen mit ihren vielen Artgenossen das Bartmoos der Aeste nach Infekten ab, ein Specht begrüßt die Sonne mit feinem flötenden Ruf, eine Schar Wacholderdrosseln kommt mit frohem Schnar­ren angeflogen, fällt nahe in den Wipfeln ein, dann schwirren sie in das Gewirr eines Windbruches hinab, um dort noch die erfrorenen Reste des som­merlichen Beerenfegens aufzufuchen.

Inmitten des Windbruches, wo die Stämme in mächtiger Länge hingestreckt sind, ragen gewaltige Wurzelballen über das Fallholz empor. In einem der Wurzelballen, dessen Erdreich frei liegt und unter dem sich die dunkle Deffnung einer Höhle zeigt, bringt warm die Sonne ein. Die Wärme hat einige Winterfliegen ins Freie gelockt, die nun trun­ken durch den Sonnenflcck surren. Und vom Gesurr erweckt, schiebt sich auf einmal der zottige Schädel eines Daren durck die Deffnung, blinzelt geblendet ins Licht, zieht schnuppernd die Sonnenluft ein, kommt gänzlich ins Freie und starrt benommen in die Helle des Wintertages.

Der Bär hat sich auf die Keulen gefetzt und prüft noch immer mißtrauisch die Wärme des Tages. Dann beginnt er sich zu kratzen und zu schütteln, um den Staub des Winterlagers aus dem Pelz zu bekommen. Der Bär ist mit feiner Säuberung fertig geworden. Doch noch immer blinzelt er unschlüssig in die Lichtfülle, als traue er dem Tage und seiner Wärme nicht, erwarte plötzlich graue Trübe und fauchenden Sturm, dellen Eishauch ihn rasch wieder in dis Höhls -mckckjagL Da gleitet ein Eichhörnchen

ganz nahe einen Stamm herab. Es sieht den Bären, stutzt, fährt wieder aufwärts, verhofft in halber Höhe, beginnt aufgeregt zu klopfen und zu schnal­zen, indem es im Kreise um den Stamm herum- läuft.

Der Bär ist auf das Eichhörnchen aufmerksam ge­worden. Er beobachtet es, erstaunt über die Leb­haftigkeit, nun kommt ihm auch das Zirpen der Meisen, das Schnarren der Krammetsvögel zu Be­wußtsein, belebt ihn und erweckt in ihm das Ver­langen, in die allgemeine Lebhaftigkeit einzustimmen.

Er verlaßt den Platz vor der Höhle, klettert über das Fallholz hinweg ins Freie, zwinkert in das glatte Weiß der Schneefläche zwischen den Bäumen, prüft nochmals den Wind und fetzt sich dann nach rechts in Bewegung, angezogen von der warmen Luft, dem sanften Waldgeruch, der von dort heran- ftrömt.

In langem Trab zieht er zwischen den Stämmen hin. Er hat kein Ziel, er fühlt nur die Notwendig­keit zu wandern, die von langer Ruhe ungelenk ge­wordenen Glieder zu regen. Auch der Hunger treibt ihn nicht, dazu ist er viel zu befangen vom Rausch der Helle, von dem lichten Tag im Walde, der ihm ftemd und unwirklich erscheint gegen die graue nebelige Verschlossenheit; deren peitschender Regen ihn, vor nicht zu langer Zeit, im Winterlager sich verkriechen ließ. Immer wieder stößt er auf Leben und freudige Beweglichkeit. Frische Spuren führen durch den Schnee, er kreuzt die Fährte von Sauen, die eben erst vorbeigewechselt sind, stutzt einen Augenblick, es drängt ihn, den Wildschweinen zu folgen, doch fühlt er sich zu taumelig dazu und ohne jede Raublust. Einen Fucks, der seitwärts aufgetaucht ist und frech zu ihm herüberäugt, schaut er erstaunt an, aber sogleich wird er ihm wieder gleichgültig, und er trottet weiter mit hän­gendem Schädel, als mache ihn die frische, feuchte Winterluft schläfrig. Darum beachtet er auch gar yicht die Begleitung eines Rauhfußbussards, der immer über ihn hinwegstreicht, ihn erwartend auf- bäumt, um ihm weiter zu folgen, in der Erwar­tung, durch das große, starke Raubtier zu einer leichten Atzung zu kommen.

In eine Senkung eintauchend kommt er zu einem Vach mtt trübem SchmelzwasseL Er Mt jah «th.

gebannt und ganz aus der Fassung gebracht von dem würzigen Geruch des frischen Schmelzwassers, dessen Beimischung von keimender, befreiter Erde, von dampfendem Moderholz ihm wie eine trüge­rische Verheißung erscheint. Er wirft den Schädel auf, vernimmt nun auch das zage Brausen in den Bäumen, schnuppert und lauscht ungläubig, ob das der Föhnwind ist und zieht nun, sich zu über­zeugen, langsam, neben dem milchigen Wasserlauf aufwärts. Rasch kommt er höher, erreicht endlich den Rand eines kahlen Bergrückens, wo sich der Wald in einzelnen, fturmgeköpften niederen Bu­chen vertiert, an die sich ein Gewirr von Fels­blöcken und hoch angewchter Schneewächten an- schließt.

Ueber den Bergrücken aber kommt es eisig her­über. Da wandert der Bär zwischen den Felsen hin, bis er den Grat gänzlich erreicht hat. Und nun sieht er jenseits schwarz und dunkel den Wald, finster leblose Tiefen mit starren Gipfeln sich reihen, auf denen schneegepanzert und unbarmherzig der Winter hockt. Eine Weile nur betrachtet der Bär dieses mit eisigem Schweigen drohende Bild, dann wendet er sich wieder in den Wald hinab. Und dort wendet er sich, ohne die schon matt scheinende Sonne meiter zu beachten, wieder den Weg zurück, den er gekommen ist. Die Dogelstimmen sind verstummt, die Sonne streift nur noch die Wipfel der Bäume, und vom Boden steigt Kühle auf. Der Schnee ver­harscht schon wieder, er beginnt unter den Tritten ZU krachen, und das erregt den Bären, denn er muß feine Aufmerksamkeit anspannen, um bei dem Lärm, den er seHst verursacht, fremde Geräusche zu vernehmen. Da hört er plötzlich einen fernen Laut wie ein Belfern. Verhaftend lauscht er, ein Knurren ist es, als führen zwei Wölfe zornig gegeneinander los. Der Bär schüttelt argwöhnisch den Schädel, schwingt sich auf einen Fallbaum und erwartet hochaufgerlchtet das Kommende. Rasch naht ein Geläuf, immer wieder Knurren und Gei­fern dazwischen, und dann tauchen sie auf, ein Rudel Wölfe, voran die Wölfin und hinter ihr zwei, drei Rüden, eifersüchtig einander wegbeißend.

Die Wölfe haben chn sogleich bemerkt. Nur einen Augenblick verhaften sie, herüberschauend, der größte der Rüden macht einftge Schritte auf den Bären

au, da aber die Wölfin unbekümmert ihren Weg fortsetzt, eilt er ihr nach, und bald ist das Rudel über den Hang hinweg zwischen den Stämmen) unten verschwunden. Der Bär setzt seinen Weg fort. Der Wald ist düster geworden, starr ragen diS Bäume in den flachen, grauen Himmel auf. Ein eisiger Wind schneidet pfeifend durch den Wald, der Schnee wird blau und starr. Es ist, als spanne sich die Hand des Winters über Berge, Schluchten und Wald, um mit ihren Knochenflngern alles Leben ztt töten. Den Bären beginnt es zu frösteln. Feindlich wächst die Einfamkeit um ihn auf, fremd ist der Wald geworden, und er hastet feiner Höhle zu, dort im dunklen, traumlosen Hindämmern über die fremde Zett hinwegzukommen, die doch einmal enden muß.

Das neueInselschiff-.

3,u Weihnachten ist ein neues Heft vomInsel« s ch i f f", der Zettschrift für die Freunde des Jnsef- Verlags zu Leipzig, erschienen: so reichhaltig und noch immer so gediegen und nobel ausgestattet wie alle seine Vorgänger. Der Verlaa gedenkt zweier be­währter und verdienter Mitarbeiter, des kürzlich uer« ftorbenen ausgezeichneten Buch- und Schriftkünstlers und Illustrators Emll Rudolf Weiß sowie des Dich« ters Max Mell, den ein schöner, herzlicher Beitrag von Franz Nabl zum 60. Geburtstage begrüßt, und von dem das Inselschiff eine große SzeneDer Streit der Königinnen" als Probe aus der drama­tischen DichtungDer Nibelungen Not", einer Neu­gestaltung des berühmten Stoffes zum Abdruck bringt. Mit Gedichten sind diesmal Carossa und Ger­hart Hauptmann (Wartburg", Terzinen aus bet epischen DichtungDer große Traum") vertreten. Von Edwin Fischer lieft man eine gedankenvolle, persönlich belebte BettachtungKunst und Leben. Carl A. Willemsen schildert das Castel del MontS (mit schönen Aufnahmen aus einem kommenden Buche über Apulien), Felix Timmermans bringt eine ErzählungDer Winter naht", aus einem Ferien-» tagebuche, und als Probe aus dem von der Insel geplantenBuch deutscher Briefe" findet man einest Weihnachtsbrief Theodor Storni# (.Dezemh-k un Gottjrieh Kelley