nötigen, die Auswahl der Werte auf nur beste künstlerische Leist umgen zu beschränken.
Beschränkung der Pferderennen.
In der bevorstehenden Rennzeit werden die Pferderennen auf Sonn- und FeiertÄge und einige wenige Rennplätze mit Trainingszentralen beschränkt werden. Dem Galopprennsport bleiben die Rennbahnen ih Berlin-Karlshorst und Hoppegarten, Dresden, Düsseldorf, Hannover, Posen und Wien, dem Trabremrsport die Bahnen in Berlin-Marien- darf ab 1. Mai, Berlin-Ruhleben nur bis 30.4., Gelsenkirchen, Hamburg-Farmsen und Wien erhalten. Sämtliche übrigen Rennbahnen bleiben geschlossen. Es ist zu erwarten, daß diese Maßnahmen ausreichen werden, um die Grundlagen der Vollblutzucht und Traberzucht zu erhalten und eine gute Auslese durch die Rennen, als wirksamste Leistungsprüfung, zu gewährleisten.
Kleine politische Rachrichten.
Generaladmiral Carls und Generaladmiral Boehm konnten auf eine 40jährige Dienstzeit in der Kriegsmarine zurückblicken.
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Aus allen Bevölkerungskreisen sind beim Tode des Reichssportführers von Tschammer und Osten herzliche Anteilnahme den Leidtragenden bezeugt worden. Die Familie des Reichssportführers und die Reichssportführung statten auf diesem Wege der deutschen Oeffentlichkeit den aufrichtigsten Dank dafür ab.
In der Nacht Aum 4.4. errang die Nachtjagdgruppe des Eichenlaubträgers Major S t re i b ihren 2 5 0. Na ch tj a g d f i e g. Hauptmann Frank konnte mit drei Abschüssen die Zahl seiner Luftsiege auf 20 erhöhen. Hauptmann Lütje erzielte mit zwei Abschüssen seinen 21. Lustsieg. Leutnant Geiger, der in der Nacht zum 30.3. bereits fünf feindliche Bomber abgeschossen hatte, errang seinen 20. Luftsieg.
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600 junge Niederländer, die sich als Freiwillige für die Ostfront gemeldet haben, wurden in Anwesenheit des Leiters der NSB., Diplomingenieur Mustert, und des ^-Gruppenführers, Generalleutnant Rauter, in Haag verabschiedet. In Utrecht erfolgte die Verabschiedung von weiteren 600 Männern der Wehrabteilung der niederländischen nationalsozialistischen Bewegung.
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Der französische Generalresident in Tunis, Admiral Esteva, besichtigte das erste Truppenkontin- aent der vor kurzem in Tunis gebildeten französischen Freiwilligen-Legion. Der Admiral ermahnte die Freiwilligen, weiterhin Marschall PStain, der den Kampf gegen England und die USA. befohlen habe, gehorsam zu sein.
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Der ungarische Ministerpräsident und Außenminister Kalla y war vom 1. bis 3. April in Italien. In Besprechungen mit dem Duce und Unterstaatssekr^tär Bastianini hatte der Ministerpräsident Gelegenheit zu einer eingehenden Prüfung der allgemeinen Lage sowie der Italien und Ungarn besonders interessierenden Fragen.
General Liu Pufen, Chef des. nationalchinesischen Generalstabs und Vorsitzender des Militärrates der chinesischen Nationalregierung, ist im Pekinger deutschen Krankenhaus im Alter von 56 Jahren gestorben.
Aus alter Wett.
hochschulnachrichlen.
Der o. Professor der Geschichte an der Universität Münster, Dr. Gerd Tellenbach, ist vom Oberpräsidenten der Provinz Westfalen zum Direktor des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens berufen worden. Tellenbach wirkt seit 1942 an der Universität Münster, wohin er von Gießen berufen wurde. Er wurde 1903 in Lichterfelde geboren, studierte in München und Freiburg, promovierte 1926 in Freiburg, habilitierte sich 1933 in Heidelberg und kam 1938 als Ordinarius nach Gießen. Seine Arbeitsgebiete sind Verfassungsgeschichte, Kirchen- und Gerstesgeschichte des Mittelalters.
Münchener Komponisten im Rundfunk.
Zeitgenössische Lied- ubd Kammermusik von Münchener Komponisten hören wir im Reichsprogramm am Montag von 15.00 bis 16.00 Uhr. Lore F j - scher bringt zusammen mit Rudolf Nel und Michael Raucheisen drei Gesänge nach mittelhochdeutschen Dichtungen von Siegmund von Hausegger. Ludwig Thuille ist mit einem Bläser-Sextett vertreten. Das Konzkrt klingt mit Liedern von Joseph Haas aus.
Aus -er Siadi Gießen.
Kluge Krauen.
Als Frau Lieselotte die drei kleinen Buben ins Bett gebracht hat und wieder ihrem Gatten gegenüber im Wohnzimmer Platz nimmt, kann sich Herbert nicht enthalten zu jagen:
„Weißt du, Lilo, wenn mein^ Kollegen manchmal erzählen, wie schwer es ihre Frauen haben und wie abgehetzt sie sistd, dann muß ich immer an dich denken und wie es wohl kommt, daß du niemals stöhnst. Und dabei ist es doch sicher nicht einfach, wie du unfern Fünf-Personen-Haushalt so ohne Hilfe bewältigst."
Frau Lilo lacht. „Einkeilung ist das halbe Leben, Mann. Ich erzählte dir jy schon, wie leicht ich es mir in der Schule gemacht habe, indem immer nur eine von uns Freundinnen die Vokabeln aus dem Lexikyn heraussuchte, während die andern auf die Eisbahn gingen. Genau jo wechsle ich mich heute mit Frau Zimmermann, unserer Nachbarin, ab. Denkst Du, wir sind so dumm, beide zum Metzger zu gehen oder beide so und so lange zu warten bis wir in einem anderen Laden bedient werden. Da geht den einen Tag sie zum Metzger, den andern Tag gehe ich. Und wer auch immer geht, bringt gleich alles für beide Haushalte mit. Und wenn Lenchen Zimmermann MM* Waschtag hat, dann betreue ich ihre Kinder genau so mit, wie sie sich unserer Jungen annimmt, wenn ich mal etwas Wichtiges vorhabe. Wir sparen dadurch eine Menge Zeit."
„£u bist eine kluge Frau", sagt da Herbert, und wenn seine Kollegen wieder einmal erzählen, wie
sehr sich ihre Frauen hetzen und plagen, bann wird er von der Interessengemeinschaft zweier Haus- ftcruen erzählen, deren Nachahmung empfehlenswert ist. fs.
Hochzeit
eines Gießener Eichenlaubträgers.
Am Samstag feierte der Eichenlaubträger Hauptmann Hell mut Hudel, Kommandeur einer Panzer-Abteilung, ein geborener Gießener, in unserer Stadt seine Hochzeit. Die standesamtliche Trauung, die um die Mittagsstunde im Trausaal des Alten Rathauses am Marktplatz stattfand, wurde mit einer musikalischen Darbietung des Quartetts des Städtischen Orchesters eingeleitet. Dann sprach der Standesbeamte zu dem Hochzeitspaar, wobei er u. a. die großen militärischen Verdienste des Bräutigams im Kampfe für unser Volk und Reich betonte. Nach der Trauung^durch den Standesbeamten überbrachte Kreispropagandaleiter Zinser die herzlichen Glückwünsche des Kreisleiters und der Kreisleitung Wetterau der NSDAP., anschließend sprach Bürgermeister Dr. Hill als Vertreter der Stadt Gießen herzliche Glückwunschworte zu dem jungen Paar, dem von beiden Rednern (A)renge° schenke überreicht wurden. Das Quartett des Städtt- jchen Orchesters beschloß die feierliche Stunde mit einer weiteren musikalischen Darbietung.
Zufällig kam am Abend des Hochzeitstages durch den Rundfunk noch die Nachricht heraus, daß Hauptmann Huoel, dem schon vor einiger Zeit das Ritterkreuz 3um Eisernen Kreuz verliehen worden war, nunmehr vom Führer auch mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz ausgezeichnet wurde. Die Gießener Bevölkerung beglückwünscht das Paar herzlich zu feiner
Hochzeit und begleitet namentlich den jungen gatten mit allen guten Wünschen für seinen weiteren Einsatz in den Kämpfen an der Front und für fein* fernere Soldatenlaufbahn.
Verdunkelungszeik:
5. April von 21.01 bis 6.17 Uhr, *
** Zusammenfassung der Pflege« an st alt en. Auf behördliche Anordnung wurden das Landes-Alters- und Pflegeheim und dos Kinderheim zu Gießen als selbständige Anstalt aufgehoben und der Landes-Heil- und Pflegeanftalt Gießen angegliedert. Die Anstalten führen jetzt die gemeinsame Bezeichnung „Landes-Heil- und Pflegeanstall mit Alters- und'Kinderheim zu Gießen".
** Eine Siebzigjährige. Am morgigen Dienstag, 6. April, kann Frau Elise Weber, Am Riegelpfad 90 wohnhaft, ihren 70. Geburtstag begehen. Der Jubilarin bringen auch wir unseren herzlichen Glückwunsch dar.
** D ichter lesung Joachim von der, Goltz. Man schreibt uns: Für Mittwoch, 7.April, haben die im Gießener Dortragsring zusammen- geschlossenen Kulturverbände (Goethe-Bund, Kulturelle Vereinigung und Dolksbildungsstätte Gießen der NSG. „Kraft durch Freude") den bekannten Dichter Joachim Frhr. von der Goltz zu einer Lesung aus eigenen Werken verpflichtet. Aus dem Schaffen des Dichters ist vor allem fein hervorragendes Kriegsbuch „Der Baum von Mry" in weiten Kreisen bekannt geworden. Goltz nimmt auch unter den Dramatikern unserer Zeit eine besondere Stellung ein. Der Dichter gilt als ausgezeichneter Mittler feiner Werke, und seine Lesum« gen hinterlassen einen tiefen Eindruck.
llnsere Soldaten Helsen dem Kriegs-WHW.
Vorbildlicher Einsatz — großer Erfolg.
Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren, ist ihnen zu jederzeit klar, erkennbar, wie eng und herzlich verbunden sich die Gießener Bevölkerung mit ihnen weiß. Und wenn die Soldaten, wie am Samstag und am gestrigen Sonntag, die Männer und Frauen, Jungen und Mädchen aufrufen, sich mit ihnen gemeinsam für die Erfüllung einer großen Aufgabe einzufetzen, dann können sie wiederum die Feststellung machen, daß alle Volksgenossen und Vvlksgenossinnen gerne mit ihnen marschieren und wirken. So ist es denn auch nur eine Selbstver^ ständlichkeit, daß der diesjährige Einsatz unserer Soldaten für das Kr iegs-Winterhilfswerk zu einem neuen gewaltigen Erfolg geworden ist, gleichberechtigt und würdig neben feinen' Vorgängern in früheren Jahren.
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Bereits der Auftakt am Samstag war sehr verheißungsvoll. Als die, Angehörigen der Wehrmachtgefolgschaft, die Nachrichtenhelferinnen, die alten Soldaten des ersten Weltkrieges und die Männer und Frauen des Deutschen Roten Kreuzes mit den Sammelbüchsen und den Sp'endeabzeichen in Form der Heftchen mit den Bildern und kurzen Schilderungen vom Leben und den Taten von Ritterkreuzträgern in den Straßen der Stadt erschiene^, war der Betrieb um die Sammelbüchsen im Handumdrehen sehr lebhaft. Die Heftchen wurden gerne gekauft, und vielfach wurden die Spenden sehr reichlich bemessen. Unermüdlich rappelten vom Wtorgen bis zum Abend die Sammelbüchsen, und immer schwerer wurde ihr Inhalt, immer strahlender die Gesichter der Sammlerinnen unb Sammler. Aber auch die Spender und Spenderinnen ließen erkennen, daß ihnen diese Opferspende nicht nur eine Sache des Verstandes, sondern zugleich eine Angelegenheit des Herzens und der tiefempfundenen Dankbarkeit für die Taten unserer Soldaten an der Front war. Die Hammelbüchsen bekamen neben dem Verkauf der Spendeabzeichen auch noch viele, viele Groschen und Fünfer oder Fünfziger, ja sogar Markscheine eingesteckt, die „so nebenher" ohne Abzeichen lockergemacht und auch gerne aus der Geldtasche des Spenders entlasten wurden. Das Ergebnis dieses ersten Tages war unbeftreitbar bereits ein starker Erfolg der Samlung unserer Soldaten für das Kriegs-WHW.
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Der gestrige Sonntag brachte gewissermaßen eine Mobilmachung aller Gießener und der Bewohner vieler Nachbarorte. Schon vom Vormittag ab konnte man in stündig steigendem Maße eine Völkerwanderung sehen, deren Ziele die Kasernen und Veranstaltungsplätze unserer Soldaten waren. Der Obus-Betrieb zeigte namentlich um die Mittagsstunden und am Nachmittag immer nur bis zum äußersten überfüllte Wagen, die besonders auf der Strecke zu unseren Fliegern, die Regel waren. Aber auch auf den
Linien zur Bergkaserne und zu der Veranstaltung der Nachrichtenhelferinnen herrschte Großbetrieb, denn Tausende von Menschen wollten natürlich möglichst schnell durch den Obus an das Ziel ihres Weges gebracht sein. Daneben beweaten sich ununterbrochen lange Kolonnen von Fußgängern auf dest Wegen zu unseren Truppenunterkünsten, vor deren Toren sich zeitweise große , Ansammlungen stauten, da der Durchlaß durch die Sammlerketten natürlich nicht immer so rasch möglich war wie der „Nachschub" an Besuchern anwuchs. Allenthalben wickelte sich aber der Verkehr ohne Reibungen und mit humorvoller Einsicht in die gegebenen Möglichkeiten ab, so daß man auf den Veranstaltungsplätzen überall nur zufriedene Gesichter sah. Ununterbrochen wurden auch hier, diesmal von den Soldaten, die Sammelbüchsen herumgereicht, und der Erfolg war in allen Fällen weit mehr als erwartet worden war, denn die Fünfer und Groschen usw. saßen immer noch locker und wurden immer aufs neue ergänzt, so daß die Büchsen an Schwergewicht ständig zunahmen.
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In der Bergkaserne waren die Grenadiere eifrig am Werk, durch mancherlei Veranstaltungen die vielen Besucher gut zu unterhalten und ihnen interessante Einblicke in den soldatischen Dienstbetrieb zu geben, Kleinkaliberschießen, Zeltbauen, verschiedene militärische Hebungen usw. fesselten die Besucher in starkem Maße. Um die Mittagszeit gab es einen schmackhaften Eintopf, den d er Musikzug der SA.- ötanbärte 116 durch gute Unterhaltungsmusik zum Mittogstisch noch besonders bereicherte.
Die Landesschützen hatten in der Zeughauskaserne ebenfalls mancherlei Unterhaltendes veranstaltet, das sehenswert war, während sie im Saale des Caf6 Leib schon am Samstag gegen Abend und bann am Sonntagmittag ausgezeichnetes Eintopfessen verabreichten, das gerne und mit starkem Beifall genossen wurde.
Bei den Nachrichtenhelferinnen konnten sich die Gäste ebenfalls'an einem vortrefflichen Eintopf erfreuen, wobei auch hier der Musikzug der SA.- ©tan barte 116 die Tischmufik stellte, außerdem manche „Blitzmädchen" durch gesangliche Darbietungen noch erfreuten. Der Besuch bei den netten Gastgeberinnen wird den Gästen gleichfalls in guter Erinnerung bleiben.
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Das Schwergewicht des Tages lag im Fliegerhorst. Unsere Flieger hatten mit starkem Aufgebot Dön Kräften eine Veranstaltung aufgezogen, an der aber auch „alles dran" war und die sich nach jeder Richtung hin hervorragend präsentierte. Schon am Vormittag herrschte dort ein Betrieb, der von Mertelstunde zu Viertelstunde immer gewaltiger wurde und schließlich um die Mittagszeit und am Nachmittag zu einem solchen Massenandrang anwuchs, wie
wir ihn in Gießen bisher nur feiten gesehen haben. Unsere Flieger zeigten sich aber allen (Ermartungen, selbst den hochgespanntesten, gewachsen und bereiteten ihren Gasten einen Sonntag, der lange in guter Erinnerung bleiben wird.
Neben der Möglichkeit, sich in den Unterkünften unb sonstigen Einrichtungen des Horstes umsehen zu können und dabei viel Interessantes kennenzulemen, das mit starkem Wissensdrang in Augenschein genommen wurde, boten sie auch mancherlei inter« essante Ausschnitte aus dem Freizeit-Leben unserer Soldaten, wie es sich z.B. in der Ausstellung „Soldaten als Künstler", in gesanglichen Darbietungen usw. offenbarte. Einige Verlosungen von schönen Dingen für die Wohnungen, von Flugzeugmodellew usw., brachten obendrein vielen Besuchern noch ein Andenken, das sie als bleibendes Erinnerungszeis chen mit nach Hause nehmen konnnten.
Um die Mittagszeit konnte man sich aus den Küchen unserer Rieger an einer ausgezeichneten Erbsensuppe mit Speck und Fleisch stärken, die von Tausenden von Männern, Frauen und Kindern mit größtem Appetit verzehrt und mit Recht allenthalben sehr gelobt wurde. Der prächtige Eintopf, der auch bei den strengsten Maßstäben der Hausfrauen in vollem Ausmaß bestehen konnte, wurde dadurch noch wertvoller, daß man ihn ohne Markenabgabe empfina; er reizte viele Besucher sogar so sehr, daß sie sich — nach vorheriger vorsorglicher „Cindeckung" mit mehreren Eßmarken — noch einen zweiten und dritten „Schlag" hollen, ja einige neben ihren gefüllten Tellern sogar noch Essen- künnchen stehen hatten, die sie von daheim mit» schleppten, um sich das vortreffliche Essen noch für eine Mahlzeit nach Hause mttzunehmen. Obwohl Tausende von Besuchern hier speisten, verlief der ganze Essenbetrieb schr flott, da auch für die Bedienung der Gäste in umfangreichem Maße gesorgt worden war, so daß jeder schnell zu feiner Atzung kam.
Nach dieser Stärkung zog der Flugplatz die Be^ sucher ganz besonders an. Hier konnten sie viel Interessantes beobachten und den verschiedenen Flug- vorführungey mit stärkstem Interesse folgen. Stundenlang warteten Tausende von Menschen am Rande des Flugplatzes aus, um allen Einzelheiten der fesselnden Darbietungen folgen zu können. Daneben war noch die Möglichkeit geboten, sich in vergebenen Hallen umzuschauen und dort viel Sehenswertes aus dem Bereiche unserer Flieger kennenzulernen. Alt und jung waren mit gleich starkem Interesse bei der Sache und wurden gar nicht müde, bis schließlich auch dieser Teil des erlebnisreichen Nachmittags feinen Abschluß fand.
Der Nachmittag brachte weiterhin ein Fußballspiel, das mit starkem Interesse verfolgt wurde. In einem Variete, das Soldaten und Nachrichtenhelferinnen als Mittvirkende zeigte, wurde den vielen
(Nachdruck verboten.)
39. Fortsetzung.
Glück auf, Renate!
Noman von Ernst Erau.
_ „Darüber möchte ich die Aussage verweigern, Herr Handgerichtsrat. Es handelt sich dabei um Differenzen rein privater Natur."
„So. Aber es besteht doch die Möglichkeit, daß Ihnen nach dieser überraschenden Kündigung der Gedanke kam, sich an Terbrüggen zu rächen. Es ging ja immerhin um Ihre ganze Existenz."
Hellingrath schüttelte den Kops.
„Derartige Gedankengänge-lagen mir damals und auch später vollkommen fern"
„Dem steht aber doch die Tatsache entgegen, daß Sie an dem betreffenden Tage beim Einfahren Ihre Waffe mitnahmen. Das ist zum mindesten doch ungewöhnlich."
„Es wäre ungewöhnlich, wenn ich es getan hätte. Aber das Gericht irrt in dieser Annahme. Ich habe niemals beim Einfahren eine Waffe bei mir gehabt. Ich hatte bisher auch niemals eine Veranlassung dazu."
„Der Befund Ihres Wagens in der Garage hat ab et zweifelsfrei ergeben, daß der Werkzeugkasten gut verschlossen war und unmöglich inzwischen mit einem Nachschlüssel geöffnet sein konnte."
„Dazu vermag ich nichts zu sagen."
Der Vorsitzende blättert nervös in den vor ihm liegenden Akten. Der Fall lag doch sonnenklar Es mar wirklich sinnlos, daß der Mann dort bei lelnem hartnäckigen Leugnen blieb. Was versprach er sich davon?
„Dann erklären Sie sich bitte dazu, wie die Ihnen gehörige Waffe erst zur Tat benutzt und spater auch am Tatort gesunden werden konnte?"
„Diese Auskunft könnte wohl nur der Täter selbst geben."
Doktor Wildow lehnt sich achselzuckend in seinen Sessel zurück.
„Haben Sie noch eine Frage an den Angeklagten, Herr Staatsanwalt?"
„Danke."
„Dann ..der Vorsitzende wendet sich dem an der Tür stehenden Justizwachtmeister zu, „dann bitte zunächst den Zeugen Karl Meinders."
Der tritt sofort ein. Mit leichten, federnden Schritten geht er auf den Tisch des Richters zu. Den rechten Arm trägt er in einer schwarzseidenen Binde. Nach Ansicht der behanb^^lli Aerzte wird dieser Arm vermutlich steif bl^^^tta die Kugel einige Sehnen durchschlagen hcWMff
Werner wendet sich beim Eintritt dieses Mannes nach hinten, wo Walter Hammerkott und Frau Thora Kersten sitzen. Sie tuscheln eifrig miteinander, und ihren Blicken ist zu entnehmen, daß sich ihr Gespräch um den eben auftretenden Meinders zu drehen scheint.
,Sie heißen Karl Meinders, Direktionssekretär auf Zeche Hammerkott und 23. Oktober 1889 als Sohn eines Bergmanns in Ratibor geboten?"
,Zawohl."
„Sie wollen also genau gefehen haben, Herr Zeuge, daß der auf Sie gerichtete Schuß von Doktor Hellingrath abgegeben wurde?"
„Ja ... ich sah ..."
„Ick mache Sie darauf aufmerksam, Herr Zeuge", unterbricht ihn der Richter, ,chaß Sie im Anschluß an Ihre Vernehmung wahrscheinlich vereidigt werden. lieber die Bedeutung des Eides und die Folgen einer Falschaussage brauche ich Ihnen nichts zu sagen. Fahren Sie bitte fort."
Meinders machte eine kleine Geste der Verlegenheit. Ein heißer Boden, auf hem ich hier stehe, denkt er. Doch sofort hat er sich wieder in der Gewalt.
„Ich habe in dem gleichen Augenblick, in dem ich getroffen wurde, noch deutlich wahrnehmen können, daß das Feuer von derselben Stelle kam, wo uns Hellingraths Lampe entgegenschimmerte."
Dr. Reckling räusperte sich vernehmlich und bemerkt:
„Außer dem Angeklagten befand sich aber auch noch Direktor Terbrüggen vor Ihnen in der Schußlinie ..."
„Nicht ganz" weist Meinders den Anwalt sofort zurück. „Xerbrüggen stand nur wenige Schritte seitlich von mir, ich konnte die Umrisse seiner Figur in dem ungewissen Zwielicht gerade noch erkennen."
„Nehmen wir einmal an", mischte sich der Vorsitzende wieder ein, „nehmen mir einmal an, daß Sie recht haben, Herr Zeuge. Hatten Sie mit dem Angeklagten Hellinarath irgendwelche Differenzen, die einen solchen Angriff gerechtfertigt Hüften?"
Meinders zögert wieder ein wenig, sagt dann aber klar und bestimmt:
„Nein!"
Der Mann auf der Anklagebank sieht überrascht auf, als er dieses Nein hört. Er ist dem Gericht von Herzen dankbar, daß es Renate bisher nicht in die Sache hineingezogen hat. Von Meinders dagegen hat er eine solche Rücksichtnahme eigentlich nicht erwartet. Im. stillen dankt er ihm für diese Ritterlichkeit.
„In der Voruntersuchung hat aber der Zeuge Terbrüggen gerade in diesem Punkte ganz entgegen- gefetzte Angaben gemacht ..."
,/Das ist ein Irrtum. Ich habe mit dem Angeklagten niemals irgendwelche Differenzen gehabt", bekräftigt Meinders seine Aussage.
„Das verstehe ich nicht", wunderte sich der Richter. „Der Angeklagte mußte doch im Gegenteil sehr schwerwiegende Gründe haben, wenn er mit der Waffe in der Hand gegen Sie vorging?"
Der Zeuge lächelt verbindlich.
„Ich bin der Ueberzeugung, daß der Schuß auch nicht mir galt ..."
„Sondern?"
„Direktor Terbrüggen. Das schlechte Verhältnis zwischen den beiden ist ja allgemein bekannt. Wahrscheinlich glaubte sich Hellingrath auf der abgebauten Strecke mit Terbrüggen allein ..
Der Richter nickt vor sich hin. Seine Augen nran* dern zur Anklagebank hinüber. So wird es Der» mutlich auch gewesen sein, denkt er.
Doch er sagt nichts und wendet sich wieder dem Zeugen zu.
»hatten Sie selbst mitunter Differenzen mit Herrn Terbrüggen?"
„Nein", kommt es gut vorbereitet. ,Hedenfall6 nichts von Belang."
Werners Verteidiger erhebt sich.
„Mein Mandant hat mir dagegen erzählt, daß er erst vor einiaen Wochen Zeuge einer sehr bewegten Auseinandersetzung zwischen Terbrüggen und dem Zeugen war. Er hatte dabei den Eindruck, daß sogar recht erhebliche Zwistigkeiten zwischen den bei4 oen Herren bestehen mußten."
Meinders hört sich diesen Einwand mit hochye-, zogenen Bräuen an.
.Nun ja ...", gibt er dann widerstrebend zu. „3m geschäftlichen Leben kommen ja mitunter Meinungsverschiedenheiten vor. Ohne dem geht es wohl gends ab. Aber so tiefgehender Natur waren sie dann doch nicht."
Doktor Reckling gibt sich mit dieser etwas lahmen Erklärung nicht zufrieden.
„Dann beantrage ich, die übrigen Angestellten bei* Zechenverwaltung zu dieser Frage zu vernehmen, deren Klärung ich für sehr wichtig halte." /
„Das Gericht wird über diesen Antrag noch ent« scheiden, Herr Rechtsanwalt. Die beste Auskunft: darüber wird uns ja wohl Herr Direktor lerbrüg^ gen selbst geben können. Bitte ..." Doktor Wildenow gibt dem Justizwachtmeister ein Zeichen, „der Zeuge, Terbrüggen..."
(Fortsetzung folgt.)


