Ausgabe 
5.4.1943
 
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Der Polarkreis.

Bon Dr. Ludwig Kühle.

W-nn der , deutsche Soldat in der Nähe des Traen-Fjords an der Grenze Mittelnorwegens den nördlichen Polarkreis überschreitet, dann erwartet er, daß sich nun Landschaft, Klima, Tier- und Pflanzenwelt plötzlich ändern, denn er ist ja jetzt im Gebiet der Arktis, im Land der Mitternachts­sonne und der' Polarnacht. Nun am Südrand des Polarkreises ist die Polarnacht noch sehr kurz. Sie dauert nämlich am Tag der Wintersonnwende genau 24 Stunden, wobei es die Dämmerung aber nicht ganz dunkel werden läßt. Und auch die be­rühmte, von nordischen Dichtern so ost besungene Mitternachtssonne zeigt sich nur einmal, indem sie am 21. Juni, anstatt wie in unseren Breiten am Abend unterzugehen, dicht über dem Horizont am nördlichen Himmel entlanggleitet. Sonst aber be­merkt man vom eigentlichen Wesen der Arktis in Norwegen, Schweden und Finnland nahe dem Polarkreis noch nicht viel. Die Grenzen des Polar­gebiets hat die Wissenschaft auch nicht entlang dem 66,5. Breitengrad, also dem geographischen Polar­kreis, gezogen, sondern entlang' der sag. Juli-Iso­therme von -I- 10 Grad Eelsius. Diese grenzt vom eigentlichen Polargebiet jene Zone der Erde ab, in denen die Lufttemperatur im Juli durchschnittlich bis auf 10 Grad Wärme steigt. Das ist aber eine Linie, die weit südlich von Grönland und Island verläuft, das Nordkap streift, durch Murmansk führt und dann nach Süden abbiegt, um einmal nördlich und einmal südlich des 70 Breitengrades durch das nördliche Sibirien nach Osten zu ver­laufen, wo sie schließlich erhebliche Stücke von Ka­nada abschneidet. Diese klimatische Grenze des Polargebietes hat aber wieder nichts mit der Grenze des Wachstums bestimmter Pflanzen oder mit der Grenze des Eises und der freien Schiffahrt zu tun, selbst die Grenze des immer gefrorenen Bodens verläuft ganz anders. Ja, wenn man alles zu­

Aus dem Reich.

Pofe, die abgrundtiefe und trotz jahrzehntelanger Bemühungen unüberbrückbare Kluft etwa zwischen der Kathedrale von Sankt Gudula und dem protzi- aen Justizpalast, der mit seiner fast 170 Meter über der Altstadt schwebenden Kuppel sich auf der höchsten Höhe des Senne-Users breit macht und den Herrn von Brüssel spielt, während die nur auf halber Höhe des Uferkammes errichtete Kathedrale heute wie vor Jahrhunderten die tatsächliche Herrin der Stadt ist und geradewegL. hinüberschaut zum wundervollen Nathausturm, den sie mit der selbstsicheren Größe einer echten Königin teilnehmen läßt an ihrer Herr­schaft, aber^ihren Rivalen auf dem Poelaertplein im wahrsten Sinne des Wortes unbeachtet links liegen läßt.

Sofern es richtig ist, daß der erste Eindruck bei einer Bekanntschaft entscheidet, ist es nicht ohne Be­deutung, auf welchem Wege sich ber' Gast aus dem Reiche nähert. Zwei Routen bringen ihn nach Brüssel: die Schienenstrecke der Eisenbahn oder die alte Handelsstraße von Köln nach Brügge, in deren Mitte Löwen und Brüssel einst groß und reich und prächtig geworden sind, mit den Maßen des 15. Jahrhunderts gerechnet, schon damals Groß­städte, Brüstet mit fast 45 000, Löwen mit gor 100 000 Einwohnern. Wer in der nüchernen, lärm­vollen Halle des Brüsseler Nordbahnhofes den Zug aus Köln verläßt, wird, wenn er ins Freie tritt, ohne Besinnen und Uebergang in das chaotische Durcheinander der heute wahrscheinlich vitalsten Weltstadt des europäischen Westens geworfen, vom Strudel der großen Boulevards erfaßt und muh, halb willenlos, zwischen Hotels und Warenhäusern sich im allgemeinen Strom dem Zentrum Brüssels zutreiben lassen, bis zur Börse, vor deren Stufen sich wie vor einem Stauwehr die in den,Hauptver­kehrszeiten fast beängstigende Flut bricht, um wie­der zurückzufluten. Hier zwischen Nordbahnhof und Börse reihen sich in drei parallelen Straßenzügen Geschäft an Geschäft, Taverne an Taverne, Stino an Kino; in fast ununterbrochener Kette folgen und kreuzen sich die Straßenbahnen nach Nord und Süd, nach links und rechts, um sich zum Teil in bucklige, krumme Gassen zu verlieren, durch die, anderswo kaum mehr ein Handkarren gezogen wird, nur mit einem Ameisenhaufen vergleichbar wimmeln die Menschen durcheinander, ohne sich viel um Ber- kehrsstriche zu kümmern oder um den weißbehelm­ten Schutzmann, der als einziger ruhender Punkt in diesem Gewoge von erhöhtem Sitz aus den Verkehr zu regeln versucht.

Wer aus Drutschland kommend bislang u verschütt terlich an die Notwendigkeit einer schnurgeraden und sekundentreuen Verkehrsregelung und an die Moral einer gerechten Güterverteilung geglaubt hat, wird hier an seinem Glauben irre und wird, kaum hat er dieses Pflaster betreten, einer Eigenart dieser Stadt inne, die sich damit in besonderem -Maße als wesentlich belgische Stadt dokumentiert: daß es immer auch anders geht und daß, wenn der krumme Weg auch 99mal nicht zum Ziele führt, es eben ein 100. mal versucht wird und siehe, es gelingt und hat sich schon dadurch gelohnt, daß man sich wieder einmal des Nicht-erwischt-werdens freuen kann. Straßenbahnen sollen nicht überfüllt sein, darum hängen ganze Trauben an den Trittbrettern (beim Tempo der Brüsseler Straßenbahn nicht ganz ohne Gefahr); das rot-grüne Lichterspiel an den Straßen­kreuzungen stoppt und leitet wohl den Wagenver­kehr, die Fußgänger aber gebärden sich wie Far­benblinde; Wuchervreise sind verboten und Marken- abqabe ist Gesetz, darum blüht derFreihandel" an allen Ecken und 'Enden; und wer in der nach Tau­senden zählenden Menge schachernder Männer, die sich an jedem Börsentage auf dem Börsenplatz und in den umliegenden Casös msammenballen, feststellen wollte, wo der weiße Handel aufhört und der schwarze'anfängt, der käme wohl nie iur Klarbeit. Mit haargenau kalkulierendem Scharfsinn werden hier im Handel und Verkehr Hindernisse und Ge­bote umgangen;pourboire undProvision sind das Maß aller Dinge, nicht Gesetz und Recht. Aber auch in harmlosen Dingen trifft mast immer wieder das unbändige Verlangen, nach eigener Fasson, selig zu w"rben: ein Blick etwa in die Schaufenster von Möbelaelchäjte.n oder Bijouterien zeiat, daß der tollste Kitsch, sofern er nurEigen­art" verrät, mehr gilt als die gesunde Norm und daß die Masse der Käufer offenbar nur das Be­streben hat. weder Geschmack noch Belehrung über ihre persönlicheFreiheit" triumphieren zu 'lass-m.

Ein anderes Brüssel lernt der kennen, der sich auf d->r Straße von Köln, Lüttich und Löwen her der Metropole Belgiens und Hauptstadt von Bra­bant nähert. Die Straße kommt bei Teuren in die Außenbezirke Brüssels und weitet sich hier zur 80 Meter breiten und 10 Kilometer langen Allee. Auf diesem Wege zogen Jahrhunderte hindurch die Warenkarawanen vom Rheinland nach ' Flandern und von Brügge nach Köln; auf diesem Wege be­suchte vor rund 400 Jahren Philipv II. zum ersten­mal feinegute Stadt Brüssel". Und heute kann sich

keine andere Stadt des Kontinents einer solchen Auffahnsallee rühmen wie Brüssel seiner Avenue de Tervuren, die (wenn auch unter wechselndem Namen) in wundervollem Zuge vom riesigen Tor des Tervurener Schloßparkes bis vor die Freitreppe von Sankt Gudula führt. In fast unmerklich sanf­tem Uebergang wird an dieser Allee das Land zur ctabt; erst sieht man, vom grünen Dom alter Buchen aus, links und rechts in großen Gärten versteckt wohlhabende Villen; langsam werden die Gärten kleiner und kleiner; die Häuser rücken, ein­zeln erst, näher und näher an die Straße, geben aber überall den Blick frei auf Parkanlagen und Teichs, bis sie sich zu kleinen uüd dann zu größeren Gruppen zusammenscharen, allmählich in Breite und Höhe wachsen und schließlich, je mehr die Allee zur Straße, wird, sich zu prächtigen Hochhäusern türmen oder zu stattlichen Repräsentationsbauten, dem Flucht endlich die trotzige Silhouette der Kathe­drale frei gibt, die der Schutzheiligen Brüssels ge­weiht ist.

Und von hier teilt sich die Straße nach den wenigen großen Zeugen, die dieser Stadt aus einer glorreichen Vergangenheit verblieben find, nach­dem in den letzten Jahren des 17. Säkulurns die ganze Altstadt im Kampf gegen Ludwig XIV. 'in Flammen aufging: links der herrliche gotische Bau von Notre Dame de Sablon, weiter im Hintergrund das machtvolle Schiff und der barocke Turm der Kapellenkirche und (weiter drupten im Tal) der weltberühmte Rathau^turm, der zart wis flandrische Klöppelspitze gegen den Himmel steht. Seit Jahr­hunderten blickt er he'rab^aus alle großen Ereignisse, die die Geschichte dieser Stadt bestimmten, frohe und leidvolle, bunte und ernste. Er sah Turniere und Umzüge, zu seinen Füßen rollten die Häupter von Egmont und Hoorn auf das Pflaster und er sieht jetzt wieder die Massenappette der flämischen und rexistifchen Erneuerungsbewegungen. die dieser Stadt und diesem Land eine Zukunft in Würde und Freiheit schaffen wollen. Hier auf diesem Plgtz sind Herz und Seele Brüssels aus der Ruhe und Geborgenheit dieses Gevierts strömt gleichermaßen der Geist der Vergangenheit und der Zukunft. Man steht hier abgeschlossen wie in einer geweihten Halle, in die der Alltagslärm der Vergänglichkeit nicht Eingang findet, her drüben tobt, nur wenige huw dert Schritte entfernt, vor der Börse.

Bomben

auf pariser Sportplätze.

Eindeutiger Terrorangriff nordamerikaniscker Bomber.

Berlin, 5. April. (DNB. Funkspruch.) Am frühen Sonntagnachmittag erfolgte ein nordamerikanischer Bombenangriff auf das Gebiet von Paris. Es handelt sich um einen klaren Terrorangriff, da die Bom­ben auf zwei Sportplätze, die gerade in vollem Betrieb waren, abgeworfen wurden. In einem Falle fielen die Bomben auf eine Pferderennbahn, die ihre Frübjahrs-Rennsaison eröffnete, wozu sich eine große Menschenmenge versammelt hatte. Fer­ner wurden Bomben auf einen Sportplatz bge­worfen, auf dem eine Veranstaltung zugunsten der Kriegsgefangenen stattfand. Der nordamerikanische Angriff hatte bedeutenden Schaden an Wohn­gebäuden zur Folge. Nach den bisherigen Mel­dungen wurden mehr als 100 Tote gezählt. Auch die Zahl der Verletzten ist sehr beträchtlich.

Gewaltdrohunq «egen Martinique.

Gens, 3. April. (Europapreß.) Der französische Admiral Robert, der bisher jede Zusammenarbeit mit den USA. abgelehnt hat, wird von derNew Port Times" heftig angegriffen. Dos Blatt wirft dem Admiral feine Vichy-Treue vor und erklärt rund heraus:Was die französischen Kriegsschiffe in Fort de France auf Mar­tinique, betrifft, so ist es klar, daß Großbritannien und die Vereinigten Staaten hie- Möglichkeit haben, diese Schiffe mit Gewalt zu nehmen." Die Frage könne, da Admiral Robert anscheinend U e b e r r e b ung s v e r s u che n unzugäng- 1 i ch sei, nicht mehr länger in der Schwebe bleiben.

Der LlGA.-Genat gegen Roosevelt-Günstlinge.

Buenos Aires, 3. April. (Europapreß.) Die von Roosevelt vorgeschlagene Ernennung des Neu- yorker Oberbürgermeisters Fiorella L a g u a r d i a zum Brigadegeneral hat im Senat stürmischen Pro­test hervorgerufen. Ein Mitglied des Militäraus­schusses des Senats, Senator Johnson, erklärte, eine solche Ernennung würde der Moral der USA.- Armee einen vernichtenden Schlag versetzen. Der Krieg müsse mit Kanonen und nicht mit

Stettin 200 Zahre alt.

Stettin, die Gauhauptstadt Pommerns mit dem größten Hafen der Ostsee und dem drittgrößten Deutschlands, konnte auf ein siebenhundertjähribes Bestehen zurückblicken. Die Stadtverwaltung hat eine Alters- und Hinterbliebenenoersorgung für die nicht- beamteten Gefolgschaftsmitglieder der Stadt ge­schaffen. Ferner wurde zum Gedächtnis des großen Balladen-Komponisten Karl L o e w e , der 46 Jahre lang städtischer Musikdirektor in Stettin ipar, eine Plakette gestiftet, die Kindern der Stadt, die als Künstler ihrer Vaterstadt Ehre gemacht haben, öer- liehen werden soll. Zur Förderung eines tüchtigen Handwerkernachwuchses wurde schließlich eine alte Stiftung erneuert und dazu 300 000 RM. zur Ver­fügung gestellt. t

Eine Tagung des Gauschulungsamtes

NSG. Am Samstagnachmittag waren in Frank­furt die Kreisschulungsleiter und Schulüng^beauf- tragten der Gliederungen der NSDAP, zu einer Tagung zusammengekommen, die der weltanschau­lichen Ausrichtung dient. Der stellvertretende Leiter des Gauschulungsamtes, Ziegler, gab einen Bericht über die Schulungsarbeit des vergangenen Winters und gab die Aufgaben für die kommenden Monate bekannt. Professor Dr. W e in h a n d l, Mitglied der Reichslehrgemeinschaft her Dienststelle Rosenberg, sprach dann zu dem ThemaGeisteS-

Agitatoren gewonnen werden. Da der Mi­litärausschuß des Senats der Ernennung zusttm- men muß, bevor sie rechtsgüldig wirb, findet -bie Stellungnahme von Senator Johnson in Washing­ton lebhafte Beachtung. Roosevelt hat damit wieder einen heftigen Protest des Senats gegen einen fei­ner Günstlinge bewirkt, denn es sind erst wenige Monate her, daß her Senat gegen die Ernennung des moralisch stark anfechtbaren demokratischen Po­litikers F l y n n zum Gesandten der USA. in Neu­seeland protestierte, worauf die Ernennung von Roosevelt rückgängig gemacht werden mußte.

Wachsende

Schiffsraumverknappung.

Buenos Aires, 4.April. (Europapreß.) Die Zuteilungen an Schiffsraum durch die englischen und USA.-Schiffahrtsbehörden sind nach wie vor äußerst gering, selbst für wichtige Transporte. Das hat ein weiteres Ansteigen einzelner Frachtraten zur Folge. Die Verknappung der Kohlentonnage hält weiter an. Um neutralen Schiffsraum zu erhalten, sind die Kohlenfrachten von Wale^ nach Portugal und Spanien von 30 Schilling auf 90, in einigen Fällen sogar bis zu 97 Schilling erhöht worden. Auch für Erze von Rio de Janeiro nach nordamerikanischen Häfen werden außerordentlich hohe Frachtraten gezahlt. Die argentinische Getreideausfuhr leidet nach wie vor unter Schiffsraummangel. Für Z i n k l a b u n'g e n von Argentinien, Uruguay und Paraauay nach Häfen des Golfes von Mexiko ist Schiffsraum so gut wie gar nicht zu erhalten. Des­gleichen fehlt es an Tonnage für Erze, Kohle, Salz, Phosphat von Indien und Ostafrika. Für 20 000 t Guano von den Seychellen nach Durban, Kapstadt und Beira in Ladungen von 1500 t, mit denen im April begonnen werden sollte, konnten -bis jetzt keine Abschlüsse getätigt werden.

Die Sorgen der englischen Reeder.

Genf, 4.April. (DNB.) Auf der Jahresversamm­lung der Donaldson Line Ltd. in Glasgow bedauerte der Dorsitzende, daß die Reineinnahmen für das verflossene Jahr bedeutend niedriger als früher gewesen seien. Das habe seinen guten Grund. Es seien nämlich derart viele Schiffe bet Rederei durch feindliche Aktionen verlorengegangen, daß natürlich auch der Reingewinn entsprechend kleiner sein müsse. Man sei zwar bestrebt, neue Schiffe auf Kiel zu legen, aber nur in den wichtia- ften Fällen gelinge das. Es komme hinzu, daß die Schiffsbaukosten die Entschädigungssätze für ver­lorene Schiffe bei weitem überfliegen. Was.aus der britischen Handelsschiffahrt nach dem Kriege werden solle, wisse niemand. Die verschiedensten Faktoren trügen zu dieser Unsicherheit bei: die außerordentlich hohen Baukosten, hie Konkurrenz der Ame­rikaner, che ihre Handelsflotte in ungeahntem Maße ausbauen wollten, und nicht zuletzt die bis­her moch undurchsichtige Rolle, die der Luftver­kehr nach dem Kriege spielen werde.

strömungen im Ostraum und weltanschauliche Grundeinstellung unserer Gegner". Der Leiter des Hauptschulungsamtes der NSDAP., Dienst, leiter Bruhn, brachte den Schulungsmä-nern ben Dank des Reichsorgamsationsleiters Dr. Ley für ihre Arbeit zum Ausdruck und sprach über aktuell« Frage nher Schulungsarbeit.

Gauausstellung Heffen-Aaffau 1943.

NSG. Das schöpferische Leben in der Kunst kann ebenso wenig eine Unterbrechung erleiden wie das Leben selbst. Denn Kunst ist nicht nur eine Lebens­macht, sie ist selbst Leben, das sich im Werk ver­ewigt hat. Das künstlerische Schaffen darf daher auch im Kriege nicht unterbrochen werden. In die- fern Sinne hat der Gauleiter für September des Jahres 1943 hie Veranstaltung der zur Tradition gewordenen Gauausstellung für bildende K ü n ft e angeordnet. Sie will bie Künstler unseres Gaues zu einem Wettstreit her Leistungen aufbie­ten und der Heimat zeigen, daß sich heute mehr denn je das Soldatische und Musische im deutschen Menschen zu einer inneren Einheit verbunden ha­ben. Nähere Angaben werden mit den Ausstellungs­papieren den Künstlern durch die Kun st aus st el° lungsleitung Hessen-Nassau rechzeitig zugehen. Doch sei heute bereits darauf hingewiesen, daß die zeitbedingten technischen Schwierigkeiten bei dem Ausbau her Ausstellung und das Verantwortungs-. gefühl gegenüber den Pflichten her Stunde dazu

Englands Niederlage an der burmesischen Grenze.

Genf, 4. April. (DNB.) Die Japaner haben alle Anfangsrunhen her zweiten burmesischen Schlacht gewonnen, meldet her Sonderkorrespondent des News Ehronicle" von her burmesischen Grenze. Die Verteidigungsstellungen her Japaner seien jetzt hh Osten Burmas zur chinesischen Grenze hin ebensä stark wie im Westen längs der Grenze nach Indiern Wenn es überhaupt noch ein Mittel gebe, die Ja­vaner wieder aus Burma zu vertreiben) dann nut? durch eine großangelegte Offensive. Dazu besteh« aber wenig Hoffnung, denn die Monsunregen! setzten bereits Mitte Mai ein. Das bedeute, daß die Japaner vor einem solchen Großangriff für minde­stens weitere sechs Monate sicher feien, und daß England und feine Verbündeten vor Beginn des nächsten Jahres keine Möglichkeit mehr hätten, einem der großen nach China führenden Verkehrswege wieder zu öffnen. Die Japaner gingen mit Trap* pen unb Material zwar sehr sparsam um, ständen aber, was hie Kampfkraft angehe, nach wie vor ungebrochen da. Es bestehe kein Zweifel, daß fia sich in Burma immer fester einnisteten.

Japanischer Lustsieg bei der Kuffell-Insel.

Tokio, 4. April. (DNB.) In einer Luftschlacht bei her Russell-Insel standen hie japanischen Ma­rineflugzeuge etwa der doppelten Zahl feindlicher Flugzeuge gegenüber. In vier Stunden schossen die Japaner von insgesamt etwa 110 Flugzeugen 47 ab. Die Kämpfe wurden zwischen Guadalcanar unb Neu-Caledonien ausgetragen. In den frühen Morgenstunden des 1. April flogen die Ja­paner Russell an, wo sie auf 30 Grumman-Iäget stießen, von denen sie in schweren Kämpfen 24 ab» schossen. Die Japaner verloren dabei nur drei Flug­zeuge. Ein zweiter Luftkampf entwickelte sich mit einem zu Hilfe eil enden feindlichen Verband aus 48 Kampfflugzeugen unb 40 Jägern. In kurzer Zeit wurden aus ihm zehn Jagd- und 13 Kampfflugzeugs ab geschossen, während die Japaner sechs Maschinen einb'üßten.

Nach einem Kommentar im japanischen Rund« funk wurden in den letzten 2lln Monaten im süd­lichen Pazifik 202 feindliche Flugzeuge ab geschossen, während nur 30 japanische Maschinen verloren gingen. Das sei ein Verhältnis von 7:1. Dis japanische Luftwaffe im südlichen Pazifik sei also an Kampfkraft durchaus überlegen.

USA.-Kotstrolle über die iranischen Eisenbahnen.

Saloniki, 4. April. (DNB.) In Iran traf ein- weitere USA.-Kommission ein. Formell soll sie bid Möglichkeit einer Lieferung von (Eifen« bahn material an Iran auf Grund des Pacht* und Leihgesetzes prüfen. Man glaubt jedoch, daß die USA. als Gegenleistung für diese Lieferungen! die Kontrolle über sämtliche iranischen Dahnen fordern werde. Damit würden die englischen Eisen« vahngesellschaften durch USA.-Firmen verdrängt werden.

jammen nimmt, so sind die Verhältnisse in der Arktis reckt verwickelt. Und man versteht schon, daß viele hundert Jahre lang kühne Seefahrer und Wissenschaftler Forschungen und Fahrten durch­führen mußten, bis man wenigstens in großen Zügen über die Eisverhältnisse,' die Meeresströ­mungen, das Wetter sowie über die Tier- und Pflanzenwelt des Polargebietes einige Klarheit hatte.

Die Wetterverhällniste und damit die Lebens­möglichkeiten im Polargebiet werden durch den Wechsel von Landmassen und Wasserflächen, durch kalte oder warme Meeresströmungen und nicht zu­letzt natürlich durch die geographische Breite be­einflußt. Die Kolonie Eriks des Roten log immer­hin in der Höhe von Upsala und von Leningrad, also weit außerhalb der Polarnacht, in einem Ge­biet, in welchem die Sonne schon im Mai einen ziemlich hohen Stand am Himmel erreicht. Auch Island liegt noch nicht sehr weit nördlich, es reicht mit seiner Nordküste gerade an den Polarkreis heran. Obendrein wird es halb von den nördlichen Ausläufern des Golfstroms umspült, die an der ganzen Nordküste Norwegens, Finnlands und der Fischer-Halbinsel bis in das Weiße Meer hinein ihre von der Tropensonne gewärmten Wasser- massen tragen. Diese warme Meeresströmung tragt zweifellos mit dazu bei, daß die Grenze des immer gefrorenen Bodens erst nördlich non Archangelsk beginnt. Nur auf der Kola-Halbinsel gibt es hei Kirowok ein kleineres Gebiet von ständigem Frost­boden. Dafür reicht die Frostbodöngrenze aber weit in das mittlere Sibirien hinein und endet am Mündungsgebiet des Amur. Mancher Leser wird überrascht sein, zu hören, daß 45 v. H. des sowjet- russischen Bodens sog. Frostboden sind und daß diese Frostschicht in "ihrer Mächtigkeit zwischen 2 unb 114 Wer schwankt. In den nördlichsten Gebieten Sibiriens taut der Boden das ganze Jahr hindurch überhaupt nicht auf, in den südlicheren ist es nur eine dünne Oberschicht, die schmilzt.

Dieser Bodenfrost beeinflußt natürlich außer­ordentlich stark die Pflanzendecke. Wohl gibt es in N^rbsibirien ungeheuer große Wälder. Die Er­fahrungen haben aber gezeigt, daß diese Wald­bestände sehr schwer nutzbar zu machen sind. Es dauert weit über 100 Jahre, bis die Bäume schlagreif sind. Schlägt man sie aber, dann kommt der Sumpf unb die Tundra, die Sumpflteppe des Nordens. Da die Wurzeln nämlich nicht in die tieferen, auch im Sommer gefrorenen Bodenschichten hineinreichen, stehen die Baume nicht sehr fest. Sie haben nur spärliche Nahrung, unb wenn sie vom Sturm gefällt werden, dann liegen sie modernd im sommerlichen Schlamw^um im Winter- vom Frost gesprengt zu wer^^M^c Sowjets hoben durch planlose Holzwirt^^Mu diesen Gebieten der Tundra schon riesWWUbiete überliefert. Sumpf mit nachfolgendem Mvor kenstzeicHien den Raub­bau. Schon seit Jahren waren die Sowjets des­halb gezwungen, nach der Weißen See, an deren Südbuchten Onega unb Archangelsk liegen, Bau­holz aus Westsibirien auszuführ'en. Je mehr man in diesen Gebieten nach Norden vordringt, je länger alfo im Winter die Polarnacht dauert, desto spär­licher wird auch der Baumwuchs. In Nordnorwegen verläuft die Baumgrenze zwischen den Inseln nörd­lich von Tromsö und dem Ende des Porfanger-- Fjords südlich des Nordkap. Sie streift dann Petsamo unb Murmansk und wendet sich von dort nach L-üdosten gegen die Weiße See. Aber auch schon unterhalb der Waldgrenze sind, die Kiefern, Lärchen, Pappeln und Birken, die man dort findet, redjt krüvpelhaft. Sie erreichen nicht mehr an­nähernd die stolze Höhe, zu denen sie in unseren dretten aufwachsen. Auch nördlich der Baumgrenze gibt es noch einigeBaumarten". Eine ^deutsche Ernedition fand z. B. auf Spitzbergen im Jahre 1035 Weiden, aber sie waren nur 2 bis 4 cm hoch. Manck)er deutsche Landser wird schon mit genugeb lern Soldatenstiefel über derartigeBäume" achtlos h.nweg marschiert sein. Das also bewirkt die Polar- nacht, die Zeit völliger Dunkelhett, in der auch am

Mittag die Sonne nicht über den Horizont steigt. Diese lichtlose Zeit, die im nördlichsten Lappland immerhin einige Wochen hindurch andauert, er­streckt-sich am Nordpol selbst übet ein halbes Jahr. Und ebenso lange geht im Sommer die Sonne md)6 unter.

z *

lieber die lange Nacht des Polargebiets dachten schon die Polarforscher ganz verschieden. Man«ho fürchteten die Zeit der Dunkelheit. Der große Fridjof Nansen aber schrieb über sein Erlebnis ber Polarnacht:Etwas Schöneres als die Polar« nacht gibt es nicht.' Ein Traumbild, gemalt in den feinsten Tönen ohne Formen; alles ist dänft mernbe, träumende Farbenmusik, eine ferne, un« endliche Melodie in gedämpftem Saitenspiel ... roie eine unermeßliche Kugel wölbt sich her Himmel über dir» oben blau, näher am Horizont grün und ganz unten am Himmelsrande lila, violett ... da schüttelt das Nordlicht einen silberglitzernden Schleier über das Gewölbe, bald gelb, bald grün, halb rötlich zerflattert, sammelt sich wieder mit unruhigem Jaaen und wiegt sich dann in leuchten' den Silberbändern mit reichen Fallen." So emp­fand ein Mann, ber als Erster den Mut gehabt hatte, sich mit seinem SchiffFrann" zwei 'Jahre lang im Eismeer treiben zu lassen. Festgefroren im Packeis, quer durch dos heute nach ihm benannte Nansenmeer, das sich als ein weites, bis zu 5000m tiefes Becken rings um den Pol zwischen den- stsn Sibiriens, Grönland und Nordkanada erstrecke Mit seinen riesigen Eisflächen, von denen Hundert» tausende von Quadratkilometern noch gar nicht er» forscht sind, bildet es den schweigenden MittelpunK des Polarkreises, ein Gebiet, in dem nichts Leben» des zu finden ist, außer vielleicht einem im Treib» eis versehentlich zu weit noch Norden vorgestoßenekv Wal, dessen Nasenfontäne bann für Augenblicke di­ewige Stille und das weiße, einsame Einerlei unten bricht.