7. und 11. Panzerdivision und bk ^-Panzerdivision „Wiking" besonders auszeichneten. Am 24. Februar war-die Masse der Panzerarmee Poposf zertrümmert und a u f I s j u m z u r ü ck g e w o r f e n. Vier sowjetische Panzerkorps erlitten schwerste Verluste an Menschen und Material. In den folgenden Tagen rourbe der Erfolg ausgebaut bis zur Gewinnung eines für die weiteren Operationen wichtigen Flußüberganges. ' L .
Die Frage bleibt offen, ob die Sowjets nach den Mißerfolgen in der letzten Woche die Ziele ihrer Winteroffensive im Südabschnitt allmählich in weitere Fernen abrücken sehen. Die Mentalität des Gegners läßt eher die Annahme zu, daß er auf Biegen und Brechen neueReserven heranholen wird, um die Schlacht noch einmal vorwärts zu reißen. Allerdings wirkt auch die Komponente der Witterung mit, die den Sowjets einen Strich durch die Rechnung machte. Die Härte des Winters ist der bolschewistische Soldat gewohnt, und der gefrorene Boden gewährleistet auch bei der sonstigen Wegelosigkeit des Ostens den Nachschub der Munition und der Reserven. Tauwetter aber bedingt eme tiefe Verschlammung und mit ihr eine Stockung der Versorgung der sowjetischen Stoßarmeen. Die Ver-
pflegungsfrage mag die bolschewistische Führung unbekümmert lassen, die Unpassierbarkeit des Geländes aber bestimmt auch das Tempo des Heran- brinqens der Reserven. Dem mörderischen System der sowjetischen Massenangriffe bleibt aber der Erfolg versagt, wenn die Zufuhr der neuen Schlacht- vpfer stockt. Nächst dem sich verstärkenden deutschen Gegendruck ist also das Wetter ein mitbesttmmender Faktor der Entwicklung.
In den letzten Tagen ist eine Schwerpunktverlagerung des sowjetischen Angriffs nach der Mitte festzustellen. Aus dem Gebiet nördlich Charkow bis in den Norden von Orel und darüber hinaus bis in den Raum von Gfhatsk und des Ilrnen- fees haben die Angriffe der Bolschewisten die durch ihre Ständiqkeit den ganzen Winter hindurch die deutschen Abwehrkräfte zu binden suchten, seit der letzten Woche ausgesprochen offensiven Charakter angenommen. Auch hier spiegelt sich die Harte des Kampfes in der Größe der sowjetischen Verluste. Nördlich und südlich Orel verbluteten sich feindliche Bataillone und Regimenter. Bei Sytschewka drang der Feind in unsere Gräben. Als der Gegenangriff den Einbruch bereinigte, zählte man 400 getötete Bolschewisten in der Stellung. Es gibt keine Pause
im Kampf, der Feind will im Mittelabfchnitt er- zwingen, was ihm an der Sudfront versagt blieb. Am Wolchow und südlich d e s L a d o g a s e e s steht die Winterschlacht auf der Stelle. Auch die opferreichsten Anstrengungen haben die Sowjets ihrem Ziel nicht näher gebracht das über die Ent- lastung Leningrads hinaus auch hier auf Durchbruch und Zertrümmerung der deutschen Front gesetzt ist. Fast mutet es wie Verzweiflung an, wenn sowjetische Spezialtruppen auf Schi über das Eis des Ilmensees vorzubrechen suchen und ihre Aktion mit mehr als eineinhalbtausend Toten ohne jAen militärischen Erfolg bezahlen. . , ..
Der Krieg im Osten ist zu einer nun bereits Monate währenden Dauerschlacht geworden. Moskau begann die Offensive aus der Vernichtungs- absicht heraus, der bolschewistische Plan hat nicht triumphiert. Die Kampfentschlossenheit unserer Front hat ihn unwirksam gemacht. Schwere Opfer wurden getragen, Schweres bleibt noch zu bestehen. Wertvolles erobertes Land mußte aufgegeben werden, aber die Kraft des Ostheeres blieb erhalten. Die seelische Stärke und der Opfergeist des deutschen Soldaten werden die Aufgabe meistern, die uns allen vom Schicksal gestellt ist.
Die nationale Bedeutung des deutschen Films.
Hohe Auszeichnungen von Männern des Films beim Jubiläum der Ufa.
Berlin, 4.März. (DNB.) Anläßlich des 25- Jahres-Iubiläums der Ufa hielt Reichsminister Dr. Goebbels' vor Führung und Gefolgschaft der Ufa im Ufa-Palast am Zoo eine Ansprache, in der er seinen Dank und seine besondere Anerkennung all denen zum Ausdruck brachte, die in diesem Vierteljahrhundert ihre wirtschaftliche, technische, organisatorische und künstlerische Kraft zur Verfügung gestellt haben, um die Ufa, die größte und repräsentativste deutsche Film-Firma, zu dem heutigen Welt- unternehmen zu entwickeln und sie zu einem unter allen Kulturvölkern anerkannten Beariff deutscher Leistungsfähigkeit zu machen. Der deutsche Film stellt heute eine internationale Macht dar, die aus unserem öffentlichen Leben nicht wegzudenken ist; mehr noch, er stellt eine geistige Macht dar, deren Bedeutung nicht hoch genug veranschlagt werden kann. t ,
Niemand bestreitet heute mehr den künstlerischen Charakter des deutschen Films. Als jüngste Kunst hat er sich unter den anderen Künsten eine dominierende Stellung erworben. Dabei ist er wie keine andere Kunst von stärkster aktueller Bedeutung und kann aus der Geschichte des Krieges nicht mehr weggedacht werden. Ein Millionenumsatz zeugt für die ungeheure wirtschaftliche Bedeutung des Films. Diese Volkskunst in des Wortes bester Bedeutung strahlt vom repräsentativen Filmtheater des Reiches, bis zum zum Dorfkino ihre menschen- und volkumspannende Kraft aus, übertrifft in ihrer Breitenten- und Tiefenwirkung heute schon bei weitem etwa die Volksschule und die Universität; denn in ihm werden dem Volke nicht das Einmaleins ober die Grundlagen des allgemeinen Wissens beigebracht, der Film baut auf den Ergebnissen einer jahrhundertelangen elementaren Erziehung und Bildung auf und weitet sie zu einer die Zeit bestimmenden nationalpolitischen Erziehung des ganzen Volkes aus.
Seit den Jahrey seiner Gründung haben die Feinde Deutschlands eine der Hauptspitzen ihres Angriffes gegen das Reich gerade gegen den deutschen Film gerichtet und suchten sich seiner zu bemächtigen. Wie Juden und andere Staatsfeinde Presse, Literatur und allgemeine Bildung beherrschten, so suchten sie auch die Mittel der modernen Nationalerziehung, vor allem Film und Rundfunk, unter ihre Botmäßigkeit zu bringen. Schon im Weltkrieg hat Ludendorff im Jahre 1917 diese nationale Gefahr erkannt. Da die wechselvolle geschichtliche Entwicklung der Ufa schon von Generaldirektor Dr. Klitzsch eingehend geschildert worden ist, beschränkte sich der Minister darauf, die Einwirkung des nationalsozialistischen Kunstwollens auf den deutschen Film zu zeigen. Die modernste Kunst wurde vom zeitnahen nationalsozialistischen Volksstaat zu einem der ersten Mittel der nationalen Volkserziehung und nationalen Volksführung erhoben. Im Reich selbst zählte der deutsche Film im vergangenen Jahr über eine Milliarde Besucher. Das ist nicht nur eine Konfunk- turerscheinung, denn der Film gehört heute zu den unveräußerlichen Lebensgütern des ganzen Volkes.
Es ist mir, so fuhr der Minister fort, mehr als eine Amtspflicht, heute im Auftrag des Führers als erster Gratulant beim 25-Jahres-Jubiläum der Ufa zu erscheinen und allen, die an der stolzen Entwicklung dieser Weltfirma Anteil haben, meine besonders herzliche Dankbarkeit auszusprechen.
Die erste und höchste Auszeichnung des Führers gilt dem Manne, der feit den Anfängen des deutschen
Films Jahrzehnte hindurch an der Spitze der deutschen Filmindustrie gestanden hat, Geheimrat Dr. Alfred Hugenberg. Sie, Herr Geheimrat, haben als einer der ersten Männer unseres nationalen Lebens die große wirtschaftliche, politische und kulturelle Blutung des Films erkannt. Für Sie, Herr Geheimrat, ist der deutsche Film immer eine Sache der deutschen Nation gewesen. Davon zeugen Ihre Maßnahmen, insbesondere die Loslösung der Ufa aus den Einflüssen der amerikanischen Filmindustrie. Ihre wirtschaftliche Tatkraft hat auf dem Gebiet des Films wahrhaft nationale Bedeutung erlangt. Der Führer hat Ihre Verdienste um den deutschen Film durch die Verleihung des Adlerschildes des Deutschen Reiches gewürdigt. Ihr Adlerschild trägt die Aufschrift: „Dem Bahnbrecher des deutschen Films." Es gibt nien*ian- den, der diese höchste Würdigung eines stets einsatzbereiten Wirkens, manchmal auf scheinbar verlorenem Posten, so verdiente wie Sie.
Zwei weiteren führenden Männern der deutschen Filmwirtschaft gelten die nächsten Auszeichnungen des Führers: Generaldirektor Ludwig Klitzsch und Bürgermeister Dr. Mar Winkler. Sie, Herr Dr. Klitzsch, haben schon in den frühesten Jahren des Films als Gründer der 1916 ins Leben gerufenen Deutschen Lichtbild-Gesellschaft und der Deulig- Wochenschau das deutsche Filmschaffen bewußt in nationale Bahnen gelenkt. Als Leiter der Ufa haben Sie diese nationalen Aufgaben immer im Auge behalten und mit der Verdrängung des amerikanischen Einflusses zusammen mit Geheimrat Hugenberg entscheidende Erfolge errungen.
Sie, Herr Dr. Winkler, können als mein Be
auftragter für die wirtschaftlichen Fragen des deutschen Filmes auf ähnliche Erfolge zurückblicken. Sie haben Ihre großen Fähigkeiten nach dem Diktat von Versailles in beispielhafter Weife für die deut- chen Interessen in Polen und in den besetzten beut» chen Gebieten eingesetzt. Seit dem Jahre 1933 tehen Sie mir in treuer, aufopferungsvoller, be- cheiden im Hintergrund bleibender Arbeit in allen organisatorischen und wirtschaftlichen Fragen des deutschen Films zur Seite. Ihren wirtschaftlichen Erfolgen, aber auch Ihrem feihfinnigen Verständnis für die kulturpolitische Sendung des Filmes verdankt der deutsche Film überaus viel. Der Führer hat Ihre Verdienste, Herr Generaldirektor Klitzsch, und die Ihren, Herr Dr. Winkler, utn die Entwicklung des deutschen Films durch die Verleihung der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft in ehrendster Weise anerkannt.
Die Auszeichnungen, die die Künstler des deutschen Film in Zeiten des Friedens am heutigen Tage in großer Zahl hätten entgegennehmen dürfen, müssen im Kriege auf zwei Männer beschränkt bleiben, deren Wirken als beispielhaft für die künstlerische und kulturpolitische Bedeutung des deutschen scheu Films zu bezeichnen ist. Sie, Herr Harlan, wirken seit Jahren als Regisseur mit überragender künstlerischer Meisterschaft und bemühen sich in besonderem Maße um die filmische Auswertung der durch die technische Entwicklung gegebenen Möglichkeiten. In Ihren besten Filmen haben Sie besonders während des Krieges das deutsche Volk in seiner moralischen Widerstandskraft gestärkt. Sie, Herr Liebeneiner, haben sich zu einem wahren Meister in der Film-Regiekunst entwickelt und we-
Die BestiebSg-meinschasi, Helferin der neuen Arbeitskameraden. Oer Gauleiter auf einem Betriebsappell in Wiesbaden.
NSG. Arn Donnerstagnachmittag fpradj Gauleiter unb Reichsstatthalter Sprenger auf einem Betriebsappell zur Belegschaft eines Werkes i n Wiesbaden-Schier st ein. Nach der Begrüßung durch den Betriebsführer legte der Gauleiter ün eindeutiger Weise den Schaffenden die Gründe bar, die zu bem jetzigen Schicksalskampf unseres Volkes geführt haben. Unsere Gegner hatten nach dem letzten Weltkrieg gehofft, das deutsche Volk für immer zur Unfreiheit und Sklaverei verbannt zu haben. Unter Führung Adolf Hitlers wurde dieses Wollen zunichte gemacht. In rastloser Arbeit habe der Nationalsozialismus eine Volksgemeinschaft geschaffen, die die Ketten der Sklaverei gesprengt habe unb bte nun in einen unbarmherzigen Kampf, der keinerlei Kompromisse kennt, eingetreten sei. Das Recht auf Leben unb Arbeit, bas Bewußtsein, für eine gerechte Sache zu kämpfen, gebe uns die Kraft, alles zur Nieberringung unserer Gegner einzusetzen. Mit einem unbänbigen Willen zum Siege, oerbunben mit einem Haß gegen alle, die sich zur Vernichtung des deutschen Volkes zusammen- gefunden haben, wird die Heimat in unermüdlicher Arbeit die besten Waffen schmieden, die von der Front benötigt werden.
In den nächsten Wochen werden Hunderttau- sende neuerArbeitskräfte in den Arbeitsprozeß eingereiht werden. Diese neuen Arbeitskräfte, die von dem Gedanken beseelt sind, genau so mitzuarbeiten, wie es die seither in den Betrieben Stehenden getan haben, können versichert sein, daß sie als gleichwertige Arbeitskräfte aufgenommen werden. Es wird die vornehmste Verpflichtung eines jeden Angehörigen der Betriebe fein, die Neuhinzukommenden in ihre noch ungewohnte Arbeit ordnungsgemäß einzuwei-- f e n und in jeder Hinsicht zu unterstützen. Den an« stürmenden Massen im Osten und an allen übrigen Fronten wird sich eine verschworene Gemeinschaft von Front unb Heimat mit a liest ihr zu Gebote stehenden Mitteln entgegenstellen und so den Kampf zu einem siegreichen Ende führen. Diese Gewißheit aus den Betrieben mitzunehmen, so betonte der Gauleiter zum Schluß, sei bas beste Zeichen bafür, baß bie Werktätigen verstanden haben, daß es in diesem Ringen um Sein ober Nichtsein, um bas Schicksal eines jeden einzelnen gehe. — Am Vormittag besichtigte der Gauleiter einen weiteren Betrieb in "Wiesbaden-Dotzheim.
Roosevelts Weltbeherrscher-Kan didoiur.
Von unserer Berliner Schristleitung.
Der USA.-Marineminister Knox hat im Kongreß eine Marine gefordert, bie groß genug ist, um alle Weltmeere zu beherrschen. Der forsche Mannenu« nifter hat also hier mit kühnem Schwünge die von Mr. Roosevelt proklamierte '„Freiheit bet Meere zum Kehricht geworfen und stattdessen die Forderung nach der absoluten Herrschaft der Uo2I. über alle Weltmeere aufgestellt.
In England wird man sich diese neue Anmeldung der Weltherrschaftskandidatur zu Herzen nehmen. Wie schwedische Korrespondenten aus London berichten, stellt man dort fest, daß der Vorherrschaftsan-- spruch der USA. auf einem Gebiet, das bisher a u lein der britischen Kriegsmarine Vorbehalten war, noch nie so deutlich formu-- l i e r t worden sei wie in dieser Erklärung des amerikanischen Marineministers. In den Vereinigten Staaten hätte man in den letzten Jahren viel dar^ über gestritten, ob man eine „Ein-Meer-Flotte bauen sollte oder eine „Zwei-Meer-Flotte", d. h. ob man sich darauf beschränken sollte, eine Flotte zu bauen, die allein den Pazifik kontrolliere, ober eine Flotte, die stark genug fei, auch noch den Atlantik zu behenlchen. Knox habe nun fein Hehl daraus gemacht, daß dieser ganze Streit heute überholt fei. Amerika wolle nicht einen ober zwei Ozeane, sondern alle Ozeane kontrollieren. Damit gingen die Vereinigten Staaten einen weiteren Schritt über die nach bem ersten Weltkriege auf den Flottenkonferenzen von Washington unb London errungene Flottengleichheit zwischen England und den USA. hinaus. Don neutraler Seite wird erklärt, Amerika schiebe mit diesem Anspruch bas Empire rücksichtslos auf einen zweiten Platz. Da es gleichzeitig auch die Weltluftherrschaft und die Kontrolle über alle wichtigen Luftverkehrsstraßen unb Luftstützpunkte anstrebe, gerate das britische Empire in immer größere Abhängigkeit und müsse immer mehr ein Anhängsel odtzr ein Schutzstaat der USA. werden.
sentlich dazu beigetragen, den deutschen Film, zu einem Kunstwerk deutschester Art zu stempeln. Der Führer anerkennt Ihre hervorragenden künstlerischen Films in Zeiten des Friedens am heutigen Ian, und Ihnen, Herr Liebeneiner, den Titel Professor verleiht.
Nachdem der Minister den ausgezeichneten Persönlichkeiten und der Ufa sowie allen Filmschaffenden feine Glückwünsche ausgesprochen hatte, schloß er mit dem Appell, daß alle deutschen Filmschaffenden sich bewußt sein mögen, daß sie mit ihrer Kunst einen Dienst am Volke und an unserer nationalen Zukunft leisten, sie seien Künder »der Zeit, unb aus der Gegenwart heraus strahlte ihr Wirken in die kommende nationale Zukunft. Für das zweite Vier- teljahrhundert gab der Minister der gesamten Gefolgschaft den Wahlspruch auf den Weg: Im cr*en Geist zu neuen Zielen.
Oeporiierten-Elend in Sibirien.
Bukarest, 4. März. (Europapreß.) Einen verzweifelten Hilferuf, den ein von den Bolschewisten aus dem besetzten Bessarabien unb der Bukowina deportierter Rumäne an die rumänische Armee gerichtet hat mit ber Aufforberung, den Kampf bis zur enbgültigen Vernichtung des Bolschewismus fortzusetzen, übermittelte ein sowjetischer Ueberläufer, ber in bie Hände einer deutschen Einheit geriet. Er schreibt: „Die rumänischen Deportierten sind in Sibirien beispiellosen Qualen ausgesetzt. Halb nackt müssen sie bei einem Frost von 50 bis 60 Grad arbeiten. Sie werden täglich verprügelt. Viele von ihnen werben unter allerlei inszenierten Vorwänden hingerichtet. Sie gehen aber auch infolge mangelhafter Nahrung elend zugrunde und führen, ein reines Tierleben. Kein Wunder, daß täglich 30 bis 40 von ihnen sterben."
Das arabische Oel.
Ankara, 4. März. (Europapreß.) Der Emir el Hadsch,, der Führer der ägyptischen Mekka-Pilger, gab nach seiner Rückkehr von Mekka nach Kairo eine lebendige Schilderung ber gegenwärtigen Verhältnisse in Saudi-Arabien. Zunächst wies er aus die außerordentlichen Versorgungsschwierigkeiten des Landes hin. Dann erklärte er, es spiele sich gegenwärtig in Saudi-Arabien ein zäher Kampf um die Erhaltung des alten patriarchalisch-religiös gebundenen politischen Systems gegenüber den Infiltrations- Versuchen der demokratischen Großmächte ab. Bis zur Stunde habe sich Ibn Saud im wesentlichen allen Einflußversuchen gegenüber behaupten können. Aber
Mein liebstes Buch.
Von Nikolaus Schwarzkopf.
Mein liebstes Buch ist kein Roman, den man lieft, kein Epos, keine Kindergeschichte, ist kein Drama, bas man auf ber Bühne sehen kann, keine Sammlung von Bildern, die man aus den Galerien ber Welt geholt hat, mein liebstes Buch ist ein Lieberbuch, Ercks Lieberschatz. Dieses Buch habe ich schon etliche hunbertmal burchgelesen. Durchgelesen? Durchgesungen hab' ich es, unb ich kann es auswenbig. Mit biefem Buch setzt man sich nicht In bie Ecke, kauert man nicht zusammen, um irgenbeinem Menschenleib ober einer Menschenfreub' sich hinzugeben in verschlossener Rührung: nein! Seh ich bas Buch nur liegen, geht mir bas Herz hoch, unb in ber Kehle beginnen bie Stimmbänber zu schwingen, ber Deckel bes Klaviers springt auf, bie Saiten ber Zupfgeige Hüpfen, bie Blockflöte macht einen Sprung, bie alte Ziehharmonika schöpft Atem, bas Walbhorn stoßt bie Tone aus, bie es gestern abenb hat stecken lassen, unb alles, was Obern hat, möchte in meine Hand. Wenn ich auch nur eine verbräunte Stimme habe, so ist sie in meinen vier Wanden immer noch gut genug. Zehnmal im Jahr reicht nicht aus, baß ich bas Buch völlig burchsinae; aber fange ich es auch nur zehnmal, bann hätte ich es in dreißig Jahren breihundertmal burchgefungen, aber \ das reicht bei weitem nicht aus. Nenn' mir einer rasch ein Buch, bas er so oft gelesen hat!
- An diesem Buch hat bas ganze beutsche Volk mitgearbeitet, feine besten Dichter, seine besten Musikanten. Vielfach haben unbekannte Menschenkinder aus ber Fülle bes Herzens unb mit entzückenber Einfachheit unb Einfalt wundersame Offenbarung verlauten lasses: ein Gott muß es ihnen (wie Herrn Goethe) eingegeben haben, uns zu sagen, was sie so erfreute, was sie gelitten. Ein für allemal, einmal endgültig wurden da Dinge gesungen, bie foifft
nirgends in ber Welt zu hören sind, wurden oft nur so hingestammelt wie von einem Kind, hinge- haucht wie von einem jungen Engel, ganz bar jeglicher Absicht, vor allem bar jeglichen Dünkels, man spürt nur noch die schöpferische Freude, die lieber- raschung, daß so etwas geglückt ist. Manchmal ist's nur eine einzige Strophe, manchmal nur eine Zeile, manchmal nur ein Wort. Aber dieses Wort kommt dann aus ber Tiefe, wo bie Mütter wohnen, leuchtet ba unten wie ein Demant, steigt vor uns empor 'wie ein Stern unb trifft uns inroenbig ganz tief, wo eine gleiche Freube liegt ober ein gleicher Schmerz. Manchmal jagen ein paar Töne hinter einem Wort her, unter einer Zeile hin, manchmal sitzt mitten im Atemzug ein dicker Akkord, unb auf ihm kreist bie Schöpfung. Manchmal ist's nur ein kühner Uebergang, ber nicht einmal den Forderungen ber Mode entspricht, aber aus bem lieber« gang erhebt sich etwas schier Göttliches.
Ich setze mich am Samstag ober am Sonntag früh ans Klavier, schlage meinen Erck auf (obgleich ich ihn auswendig kann), unb sogleich fühle ich mich nach den Irrungen unb Wirrungen ber Woche wieder völlig daheim bei mir unb habe meine Siebenfachen beisammen. Ich bin ja als Musikant geboren unb erlebe bie Welt musikalisch, mir ist die Musik bas Maß der Dinge, und auch meine Mitmenschen müssen mir erlauben, baß ich diesen Matz- stab an sie lege: wer nicht fingen kann, wage sich nicht in meine Nähe! Da am Klavier werbe ich, was bas Lied von mir verlangt: halb bin ich ein Christ, halb ein Türk (aus ihren ewigen Reibereien mit« einanber sind ein paar hübsche Volkslieber übrig geblieben, sonst nichts), halb blaf ich bas schottische Horn, bald bas des Neapolitaners, bald bin ich ein Held mit gezücktem Schwert, bald ein Bänkelsänger, ber vergeblich an einem Schloßbalkon emporstarrt, bald ein verkommener Landstreicher. Bald graf' ich am Neckar, bald liege ich im Feld bei dunkler Nacht, halb zieh' ich vom Leder, mein Liebchen zu rächen.
und verliebt bin ich immer. Erwisch mich keiner am | Samstagnachmittag ober am Sonntagmorgen!
Zwischen die Zeilen biefes Lieberschatzes habe ich mit dem Bleistift seinerzeit kleine Dinge gekritzelt, wie der Musiklehrer es angab: anfchwellen, ab- ,schwellen, Atem, heftig, stürmisch, draufgängerisch, zurückhaltenb, meid), wehmütig! Noch seh' ich ihn, ben Herrn Musikleyrer, genannt bas Fränzchen, ein entzückendes Kerlchen, eine Augenweide für alle jungen Mädchen, in gelbgrüner Joppe, mit gezücktem Schnurrbärtcyen, mit goldumrändertem Kneifer auf der zielsicheren Nase, unb bie Stimmungen seiner leichtbewegtey Seele finde ich deutlich in meinen Schriftzeichen wieder. Wenn er befahl: wehmütig, bann konnte mich ber Menschheit ganzer Jammer anfaffen, so riß irgenb etwas an seinem uns so zugänglichen Herzen. Aber es stehen auch anbere Dinge da zwischen ben Zeilen, wie Vogelnester zwischen ben Hecken, Dinge, aus benen ich meine eigene Seele bis zu meinem jüngsten Tag erkennen kann, Dinge, von denen das Fränzchen keine Ahnung haben durfte. Damals erlebte ich erstmals bie Liebe, unb ich erlebte erstmals, was ein Liebeslied ist, und ich meinte gar: zu jedem Liebeslied müsse eine neue Liede gehören. Das Fränzchen zwinkerte immer etwas schelmisch, wenn es von ber Liebe las ober fang, unb fein großes Muster weckte bei uns, feinen Schülern, Nacheiferung unb gab uns höhere Gesetze. wie Schiller sagt. Sechzehn Jahre war man alt. Das Fränzchen meinte: bas Buch fei so schön, daß man es in ber guten Stube auf die grüne Plüschdecke des runden Tisches legen müsse. Es war knall» rot gebunden, bas Buch, nicht das Fränzchen. Ich habe es, bas Buch, heute noch auf einer solchen Decke liegen. Jebem Menschen wünsche ich solch ein Buch, bas ihm alle Herrlichkeiten ber Erbe, soweit sie in ber Menschenseele nacherlebt werben können, jeber- 3eit barbietet, das ihm die großen männlichen und die kleinen knabenhaften Erlebnisse im Lied festhält.
Vom Geist -er Zeit.
Worte aus Ernst Moritz Arndts Hauptwerk, das er unter dem Titel „Geist ber Zeit" von 1806 ab erscheinen ließ:
Unsere ganze Liebe, alle unsere Hoffnung, alle unsere Kraft wollen mir in bie Zeit legen unb glauben, sie sei zu retten, und sie wirb gerettet werden. Und weil wir denn so allgemein fühlen, so wollen wir heut auch vom Allgemeinen sprechen. Unser größtes Varerland ist Himmel und Erde, unser großes Europa, unser kleines Deutschland. Wer sein Kleines nicht liebt und verteidigt, ist bes Großen und Größeren nicht wert und wird es nimmer gewinnen.
*
Fest ins Auge schen sollen wir der großen Zeit, ihre Fruchtbarkeit und Herrlichkeit sollen wir verstehen, damit wir uns zu ihrer Höhe erheben unb ihren heiligen Willen vollbringen können.
-X
Durch Krieg und Kampf besteht diese Welt: es stirbt sogleich, was hier nur ruhen will. Gerüstet und gewappnet sollen wir immer fein; immer schlag fertig, immer als bie, bie dem Feinde begegnen sollen: wir wollen Krieger sein.
*
So warm wie meine Liebe für mein ganzes Geschlecht ist; so warm, wie mein Herz schlägt für bas ßanb, wo ich geboren ward, für die Menschen in deren Sprache mein erstes Gefühl von Freude, mein erstes Lichtlein von Gedanken ausgesprochen ist; so gewiß bin ich einer ewigen Würde und eines unenblichen Lebens meines Geschlechts — so gewiß sehe ich bas Heil nach bem Unheil und die Ruhe nach bem Sturm. Ich bin mit in den Schrecken und Verwirrungen der Gegenwart, ich zürne und trauere wie die anderen über Greuel; aber ich sehe hinaus m das goldene Zeitalter QK.


