Oie Jagd im Januar
a n n B o k a <i ist mit einem
Eine Oper von Lehär.
Franz Lehär hat eine Oper vollendet, die den Titel „Garaboncias" trägt unb in Budapest uraufgeführt werden soll. Unter dem Namen (9arabon- das versteht man in Ungarn die fahrenden Minnesänger des Mittelalters. Die Handlung ist jedoch in die Mitte des vorigen Jahrhunderts verlegt. Erna Dincze, der Lehärs ...^i<re"nersie^"" für Ungarn eingerichtet hat, schrieb das Textbuch.
.'effenllichkeit getreten. Das Stück, betitelt „Der Nachfolger", spielt in der Aerztewelt. Der Leiber einer Gynäkologischen Kbi- nit hat die Altersgrenze erreicht. Um sein- Nachfolge fetzt die Intrige ein, die ihn schließlich auch an seinem Lieblingsschüler, seinem Schwiegersohn und Nachfolger zweifeln läßt. Der Tag der Amtsüber- gäbe ist gekommen, und der Professor bricht unter dem Sturm der Gefühle des Derzichtenmüssens auf feinen Lebensinhalt zusammen. Monate der Ruhe bringen die innere Kraft zur Versöhnung mit dem unerbittlichen Schicksal des Alterns, das der Abge- tretens in Abwandlung des Wortes des großen Wiener Mediziners Nothnagel in den Sah zusammenfaßt: „Sei ein guter Mensch, um ein guter Arzt sein zu können." Der Gehalt des Stückes bewegt sich um die Relativität der menschlichen Daseinsbegriffe; seine Sentenzen suchen durch schlichte Besinnlichkeit klarzumachen, daß fedes Lebensalter seine vom Schöpfer vorbestimmte Sinngebung hat. Stephan Schlippenbach.
Kalackerjahr und Jagdjahr laufen nicht gleich. Während das eine sein Ende fand, geht das andere noch weiter. Allerdings stellt dieses letzte Jahresviertel immer mehr einen Ausklang dar. Und so mehren sich auch bereits wieder die „Schonzeit" bedeutenden schwarzen Felder des Jagdscheines.
Der Januar ist der letzte Monat, in dem noch alles in unseren heimischen Revieren stehende Schalenwild mit Ausnahme des Rehbockes besagt werden darf. Soweit also Abschüsse an Rot-, D a m - und weiblichem Rehwild noch weit von der Erfüllung entfernt sind, kann manches nachgeholt wer-
Ferner wird der ja meist genügend Schnee bringende Jänner dazu gern benutzt werden, um dem Schwarzwild Abbruch zu tun.
Tells ist di« Niederjagd schon geschlossen, teils findet sie in den nächsten Wochen ihr Ende. Dies gilt vor allem für die mit dem 15. Januar schließende H a s e n j a gd, die so schlecht war, daß sich die „ältesten Männer" kaum eines Gegenstückes erinnern. Hoffentlich wird die vielfach beobachtete Enthaltsamkeit im Abschuß durch einen erträglichen Winter belohnt. Er schafft im Zusammenhang mit ausreichender Wildhege, vor allem Winter füll erung und Jagdschutz, erst wieder die Voraussetzungen für einen Aufstieg.
Nicht viel andere steht es mit den Aussichten des Fasans, dessen Schonzeit ebenfalls am 16. Januar wieder einsetzt, während ja das Feldhuhn überhaupt nicht mehr besagt werden darf. Reichliches Beschicken zahlreicher, in Hecken und Gehöl. zen gegen Wetter und Raubzeug geschützter Fütterungen mit Druschabfall, Heublumen, Kohlblättern u. a. ist die Grundlage erfolgreicher Wildhuhnhege.
Die weiblichen E n te n genießen nun wieder den Schutz der Schonzeit, dagegen können die bei den meisten Entenarten ja ein buntes Prachtkleid tragenden Erpel bis zum 31. noch beschossen werden. Vorsicht beim Abschuß bei schlechter Sicht (Dämmerung) ist am Platze.
Dagegen sind während des ganzen Monats von Federwild Wildgänse, Schnepfen und Sumpf- schnepfen, Ringeltauben und Drosseln schützbar.
Viel wichtiger aber als sie ist setzt das Staub« wild. Einmal trägt es nun feinen besten Bala und zum andern machen Niederjagd und Geflügel* Haltung seine Kurzhaltung nötig.
Zwar endet die Jagdzeit des Dachses, bei dem sich bald Familienzuwachs einstellt, mit dem 15. d. M., dafür aber steht die Jagd auf den Fuchs auf dem Höhepunkt. Neben den auch sonst üblichen Jagdarten wie Treiben, Drücken, Ansitz am Paß oder Bau kommt nun in der Rollzeit di« Jagd mit dem Erdhund verstärkt hinzu. Sie verspricht bann, wenn eine ganz« Hochzeitsgesellschaft sich steckt, besonderen Erfolg. Hunger bei hoher Schneelage aber wild mit guter Erfolgsaussicht beim Ansitz am Luderplatz oder beim Reizen mit der Has en quäk« ausgenutzt.
Auch unsere Marder, Edel- und Steinmarder, haben noch diesen Monat Jagdzeit und lohnen Jagd und Fang. Das weiß« Hermelin in der Kastenfalle schadet der Niederjagd nicht mehr und ist ebenfalls begehrt.
Nie allerdings darf gerade im Januar über dem Jagen die Wildhege vergessen werden. In den letzten drei Jahren ist genug Lehrgeld bezahlt worden. Rechtzeitig, ausreichend und richtig füttern ist die Forderung, die ein schneereicher Januar an den Heger stellt. Die Erfüllung dieser Forderung ist durch die Kriegs Verhältnisse vielfach erschwert. Aber der wirkliche Heger — mit Taten, nicht Worten! — findet Ausweichmöglichkeiten genug. Hingewiesen ei nur kurz auf Proßholz durch Schlagen von Weichhölzern oder Ausputzen der Obstbäume, auf Freilegen von Heide durch Schneepflug oder Rechen, auf Kaff, Heuboden abfall, Futterkartoflein, Eicheln und Kastanien, Abfälle von Gemüse, Pferbemöhren, Haferstroh u. a. m. Gerade wenn es schwer fällt, sollen mir nie vergessen: „Der Heger, der Pfleger kann Jäger nur sein!" Hubertus.
Der auch in Deutschland sehr bekannte ungarische Bühn-enschriflsteller Jo h « -----
neuen Werk vor di« O<
Schulte), Werner Fu etter er (ältester Sohn), Max G ü l st o r f f (Schwager) und Leopold von Ledebur (Arzt) im geringeren Rollenumkreise einigermaßen zu behaupten. —
*
Im Beiprogramm laufen die schon besprochen« neue Wochenschau und ein lehrreicher, zeitnaher Kulturfilm „Mutter des Dorfes". Hans Thyriot
Streichhölzer und Benzin gehören nicht in Teldpostpöckchen!
LPD. Die Deutsche Reichspost muß tn zahlreichen Faller leider immer wieder feststellen, daß trotz Versendeverbots Stteichhölzer und andere leichtentzündliche Gegenstände durch die Feldpost verschickt werden, und zwar besonders im Verkehr mit der Ostfront. Ständige Ermahnungen mit dem Hinweis darauf, daß durch Brände infolge Selbst- entzündung der leichtentzündlichen Gegenstände fortgesetzt ganze Wagenladungen von Feldpostsen* düngen vernichtet werden, haben leider kaum etwas gefruchtet. Es muß daher und wird auch künftig zum Schuhe fremden Eigentums in allen Fällen gegen alle Volksgenossen, die glauben, sich in leichtfertiger Weise über das Verbot Hinwegsetzen zu dürfen, Strafanzeige erstattet werden.
K.nverermäßigung
für Landdienffangehörioe.
Der Reichsfinanzminister hat klargestellt, daß für Angehörige des Landdienstes der Hitler-Jugend Kinderermäßigung und Kinderbeihilfe gewahrt wird. Der Landdienst ist vor Ablegung der Prüfung als Landarbeitsgehilfe oder der ländlichen Hausarbeitsprüfung keine Tätigkeit, die zu Erwerbszwecken aus- geübt wird. Minderjährige Kinder eines Steuer- pflichtigen, die das Landdienstjahr ableisten oder im Landienst die Landarbeitslehre fortfehen, gehören zum Haushalt des Steuerpflichtigen, dem für sie deshalb Kinderermäßigung und Kinderbeihilfe zu- steht. Nach dem Bestehen der Prüfung sind diese Kinder, wenn sie den Tariflohn eines Landarbeitsgehilfen beziehen, auch dann nicht mehr haushalt- zugehörig, wenn sie zur Vorbereitung für den gehobenen landwirtschaftlichen Dienst weiterhin im Landdienst verbleiben.
Hilfe für die Bergmannsfrau.
Die Versorgung des deutschen Bergmanns und seiner Familie in den Wechselfallen des Lebens durch die Reichsknappschaft wird mehr und mehr zu einer totalen. Nachdem erst kürzlich entsprechend der Vorrangstellung der Beraleute die knappschast- liche Rentenversicherung eine Regelung erfahren bat
Aus der Stadt Gießen.
Fragen gibt es...
Dankbar und lehrreich zugleich wäre es, einmal alle d.« klugen Fragen zu registrieren, die im Laufe eines Tages an einen gerichtet werden. Man sollte dann jede der Fragen so beantworten, tuie sie es verdient. Ja, des Morgens in aller Herrgottsfrühe geht es schon los. Es ist nicht nur kühl und regnerisch, sondern auch höchste Zeit, die bestimmte Stta- ßenbahn zu erreichen — schon tritt einem ein Bekannter entgegen. „Na", fragt er mit dem Lächeln, das einen unter diesen Umständen in gelinde Ver- zweifluna versetzen kann, „na, auch schon aufgestanden?
Man schluckt den aufsteigenden Zorn hinunter und erwidert:
„Nein, ich liege noch im Bett und träume süß von Ihnen, Herr!!"
Dann läßt man ihn stehen, den Frager, und die Bahn wohl oder übel fahren. Und wartet auf die nächste.
Und siehe da — es naht sich ein weiterer Frager, dem die Neugier auf dem Gesicht geschrieben steht. „Na, „auch in die Stadt?" begehrt er zu wissen. „Klar", sagt man dann, „und zwar direkt nach Rio de Janeiro. Denn dies ist ein durchgehender Wagen, der an den fO-Zua angehängt wird."
In der Straßenbahn flötet die Frau Nachbarin: „Schlechtet Wetter heute." — „Nein", muß man bann sagen, ich finde es ausgezeichnet und je kühler und unfreundlicher es ist, desto wohler fühle ich mich". Wenn man darauf nachher an seinem Schreibtisch sitzt, meldet sich todsicher am Apparat jemand, der sich vor Erstaunen nicht fassen kann. „Nanu — auch schon im Büro?" Man lächell ab- grundig (denn es ist ja noch kein Fernsehavparat) und sagt: „9m Büro? Keine Spur! Ich sitze im Gegenteil auf dem Himalaja und schaue mir Tibet ein wenig von oben an." Das wirkt, und wenn man Glück hat, kann man durchs Telephon einen dumpfen Fall hören. Oder man läuft eben mal mit geschwollener Backe 'rüber zum Zahnarzt. „Ach nee — Zahnschmerzen?" erkundigt sich ein guter Freund. 9n diesem Falle mag man mit fester Stimme erwidern: „Zahnschmerzen? Ach wo! Hühneraugen habe ich, und Sie haben soeben darauf getreten."
Oder rutschen Sie mal unversehens auf der Straß« aus! Man kann sich darauf verlassen, daß ein von Reugier Geplagter unbedingt wisien will, ob man ausgerutscht sei. „Nein", muß man dann antworten, „ich mache jeden Tag um diese Tage hier solche Freiübungen." Man flüchte schließlich in ein Kaffeehaus und bestelle sich eine Tasse Kaffee. Schon fragte einer, hob man auch ein Täßchen Kaffee trinken wolle. ,.Äcin Gedanke, lieber Freund", lächelt man freundlich, nur ein Gläschen Lysol. Darf ich Sie ein- laden?" Meistens ist der Frager etwas gekränkt, aber das muß man eben in Kauf nehmen.
Und fn weiter. Und so weiter.
Sehen Sie: solche Antworten mußte man den Fragern gäben, den ewigen Fragern, die einem gerade immer dann über den Weg laufen, wenn man sie am wenigsten brauchen kann. Denn die Leute, die einem sozusagen die Pistole auf die Brust setzen und fragen, ob sie einem vielleicht mit der Kleinigkeit von tausend Mark aushelfen könnten — diese Leute sind sehr, sehr dünn gesät ... Fr. Ho. Oie Beseitigung von Eis und Schnee
durch die Hauseigentümer.
Von der Polizeidirektion wird aus gegebenem Anlaß darauf hingewiesen, daß die Hauseigentümer nach wie vor verpflichtet sind, für die Beseit i- gung von E i s und Schnee auf den Bürgersteigen vor ihren Häusern Sorge zu tragen. Die Kriegsverhältnisse entbinden nicht von der Ausübung dieser Pflicht. Im übrigen liegt es auch im eigenen Interesse der Hauseigentümer, Schnee und Eis vor ihren Häusern rechtzeitig und gründlich zu beseitigen, da sie für sonst etwa entstehende Schaden haftbar gemacht werden müssen.
R chtig verdunkeln - Heizung gespart!
Obwohl wir uns immerhin schon im vierten Kriegsjahr befinden, trifft man in vielen Wohnungen immer noch provisorische ober unzweckmäßige Verdunkelungseinrichtungen an. Stark verbreitet, aber dennoch nicht minder unzweckmäßig ist vor allem das Bekleben der Jnnenfenster mit licht- undurchlässigem Papier. Tagsüber werden bei diesem System die Jnnenfenster geöffnet Abgesehen davon, daß diese Lösung unschön wirkt, vergeudet man dadurch im Winter auch unnütz Brennstoff. Die doppelten Fenster sind doch eigens für den Winter gedacht. Sie sollen die Wärme besser im Zimmer halten. Wieviel Wärm« aber geht durch die geöffneten Jnnenfenster verloren! Eine solche Vergeudung können wir uns heute schon gar nicht leisten, und schließlich müßte doch jeder selbst am meisten daran
Schnellzüge zertrümmert bzw. schwer beschadkgt Bis jetzt sind 20 Tote und 20 Schwerverletzte zu beklagen. Die Verletzten wurden dem Reservelazarett Hannover und dem Krankenhaus Nordstadt in Hannover zugeführt.
Bei einem hoielbrand erstickt
.Auf furchtbare Weise ums Leben gekommen find die herben 22 und 15 Jahre allen Schwestern Katharina und Cacilia Molitor aus Kusel (Ruwer). Sie waren nach Braunschweig gefahren, um hort ihren im Lazarett liegenden Bruder zu besuchen. In dem Hotel, das sie in Braunschweig auf- gesucht hatten, brach Feuer aus. Vier Hotelgäste, die durch den Rauch erstickt waren, konnten nur als Leichen geborgen werden. Unter ihnen befanden sich di« beiden jungen Mädchen Molitor aus Kusel.
Hitzewelle in Argentinien.
Eine Hitzewelle, die ganz Südamerika heimsucht, hat auch in Argentinien zu außergewöhnlichen Temperaturen geführt. In den Provinzen Santo Fe und Corrientes am oberen Parana wies das Tqermo- meter 44 Grad auf. Auf dem flachen Lande ist bas Weidegras verdorrt. Viele Quellen und Bäche sind versiegt, und die Wasserlöcher eingetrocknet. Besonders in den Großstädten macht sich die außergewöhnliche Hitze immer unangenehmer bemerkbar. 9n Dörfern ohne Bewässerungsanlagen müssen Frauen und Kinder das Wasser oft kilometerweit heranholen, die Tankwagen vorbeifahrenber Züge wurden gestürmt
Kunst und Wissenschaft.
Professor Schulh-Gora gestorben.
Im Alter von 82 Jahren starb der früher« Ordinarius der romanischen Philologie an der Universität Jena, Prof. Dr. Schultz-Gora. In Gova (West- preußen) geboren, wirkte der Gelehrt« von 1884 bis 1892 im Schuldienst, wurde ein Jahr später in Berlin Dozent und siedelte 1904 als Ordinarius nach Königsberg über. 1911 folgte er einem Ruf nach Straßburg, 1919 nach Jena, wo er bis zu seiner Entpflichtung im Jahre 1928 lehrte. Von 1915 bis 1930 war er Mitherausgeber des Archivs für bas Studium der neueren Sprache und Literatur. Prof. Schultz-Gora hatte zahlreiche Veröffentlichungen herausgebracht, u.a. über altprovenzaliscl)e und. allfranzösische Literatur und Sprache. Zuletzt arbeitete er an der Uebertragung des allfranzösischen ®pos „Folque de Candie , von dem bereits drei Bände vorliegen.
Sine Goethe-Antigua.
Die Welt-Goethe-Ausgabe, bi« von Professor Heinrich Christian Kleukens auf der Mainzer Press« gedruckt wird und bisher in neun Bänden erschienen ist, wird nun auf Veranlassung maßgeb- lieber Seite statt in der bisherigen Tilmann-Fraktur in Antiqua gedruckt werden. Die neue von Professor Kleukens entworfen« Goethe-Antiqua ist eine krattvolle, großzügige und doch elegante Schrift. In nächster Zeit kann mit dem Erscheinen des ersten Bandes in der Mainzer Goet he-Antiqua gerechnet werben. Die Subskribenten der Welt-Go« th«-Aus- gabe werden, ttotz der bisher erhaltenen Bände, d i e Gesamtausgabe in Antiqua bekommen, so daß den Bibliophilen durch diese Umstellung zur Antiqua Fein Nachteil erwächst.
Cin neues Schauspiel Johann Vokals in Budapest.
interessiert fein, zu Hause eine warme und gemütliche Wohnung zu haben. Also fort mit dieser unzweckmäßigen Verdunkelung. Ein richtiger hochziehbarer Verdunkelungsvorhang ist leicht selbst herzustellen oder für wenig ©eß) im Geschäft zu kaufen.
Lichtspielhaus: »Oer Seniorchef-.
Das ist die merkwürdige und nicht besonders erfreuliche Geschichte des Mannes, der über feinem Geschäft vergißt, daß er Frau und Kinder hat. Nach dem Theaterstück „Seine Majestät Gustav Krause^ von Eberhard F o e r ft e r schrieben Eberhard Keindorff und Wolf Neumeister das Drehbuch für die Terra. Im Mittelpunkt der Handlung steht der Herr von Schulte, genannt „der Pferdebaron"; er hat einen Pferdehandel großen Stils, das ist fein Leben und seine Leidenschaft. Bei sich daheim ist er immer nur sozusagen auf Besuch, und wenn er da ist, brüllt er und tyrannisiert Frau und Kinder; der älteste Sohn ist schon vor langer Zeit auf und davon, weil er sich dem diktatorischen Dillen des Vaters nicht fügen wollte. Als der Alte eines Truges ernstlich erkrankt und nach einer Kur in fein Haus zurückkehrt, kommt es zu einem schroffen Bruch mit Frau und Kindern. Schutte verläßt die Familie und widmet sich nur noch seinen Pferden und feinem Geschäft. Eines Tages kehrt der vor Jahren davongelaufene Sohn heim, der mittlerweile im Ausland auch einen gewinnbringenden Pferdehandel ausgemacht hat, und in diesem Jungen findet der Alte nicht nur einen Sohn nach seinem Herzen, sondern auch beruflich seinen Meister: er imponiert dem Vater so, daß er ihn zum Kompagnon und Juniorchef macht, und was zuvor niemandem gelang, das gelingt erstaunlicherweise dem verlorenen Sohn: die Familie ist endlich wieder beieinander und miteinander ausgesöhnt. Der Spielleiter Peter Paul Brauer bemühte sich nach besten Kräften, dieses stellenweise ein wenig peinliche und auch psychologisch schwierig« Familiendrama dem Zuschauer schmackhaft zu machen. (Schließlich gibt's ja eine ganze Menge Leute, die auch ein großes Geschäft und viel zu tun haben, ohne deshalb der Schrecken der ganzen Familie zu fein.) Schön sind di« zahlreichen Pferdebilder, an denen man feine ungetrübte Freude haben kann. Otto Wernicke hat nach feinen letzten Filmen „Die Kellnerin Anna" und „Sein Sohn" hier eine wesentlich komvttziertere und minder dankbare Aufgabe. Er gibt den Charakter in der vollen unbarmherzigen Belichtung ohne Kompromiß und Milde- nmg und beherrscht mit feiner schauspielerischen Vitalität und körperlichen Gedrungenheit alle Szenen. Dom großen Ensemble vermögen sich neben ihm allenfalls Hildegard Grethe (Frau von
AUFMÖNCKEBERG
Ist dlet 'Teufel los.
ROMAN VON OLAF B OUT ERWECK
6 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Können Sie mir sagen, aus welcher Entfernung der Schuß abgegeben wurde?"
„Schwer! Auf Wundrändem und Kleidung keinerlei Brandspuren erkennbar. Auch keine Spuren von Pulverschleim. Schuh muß demnach aus gröberer Entfernung als fünfzig Zentimeter abgegeben worden sein."
„Wirklich sehr aufschlußreich!" spöttelte Rauch- eisen.
„Vielleicht ergibt die Leichenöffnung nähere Einzelheiten", tröftete Dr. Heidsiek.
Raucheisen antwortete nicht. Er kniete auf den Fußboden nieder, erfaßte mit einem seidenen Tuch den Trommelrevolver und nahm ihn dem Toten aus der Hand. Raucheisen mußte leichte Gewalt dabei anwenden, denn die Leichenstarre machte sich bereits bemerkbar.
Der Kommissar hatte bann schnell festgestellt, daß Fingerabdrücke auf dem Revolver n cht vorhanden waren, und daß die Trommel noch fünf scharfe Patronen und eine leere Hülse enthielt. Demnach konnte aus dem Revolver nur ein Schuß abgegeben worden sein, und zwar erst vor kurzem, wie der scharfe Pulvergeruch des Laufes bewies.
Während sich Dr. Heidsiek schweigend einige Aufzeichnungen machte, suchte Raucheisen planmäßig und gründlich den Fußboden ab.
Einige Minuten vergingen.
Plötzlich stieß Raucheisen ein zufriedenes Grunzen aus. Aus dem blank gebohnerten Parkett zeigte sich an einer Stelle in der Nähe des Bücherschrankes deutlich sichtbar der Abdruck eines Gummiab- jatzes.
Er zeichnete mit Kreide ein Kreuz auf den Fußboden. Dabei bückte er sich tief hinab, und bei dieser Gelegenheit sah er seitlich unter dem Bücherschrank etwas aufblitzen, was sich bei näherem Hinsehen als -ine Patronenhülse erwies.
„Was gefunden?" fragte Dr. Heidsiek neugierig.
„Mehr, a^s ich zu hoffen wagte!" lach°tte Nauch- eifen gutgelaunt. Er hielt die leere Hülse zwischen Daumen und Ze'aefinger emvor. „Hier ist der Beweis, daß der Täter eine Selbstlademstole Kaliber sieben Komma fünfundsechzig zur Tat benutzt hat!"
„Sehr aufschlußreich!" spottete Dr. Heidsiek nun seinerseits.
„Aufschlnßre-icher, als Sie denken, Heidsiek! Denn dort, wo die ausgeworfene Vatronenhülfe lag, muß in der Nähe auch der Schütze gestanden haben. Und da erwiesen ist, d"ß der Prosesior noch zwei Sekunden vor seinem Tode auf feinen Mörder geschossen hat, M'"chte demnach irgendwo in dieser Gegend der Einschlag feiner Revolverkugel zu finden fein! — Suchen wir?"
Raucheksen brauchte rrrfjt lange zu suchen: dicht neben dem Bücherschrank entdeckte er in Sch"lter- höhe en erbsengroßes Loch in der Tavete: und als er das L^ch nur ein wenig erweiterte, konnte er die Renolverkugel ohne aroße M'^e herauaziehen.
r mag das Ge^nß einen Augenblick nachdenklich in der H"nd „Schade!" sgnte er bedauernd.
„Was ist schade?" fragte Heidsiek verständnislos.
..Daß d'efes fMne Dina hier nur -in Loch in die W"nd urö nicht fn den Konf des Mörders gemacht hat!" antwortete Raucheisen grimmig. —
4. Kapitel.
Während der Photograph in der DibNothek einige Ausnahmen von dem Abdruck des Gumm'absatzes machte — die Aufnahmen sollten sofort um das Zehnfache vergrößert werden —, kehrte Raucheisen in die Diele zurück.
In einer Ecke saßen dicht neben dem alten Diener die Köchin und das Hausmädchen; alle drei sahen
verschüchtert und ängstlich aus, und die Mädchen hatten rotgeweinte Augen.
Das Ueberfallkommando, das bisher die umliegenden Straßen abgesperrt und beobachtet hatte, war inzwischen durch andere Beamte aus benachbarten Revieren ersetzt worden und konnte abrücken. Der Hilfskommissar Stobbe behielt nach wie vor den Befehl über diese „Außentruppen".
Raucheisen winkte den Diener ins Speisezimmer und setzte das Verhör fort.
„Run, Herr Friedrichsen, wie lange sind Sie wohl hier im Hause tätig?" fragte Raucheisen freundlich, nachdem der Diener seine Personalangaben zu Protokoll gegeben hatte.
Friedrichsen, der fortwährend mit seinen dünnen, knochigen Fingern an den Knöpfen seines Regenmantels herumneftelte, schluckte ein paarmal, räusperte sich und antwortete dann mit seiner heiseren Stimme:
„Seit achtzehn Jahren, Herr Kommisiar."
„Na, bann sind Sie ja mit den Gewohnheiten Ihres Herrn genau vertraut gewesen. Womit beschäftigte er sich hauptsächlich?"
„Der Herr Professor war Literarhistoriker. Er schrieb wissenschaftliche Bucker."
.hinterläßt er ein Vermögen?"
.Zawohl, Herr Kommisiar? Es muß sich sogar um erhebliche Summen handeln. Genauere Auskunft darüber wird Ihnen der Rechtsanwalt Ullrich geben können, der das Vermögen verwaltet."
„Pflegte der Professor etwa größere Summen im Huufe aufzubewahren?"
„Nein, niemals, Herr Kommisiar! Alle unsere Lieferanten schickten monatliche Abrechnungen, die bargeldlos beglichen wurden."
„Empfing Professor Beierfeld oft Besuch?"
Die Hände des Dieners unterbrachen plötzlich das Spiel mit den Knöpfen des Regenmantels. Der alte Mann richtete sich aus feiner zusammengesunkenen Haltung auf und starrte den Kommissar verwundert an.
„Besuch?" fragte er gedehnt. „Der Herr Pro- fesior empfing überhaupt keinen Besuch? Der einzige, der regelmäßig jede Woche einmal kam, war Doktor Dittersbachs aber der blieb selten länger als eine halbe Stunde. Sonst kann ich mich nicht erinnern, daß der Herr Professor in der letzten Zeit viel mit anderen Menschen gesprochen hätte."
„Ging Prosesior Beierfeld denn niemals aus?"
„Nur in ganz seltenen Ausnahmefällen, Herr Kommisiar! In den letzten Monaten hat er das Haus überhaupt nicht verlassen." Friedrichsen verlor seine Befangenheit und kam ins Reden, wie es alte Leute gern tun:
„Der Herr Prosesior lebte sehr zurückgezogen. Er widmete sich ausschließlich seiner wissenschaftlichen Arbeit. Er stand regelmäßig jeden Morgen um sieben Uhr auf, nahm ein Bad und frühstückte danach. Dann ging er eine Stunde lang im Garten spazieren, worauf er sich in die Bibliothek begab yib zu arbeiten begann. Punkt ein Uhr nahm er oas Mittagessen ein, um dann wiederum eine Stunde lang seinen Spaziergang im Garten zu machen. Seine Spaziergänge führte er im Sommer und Winter mit gleicher Gewissenhaftigkeit aus. Weder Sturm noch Regen noch Schneegestöber konnten ihn davon abhalten ... Der Nachmittag und der Abend waren wieder der Arbeit gewidmet, und Punkt elf Uhr ging er schlafen."
.Sonderbarer Heiliger!' dacht« Rauchersen, während er nach seiner geliebten Meerschaumpfeife griff und sie mechanisch au stopfen begann.
»Hatte Professor Beierfeld denn gar feine Angehörigen?"
„Äußer seinem Neffen nicht. Herr Kommisiar." „So —! Wer ist denn dieser Neffe?"
„Er heißt Axel Holm ..."
„Doch nicht etwa der Schriftsteller Axel Holm?" fragte Raucheisen überrascht.
„Jawohl derselbe ... Kennen Sie ihn Herr Rom* misiar?"
(Fortsetzung folgt)


