K.
zen Spargel mit Del an!"
hier so lange schon vorbei. Eine Schar marschierender junger Leute in den gelben Stiefeln und grünen gemien i>er Ghänüers des Jeunesses (französischer Arbeitsdienst) nimmt singend den ganzen Fahrdamm ein, sie zeigt, daß bie neue Zeit auch bis nach Nizza vorgedrungen ist. Das, was noch übrig blieb von d°m Gestern und Vorgestern, halt sich im Hinter- gründ.
Beim Aufenthalt in diesem verlassenen Paradies müssen die an Ueberfluß und Verschwendung Gewohnten sich heute damit abfinden, daß auch rn den teuersten Hotels Europas nur kaltes Wasser aus den Röhren läuft. Auch der leidenschaftlichste Freund von Kalbssteak, Entrecote und Poularde dürfte hier immer mehr Vegetarier geworden sein, der sein Menu, das aus fettlos gekochten Gemüsen besteht, mit einem Salat unterbrechen kann, der das Del aus eigener Erfahrung nie kennenlernte. Da außer den Luxusjachten, die man laut veralteten Baedekern häufig vor Cannes und Nizza sehen konnte, auch die meisten Fischerboote verschwunden sind, besitzen Restaurants, die sich als „Spezialisten für Meeresfrüchte" empfehlen, nur noch Erinnerungswert. Durch diese Knappheit erreichen die Preise des Schwarzen Marktes Rekorde. Das eigentliche Paradies des Schwarzhandels hat allerdings seine eigenen staatlichen Grenzen. Es liegt 19 Kilometer weiter östlich, und jeden Nachmittag findet sich eine stattliche Menge von Reisendep auf dem Bahnhof und der Place Magenta ein, wo die Holzgasautobusse in der bezeichneten Richtung abfahren. Die Gesichter dieser Ausflügler sind stets von einer gewissen Spannung gezeichnet, denn sie 'erwarten etwas ganz Besonderes, vielleicht die Wendung ihres Lebens durch das große Glück, das an ihrem Reiseziel zu Hause sein soll. Dort, wo mit großen Buchstaben steht: „Prin- cipaute Monaco—Monte-Carlo.“
Kleine politische Nachrichten.
Der Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop sandte dem irakischen Ministerpräsidenten Raschid Ali el Gailani nachstehendes Telegramm: „Zum Jahrestag der Erhebung des Irak gegen britische Willkür und Gewalttat übersende ich Eurer Exzellenz als dem mutigen Vorkämpfer für die Freiheit der arabischen Länder meine aufrichtigsten Glückwünsche für den gemeinsamen Kampf. Möge die Befreiungsstunde für Ihr Vqterland und das ganze arabische Volk nicht mehr fern sein."
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Der neue deutsche Botschafter in Madrid, Dr. Dieckhof f überreichte dem spanischen Staatschef Generalissimus Franco das Beglaubigungsschreiben der Reichsregierung. Im Anschluß an die lieb er gäbe fand zwischen dem Caudillo und' dem deutschen Botschafter eine längere, vom Geiste der deutsch-spanischen Freundschaft getragene Unterhaltung statt.
Eine Mitteilung der britischen Admiralität meldet laut Reuter am Montag: „Die Admiralität bedauert bekanntgeben zu müssen, däß das Unterseeboot „Turbulent" überfällig ist und auf die Verlustliste gesetzt werden muß."
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In Sofia wurde am Montag der ehemalige Polizeidirektor Bulgariens, Dberst a. D. Athanas Pante ff, durch Genickschuß ermordet. Die Täter, eine Frau und ein Mann, sind unerkannt entkommen. Der Ermordete galt als Mann von starker Energie, der besonders als Pottzeidirektor während seiner Amtszeit im Jahre 1938 nach allgemeiner Auffassung schärf, aber gerecht gegen die Juden vorging.
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Der Bergarbeiterstreik in den USA., an dem sich rund 500 ÖOO amerikanische Bergleute beteiligten, ist nach einem Appell Roosevelts an die Bergarbeiter vorläufig beigelegt worden. Verhandlungen zwischen den Streikenden und der Regierung sind im Gange.
Kunst und Wissenschast.
Gründung einer Hölderlin-Gesellschaft,
An Hölderlins 100. Todestage, am 7. Juni 1943, soll eine Hölderlin-Gesellschaft mit dem Sitz in Tübingen gegründet werden. Sie will der Hölderlin-Forschung und der Hölderlin-Verehrung einen Mittelpunkt geben, das Verständnis für den Dichter vertiefen und ihm zu reiner Wirkung auf unser Volk verhelfen sowie die Hölderlin-Gedenkstätten in pflegende Dbhut nehmen. Es wird erwogen, von 1944 ab ein Jahrbuch über Hölderlin erscheinen zu lassen.
Goethe-Medaille für Asienforscher Dr. Rickmers.
Der Führer hat' dem Forscher und Schriftsteller Dr. Willy Rickmers aus Anlaß der Vollendung seines 70. Lebensjahres in Würdigung seiner Verdienste als Asienforscher die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschast verliehen.
Aus der Siadi Gieße«.
Geschichten vom Spargel.
Der Spargel, dessen erstes Erscheinen jetzt begrüßt wird, gilt als ein besonderer Genuß unter den jungen Gemüsen, und es ist uns heute kaum vorstellbar, daß lange Jahrhunderte achllos an ihm oorübergegangen sind. Im Mittelalter galt der Spargel nicht als wohlschmeckend, sondern als heilkräftig, und man genoß nicht den Stengel, sondern die Wurzel. Selbst der große Botaniker Linnö hat für ihn keine andere Bezeichnung als „Asparagus officinalis“, wodurch seine Rolle in den Offizinen der Apotheker bestimmt wird. Die Wurzel, die getrocknet und dann entweder roh oder gekocht genossen wurde, war ein recht bitteres Mittel, sollte aber desto besser wirken. Dabei scheinen schon die alten Aegypter etwas von der Köstlichkeit des Spargelgeschmackes gewußt zu haben, denn man hat in den Wandgemälden der altägyptischen Gräber auch Darstellungen gefunden, die wie Svargelbündel aussehen. Ebenfalls waren die römischen Feinschmecker leidenschaftliche Verehrer dieses Gewächses, und auf keiner vornehmen Festtafel dursten die köstlichen weißen Stangen fehlen, die damals — wie noch heute — in Ravenna gezogen wurden. Der ältere Plinius berichtet, daß der Spargel auch in Germanien wild wachse, und von diesem altdeutschen Spargel soll der Kaiser Tiberius gesagt haben, er „erinnere zwar stark an den richtigen Spargel, sei aber nicht eßbar."
Als man sich im Italien der Renaissance, vielleicht in Erinnerung an die Genüsse der Vorfahren, wieder aus den Spargel besann, wurde er zunächst in wilder Form genossen. Seine gefeierte Stellung in der Kochkunst erlangte er erst, als man die Pflanze in strenae Zucht nahm. Im 16. Jahrhundert haben dann holländische Pflanzer die ersten deutschen Spargelfelder am Niederrhein angelegt, und 1539 schrieb der „Vater der Botanik", Hieronymus Bock, in seinem „Neuen Krauterbuch" vom Spargel: „Ein gemeiner Salat bei den Hispaniern, ist nunmehr auch wie andere Leckerbisseleien ins Teutsch- land gekommen, eine liebliche Speise für Lecker- tnäuler, doch irit zu viel." Dieser Zuchtspargel war freilich noch lange Zeit überaus teuer und konnte daher nur auf den Tafeln der Reichen erscheinen. Bezahlte man doch noch vor 100 Jahren für die Stange 2 bis 4 Silbergroschen.
Erst in jüngster Zeit ist der Spargel in den Monaten seines reichsten Gedeihens zu einer Art Volks- nahruna geworden. Es gibt viele Arten von verschiedenster Größe, Dicke und Färbung, und wie in allem sind auch in der Bevorzugung der einzelnen Sorten ,bie Geschmäcker verschieden . Richt minder mannigfaltig ist die feinste Art des Verspeisens. Man kann sagen, daß in jedem Land der Spargel auf andere Weise gegessen wird und daß die Spargelesser der einen Ration immer von den andern behaupten, sie benehmen sich dabei nicht anständig. In den Kulturländern wird der Spargel ungeschnitten gegesstn, und da man vielfach behauptet, daß das Metall den zarten Wohlgeschmack be- einttächtige, sind mancherorts Messer und Gabel verpönt, und man faßt mit den Fingern zu, wobei besonders empfohlen wird, den Spargel am Ende mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand zu erfassen, mit der rechten Hand die Gabel unter die Spitze zu schieben und ihn so zum Munde zu führen. Zweifellos am zartesten sind die Spargelköpfe, und es war eine Zeitlang Mode bei den eleganten Feinschmeckern, nur diese zu verzehren; -eine Erinnerung daran klingt in der Geschichte von dem Königsberger Herrn an, der an einer Berliner Hoteltafel, als Spargel herumgereicht wurde, alle Köpfe absäbelte und auf seinem Teller aufhäufte. Als ihm der Tisch-' nachbar in den Arm fiel und ihm zurief: „Aber um Gottes willen, Sie schneiden ja sämtliche Köpfe ab!", wehrte ihn der brave Mann lächelnd ab mit den Worten: „Aber Mannche, das ist doch das hast!"
Berühmt ist auch eine Spargelgeschichte, die der Baron Grimm in seiner im 18. Jahrhundert an den deutschen Höfen verbreiteten „Literarischen Korrespondenz" von dem bekannten Schriftsteller und Lebenskünstler Fontenelle erzählt. Fontenelle, ein leidenschaftlicher Spargelfreund, hielt die Zubereitung mit Del für die einzig richtige und mögliche und stand damit im strengen Gegensatz zu einem befreundeten Abbs, der den Spargel nur mit Butter gern aß. Eines Tages erschien dieser Abbe unerwartet bei Fontenelle, der sich gerade eine gehörige Portion Spargel in Del bestellt hatte. Wohl oder übel mußte er nun anordnen, daß die Hälfte mit Butter serviert werde. Da wird, während beide mit Sehnsucht der Mahlzeit harren, der apoplektische Abbö plötzlich vom Schlag getroffen und sinkt tot in seinen Sessel zurück, worauf Fontenelle nach einem Augenblick stiller Trauer nichts eiligeres zu tun hat, als dem Koch zuzurufen: „Mache den aan-
Kein unmittelbarer Obstverkauf durch Erzeuger an Verbraucher.
Es wird in diesem Jahre noch mehr als bisher erforderlich sein, für eine möglichst vollständige Erfassung von Dbst und Gemüse zu sorgen. Zu diesem Zweck hat der Reichsnährstand durch die Hauptoereinigung der deutschen Gartenbauwirtschaft eine Anordnung erlassen, die die unmittelbare Abgabe von Dbst und Gemüse vom Erzeuger an Verbraucher regelt. Da nach den bisher gewonnenen Erfahrungen die Verbraucherstruktur der einzelnen Wirtschaftsgebiete von Gemüse gebietliche Sonderregelungen erforderlich macht, ist die Rahmenanordnung vornehmlich auf Dbst abgestellt.
Die Erzeuger haben danach grundsätzlich sämtliches von ihnen geerntete andienungspflichtige Dbst mit Ausnahme des eigenen Haushaltsbedarfes an die Bezirksabgabestellen oder die zugelassenen Versandverteiler abzuliefern. Der unmittelbare Verkauf von Dbst durch Erzeuger an Verbraucher ist verboten.
, Da dieses Verbot auch für den Erwerber gilt und
ausgedehnt ist auf jede Art des Tausches sowie auf Ueberlassung der Erzeugnisse gegen gewerbliche ober berufliche Gegenleistung, wird dem in den vergangenen Jahren vielfach überhandgenommenen Erzeuger- Verbraucher-Verkehr ein Riegel vorgeschoben. Es kann nicht mehr verantwortet werden, daß einzelne Volksgenossen beliebige Mengen Dbst aus den Erzeugerbettiehen herausholen. Die dadurch kriegswichtigen Aufgaben entzogen werden. Die Erzeuger werden in diesem Jahre zum Verkauf an Private auch deshalb kaum mehr in der Lage fein, weil ihnen von den Gauwirtschaftsverbänden Auflagen zur Aufbringung von Mindeftmengen an Dbst für die Belieferung anderer Gebiete ober bestimmter Bedarfsträger erteilt werden.
Das von Klein- und Schrebergärtnern sowie Haus- gartenbefitzern geerntete-£)bft, das nicht erwerbsmäßig angebaut wird, ist von den Bestimmungen der Anordnung ausgenommen.
Kür Tapferkeit vor öem Kemöe.
Der Gefreite Willi Dckel aus Gießen, In Lö- bers Hof 5, wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.
Oie Kanalgebühren in Wieseck und Klein-Linden.
In unserer gestrigen Ausgabe veröffentlichte die Stadtverwaltung eine Bekanntmachung über die Neuordnung der Kanalgebühren in den Stadtteilen Wieseck und Klein-Linden mit Nachträgen zur Gebührenordnung. Zum Verständnis dieser Bekanntmachung weisen wir darauf hin, daß die Stadt Gießen nach den Eingemeindungsperträgen mit Wieseck und Klein-Linden vom 1. April 1939 verpflichtet war, die Steuersätze von Klein-Linden und Wieseck den Sätzen von Gießen anzugleichen. Diese Angleichung hat mit Wirkung vorn 1. April 1943 ihren Abschluß gefunden.
Zahlreichen Wünschen der Bevölkerung der beiden Vororte, ihr nach der Erhöhung von Steuersätzen auch Vergünstigungen hinsichtlich der Gebühren zu- tommen zu lassen, hat sich die Stadtverwaltung nicht verschlossen. In Klein-Linden waren die Kanal- gebühren bisher auf 50 Rps. je 100 RM. Brand- kastenwert, gegen Gießen auf 90"Rpf. je 1000 RM Brand kassenwert, feftgelegt, so daß hier eine Angleichung erforderlich war. In Wieseck waren die Gebühren in verschiedener Weise gestaffelt. Nunmehr sind sowohl in Alt-Gießen als auch in Wieseck und Klein- Linden die Kanalgebühren einheitlich gestaltet und aus die Höhe der GießenerSätze festaelegt worden. Daraus ergibt sich für Klein- Lino en durchweg eine wesentliche Senkung gegenüber dem bisherigen Gebührensatz, in Wieseck tritt in den meisten Fällen ebenfalls eine Ermäßigung ein. Nur in wenigen Fällen wird in Wieseck eine geringe Erhöhung Platz greifen, die aber bei diesen Ausnahmen nach Lage der Sache wohl ober übel in Kauf genommen werden muß. Diese Erhöhung darf jedoch nach einer ausdrücklichen Anordnung des Preiskommissars nicht auf die Mieter umgelegt werden, wie überhaupt nach den bestehenden Be- ftimmung^ft die Kanalgebühren allein vom. Hausbesitzer zu tragen sind, eine Umlegung auf die Mieter also nicht zulässig ist.
Gastspiel der Zratellinis bei „Krast durch Freude".
Die NSG. „Kraft durch Freude" bescherte uns gestern abend im Gloria-Palast wieder ein abwechslungsreiches, heiteres und qualitätvolles Variets-Progromm. Den Höhepunkt und Ausklang der Dorttagsfolge bildete ein Gastspiel der berühmten drei F r a t e l l i n i s samt dem Fratellini- Nachwuchs. Zuvor gab es eine Auslese internationaler Artistik. Otto Nerz hieß die Besucher namens der NSG. ,Kraft durch Freude" willkommen, sagte das Programm an und trug mit allerlei Scherzen, Deklamationen und Gesängen auch seinerseits zur allgemeinen Unterhaltung bei. Den Reigen der artisttschen Darbietungen eröffnete das Trio Marion, Ilona und Fred, hoch über der Bühne schwebend, mit einem geschickt arrangierten, wagehalsigen Luft-Akt. Dos ungarische Tanzpaar Therese und P e t o e f i präsentierte sich mit einer elegant und schmissig vorgeführten Kombination aus Bühnentanz und Akrobatik. Eine ausgezeichnete Leistung zeigten die ebenfalls aus Ungarn kommenden drei Miriams, die um heimlich schwierige akrobatische Tricks auf der rollenden Kugel mit erstaunlicher Sicherheit produ
zierten. Auch die zwei K o s a n o s aus Japan erwiesen sich mit ihrem Hondbalance-Akt als vielseitige, sehr sauber, beweglich und mit ungezwungenem Humor arbeitende Akrobaten. Um die musikalische Begleitung machte sich die Kapelle Hers st verdient. Den zweiten Teil des Programms bestritten die F r a t e l l i n i s mühelos allein. Die drei Brüder, die mit ihrer Clown-Nummer den Ruhm her, Familie begründet haben, bilden zwar mit ihrem Auftritt noch immer das Kern- und Glanzstück des Programms, aber auch der Nach- 'wuchs, der den Anfang machte, bringt eine Reihe ausgesprochener, deutlich vererbter artistischer Spezialbegabungen auf die Bühne. Die reifste Leistung zeigten die Parterre-Akrobaten Gigi und Nino, die ihre ganz unkonventionelle und einfallsreiche Arbeit mit einer drolligen Selbstverständlichkeit an den Mann bringen. Signorina Fioranze bereicherte den Auftritt mit ihrem hohen Koloratursopran gesanglich, das Duo Stellini als Akkordeon-Dirtusfen instrumental. Die jungen Springer vom Trio G i a n n i n a leiteten über zum Auftritt der drei Brüder F r a t e l l i n i. Was sie zeigen, ist eine ausgesprochene Clownerie, aber die Szene, die sie spielen, ist so angelegt, daß neben dem Exzentrischen eine ursprüngliche Musikalität und eine sauber ausgefeilte, akrobatische Begabung zur Geltung gelangen. Sie kommen in den abenteuerlichsten Verkleidungen daher, sie erzählen unmögliche Geschichten und spielen auf unwahrscheinlichen Instrumenten, und die Leute kommen aus dem Lachen nicht heraus. Zum Schluß erscheint dann die ganze Familie auf der Bühne, und man sieht mit Staunen, wie zahlreich diese Familie ist; sie besteht aus lauter Clowns und Musikanten und Akrobaten, und.selbst das Allerjüngste, das kaum laufen kann und eigentlich ins Bett gehört, schlägt schon die Pauke. — Das ausverkaufte Haus unterhielt sich äußerst angeregt und spendete reichen Beifall. Hans Thyriot.
Lichtspielhaus: .Gommerliebe".
Es liegt ein leichter, nicht unliebenswürdiger Hauch von Verschollenheit über den Ereignissen, und es liegt nicht nur an den langen Kleidern der Damen, wenn man sich gelegentlich in die Welt des stummen Films zurückversetzt glauben könnte; aber es wird wirklich geredet und gelacht und geliebt, und es geht ja auch zuletzt gottlob alles gut und nach Wunsch. Das Buch schrieb Hans Adler unter Benutzung eines Nooellenmotios von Dtto Erich Hartleben; es erzählt die Herzensgeschichte einer jungen Wiener Schauspielerin, die vor ihrem ersten Liebeserlebnis die Flucht auf bie Bühne ergreift, um ihres Ehrgeizes und ihrer Zukunft willen. Aber siehe, sie kann ihrem Geschick nicht entgehen, sie begegnet, ohne es zu wollen, dem Geliebten ein zweites Mal, und jetzt wird das Gefühl der beiden jungen Menschen auf eine noch härtere Probe gestellt. Es entwickelt sich ein Konflikt, der nicht neu ist, sondern bereits in vielen Liebesgeschichten seine Wirkung getan hat und auch diesmal, vor der Kamera, nicht versagt. Als schon jede Aussicht auf Versöhnung schwindet, wird mit einer freundlichen Fügung alles zum Besten gewendet. Dqs Ganze ist von Erich Engel
Haek AuftaHptifäUf
keine Privatgespräche am Fernsprecher! Du gefährdest sonst luftschutewichtige Gespräche!
Vom Schicksal verweht
Roman von Holla Gutkelch
18. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Mein Gott, verstehen Sie mich denn nicht? Er hat doch seit Jahren nichts anderes getan, als fein Leben eingesetzt um Menschen, die sich in Not befinden, zu helfen. Wir verdanken ihm hier die Rettung von vielen Tausenden, die ohne ihn verloren gewesen wären. Ich bitte Sie, Mr. Rubber, jetzt geht es doch nicht mehr um eine Zeitungssensation, letzt geht es um das Leben eines Menschen!"
Der Amerikaner bleibt ungerührt. „Pardon, me, Miß Larsen", erwidert er überlegen, „um das Leben Peter Fischers! Und das Leben eines Mörders ist »ach meiner Ansicht weniger wert als eine gute Zeitungsüberschrift — stimmt's?"
„Ich wußte, es hat keinen Zweck, Sie zu bitten. Sie find kein Mensch, der wie andere fühlt und denkt. Aber ich warne Sie, ich sage Ihnen, ich werbe ..."
Brutal fällt ihr Rubber ins Wort. „Stop, Miß Larsen, Drohungen ziehen bei mir nicht, daran bin ch nämlich gewöhnt. Ich will Ihnen mal etwas ’ogen ..Jetzt steht er vor Virginia und reißt plotz- lid) ihre Hand, die einen kleinen Revolver umklammert, aus der Tasche. „Was haben wir denn da? Dh, einen Revolver ... Sieh mal an!" Er dreht ihr mit brutalem Griff die Waffe aus der Hand und untersucht sie. „Nicht einmal geladen und Mch noch gesichert? Liebe Miß Larsen, was wollen sie eigentlich? Mir die Unterlagen abnehmen? Den Steckbrief vielleicht?" Er lächelt ironisch. „Der ift jeiber nicht hier, Ehrenwort, so unvorsichtig ift Will Rubber nicht."
Virginia Larsen ift wie vor den Kopf geschlagen. Hhre Hilflosigkeit nützt Will Rubber aus. „Ja, und ’eoor wir uns jetzt trennen, liebes Fräulein Doc, Wch eins: Sollten Sie auf die Idee kommen, Peter Ascher warnen zu . wollen, dann täte es mir lew,
gegen eine so reizende Frau vorgehen zu müssen. Mit allen Mitteln, Miß Larsen!"
„Wir haben uns wohl nichts mehr zu sagen, Mr. Rubber." Virginia verläßt mit schnellen Schritten das Zelt. Sie sieht Licht in Dos Passos' Zelt und huscht hinein, nicht ahnend, daß ihr Will Rubber nachsieht.
Dos Passos sitzt vor einem Mikroskop. Er untersucht 'Blutproben auf Malariabakterien. Schlafen kann er doch nicht. Erstaunt blickt er auf, als die Zeltplane zurückgeschlagen wird und Virginia erscheint. „Du? Was ist denn geschehen?"
„Rubber weiß, wer du bist!" stößt sie gehetzt hervor.
„Rubber — woher?"
„Frag nicht, das ist doch gleichgültig", drängt Virginia. „Du mußt fliehen. Heute Nacht noch!" Dos Passos faßt ihre beiden Hände. „Nein, Virgin, das ist die Entscheidung! Und ich bin eigentlich froh, daß sie da ist. Was geschehen soll, geschieht immer!"
„Nein, das ist nicht wahr, die Polizei weiß doch nichts. Du bist noch frei, wir können fliehen — in die Dschungel ober ..."
„Wir? Hast du „wir" gesagt, Virgin?" forscht Dos Passos.
„Ja, Peter! Ich gehe mit dir, wohin du willst. Mich hält jetzt nichts mehr!" antwortet Virginia fest.
„Dich hält nichts mehr? Dann hat also ..." Dos Passos ist nachdenklich geworden. „Warum fragst du?" beharrt Virginia. „Das ist doch gleich, ich gehöre jetzt zu dir für immer!"
Wortlos nimmt Dos Passos sie in seine Arme. Mit einem tiefen Laut des Glückes erwidert sie seinen Kuß.
Jemand räuspert sich hinter ihnen. ,Meizend, wirklich reizend!" sagt eine zynische Stimme. „Es tut mir direkt leid, dieses rührende Idyll stören zu müssen. Aber ich habe Sie gewarnt. Miß Larsen!"
Dos Passos läßt seinen Arm um Virginias Nacken liegen. „Gut, daß Sie da sind, Rubber, Sie ersparen mir einen Weg, ich wäre foroiefo zu Ihnen gekommen."
„Das brauche ich doch picht zu glauben, wie?" lächelt Rubber.
„Doch, Mr. Rubber, ich pflege nicht zu lügen!"
„Seit wann eigenllich nicht mehr?" grinst der Journalist. „Mir haben Sie noch vor kurzer Zeit erzählt, Sie sind Dos Passos, und dabei find Sie der steckbrieflich gesuchte Mörder Peter Fischer."
„Jawohl, man sucht mich, aber ich bin fein Mörder. Ich gebe Ihnen mein Wort: Ich habe Freeman nicht erschossen", versucht ihn Dos Passos zu überzeugen.
Der Reporter winkt hämisch ab. ,Kenn' ich schon. Ist alt. Darüber hat bas Gericht schon entschieden "
„Ja, aber nur, weil ich keinen Zeugen hatte. Mir allein wollte man nicht glauben!"
Gelassen zündet sich Rubber eine Zigarette an. „Bißchen viel verlangt, Fischer. Man findet Sie mit einem Revolver in der Hand und neben Ihnen einen Toten. Außerdem haben Sie selbst zugegeben. Streit mit Professor Freeman gehabt zu haben. Was wollen Sie eigentlich nod) mehr?"
Virginia sieht von einem zum anderen. Dos Passos Augen blitzen vor Zorn. „Jawohl, ich hatte Streit mit Freeman, weil er meine Forschungsergebnisse nicht unter meinem Namen veröffentlichen wollte. Freeman hat sich seinen Namen überhaupt nur durch die Arbeiten anderer gemacht!"
„Stop, Fischer, olle Kamellen, steht alles im Protokoll, ich weiß. Wie ging’s doch weiter? Ach ja, bann haben Sie ihm gekündigt, und als Sie Ihre Bersuchstabletten mitnehmen wollten, da hat Freeman Sie mit dem Revolver bedroht. Sie griffen nach der Waffe und der Schuß ging los, stimmt's?"
,Äa", nickt Dos Passos, „ich schwöre Ihnen ..."
Der Reporter unterbricht ihn. „Noch einen Meineid? Wozu? Das Spiel ist aus, Fischer, und ich habe die besseren Karten, Punktum."
Dos Passos' Geduld ist zu Ende. „Sie Rubber? Sie zählen gar nicht, verstehen Sie? Wir sind hier in der Dschungel, und da gilt nur ein Gesetz: Das Recht des Stärkeren."
„Richtig — und der bin ich. Ich habe Sie in der Hand."
„Glauben Sie, ja?" Dos Passos bebt vor Zorn. „Was meinen Sie wohl, was geschieht, wenn ich diesen abergläubischen Wilden da draußen erzähle: „Seht euch mal diesen Rubber an! Das ist der Mann, der euch den Fieberdämon in die Dschungel gebracht hat"!"
Rubber schiebt seinen Tropenhelm auf das andere Dhr. Ihm ist höchst unbehaglich zu Mute, denn er zweifelt nicht an der Wirkung von Dos Passos' Worten.
„Was meinen Sie, wie lange es dauert, bis Sie der toteste Mann auf dieser Insel sind?" fragt der Apzt und fährt in beruhigendem Tonfall fort: „Uebrigens, Sie brauchen keine Angst zu haben: Ich tue es nicht. Ich bin Deutscher und für ehrliches Spiel. Für „fair play", von dem ihr soviel redet — und nach dem wir handeln! Ich mache Ihnen einen Vorschlag, Rubber: Ich bleibe, bis die Imps-Aktion hier durchgeführt ist, und Sie versprechen mir, genau so lange nichts zu unternehmen. Einverstanden?"
„Wenn Sie mir versprechen, hier zu bleiben, werde ich von hier aus nichts unternehmen'." Er hält Dos Passos die Hand hin, der Arzt schlägt ein und sagt kühl: „So — unb jetzt lasten Sie uns wohl allein, Mr. Rubber."
Als er gegangen ist, streicht Dos Passos über Virginias dunkles Haar. „Und du gehst jetzt auch schlafen!"
Erstaunt sieht sie ihn an. „Du bleibst hier?"
„Ja^ Wohin sollen wir fliehen? In die Dschungel? Da können wir nicht leben, unt> außerdem — ich habe mein Wort gegeben!"
„Ja, aber ..."
„Es gibt kein „Aber". Wir haben erst einmal Zeit gewonnen, und das ist schon sehr viel. Später finden wir vielleicht noch einen Ausweg. Eines wollen wir doch beide nicht, Virgin: fahnenflüchtig werden, bevor unsere Arbeit zu Ende ist, nicht wahr?"
„Nein, Peter!" Tapfer schluckt Virginia die aufc steigenden Tränen hinunter.
(Fortsetzung folgt!


