Ausgabe 
4.3.1943
 
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Pfeffer, ist zum o.Professor ernannt worden. Pfeffer wurde 1906 in Frankfurt a. M. geboren. Er studierte in Marburg, Frankfurt, Königsberg und Berlin und promovierte 1931 in Berlin. Er war dann mehrere Jahre in England und Austra­lien und habilitierte sich 1934 in Leipzig. Seit 1940 wirkt er in Berlin. Dozent Dr. Hans Joachim Beyer ist zum o. Professor für Volkslehre und Na, tionalitätenkunde Osteuropas an der Universität Prag ernannt worden. Beyer wurde 1908 in Hol­stein geboren. Er studierte in Hamburg, Graz und Königsberg und promovierte 1932 in Hamburg. Er war dann Referent im Preußischen Kultusministe­rium und Dozent an der Hochschule für Lehrerbil­dung in Danzig. 1936 wurde er Leiter derArbeits­stelle für auslandsdeutsche Volkssorschung" in «Stutt­gart. 1940 kam er als Dozent an die Universität Berlin, 1942 erhielt er den Auftrag, die den Namen Reinhard-Heydrich-Stiftung" führende Forschungs­anstalt in Prag auszubauen.

Der Pathologe Albert Dietrich 70 Jahre alt.

Der in Stuttgart im Ruhestand lebende Tübinger Pathologe Professor Dr. Albert Dietrich vollendet sein 70. Lebensjahr. Der geborene Schweidnitzer stu­dierte schon, in Tübingen, machte dann sein Staats- examen in Tübingen, promovierte hier 1896 und habilitierte sich 1901. 1907 übernahm er die Leitung des Pathologischen Instituts in Cbarlottenburg- Westend und folgte 1913 einem Ruf als o. Professor an die damalige Medizinische Akademie nach Köln. 1928 kehrte er nach Tübingen zurück, wo er bis zu seiner Emeritierung 1938 pirfte. Dietrich hat sich besonders beschäftigt mit den Störungen des Fett- stoifwechsels, der Blutgerinnung und Blutpsropf- biloung, sowie der Geschwulstentstehung. Sein Grundriß der allgemeinen Pathologie" hat weite Verbreitung gefunden. Auch aus dem Gebiet der Lehre von der Thrombose entwickelte er sich als Autorität.

Heues vom Film.

Der Tobis-FilmAltes Herz wird wieder jung", der mit Emil Jannings, Viktor de Kowa und Maria Landrock in den Hauptrollen unter der Spielleitung von Erich Engel entstand, erhielt das Prädikatkünstlerisch besonders wertvoll. Der Berlin-FilmGefährtin meines Som­mers", den Dr. Fritz Peter Buch mit Anna Dam- mann, Paul Hartmann, Wolfgang Lukschy, Gustav Knuth und Viktoria von Ballasko in den Haupt­rollen inszenierte, erhielt das Prädikatkünstterisch und volkstümlich wertvoll". Fritz Odemar spielt in dem Bavaria-FilmDie schwache Stunde", der unter der Regie von Otto Pittermann entsteht, einen ewig verliebten Tenor. Lina Carstens stellt un­ter der Spieleitung von Johannes Meyer in dem Berlin-FilmWildoogel" eine resolute und hilfs­bereite Gutsbesitzerin dar.

Neue deutsche Dichtung ln fremden Sprachen.

Daß man sich in allen Ländern Europas'in stei­gendem Maße für das neue deutsche Schrifttum interessiert, lassen die Angaben des letztenInsel- fchiffs^ über die Werke des Insel-Verlages erken­nen, die gegenwärtig in fremde Sprachen übersetzt werden. Rainer Maria Rilkes Briefe und Werke haben schon immer im Auslande Freunde und Hebersetzer gefunden,Das Stundenbuch" wird jetzt ins Tschechische übersetzt, derCornet" ins Tschechi­sche, Estnische 4inb «Slowakische,Malte Laurids Brigge" ins Estnische, dieDuineser Elegien" ins Lettische und Slowakische, Auswahlbände der Ge­dichte werden in italienischer und lettischer Sprache erscheinen, französisch ein Band,Le pogte, der die Essayslieber den Dichter" undHeber den jungen Dichter" vereinigt. DieBriese an einen jungen Dichter" erscheinen italienisch und lettisch, eine Brief- Auswahl italienisch, Briefe und Tagebücher der Frühzeit französisch. Neben Rilke ist es besonders Hans Carojfa, für dessen Bücher Uebersetzer in allen Ländern am Werke sind. Eine Auswahl der Gedichte wird französisch und letftfth erscheinen, Kindheit und Verwandlungen einer Jugend" lettisch, norwegisch, schwedisch, slowakisch, spanisch und unga­risch, dasTagebuck im Kriege" rumänisch. Der Arzt Gion" lettisch und slowakisch, dieGe­heimnisse des reifen Lebens" tschechisch,Das Jahr der schönen Täuschungen" französisch und lettisch. Auch die Werke von Karl Heinrich Waggerl fin­den ihre Leser in immer mehr Ländern. DasJahr des Herrn" wird bald in finnischer, slowakischer und spanischer Ausgabe vorlieaen,Mütter" lettstch und tschechisch. Rudolf KochsZeichenbuch" ist nach Ungarn, Erick Brandenburgs WerkVon Bis­marck zum Weltkrieg" nach Italien vergeben. In Italien interessiert man sich besonders auch für die Werke von Rudolf Kaßner: hort werden erschei­nenBuch der Erinnerung",Die Grundlagen der Physiognomik",Die Verwandlung" undZahl und Gesicht". Erwähnt sei endlich eine französische Ans- gäbe von Friedrich Schnacks RomanGoldgräber in Franken", die in der neuen Tauchnitz-Reihe er­schien. ___________________'

Aus der Stadt Gieße«.

Goethes im Luftschutzkeller.

Auf die Böden der Häuser sollen Fässer mit Wasser gestellt werden; daneben kleinere Gefäße zum Gießen. Leicht brennbare Gegenstände und Stosse sind von den Böden zu entfernen. Auch empfiehlt es sich, Mist bereitzuhalten, um Bomben zu be­decken.' Wo es der Bau des Hauses gestattet, soll unbedingt Sand auf die Böden geschüttet werden. Notwendige Einrichtungsgegenstände sind in den Keller zu schaffen, in den man sich bei Sichtung der Bomben zurückzuziehen hat."

Man könnte meinen, das wäre eine Luftschutz­verordnung von heute. Aber nein, diese Bekannt­machung wurde vor rund anderthalb Jahrhunderten von der «Stadt Frankfurt erlassen: im Jahre 1796 war es, als die französischen Revolutivnsarmeen sich dem Main näherten.

Der Schutz gegen Bomben ist also nicht neu. Man hielt es im Gegenteil schon vor 150 Jahren für not­wendig, sich gegen feindliche Einwirkung zu schützen. Aber auch schon damals hat es Leute gegeben, die alle diese Vorsichtsmaßregeln für überflüssig hielten, weil sie unbequem waren. Ein weiblicher Älstschutz- wart mar es damals, der diesen Leuten ins Gewis­sen redete: Frau Rat Goethe, geb. Textor, die Mutter des großen Johann Wolfgang! Sie selbst hatte einen Musterkeller angelegt und besondere Verhaltungsmaßregeln herausgegeben: die Haus­türen müßten geöffnet bleiben, und jeder hätte sich sofort im Falle eines Angriffs in Sicherheit zu brin­gen.

Wie in ihren köstlichen Briefen war die Mutter des Dichters auch sonst sehr urwüchsig. «So zum Bei­spiel, wenn sie das schädliche Tun und Treiben der Hamsterer verdammte. Sie war eine sehr kluge und welterfahrene Frau, die Frau ^Rat!n.

Waffen-ft Hilst dem KriegS-WHW.

Bei der Reichsstraßensammlung am kommenden Samstag und Sonntag, 6. und 7. März, wird sich eine Sanitäts-Ausbildungskompanie der W affen-F/ in Gießen nicht nur mit den Sammelbüchsen, son­dern auch mtt einer Reihe von Veranstaltungen tat­kräftig für das Kriegs-Winterhilfswerk einsetzen.

In dem Hause der ^-Standarte,, Gartenstraße 1, werden Studenten der Waffen-^ eine Musterung durchführen. Dabei werden Kompanieangehörige Größe, Gewicht, Blutdruck, Blutprobe, Luftinhalt der Lunge und Sehschärfe bestimmen. Ferner sollen in den Räumen des ^-Heimes eine anatomische Sammlung, Skelette, Schädel und mikroskopische Präparate, z. B. die Erreger der Tuberkulose, der Diphtherie usw^ gezeigt werden. Den Besuchern wird auch eine Höhensonne zur Benutzung zur Ver­fügung stehen.

Auf dem Parkplatz gegenüber dem Stadttheater wird ein Sanitätszelt errichtet werden. Dort können die Besucher sehen, mit welchen Mitteln ber Arzt in vorderster Linie die erste Behandlung der Ver­wundeten durchzuführen hat.

Der Seltersweg wird von der ff am Selterstor mit einer Straßensperre versehen werden, deren Passieren allen Volksgenossen nürlich möglich ist, wenn sie vorher ihrenZoll bezahlt haben".

Im Cafö Wien werden am Samstag und Sonn­tag, mittags und abends, Wunschkonzerte mit 23a» rietö-Einlagen stattsinden. Heberall werden die be­kannten roten «Sammelbüchsen für das WHW. eifrig herumgereicht werden, in die alle Volksgenossen kräftige Spenden hineintun mögen.

Oberwirtschastsschule Gießen.

Ab Ostern 1941 ging die bis dahin von der In­dustrie- und Handelskammer Gieren finanziell be­treuteOeffentliche Handelslebhranstalt" in Gießen in die Träaerfckaft der Stadt Gießen über; sie wurde älsStädtische Handelslehranstatt" eine wertvolle kulturelle Einrichtung unseres Gemeinwesens. Mit dem Hebergang auf die Stadt setzte ein weiterer Ausbau der Schule ein, der nunmehr dadurch seine Krönung erfuhr, daß das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung dieser Einrichtung die BezeichnungOberwirtschaftsschule" zuerkannt hat.

Die Unterrickstsstätte umfaßt außer der Db erwirb schaftsschule noch die bisherigen Abteilungen, näm­lich die Handelsschule für Jungen und Mädchen und die F^chklalfen für das Bank- und das Dro- gisten^äch. Dje Schülerzahl beläuft sich a'menroärtig insgesamt auf über 400 Jungen und Mädchen. Das Einmasgebiet der Schule, d. b. die Gren'e der Wohnorte der Scküler und Schülerinnen, wird im Olten durch Alsfeld. im Norden du-ch Kirchham, im Westen durch Weilburg und im Süden durch Fried- berg gekennzeichnet. Die Ober^rtschastsschule w'rd u.a. auch von auswärtigen Schülern b-lucht, d'e weit entfernt non G'eßen rnfnfpg find und deshalb hier für die Dauer des Schulbesuchs wohnen.

Glück auf, Renate!

Boman von Ernst Grau.

12. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Damit lief sie eilig davon, winkte noch einmal zurück, und dann stand Renate allein neben der alten Frau Heffke, die hier Verwalterin und zu­gleich der gute Hausgeist aller Bewohner des Hauses war.

Das Mädchen sah schweigend vor sich hin.

Lon dem spricht hier doch kein Mensch! Das war hängengeblieben. Das hatte sie gestern abend schon einmal gehört. Eine trotzige Falte stand auf ihrer Stirn. Warum war sie fein Mann! Aber trotzdem sie mußte es schaffen. Der Name Hammerkott sollte hier wieder zu Ehren kommen!

Haben Sie kein Gepäck, Fräulein Schmidt?" fragte die alte Frau in ihre Gedanken hinein.

Fräulein Schmidt. Es erschien Renate in diesem Augenblick widersinnig und töricht zugleich, daß sie ihren persönlichen Wünschen und Gefühlen so wider­standslos nachgegeben hatte. Hier ging es doch um Dinge, hinter denen das alles zurückbleiben mußte. Doch daran war zur Stunde nun nichts mehr zu ändern.

Mein Koffer steht noch in Essen. Ich wollte letzt hinüber"

Na gut, Fräuleinchen", nickte die Alte.Aber um fünf wirb gegessen. Wer nicht pünktlich ist, der muß sehen, ob die andern ihm etwas übriggelassen schaben", setzte sie gutmütig hinzu.

Also um fünf, dachte Renate. Um fünf Uhr wird diese unerträgliche Spannung weichen, dann werde ich endlich auch diesem Herrn Werner gegenüber* stehen, der an allem schuld ist. Nun, er wird sich wundern. Um fein Haar besser als.alle andern werde ich ihn behandeln.

Aber sie war bann doch schon viel früher mit

ihrem Koffer wieder zurück. Fürchtete sie, diese Stunde zu versäumen? Sie wußte es selbst nicht. Sie fragte auch nicht danach. Sie räumte nur schnell ihre Sachen ein und stand bann am Fenster und sah hinaus in die hochragenden Fördertürme und Schornsteine, in das Gewirr der Werkhallen und Grubenbahnen. Sie kannte dieses Bild aus frühester Kindheit. Aber sie sah es heute zum erstenmal mit anderen Augen, mit Augen, die auch den S nn dicles Bildes begriffen.

Eine Uhr schlug. In einer halben Stunde war Schichtwechsel. Drüben itp der großen Arbeiter­kolonie wurde es setzt lebendig. Von allen Seiten kamen hi? Männ-r herbei, in einem langen, grauen Zuge strömten die Menschen durch das Zechentor, verloren sich b-mn wieder in Heineren Zügen, die den einzelnen Schächten zustrebten.

Renate empfindet deutlich, wie beim Anblick dieser Männer ein bisher ungekonntes Gefühl von ihr Besitz nimmt. Sie ist niemals unter Tage gewesen. Sie kann sich nur eine schwache Vorstellung machen von der mühevollen, schweren Arbeit, die von diesen Männern dort unten gefordert und geleistet wird. Sie sieht schärfer hin. Sie kann dabei einzelne Ge­sichter erkennen, und sie erschrickt vor dem Harten, Abweisenden, das aus diesen Zügen spricht. Der Begriff Arbeit bedeutet hier etwas anderes, ist grundverschieden von dem, was sie bisher in Vor­tragssälen und Laboratorien darunter gekannt und verstanden hat. Die Arbeit vor der Kohle, eine Arbeit, die niemals das Tageslicht siebt, fordert von den Menschen mehr, als bloße Handfertigkeit und angelernte Kenntnisse. Sie fordert den ganzen Men­schen, sie fordert in jeder Stunde, in jeder Minute volle Einsatzbereitschaft jedes einzelnen für jeden einzelnen in dem steten Kampf gegen die Gewalten der Tiefe, die sich ihre Schätze nicht ohne Widerstand entreißen läßt. «Sie alle, die hier meist wortlos und in sich gekehrt vorüberziehen, sie alle haben dort unten schon oft dem Tod ins Auge gesehen, sie stehen mit ihm auf du und du, sie kennen die Plätze und Hüften sie zu meiden, wo er bereit steht, die

Neuregelung des Arbeitseinsatzes der Hausgehilfinnen.

Hand nach ihnen auszustrecken. Ihr Tagewerk ist nicht beneidenswert. Und dennoch steigen sie immer wieder hinab. Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr um Jahr, denn sie wissen, daß ihre Arbeit lebens­notwendig ist für ein großes Volk.

Langsam verebbt der Menschenstrom. Die Hallen unter den Fördertürmen saugen ihn auf. Laut auf­heulend hallt der grelle Ruf einer Sirene über den weiten Platz. Auch diesen Ton kennt Renate. Schicht­wechsel. Nun rctsen die Förderkörbe, nun stürzen sie sich hinab, Hunderte von Metern hinab in die schwarze Tiefe, während unten die anderen, das Grubenlicht in der Hand, mit kurzemGlück auf!" in die leergewordenen Körbe kriechen und nach oben fahren. Sie haben die Schicht hinter sich, ihre Ge­sichter sind von Kohlenstaub geschwärzt, nur das Weiße der Augen gibt den schwarzen Gestalten Leben. Wie eine Schar von Kobolden hocken sie beieinander, während es fmifenb und eisenklirrend nach oben geht. Auf der Hängebank angelangt, steht der Korb mit jähem Ruck, und alles drängt ans Lickt, es aibt laute und frohe Zurufe' zu den anderen hinüber, die auf das Einfahren warten, deren Arbeit erst jetzt beginnt.

Wieder wälzt sich ein Strom von Menschen durch das Zechentor. Aber die Stimmung scheint jetzt auf­geräumter, froher zu sein. Sie haben die Schicht hinter sich, die Sonne scheint noch, und vor ihnen liegt der Feierabend, der kleine Garten hinter dem Häuschen.

Renate ging hinunter in den großen, gemeinsamen Speiseraum, wo sich, wie vermutlich, jeden Tag das Verwaltungspersonal und die Betriebsleiter der einzelnen Schächte mit ihren Assistenten versammel­ten, soweit sie unverheiratet waren und im Beam­tenhaus wohnten. Wieder hörte Renate eine Reihe fremder Namen vorbeischwirren. Wieder ein paar neugierige, prüfende Blicke. Aber der, auf den sie wartete, fehlte noch. Ein paar Nachzügler kamen unverwandt sah Renate auf die Tür der Nächste mußte er ja wohl sein ... Frau Heffke trug mit dem

Mädchen zusammen bereits die Suppe auf ein Herr Werner stellte sich nicht ein

Renate war ärgerlich auf sich selbst. Da saß sie hier und zermarterte sich den Kopf, wie alles wohl werden würde, wenn sie sich nun so unverhofft gegenüberstanden, während er sie leichtfertig ange­logen, vielleicht sogar längst vergessen hatte. Denn wenn er wirklich auf Hammerkott arbeitete, bann wohnte er brühen in der Kolonie, bas hieß, er war verheiratet. Unb vielleicht war das auch die beste Lösung. Aber Renate war trotzdem nicht sehr ge*. sprächig an diesem ersten Abend in Hammerkott, und die anderen fanden, daß die JReue" die Nase sehr hoch trug.

Vor dem Schlafengehen stand sie dann wieder am Fenster unb sah sinnend in die Nacht hinaus. Sie stand an der Schwelle eines neuen Lebens. Sie wollte sich Hammerkott erobern. Drüben lag das Haus des Vaters. Man konnte in der Dunkelheit noch deutlich die Umriffe des nicht sehr großen, villenartigen Hauses wahrnehmen. In einem der kleinen Dachfenster brannte Licht. Dort wohnte wohl der Gärtner Peddersen, der das Haus betreute. Ob der sie noch wiebererEennen würbe? Man mußte jedenfalls vorsichtig sein. i

Wie anders und einfacher wäre doch alles, wenn sie mit dem Vater zusammen dort drüben wohnen würde. All die unfreunblicken, abfälligen Bemer­kungen, bie sie gestern unb heute hatte mit anhören müssen, würben dann für immer verstummen. Sie würbe wieber ein richtiges Heim haben

Aber in ein solches Haus gehörte wohl auch eine Frau, sinnierte sie weiter. Sie buchte nicht baran, sich selbst an diese Stelle zu setzen. Denn unversehens stand das Bild Thora Kerstens vor ihr. unb an ihrer «Seite sah sie den Vater. Vielleicht war es mehr, als ein bloßes Spiel der Gedanken. Wer konnte wissen, wie es um den Vater stand? Viel­leicht war es gerade diese Frau, die ihn aus seinem rastlosen Leben zurückrufen, die ihn hier seßhaft macken wurde?

(Fortsetzung folgt)

Die totale Kriegführung verlangt den zweckmäßig­sten Einsatz der Arbeitskräfte auf allen Gebieten. Auch für hauswirtschaftliche Kräfte muß diese For­derung verwirklicht werden. Daher hat der General­bevollmächtigte für den Arbeitseinsatz, Reichsstatt­halter und Gauleiter S a u ck e 1, durch eine Verord­nung bestimmt, daß in den Haushaltungen Arbeits­kräfte fortan in jedem Falle nur eingestellt werden dürfen, wenn eine Zustimmung des Ar­beitsamtes Dorfiegt. Danach ist die bisherige Ausnahmevorschrift aufgehoben, wonach Haushal­tungen mit Kindern unter 14 Jahren Arbeitskräfte ohne Zustimmung des Arbeitsamtes einstellen dür­fen, wenn nicht schon eine Hausgehilfin oder Haus­angestellte beschäftigt wurde. Haushaltungsoorstände, die hauswirtfchaflliche Arbeitskräfte ohne Zustim­mung des Arbeitsamtes einstellen, werden streng be­straft

Da diese Regelung nur die Neueinstellungen er­faßt, ist außerdem zur Heberprüfung der be­reits eingestellten Hausgehilfinnen folgendes be­stimmt worben: Haushaltungen, die eine oder meh­rere hauswirtschaftliche Kräfte beschäftigen, haben dies dem Arbeitsamt, in dessen Bezirk die Haushal­tung liegt, nach Maßgabe eines besonderen Aufrufs

anzuzeigen. Die Anzeige ist auf einem besonderen Formblatt zu erstatten, bas beim Arbeitsamt er* hältlich ist. Die Haushaltungsvorftände haben ferner dem Arbeitsamt auf Verlangen alle notwendigen Unterlagen vorzulegen sowie alle erforderlichen Aus­künfte zu erteilen. Auf Grund der Meldungen wer­den die Arbeitsämter prüfen, welche Haus wirtschaft­lichen Kräfte unter den gegenwärtigen Arbeitsein­satzverhältnissen dem Haushalt entzogen werden müssen.

Die näheren Richtlinien über den Aufruf, die Heberprüfung der Haushalte und den anderweitigen Einsatz der abzugsfähigen Kräfte wer­den vom Generalbevollmächrigten für den Arbeits­einsatz noch erlassen werden. Hierbei wird insbeson­dere auch auf die Versorgung der Huber* reichen Haushaltungen mit Hausgehilfin­nen Bedacht genommen werben. Das Arbeitsamt kann das Arbeitsverhältnis (Lehrverhältnis) von hauswivtschaftlichen Kräften, die nach seiner Entschei­dung aus dem Haushalt abgezogen werden müssen, durch schriftlichen Bescheid an den Haushaltungsvor­stand lösen. Nähere Auskünfte erteilen die Arbeits- i ämter.

Kriegseinsatz der Hitler-Jugend.

An alle filtern unserer Zungmädel und Mädel?

Die Mädelführung des Dclttnes 116 teilt mit: Der Reichsjugendführer hat für das Jahr 1943 bie ParoleKriegseinsatz der Hitler-Jugend^ ausge­geben. Damit erwächst für den Durch Deutscher Mädel die Verpflichtung, sich noch mehr als bis­her auf Kriegsausgaben umzustellen. Wenn wir bis jetzt vor allen Dingen mit den Großaktionen, wie Ernteeinsatz und «Spielzeugherstellung, in Er­scheinung traten, kommt nun darüber hinaus die Hilfe in den Familien zu ihrem Recht.

Die Mädelführerin des Bannes 116 hat hierzu folgendes angeordnet: Alle Jungmädel des Bannes haben ab sofort einmal im Monat mindestens zwei «Stunden innerhalb des JM.-Dienstes Familienein­satz zu leisten. In der praktischen Durchführung wirkt sich dies dergsstalt aus, daß ein Heimnachmit­tag im Monat ausfällt, um den Jungmädeln Ge­legenheit zu geben, sich in einer Familie zur Hilfe einzuschalten.

Der Einsatz kann abgeleistet werden zu Hause oder in der Nachbarschaft, Bekanntschaft und Ver­

wandtschaft, kurz, in einem Haushalt, wo das Jung- mäbel sich auskennt und daher tatsächlich etwas leisten kann, sei es nun beim Einkäufen, Kinderver- wahren, Putzen oder Stopfen. Die Führerinnen, die die Einsatzstellen der Jungmädel kennen, werden die Gelegenheit wahrnehmen und sich von der Hilfs­bereitschaft ihrer Mädel überzeugen.

Alle Mädel haben ab sofort einmal im Monat anstatt eines Heimabends einen gemeinsamen Stops- abend. Die Landeinheiten bessern an diesem Abend Strümpfe aus dem elterlichen Haushalt und aus der Nachbarschaft aus, währenddessen sich die Mädel aus .Gießen-Stabt der zerrissenen Handtücher unb Strümpfe der Gießener Lazqxette annehmen.

Mit dieser Neuregelung kommen wir vielen Wünschen aus dem Elternkreis entgegen. Wir hof­fen allerdings auch, daß bie Elternschaft unserer Mädelarbeit gerade jetzt im Kriege das größte Ver­ständnis entgegenbringt und sie in all ihren Be­strebungen unterstützt! Nur so ist die Erziehung und der Einsatz der Jugend im Kriege gesichert.

Weitere vorbildliche Gonderspenden für das Kriegs-WSW ,

Ebenso wie die Beamten und Angestellten her Polizeidirektion Gießen wie wir gestern bereits berichteten haben auch bie Gendarmen, Polizei- Reservisten unb Bürgermeister sowie die Freiwilli­gen Feuerwehren im Landkreise Gießen durch vor- v Übliche Dpferfpenben für bas Kriegs-Wiifterhilfs- werf ihre starke Gemeinschaftsgesinnung unb ihre innige Verbundenheit mtt dem Volke erneut be­kundet.

Während die Gendarmen,1 Polizei-Reservisten unb Bürgermeister des Landkreises Gießen im vori­gen Jahre 1118 RM. für das Kriegs-WHW. als «Sonderspenbe aufbrachten, beläuft sich der Gesamt­betrag der diesjährigen Sonbevspende dieser Männer auf 2566 RM.; mithin ist eine Steigerung um über 100 v. H. gegenüber dem Vorjahre zu verzeichnen.

Die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises Gießen überwiesen im vorigen Jahre dem Kriegs-WHW. als Sonderspende den Betrag von 4775,79 RM., tn diesem Jahre beläuft sich der Gefamtbettag dieser Sonderspenbe auf 14 556 20 RM., al'io rund 300 v. H. «Steigerung gegenüber dem Vorjahre.

Auch diese von bestem Opfersinn zeugenden Spen­den verdienen volle Anerkennung unserer Volks- asmeinschaft und sind ebenso wie die Spende der Männer der Polizei als ein nachahmenswertes Bei­spiel anzusehen.

Di» Züge lung von Geräten au« der Or.-Goebbels-N^ndfunksvende

Infolge der kriegsbedingten Verknappung der Rundfunkgeräte, Röhren und Einzelteile ist die Dr.- Goebbels-Rundfunkspende nicht mehr in der Lage, die zahlreich einlaufenben Gesuche der Volksgenossen wie bisher zu erledigen. Es muß in den meisten Fällen ein ablehnender Bescheid erteilt werden, weil

die wenigen noch' zur Verfügung stehenden Rund­funkgeräte, Röhren und Einzelteile ausschließlich an Schwerkriegsbeschädigte der Versehrtenstufe III, so­weit sie von der Wehrmacht beretts entlassen wur­den, oder an Hinterbliebene von Gefallenen dieses Krieges zur Verteilung kommen. So gern die Dr.-- Goebbels-Rundifunkfpende alle Wünsche der Opfer dieses Krieges erfaßen würbe, müssen leider auch hier beträchtliche Einschränkungen gemacht werben, so daß nur in besonders gelagerten Fällen eine Zuteilung erfolgen kann. Die jetzt noch von den übrigen Volksgenossen einlaufenbeji Gesuche können aus Mangel an Arbeitskräften nicht mehr beant­wortet werden.

Prof. Or. Zeß 60 Jahre alt.

Am 7. März vollendet der Ordinarius für Augen­heilkunde unb Direktor der Hniversttäts-Augenklinik Leipzig, Professor Dr. Adolf Jeh, fein 60. Le­bensjahr. 1883 in Bordesholm (Kreis Kiel) geboren, studierte er in Tübingen, Göttingen, Berlin und Marburg unb promovierte 1908 in Göttingen. 1913 habilitierte er sich in Gießen für Augenheilkunde. Don 1914 bis 1918 stand er als Arzt im Felde. 1918 erhielt er bie Ernennung zum a. o. Professor in Gießen. 1923 wurde er mit der Leitung der Hni- versitäts-Augenklinik in Gießen vertretungsweise betraut unb 1924 zum o. Professor der Augenheil­kunde und Direktor dieser Klinik ernannt. 1926 war er Dekan der medizinischen Fakultät und 1932/33 Rektor der Uniuerjität Gießen. «Seit 1935 wirkt er in Leipzig.

Das Arbeitsgebiet von Prof. Jeß betrifft neben der Klinik von Augenerkrankungen besonders phy- siologisch-chrmische Fragen in der Ophtdalmolonie, Kriegsverletzungen und Gasschäbigungen der Augen. Nachtblindheit, Verkupferung der Augen, Staraus- ziehung mit der Hoch'reqenznabel ufw. An den neuen Handbüchern der Augenheilkunde und der ge­tarnten Physiologie ist Pro*. Jeß beteiligt, ferner am Lehrbuch der Augenheilkunde von Hertel-Aren-