Ausgabe 
4.2.1943
 
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Neue japanische Erfolge

Auch der

Niemand darf abseits stehen

Kriegswesens huldigend den Weg öffn, Tücher wehten, Hände winkten, Bll

ete.

Friedrich der Große spricht zu uns.

Es wir- das Jahr stark und scharf hergcherl, aber man muß die Ohren steff halten, und jeder der Ehre und Liebe vor das Vaterland hat, muß alles daransetzen; eine gute Husche, so wird alle- klar werden."

Oer Wehrmachtberichl.

DAS. Aus dem Zührerhaupkquarlier, 3. Febr. Das Oberkommando der Wehrmacht glbl bekannt:

Zwischen Kaukasus und unterem Don er­reichten unsere Armeen in planmäßiger Fortfüh­rung ihrer Bewegungen die befohlenen Tagesziele. Starke Angriffe bei Noworossijsk und Stör­augriffe weiter östlich wurden abgewiesen.

Die schweren und wechfelvollen Abwehrkämpfe im Raum zwischen dem Don und dem oberen D o n e j nehmen ihren Fortgang.

Auch gestern unterstützten starke Verbände der Luftwaffe die Kämpfe des Heeres durch kraftvolle Angriffe.

Am Ladogasee brachen schwächere Angriffe gegen die deutschen Linien zusammen. Ein Gegen­angriff gegen eine vom Feind gewonnene Hohe ist noch im Gange.

In Rordafrika an der westtripolita- nischen Front nur Spähtrupptätigkeit. Starke feindliche Angriffe in Tunesien wurden durch deutsch-italienische Truppen unter schwersten Ver­lusten für den Feind zerschlagen und dabei 18 Pan­zer vernichtet.

Britische Flugzeuge griffen in der vergangenen Rächt westdeutsches Gebiet au. 3n den Wohnvier­teln einiger Orte entstanden vorwiegend Brand­schäden. Die Bevölkerung hatte Verluste. Drei Flug­zeuge wurden abgeschossen.

planmäßige ForWning der Bewegungen zwischen Kaukasus und unterem Son.

Hjtngfon, man könne die Assar« Flynn al- flejirn. des Zeichen dafür ansehen, daß der Senat suy gewer« gert habe, einen Politiker auf wichtigem diploma­tischem Posten zu bestätigen. Don Senatoren dl« Flynns Ernennung befürworteten, wurde gesagt, er sei gerade der richtige Mann, um mit polltffchen Führern Australiens gleichen Kalibers fertig zu werden. DerDaily-Moil"-Korrespondent nennt den früheren Tokioter Botschafter Joseph Gr ew als nächsten Kandidaten für den Posten des UnA« Gesandten und persönlichen Vertreter Roosevelts in Australien.

Um sich nicht über die Natur dieser Reise zu täuschen und sie nicht falsch zu beurteilen, muß man ich bemühen, in der Wirklichkelt zu blelben , chreibt die Jstanbulex ZeitungCumhunyet; bie türkische Politik habe sich seit 3% Jahren m ihrer Richtung nicht geändert und bilde ein Element der Sicherheit sowohl für sich selbst als auch für. die anderen Länder.Dakit" sagt, daß es faffch sei zu glauben, daß die Besprechungen von Adana eme Aenderung in der internationalen Politik der Türker herbeiführen werden.

Oie Flynn-Affäre.

Tücher wehten, Hände winkten, Blumen flogen dem Kaiser zu. Blumen regneten in die Reihen der Kriegsknechte, die jetzt zum Trommelschlag ein Lied anstimmt^n, wuchtig, rauh, hinreißend. Die deutsche Infanterie war da. noch ein wenig unfertig un- unvollkommen zunächst, aber ihr Marschtritt dröhnte

von nun an durch die Jahrhunderte in zwingender Gewalt bis in die lodernde Hölle des ersten Welt­kriegs, und er dröhnt herein auch jetzt in das ge­waltige Geschehen unserer schicksalsschwere» Tag«,

Herz und Arbeit derHeimatsm die opfernde Front

Oer Gauleiter vor NüstungSarbeitern in Frankfurt.

Tokio, 4.Febr. (DNB.-Funkspruch.) Die japa­nische Marineluftwaffe hat am 1. Februar südlich der Jsabell-Insel der Salomonengruppe feindliche Seestreitkräfte angegriffen. Ferner führte die ja­panische Marineluftwrrffe über Neugeor- gien einen Luftkampf gegen starke feindliche Flug­streitkräfte durch. Die Ergebnisse dieser Kampfhand­lungen sind: 1 Kreuzer versenkt, 1 Kreuzer schwer beschädigt, 33 feindliche Flugzeuge ab. geschossen, darunter vier großen Typs. Japa­nische Unterseeboote haben am 23. und 31. Januar feindliche Militäreinrichtungen auf den .Position dabei gewesen wäre. tPhonix. und K an t° n-In s elnMich der .Daily Telegraph" meldet aus Wa-1 Gilbert-Inseln angegriffen und schwerbeschädigt.

Oer Einzug Oer Landsknechte. Von Hauptmann Dr.RobertPfaff-Giesberg ,Zn diesem Kampfe hat das deutsche Fuß­volk sich wieder als das erwiesen, was es immer war: als die beste Infanterie der Well!" Adolf Hitler.

Es sind über vierhundert Jahre her, daß die Krone aller Waffengattungen, die ruhmvolle deut­sche Infanterie, mit einer feierlichen und prunk­vollen Geste erstmals vor die Augen der Welt ge­treten ist.

Das denkwürdige und eigenartige Schauspiel er­eignete sich zu Köln am Rhein, der uralten, am Ende des Mittelalters gerade in ihrem höchsten Glanz prunkenden Hansestadt, und es war der Sommer des Jahres 1505.

Maximilian L, unter den Kaisern des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation der liebens­würdigsten und menschlich fesselndsten einer, stand vor den Toren der großen Handelsmetropole. Der hochbegabte und vielseitige, als Diplomat und Sol­dat, Schriftsteller und Weidmann ebenso berühmte, wie als fröhlicher Lebenskünstler auch in tausend­fältigem Pech und Unglück unentwegte Habsburger gedachte hier anläßlich des Reichstages glänzenden Einzug zu halten.

Eine unübersehbare Menge Volks war schon zu­sammengeströmt. Ueppige Feste und Bankette waren angesagt. Heitere Wochen standen den genußfrohen Bürgern bevor. Zahllose schöne Frauen sahen "er­wartungsvoll und neugierig dem strahlenden, be- zauberMen, vielgeliebten Kaiser Max, den man gern den letzten wahren Ritter nannte, entgegen.

Maximilian war den Ständen des Reiches kein bequemer Herr. Er pflegte der Welt Rätsel genug aufzugeben und den eigensüchtigen Fürsten man­chen Aerger und Kummer zu bereiten. Er brachte ewige Unruhe in das ohnehin gärende, nach einer neuen Ordnung rufende Abendland. Und er pumpte ohne Unterlaß, ohne je seine Schulden zu bezahlen. Aber er war von einer herrlichen Daseinsfreuüe. Er besaß Humor und war ein scharmanter Kavalier. Man vermochte ihm nicht böse zu sein. Dabei war er der glühende Verfechter einer starken deutschen Reichspolittk, der Repräsentant eines aufkeimen-

Zwischen Meer und Wüste

Von unserem Dr. O. P.-Sonderberichterstatter.

Nur Wagemut führt zu großen Dingen. Mit dem Trost und dem festen Willen, allen Maulschellen zu geben, die sich in den Weg stellen, kann man Hölle und Teufel trotzen, ruhig die Zeitung lesen, den Ausschneidereien der Feinde lauschen und ge­wiß sein, daß man mit Ehren bestehen wird."

*

In diesen harten Zeiten heißt es, sich mit Gänge- weiden von Eisen wappnen und mit einem Herzest von Stahl, um alles Gefühl zu vergeßen. Die armen Schüler oes Epikur könnten setzt nicht einen einzigen. Satz ihrer Weisheit an den Mann bringen. Mein Lieber, Philosophie mag gut sein, um vergangenem oder kommendes Leid zu besänftigen: aber dit jetzigen Leiden besiegen sie."

Es ist mit unseren Umständen kein Kinderspiel, es gehet um Kopf und Kragen. Jndeffen ist meint Resolution auf alle Fälle genommen, ich werde mit bis auf den letzten Mann wehren."

Fürchtet nichts für uns! Auf eine harte Probt stellen mich meine Gegner, aber meine Kraft ist ihrem bösen Willen gewachsen."

*

Wie, Herr, was lesen Sie in meinem Gesichts Sieht meine Nase aus, als wäre sie gemacht, Nasen­stüber zu empfangen. Bei Gott, ich werde sie nicht hinnehmey,"

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Wird man einen Wanderer anklagen, gegen bett drei Straßenränder sich mit ihren Helfershelfer« verschworen haben und der im Winkel eines For­stes, durch den seine Geschäfte ihn führten, hinter­rücks überfallen wird? Wird alle Wett nicht liebest aufstehen und die Verbrecher gefangen nehmen? Arme Sterbliche, die wir sind! Die Welt bewertet unser Tun nicht nach unseren Gründen, sondeM nach dem Erfolge. Was bleibt uns oW VHr mW fen erfolgreich fein!" MM

L i s s a b o n , 3. Febr. (Europapreß.) Die Zurück- ziehuna der Ernennung seines Freundes Edward I. Flynn zum USA-Gesandten in Australien wird als eine Gefährdung der Kandidatur Roosevelts für die Präsidentenwahl 1944 angesehen. Die LondonerTimes" berichtet aus Washington von der Zunahme der republikanischen Wahlaus­sichten. Die Affäre Flynn habe offenbart, wie wenig ein erheblicher Teil der Demokraten geneigt sei, mit Roosevelt zu gehen. Nicht einmal alle Finger einer Hand seien notwendig, um die Fälle zusam­menzuzählen, in denen eine diplomatische Ernen­nung des Präsidenten verweigert wurde. Es hätte diesmal nichts geschehen können, wenn nicht die de­mokratische Opposition hnhpi aemeien wäre.

Die sich für die Heimat ergebende Konsequenz ist die, daß nunmehr auch die letzte Arbeits­kraft für den Krregseinsatz sicher­gestellt werden muß. Nur was kriegsentscheidend sein kann, wird in Zukunft hergestellt werden. Wir haben in der Heimat die Dervflichtung, unseren Soldaten an der Front die Waffen in die Hand zu geben, die zur Niederringung unserer Gegner not­wendig sind. In noch härterem Arbeitseinsatz als seicher wird die Heimat in dem Bewußtsein, daß es um Sein oder Nichtsein geht, alle Kraft ansetzen, um die totale Kriegführung in jeder Weise zu unter­stützen. So gerüstet, werden weder der Bolschewis­mus noch die plutokratischen Staaten jemals einen entscheidenden Erfolg erzielen. Das deutsche Volk wird sich jedem Ansturm unserer Gegner mit der unüberwindlichen Kraft seines Herzens, seiner Arbeit und seines Mutes entgegenstellen und so zuletzt Sieger bleiben.

riesige Wolke schwebte über den Häuptern der der­ben, herrisch blickenden, kraftvollen Männer die Reichssturmfahne mit dem schwarzen Doppeladler auf gelbem Grund.. Dahinter starrte ein Wald ge­waltiger Lanzen empor, drohend, hart und gefähr­lich. Die deutschen Landsknechte zogen einher, der Schreck der bisher so unüberwindlichen Ritterheere.

Wo aber war er selber, der Kaiser Max? Die Köpfe reckten sich, hastige Fragen schwirrten, und da erkannten ihn die ersten, sahen ihn Tausende! Nicht als stählerner Ritter kam er im Sattel thro- Nend! In der ersten Reihe der brandenden Lan-. zenflut, da schritt auch er, der Kriegsherr, um ihn her seine Feldhauptleute, der Frundsberg vor allem, und dann zwischen Bauernsöhnen und ehemaligen Handwerksgesellen aus allen Gauen Deutschlands von Edelleuten und Rittern und Grafen, alle wie der Kaiser im leichten, farbigen, neuen Gewand, die linke Faust am Griff des breiten Schwerts, mit der rechten den wuchtigen Spieß schulternd.

An des Kaisers Brust schimmerte die Kette des Goldenen Vließes. Strahlend, lachend, stolz ging er in der Bruderschaft seinerfrumben" Landsknechte im Rhythmus des Kalbfells. Flink schweiften seine leuchtenden blauen Augen umher, schönheitstrunken, manchem hübschen kölnischen Mädel feurig zublitzend. Kühn sprang die scharfe, große, charakteristische Nase aus seinem hageren Gesicht. Da brauste der Jubel der Masse los! Kaum wohl erfaßt das Volk chie symbolische Bedeutung der Geste,' mit der Maximi­lian, der römisch.'deutsche Kaiser, in Reih und Glied der von ihm geschaffenen ersten deutschen Infan­terie marschierte, wie absagend dem Glanz des sinkenden Rittertums, das er doch mit romantischem Gemüt liebte wie keiner. Aber mancher mochte das Bekennerhafte irr der Handlung Maximilians ahnen, der hier einer neu anbrechenden Epoche des

scheu an der Front ihr Leben hmgeben, wenn in der Heimat Männer und ' Frauen ihr Letztes an Arbeitskraft aufwenden müssen, dann darf nie­mand mehr abseits stehen und zuschauen. Die Sol­daten, die von der Front in die Heimat kommen und dann wieder zur Front zurückkehren, sollen die Ueberzeugung haben, dcch die Heimat es auch wirklich verdient, daß sie mit ihrem Leben für sie eintreten.

Unsere Feinde irren sehr, wenn sie glauben, daß irgendwann einmal der Augenblick eintreten könnte, daß das deutsche Volk innerlich schwach würde. Das haben wir einmal gemacht: einmal sind wir auf die Verlockungen unserer Feinde hereingefallen, und wir haben das bezahlen müßen mit sieben Millio­nen Arbeitslosen und einer entsetzlichen wirtschaft­lichen Verelendung. Diesmal wollen wir kämpfen bis zur letzten Viertelstunde und bis zum letzten, entscheidenden Schlag; diesmal werden wir im heißen Wettlauf der Völker um die Palme des Sieges gewinnen. Je mehr wir alle für den Sieg arbeiteten, um so eher werde er da sein. Auf­gabe der Heimat sei es, unseren Soldaten die Waffen zu schmieden und in die Hand zu geben, die sie zur Erringung dieses Sieges brauchten.

Oer Adana-Befuch Churchills

Stockholm, 4.Febr. (DNB. Funtfpruch.) Die englische Presse versucht, die auf Churchills persönliche Bitte in die Wege geleitete Zusammen­kunft von Adana in ihrem Ergebnis als einen poli­tischen Gewinn für England hinzustellen, um den Mißerfolg der Konferenz von Casablanca zu ver­decken. Demgegenüber wird von türkischer Seite darauf hingewiesen, daß die Türkei durch die Aussprache mit dem britischen Preyüerminister ihre defensive Neutralität bekräftigt habe und nicht beabsichtige, von dieser ihrer nach den beiden feindlichen Lagern gleich korrekten neu­tralen Haltung abzugehen.

B e r I i n , 3. Febr. (DNB.) Im Zeichen harter Entschlossenheit und äußerster Anspannung stand der Bettiebsappell eines Berliner Rüstungswerkes, bei dem Reichsminister Dr. Goebbels und Reichs- Minister Speer Ansprachen hielten. Dieser wies darauf hin, daß gerade in diesem Betrieb auf Befehl des Führers in oft monatelanger Arbeit, ohne Sonntagsruhe, mit 16stündiger Ar­beitszeit das letzte von den Arbeitern und Ar­beiterinnen hergegeben wurde, um damit die For­derungen des Führers immer voll zu erfüllen. Der Minister bezeichnete den Betrieb als E l i t e w e r k der Panzerwaffe und drückte die Erwartung aus, daß die Arbeiter weiterhin die ihnen gestellten Zukunftsaufgaben in der alten Pflichterfüllung lösen würden/ um sich in restlosem Einsatz für die Rüstung, für die der deutsche Soldat ihnen beson­deren Dank wisse, einsetzten.

Reichsminister Dr. Goebbels begann mit der Feststellung, daß -er Krieg, den Deutschland führe, einVolkskriegim wahrsten und tiefsten Sinne' des Wortes fei: nicht nur vom ganzen Volke, son­dern auch für das ganze Vosk werde er aus* gefochten, um unsere vitalsten und elementarsten Lebensrechte zu verteidigen. Gerade die Arbeiter­schaft wisse, daß alle unsere brennenden nationalen Lebensprobleme gelöst werden könnten, wenn wir diesen Krieg gewonnen hätten, daß aber auch der schaffende Mensch alles verlieren würde, was dieses Leben lebenswert mache, wenn wir im Kampfe unterlägen. So gelte es denn, gerade auch jetzt die ganze Kraft des Volkes zusammenzufaßen.In Zeiten, die Triumphe über Triumphe bringen", so rief Dr. Goebbels,glaubt auch der Schwächling an den Sieg. Wenn aber einmal ein Rückschlag hin­genommen werden muß, ist es Sache der starken und festen Menschen, auf ihn zu vertrauen: In solchen Zeiten besonders bilden die breiten Massen unseres Volkes, die Arbeiter und Bauern, das Fun­dament des Staates."

Der Krieg ist Notzeit, und wenn Millionen Men-

NSG. Gauleiter und Reichsstatthalter Spren­ger sprach zu der Belegschaft eines Frankfurter Werkes über die Forderungen des totalen Krieges an die Heimat^ Der Gauleiter ging nach einer kurzen Betrachtung der Hintergründe, die zu diesem Kriege geführt haben, auf die jetzige politische und militä­rische Lage ein. Wenn der Krieg seither für uns ein einziger Siegeslauf war, so ist er jetzt in seiner ganzen Härte an uns herangetreten. Wenn unsere plutokrattschen Gegner sich der Hoffnung Hin­gaben, daß wir an Rohstoff- und Ernährungsmangel grundegehen werden, so versucht der Bolschewis­mus durch ein Massenaufgebot von Menschen und Material das deutsche Volk und mit ihm ganz Europa zu überrennen. Diesen Spekulationen wird Deutschland mit allen ihm zu Gebote stehenden Mit­teln entgegentreten. In diesem Ringen wird es kei­nerlei Kompromisse geben. Nur derjenige wird Sie­ger fein, der die stärkeren Nerven und den unbeug­samen Willen zum Sieg aufbringt.

lauen, Ende Januar.

Es Hai sich unendlich viel verändert, seit ich zum letzten Male in den Bergen des Rif war. Und das fft erst ein halbes Jahr her. Diese sechs Monate genügten, um Menschen, die nur ein Leben des Traumes und 'daseinsferner Philosophie kann­ten, aufzuscheuchen und in den Wirbel der Tages­ereignisse hereinzuziehen., Sie genügten zur Aus­peitschung all jener Leidenschaften, die ihr großer Prophet Mohammed in weisen Gesetzen gezügelt hatte. Die wunderbare heilige Bergstadt der-Ara­ber, das märchenhafte Tauen mit feiner maleri­schen Kulisse und der betäubenden Impression ara­bischen Lebens, diese Stadt der geweihten Berg­einsamkeit und Unberührtheit, ein Heiligtum arabi­scher Reinheit und hoheitsvoller Würde, ist äußer­lich zwar das gleiche Wunderbild geblieben. Aber es ist doch nicht mehr das alte Tauen.

Ich war bestürzt, als ich bei der Ankunft des mit Arabern überfüllten Omnibus eine Zigarette anzündete und gleich von einer Schar junger Bur­schen umringt war. Wollten sie Geld? Sie beachte­ten die kleinen Metallstücke kaum. Um eine Zi- garette gingen sie mich an, um eine einzige nur. Das wäre früher ganz unmöglich gewesen. Die Leute in Tauen bettelten nicht, diese stolzen und selbstbewußten Araber, und die Berber in ben Siedlungen noch viel weniger. Wenn sie auch ihre Füße in Sandalen aus Stroh ober Lappen steckten und sich van einer Hand voll Bohnen ernährten, sie blieben unnahbare Herren, die nichts von der Halbzioilisation angenommen hatten, die mit ihrer geringen Habe sich unabhängig hietten und ihre Frauen mit Gold behängen konnten. Nun bettel­ten sie, nicht um Geld das haben sie selber, sondern um Zigaretten, die sie heute nicht mehr für ihr Geld bekommen können. Der Krieg in Afrika hat sie ihnen genommen. Er raubte ihnen aber noch mehr, ein Stück ihres Lebensglückes, die heilige Ruhe und die Muße zum Philosophieren, die Andacht, mit der sie zu den Sternen schauten und die Geduld, die den Perlenschnuren in ihren Händen die gleichmäßige Bewegung für viele Stun­den des Tages gab. Und diese Ruhe können sie sich nicht mehr erbetteln. Kein Fremder vermag sie ihnen zu geben.

Auch der Landschaft ist das Bild des beseligen­den Friedens genommen. Längst hotte man verges­sen, daß noch bis zum Jahre 1927 hier die blutigen Aufstände andauerten und auch später noch kriege­rische Stämme gelegentlich gegen die spanische Herrschaft rebellierten, daß es gefährlich war, bis zu den Höhen des Rifs sich vorzuwagen und in je­dem der Bergbewohner ein geheimer Anhänger Abd el Krims gesehen werden mußte. Spanien, das dem Rif den Frieden gebracht hatte und ihm eine sorgsame staatliche Fürsorge zukommen liefr wußte sich die Söhne des Landes zu wahren Freun­den zu machen. Im Bürgerkrieg bestand diese

den deutschen Nationalgefühls. Und endlich war er ein begeisterter Kriegsmann, der Führer eines von ihm geschaffenen neuen deutschen Soldatenstandes, des leicht bewaffneten Fußvolkes der Landsknechte, die ihn chren Vater nannten und eben begannen, die Aufmerksamkeit Europas auf sich zu lenken. Jetzt also hatte der Kaiser Max ein paar Tausend dieser seiner Landsknechte bei sich, gewillt, sie in der Oeffentlichkeit mit einem großartigen Auftritt vorzuführen.

Die Glocken dröhnten von Kölns zahllosen Tür­men. Feiertag war angesagt. Die Arbeit ruhte über­all. In festlichen Kleidern fluteten die Menschen durch die Gassen. Die Zünfte sammetten sich bei ihren Fahnen. Kostbare Teppiche, bunte Tücher, Blumengewinde hingen aus den Fenstern, spannten sich von Haus zu Haus. Musik erscholl auf allen Plätzen. In einer Stunde würde der Kaiser da [ein. Der Rat stand vor dem Rathaus versammelt, ihm zu huldigen. Adel und Geistlichkeit, Gesandte und Würdenträger harrten seiner. Die bewaffnete Macht der Stadt trat zum Spalier an. Ungeheuer wuchs das Gedränge, brandete der frohe Lärm. Königlich mußte der Anblick sein, wenn das Ober­haupt des Reiches in kostbarer Rüstung auf mäch­tigem Streitroß an der Spitze seiner Ritter durch die Hohe Straße ziehen würde.

Jetzt donnerten schon die Geschütze von den Wäl­len und Artilleriebastionen. Der Einzug des Kai­sers begann. Fanfaren klangen. Die HeroQe auf prachtvoll gezäumten Pferden wurden sichtbar. Banner, Wimpel, Musikanten, Lehensleute mit Knappen und Reisigen, Abordnungen das ge­wohnte Bild. Was nun aber folgte, war unerhört und bisher nie gesehen! Hinter dem Ehrengeleit war plötzlich eine Leere entstanden. Keine schwer stampfenden, völlig in Eisen und Stahl gehüllten Reiterkolosse zeigten sich. Was vielmehr da in brei­ten Reihen, einem Strom gleich, in wuchtigem, ge­meßenem Schritt zum dumpfen, aufrüttelnben Rum­peln und Dröhnen großer Trommeln, zum schrillen/ erregenden Klang langer Querpfeifen und unter dem hellen Schmettern scharf tönender Trompeten ein- herwogte, wahrhaftig, das war das viel berufene Fußvolk Maximilians! Es wälzte sich heran unend­lich bunt in leuchtender, phantastischer, durch die Aehnlichkett des knappen kleidsamen Schnitts gleich­wohl fast einheitlich wirkender Tracht. Wie eine

Freundschaft ihre härtesten Proben. Nun brauchten Madrid und der Oberkommissar in Spanisch-Ma» rokko nicht mehr um die Sicherheit des Landes besorgt zu sein. Den überwiegend aus Marokkanern bestehenden Regimentern und der Fremdenlegion konnte der Schutz des Protektorats ohne Bedenken anvertraut werden. Ihnen zur Seite stehen die Re- gierungstruppe des Kalifen und die marokkanische Polizei. Zur Sicherung des Landes wurden zwar an allen wichttgen Stellen Milttärftcttionen erricht tet. Aber sie fielen dem Fremden kaum auf. Vor allem hier im Gebirge spürte man nichts von der militärischen Verwaltung des Landes.

Das fft nun ebenfalls ganz anders geworden. Diese fast unberührte afrikanische Riflandschaft, einer der unerforschten Teile Afrikas und noch fast Neuland für die Kulturpioniere, ist zu einem gro« ßen militärischen Schutzgebiet geworden!. Man hört nur noch selten das Gezeter der Affen und die schreienden Rufe der Schakale. Die Ge­sänge der Araber, die von den Dörfern weit über das Land getragen wurden, brechen in ihrem web chen Schall oft unter der Gewalt stärkerer Ge­räusche ab. Polizeistreifen und Militärpatrouillen wirbeln jetzt den Staub der Straßen auf. Mar­schierende Truppen und polternde Fahrzeuge be­stimmen das Echo zwischen den Bergen. In einsa­men Bergwinkeln, die vielleicht Monate und Jahre lang kein Mensch betrat, wurden Militärlager ein­gerichtet. Befestigungsanlagen Überhöhen die zacki­gen Rifhöhen. Nie fft so viel gesprengt, gemauert und gehämmert worden, wie in den letzten Mona­ten. Der Rif-Atlas, den die Forscher ein Stück Ur­erde mit tausend verborgenen Geheimnissen nen­nen, verwandett sich in eine einzige große natür­liche Festung. In ihr leben Menschen, die noch nichts von den alten Sitten der Derber abgelegt haben, die den Pflug selbst ziehen und das Wasser in jahrtausendalten Brunnen schöpfen, . die jede Stimme des afrikanischen Erdteils verstehen, viels Laute au den Klängen ihrer primitiven Instru­mente hahb singend, halb sprechend dem Fremden mittellen, aber ebensoviele zu verschweigen scheinen, Menschen, die die Schönheit ihrer Frauen hinter Schleiern verbergen, die aüe' Pracht des Orients und der bunten afrikanischen Welt im Herzen tra­gen und mit kostbaren Teppichen, leuchtenden Ge­fäßen und verwirrenden Ornamenten um sich sam­meln, öffnen ihre Berge, ihre Häuser und Gefühls denen, die mit modernen Waffen kommen. Sie wißen, daß sie jetzt in diesen Tagen über alte Ge­wohnheiten und ihr urväterliches Leben hinweg- sehen müssen. Es ist schwer für sie und verlangt ein großes Matz von Selbstverleugnung. Aber warum sie es tun, das erklärt der arabische Witt einer Posada:

Geyen Sie einmal dort hinauf zu dem Berg­grat des Dschebl Hauß, und schauen Sie nach Nor­den und Süden. Dor Ihnen liegt das Meer unb an seinem Ende Europa, hinter Ihnen die Wüste