Ausgabe 
4.1.1943
 
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©ufert Hoffnung zu bewerkstelligen, der die in diesen Dienst eingesetzten Schiffe auf vier Reisen im Jahre herabsetzt. Die strategischen Möglichkeiten seien für die angelsächsischen Mächte ganz vom Seeverkehr abhängig.

Revirement

im diplomatischen Dienst.

Berlin, 2. Dan. (DJIB.) Dm Zuge eines all­gemeinen Revirements im politischen Außendienst des Reiches hat der Führer auf Vorschlag des Reichsministers des Auswärtigen von Ribbentrop den Botschafter von Stohrer in Madrid, den Botschafter Ott in Tokio und den Gesandten Prinz zu Mied in Stockholm zum 1. Dannar 1943 zur anderweitigen Verwendung indasAus- w ä r t i g e A m t berufen. Zum deutschen Botschafter in Madrid wurde Botschafter von M o ltk e, zuletzt im Auswärtigen Amt, zum deutschen Bot­schafter in Tokio Botschafter S ta h m e r, bisher deutscher Botschafter in Nanking, und zum deutschen Gesandten in S t o ck h o l m den Gesandten Thom­sen, zuletzt deutscher Geschäftsträger in Washing­ton, ernannt Die Leitung der deutschen Botschaft i n Nanking übernimmt als Geschäftsträger bis zur Bestellung eines neuen Botschafters der Gesandte Erich Sordt, bisher Botschaftsrat bei der deut­schen Botschaft in Tokio.

*

Der bisherige Botschafter in Madrid, von Stohrer, der Sohn eines württembergifchen Ge­nerals, gehörte bereits während des ersten Welt­krieges der deutschen Botschaft in Madrid an. Nach dem Kriege leitete er die Personalabteilung des Aus­wärtigen Amtes und mar von 1926 bis 1936 Ge­sandter in Kairo. Auch Botschafter Ott (bisher in Tokio) ist geborener Württemberger. Als Feld- artillerieoffizier machte er den Weltkrieg mit, wurde 1931 Abteilungsleiter im Reichswehrministerium und 1933 Militärattache in Tokio. Nach der lieber« siedlung des Botschafters v. Dirksen von Tokio nach London im April 1938 wurde General Ott dessen Nachfolger als Botschafter. Prinz Viktor z u W i e d, m jüngerer Bruder des ehemaligen Fürsten von Albanien, war von 1922 bis 1926 Gesandter in Budapest und war seit September 1933 Gesandter In Stockholm.

Botschafter v. M o l t k e, der jetzt nach Madrid tzeht, ist 1884 in Oppeln geboren. Er gehörte von 1922 bs 1924 der gemichten Kommission für Ober­schlesien an und mar dann Dirigent der Ostabtei­lung im Ausrnärtigen Amt. Nach dem Tode des Gesandten Rauscher im Januar 1931 ging er als Gesandter, später als Botschafter, nach Warschau. Den Weltkrieg hat er im Heeresdienste mitgemacht ebenso mie der einer Hamburger Kaufmannsfami­lie entstammende Botschafter S t a h m e r, der nach dem Kriege in der Industrie tätig mar, bis er im Jahre 1934 in derDienststelle Ribbentrop" das Hauptreferat Südamerika und später das Haupt­referat Fernost übernahm. Im September 1940 reifte er im besonderen Auftrage des Reichsaußen- frninifters nach Tokio zu vorbereitenden Verhand­lungen über den Abschluß des Dreimächtepaktes. Nach Anerkennung der chinesischen Nation alregie- tung übernahm er im Januar 1942 die erste diplo­matische Vertretung Deutschlands in Nanking.

Auch Gesandter Thomsen, der jetzt nach Stockholm entsandt rnird, ist geborener Hamburger. Im Frühjahr 1919 trat er in den Auswärtigen Dienst, wurde 1932 als Oberregierungsrat in die Reichskanzlei berufen, 1936 kam er als Botschaftsrat nach Washington, roo er vom November 1938 ab die Geschäfte der Botschaft führte. Im Mai 1942 ist er bei dem Diplomatenaustausch nach Deutschland heim­gekehrt und für seine besonderen Verdienste mit dem Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes ausgezeichnet worden. .

Meine politische Nachrichten.

Der frühere Chef der Blauen Division, Eichen- taub träger Generalleutnant Munoz Grande, ist dem spanischen Heeresminister für direkte Auf­gaben zur Verfügung gestellt worden.

Unter dem Vorsitz des Duce erfolgte im Palazzo Venezia die Einsetzung des neuen Direktoriums der Faschistischen Partei. Parteisekretär Vidussoni be­tonte in seiner Ansprache an den Duce die abso­lute Bereitschaft der Faschistischen Partei zur so­fortigen Durchführung aller vom Duce erteilten Be-

Die

'U:

ehrmachiberichte.

Oer Wehrmachtbericht vom Gamstag.

DRB. Aus dem Führerhauplquarlier, 2. Dan. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Dm Ostkaukasus versuchten starke feindliche Dnfanterie- und Panzerverbände unsere Linien zu durchbrechen. Sämtliche Angriffe wurden unter Ver­lusten für den Gegner abgeschlagen, 29 Panzer ab- geschossen. Auch im Dongebiet scheiterten er­neute Angriffe des Feindes in schweren Kämpfen. Erfolgreiche Gegenangriffe deutscher Truppen war­fen den Feind zurück, zerschlugen eine feindliche Panzerbrigade und vernichteten dabei 39 Panzer und 14 Geschütze. Die Besatzung des Stützpunktes welikije Luki schlug in zähem Widerstand un­ablässig wiederholte Angriffe der Sowjets ab. Dm Raum von Rschew wurden in der Zeit vom 25. November bis 31. Dezember 1942 8500 Gefan­gene eingebracht und 1910 Panzer vernichtet, er­beutet oder bewegungsunfähig geschossen, 582 Ge­schütze erbeutet oder vernichtet. Feindliche Angriffe südöstlich des Dlmenfees brachen !m Ab­wehrfeuer der deutschen Truppen zusammen. Die Sowjets verloren hierbei 12 Panzer. An der Eis­meerfront bombardierten Sturzkampf- und Zer­störerflugzeuge Anlagen der wunmanbahn und Truppenunterkünfte westlich der Kandalakschabucht.

Verbände schneller deutscher Kampfflugzeuge zer­störten in Rordafrika bei überraschenden Tief­angriffen zahlreiche Kraftfahrzeuge. Begleitende Däget schossen ohne eigene Verluste drei feindliche Flug­zeuge ab. Dn Tunesien erfolgreiche örtliche Kampfhandlugen. Vor B one trafen deutsche Flie­gerverbände einen Kreuzer und zwei Handelsschiffe mit fchweren Bomben. Auch in den Hafenanlagen von Bone wurden große Beschädigungen hervor­gerufen. Der Begleitschuh schoß über Tunesien sieben feindliche Flugzeuge bei einem eigenen Verlust ab. Flakartillerie brachte ein weiteres Flugzeug zum Absturz.

Deutsche Kampfflugzeuge bekämpften bei Tage Anlagen der englischen Ostküste. Am 31. Dezember griffen deutsche Seestreitkräfte bei der Bäreninsel im Nördlichen Eismeer einen aus Kreuzern und Zerstörern bestehenden Kriegsschiffverband an, der einen Geleitzug sicherte. Dn mehrstündigem Kampf beschädigten unsere Kreuzer mehrere feind­

liche Kreuzer und Zerstörer sowie hindelsschiffe durch Artillerie. Die Beobachtung des Erfolges wurde durch die Wetterlage erschwert. Ein im Kampf beschädigter feindlicher Zerstörer wurde durch einen deutschen Zerstörer versenkt. Ein deutsches Unter­seeboot torpedierte vier Dampfer des Geleits, konnte aber wegen der Kampftage den Untergang nicht mehr beobachten. Einer unserer Zerstörer ist aus dem Gefecht nicht zurückgekehrt.

Oer Wehrmachtbericht vom Sonntag. *

DNB.Aus dem Führerhauptquarlier, 3. Danuar. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m Don-Gebiet dauern die schweren Ab­wehrkämpfe an. Der Feind wurde auf der gesamten Front zurückgeschlagen und verlor 38 Panzer. Bei diesen Kämpfen zeichnete sich die 6. Panzer-Divi- sion besonders aus. Ungarische Truppen schlugen einen von starker Artillerie unterstützten Angriff der Sowjets ab. Bei einem eigenen erfolgreichen Angriffsunternehmen westlich Kaluga wurde ein feindliches Bataillon aufgerieben, 95 Lampf- siände und Bunker zerstört und Gefangene einge- bracht. Erneute Angriffe des Feindes gegen den Stützpunkt welikije Luki scheiterten an dem hartnäckigen widerstand der Besatzung. Unter Ein­satz zahlreicher Panzer wiederholten die Sowjets südöstlich des Dlmenfees ihre vergeblichen Angriffe, 26 Panzer wurden abgeschossen.

Dn Libyen wurden Vorstöße des Feindes durch Artillerie abgewiesen. Dn Lnftkämpfen verloren die Briten sechs Flugzeuge. Eigene Angriffsunterneh­men in Tunesien erbrachten weiteren Gelände- geroinn. Bei Tag und Rächt setzten deuffche Stnrz- kampf- und Kampfflugzeuge die Zerstörungen der Hafenanlagen von Bone fort. Dm Hafen wurde ein Handelsschiff von 10 000 BRT. versenkt. Ferner wurden Bahnanlagen und ein Flugstützpunkt im tunesisch-algerischen Grenzgebiet wirksam bombar­diert. Dn Luftkämpfen verloren die Briten 15 Flug­zeuge. Eigene Verluste entstanden nicht. Ein deut­sches Unterseeboot versenkte aus einem nach Oran einlaufenden Geleitzug einen amerikanischen Munitionsdampfer von 8000 BRT.

Die Tagesangriffe schneller deutscher Kampfflug­zeuge gegen das englische Küstengebiet wurden auch gestern mit Erfolg fortgesetzt.

fehle. Die Faschistische Partei gehorche dem katego­rischen Imperativ. Krieg und Sieg vor allem Krieg und Sieg über allem!

Der Herzog von Devonshire ist zum Unterstaats- sekretär für die britischen Kolonien ernannt wor­den. Unterftaaterfefretär für Indien und Burma wurde der Earl of Munster.

Nach einer Meldung aus Washington beträgt die öffentliche Staatsschuld der USA. gegenwärtig 112 Milliarden Dollar.

Aus -em Reich.

Einräumigkeit -er Verwaltung.

Neben der Einheit der Verwaltung, bei der es sich mn sachliche und politische Zusammenfassung handelt, erhebt Ministerialdirigent von Schönfeldt vom Reichsinnenministerium imDeutschen 23 er* waltungsbeamten" die Forderung der Einräumig­keit der Verwaltung. Es handett sich darum, daß die Bezirke der Verwaltungsbehörden in der gleichen Stufe sich räumlich möglich st decken und Ueberschneidungen vermieden wer­den. Von einer solchen gebietlichen Gleichschaltung tft die deutsche Verwaltung noch weit ent­fernt. Es giibt im Reich elf preußische Provinzen, drei Reichsgaue und zwei Länder mit Unterteilun­gen in insgesamt 53 Regierungsbezirke. Außer­dem gibt es ohne Unterteilung in Regierungsbe­zirke den Verwaltungsbezirk der Reichshauptstadt, sieben Reichsgaue, zwei einem Reichsgau ähnliche

Bezirke (Hamburg und Westmark) und elf kleinere Länder. Diesen Bezirken der allgemeinen und in­neren Verwaltung stehen gegenüber 42 Gaue der NSDAP., 17 Wehrkreise, 30 Oberfinanzpräsidenten, 23 Landesarbeitsämter, 29 Landeswirtschaftsämter, 26 Landesernährungsämter und LLandesbauern- schaften. In der Kreisstufe ergibt sich ein ähnlich- buntscheckiges Bild. Die Bezirke der einzelnen Be­hörden decken sich weder in der Mittelstufe noch in der Kreisstufe. Diese Verschiedenheiten haben sich als ein großer Uebelstand erwiesen. Deswegen muß die Forderung der Einräumigkeit der Verwaltung erhoben werden. Ansätze zur Lösung dieser Frage sind schon vorhanden.

Keine Zweckentfremdung von Wohnungen.

In einem Runderlaß weist der Reichsinnen» m i n i ft e r daraus hin, daß die chrn Nachgeordneten Behörden, die Gemeinden, Gemeindeverbände und die sonstigen seiner Aussicht unterstehenden Körper­schaften des öffentlichen Rechts das Verbot der Zweckentfrenrdung von Wohnungen genaue st ens beachten sollen und jede Umwandlung von Wohnräumen in Büro räume zu unterlassen haben. Der Reichsarbeitsminister habe zum Aus­druck gebracht, daß das Verbot der Umwandlung von Wohnungen streng durchgeführt werden müsse und daß auch in dringenden Einzelsällen grundsätz­lich keine Ausnahme zugelassen wird. Darüber hin­aus ist es Aufgabe der Gemeinden, die Dienst­stellen, die nach dem im Erlaß des Reichsarbeits­ministers genannten Stichtag Wohnungen in Büro-

' räume umgewandelt haben, b ei der Frek« machung nach Kräften zu unterstützet^ Insoweit kommen die Zusammenlegung mehrerer Stellen in den bisherigen Räumen einer Stelle, die Unterbringung in nicht genügend aus- Sen Geschäftsräumen und die Unter» ng in Baracken in Bettacht. Angesichts der Bedeutung, die der Freimachung zweckentfrem- deter Wohnungen für den Wohnungsmart zukommt, müßten von allen Dienststellen Unbequemlichkeiten^ die sich bei der Rückwandlung von Wohnräumen ergeben, in Kauf genommen werden.

Arbeitstagung höherer Feuerwehrführer.

Auf Anordnung des Chefs der Ordnungspolriei» ---Oberst-Gruppenführer und Generaloberst der Polizei D a l u e g e, waren die Abschnittsinspekteurs und Bezirksführer der Freiwilligen Feuerwehr zu einer Dienstbesprechung nach Berlin einberufen worden. Der Chef des Reichsamtes Freiwillige Feuerwehren, Generalmajor der Polizei Schnell, gab Richtlinien und Weisungen, um die Einsatzbe­reitschaft und Schlagkraft dr Feuerwehren jeder­zeit den Belangen des Krieges anpassen zu können. ---Oberst-Gruppenführer und Generaloberst der Polizei Daluege nahm an einem im ,Haus des Reichsamtes der Feuerwehren" stattgefundenen Ka­meradschaftsabend teil. In einer Ansprache zollte er dem Kriegseinsatz volle Anerkennung und for­derte wetteren restlosen Einsatz aller Feuerwehr­männer.

Oas Hilfswerk der Lehrerschaft.

Das Hilfswerk des NS.-Lehrerbundes kommt allen unverschuldet in Not geratenen Berufskameraden zn Hilfe. Kinderreiche Lehrer erhalten für Söhne und Töchter Studienbeihilfen. Für jedes vierte und fol­gende Kind wird ein Sparbuch ausgehändiyt. Kinder­gärtnerinnen erhalten Heiratsbeihilfen. Für Hinter­bliebene gefallener Erzieher werden Unterftützungs- beihstfen erteilt Ansehnliche Beträge werden als Tu­berkulosehilfe zur Verfügung gestellt. Für die Entschul­dung werden billige Darlehen gewährt. In letzter Zett wurde die Entsendung von Hinterbliebenen gefalle­ner Erzieher in Erholungsstätten des NS.-Lehrer- bundes eingeleitet. Im Rahmen des Hilfswerkes mürben in drei Kriegsjahren 3,5 Millionen RM. aus- gezahlt Außerdem wurden in mehr als 600 Fällen Darlehen von mehr als einer halben Million RM. zur Verfügung gestellt. Alle Gelder stammen aus dem Vermögen oder den Beiträgen der Organisa­tion. Die Selbsthilfeeinrichtungen des NS.-Lehrec« bundes treten erst dann in Erscheinung, wenn staat­liche oder gemeindliche Fürsorge nicht mehr in An­spruch genommen werden kann.

Richterliche Vertragshilfe.

Bisher konnte ein Gewerbetreibender die richten liche Verttagshilfe beantragen, wenn Kriegsaus­wirkung ihn an der Erfüllung von Verträgen hin­derten, die er d o r dem 1.9.1939 abgeschlossen hattL Nach einer neuen Verordnung kann der Richter auf Antrag eines Gewerbetreibenden auch Verträge, die dieser nach dem 31.8.1939 abgeschlossen hat, um» gestalten, wenn sich die Verhältnisse inzwischen in­folge von Kriegsauswirkungen wesentlich geändert haben. Das kann z. B. der Fall sein, wenn ein Ge­werbebetrieb infolge von Maßnahmen der Wirb» schaftslenkung oder wegen Einberufung des In­habers ft il Igel egt wird. Der Richttr kann fe* doch nicht eingreifen, wenn der Gewerbetteibends mit den Kriegsauswirkungen rechnen mußte.

Kunst und Wissenschaft.

Trauerfeier fürZofef von Manowar-a

In der Berliner Staatsoper fand die Trauer­feier für den Sänger Josef von Manowarda in An- wesenhett von Reichsmarschall Göring und Reichs» minister Dr. Goebbels statt. Nach Klängen aus Tristan und Isolde" gab Generalintendant Ti et» i e n ein Lebensbild des Künstlers und politischen Kämpfers, dem Pflichterfüllung stets als oberstes Gesetz galt. Erich Zimmermann rühmte des Freundes menschliche Gute, des Berufskameraden stete Hilfsbereitschaft und des Künstlers Stieben nach den höchsten Zielen. Prof. Dahnen zählts Manowarda zu den (Seltenen, die durch die Tat Bei­spiel für viele waren. Dann legte Reichsmarschall. Göring den Kranz des Führers nieder und mib* mete dem Sänger und getreuen Gefolgsmann des

Kleiner Wächter meiner Hainbuche.

Bon Paul Eipper.

Vor einigen Jahren sah ich irgendwo eine beson- Hers schöne Hainbuche, mannshoch und kugelrund, nach allen Seiten gleichmäßig waagerecht verzweigt bis herab zum Erdboden. Am anderen Tag wurde der Baum in meinen Garten ein gepflanzt, so daß Sch mich schon vom Schreibtisch aus daran erfreuen formte zu jeder Stunde.

Die Hainbuche eroberte sich nicht nur die Sym­pathie der Menschen. Schon im ersten Frühling be­vorzugten offensichtlich auch der Fliegenschnäpper und das Gartenrotschwänzchen ihre Maienkrone, und als hn Juni die Blaumeisenkinder flügge wurden, «zielten fast alle ihren ersten Sturzflug vom hohen Nistkasten in der Kiefer herunter aus die kugelige Hainbuche.

Der Sommer ging; der Herbst wusch mit seinen Regen das letzte welke Laub vom Zweig, und bann rieselten viele Wochen lang die weißen Flocken zur Erde: wir bekamen einen schweren, kalten Schnee* romter. Geschult durch die Erfahrungen der beiden letzten Jahre, hatte mehre Familie von Anfang August an bei feder Gelegenheit Früchte und Samen zur Winteratzung unserer Dogelgäste gesammelt, so daß wir während der strengen Zeit jeden Morgen drei Futterstellen ausreichend bestücken konnten.

Das hat sich schnell und weit herumgesprochen m der Dogelwelt; außer den Meisen und Finken kam ganz regelmäßig die Schwarzdrossel, der große und kleine Buntspecht, dazu die; geckernde Elster. Sogar zwei Eichelhäher-Paare wurden Dauerbesucher, hol­ten sich tagtäglich in der Frühe und gegen Mittag die Krumen von der schneegeschützten Steinplatte an der Glastüre meines Arbeitszimmers. Wenn ein­mal wirklich nichts Eßbares dort tag, machte der eine Häher verwundert den Hals lang, drehte das Köpfchen schräg nach hinten und guckte mahnend herein zu den Menschen.

Durch Hilfsbereitschaft guter Dogelfreunde bekam ich einige Becher und Ringe, die mit Futter gefüllt sind und die nun überall im Garten aufgehängt wurden zur besonderen Freude der Meisen und Fin- fen»

Das Schönste dieser nahrhaften Gebilde lag in mehreren Teilen verpackt in einer Schachtel und wurde nach beige füg ter Geb rauchsa n wei'sun g zusam­mengesetzt. Ich tat die Arbeit selbst, bog, zog und drehte, bis ich einen winzigen, kantig geschwungenen Tempel vor mir hatte, eines jeder zierlichen Bau­werke ostasiattscher Herkunft, an dem nur ine bim­melnden Silbergivckchen fehlten. Und so kommt es, daß in meiner Hainbuche am Westrande des Ber­liner Grunewaldes eine chinesische Pagode hängt mit feuerrotem Lackdach Alle sechs Seitenwände dieses luftig pendelnden Wunderhäuschens sind mit Futter ausgefüllt.

Wer wundert sich, daß diese Oase der Treffpunkt aller kleinen Federflieger geworden ist? Ich fürchtete bereits, daß die nahrhaften Wände in kurzer Zeit aus geräubert fein würden und nur das Gerippe der roten Stützkanten unter der Dachihaube übrig bliebe.

Aber da erstand der Futterpagode ein getreuer Wächter. Gegen Mittag sah ich ihn zum ersten Male auf dem Zweig, der linker Hand und gewissermaßen ein Stockwerk tiefer als jener, an dem ich das Knus­perhäuschen aufgehä<n!st hatte, eine entzückende Blaumeise.

Warum sitze ich so still im Anstand vor der Atzung?, fragte ich mich und vergaß über meiner Schreibtischarbeit diese Uebcrlegung. Eine halbe Stunde später entdeckte ich die Meise von neuem, unverändert in der reglosen Starre. Doch als gleich darauf ein Finkenweibchen geschickt zur Anflugstange herkreuzte, stieß wie ein Explosionsgeschoß die viel kleinere Blaumeise ttn Luftsprung steil nach oben und vertrieb die naschhafte Finkin. Nun nahm ich das Fernglas ans Auge und sah in einer Sttmde viermal die gleiche siegreiche Abwehr. Abends hockte das Meislein noch immer schützend vor dem Futter- paradies, und am anderen Morgen bot sich mir das gleiche Dill).Denk an das Wiesel auf dem Kiesel!" sagte meine Frau, und mir freuten uns beide an dem Farbenreiz des blauen Meisenköpfchens und der lackroten Pagvden-Bedachung.

Am übernächsten Tage mußte die Blaumeise einem stärkeren Hüter weichen. Nun hockte dick und aufgeplustert eine Kohlmeise vier Tage lang neidisch, zankberett in b§r Hainbuche. Und dann wurde das rote Futterhaus endlich zum Allgemeingut vieler IrrahrWrgSbedürftiger BogÄ. «Zick" urib

fiel ein Schwarm von Schwanzmeisen, die ich noch nie bei uns beobachtet hatte, in meinen Garten ein, zwölf oder noch mehr langgeschwänzte und sehr hungrige Wandergesellen. Ihnen mußte auch die streitsüchtjigste Kohlmeise weichen, und nun ist neben unserem Gerechttgkeitsgefühl der menschliche Far­bensinn von neuem entzückt, wenn drei ober vier der Schwanzmeisen zu gleicher Zett kopfabwärts in den Pagodensetten hängen, mit ihren winzigen Schnäbelchen die Kerne herauspicken und die schnee­weißen Köpfe mit dem roten Lackdach um die Wette leuchten.

Wenn es draußen auch noch so unaufhörlich schneit: Habt keine Sorge, liebe Vögelgäste; wir haben eine zweite Füllung für das Vogelhaus!

Prozession am Oelberg.

Von Wera Wagenschein.

Den ganzen Abstieg schon weht uns Geläut ent­gegen, von der Kirche am Berge Sanguineto her, springende Musik der hohen Glocken, die sich immer wirbelnder in eine zarte Ekstase von Trioien drängt, aufgeschreckt durch die jähen harten Schläge der tiefen Bronzeglocke, die vorn Berge brühen dunkel und zitternd zurückschwimmen über die Schlucht unb uns und alles einhullen wie in einen Mantel. 53ir springen ihnen wie im Traum entgegen die grasigen Stufen hinab, mein Kamerad und ich. Wie glühen die wilden Nelken! An den weißen Skabiosen sitzen Hummeln, warm unb bebend und rote festgezaubert. Die Zikaden schweigen.

Da weht nah vor uns Gesang auf, eine kleine Prozession zieht unter uns den Berg entlang. Sie tragen ein hölzernes Schimmelchen mit einem Hei­ligen darauf das ist alles, was wir sehen zwischen den glitzernden Zweigen schwankt es auf unb nieder rote nicht von dieser Welt. Den Schwanz hat es hochgeworfen, die Stirn mit der locf gen Mahne mutig gesenkt; so treibt das weiße Pferdchen auf den silbergrünen Wogen, vom Lichte ganz umbrauft, bereit zum Kampfe gegen alle Fin­sternis. Der heilige Reiter auf seinem Rücken lächelt nut schmalem Kindergesicht über die Delbäume und dis singenden Menschen hin»

Es ist nur eine kleine Schar, von den weniges Höfen am Berge. Die Knaben in weißen Kittel­chen über den langen schwarzen Röcken gehen mil viel zu großen Schritten; ihre braunen Gesichter versuchen eine irdische Lustigkeit zu verbergen und blicken zu den Fahnen auf, die ihnen voranknistern, silbern und violett in alten Seiden. Die jungen Mädchen haben weiße Schleierchen, die Frauen schwarze Spitzen um Haar und Schultern unb das stille lichte Lächeln der Armut unb der Berge. Das Pferdchen schwankt und schimmert wie Schnee, mti) zwischen seinen Hufen brennen Kerzen. In den Fluten der Nachmittagssonne nur wie winzige weißo Irrlichter, werden sie beim Einzug in die fleind Kirche plötzlich groß und gelb. Und wie der Bauer? neben mir von einer jungen Frau mit lächeln» den Zeichen gebeten den roten Vorhang vor bte Türe niederläßt, unb das Sonnenlicht zuruckweich- wie ein scheues Tier, leuchten die Kerzen des Pfer­des königlich und still in das purpurne Dämmerlicht und zwingen die Blicke der ganzen kleinen Ge­meinde in ihren Kreis. Den Priester, der inzwischen von der kleinen Kanzel gegenüber redet, ihn kann man ja alle Tage sehen, und das hellige Lichter­pferd nur dies eine Mal im Jahr, und man lauscht etwas träumerisch seinem Geplauder wie einer kleinen Musik. Die Chorknaben treiben indessen hin und her wie Schwalben, doch vergessen sie niemals den eiligen Knicks vor dem Altar.

Draußen aber im Sonnenschein, auf der niedrigen Mauer, die im Halbrund die kleine Piazza gegen den Berghang begrenzt hält, hocken und warten die alten Verkäufer. Sie halten kleine luftige Kuchen im Arm, Brezeln und Ketten aus Haselnüssen. Weil es ein Fest ist.

Wir kaufen eine Kette unb sitzen noch eine Weile zwischen ihnen unb sehen auf das tanzende Mosaik aus hellen und schwarzen, vom Meere rund ge* mahlenen Steinchen zu unseren Füßen: ein großer Meerstern, Segelschiff unb Baum. Der Mann dem Klingelbeutel hat uns taktvoll übersehen wollen als Fremde, aber nun leuchtet fein Gesicht auf in Freundlichkeit.

Es ist sehr still. Hinter dem roten Vorhang mur* mett und singt es. Und darüber, auf dem halbrund er? Freskogemälde, reitet San Martino durch das gelb-