Ausgabe 
3.5.1943
 
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gestellten Reichsthemen 1943/44, die als Unterlage für die Schulung der gesamten Bewegung dienen. Die Behandlung dieser Reichsthemen wurde durch Zortrag erläutert und durch Aussprache geklärt. Den Abschluß der Arbeitsbesprechung bildete eine Rede des Reichsleiters Rosenberg über den deutschen Sozialismus.

Zehn Jahre NSV

^-Mai 1943 sind es zehn Jahre, daß die NSV. durch einen Erlaß des Führers als einzige Organisation innerhalb der Partei für alle Fragen der Volkswohlfahrt und Fürsorge anerkannt wurde. Mit diesem Tage begann der Aufbau eines Volks, pflegewerkes, das mit fernen fast 17 Millionen Mit­gliedern einzig in der Welt dasteht, und das gerade im Kriege feine Leistungsfähigkeit schlagend be- weisen konnte. Für 120 000 Männer und Frauen ist die NSV.-Arbeit Beruf und Lebensaufgabe ge­worden, und über 1,15 Millionen leisten ehrenamt­lichen Hilfsdienst.

Das Kernstück aller NSV.-Arbeit ist im Kriege das HilfswerkMutter und Kind" geworden. Die Zahl der H-ilfsstellen ist im Jahre 1942 weiter ge­stiegen und beträgt jetzt über 30 000, in denen rund 10,3 Millionen Besucher gezählt wurden. Rund 500 000 werdende Mütter und Wöchnerinnen wur­den tm Jahre 1942 betreut, etwa 63 000 Mütter mit 10 600 Kleinkindern und Säuglingen verschickt. Die Zahl der Kindertagesstätten einschließlich der Erntekindergärten und Hilfskindertagesstätten, die angesichts des verstärkten Einsatzes von Frauen und Müttern in der Kriegswirtschaft gesteigerte Bedeutung erhalten, stieg im Laufe des Jahres auf 32000 mir fast 74 000 Fach- und Hilfskräften und 1,2 Millionen verfügbaren Plätzen. Im Rahmen der Jugenderholungspflege wurden allein von der NSV. über 550 000 Kinder verschickt. Alle diese Maßnahmen stehen im Dienste der Sicherung des Volkskörpers vor biologischen Kriegsschäden und sind damit echter Kriegseinsatz.

Dazu kommen zahlreiche Sonderaktionen, die durch den Gang der militärischen und politischen Ereignisse ausgelöst werden, beispielsweise der Ein­satz bei der Verwundeten- und Soldatenbetreuung, der cm der Front und in den Lazaretten mit Liebes­gaben und Hilfsbereitschaft, in der Heimat u. a. mit der Hitler-Freiplatz-Spende und der Betreu­ung von Angehörigen geleistet wird. Dazu gehört auch der Einsatz bei den Umsiedlungsaktionen, ferner die Mitarbeit bei Hilfsaktionen nach Terrorangrif­fen, so bei der Unterbringung der Obdachlosen, bei der Verpflegung und Versorgung mit dem Nötig- fteh, bei der Heilverschickung der Bombenverletzten.

Dazu gehört auch der soziale Aufbau in den neuen Reichsgebieten, wo besonders auf dem Gebiet der Kindergärten vorbildliche Arbeit geleistet wurde. Im Wartheland und in Danzig-Westpreußen stehen heute schon rund 1200 NSV.-Kindertagesstätten zur Verfügung, weitere hunderte sind in Vorbereitung. In gleicher Weise wurde in den neuen Gebieten des Westens und Südens gearbeitet, für deren Be­völkerung die Kindergartenarbeit vielfach etwas vollkommen Neues war. Neben der sozialpflege- rischen Bedeutung dieser Arbeit ist die Deutschtums­arbeit hervorzuheben, die dort an der Jugend ge­leistet wird. Wenn heute gerade in diesen Gebieten die Sammlungen besonders hohe Erträge erbringen, so drückt sich darin der Dank des Grenzlanddeutsch- tums auch für diese Aufbauarbeit der NSV. aus.

hochschulnachrichten.

Der o. Professor für römisches und bürgerliches .Recht an der Universität Bonn, Dr. Wolfgang Kunkel, wurde in gleicher Diensteigenschaft an die Universität Heidelberg berufen. Kunkel wurde 1902 in Fürth geboren, 1 studierte in Frankfurt, Gießen und Berlin und promovierte 1924 in Freiburg, wo er sich 1926 habilitierte und 1928 Or­dinarius wurde, lieber Göttingen kam er 1936 nach Bonn. Der Ordinarius für anorganische und Elektrochemie ^an der T. H. Aachen, Professor Dr. Alfred Benrath, vollendet sein 65. Lebensjahr. Benrath wurde 1878 in Düren geboren, studierte in Zürich, Charlottenburg und Heidelberg, promovierte 1901 in Heidelberg, habilitierte sich 1905 in Königs­berg, wurde dort 1910 ao. Professor und siedelte 1913 nach Bonn über. Seit 1923 wirkt er in Aachen. Am 5. Mai vollendet der Begründer und Leiter des Archivs für Volkskunde des Osnabrücker Kulturkreises und der benachbarten Gebiete, der Germanist, Volks- und Altertumsforscher Dr. Heinz Hungerland, sein 70. Lebensjahr. Er ist als Verfasser zahlreicher Arbeiten aus dem Gebiet der indogermanischen Sprach-, Religions- und Sitten­geschichte, der germanischen Volkskunde, Literatur und Sprachgeschichte bekannt geworden. Gebürttg aus Bremen promovierte er in Kiel und wurde 1902 Lektor der deutschen Sprache und Literatur an der Universität Lund. 1915 bis 1917 wirkte er als Gymnasiallehrer in Osnabrück, später als Dol­metscher im Kriegsministerium in Berlin. 19J9 gründete er das Archiv für Volkskunde in Osnabrück.

Vom Schicksal verweht

Roman von Holla Qutkelch

(Nachdruck verboten.)

W. Fortsetzung.

Er ist nicht richtig bei Bewußtsein.Virgin, was mill er hier?" phantasiert Bob Lewis.Er soll gehen. Peter Fischer soll gehen."

Virginia erschrickt. Dos Passos und Forster stehen hinter ihr. Lewis beginnt wieder:Virgin, was Vill er von mir? Er ist ein Mörder ja ein Mörder!"

Virginia blickt angstvoll zu Forster herüber, der interessiert zuhört. Er ftagt sie:Wovon redet er dgentlid)? Peter Fischer, das war doch der deutsche Urzt, der vor Jahren Professor Freemau erschossen i>at, den bekannten Freeman vom Oklahoma-Jn- Atut. Woher kennt Lewis eigentlich diesen Fischer?" K Virginia ist dieser Situation kaum gewachsen. Be­ruhigend greift Dos Passos nach ihrer Hand Dg laßt sie wieder ein. wenig Mut.Er war doch m Oklahoma mit ihm zusammen, Herr Professor. Aber öie er jetzt darauf kommt, weiß ich auch nicht!

Das kann ich Ihnen erklären, Miß Larsen!" lagt Forster.Im Fieber, da sperrt das Gehirn Nanchmol seine verborgensten Fächer auf imd : dinge kommen zum Vorschein, die der Betreffende \ -löst schon seit Jahren vergessen hat. Ich erinnere ^ich an einen Fall" , ...

.Herr Professor, bitte." 3n Virgimas Worten ift i leiser Vorwurf.

,Ha, ja, wir lassen Sie jetzt mit Ihrem Patienten Eein kommen Sie, Herr Doktor!"

1 ,Ich bleibe noch einen Augenblick, Herr Pro- l-ssor."

. Forster steht schon am Zelteingang.Gut, gut, K bin drüben im Bungalow. Rufen Sie bitte wenn bie mich brauchen oder ich Sie ablosen soll, Mltz Men." , ..

Virginia lehnt sich, von der Spannung der letzten

pflicht zur Abwendung von Kriegsschäden

C. K.

spräche eindrang.

Das Kriegsverdienstkreuz.

Der Stabsveterinär Dr. Müller aus Holzheim (Kreis Gießen) stammend, wurde mit dem Kriegs-

Tschammer-Gedenktag und Bahneröffnungswettkämpfe des Sportkreises Wetterau-Nord im NSNL.

Mit ßieö und Spruch zur Hissung der Flaggen wurde am gestrigen Sonntag auf dem Univer- sitätssportplatz pünktlich um 10 Uhr in Gegenwart vieler Zuschauer und der Sportler und Sportle­rinnen die Gedenkstunde an den verstorbenen Reichssportführer v. Tschammer und Osten durch Sportkreisführer Heller eröffnet. In seiner Ansprache gab der Sportkreisführer einen Heb er­blick über die Widerstände gegen eine einheitliche Sportbewegung von Friedrich Ludwig Jahn bis zur Machtergreifung, schilderte die Verdienste des Verstorbenen um die Einheit im deutschen Sport, zeigte die hohen Ziele der sportlichen Arbeit und forderte auf, im Sinne des Reichssportführers wei­ter zu arbeiten.

Unter Leitung von Kreisfachwart Leichtathletik Lieb setzten anschließend die Wettkämpfe der Männer, Frauen, der HI. und des BDM. ein. Im Lauf, Wurf und Sprung wurden schon in den Vor­kämpfen recht gute Leistungen erzielt. Die Beteili­gung war sehr gut. Wettkämpfer stellten LSV. Gießen, Mtv. Gießen, Tv. 1846 Gießen, DfL. Lollar, Tv. Lich, Tv. Großen-Linden, Tv. Heuchelheim. Die Studentenschaft war unter Lei-

Durch die Presse sind in den letzten Tagen einige Notizen über die Pflicht zur Abwendung von Kriegs­schäden gegangen, die zu Mißverständnissen führen können. Es wird als selbstverständliche Pflicht jedes Volksgenossen angesehen, besonders in luftgefähr­deten Gebieten, alles zu tun, um etwaigen Kriegs­schäden vorzubeugen. Wer in seiner Wohnung Gegenstände von besonderem Wert, kostbare Kunst- gegenstände u. a. hat, wird schon im eigenen Inter­esse, wenn ihm die Möglichkeit dazu gegeben ist, versuchen, sie möglichst sicher aufzubewahren. Und wer Gelegenheit hat, Teile seiner Bestände an Kleidung, Wäsche usw. an anderen Orten unterzu­bringen, wird gut daran tun, von dieser Möglich­keit Gedauch zu machen.

Es ist aber nicht so, daß eine allgemeine Pflicht In dieser Richtung besteht, deren Außerachtlassung

attiv beteiligte, durch die SportkameradschaftHut­ten" vertreten. .

Die Endkämpfe und das Handballspiel des LSV. gegen die Bannmannschaft der HI. am Nachmittag hatten eine große Zuschauermenge angelockt. Die Kämpfe wickelten sich glatt und reibungslos ab. In der Pause des Handballspiels, in der die Turne­rinnen eine Gruppe gut ausgeführter Keulen­übungen zeigten, begrüßte der Sportkreisführer die Zuschauer und Gäste und brachte in einigen Kern­sätzen die Gedanken des Reichssportführers über die Bedeutung des deutschen Sports. Die Wettkämpfe, besonders die Läufe, hielten die Zuschauer bis zum Schluß in Spannung.

Bei der Siegerehrung und dem Ausklang mit dem Gedenken an Führer und Wehrmacht wurden folgende Ergebnisse befanntgegeben:

, Männer.

10 0- m - Lauf: 1. von Herrat, Mtv., 12,4 Sek.; 2. Fl. Zeidler, LSV., .12,5; 3. Fw. Lieb, LSV., 12,7 Sek.

400-m-Lauf: 1. Fw. Lieb, LSV., 56,6 Sek.; 2. Fl. Zeidler, LSV., 57,8; 3. Fl. Litzmann, ߩB., 59,0 Sek.

1500-rn-Lauf i 1. Gefr. Münzner, LSV.,

teilt. Damit wurden über 100 Bullen zum Verkauf gestellt. Bei überraschend starker Nachfrage wurden sämtliche gekörten Bullen abgesetzt. Die Tiere ver­blieben nicht allein im engeren Zuchtbezirk, sondern es wurden u. a. auch Bullen in die benachbarten Kreise Marburg, Hanau, Gelnhausen, Oberlahn, Usingen und ein Bulle nach Rheinhessen verkauft. Die oberhessische Tierzucht konnte damit einen schönen Erfolg verbuchen. Bedauerlicherweise reich­ten die zum Austrieb gestellten Tiere nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen, so daß ein größer Teil der Zuchtbullen zugeteilt werden mußte.

Ueberraschend stark war auch der Auftrieb an Zuchtebern. Insgesamt wurden 77 Eber gekört, hiervon 2 in Wertklasse I, 20 in Wertmasse II, 37 in Wertklasse III und 18 in Wertklasse IV. Die Ver­mehrung der Sauenhaltung, die Staatssekretär Backe in seiner Posener Rede im Novelnber vorigen Jahres gefordert hatte, ist auch in Oberhessen weit­gehend durchgeführt worden, und damit ist die ver­mehrte Einstellung von Zuchtebern' und die sehr starke Nachfrage begründet. Erstmalig wurde denn auch durch die Schweinezüchtervereinigung Ober­hessen eine zentrale Absatzveranstaltung von Zucht­sauen durchgeführt. Aufgetrieben waren 34 Zucht­sauen, von denen eine der Wertklasse I, 9 der Wert- kl ässe II, 17 der Wertklasse III und 7 der Wert- klasse IV zugeteilt wurden. Sowohl Eber als Zucht­sauen wurden restlos abgesetzt, ein großer Teil der Zuchttiere mußte ebenfalls zugeteilt werden.

Der mit der Wahrung der Geschäfte beauftragte Landesbauernführer W e i n tz, Landeshauptabtei­lungsleiter II Scharch, Windhausen, und Land- wirbschaftsrat Tillmann von der Tierzuchtabtei­lung der Landesbauernschaft Hessen-Nassau konnten als Gäste bei der Veranstaltung von dem Leiter des Tierzuchtamtes Gießen, Landwirtschaftsrat Dr. Wagner, begrüßt werden. Die nächste große Ab­satzveranstaltung von Höhenfleckviehbullen, Zucht­ebern und Zuchtsauen ift für den 18. Juni in Gießen vorgesehen.

*

** Arbeitsjubiläum. Am heutigen Mon­tag kann der Feinmechaniker Rudolf Thron, Mäusburg 9, auf sein 25jähriges Arbeitsjubiläum in den optischen und mechanischen Betrieben der Firma Dr. Ernst L e i tz, Wetzlar, zurückblicken.

Aus der etaM Gießen.

Wandlungen desWonnemonats".

Der Mai hat von jeher eine besondere Stellung im Leben der Menschen gehabt. Hn unzähligen Liedern ist er besungen worden, und das Volk hat im Laufe der Zeiten diesem Monat des Blühens und der Freude die verschiedensten Namen gegeben, in denen Dinge zum Ausdruck kommen, die in dieser Zeit wichtig sind. Den ältesten germanischen Namen für den fünften Monat finden wir in einer Schrift des Angelsachsen Beda, der im 8. Jahrhundert die sächsischen Namen für die Monate aufzeichnete. Er nennt den MaiThrimilki", das heißt also die Jahreszeit, in der man damit beginnt, die Kühe dreimal am Tage, nicht nur morgens und abends, sondern auch mittags zu melken. Der Verknüpfung des Monats mit dem Hirtenleben, die uns auch sonst im altdeutschen Volksbrauch und in der Sprache entgegentritt, führte zu dieser ersten Be­zeichnung. Noch heute spricht eine schwedische Bauernregel vom 1. Mai als dem erstenDrei- melkstage.

Als Karl der Große seinen Deutschen eine natio­nale Kultur schuf, wendete er nicht nur der alt- germanischen Heldensage, die er aufschreiben ließ, sondern auch den altgermanischen Monatsnamen seine Aufmerksamkeit zu, und so hat uns fein Bio­graph Einhart die ersten Nachrichten über die Namen gegeben, die Karl für die einzelnen Monate festsetzte. Vorher waren die alten deutschen willkür­lich neben den lateinischen Bezeichnungen gebraucht worden. Einhart nennt den Mai deninnemanoth" oberwunnimanoth", was beides zunächst nur AVeidemonat heißt. Auch hier wieder der Zusam­menhang mit dem Austrieb der Herden, der bei den alten Deutschen eine große Rolle spielte. Winne- manoth ist zweifellos die ältere Namensform; Wun- nimantoh tritt dann daneben, und hier klingt bereits das WortWonne" an, das bann die Dichter gar bald mit der schönen Frühlingszeit in Verbindung brachten.

Die Minnesänger des 12. und 13. Jahrhunderts gebrauchen das Wort bereits in übertragener Be­deutung, und so wird aus dem nüchternen Weide­monat derWonnemonat", der dann durch die ganze Poesie bis auf unsere Tage klingt. Neben der alt­deutschen Bezeichnung tritt aber auch immer wieder in den Urkunden der lateinische Name hervor, der von der Kirche gebraucht wurde, und so finden wir die BezeichnungMeio",Maie", die mit dem allmählichen Vorherrschen des römischen Kalenders die Oberhand gewinnt, so daß im 15. und 16. Jahr­hundert der heute übliche Name Mai bereits all­gemein gebräuchlich wird.

In der Volkssprache aber haben sich die alten deutschen Bezeichnungen erhalten; sie blieben be* sonders in Norddeutschland in Kraft, wie sie auch in Island und Skandinavien belegt sind. Ein ur­alter Name für den Monat, der im Altnordischen und Isländischen erscheint, 'heißtStecktid", eben­falls dem Hirtenleben entnommen, da dasStecken" die Aufftellung der Hürden für die jungen Lämmer bezeichnet. Daneben erscheint im IsländischenEgg- ttd", die Eierzeit; so heißt der Monat nach dem an den Seeküsten in dieser Zeit beginnenden Eier­gewinn.Eiermuun" heißt der Mai auch im Frie­sischen, und ebenso führt er im Niederdeutschen die BezeichnungBlumenmonat". Diese schmückenden Benennungen, wieWonnemonat",Blumen­monat" bürgern sich in der gehobenen Sprache ein; sie werden von Fischart in seinerAller Praktik Großmutter" angeführt, und dort heißt der Mai auchBohnenmonat" nach der Bohnenblüte, Pfingstmonat" nach dem schönen Fest, das mei­stens in den Mai fällt. AuchEselmonat" nennt Fischart den Mai, weil in dieser Jahreszeitdie Esel besonders verliebt sein sollen". Im Schwä­bischen erscheint die BenennungLustmonat".

Alle diese Namen lebten nur noch im Volk. Als man ober im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts sich wieder auf die alten schönen Namen besann und diese der deutschen Sprache wiedergewinnen wollte, da machte imDeutschen Museum" von 1781 Justus Friedrich Runde den Vorschlag, die römischen Monatsnamen durch die alten deutschen zu ersetzen und besonders dem Mai wieder seinenEhren­namen" Wonnemonat zu verleihen. Wieland und Boye stimmten dem zu, während Voß sich darüber lustig machte und den Standpunkt des nüchternen Verstandesmenschen oertrat. Die Dichter aber san­gen jetzt so viel vomWonnemond" undBlüten­mond", daß die Benennung auch in die Alltags-

den Verlust oder die Minderung der Entschädigung zwangsläufig zur Folge hätte. Es kommt ganz auf die Umstände des einzelnen Falles an, was als an­gemessene Pflicht zur Abwendung des Kriegsschadens anzusehen ist. Man kann nicht das, was der eine tut, ohne weiteres auch von dem anderen verlangen. Nur wenn ein ausgesprochenes Verschulden des Ge­schädigten in der mangelnden Abwendung des Kriegsschadens zu erblicken ist, so insbesondere, wenn er die amtlich empfohlenen Schutzvorkehrun­gen nicht beachtet hat, sieht die Kriegssachschadens- vrdnung vor, daß dies bei der Höhe der Entschädi­gung berücksichtigt werden kann.

Man wird erwarten können, daß derartige Fälle nur selten vorkommen und daß die Bevölkerung aus eigener Initiative dafür sorgen wird, daß nichts zu Schaden kommt, was gesichert werden kann.

Gießen, Kirchenplatz 15, wurde das ftriegsnertrtenfh kreuz II. Klasse mit Schwertern verliehen.

$ür unsere Verwundeten.

Im Laufe der vergangenen Woche hielt Professor Dr. Fischer in einem Lazarett einen Vortrag über die amerikanische Ausbreitungspolitik. Die Verwundeten folgten aufmerksam den interessanten Ausführungen des Redners. Die Kindergrpppen der Frauenschaft Gießen-Ost und Gießen-Süd be­suchten mit ihrer Leiterin Frl. Liebermann zwei Lazarettabteilungen. Nach dem Gesang von Früh­lingsliedern und dem Mailied wurden selbstge­bastelte Kleinigkeiten und Ansichtskarten verteilt, die die Verwundeten erfreuten. Das Theater der Universitätsstadt Gießen hatte im Laufe der Woche wieder Verwendete zu Gast. Am 1. Mai be­suchten viele Gruppen des BDM. alle Lazarette und ließen fröhliche Frühlingslieder erklingen. Die reichlich mitgebrachten Tulpen, Maiblumen und Flieder wurden den Verwundeten als Frühliygsgruh überreicht. Zu den Veranstaltungen der Partei im Gloria-Palast und Lichtspielhaus, sowie im Theater der Universitätsstadt Gießen war mit den Werksan­gehörigen hiesiger Betriebe auch eine große Zahl Verwundeter aus allen hiesigen Lazaretten einge- lahen. Zu den Entscheidungen und Vorführungen am gestrigen Tschammer-Gedenktag auf dem Uni­versitätssportplatz hatten sich viele Verwundete ein- gefunden, die mit regem Interesse der Veranstaltung folgten.

Znchlvieh-Absahveranstattung in Gießen.

Die oberhessische Tierzucht hat am Freitag in ber Zuchtviehhalle Rhein-Main zu Gießen eine ihrer erfolgreichsten Zuchtvieh-Absatzveranstaltungen durchgeführt. Es wurden sowohl wertvolle Zucht­bullen, als auch Zuchteber und Zuchtsauen zum Verkauf gestellt.

Insgesamt wurden 84 Höhenfleckviehbullen ge­kört, davon 25 in Zuchtwertklasse II, 39 in Zucht­wertklasse III und 20 in Zuchtwertklasse IV? An schwarzbuntem Niederungsvieh waren 18 Bullen aufgetrieben, hiervon wurden 5 der Wertklafse II, 9 der Wertklasse III und 4 der Wertklasse IV zuge-

verdienstkreuz I. Klasse mit Schwertern ausge­

zeichnet. Dem Feldwebel Willy Schmidt,aus tung ihres neuen Studentenführers, der sich auch

Minuten erschöpft, an eine Zeltstange.Ich hatte solche Angst!" sagt sie leise.

Das Passos lächelt müde.Um mich, Virgin? Um mich mußt du keine Angst haben. Es kommt doch alles so, wie es kommen soll!" Er faßt sie unter und geht mit ihr aus dem Zelt. ,Homm ein bißchen Lust schöpfen, Virgin, die Nacht ist so schön. Wenn Lewis ruft, hören wir es ja. Du darfst dich nicht soviel ängstigen, Mädchen. Sieh mal, solche Mi­nuten wie die vergangenen habe ich in den letzten Jahren oft erlebt, wo alles von einem einzigen Wort abhängt, das dann doch nicht gesprochen wird, oder von einem Gedanken, der dann doch nicht zu Ende geführt wird."

Aber das kann doch kein Mensch ertragen, Peter!" Virginia setzt sich auf einen Baumstamm, er nimmt neben ihr Platz.

Doch kann man, man darf nur keine eigenen Wünsche mehr haben", erwidert Dos Passos ruhig.-

Ja, aber wenn man sich nichts mehr wünscht, wenn man auf nichts mehr hofft, dann ..." Vir­ginia zögert.

... dann ist man entweder sehr weise oder sehr unglücklich", vollendet Dos Passos unsenttmental.

Von weit her klingt Musik zu den beiden herüber. Virginia horcht auf.

Je-crois-en-Dieu macht Musikzauber mit dei­nem Grammophon", erklärt Dos Passos das Ge­heimnis.Seltsam, daß er gerade dieses Lied spielt. Weißt du noch, Virgin, das war einmal unser Lied! Ich habe es seit damals nicht wieder gehört."

Virginia sieht die Vergangenheit, von der Dos Passos spricht, plastisch vor sich. Jeden Abend gin­gen sie am Fluß in Oklahoma spazieren: Der Arzt von Ruf und die kleine, gerade erst mit dem Stu­dium fertig gewordene Aerztin. Er erzählte ihr oft von Deutschland, das sie besonders interessierte, weil ihr Großvater von der Waterkant eingewan­dert war.

Du hast dich gar nicht verändert", sagt Dos Passos in ihre Gedanken hinein.Nur deine Augen sind noch größer und noch dunkler geworden. Das

kommt wohl daher, weil du das Lachen verlernt hast. Es war doch immer so: Wir haben uns über die gleichen Dinge gefreut und waren über die gleichen Dinge traurig, und ich glaube, es wird auch immer so bleiben. Mein Gott, Virgin, warum belügen wir uns eigentlich selbst? Wir gehören zusammen, und wenn wir uns noch so dagegen wehren. Warum sind wir nicht.ehrlich? Du liebst mich und ich liebe dich, und wir sollen aneinander vorbeigehen wie Fremde. Wir sollen uns trennen, wo wir uns erst wiedergefunden haben!" Er nimmt sie in die Arme, hält die nur mühsam Widerstre­bende fest. Leidenschaftlich drängt er sich an sie. Das ist doch Wahnsinn das darf doch nicht fein. Wenn zwei Menschen wirklich zueinander gehören, dann kann es einfach nichts geben, was sie Sein Mund sucht ihre Lippen, die ihm noch aus- weichen wollen.

Virgin, Virgin!" klingt Lewis' Stimme aus dem Zelt.

Dos Passos läßt Virginia los, sieht sie mit schmerzlichem Lächeln an. Dann geht er fort Sie möchte ihm ein einziges liebes Wort nachrufen, aber die Kehle ist ihr wie zugedrückt.

Als sie an Lewis Bett tritt, hört sie ihn leise phantasieren:Was willst du? Was willst du? Sie mir wegnehmen! Du bekommst sie nicht. Du nicht nein." Sie hebt das Moskitonetz zur Seite und trocknet behutsam seine Stirn. Dann setzt sie sich auf einen Feldstuhl neben das Bett.

Mein ganzes Leben hast du mir kaputt gemacht du!" phantasiert Bob Lewis weiter.Immer mußte ich gehen, wenn du gekommen bist du warst immer der erste! Immer du!" Mit unbe­wegtem Gesicht hört Virginia Larsen zu;Peter Fischer! Du, ich habe dich immer gehaßt. Du warst so tüchtig, alle haben dich bewundert, aber ich nicht ich nicht!" Er lacht kurz auf.Diesmal, da bin ich tüchtiger als du du bekommst sie nicht noch einmal! Die Schlange, die Schlange ... Du hast mir das Leben gerettet. Warum? Ich hab' dich nicht gebeten." Langsam verändert sich Virginias

Gesicht, wird gespannt und gequält.Virgin, Vir­gin hast du 2lngft um ihn? Willst du ihn retten, ja? Gib dir keine Mühe er ist tot ja tot. Rubber weiß, wer er ist. Ich habe es ihm gesagt, damit er fort muß. Damit du bei mir bleibst, Vir­gin, immer bei mir bleibst!"

Mit vor Grauen weit geöffneten Augen starrt Virginia Larsen auf Lewis. Er keucht vor Atem­not. Ohne sie wirklich zu sehen, spricht er weiter. Virgin, sieh mich nicht so an. Du hast so einen stummen Blick, der geht mitten durchs Herz. Ich habe ihn verraten, ja aber sieh mich nicht so an, Virgin!"

Virginia springt auf, wie gehetzt läuft sie aus dem Zelt.

Virgin, Virgin!" Ungehört verhallt Lewis' Ruf.

Sie tappt durch die halbe Dunkelheit über die Lichtung. Rubbers Zelt liegt neben dem Bungalow. JDlr. Rubber", ruft sie mit fast versagender Stimme, als sie das Tacken einer Schreibmaschine hört.

Der Reporter erscheint am Eingang.Nun, Fräu­lein Doc welcher Besuch um diese galante Stunde! Sie brauchen übrigens nichts weiter zu reden. Will Rubber weiß alles! Sie wollen 'mich bitten, nichts gegen Peter Fischer zu unternehmen, nicht wahr? Hätte ich von seiner früheren Braut auch nicht anders erwartet. Er hat hier eine große Ausgabe, ohne ihn geht es nicht das wollten- Sie doch sagen, nicht wahr?"

Bittend faltet Virginia die Hände.Ja, Sie dürfen ihn nicht anzeigen, Mr. Rubber, ich bitte Sie. Wenn ihn eine Schuld trifft, dann hat er sie längst gesühnt."

Gesühnt? Wann, Miß Larsen? Womit, wenn ich fragen darf? Soviel ich weiß, ist Peter Fischer am Tage des Urteils aus dem Gefängnis ausge­brochen und aus den Staaten geflohen, hat sich also seiner (Strafe entzogen. Nennen Sie das gesühnt?"

(Fortsetzung folgt.)