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195. Jahrgang Nr. 79 Erscheint täglich, nutzer Sonntags und feiertags

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Samstag, 3 / Sonntag, 4. April 1945

^4^'WT Q Samstag, 3/

Gießener Anzeiger

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vrühlscheUniverfitätsdruckerei 8. Lange General-Anzeiger für Oberheffen 6k6en,9Sd)nlfltahe 7-4

Jff Forschung wichtig?

Bon Professor Dr. Helmut Verve, Rektor der Universität Leipzig.

In einer Zeit, da das gesamte Denken und Füh- en jedes Deutschen auf den Krieg und seine sieg- eiche Beendigung gerichtet ist, mag es manchem fernstehenden als eine Art Luxus erscheinen, daß ie Arbei t der Hochschulen in fast unoer- ündertem Umfange we.iterge führt wird. Studenten, die unter der Waffe stehen so hört r, erkalten, sofern es die Kampflage an ihrem Linsatzabschnitt irgend gestattet, einen mehrmonati­gen Studienurlaub, der sie dem Berufsexamen -äher führen soll, Mediziner werden sogar zum otutnum kommandiert, und die Forschung wird iurch eine freilich stark verminderte Zahl von Pro- sisoren, Dozenten und Assistenten in einer Weise epflegt, daß kaum ein Rückgang gegenüber Frie- enszeiten festzustellen ist. Es muß dieser Arbeit lso auch während unseres Riesenkampfes um Deutschlands Leben, Freiheit und Zukunft eine be- Mdere Bedeutung innewohnen, würde man sonst e in der angedeuteten Art gegenwärtig betreiben mb fördern? Welches jedoch diese besondere Be­deutung ist, dürfte nicht jedem Volksgenossen ge- ügend klar sein. Es seien darum hier einige Hin­reise gegeben.

Daß bestimmten Fächern, namentlich solchen aus em Bereiche der Naturwissenschaften, 'Ute kriegswichtigste Forschungsaufgaben erwachsen, egt auf der Hand. Neben den an den Techni-- chen Hochschulen betriebenen Fächern, die on vornherein auf praküsche Anwendung ausge- ichtet sind, wird man vornehmlich an Chemie n b Physik denken, ohne deren Erfindungen und rkenntnisse ein großer Teil der Kriegführung zu :anbe, zur See und in der Luft undenkbar wäre, luch von anderen Disziplinen, beispielsweise der Mineralogie, der Meteorologie, gilt ähn- ches, während die Landwirtschaftslehre i allen ihren Zweigen, die H y g i e n e, die Bak­eri ologie und manches Teilgebiet der rnedi- lnischen Wissenschaft sonst der Ernährung des deut- hen Volkes sowie der Erhaltung seiner Gesundheit tnb Schaffenskraft die wesentlichsten Dienste leisten, dabei sei von der klinischen Medizin, deren lnegswichtige Arbeit in Lazaretten und Kranken­häusern uns allen vor Augen steht, nicht besonders jesprochen, obwohl auch hier manches zu sagen iäre über die langwierigen Forschungen und müh- lligen Versuche, die notwendig sind, bis eine neue rfolgreiche Art der Behandlung gefunden, eine be- uemere und brauchbarere Prothese konstruiert, eine' isher unbekannte Operationsmöglichkeit entdeckt 'Orden ist. All das wird jeder im Hinblick auf den chtbaren praktischen Nutzen als auch in härtester riegszeit, ja eben gerade in dieser, notwendig verkennen. Aber wird nicht gleichzeitig noch un- vdlich viel Arbeit auf Forschungen verwandt, die einen praktischen Nutzen, zum mindesten keinen unmittelbaren Nutzen für die Kriegführung zu er­geben scheinen?

Bleiben wir zunächst bei den Naturwissenschaften. 11 denen auch die Medizin rechnet, so handelt es ch hier um das, was wir Grundlagen- orschung zu nennen pflegen. Der Ausdruck be- teits läßt erkennen, daß es sich hier um die Gewin­nung von Erkenntnissen handelt, welche letzte Ge- s-tzmäßigkeiten enthüllen, von denen die Natur in ihrer Substanz wie in ihren Wirkungen bestimmt vird. Solche Gesetzmäßigkeiten findet man im all­gemeinen nicht, wenn man bloß einem praktischen, nützlich anzuwendenden Ergebnis nachsagt oder gar von der Nutzanwendung her die wissenschaftliche Frage stellt. Nur wem es um die Erkenntnis der Ütatur an sich zu tun ist, wer von der echten For- sÄerleidenichaft nach Entschleierung ihrer Geheim­nisse erfüllt ist, dessen zähem und entsagungsvollem bemühen gibt sie sich zu erkennen. Die großen Er- 1 findungen, von denen unsere technische Kriegführung heute lebt, gehen letztlich zumeist auf Untersuchun- pen zurück.'die kein anderes Ziel hatten, als das Ucihre und Wirkliche zu ergründen, unbekümmert ; um die praktische Verwertbarkeit des Ergebnisses.

Rurden dann Ergebnisse gefunden, die sich als von größter praktischer Wirkung erwiesen man denke fln die Röntgentstrahlen, so waren es häufig n cht die eigentlichen Entdecker, welche diele Aus­wertung vornahmen und sich damit selbst Reich­tümer erwarben. Das überließen fve anderen, ihnen . war es aenuq. Neues gefunden. Wahres erkannt zu haben. Wollte man auf diese schöpferischen Men- Rien verzichten, die in der Stille von Studierstube lnd Laboratorium, von manchen verkannt oder gar brlächelt. Geist, Kraft und Gesundheit an die sie be- h^rrlch-^de Idee l"^en, es wäre, als nahm» man einem Baurn die Wurzeln und erwartete doch, daß ' er w"iterwachse. Daimm 'ft G^nndla'"'nfarlchu''a wich heute eine unabdingbare Notwendigkeit. Die Üeorefsiche Erkenntn's von b-"'te ist d"r vraktilche Nutzen von morgen. Des deutschen Forschers Ruhm ; Qi*er war es von je, schöpferisch zu arbeiten, und dies muß, auch wenn zu wünschen steht, daß er sich künstig weniger als bisher die Früchte seiner Er- i kinntvis von geschäftigen Nutznießern entreißen i Itffe, stets sein Ruhm bleiben, soll die W'rtlchaft ncht öder Verflachunn und damit am Ende auch pralst'scber Ennebnislosiak-'it verfallen.

Wer dies bedenkt, wird nicht nur die Naturwisien- , Lasten, sondern vor allem die Geisteswiilen- bf) a f t e n , zu denen wir Geschichte. Iurisnrudein, I- Lnrach- und K""urmisfenf't>af^en stellar Art rech- j 11 n. in ihrer B"deutung richtiger einschätzen als es l »telfarh neschieht. Unter dem Gesichtsm'nkt bloßer ^weckforlchuna müßten sie heute zurück^rettn. m | jenem tieferen Sinne jedoch, von dem die Rede war.

bkonfn'ischen sie einen hohen Rang. Das echte wis- icnlch^stliche Ringen um Erkenntnis der aeist'^ Grundlagen unterer eigenen Eriftenz ermeiO stch, ünlich wie die Grundlaaen^orschuna in der Na^ur- \ « ssenschaft, als ein nur scheinbar leb-niemes Ne- | >riihen. In Wahrheit werden hier die Werte un^e- nr Kultur gleich einem Schatz aehahen. ae^utert |-th.b nuhhar gemacht für den netftiaen K^muh der

-)fute zwischen Deutschland und fernen ^m^n k^'M iünber Heftig tobt als der Kampf der Waffen. Was

wir einer teils bolschewisierten, teils amerikanisier­ten Welt entgegenzusetzen Haben an kultureller UeberlegenHeit, liegt in der Kunst und in den Ge­halten der Geisteswissenschaft beschlossen, die wohl der stärkste und wirksamste Ausdruck unseres kultu­rellen Bewußtseins sind. Das deutsche Volk wird seinen geistigen Führungsanspruch in Europa und über die Grenzen unseres Erdteiles hinaus nur durchsetzen können, wenn es auch auf diesem Feld seine UeberlegenHeit, die bisher unbestritten war, er­hält und nach Möglichkeit steigert. Das ist kaum minder wichtig als neue physikalische oder chemische Erfindungen.

Der Sinn der Jugend freilich, von den sichtbaren Erfolgen der Technik angelockt, fühlt sich weniger zu den Geisteswissenschaften hingezogen, so daß die Frage des Nachwuchses, die selbst für die Na- turwissenschaften heute eine ernste ist, hier geradezu gefährlich zu werden droht. Man sieht nicht, wie bei­spielsweise der Bedarf an Lehrern in Zukunft auch nur einigermaßen gedeckt werden soll. Möchten sich alle,, denen die entsprechenden menschlichen Eigen-

Der Wehrmachtbericht vom 2. April verzeichnet einen Gesamtabschuß von 1267 sowjetischen Flug­zeugen im Monat März. Das ist ein Tagesdurch­schnitt von 41 Maschinen. Im Januar wurden (nach dem Wehrmachtbericht vom 4. Februar) 832 und im Februar (noch dem Wehrmachtbericht vom 3. März) 886 Sowjetflugzeuge heruntergeholt. Es ist daher int März eine Erfolgssteigerung um rund 50 v. H. eingetreten, wobei die Besserung des Flugwetters, auch die Verlängerung der Tages­dauer wirksam geworden sind. Bei der Rückerobe­rung von Charkow und des Raumes bis zum Donez hat die Luftwaffe eine hilfreiche Rolle ge­spielt, die in den Wehrmachtberichten ebenso her­vorgehoben wurde wie die Störungen des feind­lichen Aufmarsches und Nachschubs.

Der Wehrmachtberichi.

DRV. Aus dem SühterhauptquarHer, 2. April. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Gegen die Front südlich des Ladogasees führte der Feind in mehreren Wellen vorgetragene starke Angriffe, die im Abwehrfeuer oder in Rah- kämpfen vor unseren Stellungen zusammenbrachen.

An der übrigen Ostfront nur geringe örtliche Kampftätigkeit.

3m Marz verloren die Sowjets 1267 Flugzeuge, hiervon wurden 1028 in Luft- kämpfen, 143 durch Flakartillerie der Luftwaffe und 36 durch Truppen des Heeres abgefchoffen, die übrigen am Boden zerstört.

3n Tunesien waren die feindlichen Angriffe gestern schwächer als an den Vortagen. Mehrere Vorstöße nordamerikanischer und britischer Kräfte gegen die mittel- und südtunesische Front wurden abgewiesen. Deutsche und italienische Truppen er­zielten durch örtliche Angriffe Stellungsverbesse­rungen und vernichteten abgeschnittene feindliche Gruppen.

Deutsche 3 äger schossen über dem tune­sischen Kampfraum und bei Kreta zehn

Dieser Bericht ist der letzte des am 18. !Mrz 1943 gefallenen Kriegsberichters Hermann Kohler.

PK. Im Osten, im März 1943. Gibt es eine vielseitigere Waffe als die Flak? Schon im reinen Kampf gegen feindliche Flugzeuge ergänzen die gro­ßen und die kleinen Kaliber ihrer Geschütze sich ge­genseitig aufs wirkungsvollste. Hier an der Front aber hat die Flak kleine Kampftrupps ge­bildet, die sich jeweils aus einigen schweren und leichten Geschützen zusammensetzen und denken gleich drei Auf gab en auf einmal gestellt sind: Die Panzervernichtung, die Verteidigung gegen Luftan­griffe und die Bekämpfung ferner Erdziele.

Unser Kampftrupp sicht am Ausgang eines lang­gestreckten Reihendorfes. Vor den Rohren der Ge­schütze fließen zwei flache Talsenken zusammen, die beide aus der Richtung vom Feind her kommen und zwischen denen sich eine breite Höhe in sanfter Wöl­bung dehnt. Dort oben verläuft die Kampflmie der Infanterie, eingepickelt in die gefrorene Erde, hinter dicken Mauern von Schnee und Eis.

Am Vormittag waren vier sowjetische Panzer gemeldet: in großem Bogen waren sie an unserer Stellung nach Süden vorbeigefahren, wo sie dann einer Sturmgeschützbatterie in die Arme liefen. Mit Panzern können wir also heute offensichtlich nicht mehr rechnen. So stapft der Be­obachtun gsoffizier des Kampstrupps mit feinen zwei Funkern vor in den Jnfanteriegraben, schlägt dort seine 6-Stelle auf und eröffnet das Feuer der beiden schweren Geschütze gegen die Pak- Teilungen der Sowjets, die die Kampf­stände und Laufgräben dauernd mit ihrem Feuer bestreichen. Granate um Granate jagen die Kano­niere aus den Rohren, daß die massigen Sockel auf dem vereisten Grund sich bockend schütteln. Man hat es den Flakartilleristen nicht an der Wiege gesun­gen, daß sie einmal auf unsichtbare Ziele schießen müßten; für sie war es immer selbstver­ständlich gewesen, daß sie jedes Ziol aus d e k - kungsloser Stellung im direkten Be­schuß anzurichten hatten. Aber nun hat die Ent­wicklung des Krieges ihnen auch noch beigebracht, nach den Weisungen eines kilometerweit oorgeschobe->

schäften und gersttgen Anlagen eignen, prüfen, ob sie nicht im Bereiche der Geisteswissenschaften am besten ihrem Volke dienen können, damit nach dem endgültigen Siege der Waffen die kulturelle Größe Deutschlands keine geringere sei als die militärische und politische! Es geht um die Weltgeltung unseres Volkes. Daß in dieser Hinsicht^ zur Zeit von allen verfügbaren Kräften an den Hochschulen gearbeitet wird, davon zeugt neben zahlreichen Einzelerschei­nungen das von der Deutschen Forschungsgemein­schaft getragene Unternehmen desKriegseinsatzes der Geisteswissenschaften". In groß angelegter Ge­meinschaftsarbeit sind hier innerhalb zweier Jahre eine ganze Anzahl monumentaler Werke geschaffen worden, eine imponierende Bekundung der geistigen Fruchtbarkeit und kulturellen Kraft Deutschlands im Kriege.

So arbeitet die Wissenschaft und im besonderen die Hochschule auf den verschiedensten Gebieten an Aufgaben, deren gewaltige Bedeutung für Gegen­wart und Zukunft keinem tiefer Blickenden ent­gehen kann. Der ganze Wert dieser Arbeit wird freilich erst nach Ende des Krieges zutage treten. Und es wird sich dann noch deutlicher erweisen, daß die deutsche Forschung heute einen gewiß nicht kleinen Anteil an der materiellen und ideellen Füh­rung unseres Lebenskampfes trägt.

3m März 1267 Sowjrlffogzeoge vernichtet.

Drei Geschähe und drei Abschüsse.

Von Kriegsberichter Hermann Kohler.

feindliche Flugzeuge ab. Ein eigenes Flugzeug ging verloren.

Tagesvorstöße schwacher feindlicher Fliegerkräfte richteten sich gegen die besetzten Westgebiete und die Stadt Trier. Vier Flugzeuge wurden abgefchoffen.

Hohe Auszeichnungen.

Für die Generalobersten Model und Ri ter von Greim.

DNV. Aus dem Fübrerbauptquarlier, 3. April. (Funkspruch.) Der Führer verlieh das Eichen laub mit Schwertern zum Ritter­kreuz des Eisernen Kreuzes an Generaloberst 2U o - del, Oberbefehlshaber einer Armee. Der Führer sandte an Generaloberst Model folgendes Tele­gramm:3m Ansthen 3hres immer bewährten Heldentums verleihe ich 3hnen als 28. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub mit Schwer­tern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Adolf Hitler."

Das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verlieh der Führer an General­oberst Ritter von Greim, Befehlshaber eines Luftwaffenkommandos. Der Führer sandte an Ge­neraloberst Ritter von Greim folgendes Telegramm: 3n dankbarer Würdigung 3hres heldenhaften Ein­satzes im Kampfe für die Zukunft unseres Volkes verleihe ich 3hnen als 216. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub zum Rilerkreuz des Eisernen Kreuzes. Adolf Hitler."

König Boris von Bulgarien im Zührerhauptquariier.

DRV. Aus dem Führerhauptquartier, 2. April. Der Führer empfing am 31. März in Anwesenheit des Reichsauhenministers von Rib­bentrop König Boris von Bulgarien und hatte mit ihm eine lange und herzliche Aussprache, die im Geiste der traditionellen Freundschaft zwischen Deutschland und Bulgarien verlief.

nen Auges zu schießen, und sie tun es mit Erfolg. Die sowjetische Pak in dem Wäldchen hinter dem Dorf ist still geworden; eines ihrer Geschütze ist ein­wandfrei vernichtet.

Da heult- plötzlich Motorengeräusch zwischen den Abschüssen auf, und im gleichen Moment erscheinen auch schon sechs sowjetische Schlachtflie­ger über den niedrigen Strohdächern des Dorfes. Fast scheint es, als wollten sie den Starenkasten mitnehmen, der an hoher Stange am Giebel der nächsten Scheune hängt, so tief kommen sie, Kette um Kette, und spritzen die Stellungen mit den Gra­naten ihrer Bordwaffen ab. Auf einen Schlag haben die leichten Geschütze ihr Feuer eröffnet, donnernd überflogen von den Maschinen, die wendend Hoch­ziehen und von neuem zum Angriff übergehen. Wieder lassen die Kanoniere den Feuerhagel über sich ergehen; da schleppt eine der Maschinen eine schwarze Fahne hinter sich her. Als der Pulk zum drittenmal über der Stellung erscheint, sind es nur noch fünf, die sechste wurde am nächsten Tag von den Grenadieren des benachbarten Regiments ge­funden.

Am Nachmittag wie-derholten die Bolschewisten ihre Angriffe. Wiederum heulten sechs stahlgepan- zerte IL 2 über das verlassene Dorf und feuerten auf die Handvolk Männer an den paar Geschützen. Da sank der Führer des einen Geschützes, der sich für den ersten Anllug selbst an die Kanone gesetzt hotte, zu Boden. Schnell sprang der Richtkanonier auf den Sitz, schoß weiter und weiter, denn ohne Unterbrechung griffen wie ein aufgeschreckter Wes­penschwarm Die Flieger an.Kann dir die Hand nicht reichen ..." Ehe die Männer Zeit fanden, ihren Kameraden aufzufangen, hatte der Unteroffi­zier neben seinem Geschütz das Leben ausgehaucht. Als der Kampf zu Ende war, trugen sie auch vom zweiten Geschütz einen ihrer Kameraden fort, der seine Treue mit dem Tode besiegelt hatte.

Zwei seiner Männer hatte der Führer der leichten Geschütze verloren, ein dritter war schwer verwun­det. Und trotzdem leuchteten alle Augen, denn sie waren Sieger geblieben, abgeschlagen zogen sich vier der Angreifer zurück, die beiden letzten lagen zerschellt im weiten Blachfeld.

SKhpunküinperialismiis.

Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten mar im 19. Jahrhundert noch jeder Weltpolitik durchaus abhold. Sie fußte auf dem Grundsatz einer deut­lichen Abgrenzung der Machtsphären, wie es auch der ursprüngliche Sinn der berühmten Monroe- Doktrin gewesen war, und stand damit der sich über alle Meere und Kontinente erstreckenden Stütz­punktpolitik diametral entgegen, wie sie für Ent­stehung und Bestand des auf Seemacht beruhenden britischen Imperiums charakteristisch war. Die Monroe-Doktrin beruhte daraus, daß die Vereinig­ten Staaten jede frembe Einmischung in die ameri­kanische Sphäre als Angriff auf ihr eigenes In­teressengebiet betrachteten, anderseits aber auch ver­sprochen, ihre eigene Machtsphäre nicht in fremde Räume auszudehnen und sich der Einmischung in die Streitigkeiten der europäischen Mächte zu ent­halten. Erst diese Gegenseitigkeit gab der Monroe- Doktrin ihr moralisches Fundoment und ihre Bedeutung als ordnendes Prinzip. In der Zeit des' Dollarimperialismus, als das Finanz­kapital der Vereinigten Staaten- zuerst in Mittel­und Südamerika, dann aber auch in China, in Afrika, dem Nahen und Mittleren Osten und schließ­lich auch in Europa Betätigung suchte und für seine Interessen die Unterstützung seiner Regierung for­derte, wurde die Monroe-Doktrin ihrer Gegen­seitigkeit entkleidet und zum Machtinstrument eines räumlich unbeschräntten, kraß universal gerichteten Herrschaftsanspruches umgefälscht. Die Annexion von Hawai mitten im Stillen Ozean, fast 4000 km von der Küste Nordamerikas entfernt, und die im gleichen Jahre 1898 erfolgte Wegnahme der bisher den Spaniern gehörenden Philippinen mitten in der Inselwelt Südostasiens bezeichnen auch nach außen hin die entscheidende Wende in der Aus­legung der Monroe-Dokttin und gleichzeitig die Ge- burtsstunde einer nordamerikanischen Stützpunkt­politik größten Stils. Daß sie und die britische Früchte vom gleichen Baum des Imperialismus sind, zeigt sich auch in dem gleichen Bemühen, eine reine Machtpolitik mit moralischen Absichten zu verbrämen. So erklärte der Präsident Mc Kinley, um den Raub der Philippinen zu begründen:Gott hat den Vereinigten Staaten die Pflicht auferlegt, den unter der spanischen Mißregierung verdummten und entarteten Filipinos die Segnungen wahrhaft christlicher Kultur nahezubringen." Es sind die glei­chen Filipinos, deren nationale Aktivisten sich noch jahrzehntelang gegen die Herrschaft der Vereinigten Staaten gewehrt haben und nun die Japaner als Befteier begrüßten. Aber schon damals gefielen sich die Nordamerikaner in der Pose des purita­nischen Heilbringers, der den Auftrag hat, überall die wahre Kultur und das wahre Christentum hin­zutragen, wo die Kapitalanlagen Wallstreets und die machtpolitischen Interessen der Vereinigten Staaten eine Festsetzung zweckdienlich erscheinen lassen. Es ist die gleiche arrogante Anmaßung und die gleiche zynische Vermanschung von Moral und Geschäft, die Wilson und Roosevelt zu Schrittmachern des amerikanischen Jahrhunderts" gemacht haben, das allen Völkern Friede, Freiheit und Wohlstand durch Verwirklichung des amerika­nischen Weltherrschaftsanspruches bringen soll.

Der nordamerikanische Seekriegshistoriker (£Op­tant Mahan hat in seinem epochemachenden Buch: Der Einfluß der Seemacht auf die Geschichte", das um die Jahrhundertwende erschien, seinen Lands­leuten am Beispiel des britischen Imperiums vor 2lugen geführt, daß Seemacht die Voraussetzung für eine Weltherrschaft sei und eine starke Flotte und ein ausgedehntes Netz von Stützpunkten die beiden Komponenten einer weltbeherrschenden See­macht darstellen. MahM hat in Roosevelt einen gelehrigen Schüler gefunden. Nichts hat jemals so sehr das uneingeschränkte Interesse des Präsiden­ten gefunden wie die Marine. Es rührt aus der Zeit her, da er als Belohnung für feine Dienste bei der Wahl Wilsons, für den er feine guten Be­ziehungen zu den in der Neuyorker Bankwelt maß­gebenden Juden Schiff und Morgenthau einspannte, von dem Präsidenten zum Unterstagtssekretär im Marinedepartement gemacht worden war und dies Amt von 1913 bis 1920, also auch während des er­sten Weltkrieges, bekleidete. Seitdem hat ihn der Glaube an die absolute UeberlegenHeit der See­macht über die Landmacht veranlaßt, der USA.- Kriegsmarine seine stärkste Förderung zuteil wer­den zu lassen. Seine über alle Meere und Kon­tinente hinausgreifende Stützpunktpolitik geht auf die gleiche Wurzel zurück. Das Schicksal des briti­schen Empire, das zeigt, wie die unter dem Einfluß von U-Boot und Luftwaffe sich abzeichnenden see- strateaischen Wandlungen auch die Bedingungen für die Behauptung einer sich auf lange Seeverbindungs­wege und über den ganzen Erdball verstreute Stützpunkte gründenden Weltherrschaft grundsätzlich gewandelt haben, hat den Präsidenten nicht abge­schreckt, sondern eher ermuntert, mit Hilfe der über­all abbröckelnden Steine des auseinanderfallenden brittschen Empire mit der gleichen Methode wie England, also durch eine starke Flotte und weitge­spannte Stützpunktpolitik ein neues Imperium zu bauen, das amerikanische, um ihm die Weltherr­schaft zu erzwingen.

Unter diesem Aspekt wird verständlich, daß Roose­velt zu den britischen Kolonien im Westatlantik griff, als ihm schon vor dem formellen Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg Englands Be­darf an Zerstörern die Gelegenheit eines wvhl in der Geschichte beispiellosen Tauschgeschäfts bot. Eng­land hat in diesem seltsamen Handel auf Inseln verzichtet, die zu seinem ältesten und wertvollsten Kolonialbesitz gehörten. Daß sie nur zu militärischen Zwecken verpachtet worden seien, ist ein frommer Selbstbettug jener Briten, die den Traum vom weltumspannenden Empire noch immer nicht aus­geträumt haben. Von amerikanischer Seite ist jeden­falls immer wieder in ganz eindeutiger Weise und von autoritativer Stelle klargelegt worden, daß die Vereinigten Staaten nicht daran denken, diese westatlantischen Inseln, die in langer Kette von der kanadischen Grenze bis in die Karibische See ihrer Küste norgelaaert sind, jemals wieder heraus­zugeben. Damit erfüllt der jüngere Roosevelt das