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Bulgariens Treue zum Dreierpakt.

Berlin, 2. März. (DNB.) Zur Wiederkehr des Jahrestages des Beitritts Bulgariens zum Drei­mächtepakt hat K ö n i g B o r i s an den Führer das nachstehende Telegramm gerichtet:Anläßlich der Wiederkehr des historischen Tages, an dem vor zwei Jahren Bulgarien dem Dreimächtepakt beigetreten ist, übermittle ich Ihnen, Führer, meine und des Ihnen tiesst dankbaren bulgarischen Volkes herz­lichste Glückwünsche. Ich verbinde damit im Geiste der langjährigen festen Freundschaft und treuen Verbundenheit unserer Nationen die aufrichtigsten Wünsche für Ihr persönliches Wohlergehen und für das Glück des heldenhaften deutschen Volkes und seiner im stolzen Kampfe um eine gerechtere Welt­ordnung eingesetzten siegreichen Waffen. Boris.

Der Führer hat darauf wie folgt geantwortet: Für die mir /zum Jahrestag des Beitritts Bul­gariens zum Dreimächtepakt telegraphisch ausge­sprochenen Glückwünsche sage ich Eurer MaMat meinen aufrichtigen Dank. Erfüllt von der festen Zuversicht auf unseren Endsieg und eine gerechte Neuordnung der Welt erwidere ich Ihre Gruße mit meinen herzlichen Wünschen für das Gedeihen des uns durch langjährige Freundschaft verbundenen bul- garischen Volkes und für Ihr persönliches Wohl- ergehen. Adolf Hitler." *

Bulgarien trat dem Dreimächtepakt Anfang März 1941 bei: in einem Augenblick, als auch der Beitritt des damaligen Südflawiens spruchreif war. Dann überstürzten sich die Dinge. Die südslawische Regie­rung wurde gestürzt. Der Putsch des Generals Si- mowitsch veränderte blitzartig das Gesamtbild. An­fang April folgte der Balkanfeldzug, und Bulgarien,

das nach dem ersten Weltkrieg in dem Diktat von Neuilln auf einen Raum von rund 100 000 Quadrat­kilometern mit etwa 6,4 Millionen Einwohnern zu- rückgeworsen worden war, gewann einen Gebiets­zuwachs, der den räumlichen Umfang Bulgariens auf 152 000 Quadratkilometer und feine Einwohner­zahl auf 8,4 Millionen anwachsen ließ.

Dieser jähe Szenenwechsel von Anfang März bis Ende Mai 1941 gibt eine Vorstellung von der au­ßerordentlichen Regierungsleistung, die König Bo­ris III. von Bulgarien vollbracht hat. Im Herbst dieses Jahres ist ein Dierteljahrhundert vergangen, seit dem er unter den schwierigsten Verhältnissen die Krone übernahm, die kein leichtes Geschenk ge­wesen ist. Er folgte seinem Vater Ferdinand I. am 3. Oktober 1918 auf den bulgarischen Thron. Aber Bulgarien stand politisch und wirtschaftlich vor dem Ruin. In der Maske des Bolschewismus griff das Moskowitertum nach Bulgarien, das den heiß be­gehrten Meerengen so eng benachbart ist. König Boris hat in den fast 25 Jahren seiner Regierung alle Tücken der offenen und der unterirdischen Feind­schaft des Bolschewismus auskosten können. Zwei Attentaten entging er nur wie durch ein Wunder. Am 14. April 1925 überfiel eine bewaffnete Bande sein Auto, wobei zwei seiner Begleiter den Tod fan­den, und kurz darauf wurde das gräßliche Attentat in der Kathedrale von Sofia versucht, das über 150 Tote und 200 Verwundete als Opfer forderte. Mit ruhiger und fester Hand, mit unermüdlicher Geduld führte Boris III. fein Land durch Liese Wirren. Als sich die Parteien wirtschaft auch in Bulgarien un­fähig zur Lösung lebenswichtiger Probleme zeigte, begründete der König 19$5 eine autoritäre Regie­rungsform.

Oer britische Export unter dem pacht- und Leihabkommen.

Genf, 3.März. (DNB.-Funkspruch.) Als ,M größte Laus, die sich die Engländer i n d e n Pelz g e s e tz haben", bezeichnet die britische Wirt- schastszeitschriftThe Statist" das Pacht« und Lei Habkommen. Wir haben von Anfang an daraus hingewlesen, so schreibt das Blatt, wie ent­scheidend sich die amerikanische Konzeptton vom Um­fang des Pacht- und Leihprogramms auf di e bri­tischen Exportindustrien auswirken muß. Eine sogar noch bedrohlichere Entwicklung hat sich während des letzten Jahres ergeben. Die USA. sind in den Besitz vieler wichtiger Luftstützpunkte der Welt gekommen. Großbritannien war im 19. Jahrhundert nur deshalb imstande, sein Empire auf­zubauen, weil es im Besitz der notwendigen Kotz- len station en und Flottenstützpunkte war. Das 20. Jahrhundert hat sich bereits als das Jahrhundert des Lufttransportes erwiesen. Es kann nun nicht behauptet werden, daß Großbritannien im Jahre 1943 ebenso günstig placiert ist, um im Wettbewerb um den Weltlüftverkehr bestehen zu können, wie sein Freund und Rivale jenseits des Atlantik. Es ist dies eine ernste Angelegen­heit für unsere ganze Rattan. Wer das Trans­portsystem der We'lt beherrscht, beherrscht noch viel mehr, nämlich auch den Welthandel.

In dem gegenwärtigen Planungsrummel würde man gut daran tun, fachmännische Aufmerksamkeit einem Plan zu widmen, der sicherstellen würde, daß weder das Pacht- und Leihabkommen, noch die vaaen Bestimmungen des Atlantikabkommens die britische Zivilluftfahrt und die britischen Exportindustrien nach dem Kriege ihrer Prosperität berau­

ben werden, in jener Zeit also, in der die Welt ein vollkommenes Paradies fein soll,. mit Ausnahme vielleicht für jene, deren Existenzen im voraus durch politische Abmachungen und Manifeste, sowie durch in der Panik verzweifelter Kriegslagen eingegangene Provisorien gefährdet sind. Wenn schon geplant wer­den soll, so wäre es, meintStatist", zweckmäßig, wenn man die kriegsmäßigen Erfordernisse mit den Nachkriegsnotwendigkeiten unserer Industrien, und beides außerdem mit den viel zu nebelhaften Ver­pflichtungen abstimmen würde, die unsere Staats­männer notgedrungen gegenüber ihren Verbündeten eingehen mußten.

Amerikas Streben nach der Lusttherrfchast.

L4ffabo n, 2. März. (Europapreß.) Das Gegen­stück zu den nord amerikani schen Plänen der Einrich- hing eigener Flughafen im Raume des Pazifik bil­det das Bestreben des Staatsdepartements nach Ausschaltung aller nichtamerikani- s ch e n F l u g l i n he n i m K a r 4 b i f ch e n Meer. WiePhiladelphia Jnquirer" ausführt, werde von diesen Plänen eine Anzahl von LustliNie-n betroffen, die sich in britischem, braManischem und holländi­schem Besitz befinden. Während noch im September 1942 eine Ausdehnung der karibischen Luftfahrt durch das Staatsdepartement gewünscht worden sei, widersetze sich das Staatsdepartement heute of­fensichtlich einer Zulassung neuer Dienste im kari­bischen Gebiet aus Furcht, daß diese Entwicklung die USA.-Kontrolle der Ueberseeluftwege nach dem Kriege behindern könne.

daß auch ihre Summe gehört werde und rn der Politik der gemeinsamen Regierung Ausdruck finde. Im Volk besteht keine erdrückende Mehrheit der Konservativen. England kennt nicht -das Verhält- niswahlrecht. So kommt es, daß die Konservativen zwar mehr als doppelt so viel Mandate haben als die Labour-Partei, daß aber 1935 10% Millionen Konservativensiimmen 8,3 Millionen Wählern der Labour-Partei gegenüberstanden. Bei einer Neuwahl würde daher ein geringer Stim­menzuwachs in vielen Wahlkreisen genügen, um den Labourkandidaten zum Siege zu verhelfen. Vielleicht ist diese Stimmenmehrheit heute schon vorhanden, aber sie kann keinen Ausdruck finden, weil in Eng­land nach alter Tradition während des Krieges nicht gewählt wird. _ ,,

Die heutige Regierung, welche formal eine Koali­tion, in Wahrheit aber ein konservatives Kabinett ist, regiert also auf Grund eines Man­dates, welches nach demokratischen Grundsätzen l ä n g st e r l o s ch e n ist. Dieses ist sowohl den Kon- servativen wie der Labour-Partei bekannt. Während jene aber nach dem englischen SprichwortMach' Heu, solange die Sonne scheint" verfahren, sammelt sich bei dieser eine Bitterkeit an, welche durch die Erkenntnis der eigenen Ohnmacht nur noch verstärkt wird. Nach außen ist dieser Gegensatz bisher kaum hervorgetteten. Die Pflichten der Koalition schlossen der Labour-Partei den Mund. Gewiß brachte der Parteikongreß im Juni v. I. einige heftige Angriffe S die konservative Tyrannei, aber über den

len des Kongresses hinaus erhielten sie keine Bedeutung. Radikale Mitglieder der Partei, vor allem Aneurin B e v a n und Emanuel S h i n w e H unternahmen manchmal im Unterhaus einen Vor­stoß, doch schossen sie meist, getrieben von der Maß­losigkeit ihres Grolls, weit über das taktische Ziel hinaus. ,

Die eigentliche Schwäche der Lmksopposition lag nämlich nicht einmal in ihrer zahlenmäßigen Unter­legenheit, sondern in dem Umstand, daß sie keinen Gegenstand hatte, um welchen sich ihre Kritik gegen die Churchill-Regierung in einer für den kleinen Mann begreiflichen Weise kristallisieren konnte. Diesen hat jetzt Sir William Beveridge mit seinem Reformplan geliefert. So unverständlich das den Engländern sein mag, so wichtig ist es zu be- rücksichtigen, daß der Plan in England tatsächlich als revolutionär betrachtet wird, weil er dem Staat zum erstenmal in der englischen Geschichte soziale Pflichten auferlegt, die in anderen Ländern schon vor der Jahrhundertwende vor­handen waren. Dieser Umstand ist der Schlüssel zum Verständnis der ganzen Krisis um den Beveridge- Plan. Es wäre nicht das erste Mal, daß ein harm­loses Schriftstück unverhältnismäßig große politische Bedeutung erlangt.

In der Beveridge-Debatte zeichneten sich die fünf- ttgen Fronten erstmalig ab. Alle Abgeordneten, die das Wort nahmen, legten damit zugleich ein Be­kenntnis zu ihrer Haltung in der Zukunft ab. lieber» rafchend groß war die Zahl der Konferv-ati - nen, welche sich zum Fortschritt bekannten. Der 35jährige Vertreter der Universität Oxford, Quint in Hog»g, sagte, wenn die Regierung dem Volk nicht soziale Reformen gebe, so würde das Volk der Re­gierung die soziale Revolution geben. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Lieser Satz die Devise der Pro­gressiven bei den ersten Parlamentswahlen nach dem Kriege werden wird. Der Umstand, daß die Konservattven geschlossen für die Regierung stimm­ten, kann irreführend wirken. Die Konservativen haben sich der Parteidisziplin gefügt, weil sie keinen Sinn darin sahen, nur eine Rebellengeste zu machen.

Nachdem die Fraktion der Labour-Partei beinahe geschlossen gegen die Regierung gestimmt hatte, erklärten die Labour-Minister, es sei ihnen nicht mehr möglich, in der Regierung zu bleiben, wenn ihre eigenen Anhänger die Politik der Regie­rung mißbilligten. Einen Tag lang sah es so aus, als sollte die Koalition schon jetzt gesprengt werden. Die persönlichen Vorstellungen Churchills veranlaß­ten aber die Minister der Labour-Partei zum Blei­ben. Damit ist allerdings der Schein gewahrt, aber mehr auch nicht. Die Koalitionskrise ist nicht gelöst, sondern nur vorübergehend Überbrückt. Die Labour- Minister haben ihrer Partei erklärt, es müsse Einig­keit zwischen Fühung und Gefolgschaft in der Par­tei herrschen. Die Alternative ist allerdings nicht un­bedingt das Ausscheiden der Labour-Partei aus der Regierung, Arbeitsminister B e v i n hat vielmehr gedroht, er würde notwendigenfalls aus der Partei ausscheiden, um der Regierung weiterhin angehören zu können. Die Labour-Partei wird sich wahrschein­lich fügen, um nicht in diesem entscheidenden Sta­dium des Krieges eine innenpolitische Krisis heraus- zuführen, aber die Regierung ist sich der Scheidung der Geister bewußt. Mehr als das, sie ist von ihr selbst ergriffen worden. Bis ins Kriegskabinett hin­ein reicht der Gegensatz zwischen Reaktion und Fort­schritt. Allerdings tritt er hier weniger hervor. Das Gefühl der Verantwortung, in manchen Fällen wohl

auch das Wohlgefühl, welches Sitz und Stimme im Kabinett verleihen, läßt die Einigkeit größer er­scheinen als sie ist. Bisher ist es auch gelungen, den Schein zu wahren. Die von Beveridge heraufoe- schworene Koalitionskrise ist durch Churchills inner­politische Allmacht überbrückt worden, aber eins hat die Krise jedenfalls klar gemacht: Der Gedanke, Laß die politische Einigkeit über das Kriegsende hinaus gewahrt werden könne, ist eine Illusion. Die Koa­lition mag bis dahin fortbestehen, ihre Voraus­setzungen sind bereits.heute nicht mehr vorhanden.

Keine schnelleren Schiffe.

Stockholm, 3. März. (DNB.-Funkspruch.) Im Oberhaus erklärte Lord Winster, daß die Fahrge­schwindigkeit der britischen Handelsschiffe zu wün­schen übrig lasse. Churchill sei. viel zu öptimistisch gewesen. Die Handelsschiffe seien wegen ihrer zu langsamen Fahrt Torpedoangriffen stärker ausge­setzt. Man habe auch nicht genügend Schiffe, um

ständig Geleitzüge zusammenzustellen. Außerdem entständen dadurch Verluste, daß die schneller fahren­den Schiffe im Geleitzu^ ihre Geschwindigkeit herab­setzen müßten. Es sei ein Fehler, daß der Schiffbau ausschließlich der Admiralität überlassen werden müsse. Der Minister für Handelsflotte, Blockade und Verkehr, Lord Leathers, antwortete, daß es nicht möglich fei, nur Schiffe ^mit höherer Fahrge­schwindigkeit zu bauen, da man dadurch den ganzen Produtttonsplan umwerfe. Es rvürde auch nichts nützen, Schiffe zu bauen, die schneller fahren, als die Geleitzüge im allgemeinen. Künftig werde das Gewicht bei den neu zu bauenden Schiffen mehr auf Tanker als auf gewöhnliche Handelsschiffe gelegt werden.

Oie Regierungsbildung in Finnland.

Helsinki, 2. März. (DNB.) Staatspräsident R y t i hat, nachdem die Regierung Rangell aus Anlaß der Wiederwahl des Staatspräsidenten üb-

Idealisten bis zum Tode."

Die Kämpfe des Grenadier-Regiments

Feldherrnhalle".

NSK. Wo die Umgebung Berlins fast unmerklich in das Bild bäuerlicher märkischer Landschaft über- geht, begegnen wir zwei Männern, die sich mit bem SA.-Abzeichen am Rock und dem Rekrutenkoffer in der Hand als Nachwuchs des Grenadier-Regiments Feldherrnhalle" ausweisen, dessen Ergänzungen truppe und Genesenden-Kompanie^ hier draußen liegt. Als das erste Luftlandere^iment gebi&et wurde, holte sich Reichsmarschall Goring die wage- mutigen Männer aus dieser SA.-Eircheit, deren Chef er ist. Ihre Heldentaten bei Eben Emael, in )ol- lanL und auf Kreta sind schon in die Geschichte ein­gegangen. Aus Len bei Kriegsbeginn noch vorhan­denen Restbeständen der Standarte wurde zusam­men mit Freiwilligen aus der SA. ein Jnfanterie- bataillon gebildet, das sich im Westen und Osten überall an entscheidenden Brennpunkten den Ruf eines der heldenmütigsten Stoßbataillone erworben hat. In den schweren Winterkämpfen im Osten hat es unter dem Ritterkreuzträger, SA.-Oberführer Oberstleutnant B ö h m e, bis zur Selbstaufopferung gestritten. In Anerkennung dieses und des Gesaint- einsatzes der SA. an der yronf verlieh der Führer dem Regiment, in welchem das BataillonFeld­herrnhalle" focht, die Bezeichnung Grenadier-Regi­mentFeldherrnhalle".

Im Osten war es auch, wo Sturmbannführer Evers als Kompanieführer das Ritterkreuz er­hielt. Der eigene Angriff war steckengeblieben. E hatte mit seiner Kompanie die Flanke zu sichern Er umging den feindlichen Flügel und rollte die von weit überlegenen Kräften gehaltene sowjetische Waldstellung auf, so daß der Angriff wieder in Schwung kam und am gleichen Tage einen erheb liehen Raumgewinn einbrachte.Gewiß", sagt Sturmbannführer Evers,wenn es schief gegangen wäre, würde von uns nichts mehr übriggeblieben - sein. Aber ich wußte auch, daß ich von meinen Män­nern mehr als Las möglich Erscheinende verlangen konnte."

Erhebend sind die Beispiele, wie diese SA.-Män- ner in den Tod gingen. Der Unteroffizier N. ging vor dem Verlassen der Stellung zum Angriff zu seinem Hauptmann und sagte ruhig:Herr Haupt mann, ich komme nicht wieder. Ich habe einen Bkjef an meine Mutter geschrieben, da stehtS drin." Dann überreichte er diesen Brief/ seinxm Kompaniechef, gab ihm die Hand und ging schweigend an die Spitze seines Stoßtruvps. Als erster am Feind, fiel er mit dem siegessicheren Hurra auf den Lip­pen. Die letzten Sätze seines Briefes lauteten: Wenn Du Liefe teilen lieft, liebes Muttchen, dann hat Dein Junge das Höchste, was er als Soldat geben kann, gegeben, nämlich fein Leben. Doch tröste Dich, denn Du hattest neben meiner großen Liebe zum Vaterland nur allein Platz in meinem Herzen. Ein Idealist kämpft bis zum Tode ..."

Schm.

licherweife ihre Aemter zur Verfügung gestellt hatte, den Reichstagspräsidenten Daeinoe Hakkila als den Vertreter der größten Partei mit der Bildung der Regierung beauftragt. Hakkila, der im 61. Le bensjahr steht, ist feit 1919 Mitglied des Reis­tages. 1926 bis 1927 war er unter Tanner Justy- minifter. 1929 wurde er Vizepräsident des Reichs­tages und 1936 Reichstagspräjident.

Für ein neues Europa.

Rom, 2. März. (DNB.) Der diplomatische Korre­spondent der Agenzia Stefani sagt zu dem viertägü gen Besuch des Reichsaußenministers in Italien: Die feierliche und ausdrückliche .Erklärung, derzu- folge die großen uni) kleinen Völker Europas ohne vorgefaßte Meinung, aber dieses Namens würdig, ein sicheres Dasein in ein er Atmo­sphäre gegenseitiger Zusammenar­beit und des Fortschrittes zugesichert er­halten- bedeutet einen frischen Luftzug. Die großen Führer Hitler und Mussolini haben sich mit dem­selben Gerechtigkeitsempfinden und derselben Sorg­falt, mit der sie die Probleme ihrer inneren Der- antmortung stellten und lösten, die weiterreichenden, aber ebenso lösbaren Probleme der europäi­schen R e v o l u t i o n u n d E i n h e i t gestellt. Die Möglichkeit einer allgemeinenAusrichtung der Völker Europas muß geschaffen werden, sie wird nicht nur politischen, sondern auch sozia­len Charakter tragen müssen. Die europäische Einheit schafft damit einen neuen Typus der Zivilisation. Bei der Durchführung seiner Aufgabe findet Mussolini die tatkräftigste und machtvollste Mitarbeit bei dem großen und klar blickenden Curd päer Adolf Hitler.

Regime Fäscista" erklärt, die Definition der Neu­ordnung in Europa nach dem Siege der Achsen-

Eine gewisse Frau Menke.

Eine Erzählung aus unseren Tagen von Walther Gottfried Kluüe.

Der Vorfall, den ich hier meine Nachbarin, Frau Kalthof, die nebenan in der Bergmannsfiedlung im Dachgeschoß des dreistöckigen Hauses wohnt, erzäh­len lasse, hat sich kürzlich wirklich zugetragen, als die Tommies um der klingenden Münze willen, die ihnen dafür versprochen war, ihre Brandbomben über uns abwarfen und auf den Dächern sich hier und da der Rote Hahn zu schaffen machte ...Nun, da hatte der Zufall es gewollt, daß die Männer in unserem Hause sich just in dieser Nacht, soweit sie nicht ohnehin im Felde standen, sämtlich auf Nacht- schicht befanden, und wir Frauen, als der Ruf Es brennt!" durchs Haus gellte, uns im Luft­schutzraum unserer Kinder und Koffer bemächtigten und dumm und schreiend durcheinanderliefen. Es war auch um unser Haus geschehen, wenn eine ge­wisse Frau Menke, Mutter von vier Kindern, die erst kürzlich zugezogen war und im zweiten Stock­werk wohnte, uns nicht mit wenigen festen Worten und Griffen zur Raison gebracht hätte, so daß wir mit Eimern, Feuerfchlügern und Sandtüten unten blieben nur die Kinder und ein altes Müt­terchen dem Brandherd in meiner Dachwohnung zu Leibe rückten. Aber es schien nun doch wohl alles verloren, und ich stand mit tränenüberftröm» tem Gesicht vor der Wohnungstür, als meine kleine Else, die unten auf der Kellertreppe hocken mochte, mit gellender Stimme rief:Mutter, mein Puppen­wagen!"Ja, der Puppenwagen!" hatte ich zu- rütfgerufen, aber es hatte mir einen Stich ins Herz versetzt, als Elschen es rief.Der Puppenwagen, der ist hin! Der brennt nun auch!"Der Puppen­wagen?" hatte Frau Menke da gerufen, indem sie mir einen vollen Eimer aus der Hand riß, um ihn gegen die Wohnungstür auszugießen,Eischens Puppenwagen wäre nicht zu retten! Das wollen wir doch erst sehen, ob er nicht zu retten ist!" Und in­

dem sie mir den leeren Eimer zurückgibt, reißt sie sich sagte ich es schon?, eine gewisse Frau Menke, mein Gott, ein stilles, unscheinbares Frauchen, dem man so viel Courage gar nicht an sah reißt sich die Frau doch die wafsernasse Schürze vom Leib, preßt sie sich vor's Gesicht und will in die brennende Wohnung.Frau Menke!" rufe ich außer mir vor Angst,was tun Sie, und sind Sie denn ganz von Gott verlassen?" und will sie zurückreißen, als der Rauch aus der brennenden Wohnung mich schon überfällt und ich mich abwenden muß. Aber da schwenk ich schon wieder einen vollen Eimer in der Hand, den sie mir zureichen, atme tief und gieße ihn der Wohnung in den prasselnden Schlund.Ich hab' die Brandbombe ausfindig gemacht!" schreit es ba dicht neben mir, und das ist nun schon wieder bie vom Loschwasser triefende Frau Menke,und schnell eine Tüte Sand und Wasser!" Und stellt den Storb mit der Wäsche, die ich am Nachmittag vom Trockenboden holte, vor mich hin. Meine Wäsche? Herr Gott im Himmel, hab' ich vor Dank­barkeit und Freude doch aufgeschrien, und wie ich den Korb nach unten reiche und einen vollen Eimer schwing', den Eimer und die Tüte, da hat sie mir beides doch schon aus den Händen gerissen und Gott steh mir bei!" gerufen und ist wieder in Rauch und Dunst untergetaucht! Wir hören Glas splittern, und der Rauch, der verfluchte, gibt sich einen Ruck nach rückwärts, und aufs neue stürzt, die schürze vor dem Gesicht, eine gewisse Frau Menke mir entgegen, fällt mir fast an die Brust.Luft" schreit das Frauenzimmer, das herrliche und ihr Mann kämpft in der Schneewüste gegen bie Sow- Jfis, und schiebt mir doch traue eins feinen C' schiel mir Eischens Puppenwagen hin, vollbeladen mit allen möglichen Siebenfachen, mit Topfen, Gläsern, Brot, dem Radiogerät, Wolldecken und Lederschuhen.Vergelts Gott!" schreie ich,und letzt ,st's genug!" Schreie dies bei all dem Lärm im Haufe, und draußen fchießt die Flak dazu, daß man fein eigen 'Ißort nicht versteht: aber es be- rubigt so!Genug?" ruft das tapfere Frauchen zu­rück,genug, wo ich jetzt eben die Brandbombe

hab' und der ganze Brand mit einem Eimer Was­ser ---TAber, liebste Frau Menke, der

Rauch, die Gefahr!"Ach was!" brüllt sie mich an und:Her mit dem Wasser!" Schnappt sich denn auch den Eimer und verschwindet zum Dritten Male in den dunstigen Schlund meiner Wohnung, wo sich der Rauch nun schon teilt, und es kocht drinnen und zischt und--Wasser! Mehr Wasser!" ruft es

aus der Tiefe der Küche drinnen. Da faß' ich mir ein Herz und stürze ihr nach, und mit dem frischen Eimer voll Wasser, den ich mit mir schleppe, machen wir dem Feuer vollends den Garaus. Mit der Schaufel hebt doch das Frauchen noch den glühenden Bombenbrei von den kohlenden Dielen ab und wirft ihn nach unten in den Gerten. Hat, weil mein Elschen nach feinen Puppen rief, unsere ganze Woh­nung vor der Vernichtung bewahrt und mit tapfe­rem Herzen den Tommies noch ein Schnippchen ge­schlagen?" '

Der schwarze Husar.

Von Johann Wilhelm von Archenholz.

Ein preußischer Husar wurde von den Franzosen gefangen und ins Hauptquartier gebracht. Clermont elbst, der französische Oberbefehlshaber, wollte ihn prechen, denn die Gefangennehmung eines preußi- chen Husaren war hier ein seltener Vorfall. Dieser Krieger gehörte zu dem schwarzen Regiment. Ein jeder Reiter desselben, feinen Leib in Kleidungs­stücke gehüllt in der Farbe des Trauerns, trug über- dem einen Totenkopf, das Sinnbild der Verwefung, an her Stirn; er war ein lebendiges memento mori; und schon der bloße Anblick eines solchen Todes- Predigers mit einem scharfen Säbel in der Faust, um dem Sittenspruch den stärksten Nachdruck zu geben, flößte Schrecken ein; auch waren diese schwar­zen Husaren den tapfersten Regimentern des fron- zösiscken Heeres furchtbar. Man hatte die Sage ver­breitet, daß sie bei Widersetzung nie Pardon geben, und die Husaren selbst bestätigten dies Gerücht, um desto leichter zu siegen. Es wirkte auch über allen

Glauben. Ganze Scharen flohen vor wenigen Hu­saren, und nicht selten brachten einzelne dieser schwarzen Reiter ganze Trupps von Gefangenen ins Lager der Alliierten. Sie gingen zum Gefecht wie zum Tanz und kehrten nie ohne Beute zurück. Diese schwarzen Reiter zeichneten sich unter den leich­ten Truppen der Preußen sowohl durch Edelmut als durch eine heldenmäßige Unerschrockenheit aus.

Die Unterredung des französischen Feldherrn mit dem gefangenen Husaren geschah durch Dolmetscher. Auf die Frage, wo Ferdinand von Braunschweig sich gelagert hätte, war die Antwort:Da, wo Ihr ihn nicht angreifen werdet." Man fragte ihn, wie start die Armee seines Königs fei; er antwortete, sie möchten sie aufsuchen und zählen, wenn sie Mut genug dazu hätten. Clermont hielt sich durch diese Kühnheit nicht beleidigt. Sie gefiel ihm vielmehr und veranlaßte ihn, den Husaren zu fragen, ob fein König viel solche Soldaten hätte wie er. Der Mann mit dem Totenkopf antwortete:Ich gehöre zu den schlechtesten, sonst wäre ich jetzt nicht Euer Gefange­ner." Eine solche Sinnesart außerhalb Frankreichs zu finden, war den Franzosen ein Rätsel. Man ent­ließ den Husaren, und Clermont schenkte ihm einen Louisdor. Der Preuße nahm ihn an, allein obgleich ausgeplündert und ohne einen Heller im Besitz, gab er im Angesicht des Feldherrn das Goldstück einem französischen Soldaten mit der Erklärung, daß er von den Feinden feines Volkes leine Geschenke an­nehmen wollte. Man trug ihm Dienste und eine Offizierstelle an; er aber antwortete mit fiobn- gelächter, daß er ein Preuße sei.

Solche Züge charakterisieren den Geist eines Volkes und eines Zeitalters. Ein hoher Sinn dieser Ari bei einem gemeinen Soldaten, konnte nur durckl WionatgrimtW und durch Dolksstimmunq bitbet werden; daher erregte diese Handluna unter den Deutschen nicht di- Bewunderunq V f* verdiente. Sie wurde bekannt, allein der 9läm. h.r KL d-r f- dachte und handelte, ist

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