unternahm er Ausgrabungen auf der Akropolis kn Athen, die für die Geschichte des Parthenons von größter Bedeutung werden können.
Der schwäbische Komponistenpreis für Hermann Rentier.
Der württembergische Kultusminister Mergen- thaler verlieh den schwäbischen Komponistenpreis des Jahres 1942 nach Anhörung des Preisgerichts dem Komponisten Hermann R e u t t e r aus Stuttgart. Direktor der Staatlichen Hochschule für Musik in Frankfurt, „in Würdigung seines Schaffens, aus dem die Oper Odysseus", das Chorwerk „Gesang des Deutschen" und die „Chorfantasie" nach Worten von Goethe als jüngst entstandene Tonschöpfuna hervorzuheben sind". Einen weiteren Preis erhielt der Komponist Hans G a n s s e r, Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik in Stuttgart, „für sein künstlerisches Schaffen als Vertoner von heißempfundenen Liedern"; dem Komponisten Paul Bleyle (Stuttgart) in Würdigung seines Gesamtschaffens und Professor Hans B r e h m e (Stutt- gart) für seine Oper „Der Uhrmacher von Straß- urg" wurde eine öffentliche, ehrenvolle Anerkennung ausgesprochen.
Hermann Reutter, 1910 in Stuttgart geboren, gehört seiner Abstammung und Ausbildung durch Courvoisier in München dem süddeutschen Komponistenkreis an. Die engen Beziehungen zum Volkslied, das mehrfach seinen Jnstrumentalkompositionen thematisch zugrunde lag, die Verwendung volkstümlicher Stoffe in seinen Bühnenwerken („Dr. Johannes Faust", nach dem Volksbuch, das Ballett „Die Kirmes von Delft" nach einer Legende der Brueghelzeit), die urwüchsigen „Bettellieder" deuten die Richtung an, die Reutter frühzeitig eingeschlagen und innegehalten hat. Dieser eigene Stil sicherte auch seinem weltlichen Oratorium „Der große Kalender" Anerkennung. Dem Chorischen wies auch die im Oktober 1942 in Frankfurt uraufgeführte Oper „Odysseus" neue Aufgaben zu. s
Willy Birgel am Dirigentenpull.
Mit dem Terra-Film „Musik in Salzburg" unter der Regie von Herbert Maisch soll ein buntbewegtes, musikerfülltes und von der unvergleichlichen Atmosphäre Salzburgs getragenes Bild lener fest- lichen Veranstaltungen gezeichnet werden, die alljährlich aufs neue den Ruhm deutscher Kunst -in die Welt tragen und im Zeichen Mozarts stehen. Willy Birgel ließ in der Rolle des Generalmusikdirektors Klinger die unsterblichen Mozart-Melodien aus „Figaro" und „Don Giovanni" in verschwenderischer Fülle des Wohllauts und beseligender Heiterkeit Klang werden. Der Beifall des Hauses bedurfte kaum der Lenkung. Bei den Szenenausschnitten aus „Don Giovanni" stand Lil D a g o v e r als Kammersängerin unter dem erlesenen Ensemble. Die Fäden der Handlung spielen von der Bühne herab ins Parkett — hier saßen, noch kaum berührt von dem liebenswürdig sich verstrickenden Schicksal, das kurz vorher erst zart sich anbcchnte, Thea Weis als die Verkörperung lieblicher Jugend und Hans Nielsen als ihr ahnungsloser Gefährte ... Welche Mühe an jedes einzelne Bild gewandt werden muß, erlebten die zwölshundert Zuhörer im Festspielhaus sozusagen nebenbei, während die Lichtbündel der Scheinwerfer bald hier, bald dort die Brennpunkte der Arbeit heraushoben.
Hermann Hacker, hochschulnachrichlen.
An den Folgen eines Kopfschusses starb der Dozent für Zoologie an der Universität Tübingen, Dr. Paul Dittus. 1911 in Vaihingen geboren, hat er in Tübingen studiert und sich 1940 habilitiert. Seine Hormonforschung führte ihn mehrere Male an die Zoologische Station Neapel. — Der n. b. a. o. Profesior für slaoische Philologie an der Universität Göttingen, Dr. Maximilian P r a u n , wurde zum Ordinarius für slaoische Philologie an der Universität Posen ernannt. Braun wurde 1903 als Sohn eines früheren Leipziger Professors in Petersburg geboren, ging /dann nach Dorpat und studierte später in Leipzig. 1932 habilitierte er sich dort, 1936 wurde er Dozent in Göttingen. Braun, der sich im Heeresdienst befindet, ist mit einer allgemeinen Darstellung der Geschichte Rußlands und einem Buch über Südslavien hervorgetreten. — Der Dozent für romanische Philologie an der Universität Berlin, Dr. Günter Reichenkron, wurde zum o. Professor für romanische Philologie in der philosophischen Fakultät der Reichsuniversität Posen ernannt. — Der in München im Ruhestand lebende einer. Ordinarius für gerichtliche Medizin an der Universität Breslau, Professor Dr. Karl Reuter, vollendet sein 70. Lebensjahr. In Hannover aeboren, studierte er in Göttingen, Freiburg und München und promovierte 1897 in Göttingen. Bis 1906 wirkte er als Assistent, Projektor und von 1906 bis 1919 als Gerichtsphyfikus in Hamburg. Von 1918 bis 1029 war er als a. ix Professor für gerichtliche und soziale Medizin an Ser Universität Hamburg und wurde 1929 als Ordinarius' nach Breslau berufen.
Aus -er Etadi Gießen.
Oer erste Frühlingsmonat.
Der Beweis für die Tatsache, daß der Winter mit dem Märcheginn seine Macht als gebrochen an- sehen muß, ift die zunehmende Dauer des Sonnenscheins. Im Laufe des März scheint die Sonne um volle zwei Stunden länger, d. h. sie geht morgens etwa um 1 Stunde 10 Minuten früher auf (Stichtag 31. März) und 53 Minuten später unter als zu Beginn des März. Bereits um die Mitte März fällt der Sonnenaufgang 32 Minuten früher als am 1. März, der Untergang verschiebt sich um 26 Minuten später gegenüber dem 1. März. Damit ergibt sich, daß der Tag im Laufe des März schließlich mehr als zwei Stunden länger dauert als Ende Februar. Aus dieser starken Zunahme der Sonnenscheindauer ergibt sich ein entsprechender Einfluß auf die Tagesmitteltemperaturen. Wenn es vielleicht noch zu Frösten kommt, so handelt es sich im wesentlichen um Fröste, die ihre Schwerpunkte auf die Nachtstunden verlegen, während es in den Mittagsstunden durch den Einfluß der Sonnenkraft wärmer wird.
Was sich im Februar and ahnte, jetzt will es wirklich werden: der Frühling naht! Im märzlichen Regen, in der föhnigen Luft ahnen wir ihn, wir glauben den Duft grüner Triebe und sprießender Knospen wahrzunehmen, wenn wir in diesen Tagen hinausziehen, in denen die Natur sich erneuert. In den Gärten blüht schon der Krokus. Die Gänseblümchen werden zu den rührigsten Boten des Frühlings, die Buschwindröschen lugen mit weißen, lila überhauchten Kelchen durch das vorjährige Fallaub, der zarte Sauerklee öffnet feine großen weißen, purpurn geaderten Blumenblätter, der Seidelbast lockt mit duftenden, rötlich-violetten Blüten die ersten, dem Winterversteck entflohenen Insekten, am Bachrand blüht grünlich-gelb das Milzkraut.
So begegnet uns der März als erster Frühlingsmonat in diesem Jahre hoffentlich mit all den Schönheiten, die der beginnende Lenz in sich vereinigt. Nachdem die letzten Winter uns um den Genuß des Frühlings brachten — er dauerte nur wenige Wochen und ging schnell in den eigentlichen Sommer über —, rechnen wir in diesem Jahre wieder mit normalen Vegetationsverhältnissen. Seiner überlieferten Art entsprechend wird in diesem Jahre der Frühling wieder seinen wissenschaftlich nachgerech- neten „Marsch durch Deutschland" antreten. P.
GA.-Schießweßrkänipfe 1943.
Auf Befehl der SA.-Gruppe Hessen fand am Sonntag die Einweisung für die SA.-Schießwehr- kämpfe 1943 auf dem Standortübungsplatz Gießen statt. Daran beteiligt waren sämtliche Führer der SA.-Standarten 87 (Limburg), 116 (Gießen), 145 (Büdingen), J 33 (Marburg), J 11 (Wetzlar) und 222 (Friedberg), die Führer der Sturmbanne, die Standartenschießwarte und weitere SA.-Führer. Die SA.-Standarte 116 (Gießen) stellte 6 Mannschaften für den Mannschaftsschießwehrkampf und die ff • die Einweisung und die Organisation notwendigen SA.- Unterführer und Männer. Die Einweisung nahm den vorgesehenen Verlaus. An dem Einweisungsschießen beteiligten sich auch die SA.-Führer der SA.-Standarten. Das Schießen im Gelände hat den Beiweis erbracht, daß die SA.-Schießwehrkämpfe 1943 dazu beitragen werden, die allenthalben an« gestrebte Webrbereiflchaft der Heimat zu stärken. Im Rahmen dieser SA.-Schießwehrkämpfe werden außer der SA. und den Gliederungen der Partei auch alle schieß sporttreibenden Vereine und Verbände antreten. Diese als Vorübung durchgeführte Einweisung erbrachte die' Bestätigung, daß der organisatorische Verlauf der SA.-Schießwehrkämpfe 1943 als gesichert angesehen werden kann.
** GießenerVortragsring. Im Rahmen des Deranstaltungsplanes des Gießener Vortrags- rinaes (Goethe-Bund, Kulturelle Vereinigung und Volksbildungsstätte G'eßen der NS'G. .Kraft durch Freude") wird am Donnerstag, 4. März, Kurt Hielfcher in einem Lickstbildervorttag über „Rumänien, insbesondere die deutsche Kultur in Sie- benhü^en" sprechen.
** Stillgeld bis zur 26. Woche. Nach einem Erlaß des Reichsarbeitsministers an die Kran- kenoersicherungsträger ist den berechtigten Familienangehörigen der Versicherten, solange sie stillen. Stillgeld über die 12. Woche "nach der Niederkunft hinaus bis zum Ablauf der 26. Woche als Mehrleistung zu aewähren. Die Regelung, die auch für laufend- Fälle gilt, ist am 1 März in Kraft g»^"ten.
** Stadtbücherei Gießen. Im Monat Februar wurden 1758 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf Romane 1171. Jugendschriften 254, Reisebeschreibunaen 68, Geschichte und Lebensbeschreibungen 117, Kunst 5, Technik 53. Kriegsgeschichte 58, Politik 19, Ges. Werke 10 Bände.
Glück auf, Renate!
Boman von Ernst Grau.
10. Fortsetzung. (Nachdruck verboten )
„Sind wir angelangt?"
„Leider", seufzte er in komischer Verzweiflung. „Wir sind am Ziel —"
Dabei lenkte er den Wagen in den breiten Garagenhof und war dann dem Wagenmeister behilflich, das Rad herunterzunehmen.
Sie stand daneben und sah zu. Schade, fuhr es ihr noch einmal durch den Sinn.
Dann reichte sie ihm die Hand.
J)aben Sie herzlichen Dank, Herr Werner. Und auf Wiedersehen!"
Er hielt die schmale, kräftige Hand fest in der seinen. „Und ich sehe Sie bestimmt wieder? Versprechen Sie mir das?"
„Das verspreche ich Ihnen", sagte sie fast gegen ihren Willen. Sie fühlte sich recht schuldbewußt bei diesen Worten. Es würde ein Wiedersehen geben, wie er es bestimmt nicht erwartete.
*
Als Direktor Terbrüggen am Montag früh fein Privatkontor betrat, hatte Meinders, wie üblich, die Post bereits geöffnet und sortiert.
„Was Besonderes heute?" fragte Terbrüggen nach knapper Begrüßung, wühreird er Hut und Mantel sorgfältig in den Schrank hängte und seine etwas gedrungene Figur im Spiegel musterte.
„Eigentlich nicht", kam es etwas gelangweilt vom Tisch zurück. „Die Wörmann-Linie bestätigt endlich das neue Kohlenlieferungsabkommen, was ja vorauszusehen war. Sonst alles laufende Sachen. Ein Privatbrief von Hammerkott an Sie ist noch dabei —"
/ „So? Woher schreibt er denn?" fragte Ter« brüggen ohne sonderliches Interesse zurück. Er hatte sich inzwischen an seinen Platz gesetzt und nahm den
Brief in die Hand. „Aus Köln — da ist er vermutlich wieder auskuriert und fährt nun nach dem Nürburgring — na, meinetwegen —"
Er zündete sich genießerisch eine Zigarre an, bann schnitt er den Bries auf und las. Solche Briese kamen öfter, und es war meist nichts Eiliges oder gar Aufregendes daran. Meinders saß ihm gegenüber, rauchte seine Zigarette und sah müßig zu. Doch er wurde aufmerksam, als er sah, daß der andere einen roten Kopf bekam.
„Lächerlich! So etwas hat uns hier noch gefehlt", schimpfte Terbrüggen vor sich hin, während er die wenigen Zeilen überflog. „Wirklich — es ist —"
„Was gibt es denn?^ unterbrach Meinders und zerdrückte den Rest, feiner Zigarette.
„Da —", Terbrüggen warf ihm das Papier zu, ..lesen Sie meinetwegen selbst. Ein sehr tüchtiges Müdel, das sich hier in den Betrieb einarbeiten will — wird was Rechtes sein — als ob wir hier ein Pensionat für höhere Töchter hätten."
Meinders hatte den Brief aufgenommen. Er lachte beim Lesen leise vor sich hin. Eine bittere Pille, mein Lieber, dachte er belustigt. Aber diesem Terbrüggen ist auch das zu gönnen. Es war schon dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Hammel wuchsen.
„Sehen Sie, das haben Sie nun davon, daß Sie so sehr hinter der Generalvollmacht her waren", sagte er und reichte den Brief wieder hinüber. „Ich habe Sie ja immer gewarnt. Wer weiß, was er Ihnen nun schickt. Wahrscheinlich setzt er Ihnen nun irgendeine Bekannte als Aufpasser vor die Nase. Aber Sie wollten ja nicht hören."
„Ach, Unsinn?" wehrte Terbrüggen ärgerlich ab. „Das glaube ich nicht. Sicher handelt es sich da doch nur um so ein Protektionskind, das etwas sucht, um seine Mußestunden auszufüllen. Ich kann die ganze Sache nicht recht ernst nehmen, beim besten Willen nicht."
„Dann begreife ich nicht, daß Sie sich darüber so aufregen", warf er gleichgültig ein. „Wenn es sich nach Ihrer Meinung nur darum handelt, dieses
Die Frau am Steuer.
Zum Ehrendienst für das Vaterland aufgerufen.
Wir kennen sie auch in Gießen, die Frau am Lenkrad des Kraftwagens. Vor dem Kriege war sie in unseren Straßen, ebenso wie in anderen Orten, ein häufiger Anblick. Seitdem die Autos Kriegsdienst leisten müssen, ist die Frau am Steuer erst immer seltener geworden, schließlich ist sie in Gießen und in unserer engeren Umgegend völlig aus dem Straßenbild verschwunden. In Großstädten «dagegen kann man die Frau als Krastwagenlenkerin immer noch häufig sehen. Zwar lenkt sie auch dort keine Autos zu Vergnügungsfahrten, die in der Kriegszeit überall mit Recht Anstoß erregen würden, aber sie führt z. B. die Paket-Kraftwagen der Reichspost, Milchtransporte, Sanitätsautos, ja selbst Lastkraftwagen zur Beförderung von Kohlenlieferungen usw. sind ihrer fahrkundigen Hand anvertraut. Und überall hat sich die Frau am Steuer auch bei dieser ungewohnten Aufgabe ihren Pflichten gewachsen gezeigt.
Nunmehr soll die Frau als Autolenkerin stärker als bisher wieder im Straßenbild auch der Mittelund Kleinstadt, ja sogar in den Dörfern sichtbar werden. Dazu ist sie — wie mir gestern berichteten — vom Deutschen Frauenwerk aufgerufen worden. Hier werden allen Frauen und Mädchen, die bereits einen Führerschein für Kraftfahrzeuge besitzen, neue Kriegsaufgaben gestellt. Es handelt sich dabei nicht etwa um eine Schein arbeit, um sog. Druckposten, sondern um eine ernste, durch den Kriegseinsatz der Frau besonders verpflichtende Tätigkeit. Durch die Verwendung der Autofahrerinnen am Steuer sollen wehrpflichtige Kraftfahrer, die bisher noch nicht zu ersetzen waren, abgelÖst und für den Waffendienst im Felde freigemacht werden. Schon hieraus ist ersichtlich, daß die Autolenkerinnen nunmehr zur Erfüllung einer wichtigen Aufgabe berufen sind. Sie werden für den lebenswichtigen Transportdienst, also z. B. Beförderung von Lebensmittelsendungen von den Lagern zu den Geschäften, zu Mllchttans- porten, zu Fahrten für das Rote Kreuz, im Postpaketdienst, für Arztautos usw. oder an anderen lebenswichtigen Einsatzstellen gebraucht und dort mit vollwertiger Arbeit beschäftigt, die als solche für jedermann ohne weiteres erkennbar ist. Ferntrans- portfahrten werden nicht in Bett acht kommen, nach
Möglichkeit sollen die Frauen auch beim Fahren von Anhängertransporten nicht verwandt werden, in der Regel dürfte es sich bei ihrem Kraftfahrdienst nur um Autotransporte auf kurze Sttecken und um Fahrten innerhalb der Stadtgebiete handeln.
Natürlich müssen gewisse körperliche Voraussetzungen gegeben fein, denn die Fahrerinnen werden bei der Beförderung der Güter und Warensendungen gelegentlich mit anzufassen und vor allem laufende kleinere Reparaturen an dem Wagen selbst vorzunehmen haben. Wenn man aber bedenkt, daß eine Kraftfahrerin auch schon in Friedenszeiten unterwegs jederzeit mit der Möglichkeit einer Panne am Wagen zu rechnen hatte und sich dann nur auf die eigene Kraft gestellt sah, d. h. selbst Hand an- legen mußte, um wieder flott zu werden, so muß man schon sagen, daß derartige Betriebszwischenfälle auch jetzt im Krieg von der Fahrerin gemeistert werden können.
Für die aufgerufenen Frauen und Mädchen ist es besonders wichtig, zu hören, daß nicht daran gedacht ist, sie irgendwie in gemeinsamen Unterkünften, etwa Kasernen oder Ladern, zusammenzufassen, ebenso ist nicht an eine Uniformierung gedacht. Sie werden also in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung wohnen und in ihrer eigenen Kluft bleiben und durchaus als Zivilpersonen ihre Pflicht erfüllen. Der Aufruf des Deutschen Frauenwerks gilt nicht nur den Frauen und Mädchen bis zum 45. Lebensjahre, sondern er ift auch an diejenigen Kraftfahrerinnen gerichtet, die älter als 45 Jahre sind und ohne Schwierigkeiten noch am Steuer eines Kraftwagens wirken können. Alle diese Frauen und Mädchen melden sich unter Vorlegung ihres Führerscheins beim Arbeitsamt, wo sie Näheres erfahren.
Da wohl die meisten dieser Frauen und Mädchen infolge der langen Fahrpause inzwischen etwas fahrungeübt geworden sind, werden sie in kurzen Lehrgängen des NSKK. wieder zu ihrer vollen Fahrkunst zurückgebracht werden und dann Dienst für die Volksgemeinschaft leisten können. Auch diese Tätigkeit ist für die Frauen und Mädchen Ehrendienst für Führer, Volk und Vaterland, dem sich sicherlich keine versagen wird. B.
Kameradin des Fronisoldaien.
Kein Grund zur Angst vor Dem neuen Arbeitsplatz.
NSG. Wohl manche Frau wird den Meldebogen, den ihr der Blockwalter brachte, nur mit innerer Beklemmung ausgefüllt haben, erscheint ihr doch die Arbeit in einem größeren Betrieb irgendwie artfremd. Vor allem ist es die Angst vor der Maschine, die sie beherrscht. Betriebsräume und Werkstätten stellt sie sich meist schmutzig vor, voller Lärm und bar jeder Ruhe. Hinzu kommt die Furcht vor dem Neuen, vor Menschen, die schon jahrelang in der Berufsarbeit stehen und nut ihrer Erfahrung die gestellten Ausgaben fast spielend und wie selbstverständlich lösen.
Wir verstehen diese Bedenken vor der Maschine. Die Eigenart der Frau liegt eben im Mütterlichen, im Umsorgenden und Hegenden. Sie soll nun aus diesem bisher von ihr betreuten Kreise heraustreten und in die betriebliche Gemeinschaftsarbeit gestellt werden. Die Umlagerung ihrer Gedankenwelt ist gewiß nicht leicht, aber sie wird gelingen, wenn der gute Wille dazu vorhanden ist. Aber schließlich stellt auch ein Fabrikbetrieb eine Familie im weiteren Sinne bar. Sie ist zwar im Gegensatz zur gewohnten Häuslichkeit viel größer, setzt dafür aber an Stelle der unmittelbaren Angehörigen die Arbeitskameradinnen und Arbeitskameraden.
Aus der Erkenntnis heraus, daß eine Frau die betriebliche Arbeit naturgemäß anders aufnimmt als der Mann, vor allem weit persönlicher, wurde es bereits feit langem unternommen, aus der unmittelbaren Berufsarbeit zum Haushalt einen Ausgleich zu suchen. Schon lange arbeiten in den Betrieben Soziale Betriebsarbeiterinnen und Werkfrauen daran, eine frauliche, artgemäße Betriebsgemeinschaft zu bilden. .Sie werden — das ist selbstverständlich — He gegebenen Betreuerinnen der neu in unser Arbeitsleben tretenden Frauen und Mädchen sein. Nicht nur auf die Herstellung des ersten Kontaktes mit der Arbeitsstätte beschränkt sich diese Tätigkeit. Die ideelle Aufnahme jeder einzelnen Frau in die Gemeinschaft des Betriebes erfordert vor allem ein „Sichheimifchfühlen" am neuen Arbeitsplatz. Die betrieblichen Anforderungen werden je nach der Veranlagung und Konstitution verschieden sein, und hier liegt das Feld, auf dem die bisher schon Schaffenden den neuen Kräften helfen wollen und werden. In vielen Fällen sind die besten Arbeiterinnen zugleich Meisterinnen, Vorarbeiterinnen
und Anlernerinnen geworden. Ueberall aber sind sie selbst eines geblieben: Frauen. ‘Die „Neue" wird sich darum im Betrieb keineswegs verlassen oder einsam fühlen, denn immer, wenn sie in irgendwelche Note kommt, greifen helfende Hände ein.
Daß das Frauenamt der Deutschen Arbeitsfront hier wie noch nie zuvor ein reiches Tätigkeitsfeld auszufüllen hat, ist selbstverständlich. Mag auch dies oder jenes, das früher von den Betriebsftihrern gefordert werden muhte, den Kriegsnotwendigkeiten gewichen fein, so bleibt doch immer dieser Grundsatz bestehen: Die Sorge um die schaffende Frau ist unsere vordringlichste Aufgabe. Die Vertreterinnen des Frauenamtes in den Betrieben, feien es die Sozialen Betriebsarbeiterinnen, die Betriebsfrauenwalterinnen oder die vielen Block- und Zellenwalte- rinnen, sind geschulte Kräfte mit allem Verständnis für die Probleme, vor die die Frauen gestellt werden. Mag auch die letzte Frau in unseren Arbeitsprozeß eingegliedert werden müssetz, so bleibt es trotzdem immer die vornehmste Aufgabe unsrer Zeit und der Zukunft, die physischen und psychischen Kräfte der Mütter unserer Kinder zu schützen und zu erhalten. Trotz notwendiger Kriegssorderungen darf und wird ihre Gesundheit keinen Schaden erleiden.
Jedem denkenden Menschen ist klar, baß die Sorge um den Haushalt und die Familie und die gleichzeitige Erfüllung nationaler Pflichten am Arbeitsplatz eine Doppelbelastung besonderer Art dar- stellen. Mag sie auch unvermeidlich sein, so wird ihr doch in größtmöglichem Maße Rechnung getragen werden. So kann jede Frau, die jetzt neu in das Arbeitsleben tritt, von dem Gedanken beseelt fein, ihre ganze Kraft dem deutschen Volke zu geben, um sich damit würdig in die Reihen derer einzufügen, die schon jahrelang freiwillig und mit größter Anstrengung ihre täglichen Aufgaben erfüllen.
Die Gattin des deutschen Mannes war zu jeder Zeit bereit, mit aller zur Verfügung stehenden Kraft da zu sein, wenn sie gerufen wurde. Jetzt kam der Ruf des Führers. Die Frauen werden sich seines Vertrauens würdig erweisen und mit gleichem Geiste einstehen für den Sieg wie ihre Söhne und Brüder, wie ihre Lebenskameraden draußen an den Fronten. G. N.
Fräulein Unbekannt angenehm zu unterhalten, nun — das will ich gern auf mich nehmen", schloß er lächelnd.
Dieser Windhund wäre unverfroren genug, seine Hand auch nach Hammerkotts Tochter auszustrecken, dachte Terbrüggen, und die alte Wut gegen diesen Mitarbeiter stieg wieder in ihm hoch. Herrgott, es würde der schönste Tag seines Lebens fein, wo er diesen Ballast einmal 'endgültig über Bord werfen konnte. Aber diesmal sollte er sich doch verrechnet haben. Und wenn es zum Aeußersten kommen sollte. Die Dinge standen jetzt auf des Messers Schneide. Eine Entscheidung mußte kommen, so oder so. Er hatte das alles nicht umsonst jahrelang in sich hineingefressen, um schließlich zuzusehen, wie der andere den Lohn seiner Arbeit einsteckte. Denn Terbrüggen ahnte, wen Hammerkott da schicken würde. Er hatte früher schon einmal eine Andeutung in dieser Richtung gemacht.
Aber zu einer Antwort kam er jetzt nicht. Das Haustelephon läutete, und Meinders meldete sich.
„Wie ... ein Fräulein Schmidt ... nein, kenne ich nicht ... so? ... Augenblick mal ..
Er wendete sich an Terbrüggen.
„Unten beim Pförtner steht ein Fräulein Schmidt und will Sie durchaus persönlich sprechen.
„Keine Ahnung. Geben Sie her!"
Ungeduldig riß er den Hörer ans Ohr.
„Was ist denn los?"
,Za, Herr Direktor ... das Fräulein will Sie selbst sprechen. Sie sagt, es handelt sich um den heutigen Brief aus Köln ..meldete der Pförtner.
Aus Köln ... also von Hammerkott?
„Also schon, schicken Sie das Mädel in Gottes Namen herauf!"
Er warf den Hörer auf den Tisch. Mit betonter Sorgfalt nahm ihn Meinders wieder auf und legte ihn auf die Gabel zurück.
„Pflichten eines Privatsekretärs", bemerkte er dabei phlegmatisch.
Ein ironisches Auflachen antwortete ihm.
„Es wird vielleicht bald aus sein mit dem Privat
sekretär, mein Lieber. Wissen Sie, wer dieses geheimnisvolle Fräulein Schmidt ist?"
„Etwa ... eine neue Privatsekretärin?" „Vermutlich."
Meinders grinste ihn unverhohlen an.
„Großartig. Da steht mir ja jetzt allerhand bevor. Aber ohne Spaß ... so ganz verstehe ich das nicht. Hammerkott hätte ja auch ohne alle Geheimnistuerei schreiben können, wen er da schickt. Vielleicht will er Sie auch irgendwie überraschen?"
,Ach weiß genau so wenig wie Sie. Aber wir werden ja gleich Horen, wie das zusammenhängt. Ich möchte nur wissen, wer ihm solche Flausen in den Kopf gesetzt hat."
Hammerkott hatte seinen Direktor wirklich überraschen wollen und deshalb Renates Namen verschwiegen. Dieser Umstand kam ihr jetzt zustatten. Denn das Ergebnis sehr eingehender Ueberlegun- gen hatte sie zu dem Entschluß gebracht, sich zunächst einmal unter dem bescheidenen Namen Schmidt anzumelden.
Gestern allerdings hatte sie noch nichts bamxn gewußt, da hatten die Dinge noch ganz anders aus- gesehen, bis gestern war ihr das ganze Unternehmen viel einfacher erschienen. Aber dann war diese unerwartete Begegnung mit diesem Herrn Werner dazwischen gekommen, und da war auf einmal alles wie auf den Kopf gestellt. Ohne ihr eigenes Zutun und ohne ihren Willen sah sie die ganze Sache plötzlich in einem anderen Lichte, sah sie die einfachsten Dinge verworren und kompliziert, als sie sich in ihren eigenen Gedanken nicht mehr auskannte. Was sie sich von ihrem Vorhaben, sich zunächst nicht zu erkennen zu geben, versprechen sollte, wußte sie im Augenblick selbst nicht so recht. Aber eins wußte sie ganz bestimmt: nämlich, daß es ihn sicher sehr kränken würde, wenn er jetzt plötzlich erfuhr, daß sie ihn belogen hatte, gegen die er sich gestern so freimütig über Hammerkott ausgesprochen hatte Und diese Kränkung wollte sie ihm zunächst einmal ersparen. Alles andere würde sich schon finden,
(Fortsetzung folgt.)


