Ausgabe 
1.4.1943
 
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turgesetzes" angenommen habe. Sir Eyre Crowe gab sich die größte Mühe, dieses für England so bequeme Gleichgewichtsgesetz mit allen ethischen and moralischen Werten zu untermauern, wobei er be­zeichnenderweise Deutschlands Stärke in erster Linie in den moralischen und intellektuellen Werten sah, die es der Welt geschenkt habe. Das Reich der europäischen Mitte wurde hier also in wahrhaft diabolischer Weise von allen machtpolitischen Wett­bewerben ausgeschlossen. Nur auf geistigem Gebiet dürfe Deutschland an dem Wettbewerb der Na­tionen teilnehmen. Wörtlich sagte Sir Eyre Crowe dann:Wenn Deutschland glaubt, daß größeres relatives Uebergewicht an Macht, weitere Gebiets­ausdehnung, unverletzbare Grenzen und die Vor­herrschaft $ur See die notwendigen und prälimi­naren Besitztümer sind, ohne die alle auf eine solche Führerschaft gerichteten Bestrebungen zum Scheitern verurteilt sind, dann muß England er­warten, daß Deutschland sicher danach trachten wird, die Macht aller Rivalen zu schwächen, feine eigene Macht durch Gebietserweiterungen zu stär­ken, das Zusammenwirken anderer Staaten zu verhindern und schließlich das britische Reich zu zerstückeln und zu verdrängen." Dem Einwand, daß Deutschland solche Pläne gar nicht hege, be­gegnete Crowe einfach mit der Erwiderung, daß die Gleichgewichtstheorie dasGesetz" der deutschen Politik endgültig umschrieben habe, daß dieser Vor­satz also bestehe!

Hier sehen wir also die Wirklichkeit bereits völlig auf den Kopf gestellt, hier ist der Imperialismus reinsten Wassers am Werke, um mit einer schäbi­gen und durchsichtigen ideologischen Tarnung, die ihre Mittel aus der Philosophie und Ethik ableitet, in Wirklichkeit eine ewige Ohnmacht Deutschlands zu verwirklichen, damit England als Randstaat Eu­ropas sein Weltreich ungestört vermehren kann und gleichzeitig die Verhältnisse in Europa so zu len­ken, wie es nicht das europäische, sondern das eng­lische Interesse gebietet

Unter diesem Zeichen hat England seine Koali­tionskriege geführt, hat es feine Bündnispolitik be­trieben, hat es seineFreundschaften" verteilt. Dos Gleichgewicht, angeblich ein Naturgesetz, wurde so ein Vorwand zur Verteidigung des Status quo, also für einen unorganischen und widernatürlichen Zu­stand, der in keiner Weise mehr jene Dynamik der unter dem Begriff des Liberalismus groß geworde­

nen Nationalstaaten berücksichtigte, der aus der Har­monie der Kräfte ein gefährliches Gebilde einseitig und brutal verstandener Vorherrschaft machte. Nicht mehr das Gleichgewicht bedingte die moralische Welt­ordnung, sondern es stand einer Entwicklung zu neuen und besseren Ordnungsformen geradezu im Wege, um einen unhaltbar gewordenen Besitzstand der Vergangenheit gegen junge und in ihrer ge­schichtlichen Entwicklung später gereifte Volker zu verteidigen.

Es ist Englands Schicksal, daß es diesen Krieg heraufbeschwor/ ohne einen Staatsmann zu be­sitzen, der diesen Gong der Geschichte voraussah, aeschweige denn rechtzeitig beurteilen und dement­sprechend' handeln konnte. Das Spiel mit dem Gleichgewicht hatte feit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhurü>erts nicht mehr die geringste ideolo­gische und moralische Basis, die eine allgemeine An­erkennung gerechtfertigt hätte. Es war zu einem bloßen Schlagwort geworden, das England für feine eigenen Zwecke ausbeutete, zu einem zynisch ge­handhabten Machtinstrument, um Nebenbuhler nie­derzuhalten. Das Versailler Diktat sollte noch ein­mal diesen Zustand verewigen, in Wirklichkeit war es aber bereits dsr Anfang vom Ende. Denn schrittweise wurde zunächst die französische Hege­monie, die schon rein aus mangelnder Vitalität Frankreichs scheitern mußte,, abgebaut. Diese Tat­sache wurde 1926 mit dem Locarnopakt offensicht­lich. Die zweite Periode des Abbaus der britischen These kann man etwa mit dem Austritt Deutsch­lands und Japans aus dem Völkerbund bezeichnen, während das entscheidende Vorspiel zu dem jetzigen Drama der völligen Umkehrung angeblicher briti­scher Kriegsziele mit dem Wettrüsten seit 1933 be­gann. Immer heftiger rüttelten dieHabenichtse", also diejenigen, für die der Gleichgewichtszustand nachgerade eine teuflische Fiktion bedeuten mußte, an den von England und Frankreich geschmiedeten Ketten, die sich seit dem ersten Weltkrieg bereits als gefährlich brüchig erwiesen hatten. Und jetzt hat die Times" den Schlußstrich unter diese Epoche ge­zogen, indem sie selbst das Gleichgewichtsprinzip 3um alten Eisen warf, außerdem die englische Po­litik noch mit dem Verrat Europas an den Bolsche­wismus belastete, den abzuwenden heute allein eine deutsche und damit wahrhaft europäische Angelegen­heit geworden ist.

Genarrtes

Indien.

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Die Zeiten, in denen die Briten unter Ausschluß der Oeffentlichkeit in Indien nach Herzenslust die Bevölkerung ausplündern, dem Hunger preisgeben oder in Massen niederschießen konnten, sind end­gültig vorbei. Heute interessiert sich die ganze Welt für das, was in Indien vor sich geht, und sie er­kennt mit Entsetzen, wie brutal das britische Herr­schaftssystem ist. Das ist den Engländern außer­ordentlich peinlich, sie versuchen daher immer wieder, die blamablen Seiten ihres Systems zu vertuschen.

Diesen Zweck verfolgte auch die Jndiendebatte im Unterhaus, bei der gleich zwei Mitglieder der Re­gierung, Jndienminister A m e r y und der stellver­tretende Premierminister Attlee sich die erdenk­lichste Mühe gaben, die Indienpolitik Londons zu rechtfertigen. Beide überschlugen, sich dabei geradezu in Heuchelei und Verlogenheit. Sie gingen in der Verdrehung der Tatsachen so weit, von den Führern des indischen Volkes immer nur als von den.Dikta­toren zu svrechen und sich selbst, die Engländer, im Gegensatz oazu als die einzig wahren Demokraten zu empfehlen.

Daß das indische Volk die Freiheit haben will, nachdem es jahrhundertelang schamlos ausgebeutet und brutal unterdrück! wurde, ist nach englischer Les­art also ein Zeichen von Diktatur: daß aber die Briten Indien seiner Schätze beraubten, Millionen und aber Millionen in einem Elend, das bisher in diesem Lande unbekannt war, verkommen ließen und jedem, der etwas dagegen zu äußern wagt, mit dem mit Blei gefüllten Bambusknüppel den Schädel ein­schlagen, das ist, so behauptet man in London jeden­falls, Demokratie. Gandhi ist der Diktator, Lord Linlithgow der Volksführer, so erklärten dem Sinne nach Amery und Attlee vor dem Unterhaus.

Bitterer Hohn für das indische Volk war es auch, als Amery darauf hinwies, daß dieRebellion der Kongreßpartei" so nannte er den schüchternen Versuch der Inder, auf legalem Wege die ver­sprochene Freiheit von England zu erlangen mit Hilfe indischer Instanzen und Organe selbst niedergeschlagen wurde und daß man jenen indi­schen Mitgliedern der Exekutive des Vizekönigs zu großem Dank verpflichtet fei. Attlee warf Gandhi vor, er habe mitunglaublicher Lässigkeit und Gleichgültigkeit" Zusehen wollen, wie Dergroße halbe Kontinent Indien" der Anarchie verfiel, als

ob nicht gerade der Anblick der Anarchie und des' Massenelends als Folge der britischen Blutherr­schaft den Freiheitswunsch des indischen Volkes be­flügelt und einen unmittelbaren Anlaß zu dem Freiheitskampf /der indischen Führer gegeben hätte.

Im übrigen wiederholten Amery und' Atttee die scheinheiligen Beteuerungen, daß England Indien sobald es möglich sei" zurSelbstregierung" ver­helfen wolle. Sie taten so, als ob es an den Indern läge, jetzt, nachdem London alles nur Erdenkliche getan habe, die notwendigen Schritte dazu zu er­greifen. Damit gaben sie zu, daß der englische Kar­ren in Indien völlig festgefahren ist und London keinen Ausweg aus der Situation weiß, in die es sich selbst hineinmanövriert hat. Diese Erkenntnis kam auch in der Debatte zum Ausdruck, in der das Weißbuch über Indien, das die britische Regie­rung dieser Tage herausgegeben hat, in Grund und Boden kritisiert wurde. Der Abgeordnete Graham White nannte es ein beklagenswertes Dokument, ein anderer sogareine böswillige, irreführende Angelegenheit". Aber praktisch verlief die Debatte, wie nicht anders zu erwarten war, wie das Horn­berger Schießen. DieTimes" stellt das nüchtern mit dem Satz fest:Alle Sprecher haben anerkannt, daß die Regierung praktisch keine andere Wahl hat, als den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen." Mit anderen Worten: Die Briten bleiben also in In­dien bei ihrer Methode des Terrors. Der Frei- heitskampf geht weiter.

Das indische Volk will kein Kompromiß mehr.

B a n g k o k, 31. März. (Europapreß.) Zu der In­diendebatte im englischen Unterhaus schreibt der in­dische Korrespondent Surenda, Amery und Attlee hätten offenbar eingesehen, daß der britische Ver­such, sich Indien durch die Errichtung einer von den Briten kontrollierten Scheindemokratie und eines Scheinparlaments auf alle Zeiten hörig zu machen, gründlich fehlgeschlagen sei. Amery irre sich, wenn er glaube, daß die Tür zu Verhandlungen noch immer offenstehe. Das indische Volk und seine Füh­rung kennten heute fein Kompromiß mehr, sondern nur den Kampf bis zur endgültigen Vernichtung des britischen Imperialismus in Indien.

In den Dschungeln Nord-urmas.

Oer britische plan einer Verbindung mit Tschungking vereitelt.

T o k i o , 31. März. (Europapreß.) Bei den harten Kämpfen in Nordburma war neben dem äußerst schwierigen Gelände die dauernde Anwesenheit feind­licher Flieger sehr hinderlich, so daß die japa­nischen Truppen sich tagsüber im Dschungel verbor­gen halten mußten und nur die Nächte zum Vor­marsch verwenden konnten. Ein Bericht der Zeitung Mainitschi" schildert die Besetzung von Sampra- b a n, etwa 200 Kilometer nördlich von Myit- k y i n a, einer Station, die in Friedenszeiten den Jägern und Reisenden Unterkunft gewährte. Dieser Ort, der zahlreiche Bungalows der brftisch-indischen Verwaltung besaß, wurde zum Mittelpunkt der eng­lischen Bemühungen, durch Nordburma hindurch eine neue Verbindung zwischen Indien und Tschungking zu schaffen. Mit der Ein­nahme dieses Ortes dürften die britischen Bemühun­gen vereitel t Jein.

Der Vormarsch führte über 200 Kilometer durch wegelose, feuchtheiße Dschungel. Es ist als eine' hervorragende Leistung anzusehen, daß die japa­nischen Truppen diese Strecke in anderthalb Mo­naten, immer belästigt von feindlichen Fliegern, überwinden konnten. Besonders die japanischen

Pioniere, die der Hauptmacht die Wege bahn- teh, leisteten Unerhörtes. Sägen konnten zum Baumsägen nicht benutzt werden, da das Holz grün und saftig war. So erwiesen sich die burmanischen Aexte, Dah genannt, als sehr nützlich.

Äe Truppen litten sehr unter der heißen Feuch­tigkeit, welche selbst in der trockenen Jahreszeit den Boden immer sumpfig hält. Wo immer eine Strecke erreicht wurde, mußten zuerst sämtlich^ Minen entfernt werden, wozu sich die Pioniere hölzerner, von Ochsen gezogener Walzen bedienten. Neben klimatischen Schwierigkeiten mutzten die Truppen mancherlei Plagen, wie Blutsauger und Ungezieftr ertragen. Hinzu kam, daß, nachdem sich der Vor­marsch über 150 Kilometer von Myitkyina entfernt hatte, der Nachschub a u s b I i e b , Jo daß die Truppe sich großenteils von Dschungelfrüchten er­nähren mußte. Rur ab und zu gab es eine höchst willkommene Abwechslung, wenn feindliche Flug­zeuge ihre eigenen Truppen aus der Luft durch Abwerfen von Proviant verpflegen wollten, ihre Lasten aber am falschen Ort ab warfen und so zu einer Verbesserung der japanischen Verpflegung bei= trugen.

Im nördlichen und südlichen Pazifik.

Tokio, 31. März. (Europapreß.) Die japanische Presse berichtet von einem Seegefecht in den Ge­wässern der Aleuteninseln, die sich in weitem Bo­gen durch den nördlichsten Teil des Stillen Ozeans von Alaska nach der asiatischen Halbinsel Kam­tschatka spannen. Das Seegefecht spielte sich am 17. März ab und wird in Tokio als Auftakt zu einer lebhaften Aktivität mit fortschrei­tendem Frühjahr betrachtet. Die erste Gesechtsbe- rühruna japanischer Kreuzer mit dem feindlichen Verband fand 150 Seemeilen westlich von A t s u t a, einer der Alsuteninseln, statt. Die feindliche Flotte hatte sofort ostwärts abgedreht, mar aber von den Japanern dank ihrer überlegenen Geschwindigkeit nach vier Stunden zum Kampf ge st eilt wor­den. Ein schwerer Kreuzer vom TypPensacola" (9100 Tonnen) wurde durch einen Treffer in den Kommandoturm, durch den die zentrale Feuerleitung ausgeschaltet wurde, schwer beschädigt, während ein leichter Kreuzer vom TypOmaha" (7050 Tonnen) lichterloh brannte. In aufgelöster Ordnung flüchtete der feindliche Verband ostwärts. Japanische Kreu­zer erlitten durch Artillerietreffer nur oberflächlichen Schaden.

Im Gegensatz zu dem Aleuten-Gefecht waren in den Unternehmungen gegen Neuguinea und die Canton-Insel die Japaner die Angreifer. Die erfolgreiche Aktion gegen einen in der Orobucht südöstlich von Buna' an der Nördküste von Neu­guinea konzentrierten USA.-Konvoi bedeutet eine erhebliche Schwächung der auf Neuguinea kämpfen­den Landtruppen des Feindes. Den Japanern ge­lang es, fast zwei Drittel der zum Schutze des Kon­vois eingesetzten 30 feindlichen Jäger bei nur drei eigenen Verlusten abzuschießen. Die dreimaligen Nachtangriffe gegendie Canto n-J n f ei nörd­lich der britischen Phönix-Inselgruppe, etwa 3000 Kilometer östlich von Neuguinea, richteten sich gegen eine der wichtigsten Nachschubbasen, welche die Nord­amerikaner zur Sicherung des Luftseeweges Ha- waiAustralien während der letzten Monate ein­gerichtet haben. Besonders der Flugplatz, der Flug­hafen und die Flughallen, aber auch Kasernen und Hafenanlagen erlitten schwere Beschädigungen durch Spreng- und Brandbomben. 'Innerhalb von zwölf Tagen wurden vier feindliche U-Boote im pazifi­schen Raum vernichtet.

Oie USA.

an Indien lebhaft intertzsfierl."

Bangkok, 3. März. (DNB) Mit welcher Of- fenheit die USA. sich darauf vorbereiten, Englands Erbe in Indien anzutreten, sieht man aus Erklärun­gen, die Präsident Roosevelts persönlicher Vertreter m Indien, William Philipp, auf einer Pressekon­ferenz in Bangalore abgab. Er habe, so sagte er, bas größte Interesse an Indiens Zukunft in wirt- schattlicher, finanzieller und politischer Hinsicht. Weite USA.-Kreise seien heute an Indien lebhaft interes­siert, was durch die Anwesenheit zahlreicher junger Amerikaner in Indien urtterstrichen werde.

LlGA.-Kapiialflucht nach Mexiko.

Vigo, 31. März. (DNB.) Immer größere Sum­men ÜSA.-Kapital strömen nach Mexiko und suchen dort nach Anlage. Diese Kapitalflucht ist auf die letzten Steuererhöhungen der Regierung Roosevelt zurückzuführen sowie aus die Furcht vor noch weitergehenden Maßnahmen. Das Schatzamt erklärt, daß rund 600 000 Dollar in der Woche nach Mexiko abfließen und damit der amerikanischen Wirtschaft entzogen werden. Der größte Teil dieses Kapitals wird für den Ankauf von Grundbesitz, Ak­tien, industriellen Unternehmungen ufw. verwen­det, jedoch zum Leidwesen der mexikanischen Re­gierung nicht für die Errichtung neuer, das Land fördernder Industrien. Mit Vorli"be werden Büro­häuser in den größeren Städten gekauft. Auf der mexikanischen Effektenbörse herrscht eine gewaltige Hausse. In Mexiko selbst verfolgt man diese Ent­wicklung mit großen Besorgnissen, da eine Befruch­tung der eigenen Wirtschaft durch dieses amerika­nische Kapttal nicht zu erwarten ist, das Fluchtkapi­tal auch keine dauerhafte Anlage sucht, sondern die Neigung hat, flüssig zu bleiben.

General der Pioniere Jacob 60 Jahre alt.

Am 1.4. begeht der General der Pionie und Fe­stungen beim Oberbefehlshaber des Heeres, General der Pioniere Jacob, feinen 60. Geburtstag. Er wurde in München geboren und begann feine mili­tärische Laufbahn 1902 als Fahnenjunker im baye­rischen Eisenbahn-Bataillon. Nach seiner Teilnahme am ersten Weltkrieg in Front- und Stabsstellungen wurde er 1929 Kommandeur des Pionier-Batail­lons 7 in München. 1938 trat er als Generalleutnant und Inspekteur der Pioniere, Eisenbahnpioniere und Festungen an die Spitze der Pionierwaffe. Am 1. 6. 1940 wurde er General der Pioniere.

Kleine politische Nachrichten.

Der britische Außenminister Eden ist aus den Ver­einigten Staaten in Ottawa eingetroffen.

t *

Durch Verordnung des Erziehungsministers ist das bisher in den französischen Volksschulen gebräuch­liche Handbuch der französischen Geschichte von Paul Louis D u p r e z verboten worden. Das Lehrbuch widersprach den von Vichy vertretenen Auffassungen.

Zum Oberkonrnrandierenden der Luftwaffe in Französrsch-Westafrika wurde General Bergeret er­nannt. Bergeret war früher stellvertretender Mili­tär- und Zivilgouverneur in Französisch-Nordafrika unter Giraud. Etwa Mitte März mußte er im Zuge der politischen Umorganifation in Nordafrika seinen Posten auf geben.

*

Aus Tanger wird gemeldet, daß Spanien feine Besatzung von Tanger um weitere 6000 Mann ver­stärkt hat. Von dem Kontingent sei bereits die Hälfte der Truppen eingetroffen.

Eine Wirtschaftskonferenz, an der die Führer der Regierung sowie die bedeutendsten japanischen

Oer Werkmeister.

Vou Hans Geck.

Draußen auf dem Fabrikhof steht die fertige Ma­schine. In vielen Tag- und Nachtschichten haben die Männer der Arbeit sie mit rastlosem, unermüdlichem Eifer gebaut. Nun steht sie da, zu unbestimmtem Warten verurteilt. Der Hebekran, der sie auf den Waggon, heben soll, versaat plötzlich und muß erst überholt werden. Tage, kostbare Tage, die allen aufgewandten Fleiß zunichte machen, werden dar­über vergehen.

Jan Bork, der Werkmeister, schaut immer wieder zu ihr hinüber und murmelt dabei etwas in seinen stoppeligen Bart hinein, das keiner verstehen-kann. Es klingt wie das Knurren eines gereizten, wenn auch im Grunde gutmütigen Hundes. Und fast scheint es so, als wenn die anderen Männer ihn Darin noch übertreffen wollen ... Nur, daß sie laut und offen über das Versagen des Hebekrans schimpfen. Das geht so die halbe Schicht lang. Dann ist der Werkmeister plötzlich dort, wo seine Micke schon den ganzen Morgen weilen drau­ßen bei der Maschine, streicht um sie herum und scheinr sich mit schweren Gedanken herumzuschlagen.

He Jung's", ruft er, und sein Knurren hat sich nun in lautes Brüllen verwandelt.He Jung's, das gibt's doch nicht! Das ist doch noch nicht dagewesen! Haben wir eigentlich Krieg oder haben wir keinen Krieg? Was meint ihr wohl, warum sie uns nicht als Freiwillige zur Front lassen! Wir sind die Arbeitssoldaten, jawohl, das sind wir! Und darum, meine ich. ist es unsere Pflicht, uns von den anderen nicht beschämen zu lassen! Wie haben unsere Feldgrauen das doch ge­macht mit ihren Blitzkriegen! Ünd noch dazu ohne Doppelschicht! Hebekräne werden die wahrscheinlich auch keine gehabt haben! Und wir sollen nun mit ansehen, wie die Maschine hier vielleicht noch tagelang herumsteht? Und nun sollt ihr mal was erleben! Wollen wir uns das Maschinchen nicht auf den Buckel packen und es hübsch sacht und

eigenhändig auf den Wagen stellen. Jawoll, das tun wir! Wir werden doch nicht vor zwölf Zentnern bange sein! Vier Mann können vorne, vier hin­ten und je einer an beiden Seiten anfassen. Das Schwerste ist das Hochheben. Aber, wenn ihr sie so hoch bekommt, daß ihr das Gewicht auf einer Schul­ter abstützen könnt, geht's ganz gut. Und da ich der. Größte von euch bin, krieche ich in der Mitte unter und trage mit meinem Buckel noch gut zwei Zentner von dem Gesamtgewicht. Also dann mal los, Jung's, jetzt zeigt mal, was ihr könnt Freiwillige vor! Ausnahmsweise mal Freiwillige!"

Lachend und disputierend kommen die Männer aus der Halle.Na nicht so drängen", ruft Jan Bork;mehr als zehn Mann tonnet) wirklich nicht an fassen; ich hab's genau ausgerechnet. Da wollen wir mal die Stämmigsten aussuchen."

Und nun beginnt der tollkühne Versuch. Der Alte läuft zwischen Den Leuten herum, und bald stehen jehn der stärksten um die Maschine gruppiert. Aber es gelingt ihnen nicht, den Koloß auch nur wenige Zoll vom Erdboden zu heben. Ian Bork läßt sich j-Dod) nicht entmutigen. Die anderen Männer müssen jetzt Balken und Eisenschienen unter die Maschine schieben, um so beim Anheben von unten nachzu­helfen.

Eine Viertelstunde lang mühen sie sich ab, dann haben die zehn Männer das Ungetüm tatsächlich auf ihren Schultern ruhen, ohne daß einer von ihnen unter dem Gewicht auch nur wankt.Also, Jung's", erklärt Jan,damit ihr mir die Maschine nicht fal­len laßt, krieche ich jetzt in der Mitte unter."

Einige der Männer versuchen zu protestieren, doch Ian läßt sich nicht zurückhalten. Gewandt kriecht tr zwischen oen Füßen der breitbeinig Dastehenden hindurch. Und nach einem Augenblick ertönt seine Stimme:Also Jung's, nun los!"

Langsam und vorsichtig setzt sich der wie mit der Maschine _ zusammengeschweißte Trupp in Be­wegung. Es sind keine fünf Meter bis zum Waggon. Aber die Männer haben in ihrem Eifer nicht damit gerechnet, daß der Boden uneben ist und die Vor­deren zudem fast rückwärts gehen müssen. Sehen

kann von allen kaum einer etwas.* Ungefähr ein Meter vom Ziel entfernt, klafft ein riesiges Schlag­loch, in das der zweite Vordermann mit unfehlbarer Sicherheit hineintreten und dabei die Maschine im Fallen-mitreißen muß. Doch im letzten Moment er­tönt Ians Stimme in durchdringendem Kommando: Halt, Jung's, jetzt zwei Schritte nach rechts und dann in der alten Richtung weiter."

Und der Zug setzt sich, getreu seiner Weisung, wieder in Bewegung. Warum der Werkmeister eigentlich das Kommando zum Halten gab, werden seine Arbeitskameraden nie erfahren. Das Schlag­loch ist wohl zu unbedeutend, als daß es einer der Männer noch nachträglich beachten würde. Und Jan will vielleicht nicht, daß man von der Gefahr, in Der besonders er geschwebt hatte, Aufsehen nlacht, weil er im Augenblick doch wirklich nur an die Ma­schine gedacht hatte.

Oas Volk stehl auf, -er Sturm bricht los ...

Wei^n mir heute erleben, ttrie das ganze Volk sich entschlossen zu dem Entscheidungskampfe um fein Schicksal erhebt; so werden Erinnerungen wach an die stürmischen Tage von 1813,.in denen unser Land erfüllt war von dem allgemeinen Aufbruch gegen öen Eroberer, der es tief geknechtet hatte. Berlin lebte in einem Taumel der Begeisterung, alle leiste­ten dem Ruf des Vaterlandes Folge'.Das Ge­dränge der Freiwilligen, die sich einschreiben lassen, rst heute so groß auf dem Rathause wie bei Teue­rung vor einem Bäckerladen", schrieb der Historiker Barthold Georg Niebuhr in einem Briefe. Den jungen Freiheitskämpfern wurden Marschruten nach den beiden Sammelpunkten Frankfurt und Wrietzen bekanntgegeben, wenn sie sich nicht einzeln oder truppweise nach Breslau oder Kolberg begeben soll­ten. Eugöne Beauharnais wies die Einwohner von Berlin in einem Aufruf darauf hin, daß der König von Preußen der Verbündete des Kaisers Napoleon

sei, und daß jede Begünstigung der Feinde Frank­reichs und seiner Verbündeten ohne Verzug mit dem Tode bestraft würde. Ader man wagte schon nicht mehr, diesen Aufruf öffentlich anzuschlagen. Schon am 4. März rückten die Franzosen unter unverhoh­lenen Verwünschungen der Bewohner aus Berlin ab. . 113 Schüler verließen die Bänke des Gymmr- siumsZum Grauen Kloster", vom Primaner her­ab bis zum Tertianer; Wer selbst keine Kräfte zu- zusetzen hatte, rüstete andere mit Waffen und Mit­teln aus. Dem Reichen, der sein Opfer in namhaft ten Summen brachte, tat es der Aermste mit kleiner Münze gleich. Wer von anderen nichts annehmen wollte, verkaufte notwendigste Habe für Flinte und Uniform.Während die wehrhaften Männer zu den Mahnen strömten, drängte sich das Volk zu den Op- serstellen für das Vaterland. Seilen und Seiten füll- ten in Öen .Kurmärkischen Amts-Blättern' die Be­richte über die mannigfaltigen Beweise frei willigen Opfermuts."

Am 17. März, einen Tag nach der formeUen Kriegserklärung gegen Frankreich und am Tage des Aufrufes an Mein Volk", zog dergiftige Kett" A.ork, dessen Schritt von Tauroggen schon eine Ko- binettsorder im Februar gerechtfertigt hatte, in Ber­lin ein. Genau zehn Tage später waren die Trup­pen desEisenfressers" im Garten vor dem Schloß aüsmarschbereit angetreten. Der Feld Prediger seg­nete sie ein. Dann trat York an den Feldaltar und sprach:Kameraden! Drei Tugenden sind des Sol­daten erster Ruhm: Tapferkeit, Ausdauer, Manns­zucht. Von diesem Augenblick ab gehört keinem von uns mehr das Leben; keiner muß darauf rechnen, das Ende des Kampfes erleben zu wollen." Und zum Leibregiment gewandt, fuhr er fort:Soldaten, letzt geht's in den Kampf. Ihr sollt mich an eurer Spitze sehen, tut eure Pflicht! Ich schwöre euch, mich steht ein unglückliches Vaterland nicht wieder." Ju­belnde Zustimmung seiner Soldaten dankte ihm. Er selbst trug von diesem Augenblicke an Gift bet sich- Dann zogen sie hinaus in den Kampf für dis Befreiung des Vaterlandes, den ruhmreichen Tagen entgegen, die für immer unvergessen bleiben.». C.&