turgesetzes" angenommen habe. Sir Eyre Crowe gab sich die größte Mühe, dieses für England so bequeme Gleichgewichtsgesetz mit allen ethischen and moralischen Werten zu untermauern, wobei er bezeichnenderweise Deutschlands Stärke in erster Linie in den moralischen und intellektuellen Werten sah, die es der Welt geschenkt habe. Das Reich der europäischen Mitte wurde hier also in wahrhaft diabolischer Weise von allen machtpolitischen Wettbewerben ausgeschlossen. Nur auf geistigem Gebiet dürfe Deutschland an dem Wettbewerb der Nationen teilnehmen. Wörtlich sagte Sir Eyre Crowe dann: „Wenn Deutschland glaubt, daß größeres relatives Uebergewicht an Macht, weitere Gebietsausdehnung, unverletzbare Grenzen und die Vorherrschaft $ur See die notwendigen und präliminaren Besitztümer sind, ohne die alle auf eine solche Führerschaft gerichteten Bestrebungen zum Scheitern verurteilt sind, dann muß England erwarten, daß Deutschland sicher danach trachten wird, die Macht aller Rivalen zu schwächen, feine eigene Macht durch Gebietserweiterungen zu stärken, das Zusammenwirken anderer Staaten zu verhindern und schließlich das britische Reich zu zerstückeln und zu verdrängen." Dem Einwand, daß Deutschland solche Pläne gar nicht hege, begegnete Crowe einfach mit der Erwiderung, daß die Gleichgewichtstheorie das „Gesetz" der deutschen Politik endgültig umschrieben habe, daß dieser Vorsatz also bestehe!
Hier sehen wir also die Wirklichkeit bereits völlig auf den Kopf gestellt, hier ist der Imperialismus reinsten Wassers am Werke, um mit einer schäbigen und durchsichtigen ideologischen Tarnung, die ihre Mittel aus der Philosophie und Ethik ableitet, in Wirklichkeit eine ewige Ohnmacht Deutschlands zu verwirklichen, damit England als Randstaat Europas sein Weltreich ungestört vermehren kann und gleichzeitig die Verhältnisse in Europa so zu lenken, wie es nicht das europäische, sondern das englische Interesse gebietet
Unter diesem Zeichen hat England seine Koalitionskriege geführt, hat es feine Bündnispolitik betrieben, hat es seine „Freundschaften" verteilt. Dos Gleichgewicht, angeblich ein Naturgesetz, wurde so ein Vorwand zur Verteidigung des Status quo, also für einen unorganischen und widernatürlichen Zustand, der in keiner Weise mehr jene Dynamik der unter dem Begriff des Liberalismus groß geworde
nen Nationalstaaten berücksichtigte, der aus der Harmonie der Kräfte ein gefährliches Gebilde einseitig und brutal verstandener Vorherrschaft machte. Nicht mehr das Gleichgewicht bedingte die moralische Weltordnung, sondern es stand einer Entwicklung zu neuen und besseren Ordnungsformen geradezu im Wege, um einen unhaltbar gewordenen Besitzstand der Vergangenheit gegen junge und in ihrer geschichtlichen Entwicklung später gereifte Volker zu verteidigen.
Es ist Englands Schicksal, daß es diesen Krieg heraufbeschwor/ ohne einen Staatsmann zu besitzen, der diesen Gong der Geschichte voraussah, aeschweige denn rechtzeitig beurteilen und dementsprechend' handeln konnte. Das Spiel mit dem Gleichgewicht hatte feit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhurü>erts nicht mehr die geringste ideologische und moralische Basis, die eine allgemeine Anerkennung gerechtfertigt hätte. Es war zu einem bloßen Schlagwort geworden, das England für feine eigenen Zwecke ausbeutete, zu einem zynisch gehandhabten Machtinstrument, um Nebenbuhler niederzuhalten. Das Versailler Diktat sollte noch einmal diesen Zustand verewigen, in Wirklichkeit war es aber bereits dsr Anfang vom Ende. Denn schrittweise wurde zunächst die französische Hegemonie, die schon rein aus mangelnder Vitalität Frankreichs scheitern mußte,, abgebaut. Diese Tatsache wurde 1926 mit dem Locarnopakt offensichtlich. Die zweite Periode des Abbaus der britischen These kann man etwa mit dem Austritt Deutschlands und Japans aus dem Völkerbund bezeichnen, während das entscheidende Vorspiel zu dem jetzigen Drama der völligen Umkehrung angeblicher britischer Kriegsziele mit dem Wettrüsten seit 1933 begann. Immer heftiger rüttelten die „Habenichtse", also diejenigen, für die der Gleichgewichtszustand nachgerade eine teuflische Fiktion bedeuten mußte, an den von England und Frankreich geschmiedeten Ketten, die sich seit dem ersten Weltkrieg bereits als gefährlich brüchig erwiesen hatten. Und jetzt hat die „Times" den Schlußstrich unter diese Epoche gezogen, indem sie selbst das Gleichgewichtsprinzip 3um alten Eisen warf, außerdem die englische Politik noch mit dem Verrat Europas an den Bolschewismus belastete, den abzuwenden heute allein eine deutsche und damit wahrhaft europäische Angelegenheit geworden ist.
Genarrtes
Indien.
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Die Zeiten, in denen die Briten unter Ausschluß der Oeffentlichkeit in Indien nach Herzenslust die Bevölkerung ausplündern, dem Hunger preisgeben oder in Massen niederschießen konnten, sind endgültig vorbei. Heute interessiert sich die ganze Welt für das, was in Indien vor sich geht, und sie erkennt mit Entsetzen, wie brutal das britische Herrschaftssystem ist. Das ist den Engländern außerordentlich peinlich, sie versuchen daher immer wieder, die blamablen Seiten ihres Systems zu vertuschen.
Diesen Zweck verfolgte auch die Jndiendebatte im Unterhaus, bei der gleich zwei Mitglieder der Regierung, Jndienminister A m e r y und der stellvertretende Premierminister Attlee sich die erdenklichste Mühe gaben, die Indienpolitik Londons zu rechtfertigen. Beide überschlugen, sich dabei geradezu in Heuchelei und Verlogenheit. Sie gingen in der Verdrehung der Tatsachen so weit, von den Führern des indischen Volkes immer nur als von den.Diktatoren zu svrechen und sich selbst, die Engländer, im Gegensatz oazu als die einzig wahren Demokraten zu empfehlen.
Daß das indische Volk die Freiheit haben will, nachdem es jahrhundertelang schamlos ausgebeutet und brutal unterdrück! wurde, ist nach englischer Lesart also ein Zeichen von Diktatur: daß aber die Briten Indien seiner Schätze beraubten, Millionen und aber Millionen in einem Elend, das bisher in diesem Lande unbekannt war, verkommen ließen und jedem, der etwas dagegen zu äußern wagt, mit dem mit Blei gefüllten Bambusknüppel den Schädel einschlagen, das ist, so behauptet man in London jedenfalls, Demokratie. Gandhi ist der Diktator, Lord Linlithgow der Volksführer, so erklärten dem Sinne nach Amery und Attlee vor dem Unterhaus.
Bitterer Hohn für das indische Volk war es auch, als Amery darauf hinwies, daß die „Rebellion der Kongreßpartei" — so nannte er den schüchternen Versuch der Inder, auf legalem Wege die versprochene Freiheit von England zu erlangen — mit Hilfe indischer Instanzen und Organe selbst niedergeschlagen wurde und daß man jenen indischen Mitgliedern der Exekutive des Vizekönigs zu großem Dank verpflichtet fei. Attlee warf Gandhi vor, er habe mit „unglaublicher Lässigkeit und Gleichgültigkeit" Zusehen wollen, wie Der „große halbe Kontinent Indien" der Anarchie verfiel, als
ob nicht gerade der Anblick der Anarchie und des' Massenelends als Folge der britischen Blutherrschaft den Freiheitswunsch des indischen Volkes beflügelt und einen unmittelbaren Anlaß zu dem Freiheitskampf /der indischen Führer gegeben hätte.
Im übrigen wiederholten Amery und' Atttee die scheinheiligen Beteuerungen, daß England Indien „sobald es möglich sei" zur „Selbstregierung" verhelfen wolle. Sie taten so, als ob es an den Indern läge, jetzt, nachdem London alles nur Erdenkliche getan habe, die notwendigen Schritte dazu zu ergreifen. Damit gaben sie zu, daß der englische Karren in Indien völlig festgefahren ist und London keinen Ausweg aus der Situation weiß, in die es sich selbst hineinmanövriert hat. Diese Erkenntnis kam auch in der Debatte zum Ausdruck, in der das Weißbuch über Indien, das die britische Regierung dieser Tage herausgegeben hat, in Grund und Boden kritisiert wurde. Der Abgeordnete Graham White nannte es ein beklagenswertes Dokument, ein anderer sogar „eine böswillige, irreführende Angelegenheit". Aber praktisch verlief die Debatte, wie nicht anders zu erwarten war, wie das Hornberger Schießen. Die „Times" stellt das nüchtern mit dem Satz fest: „Alle Sprecher haben anerkannt, daß die Regierung praktisch keine andere Wahl hat, als den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen." Mit anderen Worten: Die Briten bleiben also in Indien bei ihrer Methode des Terrors. Der Frei- heitskampf geht weiter.
Das indische Volk will kein Kompromiß mehr.
B a n g k o k, 31. März. (Europapreß.) Zu der Indiendebatte im englischen Unterhaus schreibt der indische Korrespondent Surenda, Amery und Attlee hätten offenbar eingesehen, daß der britische Versuch, sich Indien durch die Errichtung einer von den Briten kontrollierten Scheindemokratie und eines Scheinparlaments auf alle Zeiten hörig zu machen, gründlich fehlgeschlagen sei. Amery irre sich, wenn er glaube, daß die Tür zu Verhandlungen noch immer offenstehe. Das indische Volk und seine Führung kennten heute fein Kompromiß mehr, sondern nur den Kampf bis zur endgültigen Vernichtung des britischen Imperialismus in Indien.
In den Dschungeln Nord-urmas.
Oer britische plan einer Verbindung mit Tschungking vereitelt.
T o k i o , 31. März. (Europapreß.) Bei den harten Kämpfen in Nordburma war neben dem äußerst schwierigen Gelände die dauernde Anwesenheit feindlicher Flieger sehr hinderlich, so daß die japanischen Truppen sich tagsüber im Dschungel verborgen halten mußten und nur die Nächte zum Vormarsch verwenden konnten. Ein Bericht der Zeitung „Mainitschi" schildert die Besetzung von Sampra- b a n, etwa 200 Kilometer nördlich von Myit- k y i n a, einer Station, die in Friedenszeiten den Jägern und Reisenden Unterkunft gewährte. Dieser Ort, der zahlreiche Bungalows der brftisch-indischen Verwaltung besaß, wurde zum Mittelpunkt der englischen Bemühungen, durch Nordburma hindurch eine neue Verbindung zwischen Indien und Tschungking zu schaffen. Mit der Einnahme dieses Ortes dürften die britischen Bemühungen vereitel t Jein.
Der Vormarsch führte über 200 Kilometer durch wegelose, feuchtheiße Dschungel. Es ist als eine' hervorragende Leistung anzusehen, daß die japanischen Truppen diese Strecke in anderthalb Monaten, immer belästigt von feindlichen Fliegern, überwinden konnten. Besonders die japanischen
Pioniere, die der Hauptmacht die Wege bahn- teh, leisteten Unerhörtes. Sägen konnten zum Baumsägen nicht benutzt werden, da das Holz grün und saftig war. So erwiesen sich die burmanischen Aexte, Dah genannt, als sehr nützlich.
Äe Truppen litten sehr unter der heißen Feuchtigkeit, welche selbst in der trockenen Jahreszeit den Boden immer sumpfig hält. Wo immer eine Strecke erreicht wurde, mußten zuerst sämtlich^ Minen entfernt werden, wozu sich die Pioniere hölzerner, von Ochsen gezogener Walzen bedienten. Neben klimatischen Schwierigkeiten mutzten die Truppen mancherlei Plagen, wie Blutsauger und Ungezieftr ertragen. Hinzu kam, daß, nachdem sich der Vormarsch über 150 Kilometer von Myitkyina entfernt hatte, der Nachschub a u s b I i e b , Jo daß die Truppe sich großenteils von Dschungelfrüchten ernähren mußte. Rur ab und zu gab es eine höchst willkommene Abwechslung, wenn feindliche Flugzeuge ihre eigenen Truppen aus der Luft durch Abwerfen von Proviant verpflegen wollten, ihre Lasten aber am falschen Ort ab warfen und so zu einer Verbesserung der japanischen Verpflegung bei= trugen.
Im nördlichen und südlichen Pazifik.
Tokio, 31. März. (Europapreß.) Die japanische Presse berichtet von einem Seegefecht in den Gewässern der Aleuteninseln, die sich in weitem Bogen durch den nördlichsten Teil des Stillen Ozeans von Alaska nach der asiatischen Halbinsel Kamtschatka spannen. Das Seegefecht spielte sich am 17. März ab und wird in Tokio als Auftakt zu einer lebhaften Aktivität mit fortschreitendem Frühjahr betrachtet. Die erste Gesechtsbe- rühruna japanischer Kreuzer mit dem feindlichen Verband fand 150 Seemeilen westlich von A t s u t a, einer der Alsuteninseln, statt. Die feindliche Flotte hatte sofort ostwärts abgedreht, mar aber von den Japanern dank ihrer überlegenen Geschwindigkeit nach vier Stunden zum Kampf ge st eilt worden. Ein schwerer Kreuzer vom Typ „Pensacola" (9100 Tonnen) wurde durch einen Treffer in den Kommandoturm, durch den die zentrale Feuerleitung ausgeschaltet wurde, schwer beschädigt, während ein leichter Kreuzer vom Typ „Omaha" (7050 Tonnen) lichterloh brannte. In aufgelöster Ordnung flüchtete der feindliche Verband ostwärts. Japanische Kreuzer erlitten durch Artillerietreffer nur oberflächlichen Schaden.
Im Gegensatz zu dem Aleuten-Gefecht waren in den Unternehmungen gegen Neuguinea und die Canton-Insel die Japaner die Angreifer. Die erfolgreiche Aktion gegen einen in der Orobucht südöstlich von Buna' an der Nördküste von Neuguinea konzentrierten USA.-Konvoi bedeutet eine erhebliche Schwächung der auf Neuguinea kämpfenden Landtruppen des Feindes. Den Japanern gelang es, fast zwei Drittel der zum Schutze des Konvois eingesetzten 30 feindlichen Jäger bei nur drei eigenen Verlusten abzuschießen. Die dreimaligen Nachtangriffe gegendie Canto n-J n f ei nördlich der britischen Phönix-Inselgruppe, etwa 3000 Kilometer östlich von Neuguinea, richteten sich gegen eine der wichtigsten Nachschubbasen, welche die Nordamerikaner zur Sicherung des Luftseeweges Ha- wai—Australien während der letzten Monate eingerichtet haben. Besonders der Flugplatz, der Flughafen und die Flughallen, aber auch Kasernen und Hafenanlagen erlitten schwere Beschädigungen durch Spreng- und Brandbomben. 'Innerhalb von zwölf Tagen wurden vier feindliche U-Boote im pazifischen Raum vernichtet.
„Oie USA.
an Indien lebhaft intertzsfierl."
Bangkok, 3. März. (DNB) Mit welcher Of- fenheit die USA. sich darauf vorbereiten, Englands Erbe in Indien anzutreten, sieht man aus Erklärungen, die Präsident Roosevelts persönlicher Vertreter m Indien, William Philipp, auf einer Pressekonferenz in Bangalore abgab. Er habe, so sagte er, bas größte Interesse an Indiens Zukunft in wirt- schattlicher, finanzieller und politischer Hinsicht. Weite USA.-Kreise seien heute an Indien lebhaft interessiert, was durch die Anwesenheit zahlreicher junger Amerikaner in Indien urtterstrichen werde.
LlGA.-Kapiialflucht nach Mexiko.
Vigo, 31. März. (DNB.) Immer größere Summen ÜSA.-Kapital strömen nach Mexiko und suchen dort nach Anlage. Diese Kapitalflucht ist auf die letzten Steuererhöhungen der Regierung Roosevelt zurückzuführen sowie aus die Furcht vor noch weitergehenden Maßnahmen. Das Schatzamt erklärt, daß rund 600 000 Dollar in der Woche nach Mexiko abfließen und damit der amerikanischen Wirtschaft entzogen werden. Der größte Teil dieses Kapitals wird für den Ankauf von Grundbesitz, Aktien, industriellen Unternehmungen ufw. verwendet, jedoch zum Leidwesen der mexikanischen Regierung nicht für die Errichtung neuer, das Land fördernder Industrien. Mit Vorli"be werden Bürohäuser in den größeren Städten gekauft. Auf der mexikanischen Effektenbörse herrscht eine gewaltige Hausse. In Mexiko selbst verfolgt man diese Entwicklung mit großen Besorgnissen, da eine Befruchtung der eigenen Wirtschaft durch dieses amerikanische Kapttal nicht zu erwarten ist, das Fluchtkapital auch keine dauerhafte Anlage sucht, sondern die Neigung hat, flüssig zu bleiben.
General der Pioniere Jacob 60 Jahre alt.
Am 1.4. begeht der General der Pionie und Festungen beim Oberbefehlshaber des Heeres, General der Pioniere Jacob, feinen 60. Geburtstag. Er wurde in München geboren und begann feine militärische Laufbahn 1902 als Fahnenjunker im bayerischen Eisenbahn-Bataillon. Nach seiner Teilnahme am ersten Weltkrieg in Front- und Stabsstellungen wurde er 1929 Kommandeur des Pionier-Bataillons 7 in München. 1938 trat er als Generalleutnant und Inspekteur der Pioniere, Eisenbahnpioniere und Festungen an die Spitze der Pionierwaffe. Am 1. 6. 1940 wurde er General der Pioniere.
Kleine politische Nachrichten.
Der britische Außenminister Eden ist aus den Vereinigten Staaten in Ottawa eingetroffen.
t *
Durch Verordnung des Erziehungsministers ist das bisher in den französischen Volksschulen gebräuchliche Handbuch der französischen Geschichte von Paul Louis D u p r e z verboten worden. Das Lehrbuch widersprach den von Vichy vertretenen Auffassungen.
Zum Oberkonrnrandierenden der Luftwaffe in Französrsch-Westafrika wurde General Bergeret ernannt. Bergeret war früher stellvertretender Militär- und Zivilgouverneur in Französisch-Nordafrika unter Giraud. Etwa Mitte März mußte er im Zuge der politischen Umorganifation in Nordafrika seinen Posten auf geben.
*
Aus Tanger wird gemeldet, daß Spanien feine Besatzung von Tanger um weitere 6000 Mann verstärkt hat. Von dem Kontingent sei bereits die Hälfte der Truppen eingetroffen.
Eine Wirtschaftskonferenz, an der die Führer der Regierung sowie die bedeutendsten japanischen
Oer Werkmeister.
Vou Hans Geck.
Draußen auf dem Fabrikhof steht die fertige Maschine. In vielen Tag- und Nachtschichten haben die Männer der Arbeit sie mit rastlosem, unermüdlichem Eifer gebaut. Nun steht sie da, zu unbestimmtem Warten verurteilt. Der Hebekran, der sie auf den Waggon, heben soll, versaat plötzlich und muß erst überholt werden. Tage, kostbare Tage, die allen aufgewandten Fleiß zunichte machen, werden darüber vergehen.
Jan Bork, der Werkmeister, schaut immer wieder zu ihr hinüber und murmelt dabei etwas in seinen stoppeligen Bart hinein, das keiner verstehen-kann. Es klingt wie das Knurren eines gereizten, wenn auch im Grunde gutmütigen Hundes. Und fast scheint es so, als wenn die anderen Männer ihn Darin noch übertreffen wollen ... Nur, daß sie laut und offen über das Versagen des Hebekrans schimpfen. — Das geht so die halbe Schicht lang. Dann ist der Werkmeister plötzlich dort, wo seine Micke schon den ganzen Morgen weilen — draußen bei der Maschine, streicht um sie herum und scheinr sich mit schweren Gedanken herumzuschlagen.
„He — Jung's", ruft er, und sein Knurren hat sich nun in lautes Brüllen verwandelt. „He — Jung's, das gibt's doch nicht! Das ist doch noch nicht dagewesen! Haben wir eigentlich Krieg oder haben wir keinen Krieg? — Was meint ihr wohl, warum sie uns nicht als Freiwillige zur Front lassen! — Wir sind die Arbeitssoldaten, jawohl, das sind wir! Und darum, meine ich. ist es unsere Pflicht, uns von den anderen nicht beschämen zu lassen! Wie haben unsere Feldgrauen das doch gemacht mit ihren Blitzkriegen! Ünd noch dazu ohne Doppelschicht! Hebekräne werden die wahrscheinlich auch keine gehabt haben! — Und wir sollen nun mit ansehen, wie die Maschine hier vielleicht noch tagelang herumsteht? — Und nun sollt ihr mal was erleben! Wollen wir uns das Maschinchen nicht auf den Buckel packen und es hübsch sacht und
eigenhändig auf den Wagen stellen. Jawoll, das tun wir! Wir werden doch nicht vor zwölf Zentnern bange sein! — Vier Mann können vorne, vier hinten und je einer an beiden Seiten anfassen. Das Schwerste ist das Hochheben. Aber, wenn ihr sie so hoch bekommt, daß ihr das Gewicht auf einer Schulter abstützen könnt, geht's ganz gut. Und da ich der. Größte von euch bin, krieche ich in der Mitte unter und trage mit meinem Buckel noch gut zwei Zentner von dem Gesamtgewicht. Also dann mal los, Jung's, jetzt zeigt mal, was ihr könnt — Freiwillige vor! Ausnahmsweise mal Freiwillige!"
Lachend und disputierend kommen die Männer aus der Halle. „Na — nicht so drängen", ruft Jan Bork; „mehr als zehn Mann tonnet) wirklich nicht an fassen; ich hab's genau ausgerechnet. Da wollen wir mal die Stämmigsten aussuchen."
Und nun beginnt der tollkühne Versuch. Der Alte läuft zwischen Den Leuten herum, und bald stehen jehn der stärksten um die Maschine gruppiert. Aber es gelingt ihnen nicht, den Koloß auch nur wenige Zoll vom Erdboden zu heben. Ian Bork läßt sich j-Dod) nicht entmutigen. Die anderen Männer müssen jetzt Balken und Eisenschienen unter die Maschine schieben, um so beim Anheben von unten nachzuhelfen.
Eine Viertelstunde lang mühen sie sich ab, dann haben die zehn Männer das Ungetüm tatsächlich auf ihren Schultern ruhen, ohne daß einer von ihnen unter dem Gewicht auch nur wankt. „Also, Jung's", erklärt Jan, „damit ihr mir die Maschine nicht fallen laßt, krieche ich jetzt in der Mitte unter."
Einige der Männer versuchen zu protestieren, doch Ian läßt sich nicht zurückhalten. Gewandt kriecht tr zwischen oen Füßen der breitbeinig Dastehenden hindurch. Und nach einem Augenblick ertönt seine Stimme: „Also Jung's, nun los!"
Langsam und vorsichtig setzt sich der wie mit der Maschine _ zusammengeschweißte Trupp in Bewegung. Es sind keine fünf Meter bis zum Waggon. Aber die Männer haben in ihrem Eifer nicht damit gerechnet, daß der Boden uneben ist und die Vorderen zudem fast rückwärts gehen müssen. Sehen
kann von allen kaum einer etwas.* Ungefähr ein Meter vom Ziel entfernt, klafft ein riesiges Schlagloch, in das der zweite Vordermann mit unfehlbarer Sicherheit hineintreten und dabei die Maschine im Fallen-mitreißen muß. Doch im letzten Moment ertönt Ians Stimme in durchdringendem Kommando: „Halt, Jung's, jetzt zwei Schritte nach rechts und dann in der alten Richtung weiter."
Und der Zug setzt sich, getreu seiner Weisung, wieder in Bewegung. Warum der Werkmeister eigentlich das Kommando zum Halten gab, werden seine Arbeitskameraden nie erfahren. Das Schlagloch ist wohl zu unbedeutend, als daß es einer der Männer noch nachträglich beachten würde. Und Jan will vielleicht nicht, daß man von der Gefahr, in Der besonders er geschwebt hatte, Aufsehen nlacht, weil er im Augenblick doch wirklich nur an die Maschine gedacht hatte.
Oas Volk stehl auf, -er Sturm bricht los ...
Wei^n mir heute erleben, ttrie das ganze Volk sich entschlossen zu dem Entscheidungskampfe um fein Schicksal erhebt; so werden Erinnerungen wach an die stürmischen Tage von 1813,.in denen unser Land erfüllt war von dem allgemeinen Aufbruch gegen öen Eroberer, der es tief geknechtet hatte. Berlin lebte in einem Taumel der Begeisterung, alle leisteten dem Ruf des Vaterlandes Folge'. „Das Gedränge der Freiwilligen, die sich einschreiben lassen, rst heute so groß auf dem Rathause wie bei Teuerung vor einem Bäckerladen", schrieb der Historiker Barthold Georg Niebuhr in einem Briefe. Den jungen Freiheitskämpfern wurden Marschruten nach den beiden Sammelpunkten Frankfurt und Wrietzen bekanntgegeben, wenn sie sich nicht einzeln oder truppweise nach Breslau oder Kolberg begeben sollten. Eugöne Beauharnais wies die Einwohner von Berlin in einem Aufruf darauf hin, daß der König von Preußen der Verbündete des Kaisers Napoleon
sei, und daß jede Begünstigung der Feinde Frankreichs und seiner Verbündeten ohne Verzug mit dem Tode bestraft würde. Ader man wagte schon nicht mehr, diesen Aufruf öffentlich anzuschlagen. Schon am 4. März rückten die Franzosen unter unverhohlenen Verwünschungen der Bewohner aus Berlin ab. . 113 Schüler verließen die Bänke des Gymmr- siums „Zum Grauen Kloster", vom Primaner herab bis zum Tertianer; Wer selbst keine Kräfte zu- zusetzen hatte, rüstete andere mit Waffen und Mitteln aus. Dem Reichen, der sein Opfer in namhaft ten Summen brachte, tat es der Aermste mit kleiner Münze gleich. Wer von anderen nichts annehmen wollte, verkaufte notwendigste Habe für Flinte und Uniform. „Während die wehrhaften Männer zu den Mahnen strömten, drängte sich das Volk zu den Op- serstellen für das Vaterland. Seilen und Seiten füll- ten in Öen .Kurmärkischen Amts-Blättern' die Berichte über die mannigfaltigen Beweise frei willigen Opfermuts."
Am 17. März, einen Tag nach der formeUen Kriegserklärung gegen Frankreich und am Tage des „Aufrufes an Mein Volk", zog der „giftige Kett" A.ork, dessen Schritt von Tauroggen schon eine Ko- binettsorder im Februar gerechtfertigt hatte, in Berlin ein. Genau zehn Tage später waren die Truppen des „Eisenfressers" im Garten vor dem Schloß aüsmarschbereit angetreten. Der Feld Prediger segnete sie ein. Dann trat York an den Feldaltar und sprach: „Kameraden! Drei Tugenden sind des Soldaten erster Ruhm: Tapferkeit, Ausdauer, Mannszucht. Von diesem Augenblick ab gehört keinem von uns mehr das Leben; keiner muß darauf rechnen, das Ende des Kampfes erleben zu wollen." Und zum Leibregiment gewandt, fuhr er fort: „Soldaten, letzt geht's in den Kampf. Ihr sollt mich an eurer Spitze sehen, tut eure Pflicht! Ich schwöre euch, mich steht ein unglückliches Vaterland nicht wieder." Jubelnde Zustimmung seiner Soldaten dankte ihm. Er selbst trug von diesem Augenblicke an Gift bet sich- Dann zogen sie hinaus in den Kampf für dis Befreiung des Vaterlandes, den ruhmreichen Tagen entgegen, die für immer unvergessen bleiben.». C.&


