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Sus ötm besetzten 6?Mtt

Die HcH-itsrechie aus dem Nhrinftrum.

Berlin, 29. Dez. (BTB.) Am 7. Dezem- l»er wurten ont Bermrlsssuug des BoMh^den bei interalliierten SchiftahttSkommiffion m Köln, des französischen Obersten Dumont, 2Polizei- boote der Rheinsttwmb«werwaltung (in Binger­brück unb St. von den Franzosen requi­riert. Dem MftÄüngen deutschen Vertreter er­klärte Oberst Dumont einige Tage später, er frohe den Auftrag, die gesamte Schif fahrtS- strvm Polizei und die kriminelle Polizei aus dem Rhein innerhalb der französischen Zone zu übern elh men. Er würde dafür sämtliche Polizeiboote der Meinstrombmwerwaltung in Be­schlag nehmen und sie seinerseits zur Ausübung der Schiisohuts- und allgemeinen Polizei in Dienst stellen. Mit der Polizeiaufsicht zu Wasser wie zu Lande würdm französische Offiziere beauftragt. Die Wasserbehörden müßten unter völliger .Kon­trolle der interalliierten Schiffahrtskommission ihren Dienst verrichten. Tie Polizeiboote hätten die Flagge der Schiffahr ts kam mis- zu führen. Tie Angestellten der Wasser- ychörden würden mit einer Armbinde der Kommission versehen sein. Im Falle der Weige­rung sollte die Auflösung der bestehenden Behörden- organisationcn erfolgen. Nach weiteren Nachrich­ten gelang es anscheinend inzwischen dein franzö­sischen Einfluß. die interalliierte Schiffahrtskonv- mission zu Beschlüssen zu veranlassen, die auf die Uebernahme der gesamten Polizeig^walt auf dem Rhein innerhalb sämtlicher vier Besatzungszonen durch die alliierten Militärbehörden abzielen. Wie wir hören, sind von den deutschen amtlichen Stel­len alsbald nach, dem 'Bekanntwerden der gegne- ' rischen Absichten, die bezweckten, Deutschland den letzten Rest seiner schon durch den Vertrag von Versailles auf dos äußerste eingeschränkten Ho­be its rechte auf dem deutschen Rheinstrom zu : j| rauben, energische Schritte untanornmen wor­den, um die Zurücknahme der getroffenen Anord- nimgen zu erreichen und weiteren Maßnahmen ähnlicher Art vorz.ubeugen. Insbesondere wird auch darauf gerechnet norden können, daß den be­teiligten Beamter! der Rheinstrombauverwaltung gegenüber etwa vorkdmmenden Willkürakten der Besatzungsbehörden wirksamer Schutz zuteil wird.

Aus Stadt unb Land.

Gießen, den 30. Dez. 1920.

Veranstaltungen.

Donnerstag: Stadttheater. 3Vr Uhr: ..Frau footte". Siadttheater, 8V4 Uhr: Protest- Versammlung gegen die Vergewaltigung Ober­schlesiens. Felsenkeller, 8 Uhr: Weihnachtsseiw der Sanitätskolonne. Cof4 Leib, 8 Uhr: Kon­zert und Vorstellung der Chiemseer. Lichtspiel­theater wie gestern.

*

** Mitbürger! Vergeßt ntcht. Euere vaterländische Pflicht zu tun und heute abend S1^ Uhr zur Proteftversammlung inS Stadt- Theater zu kommen? Bei der heutigen Protest- Versammlung gegen die drohende Bergewalttgung Oberschlesiens im Stadttheater wird nitfi Herr Oberpostsckretär Kohlhaase, sondern Dem Ober­lehrer Dr. Lenz die allgemeine Bedeutung der oberschlesischen Frage darlegen.

** Diebstähle. Im Laufe der Feiertage wurde dahier von einer Flurgarderobe ein wert- voller brauner Iltis, Kragen und Muff, ge- l stöhlen. In der Nacht vom 28. zum 29. wurden aus einem Lagerraum in der Nord-Anlage * mtttelst Einbruchs etwa 40 Pfund gemahlener

, Zucker gestohlen. Aus einem Gartenl-aus

* am Nahrungsberg wurde ein kleiner graugrüner Tisch uno ein Spaten gestohlen. Vor Ankauf wiro gewarnt.

** Eine hochnotpeinliche Schöffen- geriLtssitzung. Emer der immer seltener werdenden Gastwirts-Originale eines bieficen gut besuchten, seit etwa 30 Jahren eingegangenen Re­staurants in der Nähe der katholischen Kirche hatte versäumt, seinen aus Eisenbahnern, Postbeamten, Pensionären usw. zusammen^setzten Stamm tich das Singen am Sonntag vormittag zu untersagen. Er sowohl wie die Stammgäste erhielten deshalb Strafbefehle. Sie erhoben Einspruch, und so kam die Sache vor das Schöffengericht. Die Aussagen derBelastungszeugen" waren nicht schwer, be­sonders konnte keiner befarupten, daß er in seiner Sonntagsandackch gestört worden1 sei. Die Ange­klagten gaben zu, gesungen zu haben, und auch der Witt konnte es nicht in Abrede stellen. Er'kleidete seine Aussagen ettoo in die Worte:Herr Arnts- rickter, mer hawe gesunge. und zwar recht schee. Ich wett, wenn Sie mit dabei gehockt hätte, hätte Se aach> mitgesunge !" Amtsanwalt. Schöffen, Zu­hörer und Zeugen hatten Mühe, das Lachen zu unterdrücken. Die Angeklagten itrtrben freig^- sprochen. Der Witt verließ den Sitzungssaal mit den Motten:Eich humrs glei gesaat, es gibt noch Richter in Gäiße".

* * Besitzwechsel. In der gestttgen Notiz über den Verkauf des Tietzschen Anwesens ist der Verkaufspreis irrtümlich um ein Drittel zu hoch angegeben worden.

* * Die Deutschnationale Volks- Partei veranstaltet am Tiens an den 4. Januar, abends 8/2 Uhr, im Hotel Einhorn eine öffentlick-e Versammlung, in der Graf Westarp sprechen wird.

Landkreis Gießen.

- 0- Großen-Linden, 29. Dez. Tie hiesige Bereinigung einmaliger Kriegsgefan­gener hielt gestern abeno bei Kamerad Wirt Philipp Pirr V. eine Versammlung ab, um den Rechenschastsbericht der Ortsgruppe des Volksbun­des zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivil- gefangenen, aus der sie fenrorgegangen ist, ent- gegenzunchmen. Da die Gesamtteitung des Volksbundes ihre Liquidation bis Ende d. I. be­endet haben will, da auch der letzte unserer 22 Gefangenen aus Sibirien zurückgeteh t ist, gab der Leiter der Ortsgruppe, Rektor Bach, einen abschließenden Berich: und Ludwig Spies legte die Rechnung vor. Eine Sammlung in unserer Gemeinde hatte zu Beginn der Bewegung die Summe von rund 2200 Mk. ergeben Davon wurden größere Bettägr an die Oberleitung und an das Durchgangslager in Gießen abgetührt: unsere Gefangenen erhielten Pakete und Geld zugeschickt, und bei der Heimkehr erhielt jeder eine Grußspende ausgezahlt. Vom verbeibenden Rest- bestamde konnte nach Abzioeigung einer Summe für die Schule und für Wohltätigkeit jeder Heim­kehrer noch eine Weihnachtsgabe erhalten Damit hat auch die hiesige Ortsgruppe des Volksbund?s ihre Aufgabe erfüllt und konnte aufgelöst werden.

| feiettag-Abend in unserer KrrHe stattfand, wirkte ' wiederum der Schülerchor der 1. Klasse unter

ergab.

Hessen-Nassau.

Dachreklame auf den Straßenbahnwagen.

sd. Frankfurt a. M., 29. Dez. Zur Her- abmiuderimg.der Fehlbettäge bn der Straßenbahn vermietet jetzt die Straßenbnhnverwaltung die Wagendächer zur Anbringung von Reklame-- schildern. Tie ersten Wagen mit diesen weithin leuchtenden Gefchä'tscmvfchluugen curchfulren ge- fteru die Stecht. (Wir haben gegen solche Straßen- verschandelwrg bereits mehrfach Stellung genom­men.)

Im Walde erschossen.

fd. U n t e r st e i n b a (fj, 29. D^z. Der Wald­wärter Popp wurde seit mehreren Tagen ver­mißt unb fetzt erschossen im Walde aufgefunden. Die Leiche war mit Stroh zugedeckt. Vermutlich handelt es sich UM einen Racheakt durch Holz- frevler oder Wilderer.

fd. Frankfurt a. M., 29. Dez. An zwei Häusern des Baublocks in der Kolonie Rebstock stürzten in der vergangenen Nacht die Fas­saden ein. Menschenleben tarnen nicht zu Schaden.

mc. Frankfurt a. M., 29. Tez. In der Stadt wird in den letzten Dagen eine auffällige Zunahme von Grippefällen beobachtet, was wohl mit der unbeständigen Witterung ut Zu­sammenhang zu bringen ist. Uttbestättgt ist bas in der Bevölkerung Verbreitete Gerücht, es fambele sich um ganz besonders schwere Falle, bte log. Gehirngripve", vielmehr erklätten Aerzte auf Be­fragen, es sei kein Grund zu irgenb welcher Be­sorgnis, da die Erkrankungen vom normalen Grad kaum abweichen.

fd. Frankfurt a. M., 29. Tez. Die Post- verwaltung hat auf der Strecke Berlin Frankfurt a. M., dadurch eine eich'bliche Bef- serung im Telegm m verkehr herbeige­führt, daß sie auf einer Leitung 7 Strvmkreife in Tättgkett geletzt bat, und ist dadurch in der Lage, in der Minute etwa 4000 Buchstaben zu übermitteln.

fd. F r a n k f u r t a. M., 28. Dez. Dm Stadb- verordntteuversammlung gmchmtgte für fowttrge Regulierung der Nidda 40000 Mk. Fer­ner wurde mitgeteilt, daß in Frankfutt a. M. in den beiden letzten Jahren die Bautätigkerl größer gewesen fei, als in jeher anderen Stadl. Die Fortsetzung des Tempos scheitett aber künftig an der finanziellen Leistungsfähigkeit der Stadt. Ohne Kvstenzuschüsse aus öffentlichen Mitteln tarnt in Zukunft an ein Bauen nicht mehr gedacht werden. Außerdem macht sich in den nächsten Monaten ein bedenllicher Mangel an Baumaterial bemerk­bar. ^egen die Preußtsche Grund­steuer wird der preußische Städtetag wie in der Stadttero tnetmsitzung mitg'teilt wurde mit aller Scharfe Stellung nehmen.

Leitung von Lehrer Müller mit. Frisch und ein­drucksvoll fangen die Kinder vier Weihnachtslreder, von denen:Herbei, 0 ihr Gläubigen!" und Kommt, ihr Hirten, ihr Manner und Frauen!" hier zum ersten Male gehött wurden.

# Bobenhausen I., 29. Dez. Eine schöne Weihnachtsfreude wurde den notleidenden Kindern unserer Krieger zuteil, indem die hiesige Orts­gruppe der Kriegsbeschädigten eine Sammlung vornehmen ließ, welche den Betrag von 340 Mk.

Schöffengericht.

Gießen, 28. Dez,. 1920.

Eine fmtge Französin aus der Gegend von Maubeuge tarn tm Winter 1918 mit den deutschen Truppen nach Teutichland, ba ihr ein Soldat angeblich die Ehe versprochen hatte. Ihr Vermögen brachte sie in Kriegsgcld mit, das bte deutsche Heeresverwaltung im ^setzten französischen Gebiete eingeführt hatte. Da ihr angeblicher deutscher Bräutigam sie in Sttch ließ intb nie­mand ihr das Kriegsgeld abnehmen wollte, fuhr sie nach Köln, um es dort vielleicht los zu wer­den. Hier traf sie einen Landsmann, der sich zur Abnahme des Kriegsgeldes berett erFIärte, wenn sie von ihm Tabak dafür taufe. Sie ging auch auf den Handel ein und kaufte 6 Packen Rvh- tabak, den sie als Expreßgut an die Adresse ihres Gießener Tienstherrn aufgwb. Da ihre Angaben nicht widerlegt werden tonnten, war eine Bestra­fung toegen Schleichhandels nicht möglich. Dagegen erhielt sm eine Geldstrafe von 1000 Mk., roeü sie ohne Zustimmung der Tabakhandelsgefellschaft in Bremen Rohtabak angetaujt und weiterveräußert hatte.

Im Juli 1919 wohnte ein verheirateter Schlosser mehrere Wochen mit einem Dienst­mädchen aus Wetzlar in einer hiesigen Gastwirt­schaft als Ehepaar Müller, unter welchem Namen sie sich in das Fremdenbuch eingetragen hatten. Der Schlosser, der bereits früher abgeucteilt wor­den ist, brachte eines Tages 50 aus Militär­beständen stammende Bettücher mit nach Hause, die er von einem Unbekannten für 80 Mk. ge­kauft haben wollte. Das Dienstmädchen fertigte aus ihnen Wäsche und Kleidungsstücke an. Sie beraubtet heute, die Eintragung in das Fremden­buch sei ohne ihr Wissen geschehen, sie habe auch nicht gewußt, daß die Bettücher gestohlenes Mili­tärgut seien, findet damit jedoch keinen Glauben. Wegen Hehlerei bekommt sie eine Woche Gefängnis, wegen der falschen Eintragung 10 Mk. Geldstrafe.

Trotz der wegen der Maul- und Klauenseuche über die Gemarkung Steinberg verhängten Sperre verrichtete eine Frau von dort mit ihren Kühen Feldarbeit, wesyalb sie heute zu einer Geldstrafe von 80 Mk. verurteilt wird.

Wegen Nichtführung des für Viehhändler vvr- geschriebenen KontrollbuchZ erhielt ein Handels­mann aus Beuern eine Geldstrafe von 50 Mk. Er suchte dem Gericht zwar vorzuspiegeln, er habe die Kühe, die er nacheinander gekauft hatte, für seine eigene Wirtschaft an geschafft und sie dann wieder veräußett, da sie ihm nicht gepaßt hätten. Allein er fcmd damit keinen Glauben, da sich herausstellte, daß er lediglich für feinen Sohn, dem wegen Unzuverlässigkeit die Befugnis zum Gewerbebetrieb entzogen worden war, emgesprun-- gen war und für ihn Geschäfte abgeschlossen hatte.

Ein Eisenbahnsekretär ans Elberfeld, der aus dem Kreise Alsfeld unbefugt Mehl ausgeführt hatte, nahm fernen Einspruch wieder zurück, nach­dem ihm klar gemacht worden war, daß nach den gesetzlichen Bestimmungen die Strafe mindestens dem dreifachen Wette des Mehls gleichkommen müsse, während infolge e'nes, Versehens die int Strafbefehl angesetzte Strafe weit niedriger war.

Ein sich in Fr Ml kurt a. M. auihaltender Handelsmann aus Ostgalizien hatte in Leihgestern Wetten meh l aufgefauit. um es in Frankfurt in Konditoreien mit Gewinn weiterzuveräußern. Wegen Schleichhandels wird er zu 4 Wochen Ge­fängnis und 500 Mk. Geldstrafe verurteilt.

Im September l. I. bot em hiesiger Bäcker­lehrling einer Frau 2 Zentner Mehl zu 300 Mk. zum Kauf an. Sie ging Mich auf das Anerbieten ein, obwohl sie hörte, daß das Mehl aus dem städtischeil Mehllager in der Süd-An tage geholt werden solle. Damit es nicht so auffällig sei, gab sie dem Jungen noch 2 Säcke zum Zudecken mit. Die Sache wurde betraten und ein Wachtmeister kam zu ihr, um sie zur Rede zu stellen. Diesem gab sie zuerst an, sie habe das Mehl von einem Bauern in der West-Anlage gekaust. Wegen Hehlerei bekam sie eine Woc^ Gefananis, während der Lehrling, der das Mehl seinem Meister unter­schlagen hatte, wegen seiner großen Jugend mit 200 Mk. Geldstrafe davontam.

Ein aus Frankfurt stammender, in Heuchel­heim sich aufhaltender Gelegenheitsarbeiter sah Ende November in einem Hause irn Seltersw;g ein Fahrrad stehen, das er wegnahm. Er konnte sick feines Raubs aber nicht lange erfreuen, denn er wurde noch am gleichen Morgen festgenommen, als er da§ Rad bei einem Händler zu veräußern suchte. Er muß feine Tat mit 6 Monaten Ge­fängnis büßen.

Ein bei einer Kasseler Firma am hiesigen Güterbahnhos beschäftigter Vorarbeiter aus Elber­feld hat im Laufe der letzten vier Monate im Auftrage seiner Firma seinen Mttarbettern etwa 3100 Mk. für Steuern und 1825 Mk. für Kranken­kassenbeiträge abgezogen, das Geld aber nicht ord­nungsmäßig abgriiefert, sondern für sich ver­braucht. Weiter falt er Ende November 2100 Mk. Lohngelder nicht ansgezahlt, sondern ebenfalls unterschlagen. Er ist verheiratet und hat ein Kind und verdient monatlich etwa 13001400 Mk. Obwohl er, wie er selbst zugibt, nicht im mindesten in Not war, hat er das Geld unterschlagen und es in lüderlicher Gesellschaft in Frankfurt durch- gpbracht. Als er die 2100 Mk. erhielt, fuhr er sofort nach F. und verpraßte in einer Nacht mit einer Dirne 1900 Mk., bte restlichen 200 Mk. verjubelte er dann hier. Wegen Untreue und Unter­schlagung erhielt er eine Gesamtgefängnissttafe von 1 Jahr 3 Monaten. Außerdem wurden ihm wegen der Gemeinheit seiner Gesinnung die bürger­lichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren aberkannt. Zugleich wurde er sofort in Haft ge­nommen.

Anßer einigen kleineren Strafsachen tarnen nocb 8 Privat klagen zur Verhandlung, die alle verglichen wurden.

Weihnachtsfeiern.

**DerVereinehem. 116er friert» am Montag den 27. Dezember 1920 im Überfüllten Saale der Turnhalle seine diesjährige Weih­nachtsfeier. Unter Mitwirkung der hiesigen Negimentskavelle wurde der Abend mit den Wttsen der Weihnachtssestklängevon Wenges" einem von Fräulein Beil gesprochenen Prolog stim- mimgsvoll eingeleitet. Der 1. Vorsitzende begrüßt; die Anwesenden mit ttei zu Herzen gehmden, Worten, die der Würde des Festes und den heu­tigen ernsten Zeiten sehr angemessen waren. Musik und Gesangsvorträge, lebende Bildet und Theater­stück wechselten in bunter Reihe ab. Eines sehr regen Beifalls erfreute sich der EinakterUnter dem Weihnachtsbaum", der von den Mitwirkenden sehr gut und anregend ausgefühtt worden ist. Be­sonders erwähnenswett seien die Darbietungen ber Jugenb, deren Gesamtairstveten als auch die Solis, die mit großer Freude und starkem Applaus ausgenommen wurden. Ten Glanzpunkt des Abends bildete ein in Originaltracht auf» sieführter Bauerntanz, welcher in den farbenreichm Kostümen sehr zur Wirkung kam. Der modernen Tanzrichtung wurde durch Einlage einiger graziös migeführter Tanze ebenfalls Rechnung getragen. Den Vorführenden gebührt volle Anerkennung. Verlosung und Tanz brachte nach Beendigung des Programms einige recht angenehme und gemütliche stunden Der Vergnügungsausschuß des Vereins ehern. 116er hat es verstanden, seinen Mttgli;dern einen genußreichen, würdevollen Abend zu bitten.

1 . C ,2t n n e r 0 b, 28 Dz. Bei ber Weihnachts- | feier, bte nach altem Brauch am 1. Weihnachts-

Gerichtrsaal.

Görlitz,29. Dez. (Wolff.) Vor der hie­sigen Strafkammer begann heute die Ver­handlung gegen 33 wegen Landfriedens­bruch angeklagte Personen, fast durchweg Ar­

Areis Büdingen. , |

# Wippenbach, 29. Dez. Unfere 104 Seelen zählende Gemeinde hat, da ber einzige Wirt das. Geschäft aufgegeben, keine Dorf- schenke mehr. Die Bewohnet sind daher ge­nötigt, sich Mit dem nötigen Haustrimke zu ver­sorgen ober die Gasthäuser in dem 20 Minuten entfernt liegenden Ortenbevg aufzusuchen.

» H im b ach, 29. Dez. Zur Errichtung emes Denkmals für die im Weltkriege Gefallenen unserer Genteinde sammelte man durch freiwillige Spenden die schöne Summe von 5414 Matt. Dte Sammeltätigkeit hatte die Ottsgstuppe der Kriegs­beschädigten und Krregshvtterbliebenen über­nommen.

Kreis Schotten.

x Ulfa, 30. Tez. Eme WeihnaÄts- f t e n d e, wie sie großer tarn gedacht werden kann, widerfuhr der Familie des Gastwirts Hrch. Lotz IV. Am heiligen Abend kehrte nämlich der Gatte und Vater, der nahezu 6 Jähre rn ruf* siscker Kriegsgesangenfckaft gewesen, gefimb und wohlbehalten zurück. Noch an demselben Abend wurde er von dem Männergetangverem, dem sich die übrigen Vereine, bte Schuljugend, sowie viele andere Gemeindegltcker angeschLoffen hatten, be­grüßt. Nach dem Bortt-ag des LiedesDeutsche Worte hör' ich wieder!" entbot der Ortsgeistliche dem Heimgekehrten die Grüße und Glückwünsche der Gemeinde. Lotz ist der letzte Kriegsgefangene unseres Torfes, der erwartet wurde.

Starkenburg und Rheinhessen.

Zur BetriebSschließung der Opelwerke.

fd. Rüsselsheim, 28. Dez. Mit der Streikangelegenheit in den Opelwerken hat sich der Schlichtungsausschuß befaßt und in einem Schiedsspruch festgestelÜ, daß die Ar- beiterschast die Forderung nach einer Wirt­schaftsbeihilfe nicht weiter aufrecht erhält. Als Ursache zu den Vorgängen bei Opel ist ein un­zulässiges Vorgehen ungesetzmäßiger Vertre­ter der Arbeiterschaft anzusehen, worauf die Schließung der Fabrik erfolgte. Ein Anspruch auf Bezahlung der Stceiktage wird nicht zu­erkannt. Die Arbeit muß in vollem Umfang am 30. Dezember wieder ausgenommen werden.

beiter und Handwerker aus Hoyerswerda und Umgebung. Der Anklage liegen die Vorgänge am 16. April 1919 zu Grunde, während derer Landrat Dr. Hegenscheidt von einer auf­geregten Menge mißhandelt wurde.

Kirche uttö Schule.

Schulfeier zur Reichsgründung.

fd. Frankfurt a. M., 28. Dez. Die Stadtverordnetenversammlung lehnte mit 39 bürgerlichen Stimmen gegen 37 Stimmen der beiden sozialistischen Parteien den Antrag der Mehrheitssozialisten, daß am 50. Gedenk tage der Reichsgcündung, am 18. Januar 1921, weder eine besondere Schulfeier ftattfin- den, noch während des Unterrichts des Tages gedacht werden soll, afa

e. E b e r st a d t, 28. Dez. Unter Leitung des Lehrers Löffler veranstaltete die hiesige Bollsschule am 23. Dezember einen Elternabend. In der Ansprache, die Preußens Erniedrigung und Er- neueruitg behandelte, zog- ber Leiter der Veranstal­tung eine Parallele zu unserer heutigen Lage unb führte den Gedanken ans, daß eine Gesundung der heutigen Äolksverhältnisse nur möglich sei, wenn alle sittlichen Kräfte des Volles zur Auswirkung gebracht würden. Gedichte und mehrstimmige Lieder verschönten die würdig verlaufene Veranstaltung.

Kunft und Wissenschaft.

Notlage des Mainzer StadttheattrS.

F. Mainz, 28. Dez. Die Frage des Schicksals der Stadttheater, welche heute Un­summen von Zuschüssen verlangen, ist am Mainzer Stadttheater erneut aufgerollt, ba man städtischerseits den Zuschuß von einer Million nicht mehr verantworten zu Jönnen glaubt, zumal neue Forderungen der Solo­kräfte eingereicht worden sind. Die Stadtver­waltung wird voraussichtlich eine gänzliche Schließung des Stadttheaters dadurch zunächst vermeiden, daß sie das Schauspiel ausfallen lassen will und sich auf die zugkräftige Musik beschränkt.

vektnrschte».

fd. Camburg, 29. Tez. In der Maisen- backer Mühle wurde ein schwerer Raubüber­fall verübt. Fünf unbekannte Täter drangen, nach^dem sie zuvor die Telephonleitung abgescsinitten hatten, in die Mühle ein. In der Küche kam es zwischen den Bewohnern und den Räubern $u*nt Kampfe, im Verlauf dessen der Mühlcnbesitzer und seine Frau überwältigt, schwer verletzt und in Schränke gesperrt wurden. .D«r Räubern fiel an Geld etwa 10 000 Mark unb Sck.muckgegenstände in bte Hände. Von ihnen fehlt jebe Spur.

MrchNche Naehvichten.

Israel. Religionsgemeinde. Gottes» dienst in der Synagoge (Süd-Antage). SamStag^ 1. Januar 1921. Vorabd. 4.30. Mwrg 9. WdS. 4.45 u. 5.25 Uhr.

Israel. Reltgions - Gesellschaft. Sabbatfeier, 1. Januar 1021. Freitag abd. 4.10. Samstag vorm. 8.30, nachm. 3.30. Sabbatms- gang 5.25. Wvchengottesdienst: morg. 7.10, übte. 4.00.

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, den 30. Tez. 1920.

Die gestrige Stadtverordnetenversammlung war cinbcruien worden, um üJer die städtischen Steuern: die Besteuerung des rei(f)3fteuerfreien Einkommens, sowie die Grund- unb Gewerbe­steuer zu beschließen. Die Vorlagen müssen laut Landesgesetz bis zum 31. Dezember bem Finanz­amt überwiesen sein, falls nicht die Stabt Gießen dieser Stcuerquellen sowie ihres Anteils am staat­lichen Ausgleichsstock verlustig gc^n soll. Die Lanbesgesetzgebnng gewährt den Anteil am Aus- gleichsstock nur unter der Bedingung, baß bte angegebenen Steuern burchgesührt werben. Sie' gestrige Sitzung hatte nun das nach den Worten des Oberbürgermeister? , ung-h'uerliche Etaebnis"^ daß die Besteuerung des veich?steuerfreien Ein­kommens sowohl in der Vorlage der Sbadtver-. walttmg wie in einem Verbesserungsantrag des Stadtverordneten Mann abgelehnt tour« den. Bleibt es bei diesem AbstimmungsergebniF, so muß die Stadt auf jede Anteilnahme an dein Ausgleichs stock, der ihr voraussichtliches Teftzit von 2 Millionen Mark decken soll, verzichten unb den Fehlbetrag durch anbere Steuern, tote Kla­viersteuer, Wohnlupussteuer, Tienstbotensteuer usw. aufzubringen suchen, die sowieso mit großer Wahr- scheinlichkttt herangezogen werden müsen. Jeden­falls wird babeu morgen im Laufe des' Vormittags nochmals eine Stadtverordnetenver­sammlung einberufen wettxm, um dem Verlangen des Gesetzes entsprechend irgend eine Vorlage beim Finanzamt einrrichen zu können. Die noch­malige Abstimmung läßt sich mit dem von Stadt- ocrortmeten Gmelin bereits am Schlüsse der öffent­lichen Sitzung geäußerten Zweifel begründen, welche der beioen Vorlagen des Magistrats ober des Stadtverordneten Mann die weitergehende gr wesen fei und datier zuerst zur Absttmmung hätte kommen müssen. Daß ote Besteuerung des reichs­steuerfreien Ein ommens in jedem Betrach: unsozial ist, wuroe von allen Tebatterednern mit Recht be­tont. Beide Vorlagen fielen durch den ge­schloffenen Widerstand ber Unabhängigen, bte programmgemäß isoe indirekte Besteuerung ablehnen' Interessant war auch, daß sich die Freie Vereinigung ihnen anschloß,, ohne baß eines ihrer Fraktiocksmitglieder vorher in die De­batte eingegriffen hatte. Man muß bem Wunsche des Oberbürgermeisters beipflichten, daß bie Re­gierung einen Kommissar entiandt hätte, bte un­sympathische Steuer vor den Stadtverwaltungen zu begründen und zur Abstimmung zu bringen. Der naheliegende Vorwurf, ber Magistrat habe die Beschlußfas.ung über die Steuervor­lagen zu lange hinausgezögert, wird hinfällig, wenn man das Ergebnis in anderen Städten be­tt achtet. In Offenbach hatte zum Beispiel bte Stadtvero rbnetenv ersam mlung bereits im Ostöber jene Vorlage genehmigt, an die sich die Gießener Magistratsvorlage anlehnt. Die Vorlage wurde jedoch vom Ministerium nicht genehmigt.

Um die Finanzämter zu entlasten, hat näm­lich das Ministerium vor etwa zehn. Tagen eute Mustersteuervorlagc ausgearbeitet, ht der der steuerpflichtige Satz beve.t? btt 6000 Mk. beginnt, und sucht nun die Mustersteirervorlage wenigstens