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Der kommende Winter wird wieder Tage der Sorge und Spannung bringen. Den Zeitungen erwachsen daraus die wichtigsten und schwersten Aufgaben. Der Gießener Anzeiger wird dabei nicht auf Einseitigkeit oder Halbheit in der Bericht- erstattung verfallen, wie es ausgesprochene PartelblStter häufig tun müfien. Das überreiche Material wird unter Würdigung alles irgendwie Bedeutungsvollen kurz und in überfichtlicher Anordnung dem Leier vor» gelegt werden. Unsere Abonnenten wifien, dah wir zu allen wesentlichen Ereignissen eine charaktervolle Stellungnahme mit nationaler und aufbauender Tendenz nicht schuldig geblieben find. Die Nüt der Volkes und seine Zerrissenheit in Parteien gebieten es, die Wiedergesunduny des Volkes schrittweise anzubahnen und die Radikalkuren der äußersten Linken und der äußersten Rechten abzuweisen. Strenger Talsachensinn und verfasiungetreue fordern den Kampf gegen Schwärmerei sowohl wie gegen Anmaßung jeglicher Art.
Das deutsche Gesamtinteresse werden wir auch im kleineren Wirkungskreis zu ver- tteten wissen in den Angelegenheiten der Volkskammer und der Gemeindeparlamente unserer hessischen Heimat. Die Pflege des Heimatsinnes schlie't falsche Geistesttchtungen au-, wie Internationalismus und unitattsche Gleichmacherei. Die Pflege der Kultur des Hessenlondes und speziell Oberhesiens, die Erhaltung ihres Arbeitsfriedens, die Lösung der Wohnungsund Ernährungsprobleme, die Verbesserung des Verkehrswesens sowie ein allen diesen Aufgaben aufmerksam folgender, gewissenhafter Nachrichtendienst werden denMetzener Anzeiger eindringlich beschäftigen und ihn daher für jeden oberhefsischen Leser unentbehrlich machen.
Verlag u. Mufflon ües GletzenerAnzelgers.
X Lauterbach, 25. Sept. Das Kreisamt erließ zur Versorgung der hessischen Bevölkerung mit Kartoffeln an die Bürgermeistereien des Kreises folgende Aufforderung: Dem Verlangen der Verbraucherschaft, insbesondere der Gewerk-
Arrs Stadt trnfc Land.
Gießen, den 29. Sept. 1920.
Zwetschenzeit.
Auf dem Lande war es schon von je Sitte, sich so ziemlich jede Familie ihren Jckhrcs- bebarf an Brotaufstrich durch einen Kessel Zwet-
Rnsfische Juwelen.
Paris, 29. Sept. (WTB) Nach einer „Ma- tin^-Meltnmg aus London wurden 14 Kisten, die Juwelen enthielten und an den Gesandten Moskaus in Washingron gerichtet waren, von der amerikanischen Zollbehörde beschlagnahmt. Die Kisten waren in einem skandinavischen Hafen an Bord gebracht worden. Eine der Kisten enthielt allein "100 Dia manten.
Uns dem besetzten Gebiet.
Die Quartiere für die Besatzungstruppen.
fb. Mainz, 28. Sept. Nach Meldungen aus Mainz haben dort die Angehörigen der französischen Besahungs- a r m e e gegenwärtig in Anspruch genommen: 2 Wohnungen mit 2 Zimmern und Küche, 37 mit 3, 56 mit 4, 31 mit 5, 48 mit 6, 28 mit 7, 9 mitt 8, 5 mit 9 und 2 mit 11 Zimmern, Küche und reichlichem Zubehör. Weiter 7 ganze Häuser, 3000 möblierte Zrmmer, 107 besondere Küchen, 269 mitbenutzte Küchen und 20 Bureauränme. Vorstehende Räume dienen lediglich militärischen Zwecken und französi- sck)en Militärpersonen zur Benutzung. Hierzu kommen etwa 1600 französischeZivil- familien und Einzelpersonen, die sich in Mainz niedergelassen haben und mit nachdrücklicher Unterstützung oer Militärbehörde Wohnungen fanden. Vor einigen Tagen wurde die Stadt Mainz gezwungen, Neueinrichtung zum Bau von 135 neuen Wohnungen von 2 bis 4 Zimmern zu treffen. Die Stadt hat hierfür 8,5 Millionen Mark aufzubringen.
fb. Koblen», 28. Sept. Hier sind gegenwärtig 750 Offizrere und Unteroffiziere der amerikanischen B e s a tz u n g s a r m e e untergebracht; die Rh e i n la n d s ko m- mission umfaßt 200 Offiziere und Mann
belohnt wird!
Zwölf Stunden und mehr noch muß nun go° rührt werden, bis der Honig sckwn dunkelbraun urw steif ist. Während btcjcr Zeit geht es in der Honigküche meist sehr lustig her. Die Hausfrau lyre Ehre darein, die Honiggäste, Nachoarun nen und sonstige Bekannte, möglichst gut uiu> reichlich mit Zwetschenkuchen und anderen sahnen Dingen zu bewirten, und dies trägt selbstverständlich viel zu ausgelassener Stimmung bei. Allerlei Kurzweil, Gesang, oft mit Grammophonbegleitung, müssen die Stunden verkürzen helfen. Und du' Jugend tanzt ielbstverständlich, mag die Honigküche noch so über füllt und eng fein.
Manch alte Volksbräuche und Scherze Haber sich, besonders auf dem Lande erhalten. Mit Vorliebe »oerden zum Zwetschenkernen und Birnenschälen die zukünftigen Schwiegertöchter uns -Söhne eingeladen. Bis zum anderen Morgen
schenhonig, der übrigens in der Wetterau und Frankfurter G.-gend den wenig schönen Namen Latwerge führt, selbst Erstellt. Die entbehrungs- vollen Kriegsjahre mit ihrer berüchtigten Kriegs- marmelade und ihrem Buttermmigel trugen in;ii bei, daß sich, das Honigvochen auch in teil Städten immer mehr einbürg erbe. Und gerade in diesem Jahve mit seiner überreichen Zwstsck^encrnte sieht man öfter denn je Waschküchenlüpen und -Fenster Tampfschwaten mit dem eigentümlichen Honiy- geruch ausatmen. Bekanntlich müssen sich die Zwetschenbäume nach einer Vollernte ausruhcn, wie der Gärtner sagt, und so gibt es viele befocgbe Hausväter, die sich gar für zwei Jahre mit Zwet- schenhonig einzudecken suchen. Hoffentlich ist dieser .Hamsterhonig nach dem zweiten Jahve nicht ott» schimmelt!
Aber so wertvoll auch ein Kessel Zwetschen- honig besonders im Winter ist, die Hausfrau weitz auch ein Lied von der Arbeit zu singen, die es zu verrichten gilt, bis eine Batterie gefüllter unb wo ist- verschlossener „ZwotschLdippe^^ aus dem Kleider- sckj-vank steht. Stunden vergehen schon mit mnl't recht langweiliger Arbeit, bis die Kürbe voller Zwetschen entkernt, die Birnen geschält, oder Birnen, Zuckerrüben usw. gewasck^n, zerkocht und gekeltert sind. Tann erst beginnt das eigentliche Kochen. Zwetschen und Birnenschnitzen werden in dm zuvor peinlich gesäuberten Küpserkessel geschüttet und dann wird, je nach Bedarf, mit W nachgefüUt. In den meist aus der K'riegszeil stammenden Ersatzkeffeln aus Zink kann man.dksnü- lich keinen Honig kocksen. Wer also glücklicl>er sitzer eines Zinkkessels ist. Muß sich entweder einen kupfernen Kessel entlehnen oder aber 500 unP mehr Mark für einen neuen Kessel anlegen. Mn welcher Sehnsucht wird mancher mit Sorgen ringende Familienvater da wohl an seinen alten Küpferkessel denken, den er während des Kneges für vielleickst 40 Mark dem Vaterlande opfern Auch hier nruß man, wie überall, wie bei der Getreide- und Wasfenabfieserung, die traurige Feststellung mack>en: der Ehrliche und Anständige g<!lst leer aus oder wird gar noch bestraft, während ein weitmaschiges Gewissen mit klingender Prämie
Reichsregievung auf die Ueberemstimmung sämtlicher Organisationen rechnen zu müssen, datz fortan die Kartofselversorgung der Bevö.kecung in ruhiger und alle Teile befriedigender Weise erfolgt.
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rm. Darmstadt. 28. Sept. Zu der Frage der Kartoffelversorgung hat der Abg. Reiber (Dem.) eine dringliche Anfrage an die Hess. Volkskammer gerichtet, in welcher er anfragt: „Welche Schritte gedenkt die Regierung zu tun, bzw. hat sie getan, um die wucherische Ausbeutung der i^völkerung bei der Versorgung mit Winter- kattoffeln zu verhindern?"
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Ein Rundschreiben des Hessischen Bauernbundes.
Ter Hessische Bauernbund ridit?t an seine Mitglieder und Vertrauensleute folgenden Brief:
Wie Ihnen bekannt sein dürfte, hatten sämtliche Gewerkschaften am 17. d. Mts. an die land- wirtsck'aftlicten Organisationen von Hessen und Hessen-Nassau ein Ultimatum gerichtet, wonach die Landwirtschaft sich bis zum 25. d. Mts. bereit er Mären müsse, die Kartoffeln zum Preise von 20 Ml. ab Hot zu liefern. Es war gedroht, daß im Falle der Ablehnung dieser Forderung am 25. die Verkehrssperoe ein setzen sollte, und ebenso wurde an zahlreichen Stellen auf dem ISanbc einheitlich, noch schlimmer wie in der Stadt, gedroht. w nn die Bauern die Kartoffeln nicht freiwillig h.rausgäben, dann würden sie mit Gewalt geholt. Es ist durch die ganze Agitation und vor allen Dingen auch durch die Hetze in der Poesie eine Erregung in die gesamte ftäbtifdye Bevölkerung hineingetragen worden, die uns bas Ernsteste befürchten ließ. Um Ausschreitungen und gewaltsame Erpressungen zu verhindern, hatten wir bereits früher bei Verhandlungen uns bereit erklärt, durch freiwillige Umlage für die Min- derbemittelten, vor allen Dingen in den Städten, Kartoffeln zu einem Preis von 20 Ml. zur V-erfügunig zu stellen. Mr wiesen daraus hin, daß niemand dem Bauer zumuten könne, daß er, der selbst Arbeiter und in vielen Fällen minderbemittelt tst, dem Mohll<f entern in ter Stadt die Kartosf.ln liefert zu einem Preis, der die Arbeit des Lwidwitts nicht mehr lohnt. Mir haben nach reiflicher Ueberlegung des Ernstes der Lage, aber auch im Bewußtsein der Verant- wortmtg, die wir der Landtvirtschaft und unserem Volle gegenüber tragen, bereits vor einigen Wo- ck>en der Regierung und den Gewcrffckiaflen gegenüber unser äußerstes Entgegenkommen in folgenden Bedingungen zusammen gestalt:
1. Tie Lieferungsvert. äge bleiben bestehen und Eingriffe ans Preisbildung und Verband der Vertragskartoffeln müssen unterb eiben.
2. Die Landwirtschaft ist bereit,, den Bedarf ter wirklich mincerbemittelten .Bevölkerung durch -citre freiwillige Umlage zum Pr.ffse von 20 Mk. auszubringen.
3. Der Preis der hiernach noch freibleibenden Kar do ff An ergibt sich aus dem freien Markt. Es muß jeder tehörd iche und erst recht jeder unbefugte Eingriff von privater Se te un e beiden. Die landwirtschaftlichen Orga-.-isation-en halten an dem von der Regierung garantierten Mindestpreis van 25 Mk. fest, werden jedoch darauf h-inwirken, -daß unter keinen Umstünden ein Preis von 30 Mk. ab Hof überschritten wird.
Tie hiernach anszubringende Umlage für Minderbemittelte haben wir begrenzt dadurch, daß wir gesagt haben: „Wir sind bereit, bis zu zehn Zentner Kartoffeln vom Morgen zum Preise von 20 Mk. abzugeben/' Es versteht sich von selbst, daß der kleinere Betrieb und ebenso der säflwächere Boden hierbei nicht so viel leisten kann wie der größere Betrieb auf gutem Boden. Es wird also in Vereinbarung mit der Bürgermeisterei von Fall zu Fall festzustellen sein, wieviel der Einzelne -ab- geben soll, und es muß dabei betont nrcroen, daß die Abgabe eine freiwillige ist. Wir möchten aber gerade aus diesem Grünte unseren Mitgliedern empfehlen, sobald wie möglich d i e f c Notstandsaktivnein zu leit en. Es ist eine alte Tatsache, daß gerade während der Kartoffelernte bi? Knappheit in den Städten am größven ist. Tritt nun in den nächsten Wochen in der Stadt Kartoffelmangel ein, so kommt wieder die gleiche Angst wie im vorigen Jahr, daß lebet memt, er bekäme keine Kartoffeln. Und was bei der Agitation, die jetzt schon getrieben wrrd, in bie)em Falle entstehen könnte, müssen wir int Jntereffe unseres eignen Berufsstandes mit allen Mitteln versuchen zu vermeiden. Wir bitten Sie bagec, sehr geehrter Herr BertranenSma'in, mö^ichst fo- port in Vereinbarung mit der Bü.^germetster-ei die Menge der aufzubringenden verbi ligten Kartoffeln innerhalb der dortigen Gemeinde feftfte.Icn zu wollen und auch dafür zu sorgen, daß teefe fo- bald als möglich geliefert wird. Nur wenn diese Aktion siobaldwiemöglich durchgefühtt wird, können wir erwarten, daß die freie Wirtschaft, tee wir für die Kartoffeln kaum erst errungen baten, und die uns bei ihrem Beginn fdjon dis härtesten Kämpfe gebrackst hat, weiter wränget ist et bleibt und der Absatz der freien Mrtoffeln lohne Gefahr vor sich gegen Bann. Die Ge.vcrkschaften haben bei ihrer in Frankfurt stattgefundenen Konferenz beschlossen, von der Verkehrssperre vorläufig a b z u s c h e n, bis der Erfolg der freiwilligen Ablieferung zu überblicken ist. Wenn wir auch keinen Grund haben, aus Nachgiebigkeit ju handeln, so dürfte es auf alle Falte die Klugheit empfehlen, die von allen maßgebenden Führern unserer landwirtschaftlichen Organifatwnen gnt- gebeifeene Aktion mit allem Nachdruck zu unter«« stützen. Wir bitten Sie daher, sehr geehrter Herr Vertrauensmann, nochmals, sofort bte Mlie- ferung der Kartoffeln für Minderbemittelte in die Wege leiten zu wollen.
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Auch wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß diesem Appell an die Landwirte rn vollem Maße Folge geleistet wird, damit die Erregung unter ter Sladtbevöllerung endlich fetyrointet unb der unng<nb notwendige Friede zwischen Stadt und Land gewahrt bleibt.
Aus dem Reiche.
Vitre Krisis im VerkchrSleben.
Berlin, 23. Sept. (Wolff.) Vom Arbeitgeberverband der deutschen Straßenbahnen, Kleinbahnenund Privatbahnen wird mitaeteilt:
Das Wirtschaftsleben ist in dem Zeitpunkt, wo die Verkehrsmittel besonders angespannt sind, von einer neuen Erschütterung bedroht. Die schwierigen und langwierigen Verhandlungen des Arbeitgeberverbandes der deutschen Straßenbahnen, Kleinbahnen und Privateisenbahnen mit dem Transportarbeiterverband und dem Fach verband der Privateisenbahnen zur Erneuerung des am 30. September abgelaufe- nen Tarifvertrages sind gescheitert. Die Forderungen der Arbeitnehmerorganisationen gingen dahin, daß die volle Reichsbesoldung auch auf die Kleinbahnen und Pri- vateisenbahnen übertragen werden sollte. Es ist allgemein bekannt, daß die Reichseisen- bahn mit einem jährlichen Zuschuß von 17 Milliarden arbeitet, der zum großen Teil durch die Ausgaben an Lohn und sonstigen geldlichen Leistungen bedingt wird. Wenn dies bei öffentlichen Unternehmen des Reiches für möglich gehalten wird, so ist ohne weiteres flat, daß die Zuschußwirtschaft bei Un» irefmungcu, die überwiegend mit privatem Kapital arbeiten, ausgeschlossen ist. Die Unternehmungen müssen sich zum mindesten au5 sich selbst erhalten. Die volle Reichsbesoldung konnte daher vom Arbeitgeberverband nicht bewilligt werden. Der Arbeitgeberverband ist aber im Bewußtsein seiner großen Verantwortung, die er der Allgemeinheit gegenüber trägt, bis an die Grenze der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit seiner Mitglieder gegangen und hat den Arbeitnehmern von den Bezügen der Reichsbesoldung an Grundgehalt, Ortszuschlag, Kinderzulage, Teuerungszulage und Betriebszulage in Ortsklasse A 90, in Ortsklasse B 85 und in den Ortsklassen C, D und E 80 Proz. angeboten. Dieses Angebot schließt sowohl eine erhebliche Ausbesserung des Einkommens wie der Pension in sich. Trotzdem glaubten die Arbeitnehmerverbände, dieses Angebot ablehnen zu müssen. Der Arbeitgeberverband sieht sich unter diesen Umständen genötigt, es bei den bisherigen Bezügen bewenden zu lassen und abzuwarten, bis die Arbeitnehmerverbände einsehen, daß ihre Fordenmgen an dar wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit darf Unternehmungen ihre Grenze finden.
ReichstagSLk^rordnete Frau Eschholz ermordet.
L y ck, 28. Sept. (Wolfs.) Die „Lycker Ztg." meldet: Am Montag früh wurde auf ihrer kleinen Besitzung in Schikorren bei Lyck die sozialdemokratische Reichstags- und Stadtverordnete Frau Therese Eschholz im Bette ermordet aufgefunden. Der Schädel war mit einem Beilhieb gespalten, das Bett mit Petroleum übergossen und angezündet. Gesicht und Oberkörper waren bereits verkohlt. Als Täterin wurde die frühere Oberlehrerin des Lyzeums in Lyck, Fräulein Thiele, die in einem Zimmer neben der Getöteten wohnte, ermittelt. Die Thiele bestteitet die Tat und gibt an, daß eine Lampenexplosion vorliege. Nachttäglich wurde hinter einem Holzklotz ein blutbeflecktes Beil gesunden. Die Thiele ist als elite nicht ganz zurechnun as- fähige Person bekannt. Frau Eschholz betätigte sich besonders auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge.
Dcr Luftverkehr in SKÄdeutfchland.
München. 28. Sept. (Wolff.) ^„München-Augsburger Abendzeitung" meldet, daß die Rumpler werke in Augsburg den Luftverkehr in Süddeutschland zunächst regelmäßig auf der Strecke München-Frankfurt anläßlich der Frankfurier Messe auf» nehmen. Auch werde ein Luftpostverkehr zur Frankfurter Messe eingerichtet.
Rid)tiinien für die Kartoffel Versorgung-
Berlin, 28. Sept. (WTB.) Amtlich. Zur Besprechung der brennend gewordenen Frage der Kartoffelversorgung fand heute in der Reichskattofselstelle unter Leitung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft die schon in der Presse angeküfttdigte Verhandlung statt, an der neben Vertretern der Zentral- und Provinzialbehörden Vertreter der Landtvirtschaft, Kommunalverbände, des Handels und einer sehr großen Anzahl Vertreter, insbesondere Vertreter der zentralen Gewerkschaftsverbände (Allgemeiner Deutscher Gewerkschastsbund, Verband der Hirsch- Tunckerschen und der christlichen Gewerffchaften, Reichsgcwerkschaft deutscter Eisenbahnbeamter und -Anwatter) teilnahmen. In vielstündigen Verhandlungen legten die Vertreter der einzelnen Gruppen ihre Besorgnisse und Wünsche, die sie bezüglich der Kartoffelversorgung und der Gestaltung des Preises haben, dar. Trotz ursprünglich weit auseinanderstrebenden Meinungen herrschte doch angesichts der großen politischen und wirtschaftlichen Bedeutung dieser Frage letzten Endes darin Einigkeit, daß ein Weg zur Verständigung und beiderseitigem Entgegenkommen gesunden werden müsse. In einer zu diesem Ztveck eingesetzten U n t e r k o m m i s s i o n , in der alle Gruppen vertt-tten waren, wurden unter Berücksichtigung der in der allgemeinen Debatte oewon- nenen Ergebnisse folgende Richtlinien für die Kattoffelversorgung übercinsliinmend se^gesiellt:
1. Im freien Verkehr foll ein Erzeugerpreis von 2 5 Mark für den Zentner für Herbstkartoffeln nicht überschritten iperben. Wo es die Kosten der örtlichen Produktion gestatten, soll angestrebt werden, den Preis soweit als möglich unter diese Grenze zu senken. 2. Es sollen sofort durch das Reicbsministeriilm für Ernährung und Landwirtschaft die maßgebenden Ste'len veranlaßt »oerden, unverzüglich für einzelne Produktionsgebiete Verhandlungen zivischen E'.enger- und Ver- brmlcherorganisatlonen herbeizuführen, um eine Versorgung der Bevölkerung auf der in Ziffer 1 anssgebenm Grundlage sicherzustellen. Datei maß unveeler Zwischen handel zwischen Verbr an ch rn und Erzeugern ausg-eschacket werden. Der Handel wird si<y mit einer möglichst geringen Gewinnsvannnni) tegnügen. 3. Be. den Verhandlungen ist zugleich anzrestreben, daß von den Lieferorganisatioilen die Lieferung bestimmter Mengen zu einem örtlich zu vereinbarenden Prei e vertragsmäßig übernommen »vird. 4. Die auf Grund der Verordnung vom 4. Mai 1920 abgeschlos.eneit Lieferverträge bleiten in Kraft.
Die an der heutigen Versammlung beteiligten <spttzenorganisationen erklären sich bereit, auf ihre Organisationen einzuwirkm, für die Durchführung ter vorstehenden Richtlinien mit allem Nachdruck einzutreten. Die Reichsregierung erklärt sich ihrerseits bereit, sich mit allem Nachdruck für die Durchtührung dieser Richtlinien, insbesondere für den unverzüglich n Abschluß der vorgesehenen Ver- ciibanntgcn einzusetzen. Um unlauteren Preistreibereien zu begegnen, erklärte sich die ReicktsregiL- rung aus Wunsch ter Gewerkschaften weiter tereit, den Regierungen ter Länder die Konzessionierung des Kartoffel Handels dringend zu empfehle». Auf Grund des Verhandlungsergebnisses glaubt die
I schäften, die in Einzelquartieren Aufnahme sanden. Die amerikanischen Behörden haben weiter 408 Wohnungen und Häuser für ihre Zwecke beschlag-nahmt. Sie laßt für fremdländische Famttien, in erster Linie amerikanische, 100 neue Wohnungen Herstellen. Die Stadt zahlte bisher an Quartiergeldern 5 Millionen Mark, an Entschädigung für Wohnungen für die Armee 5 759 000 Mark, für die Rheinlandskommission 1332000 Mk. int Jahre 1919 aus. *
Ingelheim, 28. S^t. In der Muht zum Montag kam es in einem Tan^'Pal zwischen Zivilisten und sieben Sotixrat ter Beatzungs truppen zu einem Streit, ter sich später auf ter Straße sorisetzte. Dabei fielen SckKffe, wodurch cm 16- jübriges Mädckren aus Frankfurt a. M., das hier zu Besuch weilt, schiver und ein Mann aus Mamz leicht verletzt wurden. Der Täter, ein fvanziffffcher Soldat, wurde von ter Wache sofort verhaftet.
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schäften, entsprechend haben sich die Vertreter der hessischen landwirtschaftlichen Organisationen bereit erklärt, über das in der Besprechung vom 13. d. M. gemachte Anerbieten hinauszugehen. Sie haben sich verpflichtet, auf ihre Mitglieder hinzuwirken, daß die als wirtschaftlich schwach ?u । *<svyine niigeuiutrn. oi» »um aiucvai wwuyv. bezeichnenden Teile unserer Bevölkerung mit Kar-1 hat dann irgend ein guter Geist mit Hilft tei
f^feht zu einem Preise von 20 Mark für den Zentner zu beliefern sind und haben ihre Bereit- wllligkeit zur Abgabe bis zu 10 Ztr. für den Morgen erklätt, tvodurch alle Landeseinwohner mit Kartoffeln versorgt werden können, für die billigenveife durch die Aktion ter Bezug von preis werten Kartoffeln gerechtfertigt erscheint. Die nach unserem Ausschreiten vom 18. September 1920 erwähnte Aktion zur Versorgung ter Minderbemittelten mit Kartoffeln muß teHalb über den früher bestimmten engen Kreis der Minderbemittelten hinaus ausgedehnt werten, und sie wollen demzufolge bei ter Festsetzung der Bezugs berechtigten a le diejenigen Personen als unter Die Aktion fallend auf- nchmen. dst af§ wirtschaftlich schwach anzusehen sind. Bei Feststellung dftses Begriffs ist nach der gemein]d)afuid)eii Ansprache weitgehendst zu verfahren, damit alle diejenigen die Kartoffeln zu ernem Preise von 20 Mk. erhalten, denen man den Ankauf ter Kartoffeln im freien Handel zu einem hohen Preis nicht zumuten kann. Anderseits muß in ter Aufstellung über diejenigen Mengen, die die einzelnen Landwirte altzulie- fem haben statt ter Umlagenunge von 4—5 Zentner jetzt eine durckffchnitlliche Ablieferung von etwa 10 Zentner angenommen werten. Das Landes - Ernährungsamt betont ausdrücklich, daß die Ablieferung ter Landwirte auf Grund dieser Mk.wn die erste Verpflichtung des Landwirts fein muß und daß erst nach Erfüllung dieser Berpslichung sonstige Ablieftrungen in Frage Dämmen Sönnen; hierzu gehört auch die Ablieferung auf Grund der Verträge, die seinerzeit gemäß der Reichsvervrdnung vom 21. Mai 192C mit der Zeitimlgemffsenfck;art odw dem Kartoffcl- gWßhandel abgeschloffen sind. Sollte dem Land roirt infolge der Abtiefcrungen auf ©tumb ter jetzt zur Versorgung unserer Bevölkerung eingclciteten Aktion eine Ablieferung der Vettnagsrartvffeln nicht mehr möglich fein, so wird dies für den Landwirt ein Umftanb fern, den er nicht zu vertreten hat, wodurch er auf Grund des § 275 B. G-B. von feiner Verpflichtung zur Leistung frei wird.
rm. Wiesbaden, 27.Sept. Zur Kar- toffelversorguna hat her Verbraucherbund (Sitz Wiesbaden) Stellung genommen und sich mit her Zusage, daß die Kartoffeln an Minderbemittelte zu 20 Mark für den Zentner abgegeben werden, nicht zufrieden gegeben. Er verlangt weitgehendste Maßnahmen von feiten der maßgebenden Stellen Es müsse eine weitergehende Herabsetzung des Preises erfolgen, und es sollen am nächsten Sonntag an allen Orten große De- monsttationsv-ersammlungen stattsinden, um den Ernst der Lage zu kennzeichnen. Sofortiger Wbau ist zu verlangen. Am 2. Okt. findet zu Gotha ein allgemeiner deutscher Verbrauch erlag statt, um ein einheitliches Vorgehen zu erzielen.
mc. Camberg, 28. Sept. Ende voriger Woche sind hier eine ganze Anzahl norddeutscher Händler ausgttauckst, die Kartoffeln und Obst zu hohen Preisen auszukaufen suchten. Trotz aller Bemühungm ist ihnen aber bisher noch wenig gelungen, da die Karroffeln noch größtenteils in ter Erde stecken und das Obst schon einheimischen Verbrauchern Mgefühtt ist.


