Die alliierten Regierungen Haden noch ernsthafter Prüfung dieser Sachlage einstimmig beschlossen, die in dem von Deutschland unterzerch- netcii Friedensvertrag enthaltctren Bestimmungen über die Entwaffnung, sowohl was die HoercS- ftärfc, als auch was das Kriegsmaterial betrifft, in vollem Umfange aufrecht zu erhallen und deren schon allzu lange verzögerte, unvollständige Durchführung unverzüglich ziu betreiben.
3n gleicher Weise erwarten die alliierten Regierungen, daß die deutsche Regierung ihnen keinen Antrag auf Abänderung der militärischen Bestimmungen des Vertrages mehr vorlcgen wird, da solche Anträge nur abschlägig beschieden werden könnten und daher nutzlose neue Verzögerungen mit sich bringen würden. Die alliierten Regierungen richten heute an den Sxrrn Vorsitzenden der deutschen Friedensdelegation in Paris ihre Antwort auf den Antrag der deutschen Regierung wegen Beibehaltung eines Heeres von 200 000 Mann. Diese Antwort geht dahin, daß die militärischen Kräfte Deutschlands auf der durch den Friedensvertrag bestimmten Stärke von 100 000 Mann und in der durch diesen Vertrag vorge- sehcuen Gliederung zu belassen sind, daß die Sicherheitspolizei innerhalb drei Monaten vollständig aufzulösen ist, und daß andererseits die Stärke der Polizeikräfte auf 150 000 Mann erhöht werden darf, die somit um 60 000 Mann im Vergleich zu der Stärke von 1913 vermehrt wird.
Des weiteren fordern die alliierten Regierungen die deutsche Regierung auf, unverzüglich die deutsche Gesetzgebung entsprechend ber Be- timmung des Art. 211 mit den militärischen Betimmungen des Vertrages in Einklang zu bringen, gesetzliche Maßregeln zu treffen, um entsprechend Dem Art. 170 die Ausfuhr von Kriegsmaterial nach dem Ausland zu verbieten, die Formationen der Einwohnerwehren, die im Widerspruch mit der Entschließung vom 8. April noch foribestehen, tatsächlich aufzulösen und die Auslieferung der Waffen dieser Formationen durchzuführen.
Tie alliierten Regierungen erwarten, daß bei der Zerstörung des .Kriegsmaterials kerne neue Verzögerung eintritt, und daß die Ausführung aller Bestimmungen über die Entwaffnung- sowohl hinsichtlich der Truppenstärke als ainf) hinsichtlich des KriegsgnEs ohne weiteren Aufschub erfolgt. Anderenf lls In ür en «sich Lis al tierten Regierungen gezwungen se'hm, die geeignetem Mittel zu prüfen, um die vollständige Durchführung der Bestimmungen des Friedensvertrag!_-s sicheren stellen.
II. Mit einer Note vom 4. Juni hat sich die >eutscke Negierung unter Berufung darauf, daß Die alliierten Mächte auf den am 20. April gestellten Antrag, Teutschland die Unter'haltuna eines ständigen Heeres von 200000 Mann zu gestatten, eine endgültige Antwort nicht erteilt haben, an die Konferenz gewandt, um eine vorläufige Verlängerung der i'ha gestellten, am 10. Juli ablau senden Frist hetbrizuführen, innerhalb tvelcher die Heeresstärke Deutschlands auf 109 000 Mann herabgesetzt werden soll. Zur Begründung ihres Antrags macht die deutsche Regierung insbesondere geltend, daß nach bem, was die alliierten Regierungen ihr auf der Konferenz von San Remo rnü- aeteilt Chatten, sie erwarten mußte, daß. erst die Konferenz von Spaa endgültig über dieses Ersuchen bestimmen würde.
Die alliierten Mächte können diese Erwägungen der von San Remo aus an die deutsche Rc- aierung gerichteten Rote nicht gelten lassen. Sic Haden damals deutlich erklärt, daß sie das in der deutschen Denkschrift vom 20. April gestellte Ersuchen nicht prüfen könnten, solange Deutschland den wichtigsten Verpflichtimgen des Friedensver- «ages nicht nachkomme und die Entwaffnung seines Heeres nicht an Angriff nehme.Nichts in der Ant- foort der alliierten Mächte erlaubte der deutschen Regierung, sich für ermächtigt zu halten, die Durchführung der zur Verringerung der 'Leeresstärke auf 100 000 Mann erforderlichen Maßnahmen, die seit dem 10. April hätten im Gange fein müssen, auszusetzen.
Im übrigen haben die Alliierten, indem sie die für diese Maßnahmen bewilligte Frist bis zum 10. Juli verlängerten, den Schwierig keilen vollauf Rechnung getragen, auf die Deutschland sich billigerweise berufen konnte. Unter diesen Umständen haben die alliierten Regierungen keine Veranlassung, einer erneutnt Verlängerung der Frist zuzustimmen. Sie bestätigen vielmehr klar uub einfach ihre früheren Erklärungen. Die militärischen Bestimmungen des Vertrages von Versailles für bad beutfdx* Heer werden sowohl hinsichtlich ihrer Stärke als auch ihrer Gliederung und Be- waffnung in vollem Umfang aufrechterhalten. Sie müssen auf das Genaueste ausgeführt werden. Wenn die Mächte auch entschlossen sind, die Abrüstung Deutschlands den Vertragsbestimmungen gemäß burcfHuführen, so verkennen sic doch nicht die Notwendigkeit, der deutschen Regierung zur Aufrechter Haltung der Ordnung im Innern ausreichende Polizeikräft? zu belassen. Sie erkennen gern an, daß die Polizeikräfte nach dem Stande von 1913 nicht allen Bedürfnissen genügen können. Dre alliierten Regierungen sind bereit, eine Vermehrung der Polizeikräfte zu genehmigen. Sie können aber unter keinem Vorwand zulasten, daß diese Vermehrung durch Beibehaltung der Sicher- heitspolizri, einer Polizei truppe von ausgesprochen militärischer Art und Draanifation, stattfindet, zu deren Auslösung Deutschland bereits vom Dezember 1919 ab aufgeforbert worden war. Die Auflösung der Sicherheitspolizei muß binnen einer Frist von 3 Monaten von der Absendung dieser Note ab beendet fein. Die Alliierten sind mit der Verstärkung der alten Ordnungspolizei, genannt einverstanden Sic zahlt gegenwärtig 90 000 Mann. Die Mäctste geben ihre Zustimmung, J> aß sie bis auf 150 000 Mann vermehrt wirb. Sie knüvien daran die Bedingung, daß die OrdnungsPolizei ihren Charakter als örtliche und Gemeuidepolizei bewahren müsse und mit einer Bewarfnung ausgerüstet wird, die ihrem Zweck entspricht, und die von dem interalliierten lieber- wachuugoauöschuß festgesetzt werden wird. Anderseits wird ausdrücklich festgestcUt, daß in dem %nn^<mOn 1^0 000 Mann Ordnungspolizei die 10000 Mann inbegriffen find, die von dem interalliierten Ueberwachungsaus schuß für Polizei-
-wecke in der neutralen Zone genehmigt worden lind.
Die Vermehrung der Ordnungspolizei erstreckt sich übrigens weder aus die linksrhriiiischen Gebiete, ,n denen die Hohe Rhriiilandkommission allein die erforberhdx* Stärke Must-en befugt ist, noch auf die AbstimmnngSgebiete, es sti denn, daß die mtcralliieilen Re.fierungs- und Plebisiitausschüsse dies ausdrücklim verlangen. Die Vermehrung oer Siärke der Ordiiungspolitei nnrb in dem Mai erfolgen, in dem die Auslösiuia brr ridierbeü^ Polizei fortjebreitet, und zwar derart, daß in keinem Zeitpunkt die Stärke der Slch.'rbei>svo!i-<n und der Ordnungspolijei zusammen 150090 Manu
überschreiten darf. Andererseits haben die Möchte beschlosten, den Bestand der Gendarmerie von 12 000 auf 17 000 Mann zu erhöhen. Die Alliierten werden wähnend der drei von der Absendung der gegenwärtigen Note an bis zur endgültigen Auslösung der Sicherheitspolizei laufenden Monate es nicht zulasstn, daß Soldaten der Reichswehr in die Sicherheitspolizei übernommen werden. Die derzeitige Stärke der Sicherheitspolizei stellt eine Höchstzahl dar, die fortlaufend vermindert werden muß.
III. Die dritte Note besagt unter anberm: Artikel 201 des Versailler Vertrages untersagt für die Dauer von sechs Monaten nach Jnkraft- treten des Fr iedensvertrages die Herstellung, von Luftsährmaterial jeher Art und seine Einführung nach Deutschland. Andererseits bestimmt Art.202, daß Deutschland den alliierten und assoziierten Hauptmächten ütnerfjalb von drei Monaten nach Inkrafttreten des Vertrages das gefamte Luft- fährtmaterials des Heeres und der Marine ausliefert. Tie dreimonatige Frist zwischen der Abnahme des Luftschiffmaterials unb der Ermächtigung zur Wiederaufnahme der Fabrikation solle brau dienen, um die Durchführung der die Luftfahrt betreffenden Bestimmungen zu sichern. Ta Teiitscklaiid sein Luftfährtmaterial innerhalb der festgesetzten Frist nicht abgriiefert 'bat, nricb die Ueberwachungskommissioil nicht in der Lage sein, ihre Arbeiten vor Ablauf der in Artikel 201 vorgesehenen sechsmonatiscn Frist zu beendigen. Würde die Herstellung von Luftfährtmaterial vom 10. Juli ab wieder geftottet, fo würde es also praktisch unmöglich) werben, die Ausführung des Art. 202 zu überwachen. Tie Konferenz 'bat daher entschieden, daß die Herstellung und Einfuhr von Luftfährtmaterial, wie sie im Art. 201 des Vertrages von Versailles vorgrsthen ist, innerhalb von drei Monaten, begrünend mit dem Augenblick, in dem diese Macht das gesamte Luftfahrtmaterials des HeereS und der Marine abgeliefert har, und den die intevalliierten Luft fahr tübcr- wachungsöommission offiziell anzeigen wird, im gesamten Gebiete von Teutschland untersagt bleibt.
I durchzogen zu Fuß und in Krafkoagen nach bis 1 spät abends die Straßen, brunchten aber nirgends einzuschrriten. Das BrSmarckdentmal hatte man mit mehreren Plakaten aufreizenden Inhalts behängt.
mo. Frankfurt a. M., 28. Juni. Verhandlungen zwischen den Produzenten und Händlern einerseits und der Preisprüftrngs- ftelle andererseits zur Erzielung und Verein-« barung eines Angemessenheitspreises für Aepfelwein haben zu keinem Ergebnis geführt. Die Preisprüfungsstelle erklärt nun nach Prüfung der Gestehungskosten den Preis von 1.50 Mk. für den Dreizehntelschoppen als angemessen.
Cuxhaven, 28. Juni. (Wolff.) Hier wurde eine Neunerkommission eingesetzt, die in Verbindung mit dem Magistrat die Herabsetzung der Preise vornimmt. Verschiedene Geschäftsleute wurden verpflichtet, eine Woche lang ihre Ware an die minderbemittelte Bevölkerung ohne jeden Nutzen zu verkaufen.
Hamburg, 28. Juni. (Wolff.) Entgegen Zeitungsmeldungen wird mitgeteilt, daß bei den Regierungsstellen von Toten und Schwerverwundeten anläßlich der Lebens- mittelkratvalle nichts bekannt ist.
Au» Stadt und Land.
Gießen, den 29. Juni 1920.
Veranstaltungen.
Dienstag, 29. Iran: Liebigshöhe, 8 Uhr, Familienabend der Deutsche Volkspartri. — Hotel Einhorn, 8V2 Uhr, Gastspiel Paul Buchwald (Pro- gramrnwechstl). — Zirkus Althoff, 8 Uhr. — Lichtspielhaus, ,Judex, 6. Teil" und Unter zweierlei Maske". — Lichtspiele, Seltersweg, „Tie Insel der Verdammten", „der Weltmeister" und „Ein tüchtiger Soamter".
*
Aus de ui Reiche.
Der Steuerabzug vom Lohn.
Karls ruhe, 28. Juni. (Wolff.) Aus Berlin wird gemeldet, der Neichsfinan zm i n i- fter sei grundsätzlich bereit, auf die > Forderung der Parteien 'hin der Steuerabzug einer nochmaligen Prüfung zu unterziehen und den Lvhn- abzng vorläufig einzustellen.
Diese Meldung ist nach Erkundungen, die dis Landesfimrivzamt Karlsru'he 'heute vormittag beim Reist-sftnanzministerrum crnge'hvlt 'bat, nur in i'hrcm ersten Teil zutvesfend. Tie Frage des Lohnabzugs für die Einkommensteuer iviro einer Prüfung durch einen zu bildenden ReichstagÄausschaß unterzogen werden. Bis zur Erledigung dieser Prüfung bleiben jedoch die bestehenden Vorschriften ohne jede Aerüxrun^ in Geltung. Es kann keine Rede davon fein, mit der Einstellung des Steuerabzugs die wichtigste Einnähmeguelle für die An- teilüberweisnng der Länder uatb Gemeinden zu beseitigen. Davon wird die Frage einer baldigen Erleichterung der erwaihnten Bestimiirung für die Teile der Arbeiterschaft, die von BetriebSrinschväin- Eungen betroffen sind, ferner für Kriegerwitwen und kinderreiche Familien, nicht berührt. A
Berlin, 28. Juni. Der Gesamtverband Deutscher Angestelltengewerkschaf- te n (Berlin C. 19, Gertraudtenstr. 20/21) hat in einer Eingabe an den Reichstag und das Reichsfinanzministerium Widerspruch gegen die Bestimmungen der §§ 45—52 des Einkommensteuergesetzes betr. den lOprozenti- genSteuerabzug erhoben, weil durch ihn der wirtschaftlich schwächste Teil der Bevölkerung weil schärfer erfaßt wird als die anderen Schichten. Die Eingabe fordert, mit sofortiger Wirkung die genannten §§ vorläufig bis mindestens zum 30. 9. 20 außer Kraft zu setzen, damit auf diese Weise die erforderliche Zeit zu erneuter Prüfung und gerechter Regelung der Angelegenheit gefunden werde. Der Gesamtverband hat sich Vorbehalten, in dieser Richtung liegende Vorschläge zu machen.
Ein zweiter demokratischer Abgeordneter für Hessen-Nassau.
Das Wahlergebnis in Hessen-Nassau dürfte nachträglich eine Berichtigung erfahren. Dem zweiten demokratischen Kandidaten in Hessen-Nassau, Landw. Cornelius T r i e s ch- mann, fehlten nur noch 43 Stimmen an den nötigen 60000 Stimmen. Diese dürften aber infolge der Anfechtung der Feststellung des Wahlergebnisses noch aufgebracht werden, da von Wahlvorstehern, besonders auf dem Lande, eine größere Anzahl demokratischer Stimmzettel für ungültig erklärt wurde, weil sie nur den Namen Schücking enthielten, ohne die Namen der übrigen Kandidaten der demokratischen Liste. Diese Stimmzettel sind aber gültig, unb so wird Trieschmann als zweiter demokratischer Abgeordneter für Hessen- Nassau als gewählt erklärt werden müssen.
£ebensmitfe!unrul)tiL
— Frankfurt a. M., 28. Juni. Die Bewegung für den Abbau aller Preise für Lebensrnittel und Gebrau chsgegenstän de führte beute nachmittag zu einer gewaltigen Demonstration der Arbeiterschaft auf dem Römerberg. Mehrere Redner vom Gewerkschaftskartell und den sozialdemokratischen Parteien forderten in Ansprachen den sofortigen Abbau der Preise, eine rücksichtslose Bekämpfung des Wuchertums, die FeM'etzung von Richtpreisen und deren öffentliche Bekanntmachung m den einzelnen Geschäften. Von der Regierung wird gefordert, daß sie die Geschäfte, die diesen Forderungen nicht Nachkommen, schließt und zu Wohnzwecken einrichtel. Die- lenigen Geschäfte, die Wucher treiben, sollen boykottiert werden. An der Kundgebung waren etwa 30 000 bis 4 0 000 Personen beteiligt. Dann marschierten die Teilnehmer in mehreren Temvnstrationszügem durch die Hauptstraßen der -Stadt. Zu Ruhestörungen ist es bisher nirgends gekommen. Die meisten Geschäfte m der Stadt hatten geschlossen.
- Frankfurt a. M., 28. Juni. Nach den Demo n st rationszügen, an denen etwa 40CX»0 Peronen teilnadmen, sammelten sich nach ’ct. v Hin- vor dem Lebensmittelamt unb wpe\ tiaf- le-bauhrnt an derGal l usan läge grö ß»ie Mensären- mallen Äu’ Die Gerüchte tim, daß ist Plünderungen Mnohmngten. rückt-n mahrev -?irrtbertfchaftm der ^.icheeyeitsi.»ouzei an b« bedrohten Stellen und färbten mu^cloö Ctieumg. Smrke Polizeiaufgebot«
LU. Landes-Universität Gießen. Dr. Wilhelm P e p p l e r wurde die venia legendi bei der philosophischen Fakultät für das Fach der Meteorologie erteilt. — Der Hilfsbibliothekar Dr. Heinrich Schneider winde zum Bibliothekar an der Univ.-Bibliothek und Heinrich Muth zum Werkmeister an der chirurgischen Klinik und der Klinik für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten ernannt. — Am Mittwoch den 30. Juni, abends 8V4 Uhr, hält Prof. D. Dr. M. Schi an einen Vortrag im großen Hörsaal der Universität über „Die Reichsschulkonferenz in Berlin im Juni 1920". Zu dem Vortrag hat jedermann Zutritt.
** Abonnementskonzerte. Das vierte Ab-onnementskonzert der Regimentskapelle findet, wie bereits in der gestrigen Ausgabe des Gießener Anzeigers bekanntgegeben ist, am Mittwoch, den 30. ds. abends 8 Uhr auf der „Schönen Aussicht" statt. Da für dieses Konzert der bekannte Cornet- a-Piston-Virtuose A. Schwarz aus Wiesbaden gewonnen ist, so verspricht auch dieses Konzett wieder einen vollen Erfolg. Obermusikmeister' Loder hat außerdem seinen Spiel plan sehr geschickt gewählt, so daß ein guter Besuch nun empfohlen werden kann.
** Ein ju gendlicher Schwer ve r- d r e ch e r! Ter 12 Jahre alte, fcrum strafmündige Stadtschüler Adolf Schreiner aus Gießen, wurde, nachdem er verschiedene Einbrüche begangen, einer Erziehung San statt überwiesen. Dort entwich er, nachdem er schon einmal durchgegangen war und führte in Gießen wieder mehrere Ern- bruchsdiebstÄhle aus, wobei ihm unter anderen Sachen auch 3000 Mk. in die HHide fielen. Mft diesem Bettage verließ er mit seinem Freunde, dem gleichgesinnten Ernst Heil, die Stadt. Sie fuhren nach Berlin. Tort führten sie ebenfalls mehrere Einbruchsdiebstähle ans, fuhren dann nach dem nähen Mariendors und stiegen am hellen Tage in eine Villa ein und ftatten -xmen Revolver und verschiedene Wertsachen. Sie wurden hierbei überrascht, ergriffen die Flucht und wurden von dem Publikum verfolgt, wobei beide auf ihre Verfolger mehrere Schüsse abgaben, ohne zu treffen. Heil gab dann dem Schreiner seine.Waffe, worauf dieser in jede Hand eine nahm und sämtliche Patronen auf seine Verfolger ohne zu treffen abschoß. Er warf dann die Waffen in das Wasser und ließ sich festnehmen.
** Das Lebensmittelamt macht darauf auftnerffam, daß die verausgabten neuen Zucke r- und Nährmittelkarten bis spätestens 30. Juni 1920 einer Verkaufsstelle zur Eintragung der Finna und Abtretung der Kontrollabschnitte riorzulegen sind. Die VertauMellen haben die ern- gegangenen Kontrollabschnitte bis spätestens 5. Juli 1920 dem Lebensmittelamt einzureichen.
** Freibank. Mittwoch, 30. Juni werden von 1—3 Uhr die Nummern 101—300 beliefert.
** Billigere Kirschen gibt es jetzt auch in Gießen. Während gestern von den Stratzenhänd- lern noch 3.50 Mk. für das Pfund verlangt wurde, konnte man auf dem heutigen Wochen markt das Pfund schon zu 2.20 Mk. haben.
** Die abstimmungsberechtigten Oberschlesier werden auf Donnerstag den 1. Juli, 8 Uhr abends, in den „Postkelleri' zu einer Versammlung eingeladen.
*♦ D i e Auszahlung der Familienunter st ützungen finbet für die Zeit vom 1. bis 15. Juli am Mittwoch, 30. Juni, vormittags von 10 bis 12 Uhr, im Stadthaus, Zimmer Nr. 7, statt.
*^DieEinfchränkungdesAuto- mobilverkehrs an Sonn- und Feiertagen und zur Nachtzeit ist vom hessischen Staatskommiffar für wirtschaftliche Demobilmachung aufgehoben morden, da zurzeit Mangel an Betriebsstoffen nicht mehr besteht.
Kreis Büdingen.
sw. Büdingen, 28. Juni. Prinz Karl zu Bsenburg-Büdingen hat sich mit Prinzessin Marie zur Lippe verlobt. Dir offizielle Bekanntgabe soll am 7. Juli, dem goldenen Hochzeitstage des Prinsen Alfred und der Prinzessin Luitgard zu Bsenbuig erfolgen.
Hessen-Nassau.
mo. F r a n f f u r t a. M., 28. Juni. Der Arbeitsverdienst desFranksurterStra- ßenbahners betragt ab 1. April 1920 durchschnittlich 13 271.20 Mk. jährlich.
Frankfurt a. M., 28. Juni. (Wolff.) Die Dienstgeschäfte der Regierungsstelle für Frankfurt a. M. sind mit Ablaui des 26. d. Mts. an den Regierungspräsidenten in W iesbaden übergegangen.
Sport.
^ern, 27. Juni. ^WTB.j Heute fand in Zürich das Fußball-Länderwettspiel Deutsch
land-Schweiz statt Die Schweizer Mannschaft, die sich nur aus Deutschschweizern zusammensetzte, erzielte einen Sieg 4 :1.
Ltrauh-Reger-Fest in Vaü-Nauheim.
B a d- N a u h e i m, 27. Juni. II.
Der zweite Tag des Musikfestes war Max Reger gewidmet. Tas Recht des Lebenden geht vor, unb so wurde des größeren Tolm nur mit einem Festtage gedacht. Der künstlerische Gegenpol zu Richard Strauß, der am dem '-Öoöen dcr Klassiker Bach-Beethoven steht, das minurtribarfte Formtalent und dec größte Montrainintiifec bei Neuzeit, während Strauß eher die Linie Wagner- Berlioz-Liszt fvrtführt und die klangsinnlich: Erscheinung in den Vordergrund seines Schaffens stellt.
Der Regertag hatte drei größere Werke des Meisters vorgesehen, von denen „An die Hoffnung" von Hölderlin op. 124 für Alt und Orchester abgesetzt werden mußte, weil die vorgeseyenc Sängerin Frau Fischer-Maretzki wegen Zriankheit abgesagt hatte.
Die Serenade in G-Dur für Orchester op. 95 ist verhältnismäßig früh geschrieben und hat nicht den straffen organischen 'Jlufbau seiner späteren Werke. Rein äußerlich wächst sie sich zu einer großen Sinfonie aus, aber die Themen find von einer hinreißenden Innerlichkeit, zumal im dritten Satze mit seiner sehnsüchtigen Lyrik. Das Orchester ist in zwei bis drei Gruppen abgetrilt, deren Themen sich miteinander vergeben. Immer taucht ein neuer Einfall auf, oft von ursprünglichem Humor, und wird wieder cinbczogen in die klare Struktur des ganzen Werkes. Das Orchester hat hier eine große tüngabe zu leisten. Es löste sie mit hingebungsvoller Liebe, und auch hier gelang Prof. W i n d e r ste in die sorgfältige Heraus- arbeitung der orchestralen Farben.
Tie Variationen und Fuge über ein Theina von M^iarts op. 132, das zweite Orchester werk des '-Ibends, zeigten die geniale Beherrschung der Variationenstirm, die Reger seiner Liebe zu Bach verdankte. Tas benlidx Thema wird achtmal abgenxmbelt, um bann in die über toältigenbe Schlußfuge ausMllingen, deren elementare Wirlwng übermäd;tig auf den Hörer eindringt. In dieser Fug: hatten Tirigent und Or- ckester die schwerste Pwbc ihres Könnens zu bc- fedben, und sie bestanden sie, n»enn sich auch nicht ledes Instrument in seiner Bedeutung so klar heraushob, wie unter einer persönlichen Leitung Max Regers, die ich noch 1915 erleben durfte. Ten mehrfachen Hervorruf hatte Prof. Winderslem jedoch ehrlich verdient unb ebenso die mitwirkenden Orchestermit glicder.
Zwischen den Orchesterwerien fang Gertrud Geyersbach vom früheren Wiesbadener Hoftheater acht Rcg?rlieder am Klavier. Mit ihrem fiangreinen, ausdrucksvollen Sopran wurde sie auch als Opernsängerin dem lonzerlrnäß gu Vortrag der Lieber gerecht jinb errang ih.eii i*inbringK lichltLN Erfolg mit ,Muckes genug". b:m unendlich stimmungsvollen „Maria Wiegenli.d" und „Tes Kindes Gebet". „Äos.n", dramatisch am wirkungsvollsten, 'hatte den äußeren Erfolg zwar, wurde aber bei ihrem, dieser Kraftleistung nicht ganz gewachsenen Sopran, nicht zu dem leidenschaftlichen Ausbruch, den man 'hier erwarten nuife.
Am Klavier war Herr Solomon aus Frankfurt als Begleiter auch diesmal oft nüchtern und weit entfernt von der Zartheit eines Regerichen Pianissinw. ,
w
□ Friedberg, 28. Juni. Das von Prof, Dr. Karl Schmidt veranstaltete „Bach-Fe st", welches am 25., 26. und 27. Jimi in unserer Stadtkirche stattfand, nahm unter starker Anteilnahme der hiesigen Bevölkerung unb ber weiteren Umgebung einen erhebenden und in jeder Hinsicht befriedigenden Verlauf. Der Freitagabend bracht« uns nur Orgelwerke, u. a. das gewaltig Präludium unv die Fuge in L-Moll und die Fantasie und Fuge in 6-Moll; imfer herrliches Orgelwerk, von ber Meisterhand Otto Wissigs gespielt, kam hierbei zu seiner vollen Wirkung. Der -Samstagnachmittag brachte uns, nach Art der berühmten Samstagsmotetten des Thomaschores zu Leipzig, drei Choräle und einen ß capella gelungenen Chor, der Llbend war dann den Jnstrumental- unb Gesangssolower^n Vorbehalten; bedeutende Künstler, wie Paul Hindemith und Ludwig Keiper, Fran Anna Kämpfer! und Frll Nety Beyer hatten ihre Mitwirkung in den Dienst der schönen Sache gestellt. Der Sonntag* nachmittag bot uns dann drei Kantaten „Herr, gehe nicht ins Gericht", „Wer nur den lieben Gott läßt wallen" und „Alles nur nach Gottes Willen". Es war Herrn Dr. .Hari Schmidt gelungen, alle künstlerisch interessierten und befähigten Kräfte unserer Stabt zu einmütigem Wir> tat zu vereinigen, zu den Solistnr kam noch außer den schon genannten der hier schon lange rühmlich bekannte Adolf Müller aus Franffurt a. M. Die ganze Bach-Feier war für unsere Stadt ein musikalisches Ereignis ersten Rang^, und man muß dem Veranstalter Tank wissen, der mit unsäglicher Mühe und unverdrossener Arbeit es möglich gemacht hat, auch in einer kleinen Statt eine derartige Feier zustande zu bringen.
Städtisches Sommertheater Marburg.
Ans der Sornrnerspielzeit wird meist eint Sommers viele rei. Für Marburg jedoch schfint die Umkehrung Geltung zu haben unb die Marburger dürst'' ehrlich stolz auf ihr Sommertheater sein. WaS sein künstlerisches Niveau anlangt, so kann cs sich sehr wohl sehen lassen neben den Bühnen anderer, -auch bedeutend größerer Städte. Mit neid- voller Bewunderung lasen namentlich die Gießener den Spielplan Direktor Hennings, den wir vor kurzem an dieser Stelle veröffentlichten. Unb Otto Henning ist nicht nur ein ganz hervorragender Schauspieler (als Christian Wach in TehmelS „M «nscheufreunbe" stäht er in Gießen in starker Erinnerung^ sondern auch ein trefflicher Regisseur. Tas bewies die gestrige „E l g a - Aufführung. Die düsterschwere und wieder von glutvoller Leidenschaft durchbrausle iNusik, die in dem Hauptmannsche Noktumus verborgen ruht, wurde von Otto Henning voll zum Klingen gebracht. Wie ein Tvaumgesicht glitten die sechs Szenen vorüber mit dem unwiderstehlichen Reize ibveS Erstrahlens unb Tunkelns und dem bitteren Verweben des kurzen Liebesrausches. Und Maria Fein (vom Deutschen Theater in Berlin) als Elga! Wahrlich, das war die Elga, die der Tod lehrte, „auf ganz besondere Weise über vielerlei ernste Dinge des Lebens zu lachen, und die sich vom Tode immer tiefer hin- emjogen ließ ins Leben: hie kalt, hie heiß, hie Grausen, hie Glück." Wundervoll die leise schwin-
psrd tete- irgt te-V w
Satz Stars Den, daß1
M k jU stl!
A
latna
B(
Träg
Sich
gegen MH teure M Srnik
rat 5 ivuröe 1.50 ' der r Partei gejevt-
2 bei dr lvird mad»
1
in 1920 bisher
Ärtis Ckt unb! ihr 1 tretet Angc Nach te Safier gmch Klbei
/S mür Stift 9ielic nuar lmig Srüd Städ prägt nickt 1. 3< stfid in $ Stuck geietzl als q und W auf b lichen terfa orbm
unb j gesch viels« aeiÄs W dieser bat
vinzi Auß< tranr Stab unb flarati getre
ttnb Ferie schien den! ohne
5 Vntt Mn,
ntn, Al M
oltNN
(
für |
*0» Stch
Mn yeus) z>ve


