otl Wffi SCHUM KREM
fURJUl ML mManmuofnn^i
Verschieden*
K. 22/19.
>
)
t
v
557
12 ir i
lllf. Ill*
oo: fielt liier »ot, für der, nfle; ivo' -ns'
mit (Uli aot- $r <ot
•Set iS- ven ielv
n)( ।
ZAlDkMMl -om Zwecke der (htr aliSetnandeckSn» I DomlerStagdea8.Nl 1920, vormitt. 9 Uh iollen aufbem6itl.8e‘ aericbt Zimmer ü dir na-iiebenden 1. la 9ultu6 Teorg Umtux »u i dem VuIej । UtroeW in Tunner zu 3. dem Seorg li oertagt ju '/< uni l V-. SarlUnoenagim t»rr- lau zu', MiUmebere GrundbL« ßlurlJWV-;." am Hoireire. l-ntl de i Wuyrr
11U66 13. |
Mur II Nr IV!^ qmflrabflartww oetjweit Btxoti
Die amldgerr «etiüaurtalftaul» Awidümmer öltet* btt Crtöiaftl av» • geu und kann nur
i Heiiifchr»^
SLW1 sstsrl SS&V ’
ZAZLj 2nelie“Sen^ | W#’Srrt«
abend o°^^. | -SLlK.
cdeae"?. 58
r-^erejjj/
201«* fir rfdü»'
*Ät juefijS?
-^K-.
M.
Nbt>i
Bk >bef
Hr. 100
Der Siehener Hnjtiaer erscheint täglich, autzer Sonn« und Feiertags.
Bejegipreis:
Monatlich Marli 3.60, oierteljährlichMark 10 80 einschließlich des Bestell« qelds: durch die Post vierteljährlich Mark 9.75 ausschließlich Bestellgeld. Fernsprech-Anschlüsse: sürdieSchristleitung 112; Verlag,Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger riehen.
Postscheckkonto:
Frankfurt a. M. U686
(Elftes Blatt
170. Zahlgang
Donnerstag, 29. Apiil 1920
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: Srühl'fche Univ.-Vuch- und Zteindruckerel R. Lange. Schriftleltung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstratze 7.
Annahme von Anzeigen für die lagesnummer vir zum Vardmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. §rei» für l mm hShe für nzeigend. 34mm Breite örtlich 35 Pf., auswärt» 45 Pf.: für Reklame- An z e i g e n von 70 mm Dreiie 150 Ps Bei Platz. Vorschrift 20 '. Ausschlag. Hauptschrifttelter: Auq. Goetz. Verantwortlich für Politik. Aua. Goetz: für ben übrigen Teil: Dr. Reinhold Jenz; für den Anzeigenteil: Sy Beät, sämtlich in Dietzen.
Millerand über die Konferenj in San Remo.
Herr Millerand ist sehr zufrieden nach Paris zurückgekehrt. Wenigstens gibt er vor, sehr zufrieden zu sein. Er hat in der Kammer gesagt, nicht sein geringstes Verdienst sei es, daß die freundschaftlichen Bande, die die Entente zusammenhalle, neu befestigt morden seien. Er sprach auch von dem Uebereinkom, men, keine „formelle" Revision des Versailler Vertrages vorzusehen. Daß .Herr Mille-- rand das Wort formell dabei gebrauchte, ist bezeichnend. Aber darüber muß man sich nach dem Wortlaut der gemeinsamen Erklärung von San Remo doch klar sein, daß in der Tat auch Lloyd George an eine Revision des Vertrages vorläufig nicht Herangehen will. Der alte Geist der Gewalt und Unterdrückung hat noch einmal triumphiert, und dis „Weste minster Gazette", das Organ des Herrn Asquith, hat in einem Kommentar den Konferenzbeschluß, Besprechungen mit dem deutschen Reichskanzler herbeizuführen, zwar gelobt, aber zugleich die Notwendigkeit betont, den Passus über (neue Besetzung deutschen Landes aus den Abmachungen auszumerzen. Erst dann werde Deutschland auch seinerseits alles tun können, um einen wirklichen Friedens- zustand herbcizuführen.
Paris, 28 April. (WTB.) In der Nach- mittagösitzung der rranzösifchen Kammer geb Ministerpräsident Millerand eine Erklärung ab und sagte: Er wolle schon 'heute über die Konferenz upn San Remo mitte ilen, was mitzuteilen möglich sei. Ter türkische Vertrag sei m leinen Grundlinien fertiggrstellt. Tie Tür- len blieben in Ko n stan t ino v e l. In den Gebieten, wo die lütten in der Viehrheit seien, sehe der Vertrag den Schutz der Minderl-eiten nur. Bil son sei aufgcfvrdert worden, zu veranlassen, <afe Amerika den Schutz über Armenien übernehme oder die Grenzen des neuen Staates feste iirlle. England erhielt das Mandat über Meso- jotamicn und Palästina, Frankreich das Mandat iber Syrien. Millerand ging alsdann auf die verband[ungen in San Remo in Bezug aus die llusiuhruiig des Friedensvertrages von Versailles mt und erinnerte an das deutsche Verlangen- Truppen in der neutralen Zone zu erhalten. Darauf antnrortde die Konferenz durch einen Dries, dessen Jtrhall er dahin erläuterte: Frankfurt a M. unb Darmstadt w'roen geräumt, sobalo die inter- iCliierkm Kommisiionen fesrgeftellt hätten, daß tic deutsäien Streickräfte in der neutralen Zone auf den Stand zurückgebracht Torben sind, wie er in dem Abkommen vom 3. August 1919 festgesetzt ist. Die Berechnung erfolg,' aber nach Einheiten, nicht nach dem iffsektivbcstmid. Dadurch werde Deutickstand zurück» vführt auf den Geist und den Buchltaben des Ab- dmmens. Bis zum 10. Mai könnten die deutsckien Streitkräfte in der neutralen Zone di ientgen sein, iue sie das Augustabkommen vorsehe. Am 10. Juni Nüsse deren ZM um die Halste verringert wer- Leu. Deutschland habe aber das Recht, die Hälfte Scc vor.^es. h.'nen Pvlizeistr.ntkräste in die neutrale ->>nc einzuführen. Am 10. Julk müßten alle milt- irrischen Uralte die neutrale Zone geräumt haben. Die deutsche Negierung hätte dann das Recht, 10 000 Mann Polizeitruppen zu unterhalten. Tie Verhandlungen, die zwischen den Aiinerten in -ran Remo stattfanden, hätten zum Gründ ab gc^ l>abt, erstens, daß j ederGedan ke, den Fne- Lensvcrtrag von Versailles zu rcvi- t ier en, formell ausgeschlossen lein müsse, zweitens, daß, bevor man sich mit den Deutschen verständige, die Alliierten in vvllkom- nenfter und qmmreftrr Weise darüber einig leien was sie van den Deutschen verlangen sollten, nicht nur, was die formellen -Dispositionen des Vertrages anbetrefre, die sich tne bte militärischen und ge.viffe Wiedergut- nachm^gsklanseln selbst genügten, sondern auch über sie jKaufeln über die Entschädigung, deren höbe in gemeinsamem Interesse chnellstens bestimmt werden müsse. Die dritte Bedingung sei gewesen, daß, bevor man >en 00rund''ay ber Begegnun g mit dem < he f der deutschen Regierung annehmr, sie Alliierten einig sein müßten über die Funk- ionen und Zwangsmaßnahmen, die man eventuell an wen ben werde. Im Lause dieser Derbandlimgew eien gewisse Beunruhigsrngen laut geworden, auf sie er hätte antworten müssen. Er verlange von >er Kammer die Erlaubnis, xU wiederholen, was tr gesagt habe, zuerst in einer privaten • Unter» edung, spater im Lause der Konferenz. Es sch-ine, Saß gewisse Leute Beunruhigung gehabt hätten iber die Hintergedanken, welche den Geist des ranzösischen Voltes, seines Parlamentes und sei- !ier Regierung teile'.rsch!en. Er habe gcantiDOrtct, 'aß die stanzösisäx Regierung und das fntmö- ischc Parlament und Volk sich einig seren darin, Ilan es nicht nur ein Verbrechen, sondern eine Dummheit nxhv, an neue Annektionen Jteuticbcn Gebietes zu denken. (Lebhafter Beifall.)
Nacktem Millerand die Erklärung der Alliier» tm verlesen hatte, sagte er: Ich ßtaufc nicht, zu «pttmistisck zu sein, wenn ich sage, daß wir mit Lieser Kundgebung in die Periode der p o s i t i v e n Ausführung d e s Friedensvertragc's Untreren. Tie Erklärung tut ferner kund, und das H nicht mein geringstes Verdienst, daß iiie Entente unter allen Alliierten stärker und enger st demi jemals. Im Lause der zehntägigen Ver- tnfblungen sind Vorurteile' gefallen und nützliche .Persicherimgen groben worden. Tie Alliierten. । " f
lind von San Remo ickgereist, stärker im gegen - festigen Vertrauen und überzeugter von der Notwendigkeit und von der Kraft ihrer Entente. Ich bin überzeugt, daß die Konferenz, die jetzt ge schlossen wurde, keine unnütze Arbeit verrichtet hat. (LÄHaster Beifall.) Tie Sltammcr ging dann ohne Aussprache über diese Erklärung zur Fortsetzung der Beratung der Steucrgesctze über.
Marschall Jossrc in Madrid.
Madrid, 29. April. (WLB.) Der König ist gestern morgen von Sevilla zurückgekchrt und hat in Audienz den Marschall Jossre und den Gtefanbten Aulaire empfangen. Der Marschall hat dem König in Anerkennung der V^-rdienste für die verwundeten Soldaten und die Hmlerbücbenen der Gefallenen die Militärmedaille überreicht als Dank der französischen Nation und Regierung. Der Marschall wurde alsdann von der Königin- Witwe und dem Jnsanten empfangen. Um l Uhr sand ein Frühstück zu Ehren des Marschalls in der französischen Gesandtschaft statt.
*
Eisenbahnerftrtit in Frankreich.
Paris, 29. April. (WTB.) Der nationale Eisenbahncrverband bat eine Zlündgebung veröffeistlickK, in der gesagt wird, daß er dep Streik weiterführen werde, bis seine Forderungen durchgesetzt sind.
Das Ende des Generalstreiks in Lothrittgen.
Metz, 28. April. (WTB.) Der Generalstreik in Lothringen ist beendet. Auch die Eisenbahner haben die Wiederaufnahme ber Arbeit beschlossen. Die Postbeamten haben bereits sei', gestern ahend die Arbeit wieder ausgenommen. Vvm Industriegebiet meldet man gleichfalls die Wiederaufnahme der Arbest.
Eine Denkschrift der deutschen Liga sür den Bvlkerbund.
Berlin, 28. April. (Wolff.) lieber die Besetzung Frankfurts richtete die Deutsche Liga für den Völkerbund an das Sekretariat des Völkerbundes in London eine Denk^ schrist, deren Wortlaut gleichzeitig den Berliner ausländischeii Vertretungen sowie den Völk/cbimo-- (igen, der neutralen und früher feindlichen Staaten übermittelt wurde. Es heißt darin:
Der Einmarsch in fremdes Staatsgebiet ist unzweifelhaft als kriegerische Handlung anzusehen, denn er verletzt auss schwerste das Recht des be» trofjenen Staates auf Celbstersa'tung. Es ist für die rechtliche Bettachtung gleichgültig, daß Deutschland aus rein tatsächlichen und politischen Gründen die sranzösiscl)e Gewaltanwendung nicht mit Gewalt erwiderte. Wenn es sich um einen andern Staat gehandelt hätte, der nicht im Vergleich zu feinen Nachbarn jeder mÜitärifdjen Macht beraubt wäre, hätte die Besetzung eines Teiles des Staatigetzi'tes durch fremde Truppen» macht mizw ifelha t kr egcri che Gegeumaß atzmen zur Folge gehabt.
Die deutsche Vertrctuug beim Papst.
Rom, 29. April. (WTB.) Tie preußisch.' Legation beim heiligen Stuchl ist abberufen worden und wird durch eine deutsche Gesandtschaft ersetzt werden. Ter zum Gesandten ernannte Herr von Bergen wird am 30. April fein Beglaubigungsschreiben überreichen.
Aus der schwedischen Sozialdemokratie.
Stockholm, 29. April. (WTB.) Tie schwedische sozialdemokratische Linkspartei hat m einer Resolution für den 1. Mai als erste Forderung die Rernsion der Friedens- verttäge von Versailles und St. Gerrnaiu auf* geitcntmen. Im übrigen wird die Auflsebung p-r Blockade gegen Ruß and, Linderung der Teuerung uiid ein Regierungswechsel verlangt.
Ei« Hnngerstreikvon irischen Gefangenen.
Amsterdam, 28. April. (Wolff.) Englischen Blättern rm'olge bestnden sich jetzt im Gefängnis Wormswood Scrubbs in London, wo am Sonntag die großen Kundgebungen von 5000 Irländern flatttanben, 74 von 179 irischen politischen Gefangenen im Hungerstreik. .Einer wurde berests entlassen.
Der Reichrminister für Ernährung an die Landwirtschaft.
Berlin, 26. April. Ter Re i chs m inister für Ernährung und Landwirtschaft Dr. Hermes erläßt folgenden Aufruf an die Landwirtschaft:
In seinen Ausführungen über die Ernäh- ruugölage hat der Reichskanzler am 29. März 1920 ui der Nationalversammlung mit Monberem Nachdruck erklärt, die künftigen crnahrun^wirtschaftlichen Aufgaben sollten und fölmten mir gelöst werden „mit Der Landwirtsck«ft!" Tie Reichs- regierung ist entschlossen, unverzüglich danach zu hand.ckn. Sie weiß, daß die Landwirtschaft unter den Kriegswirlungen schwer gelitten Hot und unter den gegenwärtigen wirtscbaftlichcn Berhälttiissen noch schwer leidet. Sie wird daher alles daran setzen, diese Verhältnisse für die Landwirtschaft Su b.ssern. Sie ist gewillt, der Laiidwirtschast nach Krästcrr zu helfen und sie vornehmlich bei der Beschiffung und Zuführung der nötigen Betriebsmittel zu unterstützen. So wird die Einfuhr von Rohphosph^itm und Futtermitteln mit NackHi-nck gefördert roeröen. Die Einfuhr von 1 Milli o n Tonnen Mais zur S ch w e k n c in a ft ist gesichert. Größere Einfuhren von Cd»
kuchen und anderen Futtermitteln sind für die nächste Zeit in Aussicht genommen. Die Stickstossdungererzeugung soll ans die irgend erreichbare Höhe gebradjt werden. Entsprechenbe Maßiiahrnen sind bereits in Die Wege geleitet.
Tie Regelung tx'd Arbeitsocrhälti.incs uiid die Erhaltung des Arbeitsfriedens auf dem Lande betrachtet die Reichsreaierung als eine ihrer beben ttrngSvollslen Aufg- be.: im Interesse der Lani - Nirlfchaft. Ebenw wend.t jie der Beschiffung einer ansreichent^'n Zahl von Arb.iicni zur Sichrung des Hc.ck'irnchtbaues imd zur Bergung b r Huck siuchienue ihre oollse Aufmerkst m ci zu.
Um seri'er dem Landwirt die Ote.väi.r Dafür zu geben, bafe in den Höchstpreisen für die an die öffentliche Hand abjugebeitien Eizeum'ij> «Did) die dauernd fteigcnöcn Sofien der Produktionsmittel berücksichtigt )vethen, sind zmiärl-fl für Getreide, Kartoffeln und O e l f r Ü ch t e Mindestpreise sestges' tzt norden. Tie'e Min destpreife fusen mir die Prvdiiktionsunkosfcn des Monals Januar 1920. Im Reicl>smrnis:ersum für Ernährung uub Landwirtsä>oft ist eine Judet-- Vommissioit, bc’te.'erb aus h. rvorrae.cnden V r!re- lern der Landwirtf'ct>aft und der V'rbranckerschrft in Mldung begriffen, die ifnx* Tä i kett noch tm Laufe bi es-, s Monats aufnehmen wird. Tiefe Jn- dexkommisfion wird die Steigerung der Pr'-- b.cktions'unkosten, die feit dem Monat Januar 1920 eingetreten ist, feststellen und die Zuschläge vorschlagen, bc b i der Feststellung der endgültigen Höchstpreise du bekannt geg>be.ien Mindestpr.ien hiuzugcfügt nv.b.’ii fol.en.
Tic Rcichsvegierung glaubt -ruf der anderen Seite auch oon b.v deutschen Landwirt,chast cr-- warten zu können, daß sie die Ernährung des beutfdieii Volks, insbesondere in den kommenocn schweren Monaten, nach bestem Können sichern wird.
Tie Anlieferungen von Getreide und Kartoffeln erfolgen viel sack nur sehr stockend. Soll die Emätrimg in der nächsten Zeit nicht ernstlich gefährdet werden, so müssen die auf dem Lande n-och vorhandenen Bestände mit Beschleunigung! den Bedarfsstellen zugeführt werden. Tie Milch- liefctungeii müssen fleigen, ivenn die Saug- l ing s stc r b li chk e i t mit Erfolg bdämpft werben soll. Trotz erheblicher Einfuhren fmm die Bevölkerung in den nächsten M onaten nicht durch- gehalten werden, wenn die Landwirtschafc nicht aus allen Teilen des Reichs ihre Pflicht erfüllt.
Tie Reichsregierung ist überzeugt, baß die Landwirtschaft sich diesen Forderungen nickst ver schließen wird, daß sie vielmehr als Volksteil das ihrige dazu beitragen wird, die Volksgesamtheit zu erhalten, wie auch die Reichsregierung ihrerseits alles aufbieten wird, der Landwirtschaft ihre Lage zu erleichtern.
Lin Ausruf an die Reichewehrosfiziere.
Berlin, 26. April. Ter Chef der Heeresleitung veröffentlicht einen 'Jlufruf an das Offizierskorps, in dem es heißt:
Tas Offizierkorps der ReickiÄvehr steht in seiner Schicksal stunde. Seine Hal ung in der nächsten Zeit wird darüber cnHdrixn. ob es die Iüh-rvchaf im junp.m He r b hck der n ch. Entschieden wird ernm: zugleich, -ob cS d r Reichswehr gelingt, das Wertvolle aus der Vergangen-- leit lhnüberzuretlen in eine tätige Ckgeiuuart zu einer l-ellen Zukunft. Mit bet Reick-swehr ist Bestano und (itzedeilZm des Volkes und Staates unlöslick) verknüpft. Als Teil des Voltes und flottste Stütze des Staates muß die Reichswehr der EnNvicklung folgen, die Volk und Staat durchleben. Wir müssen alle erst lernen, das neue Haus der Reickrswehr zu zimmern und in ihni zu wohnen. Ticse Erlenntnis vermisse ich an vielen Stellen: ich sehe Unsicherheit, Unruhe und Miß- hauen. Tamit kommen wir aber nicht weiter. Wenn nickst das alle Band des Vertrauens wieder- hergestellt wird, sehe ich keine Möglichkeit der Besserung TaS bezieht sich nicht nur auf die Oftiziere, sondern auf alle Glieder des Heeres. Tazu ist eingclxmde Belehrung und offene Aussprache notwendig. Es' ist nicht angängig, daß nur feindliche Aeußerungen und '.'(«puffe zur Kenntnis der Reichswehr gebracht, üjr iwer Aeußerungen der Fürsorge, des Tantes, her Anetten - nung verschwiegen werden.
Aus zahlreichen Anzeichen entnehme ich, daß vielen Angehörigen der Reichsw.'hr d e Lage noch nicht klar geworden ist, in die wir durch die Et- cignisse''des Marz geraten sind, daß wir die Folgen tragen müssen von dem, was pol irische Kurzsichtigkeit in Ecfolgscha't liochperräterischer Bestrebungen angerichtet hat. In Fällen strafbarer Handlungen wird das gericht iche Verfahren Platz greifen, das zum Zweck des Einzelnen mid der Gesamtheit nach besten .straften zu fördern und zu unterstützen unsere Pflicht, ift Taneben ist in manchen Fällen zu prüfen, ob cm Offizier, abgesehen von dem nerid't id>en Verfahren, in feiner Dienststelle oder im Heerc verbleiben kann. Von keiner Seite ist GcsinnungSriech.rei, von keiner Proikuplion zu erwarten: jcöcr Einzcliall wird geprüft und beurteilt werden, wobei n ben der Sorge um die Ehre der Gesamtheit auch alle dienstlichen Verhä tniffe ihr- vo L" Berück iästigung finden wwden. Mit allen Kräften soll die politis che Betätigung jeder ArtdemHeere ferngehalten werden. Politische Kämpfe inner» halb der Reichswehr Beiträgen sich weder mit dem Geist der Kameradichast noch mit bet Tiszip'in und können die m;Iitjr;fd>.- Äu.bi.dung nur chädigcm. Es darf nicht die leider von manchen Stellen bisher genährte Auffassung Platz greifen, als ob die RoTierung und die höchsten militärischen Stellen nicht alles versuchten, um eine Besserung in der Hceresoraanisation zu crsielen. Ebenso mutz be von der glickrn Selle herb teilte Annahm,.' bekämpft werden, als ob wir irgend welche Aus-!
sicht hätten, bte sofortige Herabsetzung der H«c reSstärke aus 2 00 0 00 Mann zu vermeiden Diese Starte über den 10. Juli hinaus zu erhalten, wird auf allen Wegen antieftrebl.
Alle damit befaßten Stellen werden versuchen, den zur Entlastung kommenden Mitglü'dern aus- zulösenden Formationen den llebcrgang in daS bür gerliäte Leben oder die Anstellung in anderen Truppenteilen zu crkiditcm. Im festen Vertrauen auf das Osfizierkorps bin ich an die Spitze d»r Heeresleitung getreten. 35 Jahve lebe ich in her Armee und für sie, ihr .wdört der Rest meiner Kräfte Niemand kann tiefer als ich im Herzen die Nöte und Sorgen aller mitempfinden. Wenn wir zusamm^nstelvn, werden wir her Schwierigkeiten wie schon so ost Herr werden. ES ist nick: zu erwarten, daß ein jeder ben Wandel der Zeit in seinem Herzen begrufst. Durchdrungen muß aber (etn jeder von uns von der inneren Urberscugimg fein, daß nur, wenn der Soldat treu zu seiner verfassungsmäßigen Pflicht strht, der Weg wieder aufwärts führt, gez. v. Sc eckt.
2lui öcm Neiche,
Der Reichcrwehrminister Gcßlcr Über die Lage im Dthrgebiet.
Reichsminister Geßler äußerte in einer Unterredung mit einem Mitarbeiter der „Bossischen Zeitung": Aus allen Teilen des Ruhrreviers werden wir übetschwemmt mit Bitten, die R e i ch s w e h r n ich t a b z i e h e n zu lassen. Wenn wir dort mit zwei Batte rien Zurückbleiben, muß das Allerschlimmste befürchtet werden.
Die Kohlenförderung.
Berlin, 28. April. (Priv.-Tel.) Ter „B. Z." wird aus dem Reichsarbeilsmini sterium 'milgeteilt, daß im R u h r r e v i e r die Kohlenförderung und die Ueberschich ten wieder merklich tzugenommen haben. In den letzten Tagen betrug die tägliche Förde rung annähernd 30000 Tonnen und erreichte somit wieder die Ziffer, die nach dem envei; terten Ueberschichtsabkommen unmittelbar vor dem Kapp-Putsch erreicht war
• Dir Poft und der 1. Mai.
' Berlin, 28. April. (WTB.) Das Refchspostministerium verfügte,, daß am 1. Mai der Post -, Telegraphen» und Telephondienst wie an allgemeinen Feiertagen zu regeln ist.
Eifenbahnerstreik in Pofen
Berlin, 28. April. (Priv.-Tel.) Wie der „B. Z." aus Posen eingetroffene Rei- sende berichten, schoß dort gestern polnisches Militär auf streikendeEisenbahn- a r 0 e i t e r auf dem Schloßplatz, als diese der Aufforderung, auseinanderzugehen, nicht nachlamen. Es gab scchsTote und eine ansehnliche Zahl von Verwundeten. Der gesamte Zugverkehr aus und nach der Stadt Posen ift eingestellt, da auch die Eisenbahnbeamten gezwungen wurden, sich dem Streik anzuschue- ßen. Den deutschen Auswandererzug, der gestern Posen verließ, führten deutsche Beamte. Es handelt sich hierbei um die Bekärnv fung polnischer Arbeiterorganisationen durch polnisches Militär.
Sühne für eine grausige Mordtat.
Berlin, 28. April. (WB.) ToS mifxrorbcnt» liche Kriegsgericht in Wesel hat in der vorgeschnr« denen Bc sctzung durch drei Zivil riälter am 17. 4. den Eisenträger Christian Kopp aud Duisburg n*gcn Mordversuchs unb schweren Di-, bslühls zum Tode verurteilt. Klipp bet noch eigenem Geständnis am 23 März im Lipptsckiläs'ckten bei Wesel den dort im Keller mit drei anderen G,. fmigenm zusammen ringe perr en Leutnant Sicher Pou einer Reichs,c-ehrbrigode eigenmäd-jtg liervorgsholt unb zusammen mit anberen Leuten in' Hose mttrtgefd)jf'en. Die Täter ließen ben burd) Bau.ä>schuß schne verwundeten C fi ter liegen, damit er noch -länger Sckmiersen mSstehcn sollte Später Hot Dann ein Kompagnie- führet der roten Armee dem bedauernswerten Offizier mit einem MesserdieKehledurchschnitten. Kopp beraubte darauf die Leiche. Bei dem Versuch, die Uhr ß-s Ermordeten zu verkaufen, wurde er einige Tage später verhaftet. Ter Rriäis- Präsident lehnte es in diesem Falle ab, von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch zu mochar.
Zettungsverbole.
Stettin, 29. April (WTB.) Der Oberpräsident hat die Pornrnersche „Ta- gesvost^" und die „Greisswalder Zeitung" aut drei Tage, und die „Belgarder Zeitung" a u f acht Tage verboten, weil sie in A» tikeln, die sich mit der angeblichen Verhaftung eines sechsjährigen Kindes beschäftigten, unwahre "Unterstellungen und Harnische Angriffe auf den Oberpräsidenten als Regie- rungskommifsar brachten.
deutsche Nationalversammlung.
173. Sitzung
Berlin, 28. Axril.
Präsident Fehrc nbach eröffnet bte Sitzung mn 11L5 Uhr
Ter Prästbcnt teilt mit, daß, der Reichsr^ü- minister ihm angezeigt habe, daß der Rrnhsral gegen doS Gesetz über bte Poll gebühren Eiw temch erhoben habe und es der Nationalocrstunmüo»


