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Nr. 12| Erstes Blatt

170. Jahrgang

Mittwoch, 26. Mai 1920

Der Siebeoer Avzeiaer erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags.

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Monatlich Mark 3.60, vierteljährlichMark 1080 einschließlich des Bestell­gelds ; durch die Post vierteljährlich Mark 9.75 «vsschkehlich Bestellgeld. Fern sprech-Anschlüsse: filrdieSchriftleitung 112; Verlag,lSesihäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Sietztv.

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Kraokfvrt a. M. U686

GWnerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck unö Verlag: vrühl'fche UniV.-vuch- und Steinöruderei R. Lange. Zchriftleltung, Geschöftrstelle und Druckerei: Schulstrahe 7.

A»oh«e von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Dreis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 34 mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf.für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf Bei Platz. Vorschrift 20° f Aufschlag. fSauptlchnitlcitcr: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Neinhold Jenz; für den Anzeigenteil H. Beek, sämtlich in Giehen.

Staatsmonopok.

Der unglückliche Ausgang des Krieges, die ungeheure Schuldenlast des Reiches und nicht zuletzt die neue politische Konstellation haben das Problem der Monopolisierung in verstärktem Mähe in den Vordergrund ge= rückt. Von besonderer Bedeutung sind daher die kürzlichen Ausführungen des Finanzmini­sters Wirth im .Hauptausschuh der Natio­nalversammlung und anläßlich der Regie­rungserklärung über die wirtschaftliche Lage Deutschlands unter dem Plenum. Nachdem der Finanzminister unter lebhafter Bewegung des.Hauses das finanzielle Elend und die er­drückende Schuldenlast des Reiches mH beson­derer Betonung der Milliardendefi- zit e der Post und Eisenbahn dargelegt hatte, kam er auf dieSicherheit und Tragfähigkeit der steuerlichen Grundlagen" zu sprechen. Nach seinen Ausführungen erscheinen durch die um­fassende Erzberger-Steuerreform weitere große Steuermöglichkeiten erschöpft zu sein, und es treten nun finanzpolitische Ueberle- gungen in den Vordergrund, die zu Mono­polen führen.Neue organisatorische Zusam­menfassungen, die große Produktionszweige der Wirtschaft zu umfassen haben, müssen mit der Steuer in Verbindung gebracht werden." Ebenso in der Nationalversammlung:Ich sehe die Rettung weniger in neuen Steuergv- setzen als in Staatsmonopolen."

Diese Worte des Reichsfinanzministers beweisen unzweideutig, daß sich die Regierung von neuem mit dem Gedanken trägt, die Monopolisierung größerer Produk­tionszweige in Angriff zu nehmen, vor allem und in erster Linie aus finanzpolitischen Gründen. Von allgemeinem öffentlichen In­teresse dürfte die Frage sein, ob die Einschla- gung solcher finanzpolitischer Bahnen vom volkswirtschaftlichen Standpunkte aus gut­geheißen werden kann, oder ob hier nicht das augenblickliche finanzielle Elend die Regierung kurzsichtig macht und zu Mitteln greifen läßt, die späterhin gerade eine Umkehrung des be­absichtigten Erfolges, vielleicht auch noch mehr als das bedeuten.

Erst in allerjüngster Zeit hat der Staat als Unternehmer eines großen Betriebes das Ergebnis seiner Tätigkeit der Oeffentlichkeit unterbreitet. Die Bergwerksgesellschaft Hi- bernia in Herne, die seit 1917 völlig im Staatsbesitz ist und unter fiskalischer Leitung steht, istseitrund 47 Jahren zumer- ttenmal ertraglos geblieben, während sie unter privatwirtschaftlicher Leitung selbst in den Jahren der schwersten Krise um 1875 Dividenden ausschütten konnte. Wenn auch auf Grund dieses beklagenswerten Ergebnisses nicht allgemein auf eine völlige Unrentabili­tät aller Staatsbetriebe geschlossen werden kann, so wird doch an Hand dieses Ergebnisses die volkswirtschaftliche Bedeutung immer wei­tergehender Monopolisierungspläne gemessen werden können.

Diese unrentable Wirtschaft des Staates wird wie im Bergbau auch bei den Monopolen in anderen größeren Produktionszweigen die Folge sein, denn sie findet ihre Erklärung nicht etwa wie es die oben angeführten Zahlen beweisen in augenblicklich vorüber­gehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten; hiervon müßten auch die Privalwerke in dem­selben Maße getroffen werden. Der innerste Grund hierfür ist vielmehr der, daß auf dem Monopolgebietc alleprivatwirtschaft- liche Regsamkeit ausgeschaltet ist. Eine Verödung der Volkswirtschaft ist die Folge. Jeder Beamte, der einmal in einem solchen Staatsbetrieb angestellt ist, weiß genau, daß ihm seine Stellung auch bei nicht zufrieden­stellender Leistung nicht genommen werden kann, und daß er keinen Pfennig durch ange­strengte Arbeit mehr verdient. Die gefährliche Rückwirkung auf die Arbeitsleistung liegt auf der Hand, letztere hervorgerufen auch insbe­sondere durch das Bestreben des Staates, die Löhne möglichst gleichmäßig zu gestalten, so daß der Fleißige nicht oder nur sehr wenig besser gestellt ist als der weniger Fleißige. Im Privatbergbau sind dagegen die Leiter und Angestellten im Interesse der Erhaltung ihrer Stellung und der Erhöhung ihrer Bezüge ge­zwungen, ihre ganzen Kräfte in den Dienst des Unternehmens zu stellen. Diese Momente ge­währleisten mehr als alles andere eine billige, sparsame und ergiebige Arbeitsleistung.

Aber nicht nur die Rücksicht auf die Marktbeherrschung und die Steigerung der Erzeugung ist im Monopol geschwunden, son­dern auch der Wetteifer der Betriebsführer und Techniker im technischen Fortschritt ist, wieSpectator" in denDresdner Neuesten Nachrichten" mit Recht bemerkt, beseitigt. Ein Mensch oder ein Stab von Menschen regiert im Monopol eine ganze Industrie, und an keinem Wettbewerb im eigenen Lande kann von ihnen selbst oder von anderen beobachtet werden, ob sie aus der Industrie wirtschafb-

lich und technisch das Letzte herausholen. Die I verwaltungstechnischen Schwierigkeiten der Leitung einer ganzen Industrie kommen hin- zu. Darin liegen die größten Nachteile aller Monopole, die nicht nur theoretisch erklügelt sind, sondern von der Praxis an allen Stel­len immer wieder nachgewiefen werden, wo Staatsmonopole, ja wo auch nur einzelne Staatswerke bestehen.

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Vorbereitungen ffir Spoo.

London, 25. Mai. (WTB.) Wie die Agen­tur Reuter vernimmt, ift für die Konferenz in Span die Ernennung einer Delegation des bri­tischen Reiches beschlossen worden. Die Dominions sind ermächtigt worden, ihre Vertreter zu be­stimmen.

Die Entschädigungssumme.

Paris, 25. Mai. (WTB.) Tie inter­parlamentarische Gruppe der Depu­tierten und Senatoren ter ehemchgen Kampfzone hielt heute Dornrittag wieder eine SO yung ab und forderte angesichts der Auskünfte, C*e Millerand über die augenblicklich gepslog»mcn eng» lifch-ffranzöiischen Berhand'.ungen gab, die lücken­lose Ausführung des Friedens Vertrages tun Ver­sailles. Sie sieht die ins Auge gefaßte Pauschal­summe als eine Verminderung der deutschen ts-d/uio an und erklärt, daß der FricLensvertrng von Ver­sailles vom Parlament angenommen worden fet und nur vom Parlament abgeändert werden k'inne. An der Aussprache beteiligten sich u. a. Ä'totz, Poincars, Loucheur und Louis Marin.

Paris, 25. Mai. (WTB.) Ter gemäßigt so­zialistische Abgeordnete Paul A u b r i o t, der letzte Woche aut Veranlassung Millerands seine Inter­pellation über die Festsetzung der Wiedergnt- m a ch u n g s s u m m e, die Deutschland an Frrn t* reich zu zahlen hat, zurückzog, schrieb heute an Millerand, er müsse seine Anfrage aufrecht erhalten Er werde am Donnerstag oder Freitag in der Kammer die Festsetzung der Debatte verlangen, die er im Jntevesse Frankreichs für unvermeidlich Hal e. Haag als internationaler Gerichtshof.

Haag, 25. Mai. (WTB.) yöeederlundsch Kvrresp.-Bureau. Beim Ministerrum des Aeußern ist eine Mitteilung des Sekretariats des Völker­bundes eingegangen, wonach die Kommission zur Vorbereitung des Entwurfes für den ständigen internationalen Justizhof Haag als Ort des Zusammentritts der Kommission wählte. Das Sekretariat des Völkerbundes lud dir Kom- mission zum 11. Juni in den Friodenspalast im Haag ein.

Die Lage in Irland.

London, 25. Mai. (Wolff.) Reuter. Be­deutungsvolle Perionalveränderungen in Dublin Castle lassen die Befolgung einer mehr gemäßigten Politik erwarten. Ter Hillsuntersekretär des Vize- königs von Irland, Sir John Taylor, ist zurückgetreten. Ter Präsident des Landessteuer­amts, Sir John Anderson, wurde zum Unter» sekretür ernannt.

Der irische Eisenbahnerbund hat nch dem Vorgehen der Hafenarbeiter angeschloffen und weigert sich, Kriegsmaterial zu befördern. Ein mit Kriegsmaterial nach Eork in Südirland bestimmter Eifenbahnzug blieb in Kingstown unter milckärischer Bewachung liegen, da die Maschinisten und Signalwärter sich weigerten, ihn absahoen zu lassen.

Dublin, 25. Mai. (WTB.) In einer Ver­handlung »wischen Vertretern der Ei>enbahngewerk- schatten und streckenden Dockern haben sich die letzteren unter der Bedingung, daßkeinKriegs- material befördert werde, zur provisorischen Wiederaufnahme der Arbeit verpftichtet.

Entschließung norwegischer Sozialisten.

Kristiania, 25. Mai. (WTB.) Der tta- tionale sozialistische Kongreß stimmte mit 285 gegen 30 Stimmen einer Resolution zu, die die Uebergabe aller Macht an die revolutionären geistigen unb körperlichen Arbeiter verlangt. Ein­stimmig genehmigte der Kongreß einen Aufruf an die Fabrikarbeiter, in dem diese ersucht werden, unverzüglich die Fabrikation von solpetersaurem Ammoniak ernzustellen da dies zur Herstülung von Munition diene, die gegen die ruffischen Genoffen verwendet werde.

Russisch - finnische Friedensverhandlung.

Kopenhagen, 25. Mai. (Wolff.) Einem Düegramm derBerlrnske Ttbenie" aus Del­fin gfors yriuige teilte der rus'ische Volksüvm- miffar für auswärtige An g^rgem eiten Tschi­tscherin bau finnischen Antzmrminisier drchstos mit, drtz die Räteregierung in der freundschaftlich­sten Weise di-' Vorschläge ter finnischen Regierung über Zeit und Ort für die Friedensverhandlungen ausnebmen werde. Tie finnische Regierung nnrd ihre Vorschläge sofort nach Pfingsten nach Moskstu übermitteln. " Es scheint jetzt festzustehen, baß Kopenhagen als Ort für die Frieden sverhrnb- lungen in Dissicht genommen ist.

Die Bolschewisten in Persien.

Amsterdam, 25. Mai. (WTB.) Wie Ha- vas-Reuter aus Teheran melden, werden dre Räu­mung der Stadt erwogen und alle zum Schutze der Fremden notwendigen Maßnahmen getroffen. Tie roten Truppen bombardieren die Küste.

London, 26. Mai. (WTB.) Der per­fische Minister des Aeußern ift hier ange- kommcn. Er hat bereits mit dem auswärtigen Amt Fühlung genommen.

Englische Verluste in Mesopotamien.

Amsterdam, 25. Mai. (WTB.) Englischen Blättern zufolge verloren die Engländer in M e s o p o t a m i e n bei ffksechten mit den Arabern 47 Mann.

Die Besetzung Westthraziens.

Amsterdam, 25. Mai. (WTB.) Laut Tele- graas meldet der Konstantinopeler Berichterstatter der Times, daß die Besetznng von W e st t h r a zien begonnen hat. Eine von Jaffar Tagar Pascha nach Adrianopel einberusene Versammlung von Notabeln beschloß mit 118 gegen 82 Stim­men der Besetzung von Thrazien durch griechisch' Truppen Wldcrstand entgegenzusetzen.

Daily Telegraph berickstet, die militärische Or­ganisation in Thrazien sei jetzt vollendet. Jedes einigermaßen wichtige Dors habe eine militärisch Besatzung urtter dem Befehl eines Leutnants ober eines Hauptmnans; ansehnlich Mimik wnsvov- rate seien vorhanden. Zahlreich bulgarisch Frei- williae hätten sich ben türkischen Nationalisten angeschlossen.

Das neue bulgarische Kabinett

Sofia, 25. Mai. (WTB.) Bulgarisch Tele­graphenagentur. Infolge des Ausscheidens der Mi­nister Burow, Magqlarow und Ta new unb des Eintritts der agrarischen Abgeordneten Omari- schewsft und Obvw in das Kabinett setzt sich dieses wie folgt zusammen: Präsident und Stieg: Stam- bulinsft, Inneres: Temitivw, Finanzen: Tetvkow, Handel unb Llrbeit: Tamiälaw, Unterricht: Omari- schewski, Post und Eisenbahn: Atamosvw, öffent­liche Arbeiten: Bakalow, Justiz: Radlow, Acker­bau : Obvw. Tas Ministerium bes Aeußern wird noch nicht besetzt und bis auf weiteres vom Mini­sterpräsidenten geleitet.

Die Schantuiigfragc.

Peking, 23. Mai. (WBT.) Havas. Gestern nachmittag gab die chinesisch st^gierung bent iapa^ nischn Botschafter hi Peking die Antwort, daß fit das Verlangen, Verhandlungen über die Schon- tungfragc emzuleiten, ablehne

Macao, 22. Mat. (WTB.) Havas. Einem chinesischen Hans in Hongkong ist das Opium- Monopol für 3 Jahre gegen eine jährlich Ent­schädigung von 3 950 000 Dollars übertragen worden.

Aus Mexiko.

Mexiko, 25. Mai. (WTB.) Der Kongreß wählte zum provisorischen Präsidenten den General Adolfo de la Huerta mit 44 Stimmen. Ter Gegen­kandidat General Pablo Gonzales erhielt 22 Stimmen.

Mexiko, 25. Mai. (WTB.) Am Montag nachnrittag fand die Beisetzung des Generals Carranza statt. Es ereignete sich fein Zwischen­fall.

Vas Schicksal Tirols.

Innsbruck, 25. Mai. (Wolff.) Die Zeitung Das Alpenland" veröffentlicht einen Bericht über eine Unterredung ihres Berliner Vertreters mit dem Reichminister des Aeußern, Dr. Köster. Der Vertreter legte dar, daß Tirol das durch ben Frieden von St. Germain am meisten betroffene österreichsch Land und durch feine Zerstückelung ein wirtschaftlich unhaltbares Gebilde, geworden fei. Er fragte, ob dies der deutschen Oeffentlichkeit Ivtamt fei und ob sich hieraus für Tirol eine Hoffnung auf Hilfe schpfen Iaffe;

Der Muttster erwiderte: Tas Schicksal Tirols wird wie kaum ein anderes Gebiet des Auslands- beutschtums von der deutschen Oeffentlichkeit mit dem wärmsten Interesse verfolgt. Vor dem Kriege ist 'es dem steten Strom reichdeutscher Reisenden mit all seiner großen Geschichte, seinem aufrechten Volkstum und seiner unser gleich tchen Schönheit bekannt und lieb geworden: während des .ikriegs hat es den Kamps um seine Grenzen und das Hel­dentum seiner Truppen dem deutschen Empfinden immer nahegebracht, so wurde bei allen Ncchrungs- unb Hilfsspenden für das hungernde Oesterreich, Tirol auf ausdrückliche Wunsch der Geber ganz besonders bedach. Auch das ferne Königsberg habe sich hieran beteiligt. Ter Magistrat der Stadt Berlin setzte sich dauernd in seiner Hilfstätigkeit ganz hervorragend für Tirol ein. Man mißt Tirol heute wegen seiner geographischen Lage allein eine (ocdeutsame Rolle für das außenpolitisch? Ver­hältnis seiner Nachbarstaaten bei. Gerade deshalb ift wohl auch bei den Tirolern die Volksbewegung tvegen der durch den Frieden geschaffenen Lage überaus akttv. Dom Standpunkt deutscher Poli- ttk erscheint das nicht nur berechigt, sondern m>t- wendig. Mit aufrichtiger Genugtuung begrützen wir die jüngste PolrtikJtaliens, die an Stelle von alten diplomatischen Knfffen unb der Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln dre Notwendigkeit der europäischen Lolidarttät zur Erreichung des gemeinsamen Aufbaues und der Versöhnung in dir Diskussion geworfen hat und diese Position gegenüber anderen Anschauungen verteidigt. Wir können die sichere Hoffnung hegen, daß die Richtlinien der ttalienr- schen Politik durch die Wucht rhrer Lage jeben Personenwechsel überdauert. Durch Trrol führen zwei der direktesten Blutadern dieser JnLressen- gemeinschafl. Vrelleicht schiebt dre Taft unbeimttzte Erfassung dieser Tattache ganz automattsch Tttol in den Vordergrund der außenvolittschen Fragen. Auf die Frage, ob. die Politik Ntttts auf Ver­neinung einer möglichen ® on auf ö berat io n hinauslaufe, antwortete der Mrnr,ter, der Besuch des Staatskanzlers Renner in Rom dokumentierte den italienischen Widerstand «gen eine solche Fö­deration ,a aut das energischste, selbst ohne diese Gegnerichaft dürfte das vergangene Jahr säutt-

lichen Subzeffionsftaaten der früheren östenvichuch- ungarifdrn Monarchie zur Genüge die Unmöglich- fcit einer derartigen Donaukonstellation vor Yuigm geführt haben.

Der Reichswehnninifter über die Marz- ereignifie bei der Marine.

Wilhelmshaven, 25. Mai. (WTB.) Ter Reichs wehrmini ft er hielt an bv Dffüjrrc und Abordnungen der Marinetruppentelle in Wil­helmshaven eine 9lnsprache, in ber er unter Hin- weis out die Märzcreigniffe u.a. sagte: Dadurch, taR der damalige Ches der Admiralität sich Kapp und L ü t t w i tz zur Verfügung stellte, entftanb an der Wasserkante ein besonders hohes Maß von Unklarheit und Verwirrung. Auf der einen Seite stunden streite Kreise des <Lea>ffiz«r- dorps, die glaubten, ihrem rechtmäßigen, vom Reichspräsidenten eftigesctzten Vorgesetzten zur Aui- rechterhalmng von Ruhe und Ordnung Geh^rs-rm leisten zu müffen, auf der andern Seite cntftmo bei den Untergebenen der Verdacht, t»atz das Se^- vffizierDrps in seiner Gesamtheit sich ben Ufinr- patoren zur Verfügung stelle. Dadurch van. eS ru W li e mshaven zur vorläufigen Jeünahme ter Offiziere, die, soweit sie zu llnrecht erfolgte, be­dauert werden mutz. Das batte zur Folge, dal; nicht nur seit Wochen k in Osflz er mehr T-lenst tut, sondern auch bride Teile fich mit einem täglich wachsenden Gefühl i*e6

Mißtrauens und der Erbitterung gogenüberstechnl. Ich habe mich bis jetzt jeglicher Stelliurgiiahme enthalten, weil ich mir des schweren OX-wissenskonftikteS beider Telle bewußt war. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, da der UnlersuckTM^s- ousschuß auf Grund eines einstimmig gcfatzten schlusses sowohl für Wilhelmshaven wie für Kiel eine große Llnzckhl Offiziere Vorschlägen konnte die vollständig unbelastet aus dem Verfähreit hervorgegangen sind. Für diese kann ich deshalb die Bürgschaft iLemehnien, daß sie als Männer von Eharukier den benaff rings mäßigen Organen bed.ngmrgÄos zur Verfügung stechen. Für sie muß ich ober ebenso fordern, daß ihren T^nsLbefehlen voll und ganz unter Ausschuß aller Nebenenrftüsse (fklorfani gcleiftet wird Dafür wird sich die {Re­gierung mit ihrer ganzen Autorität rinjefeen. ES gilt, dem Vaterlande die bescheidene Wvchrmacht «ur See, die uns der Friedensvertrag läßt, in bester Qualität .zu erhallen. Wenn uns die Aufgabe «u schwierig erscheint, so denken wir an die toten Helden von Skagerrak, deren Gedächtnis wir in diesen Tagen be^hen, und geloben wir, daß wir ihr Erbe auch in trüben Tagen in Treue verwalten, nicht nur für uns, sondern auch vor allem für unsere Kinder und Enkel.

Bauer und Ehrhardt in Budapest?

Berlin, 25. Mai. (Priv.-Teff) Wie die Abendblätter melden, sollen sich Oberst: Bauer und Kapitän Ehrhardt in Buda­pest befinden, wo sie organisatorisch tätig seien.

Putfchgespenfter.

Berlin, 26. Mai. DerDeutschen Ta­geszeitung" wird aus Stettin gemeldet, es be­stehe zwischen dem PommerAen Landbund und Paderborn nicht einmal Verbindung, viel weniger noch mit den in Paderborn befind­lichen Korps.

Kpnrmunistische Mordansthiägc.

Grünberg i. Schl., 25. Mai. (WTB.) Auf den st äd ff scheu Oberförster S t u ck Y wurde gestern nacht ein Mordanschlag verübt. Bon der Veranda eines Hauses wurden von zwei intbetam» ten Männern vier Schüsse aus Jnsanteriegewehren auf das Schlafzimmer des Oberförsters abgegeben. Die abgegebnen Schüsse waren aus die Stelle ge­richtet, wo bis vor kurzem noch das Bett des Ober- förfterS stand. Da dieses inzwischen weggerückt war, wurde niemand verletzt. Der Anschlag hängt mög.- lich:rweise kommunistischen Mord- plauen in Gründerg zusammen

Au» dem Reiche.

Der Be^tg von Düngeftickstoff.

Berlin, 25. Mai. (Wolff.) Der beim Reichsministerium für Ernährung urrd Land­wirtschaft. tagetrde, die oberste beratende Be­hörde für die Düngestickstoffwirtschaft bildende Düngestick st offausschuß gibt bekannt: Die Stickstoffe^eugung ist im Anstieg be­griffen und bei den augenblicklichen Bertehc^- oerhältnissen macht schon das Abiahren der laufend anfallenden Erzeugung Schwie­rigkeiten. Im Herbst tritt erfahrungsgemäß eine ungewöhnlich starke Beanspruchung der Bahn ein. Wenn in den Sommermonaten nicht laufend von den Werken abgefahren wird, und sich infolgedessen Bestände ansam­meln, so wird es völlig unmöglich sein, in der Bedarfszeit, die außerdem die Zeit des größ­ten Wagenmanaels ist, neben der laufenden Erzeugung auch noch Bestände abzufahren. Aus diesem Grunde und in der weiteren Er­wägung, daß im Hinblick auf das Steigen der Gestehungskosten mit einer Senkung der Preise für Stickstoffdüngemittel nicht zu rechnen ist, gibt der Düngestickstoffausschuß den Abnehmern von Stickswffdüngemitteln den dringenden Rat, in den Sommermonaten laufend abzunehmen, damit zur Verwen­dungszeit der nötige Stickstofsdünger beim Landwirt ist.