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Erster Blatt

170. Jahrgang

Samstag, 25. September 1920

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Gold.

Die BerfasiungSgefetze Oesterreichs.

Wien, 25. Sept. (WTB.) Der Berfas-

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Tie Nenbildnng de- französischen Nabinctts.

Paris, 24. Sept. (Wolff) Havas. Mil- lerand empfing heu^e morgen im Mi iiterium des Aeuhern seine bisherigen Mi arb-i.er. Dann kehrte er ins Elysse yirüf und empfing tvrthmlr einander den Sena sprasiden'.en Bourgeois mtb den Karmnerpräsiden'en Peret Hieraus h.ttte er eine Besprechung mit dem Deputierten Lehgucs, der darauf Bvnrgcois besuch e Man nimmt allgemein an, dass Leygues den Auftrag zur Bildung des Kabinetts erljült

Paris, 24. Sept. (WB.) Havas. Auf TTännen Millerands nahm Levgues die M i n i st e r p r ä s i d e n t s ch a f t unlb das Auswärtige Am t an. Im Laufe der Unterredung wurde anerkannt, daß unter den gegebenen Verhältnissen das Kabinett, das die Zustimmung des Parlaments hat, auf­recht erhalten bleiben soll.

Z? AiirJ ü ^töni ,90tattfl aubnis n. 'm mH *'» jid> ^llällbinn- V°i« iu ]' öütien n;, : QdanoHi Hie £ 9.

Annahme von Mnjtiacn für dir Tagesnummer oi» zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für l mm höhe für Anzeigen v. 34 mm Brett« örtlich 35 Vf., auswärts 45 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Brette 150 Vf Del Platz.

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Arenzrqulie- in9 Ulfa nebst

M hiergegen

), ilijten, unter mit Eirnven-

tiben versehen

Gegensatz zu den Erwartungen sehr ungünftigen Ausfall der Roggencrnte auch irn kornmendenWirt- schaitsjahr grofoe Schwierigkeiten bereiten Zu chver Sicherung besonders im Hinblick auf die auf den dringenden Wunsch der Bevölkerung und der mei- sten Länder beschlossenen Herabsetzung des AuS- mahlungssatzes bedarf es nicht nur der restlosen Ablieferung der inländischen Ernte, die im Not­fall mit den schärfsten Zwangsmitteln durchgeführt werden muß, sondern auch einer sehr erheblichen Einfuhr von ausländischem Brotgetreide. Die Ge- lrshinignng zur Einfuhr amerikanisch.m Mehls, die in den letzten Wochen Gegenstand leohaster Erörto- rungen bildete, kann aus den inzwischen der Presst nritgetfiitcn Gründen nicht erteilt werden. Gün­stige Einfubrgelegenheiten durch private Firmen können auch bei der bestehenden Einfuhrorgani- sation für die Allgemeinheit nutzbar gemacht wer­den. Um dem Bedürfnis nach einem besseren HaushaltSmehl entgcgenzukommen, ist in Aussicht genommen, eine Wochenmenge von 125 Gramm gering ausgemahlenem, aus AuslandSgetreide her- gestelltem Weizenmehl zu den Einstandprcisen der Bevölkerung zumleiten.

Der Wi tsaxfftsaussdruß nahm von dem Be- rtatt des Nci^erna'ru igsministers KterrniiS ES b stand vol e Einmütigkeit darüber, bab die öffent- licke Bewiitscliakung des Getreides, der Milch, des MilckfetteS und Zuckers bis aus iveiteres auf- red?! erhalten werden müsse. Die unmittelbare fti?r(nnbung zwischen dem Erzeuger und Stier- bcouder mutz gefördert werden. Tie Arbeiten des Aussd'ussts werden fortgesetzt. Im einzelnen be­schloß der Ausschuß noch, zur Belierimg der Er- nährungslage ab 15. 12 1920 die Einfuhr von Sa^zlferingen innerhalb eines noch festMsetzenden Rahmens dem freien Handel zu überlaset.

Lnver Pascha und die Kom-rnniften.

Varis, 24. Sept. (WTB.) Nach einer Ha- vasmeldung aus Tiflis empfahl Enver Pascha auf dem Ba kuer Kommunistenkon­gresse, dem 1800 Delegierte der verschiedenen Länder Asiens b.iwohnten, eine enge Zusam­menarbeit zwischen dem Islam und den Bolschewisten Es wurde ein Plan aus­gearbeitet, der der Sowjettegierung zur Genehmi­gung unterbreit t werden soll. Emern Ausschuß, der mit der Organisierung der Bewegung in Kleinasien und Indien betraut ist, wurden bedeu­tende Mittel zur Verfügung gestellt, besonders

Vie 6rnäl)rungslage Deutschlands.

Berlin, 24. Sept. (WTB.) Amtlich. Im Zusammenhang mit den B-ralungen über die finanzielle Lage nahm der Wirtschafts­ausschuß des R e i chs ka b i n ? 11s, Der unter dem Vorsitz des R ich^wi.ttschattsmimsters tagte, die Beratung des Wirt chattsvrogramms, an deren Spitze die Erört mng der Ernährungslage gestellt ist, auf. Auf Wunsch des Auffchu ses gab der Reichs mährungsmini'ler zunächst eine Uelrer- sicht über die Lag.' und Aussicht für den kommen­den Winter, die als Grundlage für die weiteren Beratungen dienen sollte. Wegen ihres _ allge­meinen Interesses beschloß der Ausschuß, den weicnt'ichm Inhalt dieser Ausführungen zu Der» öffentlichen.

Ter Ern ahrungsminister trug in der Haupt­sache folgendes vor: Auf "den Gebieten, auf denen die öffentliche Bewirtsdxffttnig noch unbedmgt not­wendig ist, muß die Regierung dve staatlichen MackLmitbl mit umso größerer Schärfe zur An­wendung bringen. Ties gilt besonders für Ge­treide, Milch und Zucker. We schöpfe­rischen Kräfte der Selbstverwaltung müflcn M gemeinsamer Abwehr wucherisd»7r Ausber ttavg. lvie auch g werbsmäßiger ober p i ater Zurücktzc-ltung von Lebensrnitteln vereinigt werden. Em oer- ständnisvol.es Zusammenarbeiten fämtlidier Bo'ks- krcnse, zu dem sich in den einzelnen Landesteilen bereits Ansätze zeigen, kann viel dazu betrugen, den lieber gang zu erleichtern. Zur Förderung des Ausbaus dieser Bewegung finden in den nächsten Tagen Be'preckungen tm Reichs­arbeitsministerrum statt. Im übrigen kann ein Urteil über die Wirkung der Wicterhoc- stellung der freien Wir schäft erst abgegeben wer­den, wenn die Erfahrungen eines l ärgeren Zeit­raumes zur Verfügung stehen. Ein wesentliches Mittel, um der Bekämpfung der bevorsvehnUan Schwierig! ten sieht die Regierung in her Schaf­fung ausreichender Reserven von Lebens­mitteln. Diese sollen dazu dienen, etwaige Stockungen in der Versorgung zu beseitigen und erforderlichenfalls preissenkerid zu toirfen. Ein be­sonderer Nachrichtendienst soll t<e R gienmg fort­laufend über die Versorgungslage der rinz-l en Bedarfsgebiete unterrichten. Am 1 CT-rber 1920, dem Tage des Außerkrafftretms der Fle sck^wangs- winschaft, wird die Reichsfleischstelle über mehr

düng des Völkerbundrates über Eupen und Malmedy ist zu unseren Ungunsten ausgefal­len; die Entente denkt nicht daran, die Frage etwa der im November in Genf tagenden Ver­sammlung vorzulegen. Die Reichsregierung bat viele Proteste hinausgesandt und überall rein Gehör gefunden. Aber jetzt, wo wir vor der Brüsseler Finanzkonserenz stehen, sollte sie das Programm, das sie vor einigen Tagen aufgestellt und in unklaren, wenig befriedi­genden Zügen veröffentlicht hat, wirksam vervollständigen. Die katastrophale Fi­nanzlage ist die Konsequenz der Vc.sailler Gd- walldiktatur. An die Entente müßte die drin­gende Aufforderung gerichtet werden, an der Lösung der deutschen Arbeiterfrage mitzuwir­ken. Diese bedeutet etwas ganz anderes als Sozialisierung, Arbeitslosenuitterstützung und bergt Man h a t das deutsche Volk zu Wiedergutmachungsarbeiten ver­urteilt. Wo ist hierzu das Pro­gram m u no w a r u m v e r z ö g e r t man seineAusführung?Millionen deutscher Hände sind frei dafür! War die Konsequenz des Friedensvertrages die Steigerung der Av- beitslosigkeit, die Fernhaltung des deutschen Volkes von unseren Uebersee-Gebieten so muß die weitere Konsequenz eben darin be­stehen, daß wir aus dieser Einschnürung, Zu­sammenquetschung, wieder berauskommen! Man sollte der Entente die Ziffern der Wirth- schcn Rede vor die Augen halten und ihr zu­gleich begreiflich machen, daß Deutschland nichts mehr zahlen kann und wird, wenn man seinem Wirtschaffskörper nicht auf die Beine hilft. Es war früher die Rede davon, daß deutsche Arbeitskräfte die Wieder­herstellungsarbeiten in Nordfrankreich und Belgien übernehmen sollten. Clernen- ceau hatte sich einverstanden erklärt. Im Ant- schluß an die trostlosen Feststellungen des Reichskabinetts ist das deutsche Volk wohl be­rechtigt, zu fragen, ob unsere Negierung ener­gisch für Vermehrung von Arbeitsgelegenheit eintritt und ob sie die Auswanderungsfrag« zu einer aufflärenoen und ersprießlichen Dis- kussion stellen wird. Das scheinen uns Not­wendigkeiten zu sein, die sich zunächst aufl- drängen. Sonst wird man auf dürrer Heide von einem bösen Geist im Kreis Her­umgetrieben,und rings umher ist schöne, grüne Weide". Deutschland muß den Fran­zosen und Engländern sagen, daß von weiterer Zahlung erst die Rede sein kann, wenn diese Vorbedingung ergiebiger Beschäftigung un­seres Volkes erfüllt sein wird, wenn das Ziel erreicht ist, auf das der italienische Staatst» mann Gioiitti so eiirdringlich hingewiesen hat: die Herbeiführung und Festigung eines wirklichen Friedens unter allen Völkern.

Mit der Politik der Zertrümmerung, die vonParis getrieben worden ist, treibt Eiwopa dem Abgrund zu. Möge das Reichskabinett unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten noch mehr als eine entscheidende Sitzung abhallen und möge dabei ein hinlängliches Programm der Tat herauskommen, das nicht nur durch die Reihen des deutschen Volkes, sondern auch durch die Kabinette der Siegerstaaten läuft!

Die Eröffnung der Zinanzfonferenz in Brüffd.

Brüssel, 24. Sept. (WTB.) In der belgischen Kammer wurde heute nachmittag die Finanzkonferenz eröffnet. Die Begrü­ßungsrede hielt A d o r, der ehemalige Schwei- zer Bundespräsident. Er bezeichnete es als das vornehm st eZielderKonferenz, Grundlagen für die Wiederaufnahme Arbeitenzu finden. Ador bekannte sich zum Freihandel, kraft dessen die nationalen Schranken für Handel und Wandel beseitigt werden müßten.» Dann begrüßte der belgische Ministerpräsident D e l a c r o i x die Delegier­ten namens des Königs und der Regierung. Die Konferenz wird morgen vormittag über die finanzielle und wirtschaftliche Lage von Dänemark, Holland, Norwegen, Spanien, Schweden und der Schweiz beraten, nachmit­tags über diejenige anderer kleinerer Staaten wie Finnland, Polen usw.

Paris, 24. Sept. (Wolff.) Havas meldet aus Brüssel: Die französische Dele­gation für die Fin a nz ko n f e r en z iit jetzt vollständig versammelt. Sie setzt sich fotgenb-T» maßen zusammen: Vorsitzender de Feuriau, siell- veuretender Vorsitzender Selen, Mitglieder 2£be* nol und Cherson, Sachverständige Siegfried, Scefte, Gvoßclau und Sa ja ier. Die Versamm­lungen, die es den Dclega txnen gestatteten, Er­kundigungen ernyiyeben und Eindrücke aus-u- rauscken, fanden bereits statt.

Das Wolssbureau erfährt aus französischer Quelle, daß die Delegierten für die Finanzkonfv' renz den festen Wunsch haben, nützliche Arbeit zu leisten unter Vermeidung aller gefährlichen Gegenstände, die zur T re n n u n g führen könnten. Man hegt die Hoffnung, daß die deutsche Dele­gation von denselb.m Absichten be'eelt ist und durch ihre Haltung die 3rb.it der Konferenz erleichtern werde. Zedenfalls sei die französische Delegation

sungsausschuß hat den Entwurf des Unter­ausschusses über die bundesstaatliche Der» fassung der Republik Oesterreich unter Zurück­stellung einiger Artikel angenommen. Nach weiteren in den Entwurf aufgenommenen Bestimmungen hat auch das Gesetz über die Landesverweisung des Hauses Habsburg-Lothringen sowie über die Aufhebung des Adels und der auf den Minoritatenausschuß bezügliche Artikel des Friedensvertrages von St. Germain als verfassungsgesetzlich zu gelten.

jfa» dein lUicbtc

Das wirtschaftliche Dienstjahr.

Berlin, 24. Sept. (Wolff.) Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, handelt es sich bei der Meldung, daß im Reichswirb- schaftsministerium ein Plan erwogen werde, ein wirtschaftliches Dienstjahr eiw- zuführen, um eine r e i n pe rsö n lich e U n- terredung des Reichswirtschafts­mini st e r s mit einem Herrn der Presse. Der Reichswirtschaftsminister äußerte dabei, daß er persönlich den Gedanken eines wirtschastr- lichen Dienstjahres, wie es in Ungarn bereits durchgeführt sei, für sehr erwägenswert Qalte, daß aber das Kabinett und die Gesamtregie­rung in keiner Weise damit befaßt wurden.

handel uni) Wandel liegen darnieder. Große ^lidustriegebiete sind einer ergiebigen beut» i'ctai Arbeit entzogen worden. Die Werften liegen stille; die deutsche Schiffahrt wurde lahmgelegt, und unsere Flußmündungen und Cäfen versanden, weil die siegreiche Entente sogar die Baggermaschinen to eg genom­men hat. Blühende Industriezweige sind Oer» t*.Trt, die früher dort beschäftigten Drbeits- ttäfte sehen sich nach Tätigkeit um. Heer ünd Flotte sind dahin und viele Tausende müssen ch andern Broterwerb schaffen.

ArbeitsmSglichkcien sind gewiß vorhan- -en; die Notwendigkeit des Wiederaufbaues, Herstellung des Vernachlässigten und Irümmerhaften bietet ein reiches Feld. Allein *ir sind ein armes Volk geworden und Hüffen einfacher leben, können uns das ®'te, reiche und schöne Genxlnd nicht mehr stiegen. Nicht einmal an einen ausreichenden Wohnungsbau ist zu denken? Die Rohstoffe nb zu teuer, die Lohne zu hoch. DerÄ u s - -erkauf" Deutschlands, durch unsere khlechte Valuta, bedeutete eine Aus­nützung durch dieSieger", wie so hoch sie \ber Auferlegung einer Kriegskostenent- hädigung kaum hatte in die Erscheinung ^ten können. In diesem Punkte hat bisher ^ftre Regierung allzusehr versagt und, wie scheint, noch immer nichts gelernt. Sie ^fcte sich nicht einmal gegen diese Aus- Merung und wußte den fremben Ausbeu- -ni fernen Wiberstanb entgegenzuseken. nb wie hat man uns braußen die VreiSgabe beutschen Gutes Der* kokten? Der Deutsche würbe verstoßen, ge­achtet. Die Heimkehrer vermehren bie Zahl Arbeitslosen. Unsere Kolonien, die ^üher den Ueberfchuß der Kräfte aufnahmen, pb uns erbarmungslos weggenommen wor- Die Menschlichkeitsgrunbsätze Wilsons vollkommen verduftet; unzweifelhaft die in der Weltpolitik führenden und ^cherrschenden Kräfte niemals so unmo- ^k^sch gewesen als heute ...

. ^klle Proteste gegen den Gewaltftieoen |nns wirkmigKlos verhallt; auch die Entschei-

feft enffchlossen, nicht zu gestatten, daß in ihrer Gegenwart und noch weniger unter ihrer Mitarbeit irgendwie an bet Integrität des Versailler Vertrages gerührt werde Sie würde es nicht dulden, daß unter dem Vor­wand, die finanzielle und wirtichaftiiche Loge Eu ropas zu befprechm, die Frage ernet Revision des Versailler Vertrages aufgeworfen werden könnte.

Hierzu bemerkt das Wolff-Bureau:

Soll das heißen, daß in Brüssel weder von der Wiedergutmachung, noch von den Deutschland aufzuerlegenden Lasten, noch von der Genfer Konferenz, die sie prüfen sollte, ein Wort gesprochen werden ivird? Die­selben, die entschlossen sind, die Arbeit der Kon- serenz in der Beziehung, die wir soeben kennzeich­neten, streng innerhalb ihrer Grenzen zu haiten, sind enffchlossen, anzuerkennen, daß es unmöglich wäre, die delegierten der 24 in Brüssel zusammen- gekommenen Mächte daran zu hindern, sich über das, was der Gegenstand der Genfer Konferenz sein sollte, zu unterhalten. Aber es wird sich nur um offiziöse Besprechungen handeln können, die eine Verpflichtung weder für die Brüsseler Kon­ferenz noch für die Regierungen mit sich bringen Es scheint sicher, daß entsprechend den sranzöff- schen Boffchlägen die Abstimmungen nad) Dele­gierten und nicht nach Mächten statffinden werden. Indessen werden die Enffchließungen der Kon­ferenz nach diplomaffschem Gebrauch einstimmig angenommen werden müssen.

Eine Berkehrskonferen- der Völkerbundes.

.Berlin, 24. Sept. (Wolff.) Wie wir hören, übermittelte der Generalsekretär des Völker­bundes der deutschen Regierung eine Einladun g zur D ilnohrne an der in Pans am 15. Cftbocr beginnenden Tagung des vorläu- figen Völkerbund ausschusles für V er lehr k- und Tvanfiffragen. Die deutsche RegiTrimg nahm bte Einladung an und wird sich durch B amte der beteiligten Ressorts in Paris vertreten taten. Nach der Tagesordnung sollen in Paris in erster Linie die Maßnahmen beraten werden, die einer Erlenh-- terung des internationalen Reiseverlvhrs, insbe­sondere hinsiclst ich der Ausstellung direkter Fckhc- tarten sowie der Zoll- und Paßbehandlung bienen können.

Ur. 226

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Die Kabinettsspannung, bie einige tage bad deutsche Volk in Unruhe gesetzt takte, hat sich entladen, aber nicht, um zu I taruhiaen. Die Kundgebungen, bie von amt- icher Stelle veröffentlicht würben, finb bar- tatfi angetan, überall Beklemmung zu er* «cken. Das Reich hat 242,7 Milliarben Schul- jen, ber Fehlbetrag im Reichsbaushalt be- nügt nicht weniger als 55,7 Milliarben. Was 1inat ber gewöhnliche Sterbliche mit biesen .jiffern an; was soll der Appell an das Volk? Man sollte in den obersten Reichsstellen bie Wirkung ber Kundmachung nicht überschätzen. 6ewiß, das Volk muß sich besser an bie Armut gewöhnen, bars nicht in ben Tag tri nein leben, soll sich mit EinsckMnkungen, besonders der Einschränkung unserer über­großen Beamtenzahl, absinden, unb bie Be- ntzenben sollen bie Opfer wirklich bringen, bie das Vaterland von ihnen geforbert hat. Vom Dort zur Tat muß aber zu allererst bie R e - I (jicTung schreiten. Kein Mensch hat etivas mgegen einzuwenben, daß ber Reichsfinanz- | ittmfber Dr Wirth auf seinem Posten bleibt. I Ier Minister Dr. Heintze hatte ganz recht, I ild er in einer Rede biefer Tage sagte, ber I iCTiu häusige Wechsel ber Männer an ber I Spitze sei nur vom Uebel, verstärke bie Macht I der fffeheimratsbureaukratte unb bringe uns I nicht vorwärts Es wirkte baher befriebinenb, I daß bie Gegensätze im Kabinett ausgcglich n I sein sollen unb ber Reichsfinanzminister vor I allen seinen Kollegen künftig ausschlaggebenb I fein wirb Die Finanz frage ist bie heikelste, | ichwierigste von allen Fragen, bie unsere I (Regierung beschäftigen, und was sonst ge- schieht, muß im Einklang bleiben mit ben I finanziellen Verhältnissen unb Erforber- I nissen. Keine neue Ausgabe ohne vorherige I Deckung; bas war freilich auch in besseren I Helten schon ein Wahlspruch ber Regiererrben. I Warum macht bas Selbstverständliche so viel I Mühe und Sorge?

DasProgramm", das uns jetzt mit* geteilt worden ist, klingt nicht nach wahrhaft xfteienden Lösungen; es verspricht uns bloß, daß jetzt endlich durchgeführt werde, was idion lange notwendig gewesen sei. Die Ab- 'tiiche am Beamtenkörper, ber Abbau ber Eriegsgesellschaften ja, warum hat bas Aschen rmch Popularität, bie Furcht vor ÖJiberftänben, ber Wettlauf ber Parteien nach Kunst bas absolut Notwendige nur solange verhindert! Herr Dr. Wirth allein oirb bas große Problem nicht lisen können. Man muß sich klar machen, 5 es sich hier in letzter Linie gar nicht um ffii rein finanzielles Problem hanbelt Das sicht bevölkerte Deutschland war ftüher ein hochentwickelter Industriestaat. Heute haben dr noch bas köpftreiche Volk, aber Jnbustrie,

fiauptfäfriftkit«. Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik. Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Ienz; für den Anzeigenteil: R Deck, sämtlich in Gießen.

als 70000 Tonnen AuSlocndSflcisch, AuSlanbsspak und svns.iger Flcischttuven verfügen; br Auslands- fle^tairefenx wird stündig auf 30000 Tonnon er» lwlien werben, bie für drei Monate die bisherige ivöchentlichc Ausgabe von 125 Gramm Fleisch auf den Kopf der Bevölkerung in den großen BeHarfsgebieten für den Noifall sicher» stellen. Daneben schreibt die am 19. September er­lassene Verordnung die Genehmigun^Spslickt für das Gewerbe des Viehhanbels, den «chlußsdtan- sroang beim gewerblichen Viebhandel, in geiuifftm Umfange die Genehmiauiigovilicht für das Flei- fchergcwcrbe und den Aushang der KleinbandelS- preife in den Ladengeschäften vor Bon der ReichS- settstelle wird vorläufig eine ständige Schmalz- referve von 20000 Tonnen gehalten. Aus chr werden neben dem, was der Bevölkerung infolge der Zulassung ber kontingentierten Einfuhr burch den freien Handel zur Verfügung stehen wirb, die bisherigen Rationen auf dem üblichen Wege weiter ausgegeben. An Kartoffeln steht aus den zwischen den Erzeugern unb ben Kommunalver­bänden abgeschlossenen Lieseningsvetträgen eine Reserve vv o n 32 Millionen zur Ver­fügung. Hierzu tritt bie von ber Rcichskartofseta stelle sichergestellte Reichsreserve von 20 M illro- nen Zentnern.

Dresc mehr als 50 Mill. Zentner Herben nur unerlieblich hinter ber Meng-c zurück, die im Vor­jahre von der öffentlichen Wirtschaft für bie Bevöl­kerung zur Verfügrrng Stellt werden konnte. Margarine unb Kunstspeisefett nnrb ber Bevölke­rung im Wege bes freien Handels in veichlicherem Maße als bisher zuaesührt werden. Die inlän-

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SiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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