— Der Kammer sind zugegangen: Eine Regierungsvorlage tetr, die Abänderung des Volks schulgesetzes von 1874. Danach bleibt die Er.eilung ces reckgiö en Unterrichtes der Willenserklärung der Lehrer, die Teilnahme an den religiösen Unterrichts- fäctern der Willenserklärung denjenigen üterfaffen, die über die religiöse Erziehung der Kinder zu bestimmen haten. Art. 50 wird aufgehoben, die Verpflichtung zur Ausübung des Organistendlenstes erlischt drei Monate nach Annahme dieses Gesetzes. Lehrer können zu Mitgliedern der Kreisschulkommission und zu Vorsitzenden des Schulvorstandes gewählt bzw. ernannt werden. Die Strafsätze für unentschuldigte Versäumnis werden auf das Zehnfache erhöht. — Eine wertere Regierungsvorlage betrifft die Erhebung von Zuschlägen zu gerichtlichen Beurkundungen. — In einer anderen Vorlage soll die Staatsregierung zur Neuregelung der Dienstbezüge der Kommunalsor st warte, sowie zur Neueinteilung der Für st ereien ermächtigt werden. — Ein Nachtrag zur Regierungsvorlage betr. die Zuschläge zu den Gebühren der Notare enthält den Vorschlag zu einer Erweiterung der Gebührensätze. Endlich betrifft eine andere Regierungsvorlage die beantragte Niederschlagung eines Verfahrens gegen Ad. Daum-Jugenheim. — Der Abg. Soherr hat einen dringlichen Antrag betr. die Freigabe der Hindenburgbrücke bet Bingen über den Rhein zu beschränktem Fuhrwerksverkehr eingebracht. — Dringliche Anfragen des Abg. Kiel (U. S. P.) betreffen die Nichtbestätigung des Schulvorstandes in Mörfelden und die Entlassung der Lehrerin Neser sowie die Maßregelung des dortigen Lehrers Egner (U. S. P.).
Eine Anfrage über die Dmschprämien.
D a r m st a d t, 20. Juli. Eine mri'ere dringliche Anfrage der Abgeordneten D i n g e l d e v und Genossen (DBP.) betrifft die Druschprä- m i e. Sie lautet: „Trotz ter ernstesten Warnungen aus den Kreisen d r süddeutschen und insbesondere der hessischen Landwirtschait, ist auch für das neue Ernrijahr die von den besten Sachkennern bekämpfte Frühdruschprämie au.fr chterhalten wor- ben. Ist der Negierung die dadurch hervorgerufene Erbitterung der hessischm Landwirte bekannt? Welche Stellung hat die Regierung in den Beratungen des Reichsrates zu dieser Frage einge- nomtnen ? Was gedenkt sie zu tun, um die schleunige Aushebung dies'r, die großen Wirtschastsbe- triebe des Ofttns begünstigende, aber die kleineren und mittleren Landwirtsäm'ten unseres Landes schädigenden Maßnahme herbeizuführen?
teberirmlttetteuerung.
ka. Lauterbach, 20. Juli. Gestern nachmittag fand int Johannesberg eine Protestversammlung der Arbeiterschaft für den allgemeinen Preisabbau statt. Krcisdirektor v. Werner und Bürgermeister S1 ö v le r versuchten eine Verständigung her- ’ beizuführen. Es bildete sich darauf ein Demo n st r a t i o n s z u g , der zur Molkerei, zu -Derrn Forstrat Eule eld und vor verschiedene . Geschäfte zog. Warenhaus Alt setzte die Preise * um 30 Prozent herunter: der Holzpreis sank ? um 20, die Schuhpreise um 40 und die Lebensmittelpreise um 10 Prozent. — Die Mol- ' ferei Lauterbach teilt nun heute im Anzeigenteil des „Lauterb. Auz." mit, daß sämtliche Vertrauensleute der Molkerei Lauterbach, welche gestern aus den milchliefernden Ortschaften des Kreises in der Molkerei versammelt waren, einstimmig beschlossen haben, auch ihrerseits beim Preisabbau Mitzu- 'uirken. Sie wollen 'ab 1. August mit einer geringeren Bezahlung der Milch bis auf weiteres zufrieden sein, damit es der Molkerei Möglich wird, die Vollmilch und Magermilch billiger an die Stccht abzugeben. Die Stadt kommt dadurch in Die Lage, den Einzelpreis je Liter ebenfalls herabzusetzen. Das genannte Blatt will hierzu erfahren haben, daß der Preis für Vollmilch auf 1.60 Mk., für Magermilch auf 80 Pf. herabgesetzt sei.
dz. Dillenburg, 21. Juli. Am 19. Juli fand im Kreishause eine Besprechung über den Preisabbau statt zwischen den Verbraucherorganriationen und der Kreis- bauernschast, sowie den Metzgerinnungen. In einer amtlichen Bekanntmachung des stellver- tenden Landrates heißt es über das Ergebnis dieser Besprechung, daß die Notwendigkeit des Abbaues der Preise, der sich auch auf landwirtschaftliche Produkte erstrecken muß, allgemein anerkannt wird. Die Kreisbauernschaft erklärt, daß unter diesen Umständen bei guter Ernte ein K a r t o f feier z e u ge rp re i s von 15 Mk., bei mittlerer Ernte ein solcher von 18 Mk., bei schlechter Ernte ein solcher von 20 Mk. als angemessen betrachtet werden kann und sie für f r e i h ä n - digeAbgabederKartoffelnzu diesem Preise eintreten wird. Der freihändige AuskaufdesSchlachtviehes soll nicht geändert werden. Die Metzger werden aber den Viehhaltern nur solche Preise zahlen können, die den festgesetzten Kleinverkaufspreis von 8 Mark für Kalbfleisch und 9 Mark für Rindfleisch noch ermöglichen. Erzeuger und Verbraucher sowie die vertretenen Magistrate und der Kreisausschuß sind einig, daß der Vieh- bandelsverband ausgeschaltet werden muß und daß jede Provisionszahlung an thn auf hört. Die Kreisbauernschaft erklärt, daß der Erzeugerhöchstpreis für Milch von 1.50 Mk. ab Stall nicht überschritten wird.
dem besetzten
fd. Frankfurt a. M., 22. Juli. Der Geschäftsführer Kallenbach dermehrheits sozialistischen „Freien Presse" in Höchst a. M wurde vom französischen Oberpolizeigericht in Mainz lals Reviftonsinstanz) zu 6 Mo naten Gefängnis und 5000 Mk. Geldstras verurteilt wegen Verhöhnung der Besatzungs
truppen durch Aushang der illustrierten Z.it-' fchrist „Der wahre Jakob" im <5d>aufenfter der „Freien Presse". „Der wahie Jakob" ist aus demselben Grund für drei Monate in dem besetzten Gebiet verboten.
höfische Volkskammer.
rm. Darmstadt, 21. Juli.
Der Hessische Landtag wurde teilte vormittag l0'/i Uhr durch den Prät identen Adelung mit einer Begrüßung eröffnet. Er teilt mit, daß die Verhaftung des Abg. Schildbach der sozrald Fraktion Veranlassung gegebn hat, einen Antrag auf Befreiung desselben während der Tagung der Kammer einzur ichen. — Der für den Abg. Scheuer eingetretenc Abg. Nuß-Worms (Z.) und der für den zurückgetvetenen Abg. Gruber-Alzev neu eingetretene Abg. Nesf-Michelstadt iverten verpflichtet. Dann wird in die
Beratung des hauptvoranschlags nnsetrcten. In der Generaldebatte führte Finanzmi- nister Henrich aus, datz der Eta. von 7u .vri l von 1914 auf 2 7 0 Mill io nen im neuen Jahren gestiegen ist. Der AbftUnß sei an sich nicht ungünstig. Durch die neue Besoldungsvorlage sei man unvorherg- sehen auf einen ungedeckten Feh b trag von 35 Millionen Mark gekommen, sonst hätte man mit ein.-m Ueberschuß von etwa 40 Millionen abfch'rißen können. — Er berichtet dann die wichtigsten Zweige der S t a a t s w i r t s cha f t. Die Erträge aus den Staatsgütern sind von 6Vs Millionen auf 43'/r Millionen gestrigen, so daß ein erheblicher Betrag m den Forstbetriebsstock au;g ntommen werden konnte. Aus den Holzsältungen wie aus den Weingütern wurden erhebliche Ueber- schüsse erzielt. Der Redner geht auf die Holzrationierung näh?r ein, die als günsftg bezeickmet' toer.ien kann, die Versorgung der Kommnnalsvrstwarte sei in die Wege geleitet. Tas Kraftwerk L u d w i g s h v f f n u n g feite entsprechend erweitert werden. Ungiin ig schließt Bad-Nauheim ab und es frage sich, ob man das Bad aus Steuermitteln aufreckst erhalten ober erheblich ein schränken wolle. Noch weniger erftcu- lich seien die Thvatcrfvagen. ©ine neue Aufgabe sei mit dem Siedelungswefen ent anten. Tas Eisenbohnbapilel im Hauptvo ran schlag sei uerid,:rounten. Tie Steuerfrage sei noch un- uriläit. Tie Ausgaben seien entsprechend Pivach- len. Ganz bedeutend seien die Ausgaben für die Arbeitslosen. — Tie allgemeine Lage für das Land sei nickt ungünstig. Sorge bat er nur für die G e m e i n de n. Tie Exi e iz des Staats hinge mit dem Schicksal des Reick>s z-usammen. Wenn das Reich zusammenbrsche, werde es mit dem Staatsleben vorbei sein. Spaa habe dem deutschen Volke die Augen gwffnet. Das deutsche Volk habe nur noch zwei Wege: zu Arbeiten und zu opfern, ober z u verderben!
Abg. Kaul (Soz.) bespricht zunächst die große Umwälzung der letzten Zeit und erklärt, daß die unter Dem Ziwang zustande gekommenen Vereinbarungen in Spaa für uns feine inner l i che moralis che Bindung darf eilen kennen, sie seien einfach undurchführbar. Tie Wirtschaftlichen Verhältnisse feien z. B. in Offenbach unhaltbar. Tie Trttate von Versailles und Spra seien furchtbar. Tie Verantwortung trage nicht die Revolution, sondern diejenigen, welche den Zusammenbruch herbei geführt haben. Er verurteilt das Verhalten der U.S.P., welch: die Besetzung miwer- fchuldet und and) die Verhaftung einer Anzahl, Personen veranlaßt haben . In unserer Ohnmacht mutzten wir das Weltgewissen anrufen. Eharak- terii.isch ist tse bsabsichtigte Neubildung eines neuen hessischen Freistaates.
Im Falle die wirffchaflliche Dreiteilung Hes- send von Berlin aus beabsichtigt fein sollte, werde man mit aller E.rergie dagegen arbeiten. Gegm- Über teil vielfachen Angriffen der Republik, irerte man mit aller Kraft an der Demokratie fest- l-allcn. Mmi solle in dem Ausfall der Nricbstags- wahlen keine allzugrvßen Hoffnungen knüpfen. — Auf den Etat selbst eingehend stellte er die fortschreitende Zentralisation fest. Unsere Selbständig- leit ist mehr und mehr verschwunden. — Der Frietensvertrag kam auch hier zum Ausdruck'. Bei alter Rücksicht auf die notwendige Sparsamkeit darf diese aber nicht auf bis Erfüllung unserer Kultur aufgaben ausgedehnt werden. — In Zukunft werde man die Geschäftsordnung dahin ab» zuändern versuchen, daß alle Vorlagen zimächst im Plenum beraten werden und dann an die Ans- schüsse gehen. — In der Forstwirtschaft dürfen nicht in erster Lime finanzielle Fragen, sondern die Interessen der Volksimrifchaft entscheidend fern. — Die Landwirtschaft dürfe nicht allem für die Landwirte, sondern im Interesse der Allgemeinheit unter bestimmten Grundsätzen getrieben werden. (Abg. Dorsch: Dann kann sie gut werden!) Man wird im der Sridelungsfrage neue Bahnen gehen müssen. Wenn die mittleren und gröberm Gutshöfe besser liefern, so kann dies nur an der wirtschaftlichen Betriebs form (legen. Genossenschaftlicher Zusammenschluß der Siedler sei notwendig. — Der Redner wendet sich bann gegen die vw- schiedenen Angrifte gegenüber der bedeutenden Ausgaben in der Staatsverwaltung. — In einer parlamentarischen Regierung könne die Zahl der Minister in Frage kommen. Selbst wenn die Rechte mit der U. S. P. die Regierung übernehme, werde nicht viel gespart werden können. (Abg. Kiel: Das wäre sehr gut! — Heiterkeit.) Das Landesamt für das BiQungswesen könne man nicht mehr dem Ministerium des Innern nnlerstellen, da bteinS von altersher immer noch so sehr nach Polizei riecht. — Auch auf anderen Gebriten, wie bei der VolkZernäl)runa und der Fürsorge sei eine unbedingte Selbständigkeit nottoenbig. Eine Vereinfachung des Staatshaushalts sei daher nicht ahti. — Anders stche es mit den unter den jetzig:n Füh- rern stehenden Beamten, die noch von tem altm Grift beherrscht sind, gegen diese bestehe in vielen BevölSerungskrrisen ein großes Mißtrauen. Die Leute, welche in den Geheimratsstuben sitzen, sollten sich den neuen Verhältnissen anpaffen oder — ihrer Wege gehen. Man solle überhaupt im Be- amtenvecht ganz andere Grundsätze, wie z. B. in England und Amerika, schaffen und die Leute im Privat vertrage ansrillen. Bor allem haben sich bri Lehrer und Oberlehrer aller G^en- agitation gegen die heutige Regierung zu enthalten. Das Verhältnis zum Reich müsse ein gutes sein, doch solle man den Namen Gesandter m Berlin beseitigen. Notwendig sei eine Nm- organifation unsenes Selbstvertvaltungsrechts, ins- "rionbere auch im Polizeiwesen. — Erne Hmipl- aufgabe der Staats regierung. sei es für die Schn t/uitg zwischen Kirche unt Staat aairf> noch bitter einzutreten
Abg Bü chn er (Dem.) hätte gewünscht, daß । die Etatsdebatte ausgefallen wäre damit man die I kostbare Zeit zu anderen Zwecken hätte vertvenden
und viel Geld hätte ersparen können, auch wollte er bet al.gemeinen Moekrankhrit -entgegenivivtrii; leider habe fein Antrag keinen Erfolg gehabt. In Anbettacht der großen weitgeschichtlichen Ereignifse komme man sich furchtbar klein vor. Bei den scharsen Zugriffen, die unieie Freunde von gewisien Seiten eriahrcn mußten, war es fein Wunder, daß man bei den Verträgen so anders verfahren ist. — Trotz der großen Niederlage sei der Sieg doch auf unserer Seite, da die Demokratie den Sieg errungen habe. Leider habe die Sozialdemokratie nach den Neuwahlen die Veranttvor- tung in der Regierung abgelehnt. Für Hessen sei der Ausfall ter Wahlen nicht von Bedeutung. Hoffentlich habe man demnächst Aussicht, mit der Deutschen Volkspartei in demokratischem Sinne, wie sie versprochen, gemeinsam im Interesse des Hessenlandes zu arbeiten. Notwendig fei vor allem Bekämpfung des Klassenhasses bei allen Parteien. Deutschland könne und müsse in diesem Sinne vorbild ich wirken. Erft dann kann man zum Völkerbund und Pazifismus erziehen.
Tas Streben nach Sozialisierung werte nicht meh l.",ur Ruhe kommen, koch liegen hier große Probleme, die zum Teck burd), sich, selbit mit ter Zeit gelöst >ver.en müssen. Hier mü fe man init- atterien, leider verlasse man sich allzuviel auf den St a a t, ter überall helfen soll. Leider wollen die Menschen mehr genießen als arbeiten! (Heiterkeit und Widerspruch. Zuruf: Sie müssen cs ja wissen!)
Ter Rrimer bespricht dann noch den Etat, von dem man hofft, daß er sich besser stelle, als es bis jetzt den Anschein, 'bat. — Eine schvere Frage sei die Steuerfrage, hier fehle cs an der Erziehung des Volkes, da bei jeder neuen Steuer ein Ent- ririungs 2urm entstehe. — Bedauerlich sei der R: ck- gang von Bad-Nauheim, viele Kwanke könnten die 'hohen Preise nicht mehr bcyifjrin. — Tri Kloben-Mr V.ul tur^wocke seien freilich schr gewachsten, loch müfte man, wie ter arme Maim, den letzten Gvoscheu für seine Billmng ausgcbcn. — Ter Redner kritisiert schrrs, daß bei einem kürzlichen Vortrag zahlreiche Damen stehen mußten, während die jungen Leute bequem Platz behielten. — Tie Zwangswirtschaft merbe jetzt endlich beseitigt, der Preisabbau müsse beginnen, damit auch die Löhne herabgesetzt werten können. Tie Landwirtschaft solle voningckhen, ehe man durch die Not dazu gezwungen werde. — Tie wirtschaftliche Höhe in ter Indu.rie sei erreicht, ein Umschwung sei ein getreten. Hauptgrund seien die Erhöhungen ter Roh toffpreife auf den Weltmarktpreis. Unsere Erzeugnisse seien doppelt so teuer wie im Ausland. Die Ausfuhr stocke gänzlich 'imb es müsse hier bald eine Aenterung eintreten. Die Bekämpfung des Streikfieters sei unbedingt erforderlich.
Bei der Besteuerung sei eä wichttg bor «allem die zu gvnfen, die aus der N o t d e r Z e i t ein Geschäft gemacht haben. Beamte und Angestellte werden sehr scharf hercmgez>agen. Der Lanobckoölkerung könne man bei der guten Letens- Mtung nicht alles nack-rechnen, deshalb solle sie ui Steuerfragen entgegentbmmenb sein. Tie Großindustrie mit ihren imgdbeuren Ver iensten müßte mit allen Kräften herangeAagen wer.en, da sie nicht wisse, wohin mit den großen Ver.ckensten. Ter oberste Grundsatz ter Et itbevatung muß ter soziale Ausgleich fein. Die Arbeitsleistung des Einzelnen muß erhöht werten, dann können wir wieder in die Höte Lammen.
Schluß 1,15 Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag halb 10 Uhr.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 22. Juli.
KreiSauöschuß Gießen.
In ter letzten Sitzung des- Kreisausschnsses des Kreises Gießen wurde die K l a ge desKreis- d i r e k to r s des Kreises Gießen gegen die Ge - meindeGrüningcn wegen Bewilligung einer Teuerungszulage an den Bürgermeister zu Grü- ningen verhandelt. Bereits seit November 1918 hatte sich das KreiSamt darum bemüht, den Ge- mrinbeteamten und -bediensteten in Grüningcn Teuerungszulagen zu erwirken. Ter Gemrinderat bat im Laufe langer Verhandlungen fast allen in Betracht fcommenten Personen Teuerungszulagen bewilligt, für ten Bürgermeister eine solche jedoch abgelehnt. Tie heutige Verhandlung endete mit vostenpflichtiger Verurteilung ter Gemeinte Grü- nrngen, auch ihrem Bürgermeister mit Wirkung vom 1. April 1919 ab eine 50prozentige Teuerungszulage zu bezahlen. Der zweite Fall betraf einen Ein spruchge gen den Voranschlag lder Gemeinde Treis a. i>. Lda. Der Ro- flamaitt hatte während ter Osfenlegungssrist des Voranschlags benirjtontet, daß die Kosten für Haltung des Faselochsen und des Ebers auf allgemeine Umlagen verrechnet würden und verlangt, daß gemäß Artikel 183 der L.G.O. diese Kosten besonders ausgeschlagen würden auf die Besitzer von Muttertieren. Ter Krrisausschuß gab ten Ein- rvendungen nur zum Teil statt. Tie Kosten für Haltung der Gemeintebullen sollen in Zukunft auf Grund derartiger besonderer AusschLäge erhoben werten, tvährend biejenigen für die Eberhaltung in die allgemeinen Umlagen aufzunehmen sind.
Der BerbandStag
des Eisenbahn-Asfistentenverbandes fand am 19. und 20. Juli in Kassel im Stadtparksaal statt. Es waren etwa 200 Delegierte der 16 000 Mitglieder aus allen Teilen des Reiches erschienen. Folgende Entschließung wurde einstimmig angenommen:
„Dec Verbandstag stellt mit Entrüstung fest, daß, obwohl die Eißnibahnassistenten in einzelnen Ländern und die Assistentmklacken bei ter Finanz- Verwaltung und des Reichs in die Sekretärllasse überführt und die Lehrer in Klasse 7 eingestuft worden sind, die preußischen Eisenbahnaffisdenten zurückgeblieben sind. Der Eisenbahnassistenten-Ver- band erhebt erneut eine seit Jahren vertretene Forderung mit ten gleich zu achtenden Beamtengruppen des Reiches und anderer Ne'ssorts gfriete gestellt zu werden und ersuckst die Neichsgewerk- schaft deutscher Eisenbahnbsamten und Anwärter, diese Forderung mit allen gewerkschaftlichen Mitteln zu verwirklichen."
Turch die Arbeit des Verbandes war fenvr im Wege des Erlasses die Besörterung von Eisenbahnassistenten ohne Prüfung zu Vorst'hern und Sekretären mig>wrdnet. Aus diesen Besörterimgen haben sich Mißhelligkeiten ergeben, so daß nad> stehente Entschiichung angenommen wurde:
„Tie zum 15. Verbandstag versammelten Vertreter des Eisenbahnas istenrin-Verbandes erheben Beschwerde gegen die unterschiedlick>e Art ter Besörterung von 485 Eisenbahnasftftenten ohne Prüfung zu Vorstetern und Sekretären, die mit ten Absicksten des Miniftr-riums nicht im Einllang stellen. Ter V'rbandstag bittet den Herrn Minister, eine Untersuchung darüber anzustellen, ob
bei diesen Beförderungen einwandfrei und natfi ten N.cht inieu des Ministers g.chame t worden ist Ter Verbano wird alsuald Dem Minister eine Statistik unterbreiten, die unsere Beschwerden näher belegt."
Durch die vor kur^rn erfolgte Gründung der Reichsgewerkichast, ter der Verband angeschlossen ist, wurde ferner der Antrag angenommen, daß er Eisenbahnasistent n Ver.and mit e nigen w.i teren Verbänd.n sich zu der Fachg.'werischast der nicktlechnischen Eiienbahnb amten zu am Mensch. ießt. Eine ganze R ihr Anträge, die sich mit cer Personalreform und ter Besoldungsordnung tesaßten, wurden behandelt und ter Reichsgewerkschaft sowie dem Vorstände zur weiteren Bearbeitung übergeben.
Veranstaltungen.
Donner s ta g, 22. Juli: Gieß?ner Wald» bühne, 41/2 Uhr, „Ter Nachtwächter" und „Der Bruder und die Schw-ester". — Hotel Großherzog, 8 Uhr, Gründungst-ersammlung des Vol.'sbun^es deutscher .VCri' gsgräbersüriocge. — Sck-öne Aussicht, 8 Uhr, Militärkonzert ter Nrichsw.hxkapckle. — Mat.häussaal, Kirchftr:se 9, Ver iusver ammlung ter Männer- unb Frauenvevri.iigamg der Mat- thäusgemeinte. — Hotel Einhorn, 83, i Uhr. Gastspiel Buchwald. — Lichtspieltheater wie gestern.
* * Leben smi t te l rna r ken. Tie am 15. und 1|3. Juli in i.enPezirken ausgegebenem Lebensmittelmarken sind bis spätestens 23. Juli den Verkaufs ellen zur Eintragung der Firma und Abtrennung ter KontvollabsckMitte ttorzulegen. Tie Verlaufs st ellen 'baten die Kvntwllabsch.iitte bis spätestens 26. Juli an das Letensmittelamt, Zimmer 6, rin^urridjicn,
* * Ausgabe von Brennholz. Die Nummer 3 ter ausgeg benen Holzbezug: karte wird mit 5 Ztr. Holz wahlweise mit Hartholz oder Weichholz beliefert. Der Preis für ten Zentner Hartholz ist auf 11 Mk., für Weichholz aus 9 Mk. festgesetzt. Die Zahlung l>at auf dem Brennstoff, amt in ten Äckchästsstunden von 8—12 Uhi vormittags zu erfolgen. Die Holztezuyskarte ist vorznlegen. Wann die einzelnen Bezirke abge- sertigt werten, ist aus dem Anzeigenteil der gestrigen Nummer erficht, ich.
* * I m Verein der Freunde deS Humanist i f ch e n Gymnasiums sprach am Dienstag abend Professor Dr. Gundel Über Vorschläge zur Reform der Gymnasien. Er führte u. a. aus: Der wissenschiaftlichen Aufgabe, bei Erschließung des Dersändnis-es unserer Kultur und ihrer wissenschaftlichen Gruni-lagen, steht eine ethische gegenüber: die Erzirimng deutscher Jünglinge. So ergibt es sich ton selbst, daß ter deutsche Unter« richt einen wichttgen Platz rinzuncklMen bat. In der engen Verbindung dieses Faches mit dem Lateinischen und Griechischen beruht die Eigenatt des Gymnasiums, und um diese mieterherMstellen und dem Gymnasium feinen buntscheckigen Charakter, ten ihm ein ungesundes Streben nach! oberflächlicher Viellvifserei aufgedrückt bat, zu nehmen, gilt es, ten Unterricht in denjenigen Fächern einzuschränken, deren intenfiPer Betrieb ten Reol- anstalten eignet: moderne Sprachen sowie Mathematik und Naturwissenfchafetn. Tie hierdurch gewonnene Zeit soll auf die Vermehrung ter Turnstunden, bereit Bedeutung für «die körperliche Ertüchtigung ter Jugend nachdrücklich betont wird, verwendet werden. Tie berechtigten Forderungen, im Unterricht auch die wichtigsten Lehren der turwiffenschaften, Technik und Medizin zu berücksichtigen, können wohl verwirklicht werten, wenn man der Jugend auch diese Seite antiker Kultur vvrfü'hrt, die die Wurzeln dieser modernen Disziplinen in sich schließt. Des^«alb ist es ein dringendes Gebot, daß der Kreis ter Lektüre in den allen Sprachen wesentlich erweitert wird; es müssen neben den rigentl. „klassischen" auch polittsche, technische, medizinische Sckwifti eller den Schülern nahege- bracht und somit Raum geschaffen werden für einen weitgehenden Kulturunterricht, der die Schriftsteller um ihrer selbst willen und nicht als Sffl- mufter lieft. Tie hierfür erforterlidje Zeit wird durch die Absck>afftmg des 'bcut^utagc zwecklosen und zritraubenten deutsch lateinischen Skript^mnS in den Obcrllassen gewonnen werden. Turch Verwertung der Ergebnisse der Smachwisfensck-aft sowie durch Behandlung der alten als lebendige Sprachen muß die sprachliche Bildung vertieft werten. Gegenüber den modernen rebungen, das Gymnasium durch, eine zu große Ausdehnung der Grundschule^ von imten und durck> Einftilwung Ivahlfreier Sonderkurse von oben her zu verstümmeln, muß davor gewarnt werden, das erprobte Alte zugunsten tes imerprobten Neuen beiseite zu schieben. — In ter Aussprache betonten besonders ’ Oberstaats-anwalt Hvfman 11 und Pros. Tr. Brüning die Notwendigkeit der Erteilung des Turmnllerrichtes durch Fachlehrer sowie die Wickx tigkrit, im deutschen und gefchlichckick-en Unterric» : auf Erhöhung ter sprachlichen Ausdrucksfähigkeit ter Schüler zu adyten.
** Die Uebersüllung der technischen Berufe. Man schreibt uns: Del Bedarf an technischen Kräften ist für Jahre gedeckt. Wir wissen nicht, was Industrie und Baugewerbe mit dem Ueberangebot an Technikern beginnen sollen. Wenn man bedenkt, daß unsere Technischen Hochschulen zurzeit von rund 20000 Studierenden gegenüber 12 000 vor dem Kriege besucht sind, wenn man die Uebersüllung der staatlichen und namentlich der privaten technischen Mittelschulen betrad? tet, die ja bekanntlich aus der Schule ein Geschäft machen und in ihren „Jngenieurfabrit ken" die Konjunktur ausnutzen und deshalb wahllos alles aufnehmen, was sich nur anmeldet und in die Hörsäle noch hineingestopft werden kann, muß man eine Verelendung des ganzen Technikerstandes befürchten, der keinerlei Tarifpolitik gewachsen wäre. Mangelhafte Ausbildung, Stellenlosigkeit, Unterbietung, Auswanderung und letzten Endes Unzufriedenheit und Unglück werden Die Folge dieser volkswirtschaftlichen Kraftvergeudung sein. Tüchtige Handwerker, die sich als Arbeiter vortrefftich bewähren, wenden ihre letzten ersparten Groschen daran, eine technische Schule zu besuchen und bedenken nick-t, daß ter Handwerker meist besser gestellt ist als der mittlere Angestellte und Beamte. Zu spät bereuen sie ten Uebertritt in den angeblich gehobenen Stand. Wer also als gelernter Facharbeiter das technische Studium ergreift, muß im allgemeinen mit dem Rückgang seines Einkommens, mindestens ater mit dem zinslosen Aufwand erheblicher Geldopfer rechnen. Die Ueberfüllung der technischen Berufe ist somi


