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22.7.1920
 
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Nr. IZO

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Erster Blatt

170. Jahrgang

Donnerstag, 22. Zulr 1920

General-Anzeiger für Oberhessen

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Orarf und Verlag: SrSHI'sche Unw.-V»ch- und Sttislnidtrei H. Lange, sqristlettimg, Geschäftistelle »nd vrnckerei: Schnlltra^e 7.

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vorbil^ich genamit fei, bieten nach Feierabend reichlich Gelegenheit zu ausgedehnten und genuß-

Verlängerung der Arbeitszeit kommen, so würde die Abneigung der Arbeiter gegen fremd; Be> setzung sehr r.achlassen Es sei ihnen gleich, für

reichen Promenaden.

Die Lebensv.-rhältnisse im Abstimmungsge­biet sind im allgemeinen nicht übel. Es gibt fast alles zu kaufen, was in der Nachkri.'gtepoch" das Herz begehrt, und ist es auch t.mer, so ver- diettt der vberfchesiiche Arbeiter doch reich ick genug, um sich manches teilten zu können, was der Berliner oder der mitteldeutsche Arbeiter nur noch vom Hörensagen kennt. Em mtereflautet und färben freudiges Bild bi tet z. B. der Bu- lhener Markt, aus dem an den Vormittagen iid) ein überraschender Betrieb entfaltet. Abgesehen von der Fülle des F ilgebotenen, fa len die ober- sästesischen Nationa!trachten der vom Lande ge­kommenen Bittrernrn n angenehm ins Auge. In tLutscher und polnischer Sprach: versuchen sie. bei den Hartssranm des Industriegebietes ihre Landwirtscha tsprodukte abzusetzen Und für den Maler böte sich hier ein Bild, das auf der Lem- wand sestzuhalten, wahrlich lohnend toäa*.

Von al en Volkstrachten im Reich' irnd die oberschlesischcn, gmtz zu Unrecht, wohl am wenig­sten bekannt. Bis zu Kriegsbeginn veranstaltete Fürst Guidotto von Hentel Donnersmarck aus Kos- lowagora alljährlich oo<-rschi'?ji.ch? Trachtenfeste, die sich der größten Beliebtheit und eines auverordent- lichen Zuipruchs erfreuten. Es ist beabiich.igt, diese Trachtenfeste wieder aufleben zu lassen, was umso begrühensiverter wäre, als dadurch der Beweis geliefert wird, daß man gewillt ist, die kultu- rel.en Eigenheiten der oberschlesischen Bevölkerung zu erhalten und yit pflegen. Die prlnffche Propa­ganda arbeitet mit der lächerlichst intb durch nichts gevechtlertigten Behauptung, daß nach einem Ab- stimmun^ergebnis für Deutschland der Sitte der Volkstrachten und völkischen , Eigenheiten Zwang angetan werden würde. Daß deutscherseits der­artiges nicht beafrichttgt ist, braucht wohl kaum besonders betont zu werden.

S. D o r . c. ;

Rund durch Oberschlesien.

Gleiwitz, irn Juli 1920.

Wer da aus dem Reiche kommt und glaubt, n einen Hexenkessel politischer Erregung hinein - Mgeraten, dessen Gewoge ihm sofort auffallen nuß, sobald er die Grethe des Abstimmungsge­biets bei Dambaau, einer Eisenbalm-Biertelstundc oor Oppeln, passiert hat, der wird enttäuscht sein Ober btc Ruhe, mit der sich Oberschlesiens Leben allenthalben abspielt. Vielleicht ist es die Ruhe vor dem Sturm. Denn unter der Oberfläche gärt , es Die Brandfackel politisch'r Hetzarbeit ist nun einmal ins oberschesi.ch- Volk hineingeworfen und tvs entMchle Feuer schwelt weiter. Wohl geht in den Städten wie auf dem Lande alles seinen ruhigen Gang, wohl fährt der Bergmann täglich zur gewohnten Zcrt ein in sein finsteres Reich, wohl fließt das Elsen in der Hütte wie einst. Aber nach Feierabend, oder aber, wenn es aus diesem oder jvnem Grunde zu einer Betriebsver­sammlung kommt, dann merkt man die Gärung. Dann bilden sich Parteien, dann sieht man, Deut­sche und Polen gegeneinander stehen,, sie, die einst m frieblidier Arbeitsgemeinschaft geschafft hatten. Um aber Zeuge politisch r Auseinandersetzungen %u fein, bedarf es entweder der Führung Einge­weihter, die da toifs n, wo etivas los ist, oder aber einer läng.ren Anwesenheit im Abstimmungs­gebiet. Wer in den großen und mit allem welt­städtischen Luxus ausgestatteten Restaurants in Äeuthen, Katlvwitz ober Gleiwitz sitzt oder am Nachmittag vom Eafä aus das bunte Straszen- lebcn beobachtet, der wird nur zufällig einmal Zeuge jener Zusammenstöße fein können, von denen die deutsche Pres e in den letzten Wochen leider nur zu ost berichten mutzte.

Interessant aber ist es, den Beobachter zu spielen. Die oberschle isckicn Städte sind inter­national geworden durch die interalliierte Be­satzung einerseits und durch bi? östliche Invasion andererseits. Wir sehen inmitten des deutschen BürgerturnS und den Scharen der werktägigen Bevölkerung die blauen Uniformen der Poilus, ter französischen Alpenjäg r, mit ihren schwarzen TtuK-elkäppis, sehr scliick und wie aus dem Ei gepellt, französische Os Liiere, ein wenig gepudert, ein wenig parfümiert, s.hen inmitten des deutschen Mtagspublikums feldgraue Engländer, Italiener mit wellendem Federbusch und ab und zu auch Amerikaner. Um das Bild aber noch internatio­naler zu machen, bevölkern, besonders in Katto- witz, Grupren fa tanb.fi cib- ter Ostfuten aus bem benachbarten Polen unb Galizien die ©traben und dazu eine aus bem Osten kommende Damen­welt vom groben Warschauer Schick bis zur tiefsten galizischen Schlamperei.

Das afies wird man in Oberschlesien ebenso bemerken, wie den groben Nationalitäten kam Pf, ter von beiden Seiten mit gleicher Regsamkeit erführt wird. Schon ein Blick in die oberschle- sisclie Preise belehrt einem, baß hier zwei natio­nale Gedanken, mit allen Mitteln einer Agitation irnterstützt, um die Entscheidung ringen. Unb wo numlxn'liort, im Restaurant, Eass, Theater, auf ter Eifer bahn ober auf der Strotze, es wird sehr viel politisiert. Man hört, auch vom einfachen - Meinungen, die erkennen lassen, daß der Abstim- > inungskampf fein früher nur geringes politisches Verständnis geschult hat, und daß man ihn nicht mit Schlagworten einfangen kann.

Wie ernannt sind immer und immer wieder ü-ie aus bem Reich nach Oberschlesien kommenden Jremben. toemt sie Oberscki-lesien und seine Kultur 'chen. Es sind nicht rauchgeschwärzte, von poli- ?iich radikalisierten Arbeiiermassen bevölkerte NietskasernewStä,>te, sondern es sind freundlich anb schmucke £)rifd)aften, deren Eindruck ruhig und I^mpathisch ist. Des Abends sind sie in eine Licht­fülle getautht, die die an äutz-erste LichtersParins ^wohnten West- und Mitteldeutsckien schier er­blassen tif>t vor Neid. Auch künstlerisch wird in Lberscblef-.en wesentlich mehr geboten, tote man es «eftlub seiner Grenzen ahnt. Tas Kattvtoitzer BtadtUieater, dessen MfschriftTeutsck)>em Wesen, Kutscher Art" Verantesfung ztr erregten Debatten in der Kattvtoitzer Stadtverordnetenversammlung gab. in der die Velen eine Albsckiafsung dieser Ans- ^h.-ist dunl-z s tzeu v?r achten, stand in »er Thea er- todt stets in gutem Rufe. Zur Zeit finden in ihm Ll^astspiele der Wiener Volksoper flalt, die für Oberschlesien etwas Neues, Hock/un'.lerisches dar- fiellcn. Auch das Beukhener Stadttheater steht auf achtbarer Höhe. Nicht zu vergessen ist das - Gteiroil.-er Theater. Diese drei Bühnen der In- dustriebezirfs Hauplstvdte stellen jedenfalls Stät- tm dar, die tert deutschen Gedanken mehr fördern.

welche Kapitalisten sie arbeiten.

Abg. Stampfer tritt dieser letzten Aeutze- rung des Dorvedners entgegen. Die Arbeiter sind an .er alten Umständen gewillt, die Einheit der Natron zu erhalten. Ein sozialisiertes Ruhrgebiet würde für bi'? internationale Arbeiterschaft ge- herlig ies Land sein.

Abg. H ö tz s ch: Die Frage des Ostens hätte chon in Spaa zur Sprache kommen müssen. Das vas unterid) neben ist, halten meine Freunde nicht ür erfüllbar.

Reichskanzler Fehrenbach: Wir hat­ten nickt aintrtymen können, daß die Mililärsrage zur Sprack-e kommen würde, jelxmfalls nicht sofort, und zwar jaus Grund der vorangeganganen Kund­gebungen <>:r Alliierten, wonach die Frage für sie erledigt schien. Nach der Ankunft in Spaa 'lyat Llay.> Oteorge -durch seinen Adjutanten mitteilen lassen, daß als erster Punkt d>er Tagesordnung die Ab- rüstungssrage bei-andelt toäroe. Wir wurden ge­fragt, ob wir mit der Tagesordnung einverstanden wären. Eine Abtehnung uürve erfolglos gewesen fein. Eine Möglichkeit, Einfluß auf die Tagesirü- inmg zu geivnuien, war nicht, gegeben. Bei den Ausfül/rungen in der Sitziung ist auch auf die Ge­fahr im Osten .aufmerksam gemacht worden, und zwar hinsichtlich der Notwew>igteit eines Grenz- sckwtzes. Datz die Repavationsfrage in Spaa nicht sel/r aussü'hrlich zur Sprock« tarn, ist kein Unglück. Es ist jetzt eine bessere Vorbereitung der Frage für Gens möglich.

Abg. Freiherr v. Lersner: Die Entente weiß, daß sie gamicht das Recht zum Einmarsch bat. Ein Einmarsch würde ein Bruch des Ver­sailler Friedens und des Völkerrechts sein.

Abg. Frl. Sander teilt zur Lage im Osten mit, daß in Ludwigshafen Waffen- trans Porte b er Entente nach dem Osten emgetrofien seien. Die Arbeiter hätten bie Be­förderung dieser Waffen abgelehnt. Gegen Separa- ttonäbeftrebungen trete ihre Partei mit aller Schärfe auf.

Im weiteren Verlauf der Sitzung uachmReichs miniiicr Dr. Simons in seinem Schöntzwort zu den za Istreichen in der Debatte aufartporfmin Fragen Stellung, loubei er weitere Ausführungen, für das Plenum sich vorttehielt. Tatz er von einem Erfolg der Delegation gespivchen habe, lehnte er ab, benn er habe nichts anderes erwartet, als baß Spaa eine zweite Auslage von Versailles sein werde. Die Rechtslage, die von Iierschiederte'.i Re-tmern zum Gegen'and der Tis.ünion gemuckst worden ist, hätten von den deutschen Delegierten nicht zum Kampfe gegen die Alliierten benutzt werden können, denn ebenso wie die Alliierten die Firiemng des Friedensvertrages mit Gewalt erreicht haben, könnten sie auch je.>erzeit die In­terpretation des Vertrages erzwingen. Er könne den Ausführungen. des Herrn von Lersner nicht beißimmen, daß der 8 18, Annex 2, Teil 8 abgeändert worden sei. In Uetereinfrimmung mit der Rechtsabteilung habe er den Standpunkt ein­genommen, daß der 8 18 ein geltendes Vertrags recht fei. Der Reichsminister erinnerte daran, daß die Annahme des Friedensvertrages als Rechts­basis überhaupt die einzige Möglickkett >ür Verhandlungen dargestellt habe. Rechtliche Streitereien wären sinnlos gewesen. Auf Grund birter Auffassung hätten wir uns gegen jede Ein- marschdrohung gewchrt, die sich auf irgendwelche andern BEttmmimgen bezog als auf den befarmten § 18. So haben wir bei dem ersten Protokoll unfern Standpunkt ausdrücklich protokollarisch nie» deroelegt. Lloyd George habe ihm dies ausdrück­lich protokollarisch bestätigt. Das zweite Protokoll ent frei t Artikel 7 als Teil eines zweiseitigen Ver­trages. Die Unterschrift fei verweigert worden. Er habe dem Präsident der Konferenz erklärt, er könne nicht verlangen, daß wir zuerst eine Ohr­feige empfangen und dann zugeben, daß es feine Ohrfeige gewesen sei. Unsere Ablehnung des Artikels 7 ist in der brt Abschlüssen internatio­naler Verträge üblichen Form zum Ausdruck ge; kommen: soiis reserve de l'artiele feixt. Durch die'e Form wird fefteestellt, daß § 7 für uns nicht exifttert. Die Anicht, daß die Gegner nicht auf strikte Erfüllung des Friebensvertrages

bestehen mürben, bezeichnet der Minister als irrig Wir müssen bestrebt sein, bafrin zu arbeiten. t< die Gegner unsere Lage und die Grenze unseres Vermögens anertemten. Nur dann würden sie einseh-n, daß auch sic ein gewisses Interesse an der Sprengung unserer Fesseln haben. Anderseits dürfen wir aber auch nicht versuchen, unsere Schwre- rigteiten grSß-r hin Erstellen als sie tatiäcfrirf) sind. Ter Rerckisnr-n er verlvafrrte sich gegen den Vorwurf, Iaht er SUnnes als Sachver ändiZen mit­genommen habe und ihn habe sprechen la) en. Er beruh sich auf seine gelingen Ausführungen unb betont, daß bie Vertändlungen in der Kvhlenfrage mit den Sachver^Ludchen ohne die Hinzmiehnnq von Sünnes unmöglich gewesen wären. In der Entwaffnungsfrage tritt der Reicksminiiter den falschen Auslegungen seiner Aeußerung in der Preisekonferens vom 19. entgegen. Er habe dabei etwa an die kanadische ftonftabterie ge'ody und ge­meint, dah man viel eicht jemanben, der mit dieser Orgamsatron vertraut sei. hierher c, um uns Rat zu erteilen. Selfrstver^änUich habe er nicht einen Augenblick an die Durch führung der Enttvafsr-.ung durch fremde

Polizei gedacht. Durch unsere Neuttali-

tätVerklärung im russischpolnischen Krieg werde nur betont, daß wir mit Pole-.r und Rußlarrd in Frieden leben, daß wir aber unsere Grenzen gegen dte Truppen beider Länder schützen und eventuell

Sönrr- und Feiertagen die Scharen der ihren) frage warnt der Redner vor dem Gedanken ein.*r Arbeitsorten Entflohenen auf, und gärtnerische1 BerlänJe'.ung der Arbeitszeit. Er wünscht nicht Anlagen, von denen der Beuthener Sttristpark al5 die Beietzung des Ruhc^viets, würde aber ?ine

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Die vesPrechung im Neichr'agsanrschuh für Aurwartige Angeletzeilheitln.

Berlin, 21. Juli. (Wolff.) In der gestrigen Sitzung des ReichStagsaussä-ufies für auswärtige Angelegenheiten besprach der sozialdemokrati.iche Abg. Bernstein das ^Vorrücken der Bolsche­wisten in Polen unb wies auf bie Möglichkeit hin, daß, wenn der Krieg zwischen Rußland und Polen beendet fei, für die demobilisierten oder sonst sich anflöfenden Truppen entsprechend zu sorgen sei und daß sich bann, ähnlich wie es im Baltikum geschah, marodierende Banden bilden, die bann auch die Sicherheit u tferer eigenen deut­schen Grenzbevölkerung gefährden könnten. Diese Bevölkerung müsse bann rechtzeitig entsprechend geschützt werben. Der Minister des Aeutzern Dr. Simons erroiberte, daß in der Tat die bolsche­wistische Armee nur wenige Tagemärsche von der deutschen Grenze entfernt sei. Deutschland erklärte volle Neutralität im russisch-polnischen Kriege. Für den Schutz der von Bernstein angedeuteten Gefahren wurden bereits sorgfältige Maß­nahmen getroffen.

Berlin, 21. Juli. (WTB.) Ter Aus- f chu ßfürbieau swä r t i g en An gelegen- heilen setzte heute nachmittag ferne Verhand­lungen fort. Abg Spa bn Weift ixttauf hin, daß auch bei der Auslegung «s FriedensvertraAI die Reckstsfcage von Bedeutung ist. Hinfichlich der Möglichteit, das verlangte Ko^hlenouanrnm z-u lie­fern, ist der Redner der Meinung, daß der Versuch zur Lieferung gemacht werden mutz und bei allseitig gutem Willen Erfolg haben tont. Die Haltung der Delegation billigt der Redner.

Abg. Stresemann gibt $ur (Shlmgung, in der Kommission von einer Beschlutzfas ung abzu- fehcn und bas Bvttmt bem Plenum des Reichstags zu überlassen. Ter Redner erörtert eingehend die Kohlenfrage. Rach sachkundigen Feststellungen würde eine Minder bei ieserung um 20 Prozent cm- trettm. Der zckhe W-iverstnuv der Unten:<chmer- sachvers^ändigen war kein LluSflutz kapttalibischer Anschauungen, sondern entspväiche auch der Auf­fassung der Arbetter achiver;teigeu. Die Zusagen wegen der ober schlesischen Kohle seien von größter Wichtigteit. Ter Redner wir bann die gegen den ßlbgeorbneten Sttunes gerichtete Kritik zurück, ©e» virati^ifche Be gebungen werden von der Gvotz- inbustrie abgelehnt.

Äbg. Schiffer: Es ist unrichtig, irgendwie von einer Revision des Versailler FriedenSver- trages zu reden. Unser Rechtsstandptrnkt muß gegenüber den Einmarfchdro^mgen mit allem Nachdruck vertreten w.rden. Unklar ist die Frage, was unter Entwaffnung der Sicherheitspolizei zu verstehen ist. Hinsichtlich der psychologiichen Be- urteilung der Abkommen weist der Redner auf bie neuesten Berichte des französischen Ministerpräsi­denten Millerand hin, in dem in Verbindung mit Spaa die deutichsle Echmifchnngsabsicht aus- gefprodm fei. Die Eufendung eines sranzöfis.chen Gesandten nach München Irgc in dertelben Linie Durch unsere gestern verkündigte Neutralitäts­erklärung ist die Streitfrage endgültig aus der Welt geschaffen, ob wir mit Sowjrtrußland im Frieden sind ober nicht.

Abg. Dr. Pfeiffer schließt sich in m'hreren Punkten den Ausführungen bes Vorredners an

Abg. Breiti d) -e i b t: Eine Revi ton bes Friedensvertrages ist nur von bem Einfluß ber arbeitenden Klassen zu erwarten. Das in Spaa nickt mehr erreicht worden ist, ist nicht allein Schlld der Entente. Die bisherigen Negierungen haben es nicht verstanden, das gegen Deutschland freftebenbe Mißtrauen zu belöiiaux. 2n der Loblen-

ttie es durch Bollsreden und manch andere propa- gmbifiiidre Veranstaltungen geschehen kann. Tie Token haben den außewrdentlichm Wert künstlc- vscher Darbietungen für bie nationale Sache er- fimnt und des xilb das Warschauer Opemensemble xi einer Tournee verpflichtet, auf der es vor­liegend polnische Nativnal-Opern zur Aufführung bringen wird.

So ist Oberschlesien im Grunde genommen em Land der Gegensätze. Es ist das Land der ristlosen Arbeit und der getreuen Pflichterfüllung. Tag und Nacht rauchende Schlote^ Tag und Nach ununterbrochenes Summen und Surren von Ma seinen als Beweis nimmermüden Schaffens. In cxn Städten aber leichtflüssiger Großstadtbetrieb, pckfierendes Leben, Fülle in allen Vergnügungs­stätten, in den zahlreichen Kabaretts, Dielen, Kaffees, Restaurants, in den Kinos und in den pmt Teil ganz prächtigen Gartenanlagen. Denn teurestoeg§ stellt Oberschlesien nur einen Wald t»n Schloten, ein Chaos von Fabriken, Gruben- ititb Hüttenanlagen bar,. sondern es bietet auch ixm Auge viel Schönes unb reichliche Gelegen-' heit zur Erguicking unb Rast nach des Tages nTiriyLiiiter Arbeit. Weite Wälder nehmen an

übertretende Truppeitteile enuvaffrten müssen. Der Rerchsminister gab bami den Inhalt der in Paris in dieser Sache überreichten Wote bekannt. Er habe übrigens weder Furcht vor der bol- schewlstischenKavallerienock>vorbol- schewlstischer Propaganda. Um er Ver­hältnis zu Rußland werde von uns mir vom Rechtsstandpunkt beurteilt werden. Wenn von der Entente beabsichtigt sei, Deutsch­land als Etappen- und Durchmarsch­gebiet gegen Ru ßland für den Fall einer Unterstützung der Polen zu be­trachten, so dürfe kein Deutscher sich einer solchen Absicht schweigend beu­gen ober z u ihrer Durchführung hel­fen. Was bas Jrtteresse der Entertte an Deutsch­land angehe, so glaube er nicht, daß sie die Ver­nichtung Deutschlands wolle, nxnl sie miifc, daß sie mit Deutsckstand zugrunde gehen würde. Wenig­stens wüßten dies bie Klügeren unter unferenf Gegnern, zu denen zähle er auch Lloyd George, Millerand und sicherlich den Grafen Sforza. Auf die Anfrage, ob das Kohlenab'ommeu end­gültig sei oder ob Frairtteich etwa unter gctoiifet Umständen wieder auf den Jrie.enSvert ag zurück- greisen könne, erwiderte ber Reichominifter, baß das Kohlenabkommen vor äufig nur für sechs Monate gelte unb baß bann neue Vereinbarungen zu treffen seien Für Gens fei uns burch ben Präsidenten der Konstienz in Spaa ausdrücklich zugesichert, daß die iMilfdxm Vorschläge zur Brhano un^sbasis g.nomm'n wür­den. Schließlich ermi-jerte der Reick-sminisier auf die Ausfülxrungen des Fräulein Sen fre r (USP.), daß er auf bem Standpunkte st he, daß bie Revo­lution nur bann mit Waffen nteberzusch'agen sei, wenn sie selbst mit SBaif.n au "trete. Eine Revo­lution ber Geister w rde er niemals mit Waffen bekämpfen. Wenn sick> ab r bie Revolutton nicht auf geistige Waffen b schränke, sondern zur Er­greifung der Waffen schv.ite, bann werbe er der Regierung raten, daß der Gewalt mit Mitteln der Gewalt begegnet werde, bis sie gebrochen sei. Er hoffe aber, daß ein Appell an die Macht in keiner Form nötig sein werde. Der Rcichs- minister 'drückte die Hoffnung aus, daß auch die­jenigen, die jetzt noch aus Furcht die Abgabe der Waffen verweigern, das Vertrauen zur ejigen Re­gierung bekommen würden, i> sie sLstg iet, die Ordnung gegen rechts und links selbst mit den ihr zur Verfügung ste'l-enden Mitteln aufrecht zu er­halten. Er sprich die Bitte aas, daß alle Kräfte angespannt werden mögen, uns durch die Durch­führung des Protokalls größere Ruche im Innern unb Vertrauen bei am. anderen Ländern y. schaffen.

Ber 1 in, 21. Juli. (Amtlich.) Vormittags sand unter der Leitung des Rrichskanzlers eine Sitzung ber Ministerpräsidenten ber Länder statt, die einer Aussprache über die Beschlüsse von Spaa galt. Der Reichs­kanzler eröffnete bie Besprechung mit einer Begrüßung ber erschienenen Herren und er­teilte dem Reichsminister des Auswärtigen das Wort zur Berichtersta-ttung. An den Vor­trag bes Ministers bes Aeußem schlossen sich Darlegungen des Reickswehrmiristers über militärische Fragen unb des Reichsministers des Innern über technische Fragen der Ent­waffnung. Der Berichterstattung folgte eine mehrstündige Aussprache. Dabei kam von ben verschiedensten Setten die Sorge über die schweren militärischen Bedingungen zum Ausdruck, die uns von der Entente an­gesichts unserer schwierigen politischen Lage auferlegt sind. Ebenso wurden die Lasten des Kohlenabkommens für unsere Ar­beiterschaft und für uniere Industrie sehr ernst b.'ufr.eilt. Gleichwohl wurde anerkannt, daß die Delegation in Spaa nicht in der Laae war, andere Ergebnisse zu erzielen. Es wurde nachdrücklich darauf hingewiesen, daß alles, daran gesetzt werden müsse, den Verpflichtun­gen des Abkommens gerecht zu werden. In ber Sitzung war Hessen durch ben hessischen Staatsrat Dr. Mathias vertreten.

Schutz der deutschen Neutralität.

Berlin, 22. Juli. LautVorwärts^ wird inderdeutschenNote betreffend den Vormarsch der Bolschewisten, iiter die Reichsminister Dr. Simons in ber gestrigen Sitzung des Reichstagsausschusses berichtete, der Entente mitaeteilt, daß der militärische Grenzschutz in Ost­preußen durch Ortswehren verstärkt wm> den fei. Gleichzeitig betont die Note die Notwendigkeit, die äußere Grenze der Ab­stimmungsgebiete durch deutsche Trup­pen zu schützen, da diese neutral sind, während die Franzosen, die im Kriege mit Rußland stehen, die russischen Truppen an­greifen und damit den Krieg auf deutschen Boden tragen würden.

Aus Hessen.

rm. D a r mst adt, 20. Juli. Der Aus- schußbericht über den Hauptstaats- voranschlag ist durch die rasche Arbeit ber Ausschußberichterstat'er nun doch soweit fertig gestellt, daß er im Druck erscheinen und den Kammermitgliedern zugehen konnte. Dadurch konnte er auch schon in den gestrigen und heu­tigen Fraktionsberatungen als Unterlage me­nen Die am Mittwock) beginnenden Kammm- beratungen können mit ber Hauptaussprache über den Hauptvoraufchlag eröffnet werd«