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gesetz zum Landessteuergrieck irt Hessen geschaffen würde. Wenn jetzt das flache Land zu den Kosten .für die städtischen höheren Schulen mitherangezogen werde, so sei das nicht unberechtigt, zumal tue Städte bisher vielfach für das Land mrtbezahlen mußten, beispielsweise bei der Brandversicherung. Andere Redner sprachen sich ebenfalls tm ©inne der bisherigen Ausführungen aus. Nur die Ver­treter von Offenbach und Darmstadt erklärten, keine direkte Stellung nehmen ^u können, da ihre Stadtverwaltungen fich noch nicht mit der Sache beschäftigen konnten. Aus kulturellen Gründen würden sie sich den erhobenen Forderungen nicht entgegenstellen, obwohl die Uebernahme der ge­samten Personalkosten für die höheren Schulen durch ben. Staat die größeren Städte jedenfalls mehr belasten würden, als der gegenwärtige Zu­stand. Mainz und Worms waren auf der Versamm­lung nicht vertreten. Unter Stimmenthaltung der Vertreter von Darmstadt und Offenbach schloß sich die Versammlung einstimmig dem Gießener Beschluß an, der der Regierung und dem Land- -tag überwiesen werden soll.

Hessische sozialdemokratische Landeskonferenz.

Offenbach, 19. Sept. Unter Leitung des Ihessischen Ministerpräsidenten Ulrich tagte im Offenbacher Gewerk'chif shaus eine zweitägige Konferenz ber hessischen fozialdemokra- tischen Partei. Nach dem Bericht des Landes­sekretärs Widmann zählt die Partei in Hessen über 32 000 Mitglieder, die Parteipresse verfügt über rund 50 000 Abonnenten. Einen starken Zu­wachs hat die Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Lehrer erfahren. Im Anschluß an diesen Bericht nnirbp bemerkt, datz infolge Ausfalls der diesjähri­gen Reichstagswahl die Frage der Doppelmandate eine besondere Bedeutung gewonnen habe. Durch die Doppelmandate werde die Agitation im Lande ge- bemmt. Zur zahlenmäßigen Stärkung der sozial­demokratischen Fraktionen müßten die Inhaber von .Doppelmandaten eines derselben niederlegen. Da in der Debatte die Meinungen über diese Frage sehr geteilt waren, wurde der Bezirksausschuß er­sucht, später einen Bericht darüber zu geben. Den Bericht der Landtagsfraktion gab Re­dakteur Kaul- Offenbach. Hierzu wurden Anträge auf eine baldige Ueberführung der iwch im Privat­besitz der früheren SlandcSl-errm usw. befindlichen Jagden und Fischereien in den Besitz der Gemein­den oder des Staates ohne jegliche Entschädigung auf eine gründliche Schulreform, auf Sozialisie­rung der Fideikommisse, auf Veröffentlichung der Parlamentsabst mmun^eii nach der Stellungnahme und Zahl der Abgeordneten angenommen.

lieber die politische Lage im Reiche berichtete Dr. Quark, wobei er auch eingehend die Frage des Wiedereintritts der Sozialdemo­kraten in die Regierung besprach. Die Verhältnisse im Reiche seien gegenwärtig so ^lagert, daß eine Weiterentwicklung der Dinge wie bisher auf Grund der schwack>en bürgerlichen Machtposition nicht ertragen werden könnte. Es sei die Frage, ob es nicht ratsam wäre, hier gesundend einzugreisen. In seinen weiteren Darlegungen sprach sich der Redner für eine M itarbeit in einer Koa­litionsregierung aus unter folgenden Be­dingungen: Gesundung und Hebung unseres Wirt­schaftslebens und der Finanzen durch Vermö­ge n s k o n f i s k at i o n bis zu 25 Proz., um den Kredit d's Reiches im Ausland wieder zu sichern, und schrittweise Sozialisierung; nur gute kapitalistische Unternehmungen kämen zunächst in Frage, wie z. B. der Bergbau. Dr. Quessel- Darmstadt wies auf die riesige Reichsschuld und das sck echte Ernährungsw.sen hin und betonte, daß diese B aleit-eiffch-inungen einem Wiedereintritt hindernd int Wege ständen. Die Neuwahlen müß­ten hierüber entscheiden. Auch die nachfolgenden Redner sprachm in ablehnendem Sinne. In einer Entschließung rourbe zum Ausdruck gebracht, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen ein Wieder­eintritt in die Regierung nicht geboten erscheine.

(F-kf. Ztg.)

An- Statt ttttt Land.

Gießen, den 20. Sept. 1920.

Die Hartoffelversorgung für Kriegsbeschädigte, Kriegshinterbliebene und Minderbemittelte.

Im Anzeigenteil der heutigen Nummer ver­öffentlicht das LebenSmittelamt eine Bekannt­machung über die Kartosfelbelieserung der Schwer­kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Min­derbemittelten. Minderbemittelte Schwerkriegs­beschädigte (50 Proz. und mehr) sowie minder­bemittelte Kriegshinterbliebene können hiernach durch das Lebensmittelamt mit 3 Zentner Kartof­feln pro Kopf zum Preise von 21 Mark versorgt werden. Sonstige Minderbemittelte können öie gleiche Menge zum Selbstkostenpreis der Stadt Gießen, der noch bcBramtgegebert wirb, erhalten. Als minderbemittelt wird nach dieser Bekannt­machung angeseheii, wer weniger als 4000 Mark Einkommen (!) hat. Für zweiköpfige Fa­milien wird dieser Satz auf 5000 Mark erhöht, für jede weitere Person um 500 Mark. Weiter wird auf Antrag an diese Minderbemittelten ein zinsloses Darlehen von 50 Proz. des Kaufpreises ?ernährt. Wann und wo diese Anträge zu stellen ind, ist aus dem Anzeigenteil zu ersehen, ebenso die Reihenfolge der Belieferung.

Bon der Zwetsche.

Wenn der Sprachgebrauch den Apfel als Männliche und die Birne als weiblich bezeichnet, sv form die Zwetsche, oder wie man Hierzuland.' sagt,die Quetsche", infolge ihrer 'hausbackenen Vielseitigkeit als das Mädchen.für alles gelten. Während man früher gut ausgereifte. Ware für 35 Mk. den Zentner Taufte, hat auch die Zwetsche an der allgemeinen Pveisskngc-rung tcilgenonunen. Der Käufer weiß das und zahlt gern. Das Be- denlliche ist nur eine beispiellose Verschlechterung, denn man erhält für den mehr als zehnfache Preis gegen früher Früchte, die noch halbarun, sauer uni) zum teil bereits verdorben ftno. Dabi haben wir ein gutes Zwetschenjahr. Wie kommt das?

Die Zwelsck-e reift in unserem oberhessischen Klima erst in der zweiten Hälfte des Sep­tember und Anfang Ok.ober. Erst nachdem die Färbung stattgefunden, geht unter dem Einfluß der Herbstsonne die Umwandlung der organischen Säuren in Zucker vor sich. Das Fleisch wird bann goldgelb und die Frucht schrumpft am Stiel infolge Wasserverlust etwas ein, wodurch der Zuckergehalt weiter erhöht wird.' Weil nun der Wert der Zwetschen und die Haltbarivit von Mus und Zwischen auf ihm beruht, schädigt sich der und betrügt seinen Käufer, welcher vorzeitig erntet Nun seh: man sich daranflstn einmal die Zwetschm an, die seit drei Wochen hier auf den Markt fiom men. Man wird finden, daß der Wucher, welcher

getrieben wird, ein doppelter ist. Ter Verkäufer fürchtet, die unsinnigen Preise könnten spater zu­rückgehen und erntet halbgrün, der Käufer i|t be­sorgt, er könnte später noch mehr bezahlen oder überhaupt nichts bekommen und täuft drauf los. Tie Folge ist eine gänzlich ungerechtfer.igte -Ber> schleckstcrung des Nahrungsmittels und vielsach eine Vergeudung von Zeit, Geld und Obst, baut jede Hausfrau weiß, daß Zwetschenmus aus sauren Früchten hrraestellt, nur dann haltbar ist, wenn der fehlende Zucker zugffetzt worden barm. Andern­falls verdirbt er .und da wir an Lucker kernen Ueberfluß hoben, sollte jeder seine Zwetschen un­bekümmert um Profitsuchc und Wucher richtig reif werden lassen. Die Behörde aber sollte unreifes Obst einfach beschlagnahmen.

Veranstaltungen.

Montag: Oswaldsgarten, Vergnügungspark. (Safe Leib, 8 Uhr, Konzert und Vorstellung der Medick-Meidinger. Hotel Einhorn, 81/.- Uhr, Gastspiel BuchwaÜ». Lichtspielhaus,Mein Mann der Nachtredakteur". Lichtspiele, wie gestern.

** Waf/enablieferung. Von zu- ständiger Seite werden wir gebeten, die Be­völkerung darauf hinzuweisen, daß bei den An­nahmestellen der Waffen und Munition weder nach dem Namen des Ueberbringers, noch nach einer Legitimation, noch nach Herkunft der Gegenstände ge­fragt werden darf. Es ist deshalb auch ohne Belang, ob der Abliefernde ortsangehörig oder ortsfremd ist und die Besitzer von Waffen und Munition können sich den Ott, in dem sie die Ablieferung vornehmen wollen, nach freiem Er­messen aussuchen.

** Ernennungen bei der Hess. Ver­sicherungsanstalt für gemciu lick-e Beamte: Rechnimgsrat Heinttch Erb zum Direktor; Assistent Peter Torr zum Hauptkassierer; die Ässiftenten Wilhelm Roch und Wilhelm Schäfer zu Ober- Sekretären.

** Ein heftiges Gewitter mit Sturm und fReg-cn wütete in der Nacht vom Samstag zum Sonntag. Viel Obst wurde von den Bäumen ge­rissen. Der ausgiebige Regen kommt leider zu spät für das Wachstum der Pflanzen.

** Der Bauersche Gesangverein ver­anstaltete g.'ftern nachmittag in der neiten Aula ein Wohltcitigfeitslonzert zum Besten der Schuhbeschaf- fung für arme Kinder der hiesigen Volksschule. Bei der Zusammenstellung der Vortragsfolge ist man bemüht gewesen, möglichst den verschiedensten Ansprüchen gerecht zu werden. Den Beginn machte das romantisch-stimmungsvolle LiedVincta" von Abt, dessen Wirkung mehr auf der Zusammen­stellung interessanter Harmonien, als in der melo­dischen Erfindung liegt. Aus der Reihe der übrigen Chorwerke seien nur einige besonders hervorge- hoben. Von den vier Volksliedern, die zum Vor­trag gelangten, warenSchabab" in der Humper- dinckschen midSandmännchen" in der Rudorsf- schen Bearbeitung am schönsten. Das Prinzip einer Volksliedbearbeitung ist Schlichtheit und Anpassung an Melodie und Text, wie es Brahms in höchster Vollendung in seinenDeutschen Volksliedern" gezeigt hat. Der Schulzsche Satz vonInns­bruck ich muß dich lassen" ist harmonisch zu raffiniert, eine einfachere Behandlung des schönen Liedes würde unmittelbarer und sinngemäßer wirken. Anpassungsfähiger ist die Humperdincksche Bearbeitung der rhythmisch-straffen ,,Schabab", die weniger aus harmonische Feinheiten, als -tut gute Stimmführung ausgeht. Denselben Grundsatz befolgtRudorfs in dem entzückenden Wiegenlied Sandmännchen". dem Kunstlied ist eine raffi­niertere Harmonisierung eher angebracht. Das zeigte der Hegarsche ChorDes Geigers Heimkehr", der gerade damit und durch reiche melodische Be­wegung die Einheit zwischen der sentimentalen Dichtung und der Komposition wahrt. Das Lied, das nach einer effektvollen Steigerung in zartes Pianissimo aus klingt, bildet eine dankbare Aufgabe füt einen gntgeschulten Chor. Hervorgehoben sei auch iwch derNachtgesang" von Abt, ein stim­mungsvoller Gemälde mit Vattlonsolv. Der Bauer- sche Gesangverein löste seine Ausgabe mit großem Geschick, besonders anerkannt sei das schöne aus­drucksvolle Piano, wie man es bei Männerchören nicht häufig findet. Gute Aussprach.' und reine Intonation (wenn man von dem Baritonsolo im Nachtgesang" absieht) legten Zeugnis ab von Eiser und fleißiger Arbeit. Herr G ö r l a ch dirigierte seine Sängerschar mit feinabwägendem Gefühl und verstand es, die Feinheiten und Steigerungen aus ben Werken herauszubringen. Eine angenehme Ab- Wechslung in der Vortragsfolge bildeten die Dar­bietungen des Herrn Pianisten Hahn und Kvn- zettsänger Möller aus Marburg. Herr Hahn spielte mit hervorragender Technik die Toccata und Fuge in D-Moll von Bach und das Chovinsch: C-Moll-Scherzo. lieber ei.iige Temporersch'eb u n- bungen in der Bachschen Fuge könnte man vielleicht verschiedener Auftastung sein. Im Gegenfatz zu dem sehr zarten und ausdrucksvollen Piano märc ein noch kraftvolleres Forte erwünscht. Auch beim Begleiten der Lieder bewies Herr Hahn ferne bril­lante Technik und eine feinfühlige Zurückhaltung. Herr Möller besitzt einen sympathifck)en Tenor, der durch seine reine Intonation angenehm wirkt. Allerdings trägt sein Ton nicht, er kommt etwas gepreßt. Er erntete mit der bekannten Freischütz- ArieDurch die Wälder, durch die Auen" reichen Beifall. Eine gute Leistung waren auch die beiden Wölfischen Lieder, während er in dem von Brahms Option ewiger Wiebe") die Steigerung und innere Wärme vermissen ließ. Auch den Anforderungen Wagners ist seine Sttmme nicht ganz gewachsen. Ter ausverkaufte Saal spendete den Darbietungen reichen Beifall.

** Der Deutsche Jugendbund feierte gestern sein erstes Stiftungsfest, und es muß gesagt werden, daß der Bund seinem ersten Jahre rühriger Tätigkeit feinen besseren und würdigeren Abschluß hätte geben können. Eine beionbere Weihe erhielt der Tag durch eine F r ii h- andacht auf dem Sportplatz des V. f. R. (Rod- heimcr Straße) vor versammelten Turnern: hier verstand es namentlich Professor D. Schian durch seine Jestpredigt, bei den jugendlichen Hörern die rechte Stimmung auszulösen. Nach tem Gottes­dienst traten die Jungen zum Vierkampf (leichtathletischem Wettkampf) an - die Namen d-r ersten Sieger werden wir im Sportteil unserer morgigen Nummer veröffentlichen Gegen Mittag wurden die sonntäglichen Anlagenbummler durch einen Stafettenlauf, den ersten rings nm Gvenen, überrascht. Von den 37 Läufern hatte jeder mehr als 100 Meter zurückzulegen Die Gesamtstrecke mürbe in 11 Minuten 20 Sekunden durchlaufen. Die Stafette .beginnend am Sport- i platz an der Rodheimer Straße, über ben Anlagen- | ring der Stadt und zurück zum Ausgangspunkt

wurde im Namen der Stadt vom Beigeordneten Dr. Seid abgenommen. Der Nachmittag wurde durch interne Verbands Verhandlungen ausgefüllt. Am Abend fanden sich dann Mitglieder und Freunde des Bundes im Gerstensaale der Hardt zusammen. Musikalische und Gedichtvotträge forg- ten bestens für Unterhaltung. Besonders -eichmte sich das Orchester des Jugendbundes aus. Mit freudiger und ernster Hingabe spielten die jungen Künstler, Hie, an Dilettantenmaßstäben gerne)[en, wirklich vorzügliches leisteten. Die Festvede hielt Stadtverordneter Lehrer Valentin Müller, dem die rechten Worte zur Verfügung standen, um plastisch und eindrucksvoll die Not unserer Tage und unsere heutige Jugend zu schildern, die zum Teil in ober Gelbsucht unb verkanntem Freiheits­gefühl versage; aber dieser Abend gebe die Gewiß­heit, daß eine neue Jugend auch wieder ein neues Deutschland schaffen werde. Als Schlußfanfare des Stiftungsfestes wurde auf dem Bismarckturm ein Feuerzeichen abgebrannt. In seinerFlammenrede" rief Professor v. Gall die versammelten Jungen und Mädc^n auf zu nationalem Ehrgefühl, zu nationaler Selbstbesinnung auf die Daten großer Ahnen. Tie prasselnde Flammenlohe, darüber die sternenbestickte Samtdecke der Nacht mit ihrem großen Schweigen und in der Ferne die tausend leuchtenden Augen der Stadt gaben dieser Schluß- feicr, die in vaterländische Lieder ausklang, einen eindruckstiefen Hintergrund.

** Das Lichtspielhaus bittet uns, mit- zu teilen, daß das bereits für Freitag vergangener Woche angekündigte LustspielM ein Mann der Nachtredakteur" erst heute eingetroffen ist und auch nur heute gegeben werden kann. Mor- gen, Dienstag, gelangt ein neues Programm zur Vorführung.

Landkreis Gießen.

L Saasen, 15. Sept. In der Nacht oom Donnerstag zum Freitag machte der 55jährtge Invalide Georg Schepp durch Erhängen seinem Leben ein Ende. Ein qualvolles unb un­heilbares Leiden hat ben einsamen Mann zu dem Verzweiflungsschritt getriefen.

Kreis Schotten.

d. O b e r l a i s, 17. Sept. Wie anderotts, so wird auch .in unserer Gemeinde die Errichtung eines Kriegerdenkmals geplant. Tie erste Sammlung für diese Kriegerehrung ergab ben ansehnlichen Betrag von 7000 Mark. Tas Denk­mal wurde von Gebeimrat Walbe-Darmstabt ent­worfen. Die Aufstellung soll an bet dem Dorfe zugekehtten Friedhofsmauer erfolgen. Tie Fertig­stellung des Denkmals ist für nächsten Sommer vorgesehen. In der Kirche wirb außerdem noch eine Gedenktafel an die Gefallenen angebracht. Ter Anschluß unserer Gemeinde an die U e b e r- landzentrale Wölfersheim ist soweit be­endet. In Kürze werden wir unserLichtfest" feiern können.

Kreis Friedberg.

Acrzte- und Notnrforfcherversammlung.

4 B ad-Nauhe i m, 18. Sept. In dieser Woche wird unsere Badestadt annähernd 2000 Äerzte und Naturforscher Deutschlands und des Auslandes zu ernsten Beratungen vereinigen. Es sind alle Vorbereitungen getroffen, um den Gästen den Aufenthalt in unserem Heffenlande so an­genehm wie möglich zu gestalten; und der Ruf unseres Bades soll von neuem hinausgetragen werden in die Welt, und zwar von Männern, die mit an erster Stelle dazu berufen sind, ben Wert des Babes und feiner Heilfaktoren richtig einzu­schätzen. Wie sehr diese werbende Krast des Aerzte- tages für einen Badeort gewürdigt wird, das er­hellt am besten aus der Tatsache, daß die Stadt Wiesbaden z. B. die hohen Kosten nicht gescheut hat, um die Teilnehmer des Kongresses im Ver­laufe der Tagung in einem besonderen Zuge ab­zuholen und sie einen Tag in Wiesbaden als Gäste zu begrüßen. An der Tagung kann jeder­mann teilnehmen, der Interesse an den Natur­wissenschaften und der Medizin hat, sobald er sich eine Teilnehmerkarte zu 40 Mark löst, die ihm dann den Zutritt zu den Votträgen gestattet und außerdem noch eine Reihe sonstiger Vergünstigun­gen gewähtt, wie freie Wohnung, Gebrauch der Kurmittel^ Besuch der Konzette und Theater- und Opernvorstellungen im Kur Hause. Die Kurverwal­tung hat für ein reiches Unterhaltungsprogramm während der Kongreßtage Sorge getragen, so daß ben Teilnehmern nach ber ernsten Arbeit auch Stunden der Erholung geboten sind. Außer dem Ausflug nach Wiesbaden sind noch zahlreiche weitere Ausflüge vorgesehen, so nach Salz­hausen, Münzenberg unb Arnsburg. Teilnehmerkarten können noch täglich im Wohnungsbureau im Seegerschen Hotel am Bahn­hof gelöst werden. Von den zahlreichen Vorttägen feien nur einige von Allgemeininteresse hervor- gehoben: Pros. Dr. C. Bofch-Ludwigshafen: Der Stickstoff in Wittschaft unb Technik. Pros. Dr. Ehrenberg-Göttingen: Der Stickstoffbebarf unserer Kulturpflanzen und seine Deckung. Pros. Dr. Max Rubner-Berlin: Die Bedeutung des Sttckstoffes und Eiweißes in der Ernährung der Tiere und des Menschen. Prof. Dr. Max Gruber-München: Die Ernährungslage des deutschen Volkes. Heber den Bau der Moleküle und Atome sprechen: Dr. Tebye-Zürich, Pros. Dr. I. Franck-Berlin, Dr. Walter Kossel-München. Ferner Prof. Tr. Sud- Hosf-Leipzig über: Andreas Ve)alius, ber Be­gründer der modernen Anatomie. Pros. Tr. Steuer- Darmstadt: Die Bad-Nauheimer Quellen unb die Geologie ber Wetterau. Prof. Tr. von Zumbusch- München: Probleme ber Syphilis. Prof. Dr. Timerding-Braunschweig: Die Reichsschuldenkon­ferenz und der mathematische und naturwissen­schaftliche Unterricht an den höheren Schulen. Auch die Einsteinsche Relativitätstheorie steht zur Diskussion. Auch eine Reihe Gießener Gelehrter wird in den Sondersitzungen der einzelnen Sektionen Referate halten. Alles Nähere ist aus dem Programm zu ersehen, das von der Geschäfts- führung auf Wunsch noch täglich versandt wird.

Bad-Nauheim, 16. Sept. Heute abend fand in ber Turnhalle bes Turnvereins 1860 eine Protestkunbgebung gegen die Vergewal­tigungen im oberschlesischen Abstim- mungsgebiet statt. Die Versammlung wurde von Bürgermeister Dr. Kayser geleitet. Nach einem Vortrag von Dr. Metschke (Mieslowitz i. Sckstes.) wurde einstimmig eine entsprechende Entschließung angenommen. Vom 18.20. September findet hier eine Geflügel- und Kaninchenausstellung in ber Waldlust statt.

Starkenburg und Rheinhessen.

sw. Darmstadt, 16. Sept. Haussuch­ung in der Landwirtschaftskammer. Auf Grund einer Denunzierung fand vor einigen Tagen in der Landwir.schaftslanrmer eine Haus­suchung statt, bei der eine Kiste mit Waffen ge­funden wurde. Tie nähere Untersuchung ergab.

Schl eich handel derart überhand genommen < hoben, daß dagegen die Landjäger nicht mehr aus-

gehalten, ber als Heu und Stroh dekla­riert war.

Die Preisgestaltung.

Der Kartoffelvreis.

nauer Metzgern verkauft. Sie erforderte in den letzten Monaten einen Zuschuß von 15 hu 20 000 Mark monatlich.

0 Marburg, 17. Sept. Auf dem Bahn­hof wurde ein Waggon Weizenkleie feft-

im der Nen itvti »für, daß ei My germ J auf omfung Der

± Queckborn, 19. Sept. Tie K'art^ felernte ist nahezu beendet; ber Ertrag ist''' Bezug auf Güte und Menge als recht gut zu i" zeichnen. Tas Obst ist auch hier ziemlich cn Preise, obwohl es viel gibt. So kostet em Zentum Zwetschen 5560 Mk.

*

mc. Limburg (Lahn), 19. Sept. Ter Lar'l- rat hat folgende Fl eischpr eise ffcstgefetzt: Rb fleisch 10.00 Mk , Kalbfleisch 9 00 Mk., Sck>we' ^ fleisch 12.00 Mk, Hammelfleisch 9.00 Mk., Leb- und Blutwurst 6.00 Mk., N-ischwurst 10.00 ® Glückliches Limburg! Dem Gewerksck-astsbw wurden von einem Wohltäter 100 Zentner Kar­toffeln überwiesen, die zu je zwei Zentner wir Minderbemittelte kostenlos abgegeben werden.

Obstvcrsteigerung.

4 Bad-Nauheim, 17. Sept. NaäjtM bei ber Versteigerung ber staatlichen Obsternte ma einigen Tagen schm ungewöhnlich hohe, auch m Verhältnis noch nicht erreichte Preise bezahlt nar­ben sind, wurden diese bei der heutigen Verst-n- gerintg des städtischen Obstes noch ganz wesenllm überstiegen, trotzdem nur chimische Käufer rnl feine Händler zugelassen waren. Der ZentMi Aepfel steht sich durchschnittlich auf 70 bis 80 M am Baum, an vielen Bäumen wurden aber J- 100 und mehr Mark für ben Zentner bczadilt Manck-e Bäume brachten 500 bis 600 '.JÖarf nc' Es wurde von Sachverständigen nachgerechnct, Hl an mandjen Bäumen ber einzelne Apfel auf 1 ja sogar auf 1,50 Mart zu stehen kam. Zu tnl- ligerem Obst sind die Versorgmigs crechttgten nn benachbarten Schwalheim gekommen. Sar fanden vorerst nur Versteigerungen für Ernheimikb statt, unb erst, nachdem alle zu angemefiozr Preisen versorgt waren, wurde ber Rest ber reich"

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Tagung ab. Die -Vorträge, die gehalten wer- I den, betreffen landwirtschaftlich-technische und I analytische Fragen.

[] Marburg, 19. Sept. Aus dem Kämp!' rasen fand heute eine P ro te stku n dge b uk gegen die Vergewaltigungspläne der Polen .in j Oberschlesien statt. ÄnsprackLn hielten augrfi I dem Borfitzenden des Vereins heimattreuer Ober I sch'lesier, Exzellenz Heinrich, Vertreter ber Deir- \ scken Vollspartei, der Deutsch-natiionalen Vvlfe- " Partei und der Temakvattschen Partei, ferner wur­den Zusiimmungsschrttben des Zentrums unb tm Soziofldemokratie verlesen.

fd. Weilburg, 20. Sept. Da in hiesigen Kreisen die Felbdiebstähle und btf

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daß es sich um Jagdgewehre handelte, die beim Ern rücken ber Franzosen in das besetzte Gebiet dorthin geschafft wurden. Die Gewehre stehen ber Landwirtschaftskammer wieder zur Verfügung, da sie nicht unter die Ablieferung fallen.

rm. Großalmerode, 19. Sept. An Maul- und Klauenseuche erkrankt und nach einigen Tagen gestorben ist ein sechs Jahre aller Junge von hier, wie man annimmt durch den Genuß von Butter, die aus verseuchter Milch hergestellt ist. Auch eine Frau liegt an gleicher Krankheit schwer darnieder.

Hessen-Nassau.

Eine Hilfsaktion für den geiftesarbeitendnn Mittelstand.

mc. Frankfurt a. M., 17. 'Sept. Hier ist eine gvoße Organisation in der Bildung begriffen, die den geistig arbeitenden M i t t e l st an d durch die Hilfe des neutralen Auslandes mit wohlfeilen Bedarfsartikeln, wie Kleiderstoffen, Wäsche, Schuhe usw. ver­sorgen will. An der Universität konnte den minderbemittelten Studierenden übrigens schon An^ubstoff aus dem neutralen Ausland zu sehr billigem Preise zur Verfügung gestellt werden.

Das verschandelte Straßenbild.

fd. Fran kfur t a. M., 19. Sept. Die geb bett' P o stwagen sind über und über mit Pla­katen beklebt, die zur Reklame einladen. Man kann sich daraus ein Bild machen, wie die Post­wagen später einmal aussehen werden, wenn ihr« Reklamesehnsucht sich erfüllen sollte.

Ein dreister Diebstahl.

[] Marburg, 17. Sept. Gestern drano im nahen Hermershausen ein fremder Mensch in die Wohnung des Bürgermeisters Schnabel ein und entwendete etwa 1011000 Mark. Einem hinzukvmmenden Mann hielt er dm Revolver vor und entkam, weil bei dm trockenen Wetter die meisten Leute im Felde waren.

Nanbüberfall.

fd. W i l h e l m s h ö h e, 19. Sept. Drei junn Stwlcke stellten gegen Mitternacht einen Kauf­mann mit seiner Frau kurz vor ihrer Wohnung unb nahmen ihm, unter vorgehaltenem Revolver, seine Barschaft von 15 000 Mark ab.

mc. Frankfurt a. M., 17. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkte machtc sich wieder die Konkurrenz der auswärttgen Händler stark bemerkbar. Die Marktverwal- timg zieht nun ernstlich Maßnahmen in Er­wägung, die namentlich aus Oberhessen und Kurhessen stammenden Händ­ler vom Frankfurter Markte fernzuhalten. Obwohl Gemüse in Hülle und Fülle vorhan- den ist, können die Frankfurter Detaillisten vielfach nicht in ausreichender Menge ein­kaufen, da die auswärtigen ungebetenen Gästr die Preise überbieten.

mc. Hanau (Main), 17. Sept. Dic städtische Schweinemetzgerei wurde für 190 000 Mark an ein Konsortium von Ha-