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34.

(Nachdruck verboten.)

** Oberhessischer Kun st verein. Die in Aussicht gestellte Ausstellung graphi­scher Werke gelangt nächste Woche zur Aus­stellung, so daß die Erössnung am Sonntag, 29., erfolgen kann.

L.-U. Vom Rektorat der Landes­universität werden mir darauf aufmerksam gemacht, daß die S i e g m u n d e i ch e j Heim- Professur nicht eine Professur für Handels­recht ist, Ivie es in unserem gestrigen Bericht irrtümlich hieß, sondern für Geld-, Bank- mW Börsenwesen. Ferner werden wir gebeten, noch mitzuteilen, daß der 1. Vorsitzende Herr Erle im Namen des Kaufmann. Vereins und der Fack>- sckmle einen Kranz am Grube seines Ehrenmit­gliedes niederlegen ließ.

** Von der Feuerwehr. Gestern abend fand eine größere Älarmübung der gesamten Feuer­wehren statt. Als Bvandobjekt diente die Zeug- 'hauska ferne auf 'dem Landgvaf-Philipplatz, die in dankenswerter Weise von dem Reichsvermögrns- amt zur Verfügung gestellt wo-rden ivar. 7 Uhr 43 Min wurde durch den Feuermelder out dem Landgraf-Philipp-Platz die Feuerwache aus Os-- waldsgarten alarmiert. Di.' Motorspritze tmf 2y2 Minuten nach Mgabe des Alarms an dem Feuer- melder ein, evhielt dort ihre Weisungen, und griff das im Dache des südlichen Flügels der Zeug­

rm. D a r m st a d t, 19. Aug. Eine dring­liche Anfrage hat der Abg. Dorsch (H. Vp.) an die Kammer gerichtet in der er um Aus­kunft ersucht, ob es der Regierung bekannt sei, daß in Klein-Karben 140 Arbeiter den Landwirten die Kartoffeln mit Gewalt Weg­nahmen und was die Regierung gegen solche Gewaltakte zu tun gedenke.

Ans Stadt und Land.

Gießen, den 20. August 1920. Lebensmittel.

** Die Wochenkartoffelmarken der . Woche werden beliefert bei Fritz Rumps,

Zvzelsgasse, Hch Drechsler, ^»teinstvaße, Eduard Weisel, schottstraße, Konsumverein (in sämtlichen Filialen), I. Krack, Riegelpfad, Carl Schott, West- Anlage. Die Wochenöcrrtofselmenge wird auf 10 Pfund festgesetzt. Preis 45 Pf. für das Pfund. Tie Kartoffelmarven der 33. Woche können noch bis einschließlich Samstag den 21. August 1920 eingelöst werden.

** B e i der städt. Ob st- und Ge­müse st e l l e (Marktlauben) kommen morgen und folgende Tage Karotten, Roterüben, Wir­sing, Rotkraut, Weißkraut, Grüngemüse und Zwiebel zum Verkauf. Fetner noch größere Mengen Frühzwetschen, Mirabellen, Aepfel und Birnen.

Veranstaltungen.

Freitag: Lichtspielhaus:Tas Buch Esther". Lichtspiele:Ter Kampf in den Lüften". Einhorn: 8.30 Uhr Gastspiel Buchwald.

Minder Hatz.

Roman von Alfred Sassen.

Er rückte sich auf einmal in den Schultern imo ümchs zu seiner ganzen schlanken Höhe vor dem jun- lgen Mädchen auf.Aber der Tag kann doch seinen vollen, schönen Wert behalten, wenn Sie mein Fräulein, diesen Wert mit einem Wort bestätigen, das sie in ein wenig anderer Fassung vorhin schon einmal aussprachen," rief er schnell, und sein Ge­sicht erhellte sich.Wissen Sie, welches Wort ich meine

Sie blickte ihn nicht an. Ihr Auge ging an ihm vorüber zum Fenster. Er sah. es war ein 'Kämpsen in ihr. Plötzlich aber tat so es ihm nach auch ihr biegsamer, kraftvoller Körper hob sich schlank und gerade, und in ihrem Antlitz entzündete sich gleichfalls ein warmes Licht.Der Tag war trotzdem schön," sagte sie tapfer in einem wannen, starken Ton.

Und wird es bleiben schön, o so schön!" fiel der junge Mann mit unterdrücktem Ausiubeln erwUnd darum, meine ich, sehen wir uns heule nicht zum letzten Male. Blcibt mir vorläufig auch dies Haus verschlossen gut, so gibt es andere Wege, um"

Sie machte rrne erschrocken abwehrende Be­wegung, die er falsch deutete»

Aus dem desctzten

Reichsminister Dr. Koch in Mainz.

Mainz, 18. August. (Wolff.) Reichs­minister D r. Koch berührt? auf seiner In­form ationsreise durch das besetzte Gebiet gestern Mainz. Im Sitzuugssaale des Stadthauses wurde er namens der hessischen Re gie cuu g von Finanzminister Henrich begrüßt. In seiner Be­gleitung befanden sich Staatssekretär Lewald, Mr- Lnisterialdirektor v. Welser, Geheimrat Grat Adcl- arann und der Reichskommissac für die besetzten Gebiete mit seinen Vertretern. Von dec hessischen Negierung waren außer Finanzminister Kultusminister Dr. Strecker, Staatsrat Dr. Wag­ner, Wirtschaftsrat Dr. Reitz und ObeMnanzrat Dr. Schrodt erschienen. Reick)sminister Dr. Koch betonte, daß angesichts der sckpvierigen Lage ein öfterer Besuch von selten der Reichsregierung nicht möglich sei, doch hoffe die Reichsveglerung, daß sie allen vorgebrachten Wünschen Rechnung tragen könne. Ter Minister bat daher, ihm rückhaltlos mitzuteilen, wo nach Ansicht der Erschienenen Ab­hilfe not tue. Nachdem der Minister,,den '"for­ma t o r i s che n Charakter seiner Repe ausdrücklich betont hatte, bat er, an diese keine Illusionen zu knüpfen, denn aus dem Nichts lasse sich ein glück­liches Deutschland nicht ohne iveiteres hervor- zaubern. Wir lebten gegenwärtig von unseröns Reserven aus besserer Zeit. Bon dem Ertrage unserer Arbeit könnten wir nicht leben und doch gebe es kein anderes Mittel, Deutschland wieder hochzubringen, als die Arbeitsleistungen zu steigern, ohne den Achtstundentag zu gefäyrden. Ein Vorzug vor dem unbesetzten Gebiete könne den be­setzten Gebieten aber,nicht gewährt werden; auch der Steuerabzug müsse im beietztm Gebiete genau so gehandhabt werden wie im. unbesetzten, denn ein Verzicht auf den Steuerabzug bedeute den Bankrott des Staates. DieBeseitigung dec Zwangs­wirtschaft dagegen könne Mm größten Teil durch­geführt werden, doch müsse die Bewirtschaftung für Milch 'und Getreide bestehen bleiben.

Aus dem

Der Reichspräsident und Herr Erzberger.

Berlin, 19. Aug. (WB.. TieGermania" veröffentlicht ein Schreiben des Reichs­präsidenten an den Reichstagsabgeordneten Erzberger, worin der Reichspräsident anläß­lich der Annahme des Gesetzes betreffend das deutsch-holländische Kreditabkom­men im Reichstag und in den holländischen Kam­mern, der weitblickeiiden Initiative gedenkt, womit er die Verhandlungen über den holländischen Staatskredit an Teutschland einleitete und fast zum Abschluß förderte. Ter Reichspräsident spricht Erzberger seinen aufrichtigsten Tank aus.

Das Los der Kriegsbeschädigten.

Karlsruhe, 19. August. Etwa 200 in hiesigen Lazaretten untergebrachte Kriegs­beschädigte veranstalteten gestern nachmit­tag eine D e m o n st r a t i o n. Sie zogen in geschlossenem Zuge nach dem Marktplatze, wo sie Aufstellung nahmen und drei ihrer Ver­trauensleute Ansprachen hielten, in denen sie die große Notlage der Kriegsbeschädigten schil­derten. Um 7 Uhr abends zogen die Demon­stranten vor das Staatsministerium, wo Staatspräsident Trunk in einer kurzen An­sprache versicherte, daß die badische Regierung alles tun werde, um das Los der Kriegsbeschä­digten zu verbessern. Darauf zogen die De­monstranten in aller Ruhe wieder ab.

Zur Stillegung der Werft von Blohm u. Voß.

H a m b u r g, 19. Aug. (Wolff.) Ueber die Vorgänge, die zur Stillegung der Werst von Blähm und Boß führten, berichtet das Hamburger Echo": Als die Firma eine Regelung der Frage der'Ueberstunden vor­nahm, ohne oie Betriebsratsfftzung damit zu befassen, verlangte die Belegschaft gestern die Zurücknahme der Maßregel. Sie verlangte aber auch, daß ihr die versäumte Arbeitszeit zu bezahlen sei. Während die Werftleitung der ersten Forderung nachgab, lehnte sie die zweite Forderung ab, worauf die Arbeiter in das .Hauptgebäude eindrangen und die anwesenden Direktoren h e r u n t e r ho l ten. Einige wurden nicht unerheblich verletzt. Die Direktoren, die nach dem Gebäude des Ar- beiterrats gedrängt wurden, erklärten nun­mehr, daß sie die verloren gegangene Zeit be­zahlen wollten.

Schließung einer Fabrik.

Biebrich, 19. Aug. (Wolff.) Infolge der von der Arbeiterschaft der Chemischen FabrikCalleund Cie., Biebrich, am 17. August unter Beiseiteschiebung ihrer ge­setzlichen Vertretung von der Direktion er­zwungenen Zugeständnisse wandte sich die Fabrikleitung an die Vereinigung des Arbeitgeberverbandes für Wiesbaden und Mainz, welche die der Fabrikleitung ab­gezwungenen Zugestänonisse als erpreßt be­zeichnete und für ungültig erklärte. Aus die­sem Grunde wurde die Fabrik heute vormit­tag 6 Uhr geschlossen und sämtliche Arbeiter entlassen. Die Beamten und Angestellten der Fabrik wurden einstweilen beurlaubt.

geringer, da die Gewinne der Aufkäufer und die mehrfachen Transportkosten wegfallen Dem Ver­nehmen nach haben noch mehrere Gemeinden be­schlossen, denselben Schritt beim Kreisamt zu unter­nehmen.

Kreis Büdingen.

h Ortenberg, 19. Ang. Am vorigen Sonn­tag hielt die Ortsgruppe .Kreis Büdingen des Bun­des der A r b e i t s i n valide n. Unfall.- und Ren­tenempfänger bei Gastwirt Hirzel eine gut besuchte Dio nats Versammlung ab. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Sck)losser Will>elin Hebbel II., wies darauf hin, daß alle Invaliden und Rentenemp­fänger im Interesse der Sach: der Ortsgruppe beitreten müßten, da mit' dem 1. Dezember die Bewilligungs'frist für die Zulage von 39 Mark ab- brufe und da der Bund in Darmstadt und Berlin fti Zukunft nur für die Interessen derjenigen ein­treten würbe, die eingeschriebene Mitgliä>er des Bundes seien. Hierauf hielt in Vertretung des verhinderten Verbandssekrrtärs Paste aus Frank­furt Gaukassierer Gottschalk aus Offenbach einen längeren Vortrag über die Reichsiionferenz des Bundes der Arboitsirmalid-en ufw. in Essen und deren Ergebnisse. Ter Zusanmfensck-luß aller Invalidenverbände sei nun erfolgt, es werde ver­langt: Gleichstellung aller Zivil beschäftigt en und Hinterbliebenen in ihren Versorgungsansprüchen mit den Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen, rerchsgesetziich? Regelmtg der Fürsorge für die Er­werbsunfähigen und Erwerbsbes chränsten, Loslö­sung dieier Fürsorge von der Armenpflege, Ein­richtung von Reichs-, Landes- und Ortsfürsvrge- ; stellen für die Arbeitsinvaliden ustv. nach dem Muster der Kriegsbeschädigtem Fürsorge stellen, Schaffung eines Beirates für Arbeitsinvalidmfür^ sorge im Reichsarbeitsministerium, Mitbestimmung der Llrbeilsinvaliden und ihrer Hinterbliebenen bei allen Fürsvrgemaßnahmen im Reich, Land und Gemeinden und airdercs Wichtige mehr. Tie Ver­sammelten erklärten sich mit diesen Forderungen einverstanden.

4 O r t e n b e r g, 19. Aug. IN unserer Schaf­herde ivurde die Maul- und Klauenseuche festgestellt und alle Vorsichtsmaßregeln gegen eine Wetterverbreitung der Seuche getroffen. Bis jetzt scheint die Seuche gutartig zu verlaufen.

Kreis Friedberg.

= Bad-Nauheim, 19. Aug. Vor meh­reren Wochen wurden 3 Arbeiter aus Rödgen verhaftet, die in der Gemarkung Schwalheim einen größeren Felddiebstahl begangen und bei Ankunft der Flurhüter nach dieses! geschossen haben. Ein Arbeiter ist dieser Tage auf freien Fuß gesetzt worden, die Haftentlassung der beiden andern wurde abgelehnt, da nicht ein Vergehen, sondern Verbrechen vorliegen soll. Um gegen die weitere Inhaftierung der beiden Arbeiter M protestieren, veranstalteten das hiesige und das Friedberger Gewerkfchaftskartell vorgestern abend eine Pro­te st v e r f a m m l u n A, die in einer Entschließung die sofortige Haftentlasfung der Inhaftierten Hensel und Wolf aus Rödgen forderte. Eine Kommission war beauftragt, die Resolution Staats Minister Ulrich und Jnstizminister v. Brentano, die beide zur Kur hier weilen, zu überreichen imb aus die Freilassrrng hinzuwirken. Wie wir hören, haben die Minister dem Gesuch nicht stattgegeben. Die beiden Verhafteten sind heute nach Gießen ver­bracht worden. Eine weitere Pwtestverfammlung ist siir heute abend von den Gewerkschaftskärtellen Friedberg und Bad-Nauk^im einberufen, die über einen eventuellen Streik beschließen soll, falls die Freigabe der Verhafteten nicht sofort erfolgt. Es wird verlautbart, daß die Wetterauer Landwirte mit einem Lieferungsstreik für Bad-Nauheim drohen, wenn dem Wunsche der Gewerkschafts­kartells stattgegeben würde. Bis jetzt ist es zu Aus­schreitungen in der Angelegenheit noch nicht ge­kommen.

= B ad-Nauheim, 19. Aug. In den frühen Morgenstunden ging heute ein durch­greifender Gewitterregen über unsere Gegend nieder, der von Gartenbesitzern und Landwirten sehr begrüßt wurde.

(.) Butzbach, 19. Aug. Beigeordneter Karl Hab er mann hat aus Gesundheits­rücksichten sein Amt niedergelegt.

Friedberg, 18. Aug. Tie noch^ hier lebenden Veteranen aus dem Kriege 1870/71 begingen gestern in schlichter Weise die 50jährige Gedenkfeier der Schlacht bei Gravelotte. Mit Rück­sicht auf die schwere Zeit, die auf unserem Vater­lande lastet, nahm man Abstand von jeder äußer­lichen Feier, sondern begnügte sich mit einem ein­fachen Abendessen im Hotel Trapp, welches durch Ansprachen von Schulrat Süß und Geh. Sani- tätsrat Dr. Becker belebt wurde und bei dem in lebhafter Erinnerung' an die gemeintem ver­lebte Kriegszeit die wenigen Stunden rasch dcchin- s chwandeu.

Starkenburg und Rheinhessen.

Bensheim a. d. Bergstr., 17. Aug. An* läßlich der bevorstehenden Sechshundertjahr-Feier erschien dieser Tage im Verlage von Fritz Kaul­bach in Bensheim die Festschrift. Ihr Titel lautet: Geschichte der Stadt Bensheim bis zum Ausgang des Dreißigjährigen Krieges. (Verfassung und Ver- walttmg, Gerichtsbarkeit.) Das eingehende, mit vielen Bildern geschmückte Werk des bekannte" Historikers Professor Karl Henkelmcmn schuldest in anschaulicher Weise die Geschicke der Stadt.

Lobeda hinartswandere, um über den Sonntag dort zu bleiben. Plaudernd fügte er hinzu, bei gutem Wetter gehe er gewöhnlich über die Wöllnitzer Wiesen, und Schwester Rena komme ihm dann oft die Hälfte des Weges entgegen. . .

Natürlich schritt Hermann Hüttich am kom­menden Sonnabend m Begleitung des gutgelaunten Schülers auf dem idyllischen Wiesenpfad dahin.

Der Tag zeigte eine gedämpfte Beleuchtung. Schon von früh auf war ein starkes Nebelbranen gewesen. Auch jetzt, am Nachmittage, verknüpften da und dort noch vereinzelte, phantastisch gehackte Nebelbänder die Bäume der weiten Wiesengründe, tmb rechts drüben über der Saale ballte es sich sogar in dichten grauen Wolken, die langsam auf- und niederschtvebten und das Laub des Buschwerks, das die Ufer säumte, in feuchten Schauern erzittern ließen.

, An jeder Biegung des Weges spähte der junge Mann mit ungeduldigen Augen vorwärts und jetzt ah, dort schritt sie heran! Diese schlanke Mädchengestalt konnte er nicht verkennen sie war es!

Da hatte auch Max die Kommende bemerkt und stürmte ihr mit einem fröhlichen Ausruf ent­gegen.

(Fortsetzung folgt.)

Forffetzung 11.

zösischeTruppeumengenrn^Landge- zogen und nach den hier vorttegenden Icel- öungen geduldet, daß diese franzöipchen Gruppen mit brutaler Gewalt gegen Beamte vorgingen imb wahre Jagden auf ste v^- anstalteten. Beamte und andere Bewohner de_> Saargebiets sind in größerer Zahl verhaktet wor- liub eine ganze Reihe von Personen ist aus bem Gebiet ausgewiesen worben. Tie deutsche Re­gierung erhebt feierlich und nach­drücklich Einspruch gegen die geschilderten Maßnahmen ber Negierungskommission, bie mit dein Geist und Zweck des Friedensvertrages nicht im Einklang stehen. In der von der Saarregie­rung anläßlich der Arbeitseinstellung im Saar- aebiet erlaifcnen Proklamation wird u. a. be­hauptet, ber Streik sei von den Beamten vomZaune gcbrocG'n worden, und die Beamten seien Hetzer oder Werkzeuge von Hetzern, denen die deutsche Regierung mehrere Millionen für diese Agitation zur Verfügung gestellt habe. Daß diese Proklama­tion den Tatsachen widerspricht, geht aus den obigen Angaben über die Ursachen des Streiks hervor. In vollkommen irveführender Weise hat die Regierungskommission die Bewegung der Beamten mit der Tätigkeit einer Organisation zur Erhal- timg des Deutschtums im Saargebiet in Zusam­menhang zu bringen versucht. Wenn die deutsche Regierimg für diese Tätigkeit, die die Förderung der deutschen Musik, des deutschen Theaters, ber deutschen Literatur und des deutschen Vereins- Wesens zum Ziele hat, Mittel zur Verfügung ge­stellt hat, so wird sie sich ihr gutes Recht dazu! auch künftig um so weniger bestreiten lassen, als es sich hierbei lediglich um eine Abwehr ber bekannten, mit reichlichen Mitteln arbeitenden Bestrebungen handelt, die das Ziel versolgen, den deutsch-en Charakter des Saargebiets zu ändern.

Hauskaserne gedachte Feuer schort mit zwei Rohnen an. Da nach der Annahme die Motorspritze mit ihren wenigen Leuten das Feuer allein nicht be­wältigen und die Nachbar geb äube nicht beschützen konnte, wurden 7 Uhr 48 Min. die Ringlertungen und die Sirenen in Tätigkeit gesetzt, und fett Bestehen der Feuermeldeanlage der etile Groß-- seueralarm abgegeben, um die gesamte Feuerwehr zu Hilfe zu rufen. Schon 7 Uhr 55 Mtn. trafen die ersten Geräte der Gießener Freiwilligen Feuor- wehc und kurz daraus 'dieienigen bei fmiuuUgrn Gai Ischen Feuerwehr ein, die bett ireiten Weg von ihrem Depot in kürzester Frist zurücklegten. Nach Eintreffen der Gerate fand ber all gemeine Angriff auf das Gwßseuer in der Weise statt, daß im Hofe der Zeug haus käse rne außer der Motor­spritze die 3 mechanischen Leitern das Brand­objekt unter Wasser nähmen, während an rem nach dem Landgrai-Philipps-Platz liegenden Gie­bel Rettungsversuche ausgesührt und durch die übrigen Mannschaften mit den erforderttchen Ge­räten das neue Schloß 'imb bas Rentamt beschützt wurden, da diese im Ernstfälle ebenfalls vom Feuer bedroht worden wären. Die Uebung hat gezeigt, daß die Fenerwehoen ihrer Aufgabe voll gewachsen und bei Feuergsgefahr rasch und m genügender Anzahl zur Stells sind. Tie Ab­sperrung des Platzes war in mustergültiger Weife durch die Polizei und bie neue Sicherheitspolizei, bie kurze Zeit nach Anruf mit, einem größeren Aufgebot erschien, durchgeführt, so daß bie Feuer­wehr völlig ungestört ihre Ausgabe durchführen konnte. _ ,

** Sv genannte Krtegsreifepru- fungen, h. h. erleichterte Reifeprüfungen für Kviegsteilne'tzmer, toerber. ?.um letzten Male im Volksßaat Hessen im Frühjahr 1921 in Darmstadt abgehalten. Weitere Bekanlitmachnng erfolgt recht­zeitig, etwa im Monat Februar. Nur für bie aus der Gefangenfäsaft jetzt oder erst später Zurück- fegrenben können Kriegsreifeprüfungen auch nach bem genannten Zeitpunkt noch angesetzt werben. Kurse für Kriegsteilnehmer siirden nach Ostern 1921 nicht mehr statt. Nähere AiiSkunft erteilt auf schriftliche Anfrage, ber 1,50 Mark Stempel- gebühr beizulegen ist, das^ Sekretariat des Lcmdes- amtes für das BildungÄvesen, Abteilung für Sck.nlangelegeüheiten, zu Darmstadt.

** Viehzählung. Die von Reichs wegen für den 1. September d. I. in Hessen vorgesehene Viehzählung ist mit Rücksicht auf den Stand der Maul- und Klauenseuche vom Ministerium des Innern, Abt. für öffentliche Gesundheitspflege, abgesagt worden.

** Warnung vor Wochenmarkt­dieb e n. In letzter Zeit ist es wiederholt vor- gekonimen, daß Hausfrauen auf dem Wochen­markte Portemonnaies mit dem Inhalte ent­wendet wurden. Dies ist hauptsächlich dem Umstand zuzuschreiben, daß die Frauen die Portemonnaies sorglos in offenen Körbchen oder Täschchen tragen, die den Dieben leicht zugänglich sind, so daß diese im günstigen Augenblick nur zuzugreifen brauchen. Deshalb Vorsicht in der Aufbewahrung des Geldes.

** Laßt oie Kinder nicht am Wasser spielen! Beim Spielen an Der Lahn am Wehr oer Möserschen Mühle fielen gestern nachmittag zwei Kinoer, ein Junge und ein Mäochen, welche auf dem Rand des' Wehrs herumliefen, in Das Wasser und ver­schwanden in der Tiefe. Auf das Geschrei der anderen Kinder eilte die in der Nähe besind- liche Mutter des einen mit dem Tode ringen­den Kindes herbei, um es aus dem Wasser zu ziehen. Sie geriet aber ebenfalls in die Tiefe und konnte aus dieser samt den Kindern nur mit Mühe und Gefahr von dem in der Nähe besindlichen Herrn K. Joedt gerettet werden. Den Eltern dürfte dieser Fall Veranlassung geben, ihre Kinder nachdrücklichst von dem Vaden an unbekannten Stellen in der Lahn fernzuhalten.

** Seinen 80. Geburtstag begeht Samstag, ben 21. August Wilhelm Stoll- mer in geistiger Frische.

** T ie Vereinigten Hassio-Milt- tärverei^re Gießen veranstalten anläßlich der 50jährigen Wiederkehr der schweren Tage unserer Helben von 1870/71 (Gravelotte' am Sonntag den 22. bs. Mts. einen gemeinsamen Kirchgang (Stadlkirche). Siehe Anzeigenteil.

** Der Evangelische Arbeiter­verein veranstaltet Sonntag, den 22. August, nachrn. 3 Uhr, auf derLiebigshöhck" ein Garten­fest. Näheres siehe Anzeigenteil.

Landkreis Gießen.

g. Allendorf a. d. Lumda, 18. Aug. Gestern abend fand ebenso wie in Ettingshausen hier eine Versammlung von Mckstselbstversorgern unserer Gemeind? statt. In einem Beschluß an das Kreisamt wurde dieses gebeten, zu gestattsi, daß den Verforgmigsbevechtigten im nun begin­nenden Wirtschaftsjahre an Stelle des schlechten Komnninalverbandmehles von den hiesigen Er­zeugern Getreide geliefert wird, das in ben fünf Mlendorfer Mühlen gemahlen werden könnte. Auf diese Weise bekämen die Versorgungsberechtigten ein besseres Mehl als bisher, imb der Preis wäre

Max schielte dabei ein wenig neugierig zu sei­nem großen freund empor, ob der wohl errate, n,ohin der mit den letzten Worten hinziele. Der Schüler hätte nämlich gar zu gern fahren, was neulich passiert nmr, als Rena ihn auf Tantes Ver­anlassung aus dem Zimmer geschickt hatte. Natür­lich war er gleich hinterher mit allerlei Fragen an die Schwester herangetreten, von dieser aber in ernster, bestimmter Weise gebeten worden, nicht an die Angelegenheit zu rühren.

Nirn schien er nicht übel Lust zu haben, einen Versuch zu machen, ob er von dem beteiligten jungen Deutschamerikaner etwasherausbekommen" könne.

Hermann Hüttich foar aber mit seinen Ge­danken auf ganz anderen Wegen.

Nur mache sie immer ein so ernstes Gesicht " Diese Worte des Schülers hatten mit urplötz­licher Gewalt alles Blut in ihm aufgeftürmt. Er sah das junge Mädchen vor sich, das schöne Gesicht von Blässe überzogen, still, nachdenklich----und

ihm schlug das Herz bis zum .Hals hinan.

Er mußte versuchen, sie wiederzpsehen und zu sprechen. Ließ eb sich nicht in Lobeda herbeisühven, so war es vielleicht in Jena möglich. Er verschmähte jeden Umweg', geiabc ging er auf sein Ziel los und fragte den Schüler, ob ihn die Schwester wohl zu­weilen in seiner Pension besuche.

Max nickte.

Tas komme wohl ab und zu vor, aber doch I selten, da er ja jeden Sonnabend nachmittag nach

Ja, ja," rief er,ich gehe schon. Sie haben recht. Wir dürfen Ihre verehrte Tante nicht krän­ken. Leben öie wohl und auf Wiedersehen!"

Er haschte nach ihrer Hand und drücfte einen raschen Kuß darauf. Dann wandle er sich und ging.

Renas Kopf schütteln imb das Lächeln auf ihren erblaßten Lippen fah er nicht mehr.

V.

Zwei Tage später um die Mittagsstunde ging 'Hermann Hüttich wartend vor dem Gymna­sium in Jena auf und nieder.

Max Bodenbach hatte ihm auf ber sonntäg- ltchen Radtour neulich erzählt, daß er dies Gym­nasium besuche, und ber junge Deutschamerikaner empfand nun wahrscheinlich Sehnsucht, den frischen Burschen einmal wiederzusehen.

In hellen Haufen, lebhaft durcheinander schwatzend und lach-nb, strömten bie verschiedenen 'Jahrgänge ber buntbemützten Schüler auf bie vtraße.

Der Wartende fand mit spähenden Augen sei- ucn kleinen Mann heraus und rief ihn an.

Max Bodenbach zeigte sich auftichtig erfreut und begann sofort zu plaudern Ohne baß Hermann Hüttich zu fragen brauchte, berichtet? der Schüler, Schwester Renas Fuß mache in der Heilung die beiten Fortschritte, sie hinke nur ganz Wenig, brauche sich auch nicht zu schonen, sondern sei in Hans imb Garten ebenso tätig wie früher. Nur mache I sie immer ein so ernstes Gesicht.