Nr. 159
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Erstes Blatt
170. Jahrgang
Mittwoch, 16. Juni 1920
: ■ mAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
Druck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange. Zchriftlettung, Geschäftsstelle und Druckerei: §chulstratze7.
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Die papiergeldwirtschast.
Was ist aus unserem wohlgeordneten Geldwesen in den letzten 6 Jahren geworden! Das Gold, das ein so sicheres Fundament aller Verkehrswirtschast schien, ist entthront und an seine Stelle das Papiergeld getreten. Das ist an sich kein Unglück, da die Erfahrung lehrt, daß auch die Banknote die Funktionen des Goldgeldes ausüben kann. Aber wie sie das tut, das ist die entscheidende Frage. Heute hat sich das deutsche Volk bereits so an die Pa-- piergeldwirtschaft gewöhnt, daß es gar nicht mehr das Anormale an ihr sieht und nicht bemerkt, welches Unheil die unermüdliche Arbeit der Notenpresse anrichtet. Vor dem Kriegs hatten wir — Gold-, Silber-, Nickel- und Kupfergeld, Banknoten und Reichskassenscheine zusammengerechnet — einen Umlauf an Zahlungsmitteln von 5 bis höchstens sechs Milliarden Mark; heute ist eine so ungeheuerliche Summe daraus geworden, daß man mit allem Nachdruck fragen muß, wohin diese Mißwirtschaft noch -führen soll. Man sehe sich doch einmal die nachstehende Uebersicht recht genau an, die die traurige Entwicklung uwi seres Geldwesens veranschaulicht. Es zirkulierten Milliarden Mark
Reichs- Darlehens
banknoten Kassenscheine Zusammen
Ende 1913: 2,753 — 2,753
„ 1.914:
5,180
1,000
6,180
„ 1915:
7,061
2,347
9,408
„ 1916:
8,213
3,408
11,621
„ 1917:
11,631
7,689
19,320
31.10.1918:
16,662
9,373
26,035
Ende 1918:
22,188
10,109
32,297
„ 1919:
35,698
13,781
49,479
31. 1. 1920:
37,443
12,938
50,382
28. 2. 1920:
41,034
12,721
53,754
31. 3. 1920:
45,170
13,731
58,901
30. 4. ,1920:
47,939
13,776
61,715
Jnzwisch
en ist die Papiergeldflut weiter
gestiegen, so
daß für Ende Mai
mit mnr-
bestens 64 Milliarden Mark Reichsbanknoten
und Darlehenskassenscheinen zu rechnen ist.
Dazu kamen Anfang dieses Jahres noch 328
Millionen Mark Reichskassenscheine,
, 257 Mil-
Honen Mark Noten der Privatbanken, etwa eine halbe Milliarde Mark Silbergeld, 100 Millionen Mark Nickelgeld, 66 Millionen Mk. Eisengeld, 42 Millionen Mark Zinkgeld, 25 Millionen Mark Kupfergeld und 6 Millionen Mark Aluminiumgeld, zusammen also 1324 Millionen Mark. Die Gesamtmenge umlaufender Zahlungsmittel erhöht sich dadurch auf etwa 65Va Milliarde Mark. Das ist mindestens das Zwölffache der Geldmenge, mit der wir vor dem Kriege in einer äußerst liquiden und einen Ueberfluß an Waren prodw-, zierenden und umsetzenden Verkehrswirtschast ausgekommen sind, während der heutigen Masse der Umlaufsmittel eine durch Landabtretungen, Rohstoffmangel, Menschenverluste und Arbeitsminderung wesentlich geschwächte Gütererzeugung gegenübersteht.
Man kann heute in den Erläuterungen zu den wöchentlichen Reichsbankausweisen noch immer die nachgerade läppisch anmutende Erklärung finden, daß die Vermehrung der Banknoten und Darlehenskassenscheine auf die starke Nachfrage nach Zahlungsmitteln zurückzuführen sei. Dabei wurde allein in der letzten Märzwoche die ungeheuerliche Summe von 2601,6 Mill. Mark Banknoten neu ausgegeben, das heißt fast so viel wie Ende 1913 im größeren Deutschland überhaupt int Umlauf waren. Gewiß spielt namentlich am Quartalsschluß die Nachfrage nach Zahlungsmitteln eine große Rolle, aber damit allein kann man doch nie und nimmer die wahnsinnige Papiergeldvermehrung erklären und entschuldigen, die wir seit der Revolution und besonders in den letzten Monaten (im Monatsdurchschnitt reichlich drei Milliarden!) erlebt haben. .Die wahre Ursache liegt doch allein in dem trotz aller Steuern jammervollen Zustande unserer Reichsfinanzen. Als Herr Erzberger Anfang 1919 ins Reichsfinanzminv- sterium einzog, hieß es: Keine Ausgabe ohne entsprechende Einnahme, und es wurden trotzdem im Monatsdurchschnitt anderthalb Milliarden mit frisch gedrucktem Papiergeld gedeckt, und .als Herr Wirth seine Nachfolge antrat, versicherte er mit Nachdruck: Fort mit der Notenpresse! Das wäre allerdings der einzige Ausweg iau§ der ganzen Mißwirtschaft, aber wer kann daran glauben, wenn der Voranschlag des Reichsetats Ausgaben von fast 53 Milliarden Mark aufweist, während die einigermaßen sicheren.Einnahmen noch keine 30 Milliarden betragen, wenn die Reichseisenbahn, die wir nun glücklich haben, füll dieses Jahr mit einem Defizit von 12 Milliarden rechnet, jdie Post trotz aller Gebühr renerhöhungen die Unterbilanz nicht wegschaffen kann, die Reform der Beamtengehälter Milliarden verschlingt und trotz alledem 5 weitere nicht vorhandene Milliarden zur Verbilligung der Lebensrnittel aufgewendet werden? Das, Ende vom Liede ist ja doch nur
verstärkte Arbeit der Notenpresse. Aus den! 3 Milliarden Papiergeld, mit denen wir in den letzten Monaten durchschnittlich über-' schwemmt wurden, 'dürften bei-einer solchen Ausgabewirtschaft mit Sicherheit bald vier und fünf Milliarden werden, wenn dem Unheil nicht sofort mit eiserner Energie Einhalt getan wird.
Inzwischen wachsen die Schulden des Reiches in unheimlichem Tempo. Am 31. März dieses Jahres beliefen sie sich nach Mitteilung des Reichsfinanzministers bereits auf 197 Milliarden Mark, 92 Milliarden fundierte und 105 Milliarden schwebende Schulden, von denen die letzteren im Gleichschritt mit der Papiergeldausgabe seitdem um weitere 5—6 Milliarden gestiegen sind. Die Inflation, die Geldentwertung, macht rasende Fortschritte, wie die unausgesetzte Verteuerung der Lebenshaltung uns allen täglich zum Bewußtsein bringt, und was das Schlimmste ist, sie kommt Überhaupt nicht zum Stillstand und untergräbt damit alle Berechnung und geordnete Wirtschaftsführung in Staat und Gemeinde, Unternehmung und Haushalt. Aus diesem Elend gibt es nur einen Weg: Richtige Stenern, Stenern und nochmals Steuern! Nur so läßt sich der elementarste Grundsatz aller öffentlichen Wirtschaft wieder zur Geltung bringen: Keine Ausgabe ohne Deckung! Nur auf diese Weise fällt die Notwendigkeit fort, die Notenpresse weiter mit Hochdruck arbeiten zu lassen um die Staatsordnung überhaupt aufrecht zu erhalten. Das deutsche Volk hat durch seinen Reichstag darüber zu entscheiden, ob endlich dieser Weg wieder eingeschla- gen und damit zur staatswirtschaftlichen Vernunft zurückgekehrt werden foll. Es ist die höchste Zeit!
Die Verhandlungen zur Nabinetts- bildung.
Berlin, 15. Juni. (Wolff.) Wie wir von zuständiger Seite erfahren, ist die Nachricht einet: Berliner Mittagszeitung, daß die Mission Trirn- borns gescheitert sei, unzutreffend.
Berlin, 15. Juni. (Wolff.) Die „Germania" schreibt zur Kabinettsbildung, die bisherigen Verhandlungen hätten dir politische Lage wenn vielleicht auch geflirrt, so doch nicht gebessert. Trim'boru übernahm dir schwierige und undankbare Aufgabe. Den schwebenden Verhandlungen will das Blatt nicht vorgreifen. Als ihre Meinung spricht aber die „Germania" aus, daß der »Auftrag Trimborns weitgehender gedacht sein müsse, als ihn Müller und Heintze ausfaßten. Es müsse doch schließlich eine Regierung zustande gebracht werden. Trimborns Aufgabe sei nicht zuletzt darin zu erblicken, dieser Ueberzeugung bei einer ausreichenden Zahl von Parteiführern zum Durchbruch und zur praktischen Jlusw-irkung zu verhelfen. Als nächstliegenden Weg habe sie bereits die Wiederaufnahme der früheren Koalition bezeichnet. Dazu gehöre natürlich vor allem die Mehrheits- sozialdemokratie. Unter Hinweis auf die Feststellung der am Sonntag abgehaltenen sozialdemokratischen Parteikonferenz, daß sie die Koalitionspolitik gegenwärtig als unmöglich betrachte, kommt auch die „Germania" zu dem Schluß, daß die Ablehnung der Mehrheitssozialisten ferne grundsätzliche, sondern nur eine vorübergehende sei.
Berlin, 15. Juni. (Wolff.) Bei Besprechung der Kabinettsbildung beschränkt sich die „Germania" darauf, die Angaben des „Vorwärts" in der heutigen Morgenausgabe als r i ch- tig zu bestätigen und hinzuzufügen, daß die,Verhandlungen weiter gehen offne bisher ein bestimmtes Ergebnis erzielt zu haben. Das „Berliner Tageblatt" streift die Besprechungen in der heutigen Zentrumssitzung und berichtet darüber, daß für die bürgerliche Koalition von den Deutschnationalen bis zu ven Demokraten keine Stimmung vorhanden gewesen wäre. Die einzelnen Redner hätten immer wieder erllärt, man müsse unter allen Umständen zu einem Ein- verne hmen mit der S o zia l demiokr a t ie fomnten, da eine Regierung ohne Sozial- demokratie heute in Deutschland nicht mehr möglich fei. Nach dem „Vorwärts" hat T r i m b o r n heute vormittag wiederum mit den Sozialistenführern Hermann Müller und L ö b e verhandelt, die ihm auseinandersetzten, daß das Weiterbestehen der bisherigen. Koalitions- regierung unmöglich sei und daß auch sein Wunsch, die sozialdemokratische Fraktion möge wenigstens einen Vertrauensmann in das neue Kabinett entsenden, feine Aussicht habe, fron der Fraktion bewilligt zu werden. — Das Verhalten der Partei zu der neuen Regierung werde von ihren Taten abhängen. Der „Vottvärts" wendet sich sodann gegen die Auffassung, die sozialdemokratische Partei bereite sich nur vor, die bürgerliche Reichstagsmehrheit gewaltsam zu überrennen. Jeder Kenner des Programms und der Geschichte der Partei wisse, daß für sie gewaltsames Vorgehen gegen Mehrheiten, die im Rahmen ihrer verfassungsrechtlichen Befugnisse handeln, nicht in Betracht kommen.
Berlin, 15. Juni. (WTB.) Der Führer der Deutsch-demokratischen Partei, Abgeordneter Se- inatvr Dr. Petersen, überreichte heute nachmittag dem vom Reichspräsidenten mit der Kabinettsbildung beauftragten Zentrumsabgeordneteni Dr. Trirnborn eine Erklärung über die Voraussetzungen, unter denen sich die Deutsch- demokratische Parte: an der Kabinettsbildung beteiligen will. Darin wird auf Artikel 53
der dmtschen Reichsverfassung hingewiesen, nach dem der ReichspräsLent den Reichskanzler und auf dessen Vorschlag die Reichsminister ernennt. Ein Abweichen von diesem Wege wird als verhängnisvoll angesehen, da es ausgeschlossen erscheine, daß die Parteien sich bereit erßären würden, Koalitionen zu bilden, ohne vorher das sachliche Programm des Kabinetts und seine Zusammensetzung zu kennen. Die demokratische Partei erkläre sich bereit, sachlich und positiv in einem Kabinett mitzuarbeiten, das durch feine Persönlichkeiten und durch fein Programm die Gewähr für den wirtschaftlichen unb politischen Wiederaufbau gebe. Als unerläßliche Bestandteile dieses Programms werden dann in der Erklärung u. a. folgende Punkte bezeichnet: Vorbehaltlose und unbedingte Anerkennung der Weimarer Verfassung, Ablehnung und Bekämpfung jeder monarchistisch, n Agitation, Bekämpfung der Klassenherrschaft, Ablehnung eines jeden Klassen- und Rassenhasses uni) Besetzung der Aemter ohne parteipolitische Rücksichten mit Personen, die sich aus den Boden der Verfassung stellen, die aber gleichzettig ihr Amt auszufüllen geeignet sind.
Berlin, 16. Juni. Zu der Erklärung des Vorsitzenden der demokratisches Partei, Jin der die Bereitschaft erklärt wird, an der Bildung eines Kabinetts teilzunehmen ohne vorherige Bildung einer Parteikoalition, sagt der „Vorwärts": Die Erklärung ist nicht ablehnend, aber ausweichend. Die Frage der Regierungsbildung ist durch sie nicht viel weiter gekommen.
Die „Vasfische Zeitung" meint, daß der Erklärung ohne Zweifel die weitesten Kreise der Partei zustimmen würden. Sie stelle sich auf den einzig richtige Standpunkt, i7.daß es Sache des Reichskanzlers sein müsse, auf Grund eines sachlichen Programms sich die geeigneten Persönlichkeiten zu suchen.
Die Aussprache des Zentrums, die gestern pormittag stattfand, ist laut„Ger- mania"noch nicht beendigt. Sie soll heute nachmittag fortgesetzt werden. Das Zentrum mühe sich jedenfalls redlich ab, eine Regierung zustande zu bringen. Es erfülle damit eine Pflicht, dis in erster Linie der siegreichen Opposition auf der Rechten hätte auferlegt werden müssen.
Der Termin für Spaa.
Amsterdam, 15. Juni. Nach einer Londoner Meldung sagte Lloyd George gestern im Unterhause, das Datum der Konferenz von Spaa sei mit Rücksicht auf die Bildung der neuen deutschen Regierung noch nicht endgültig festgesetzt, doch werde die Konferenz wahrscheinlich am 5. Jull beginnen. Die in Brüssel geplante Zusammenkunft der führenden englischen unb französischen Staatsmänner sei nicht durch neu hervor- getretene Gesichtspunkte notwendig. Im Gegenteil es sei stets geplant gewesen, daß die Alliierten vor ihrer Zusammenkunft mit den deutschen Vertretern untereinander eine Besprechung abhalten. Lloyd George sagte ferner, die Frage des armenischen Mandats werde mit Rücksicht auf die ablehnende Haltung Amerikas gegenwärtig von den alliierten Regierungen erwogen. Ueber die Angelegenheiten zwischm Polen, Litauen und der Tschecho-Slowakei bemerkte Lloyd George, zwischen den Parteien würden gewisse Verhandlungen geführt. Möglicherweise werde die Angelegenheit vor den Völkerbund gebracht werden.
Eine Sitzung des Völkerbundrates.
London, 15. Juni. (WTB.) Reuter. Am 15. Juni wird eine öffentliche Sitzung des V ö l k e r b u n d r a t e s im St. James- Palast stattsinden. Es soll die persische Frage und die Frage der Heimbeförderung der Kriegsgefangenen aus Sibirien erörtert werden. Bei der heutigen vorbereitenden nichtöffentlichen Sitzung konnte die erforderliche Einstimmigkeit nicht erreicht werden. Es wurde daher beschlossen, daß die persischen und französischen Vertreter eine besondere Zusammenkunft abhalten sollen, um die Meinungsverschiedenheiten zu beseitigen.
*
Eine neue französische Anleihe.
Paris, 15. Juni. (Wolff.) Nach einer Meldung des „Journal" ist es höchstwahr- scheinliick), daß zur Tilgung der schwebenden Schuld und der Zurückzahlung der Vorschüsse der Banque de France demnächst eine neue französische Anleihe ausgegeben wird. Man spricht von einer 3prozentigen Prämienanleihe und auch von der gleichzeitigen Auflegung einer 3prozentigen Prämienlosen Anleihe. ►
Paris als Seehafen.
Paris, 15. Juni. (WTB.) Die Hafenkommission, die sich mit dem Ausbau des Pariser Hafens zu einem Seehafen zu befassen hat, ist wieder ins Leben gerufen worden.
Die Wirtschaftsverhandlungen mit Rußland.
London, 15. Juni. (WTB.) Nach der „Times" soll Krassin zu verstehen gegeben haben, daß, falls die Moskauer Regierung gezwungen werden würde, die russische auswärtige Schuld anzuerkennen, sie darauf be
stehen werde, daß man alle ihre Rechte und Privilegien, wie sie in dem alten Londoner Vertrag feftgelegt seien, ebenfalls anerkenne. Sie meint damit hauptsächliche jene Teile des Londoner Vertrages, wonach Konstanti-, nopel an Ruß land fallen werde.
L o n d o n, 16. Juni. (WTB.) Das Reu- tersche Bureau erfährt: Bisher ist eine neue Konferenz zwischen Krassin und den englischen Ministern nicht vereinbart worden. Es wird eine solche Konferenz stattfinden, sobald Krassin aus Moskau Antwort auf die bei den beiden ersten Verhandlungen aufgeworfenen Frar ’ n erhalten hat. Ein Hindernis ist nicht eingetreten. Auch.in der Frage der russischen Schuld, die als die wichtigste angesehen wird, erhielt Krassin bisher eine Antwort aus Moskau nicht. *
Die Lage in Albanien
A m st e r d a m, 15. Juni. (WTB.) Einer Blättermeldung aus Rom zufolge ist die Lage in Albanien äußerst ernst, da die alba- nischei^Aufständischen durch Serben verstärkt worden seien, deren Uniform und Waffen amerikanischen Ursprungs fein sollen.
Der deutsche Vertreter beim Papst.
Rom, 15. Juni. (WTB.) Agenzia Sie-, fani. Der Papst empfing den deutschen Vertreter v. Bergen.
Hu$ dem besetzten Gebiet.
Streik gegen französische Maßnahnten.
Ludwigshafen, 15. Juni. (Wolff.)' Im Anschluß an die Verhaftungen der Ange-' stelltenausschüsse und Betriebsräte durch die Franzosen wird weiterhin gemeldet: Im Verlaufe der Verhaftungen int besetzten Gebiete haben sämtliche Arbeiter der Eisenbahnwerkstätten, der Hauptwerkstätte und ein großer Teil des Lokomotivpersonals gegen die willkürliche Verhaftung ihrer Führer die Arbeit geschlossen n i e d e r g e l e g t. Die Stilllegung der großen industriellen Betriebe (Ba- difche Aniliw- nnd Sodafabrik, Sulzer Maschinenfabrik usw) ist nur noch eine Frage der Zeit. Auch die Straßenbahner, Elektrizitäts-- und Wasserwerksarbeiter werden in einen Sympathiestreik eintreten. Nach einer weiteren Meldung ist der Schriftführer des Angestell- tenausschusses, Schäffer, der von den Franzosen nach seiner Verhaftung nach Mainz geschafft worden war, gestern aus der Haft entlassen worden.
Mannheim, 16. Juni. (WTB.) Aus Anlaß der Verhaftung von Arbeiterführern durch die Franzosen in Ludwigshafen sand gestern, wie die „Neue Bad. Landesztg." meldet, in Ludwigshafen mehrere Versammlungen der bereits streikenden Arbeiter statt. Es wurde eine Entschließung angenommen, iin der erklärt wird, daß, falls die Franzosen.^ die verhafteten Arbeiterführer nicht bis Freitag mittag 12 Uhr auf freien Fuß gesetzt haben, im ganzen besetzten Gebret der Generalstreik erklärt würde.
Mainz, 16. Juni. (WTB.) Wie die „Mainzer Vollsztg." meldet, ist im Zusammenhang mit den mit den Verhaftungen in Ludwigshafen der sozialdemvkratische Arbeitersekretär Grötzner in Mainz durch die Franzvsett verhaftet worden. In Wiesbaden wurden durch die Franzosen bei dem sozialdemokratischen Arbeitersekretär Lieser, dem Redakteur Lindig, dem Parteisekretär Witte und dem Journalisten Wecks Haussuchungen vorgenommen, wobei etliche, überall erhältliche Broschüren beschlagnahmt tourt)en. Der Grund der Haussuchungen wird von den Franzosen gcheim gehalten.
Zeitungsverbote.
Köln, 15. Juni. (WTB.) Die Kölnische Zeitung und die Rheinische Zeitung wurden laut Beschluß der Rheinlandkommission auf gründ des Artikels 13 der Verordnung Nr. 3 von morgen ab aus einige Tage verboten. — Dem Vernehmen nach ist der Grund des Verbotes der Kölnischen Zeitung und der Rheinischen Zeitung darin zu suchen, daß sie Artikel gegen die Verwendung farbiger Truppen im besetzten Gebiete veröffentlichten. Außer dieser- beiden sind weitere fünf Blätter im besetzten Gebiete vorläufig verboten worden.
Ludwigshafen, 16. Juni. (WTB.) Laut „Pfälzischer Post" hat die Rheinlandkommission das Erscheinen des „Kuseler Anzeigers", der „Kirchheimbolander Zeitung", des „Pfälzischen Merkurs" in Zweibrücken und der „Gegenwart" in Edenkoben ab 16. Juni auf 15 Tage verboten.
Verbotene Lieder.
Worms, 16. Juni. (WTB.) In einer amtlichen Bekanntmachung des Chefs des Generalstabs hat der kommandierende General der Rheinarmee in der durch d.ie iranzoflsche


