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Hochschule und Volksbildung.

Auf Veranlassung derZentcalstell zur För­derung der Volksbildung und Jugendpflege in Hessen" fand am Mittwoch den 9. Mai, nach­mittags 3 Uhr, in dec Technischen Hoch­schule zu Darmstadt eine Konferenz statt, an dec sich der Rektor dec Hochschule und eine Reihe von Dozenten beteiligten.

Direktor Bäuerle-Stuttgart nimmt zu Beginn seines Vortrags Stellung zu Einwänden gegen die Vo.ksbiloung, wie sie von Männern wie von Münchhausen int Kunsttoart, Herrigel Frank­furt, Walter Hofmann u. a. geäußert nrurten. Seine Ausiührungcn werden wohl am besten in den Leitsätzen wiesergegeoen, denen wir u. a. ent­nehmen :

Universalbildung ist heute unmöglich. Wissen schaftliche Bildung ist eine Sache des Intellekts und beilrht in ter stofflichen Beherrschung eines Teilgebietes d c Wissenschait und in der Tätigkeit, die Einzelerscheinung.n in einen gesetzmäßigen Zu­sammenhang emzuorbnen. Der formale Wert wissenschaftlicher Schulung testeht in der inneren Verpflichtung und Fähigkeit, mit Hilfe der wissen- schaftftchm Forschungsmethoden eur:r Sache aus den Grund zu gehen.

Bildung" selbst ist nicht an den Erwerb einer bestimmten Art und Summe von Kennt­nissen gebunden, Mangel an wstsenscha tt icher Schu­lung ist nicht Mangel an Bildung. Geoiltete und Ungebildet? gibt cs in allen Kreisen und Ständen. Bildung ist vielmehr in ihrem Endziel die Fähig­keit, sein Leben zur Einheit zu gestalten, aus dem Chaos der Erscl)einun^en eint Kosmos zu machen. Dec Weg dazu ist die subjektive Anteilnahme an dec objektiven Kultur.

Volk.bildung ist: Lebendigmachm des Kultur- besiives für die Gcsamth it (der Empfänglichen) des Volkes. Die Wurzeln der Volksbildung liegen in den großen Lebenskreisen: Familie und Beruf, Heimat und Vo kstum, Wissenschaft, Kunst und Religion. Die Wege zurwissmfchaftlichen Bil­dung" sind nicht ohne weiteres Wege zur Volks­bildung.

Intellektuelle Volksbildung ist nur ein Teil­gebiet -der Volksbildung, durch Unterordnung der intellektuellen Bildung unter hie Idee der Volks­bildung entsteht die Volkshochschule.

Die Volkshochschule ist eine Bildungs-, keine Schulungseincichtung". Die Volkshochschule ist nicht Hochschulersatz. Die Bezeichnung Volkshoch­schule ist irreführend. Die Mitarbeit der Hoch­schule an der Volksbildung kann in folgender Weise geschehm: Einrichtung von Ausbildung^angelegen- heiteu für Vo.k bi bimgSteiler und Volkshochschul- lehver an den Hochschilen. Schaffung eines Lehr­stuhls für Volkserziehungswissenschaft zur Be­handlung der theoretischen Grundlage der Volks­bildungsarbeit. Auswahl und Bearbeitung des für die Vo.k bildung, insbesondere für die Volkshoch­schule in Betracht kommenden Stoffes in den Einzelwissenschaften. Einrichtung von Vorlesungen, sowohl allgemein verpflichtender Art als auch in den einzelnen Fakultäten zur Vertiefung der Be­rufsauffassung, des sozialen Vevantwortlichkeits- gesühls und des Verständnisses von Volk und Volksleben, überhaupt Mehrung der Bildungs- qelegenheiten an den Hochschulen. Beteiligung dec Studierenden an der Volksbildungsarb'it (Volks­unterrichtskurse). Erweiterung bzw. Einrichtung eines volkstümlichen Voclesungswesms.

Prof. Heidebroek spricht dem Referenten seine volle Zustimmung aus. Wiener Referent, setzt auch er sich für eine Humanisierung der technischen l Wissenschaften ein. Der Verein der Ingenieure l, will diese Volksbildungsarbeit in großem Maße be- treiben. Der Endzweck soll sein, daß der Respekt des . Arb.-iters von der Fachbildung tviederl>crgestellt wird. Damit kommt wohl and) der Kontakt mit den Hock-schulen. Für äußerst wichtig hält er die Errichtung eines Lehrstuhles für Soziologie an der Tedmischcn Hochschule in Darmstadt. Rach Mit­teilung des Landesamtes ist eine Stifttmg von 50 000 Mark zu diesem Zwecke bereits vorluntden. Prof. Limmer wendet sich dagegen, daß die Bezeickmung Volkshochschule beinhalten werden soll, obgl-ich sie als irreführend bezeichnet wird. Dann sollte man sie auch obichaffen. Er will erfahren haben, daß man an dem Rauten festhült, weil sonst nid>t Hörer g nug kommen. Auch spricht er sich gegen die ^Beteiligung von Studierenden att der Volksbildung aus, die selbst erst noch lernen müßten. Lehren sollte nur der Fachmann. Wenn an allen Hochschulen gemeinsam die Vor­bereitung aut den h-Heren Beruf bezeichnet werde, so sei nach seinem Dafürhalten das Gemeinsame der nationale Gedanke. Direktor Bäuerle säh- den Ausdruck Volkshochschule and) gerne ab- geschafst, es gibt aber bis jetzt noch keinen geeigne­teren. Daß die Hochschulen den nationalen Ge­danken gemeinsam baten sollen, ist nichts. was enteren nicht auch gemeinsam ist. wie etwa un­seren Bollsschulm. höheren Schulen, der Kirche usw. Wer Volksbilduitg will, pflegt eben den nativ» italcn Gedanken. Geh. Studien rat Dr. H o r st ist dec Ansicltt. daß sich viele an dem Begriff Volkshochschule" stoßen und schlägt daftir B o l k s b i l d u n g s s ck> u l c" vor. Das, was an der Volksh'dMule g-boten wird, habe nichts mit ter Hock-schule zu tun. Geh. Studienrat Dr. Hör st in der Ansicht, das WortVolkshoch- schirle" hab? politischen Charakter angenommen und testelb böses Blut gesetzt. Rektor Professor Dingel de»; hält das niedere Volk für noch nicht reif dazu und meint, es müßte zuerst sittlich erzogen werden. Direktor Hass inger betont, daß fitttiefe Ml düng ja gerade die Aufgabe dec Volksbildung sei! Direktor Bäuerle äußert in seinem Sck-lußwort, daß man nicht allgemein sagen könne, das Volk sei für die Dvlkslwchschule mcht reif.

Am Donnerstag nachmittag fand eine gleiche Bei prechung an ter Landes Universität Su Gießen statt. Sie war sehr stark besuckü und tourte g l itet von dem Rektor d r Universität.Prvf Kalbfleisch. Nackidern Direktor Bäuerle sein Referat über ,Dock.«schule und Volksbildung" er­stattet hatte, fetzte eine sehr lebhafte und höchst wertvolle Aussprache ein:

Prof. Messer Mit die Balksbildungsarteit für hervorragend geeignet, einen neutralen Boden zu sclxftfen, auf dem sich die Vertreter der ixt- fdricbenflcn Parteien mit» Weltansdiouungen zu getneinsamer Arbeit finden können. Er b.'tönt fer nrr, dal; die praktische Arbeit auch ohne vorherige thwretisd-e Bt fuitg ter Probleme nötig uns mög­lich sei. Prof. Herzog fürd)tet ein zu starkes Zurückdrängen der klassischen Bildung, was eine Verarmung des deutschen GeisteSl b -ns beteutc Die Spezialisierung ter Forschung habe überdies üjren Tieipimkt Tnuter sich tue Sdiranken ter Fakultäten seien und nriirten geöffnet. Prof. Mitternxaicr verbrcttet sich über btt Entwtd

limg ter Gießener Vokkshochsdmle. Er hält^es für eine Hauptaufgabe, das Verständnis ter studie­renden für die Vollsbcldung rarbeit zu wecken. Dr. Werner ergänzt die allgemeinem Angaben Prof. Mtttermaiers aus der Praxis. Er betont besonders die 'Jtotwenöigleit, den geschichtlichen Sinn ter Vollshacha'chül.r zu roelen. Int übrigen ist er der Ansicht, daß ter Erfolg ter Volksbtt- dnngsarl»eii nur von ter Persönlichkeft des Lehrers getragen w.-rte. Direktor Has sing er kommt auf teil Volksl-ock-schu l ku c sus für Arbeiter und An­gestellte von 1910 zurück, ter auf ausdrücklickM Wunsch ter Gewerkfdraften veranstaltet Worten war und ter den Zweck hatte, die schwebenden Fragen durck? Sachverständige imssens-chftllich Hären zu laifm: denn gerate der Vel.siioat vertrüge ein urteilsfähiges Volk. Es gelte, das Verantwortlich- teitsgefülst zu stärken und die Zahl ter verant­wortlich sich Fühlenden zu vermehren. Wir sind durch gemeinsame Not auf Gedeih und Verderb zu einer Schicksalsgemeinschast verbunden. Wir müssen deshalb ater auch im Bewußtsein und im Willen ein Volk werten. Ehrfurcht und Bescheiten- l;eit müssen wieder bei uns einzi'hen und erfüllt sein müssen wir bei ter Volksbildungsarbeit von einer großen Liebe und einem starken Glauben. Cand. phil. Schäfer erklärte den Zusammenhang von Hochschule uno Volksbildung für unwesent­lich und zufällig. Die Hochschule könne auch nicht mehr geben als Rezepte für die Praxis. Die syn­thetisch Kraft des Einzelnen sei nicht an die Hoch­schullaufbahn gebunden.

In feinem Schlußwort faßte Dir. Bäuerle die Ecgebitisje ter Aussprache zusammen. Bei aller Verschiedenheit ter Wege gäbe es nur ein Ziel: Im Dienste des Volkes, Kamps gegen dm Materia­lismus im Wirtschafts- und Geistesleben.

Aus StaM und Land.

Gießen, den 15. Juni 1920.

Warnung vor Prcisübersorderrrng.

Die Preisprüfungsstelle für die Provinz Oberhessen erläßt nachstehende Warnung:

Nachdem im Laufe dieses Frühjahrs be­trächtliche Preisrückgänge auf dem Ge­biete der Lebensmittel, besonders Reis, Sago, Maisgries, Tapioka, Hülsenfrüchte, sowie auf dem Gebiet der Nahrungs- und Genußmittel, bes. Kaffee, Trockenmilch und Milchpräparate eingetreten sind, werden die Kleinhandelsge­schäfte der Provinz aufgefocdert, bei ij-ren Preisbemessungen diese Preisrückgänge ent­sprechend zu berücksichtigen und zwar sowohl bei ihren Einkäufen wie auch bei ihren Ver­kaufspreisen. Die Preisprüfungsstelle Ober­hessen wird bei den im Laufe des Monats Juni stattfindenden Revisionen in der Provinz alle Geschäftsleute unnachsichtlich we­gen Wucher zur Anzeige bringen, die nicht ein­wandfrei in der Lage sind, den Nachweis zu er­bringen, daß ihr Geschäftsgewinn innerhalb der normalen, vom Reichswirtschaftsmini­sterium anerkannten Grenzen liegt. Als nor­maler Geschäftsgewinn auf dem Gebiet des Lebensmittelhandels sind 25 Prozent vom Einkaufspreis zuzüglich der Transportkosten und aller sonstigen Geschäftsunkosten anzu­sehen.

Lebensmittel.

** Sei bet städt. Obst- und Gemüse­stelle, Marktlauben, kommen täglich frisch' Spar­gel, Grüngemüse, Erbsen, Bohnen, an Dörrobst Apfelspatten und Zwftichcn, zum Verkauf. Diese Woche trifft noch ein Waggon Frischgemüse, Wir­sing und Weißkraut ein.

** Freibank. Mittwoch, 16. Juni 1920, werden von 1 bis 3 Ähr die Nrn. 35013650 beliefert.

Veranstaltungen.

Dienstag, 15. Juni: Neue Aula, 8V2 Uhr, Vortragsabend des Ausschusses ter Gi.ßener Stu­dentenschaft. Hotel Einhorn, 81/2 Uhr, erster Gastspielabend Paul Buchwald. Lichtspielhaus, Iudex", 4. Teil undDas Brillantenschiff". Lichtspiele, Seltecsweg,Der Prozeß Worth" und Karlchen bei ter Feuerwehr".

L. U. Von per Landes-Universität. Ter außerordentliche Professor an ter Universität M ünckzen Dr. Ernst von Aster hat einen Ruf an die hiesige Universität als Nachfolger für Ge heimerat Dr. Sicteck erhalten. Dr. phil. Wil beim Peppler, ter sich für das Fach der Meteo­rologie an unserer Universität zu habilitieren wünscht, hält am Mittwoch, den 16. Juni, nach­mittags 5V2 Uhr s. t., im großen Hörsaal des Vor lesimgsgcbäudes seine öffentlich? Probevorlesung über das Thema: Die Physik ter Wolken.

** Auszeichnung. Der Wirtschafterin ter Univ.-Kindeck in.k, Schwester Lisa Lab'autzki ist durch ten Kommissar und Militärin p kteur ter freiw. Krankenpflege in Berlin die Rote Kveuz- Medaille 3. Kl. verliehen worden.

** E i n b r ü ch e. In der verflossenen Nacht wurde mittelst Einbruchs aus einem Bureau der Bismarckstraße eine Schreib­maschine, MarkeContinental" mit der Fabriknummer 46 583, im Werte von 3000 Mark gestohlen, die zweifellos in einen helb grauen Herrenrock verpackt worden ist, der auch dort entwendet wurde. Ferner in der­selben Nacht aus einer Waschküche in der Lud- wigstraße ein markenloses Fahrrad im Werte von 1800 Mk., das schwarzen Rah­menbau, ebensolchem Felgen mit grünem Streifen und zweierlei Pedale hat. Vor An­kauf wird gewarnt.

** Markenausgabe. Vom städti­schen Lebensmittelamt wird nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß dieMarkenaus- gäbe, wie schon wiederholt bekannt gegeben, Donnerstags und Freitags in den Bezirken stattfindet. In den Bezirken nicht abgeholte Marken können am Montag auf Zimmer 7 des städt. Lebensmittelamts in Empfang ge­nommen werden. Personen, die die rechtzeitige Abholung der Marken auf den Bezirken zwei­mal versäumt haben, müssen bei jeder weiteren verspäteten Abholung für jede Lebensmitteb- ausweiskarte eine Ordnungsstrafe von 50 Pf. zahlen.

** Besitzwechsel. Tas Anwesen tes Metzgermeisters Gustav Kreu der, Neustadt 17, K " Ipolv Schlatt ersehe Lte«rschofl.

8 und 10 gingen für 90 (XX) Mark

in den Besitz des Schlossermeisters Heinrich Schön über. Das bisher Altert Wendel gehörige Haus, Alicesttaße 2, wurde an Louis Marcus, die Besitzung des Revisors B^o h u e , Ludwigsplatz 14, an Metzgerrneistec Karl Schar- mann und die Hofteile Neuen Baue 15 für 54 (MX) Mark an Schreinermeister Karl Zimmermann verlauft.

** Reinhalten der Straßen. Seit neuerer Zeit ist wieder die Unsitte eingerissen, Pa vier, Obstschalen, Obstkerne und sonstige Absä.l. auf Bürgersteige und Fahrbahn zu werfen. Hierdurch werten nicht nur die S raßen verunreinigt, sondern auch Gefahren für Passanten hervorgerufen, die durch Ausgleiten auf Obstresten und terg.eidten zu Falle fommen und sich echeblcch verletzen können. Wir envanen, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um den Uebelstand abzustellen, widrigenfalls die Polizeibeamten mit Strafanzeigen vor gehen müßten.

** Eine Sonnenwendfeier wird am nächsten Sonntag auf Münzenberg veranstaltet. Redner ist Pros. Werner (Butzbach). Näheres siehe Anzeigenteil.

**Der Wartburg-Verein, durch seine Konzertabende in den weitesten Kreisen unserer Stadt bekannt, veranstaltet am Donnerstag, 24. Juni, abends 8 Uhr, in der neuen Aula der Universität einen Kammermusikabend, der nach dem uns vorliegenden Programm sehr genußreich zu werten verspricht. Es gelangen Werke von Jos. Haydn, W. A. Mozart und von L. v. Beet- Hosen zur Aufführung. Näheres siehe Anzeige.

Kreis Lauterbach.

sb. Schlitz, 14. Juni. In der letzten Ge- meinderatssitzung entwickelte der Vorsitzende einen Plan, wie es möglich wäre, die bisher noch teil­weise unbenutzte Wasserkraft der Hoh- müblc für das Elektrizitätswerk a'^.unutzen. Da sich dec Besitzer der Hohmühle bereit erklärt hat, die von ihm nicht benötigte Wasserkraft der Stadt zur Verfügung zu stellen, so schlägt ter Bürgermeister in liebereinftimmung mit ter in Betracht kommenden Kommifsion vor, in ter Hoh- müljle durch die Stadt eine Dynamomaschine aus­zustellen und die erzeugte Energie direkt dem Netz zuzuführen. Die gesamten Kosten des Ausbaues und Umbaues ter An.age übernimmt Herr Rein Hardt, die elektrischen Maschinen und Apparate liefert die Stadt: sie verbleiben in ihrem Eigen­tum.

z. Vom oberen Vogelsberg, 12. Juni. Im Lause ter berg an gen m Woche hat die Heu­ernte hier ihren Ansang gmommen, eine große Seltenhett, da sonst vor Johanni (24. Juni) kein Anfang damit gemacht wurde. Durch die anl.aitente große Trockenheit verspricht aber das Gras kein großes Wachstum mehr. Das Ergebnis steht im gleichen Verhättitis wie im vorigen Jahre.

Kreis Friedberg.

rin. Bad-Nauheim, 14. Juni. Der K u r- bireftor C. v. Frankenberg tritt am 1. Julr von seinem Amt zurück. Zu seinem Nach­folger wurde ter Bankdirektor v. Böhmer zum Bade- und Kurdirektor ernannt. 0. Frankenberg ist in den Ruhestand versetzt.

= Bad-Nauheim ,13. 3uni. Ein weiterer Bad-Nauheimer ist aus fünfjähriger Gefangenschaft in Sibirien zurückgekehrt, Christoph Will, Sohn des Maschinenmeisters Will. Nun werten noch drei Bad-Nauheimer aus russisckier Gefangenschaft zurückerwartet. Die hiesige Ortsgruppe der Reichs­vereinigung ehemaliger Kriegsgefangener veranstal­tete heute in ter Turnhalle einen Unter Haltung s- abend, dessen ansehnlicher Reinertrag dem Sibirier­fonds zugeführt wird. Wegen Zuckerschiebung sind zwei Gebrüder, die den für Gewerbezwecke empfangenen Zucker zu Wucherpreisen anderweitig abgesetzt haben, in Haft genommen worden.

4- Bad-Nauheim, 14. Ium. Tre Säug­lings- und Kinderfürsvrge veranstaltete heute einen Blumenverkaufstag zugunsten unterer not- leidenden Kinder.

4 Bad-Nauheim, 13. Juni. Eine große Aufgabe halte sich der hiesige Vortrags- und Mufik- berein gestellt, intern er gestern abend im Konzert- haus gemeinsam mit dem Kurorchester das beute sche Requiem von Brahms unter Sei 11mg von Musikderik.vr Ferdinand Bischof (Frankfurt a. M.) zur Aufführung brachte. Als Solisten wirkten Frau Quistorp-Wisfig (Leipzig) und Herr Robert Cuntz (Frcmkftirt a. M^ mit. Tas wunderbare Werk, des fen Studium sich der noch junge hiesige Chor in b.onatelanger hingebungsvoller Arbeit und Liebe gewidmet hat, wurde trefflich wiedergegeben und hinterließ auf die zahlreichen Besucher einen tiefen (Sinbrud.

Hcsftn-Nassau.

ge. Esckwege, 13. Juni. Auf bem benach­barten Bahnhofe Nieter ho ne geriet gestern nach­mittag ter Rangierer Hupseld aus Niebechone bei dem Zusammen kuppeln von zwei Güterwagen zwi- fd>en die Puffer und wurde getötet. Wegen Erhöhung der Fleischpreise sind in dem benach barten Wanfried die Metzger in einen Konsu­mentenstreik eingetret n und haben die Ab- naljme ter ihnen zustehenden Fleischmengen« gelehnt.

ha. Hanau, 14 Juni Im Anzeigenteil des ..Hanauer Anzeioeis" veröffentlicht eine Hanauer Firma folgendes A cgelwt: Herren S iete mit Lack- kappen 185 Mk., Echt Chevreaux-Herren-Stiefel, Rahmenlvare, 195 Mk., Herren-Tou-isten-Stiefel, gute solide Ausführung, 187 Mk., Kräfiige Herien- Stiefel, breite Form. 160 Mk, Kräftige Knaben- Stiesel, Größe 3639, 136 Mk, Damen-Stiefel, hoher Schaft, Lackkappen, 178 Mk.. Eleg. Borcalf- Damen-Stiefel, Rahmercarbeit, 215 Mk., Leder- Damen-Stiefel. moderne Form, 125 Mk., Wichs- lebcr Tamen-S i.ftl, holzgeriagelt, 96 Mk., Damen- Stiefel, Bvxcalf, Besatz, 65 Mk.

0 Wetter, 14. Juni. Gestern früh Brann» ten im nahen Treisbach die Gebäulichkeiten des Schreiners und Landwirts Dietrich Dippel völlig nieder. Da nur sehr wenig gerettet werden konnte, ist die Familie in bitterste Not geraten.

Turnen, Spiel und Sport.

75jühriges Jubiläum.

O Friedberg, 13. Juni Die Feier ihres 75jährigen Bestehens beging heute und gestern die Turngemeinde unter Bete ligarng zahlreicher Vereine des 5. Bezirks im Tumgau Hes en. Am Samstag nachmittag fand ein Wetturnen der Schü­ler und Schülerinnen und anschließ-nd daran die Enthüllung ter Ehrentafel bet 21 fürs Vater­land gefallenen Turner statt, wobst Divektv'- Phil- lipps bte Weiherede hielt. Die Stiftungsfeier, die abends im Saalbau unter bem Vorsitz des ersten Vorsitzenten, (Seminarlebtet Thierolf, abtebalten wurde, war von zahlreichen Vercretem der Behör­den und auswärtiger Vereine besucht. Die Gesangs­

abteilung ter Turn gemeinte trug mehvece Cho^ vor und Hanauer und Offenbacher Turngäste wuß­ten durch Kunstturnen am Barren und Reck die Fcstgäste in Erstaunen zu setzen. Der Vet'-stn emp­fing zahlreiche Ehrungen, u a. ließ der Turnverein 1860 Bad-Nauheim c/ne künstlerisch auc>geführte Ehrenurkunde im Eilboten laut überbringen. Als Vertreter des Gaues Heften konnte Redafteur Schneider (Butzbach) an fünf um die Turn fache b? Inders verdiente Mitglieder den Ehcenbrief des Mittelcheinkreises ter Teutschcu Turnerschaft über reichen. Emen Festvortrag über die inlecessantc Geschichte der Turngemeiilte hielt Seminarlchrer Scyuchmami. Heute morgen fanden auf dec Sce- toiese Wettumen an den Geräten, Wettkämpfe der leichtathletischen und ter Fußballabteilung, sowie Wettfechten ter Fechtet des Gaues Rott. Heute mit­tag bewegte sich ein stattlicher Festzug nach ter Seewiese, wo gemeinsame Freiübungen vorgesührt und Schaummen der geübteren Turner des Gaues, Faust- und Fußballwettspiele veranstaltet wurden.

Friedberg, 15. Juni. Am 13. Juni, an­läßlich der 75iähcigen Jubelfeier dec Turngemeinde Frredb:rg, vecansta.tete der dritte Feckitec-Be-ltk des Mittelrh.inkreifes ein Wett- Achten, welches als ein VorpcüiunAsfechten für das bevorstehende Gautumfeft in Giegen gedacht war und sich einer zahlreichen Beteiligung erfreute. Trotz scharfer Konkurrenz errangen die Fechter des Turnvereins 1846 Karl Hergenrötber im beut scheu Säbelfechten den 2. Preis mit 24V3 Punkten und im Florettfechten loser Stellung ten 3. Preis mit 22 Punkten, Hans Noll im deutschen Säbel­fechten ten 2. Preis mit 24V2 Punkten.

me. Frankfurt a. M., 14. Juni. Vor einer Zufchauecmenge von 35 000 Person n wurde am gestrigen Sonntag der Kamvf um die deutsche Fußballmeisterschaft entschieden. Spiel oetcinigimg Fürth rang mit dem Fußballverein Nürnberg, ter tec taktisch beifiTe war. Nürnberg blieb mit 2 :0 gegen Fürth Sieger.

Leihgestern, 15. Juni. An ter Gau turn fahrt des Gaues Wetterau am vergangenen Sonn tag beteiligten sich vom TurnvereinFrisch auf" 16 Wetturner. Es errangen in ter Oberstufe unter 180 Mitbewerbern ten 3. Preis: Heinr. Volk, 11. Preis: Otto Arnolb, 22. Preis: Otto Lub, 30. Preis: Wilh. Amold: in ter Unterstufe unter 540 Mitbewerbern den 2. Preis: Karl Arnold, 3. Preis: Wilh. Will, 7. Preis: Wilh. Dietz, 9. Preis: Karl Jung, 13. Preis: Karl Pauli, 18. Preis, Ernst Reitz, 19. Preis: Georg Arnold, 20. Preis: Max Lilienfeld, 22. Preis: Otto Dietz, 27. Preis: Will). Seipp, 31. Preis: Karl Dill, 34. Preis: Wilh. Arnold.

Lollar, 14. Juni. Der hiesige Rad fahrerverein beteiligte sich mit gutem Erfolg an dem gestern in Krofdorf stattfintenten Feste. Er errang beim Kor so fahren in Klasse A den Ehrenpreis. An der Wanderfahrt nahmen 29 Fah­rer teil.

TurngauW ett er a u". Bei günstiger Wittenlng fanden fick) am vergangenen Sonntag tu Dorheim zur 22. Gautumfahrt 720 Wetturner des Gaues ein. Auf dem schön gelegenen Sportplatz boten sich von 93 Uhr viele Bilder turnerischer Leistungen und sportlichen Könnens. Ein stattlicher Feskug, bem sich bic Vereine tes Gaues vollzählig anschlosfen, bewegte sich mit Musik nach dem Turn­platz. Nack) ber Ansprache des 1. Gau Vorsitzenden Günther aus Bleicheubach wurden unter ber Leitung tes 1. Gauturnwarts Grimmel von den Wetturnern Freiübungen ausgeführt. Der Preisverteilung schloß sich in drei Lokalen ein Tanz an, unter­brochen von turnerischen Darbietungen. Besonders zu erwähnen sind die vom 1. Turnwart des Turn­vereins Dorheim, Herrn Löw, eingeübten Frei- Übungen einer Schüler gruppe, hinter denen ein von Lehrer Fink mit der Damenriege bes Turnvereins Dorheim aufgeführter Lampionreigen nicht $u» rückstanb. Beide Gruppen ernteten reichen Beifall. Das diesjährige Gauturnfest findet voraussichtlich am 18. Juli in Friedberg-Fauerbach statt.

Aus dem -lmtsverkündignngsblatt.

* Das Arntsverkündigungsblatt Nr. 80 vorn 14. Juni enthält: Ausdehnung bet Versicherungspflicht in ter Kranken Versicherung. Arbeiter- und Angestelltenversicherung. Urlaub ber Lehrer unb Ferien. Zahlung ber Abliefe­rungsprämien für Brotgetreibe unb Gerste. Ber bot ber Herstellung von Weißgebäck. Iteichsreise- brotmarten. Schutzimpfungen gegen Schweine rotlauf. Viehseuchen. Warnung Dienst­nachrichten. Felbbereinigungen Queckborn und Heuchelheim. Rein halten ber Strafen.

Za hlung ber AblieferungsprSmien fürBrotgetreibeund Gerste. Die Rerchs- getrcibcfteKe hat angeordnet, daß für sämtliches bis zum 15. Juni 1920 abgeliefertes Brotgetreide und Gerste die Höchstpramie von 300 Mk. für die Tonne gewährt wird, während für die nach dem 15. Juni 1920 zur Ablieferung fommenben Mengen Brot­getreide und Gerste nur eine Ablicferungsprämie ttin 200 Mk. für die Tonne bezahlt wirb. Die Höchstprämie von 303 Mk. wirb nach bem 15. Juni 1920 nur noch in ten Fällen gewährt, wo es fick tem Mengen hantelt, bie 100 Prozent bes vom Kvmmunalverband errechneten AblieferungssollL tes betreffenden Erzeugers übersteigen.

Verbot ber Herstellung von Weiß­gebäck Wie bie Preisprüfungsstelle für Cber> Hessen festgestellt hat, wirb trotz des Verbots tes hessischen Lantesernährungsamts noch W:ißgeback hergestellt. Es wird deshalb darauf aufmerksam ge macht, daß bie Verordnung tes Lantesemährungs« amts vom 29 November 1919 noch in Kraft ist imb demgemäß das Verbot ber Herstellung von Weißgebäck noch besteht.

Vornahme ber Schutzimpfungen gegen Schweinerotlauf Da bie Maul- unb Klauenseuche ständig zunimmt unb in bös­artiger Form verläuft, rotrb bas Fvlgenbe an geord­net: In ten verseuchten Bezirken werten die all gemeinen Impfungen gegen den Schweinerotlauf eingestellt unb die Impfungen auf die Bestände beschränkt, in denen Schweinervtlauf' festgestellt wird. Un'cr bem Schweincb stände tes Friebrich iHofmann zu Steinheim ist bic Schwcineftuche fest­gestellt worben. Die erforterlichert Sperrmaßregeln fmb angeorbnet.

Warnung vorPreisü bersch re i tu n* gen im Schuhmachergewerbe. Die Pveis- prüfungsstelle Oberhcssen warnt hierdurch die An­gehörigen tes Schuhmachergewers^ vor Preis- Überschreitungen und macht a^csdrücklich darauf auf­merksam, daß nunmehr, nachdem die Lederpreise um 20 bis 30 Prozent zurückgegangen sind, der Einsatz ber bei Schuhreparatucen unb Neuanfer- timmn tatsächlich verwendeten Scbermcnge unter Berücksichtigung ter wirk! ch aufgewenbe:^n Preise statthaft ist. Die Beibehaltung ber früher wtleittlich höheren Preise wird von soften der Gerichte und