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Dienstag, 15. Mi 1920

1Z0. Jahrgang

GietzenerAnMer

Nr. 138

Der Siebener Nnzeiqer erscheint täglich, außer Sonn» und Feiertags

Bezugspreis: Monatlich Mark 3.60, vierteljährlichMark 10 80 einschließlich des Bestell­gelds ; durch die Post vierteljährlich Mark 9.75 ausschließlich Bestellgeld. Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; Verlag,Geschäftsstelle 5l. Anschrift für Drahtnach- > ichten: Anzeiger Siehe».

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Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 34 mm Brett- örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Brette 150 Pf Bei Plah- vorschrist 20% Aufichlag. Hauptschriftletter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold 3«n3; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

General-Anzeiger für Oherheffen

Druck und Verlag: vrühl'fche Univ.-Buch- und Steindruckerei K. Lange. Zchriftleitung, Geschästrstelle und Druckerei: Schulstrahe 7.

Ein Kabinett des Wiederaufbaues.

Ein Mitarbeiter derB. Z. am Mittag" hat auf Grund des aufgeworfenen Problems, anstatt eines rein politisch-parlamentarischen Ministeriums ein Wirtchaftskabinctt aus Fachleuten zu bilden, den Abgeordneten der Deutschen Bolkspartei, Generaldirektor Dr. Bögler, als eine der Fnhrerpersönlichkeiten im deutschen Wirtschaftsleben, um seine Mei­nung darüber befragt. Generaldirektor Dr. Bögler machte darauf folgende Mitteilungen:

Die Vorschläge, die bisher für die Bil­dung des neuen Kabinetts gemacht worden sind, verraten die abstumpfenden Einflüsse dec reinen Parteipolitik. Koalitionsrechnungen werden nach allen Permutaiionen aufgestellt, und nur diejenigen ausgewählt, die taktisch für den Bestand der Partei am günstigsten zu sein scheinen. Dadurch ist eine völlige V e r- wahrlosung des parlamentarischen Systems eiugetreten.

Nicht darüber, daß wir in den nächsten Wochen die schwerwiegendsten Verhandlun­gen mit unseren Gegnern in Spaa zu führen haben werden, Verhandlungen, von deren Ausgang alle Volksgenossen in gleicher Weise abhängig sind,

nicht darüber, daß die Wirtschafts­krise, die zahlreiche Betriebe, Jndustrie- gruppen und deren Arbeiterschaft stillznlegen droht, durch eine Steigerung und Ver­billigung der Urproduktion über­wunden werden muß,

nicht darüber, daß die Defizitwirtschaft, bei den Eisenbahnen monatlich zwei bis vier Millionen Mark, sobald als möglich durch eine Reorganisation unseres Ver­kehrswesens beseitigt werden wird,

nicht darüber, daß eine Vereinfach­ung der Verwaltung und schleunigste Auflösung der Kriegsgesellschaften schon aus Gründen der Sparsamkeit dringend durchge­führt werden müßte,

nicht darüber, daß ein Abbau der Zwangswirtschaft eingeiei.et werden muß, der die Produktionsfreudigkeit hebt und den kostspieligen Apparat der Verteilungs- Bureaukratie auflöst,

nicht darüber, daß die Notenpcesse stillgelegt werden muß, wenn wir uns nicht jede finanzielle Gesundung selbst unmöglich' machen wollen,

nicht darüber, daß das S t e u e r s y st e m vereinfacht werden muß, schon damit es über­haupt von der Steuervecwallung durchgeführt werden kann,

nicht darüber, daß zur gründlicheren, vorurteilsfreieren Behandlung dieser dringen­den wirtschaftlichen Maßnahmen ein or­ganisiertes Zusammenarbeiten aller werktätigen Berufs st ände nötig ist,

nein, darüber hat man sich nicht den Kopf zerbrochen. Die schwierigen Ueberlegun- gen der Parteimathematiker gehen dahin, ob die Partei bei der jetzigen Konstellation gün­stig abschneidet. Ein peinlicher Anblick für je­den Wähler!

Dieser Verwirrung muß man entgegen­treten. Der Weg ist vorgezeichnet. Vor der Sicherung unseres wirtschaftlichen Daseins, vor dec Sorge für den Wiederaufbau müssen alle anderen Zukunftsforderungen zurückge­stellt werden. Dementsprechend ist die Focoe- rung der Zeit nicht ein koaliertes Partei­ministerium, sondern ein Kabinett des Wiederaufbaus, dessen Mitarbeiter auch das Vertrauen dec Wirtschaftsorganisationen haben.

Der Reichspräsident hat die ihm von der Verfassung übertragene Aufgabe, einen neuen Mann mit der Kabinettsbildung zu beauftra­gen. Es handelt sich jetzt darum, daß bei dec Auswahl dieses Mannes vorurteilsfrei verfahren wird. Seine Mitarbeiter müssen die sachliche Eignung zum Wiederaufbau, zur wirtschaftlichen Erneuerung Deutschlands, be­sitzen. Der verhängnisvolle Unfug, daß die Parteien dem Ministerpräsidenten ihren Mi­nisterkandidaten präsentieren, muß verschwin­den. Gerade in der jetzigen Lage ist.eine solche engstirnige Pactcihecrschaft völlig unmöglich. Der Ministerpräsident muß seine Mitarbeiter s e l b st a u s w ä h l e n und in der heutigen Lage Wert darauf legen Fachmänner um sich zu haben. Ein solches Ministerium wird eine Mehrheit im Parlament finden. Diese Mehrheiten können wechseln, obwohl bei den praktischen Vorschlägen für den Wieder­aufbau ein sachlicher Zwang vorliegt, dem sich keine Partei ungestraft entziehen darf. Die Partei, die gegen dasWiedecaufbau- Kabinett in kurzsichtiger Opposition stände, triebe Obstruktion gegen die Gesundung uir- serec wictschastlichen und sozialen Verhält­nisse. Ein solcher, von einer festen Ko­alition freier Ministerpräsident wäre endlich wieder in der Lage, zu führen. Da könnten auch Oppositionsparteien in be­

stimmten Fällen mitarbeiten und zustim- men. Die Opposition wäre nicht mehr, wie bisher, in einen dauernden Gegensatz hinein­gezwungen, und: dem Volke wäre geholfen! Jedermann weiß, wir brauchen die Arbeiter­schaft, wir brauchen die Landwirtschaft, wir orauchen die Intelligenz der Industrie, Dau­det, Gewerbe und Beamtenschaft. Also macht ein Ministerium aus Arbeitern, B a u e r n u n d F a ch m ä n n e r n, ein Mini­sterium des Wiederaufbaus! Das wird das Volk begreifen und gutheißen."

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Vorschläge Triml'orns.

Der mit der Kabinettsbildung beauftragte Derr T r i m b o r n setzt: sich zunächst mit den Unter Händlern der Sozialdemokraten, dcn Herren Müller ir.ib Löbe, in B:cbin>ung und fragte sie, wie derVorwärts" berichtet, ob sie einer nach rechts erweiterten Koalition beitreten könnten, wenn das Zentrum darin die Führung übernehme. Nach der Vern'.inung wandte er sich einer zweiten Kombination zu, die mit Einschluß der Bayerischen Vollspattci 2-13 Mandate umfassen würde. Herr Lobe erwiderte, daß die sozialdemokratische Fraktion auch hieran nicht teilnehmen könne. Herr Müller führte daraus aus, eine von solch geringer Mehrheit g-etrag>ens Regierung werde nicht mit der nötigen Autorität nach Spaa gehen könnm. Darauf erwiderte Trim- born, es gebe eine dritte Möglichkeit: pin Block der Mitte, aus Demokraten, Zen­trum und Deutscher Volkspartei be­stehend. Er könne zwar nur 183 Aogeorou te aus­nehmen, viel.eicht aber aus wohl wollende Neutralität der Nachbarparteien r.ch- nen. Die Sozialdemokratie wünsch: doch auch cm regierungsjähiges Kabinett und dürfe eine solche Regierung nicht schroff ablehnen. Sie könne ja einen Fachminister als Sicherheitswache im Ka­binett zurück-assen. Ein al.en genehmer Reichs­kanzler sei vielleicht in &erm Fehrenbach zu gewinnen. Besonders h-er vorgetretene Ver­treter des Großkapitals und des Alldentschtums würden in' einem solchen Kabinett nicht enthalten sein. Da die sozialdemokratische Fvattion zu einer solchen Koalition noch nickst Stellung genommen batte, mußten ihoe Vertreter, wie derVorwärts" berichtet, ihre Stellungnahme vertagen. Genosse Müller habe aber im voraus versich rt, daß eine solche Koalition von der sozialdemokratischen Frak­tion nach ihren Taten beurteilt werden müste und jeder Versuch, auswärtige Politik nach dem Rezept der Deutschen Volkrpartei zu treiben, aufs schärfste bekämpft roerben müßt:. DerVorwärts" überschreibt seinen BerichtKeine Aussicht auf Lösung" und sagt: Auch der weiter ab- ilegende Plan, die Koalition aller bürgerlichen Parteien noch einmal in Erwägung zu ziehen, wird kaum größere Aussicht auf Erfolg haben.

Berlin, 15. Juni. (WTB.) Die Abend­blätter ergehen sich in Vermutungen über den weiteren Verlauf der Ministerkrise. DieVoss. Zertung" bezeichnet es aus Grund von Mit teilungell aus politisch orientiert n Kreisen als unwahrscheinlich, daß Trimborll die Lösung der Krise durch parteipo itstche Kombinationen erstre­ben werde. Vermutlich werde ec daS wirt­schaftspolitische Moment in den Vorder­grund schieben. Im Hinb.ick auf die Haltung der Mehrhritssozialisten sei indessen auch das Scheitern dieser Kombination wahrscheinlich. Als letzte Möglichkeit käme dann bie alte Koalition in Betracht. Lei.diesem Anlaß hüt das Batt her­vor, .daß in dem gestrigen Beselstuß der Sozial­demokraten gesagt werde, daß die Fortsetzung der bisherigen Koalitionspolitik gegenwärtig als un­möglich betrachtet werde. Dieser Gedanke solle offenbar nicht als Absage an Den Kvalitionsgedau- ken überhaupt gedeutet werden. Vstlleickst müsse hier do ernt alles andere versage, der Ausweg aus der Krisis gefeben werden. DieKreuzzei- t u n g" dagegen ist der Meinung, daß der Be­schluß nicht nur die Beteiligung an einer Regie­rung, worin die Deutsche Volcspartei vertreten sei ableljne, sondern auch an einer solchen mit dem Zentrum und der Demokratie.

Das endgüüye Wahlergebnis im Freistaat Hessen.

M. In der Sitzung des Wahlkreisausschusses für den Wahlkreis 22Hessen-Darmstadt" am 14. Juni 1920 würbe folgendes endgültige Er­gebnis der Reichs ügswahlcu festgeste lt: Die Zahl der in die Wählerlisten eingeira. enen Wahlberech­tigten betrug 781 724, die Zahl der Wähler auf Wahlscheine 6808, die Zahl der ungültigen Stim­men 1923, die der gültigen Stimmen 592 622. Es entfielen 3014 gültige Stimmen auf die Kom- munistische Partei, 72 420 auf die Unab - hängige sozialdemokratische Partei, 179 800 auf die so z i a l de m o kr a tis ch e Mehr­heitspartei, 63 873 auf die Demokratische Partei, 95 536 aus die Z e n t r u m s p a r t e i, 94 755 auf die Deutsche Volkspartei, 83 224 aus die Einigungsliste der. Hessischen Volkspartci und des Hessischen Bau - e r 'n b u n d es. Die W a h l b e t e i l i gu ii g betrug demnach 75,4 Prozent geg-n 86,8 Prozent im Jahre 1919. Auf die Kommunistische Partei entsinken 0,5 Prozent (1919: 0,0) der Stimmen, auf die Un­abhängige sozialdemokratische Partei 12,2 Prozent (1919: 1,9), aus die sollalvemokratische Mehrheits- parlci 30,3 Prozent (1919: 44,3), auf die Demo­kratische Partei 10,8 Prozent (1919: 19,0h auf das Zentrum 16,1 Prozent (1919: 17.0), auf die Deutsche Volkspar.tei 16,0 Prozent (1919: 11,2), auf die Hessische Volkspartei 14,1 Prozent (1919: 6,6 Prozent).

Helffcrich

Abgeordneter für Hessen-Nassau.

Braunschweig, 14. Juni. (Wolff.) Nack denBrminfck^veigiu: Neuesten Nachricht, n" teilte Tr. H e l s s e r i ch der Parteileitung . der deutsch- nationalen Partei in Braunsckstvrig mit, daß er aus Grund bestimmter Erlvägimgen ümerhalb der Par^ teileitung sich entschlossen habe, die auf ihn ge­fallene Wah^ in Hessen-Nassau anzunelwien. Damit treten in den Wahlkreisen Bvaunst^veig, Süd-Hannover und Hamburg Ersatzkandidaten an die Stelle Helfferichs.

Erzbcrger.

In der Münck>en-Angsburger Abendzeitung werden die bürgerlichen Reichstagsab­geordneten aufgefvrdert, bei Erscheinen Erzbergers im Sitzungssaal diesen zu verlassen.

Deutschlands Lieferungen an die Entente.

Paris, 14. Juni. (Wolsf.) Die Wiedergut- /machimgskommission teilt über den gegenwärtigen Stand der Kohlen- und V i e h l i e f c r u n* gen Deutschlands laut Versailler Fciedewsvertrag mit, daß erhalten hoben am 31. Mai an Kohlen: Frankreich 4 686 042 Tonnen, von denen 406 000 'Tonnen an Luxemburg abgetreten wurden, Italiens 316 063 Tonnen und Belgien 93 553 Tonnen: Vieh: Frankreich 6547 Pserde, 40 720 Stück Riiwvieh, 67 476 Schafe, 7875 Ziegen, Belgien 3116 Pferde, 43 489 Stück Rindvieh, 32 614 Schafe, 6140 Ziegen und 28 339 Stück Geflügel.

Italiens Wiel ergutmachungssoreernng.

Rom, 15. Juni. (WTB.) Nach Mitteilungen derAgenzia Stefani" beläuft sich die von Italien für die Wiedergutmachung zu forbernbe Summe auf 66 Milliarden Lire. Nitti be- absichtigte, diese Summe den Alliierten bei der Diskussion über die Verteilung der durch Deutsch­land zu zahlenden Entschädigungssumme mitzu­teilen.

Neue französische Uebergrisse in Schlesien.

Beuthen, 14. Juni. (WTB.) In Glei.wi.tz wurde der kaufmännische Beamte der Huldschinskv- U'-erte Bu chwald von zwei französischen Svlbatel' um Ofener gebeten. Er entsprach dem Verlangen. Als er die Hand ausstreckte, um die Streichhölzer zurückzuerhalten, nnrrben die F.anzosen tät.ich uub bearbeiteten Buchwald mit Scitengetvehren und Fußtritten, so daß er besinnungslos liegen blieb und anscheinend mit inneren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden mußte.

Der polnische Korridor.

Berlin, 14. Juni. (Wolsf.) Nach Fertig­stellung der Fahrpläne für die Züge zu den Volksabstimmungen in Ost- und West­preußen bvgaben sich gestern Vertreter des Reichs- verkehrsminifleriums zu den beteiligten deutschen Reichs komm issaren in Allenstein und Marienroer- ber, um den Absümmungskomnnssivnen die Not­wendigkeit der Freigabe des Korridors durch die Polen für diese Züge nochmals auseinander­zufetzen.

Crösinung der verfassunggebenden Versammlung für Danzig.

Danzig, 15. Juni. (WTB.) Gestern nach­mittag wurde im Sitzungssaal des Landhauses, in dem früher der Provinnallandtag tagte, die verfassunggebende Versammlung der zukünftigen freien Stadt Dautzig, der 120 Abgeord- rete angehören, eröffnet. Hierzu er;dienen, d-ec Oberkommissar des Vötkerbuildes, Sir Regüiald Tower, der Generalwmmifsar der Repilb.if.Po­len Dr. von Biesiadecki. der deutsche R-ichs- und p.eußisckie Staatswmmis ar, Regierungsprüsi deut Förster, der Gouverneur der alliierten Streitkräfte ht Danzig. General Haykins, foiuie die ausländisck-en Konsuln. Sir Reginab Tower hielt eine Ansprache. Nachdem der Oberkom- missar bann noch auf die Jutta ftsetzung des Ab­kommens zwisck-en Polen und der freien Stadt Danzig hin gewiesen hatte, das bei der Erklärung Danzigs zur freien Stadt in Kraft trete, erklärte er t>ie verfassunggebende Verfammlmig für eröffnet. Hierauf erfolgte die Konstituierung des Hauses, zu dessen Vorsitzenden der deutsckmativnale Ab­geordnete Generalsuperint-ndent R e i n h a r d t ge­wählt wurde. 3um Präsidenten des ©tabtrate» wurde Oberbürgermeister Saarn gewälstt.

Auslösung öcr östcrreschischen liatioMlyerimrmhmg.

Wien, 14. Juni. (WTB.) In bei* Sitzung des Hauptausschus es ergab sich a.ls den Erklä­rungen al er Redner die übereinstimmende Mei­nung, daß unter den obwattnioen Verhältnissen die Fortdauer der gegenwärtigen Nationalver­sammlung nicht mehr möglich sei. Demgel.:üß wurde einstimmig b'schlosfen, die nöllgn Geetzerttwürse letvesfend Auflösung der konstituieren­den Nationalversammlung und Dnrck>- führung der Nerlwahlen unverzüglich wlsarbeiten zu lassen. Die Beratungen üb'r die Bildung der Regierung werden in d?r nächsten Sitzung des Hauptausschusses sottgesetzt.

Da; neue italienische Kabinett.

Zürich, 14. Juni. DerSecolo" veröffent­licht folgende vorläufige Liste des neuen Kabinetts: Vorsitz und Inneres: Giolitti: Auswärtiges: Sforza; Kolonien: Raggi; Schatz: Bonomi; ^irai^en: Meda; Oes güt­liche Arbeiten: Peano; Landwirtschaft: Mi­cheli; Krieg: de Nicola; 2)14iriiie; Secchi;

Unterricht: Croce; Befreite Gebiete: Rar- neri; Justiz: Fera; Jndusttie: Asesfro; Arbeit und Fur^rge: Abbiate; Post: Ca­mera

Das neue rumänische Kabinett.

Bukareft, 14. Juni. (WTB.) Take Jo­ne s c u unb Bratianu wurden zu Ministern ernannt. Hierdurch erfährt die Regierung Averescrr eine bedeutende Verstärkung.

Die Wirlschastsvcrhandlunüen w.it Rußland.

Paris, 13. Juni. (WTB.) Rach einer Temps"-Meldung aus London soll Kras­sin, wenn die Sowjetregierung nicht die Ein­stellung des Vormarsches der bolsche­wistischen Truppen in Persien veranlasse, aufgefordert werden, England zu verlassen. Die Sowjetregierung habe behauptet, daß sie jede Verantwortung.für die Besetzung von En- zeli und .Rescht ab lehnen müsse.

Die Lage in Persien.

A m ft e r b a m, 14. Juni. (WTB.) Die Times meldet an5 Teheran vom 10. Juni: Kutschik Khati entschied stich i-.ach einigem Sck^vanken für den Leninismus und rief sich selbst in Rescht zum Mi niftcrbräiiberitcn und Kriegsminister ter persischen Smoietregiernng aus. Das deutsche Kon sulat in Täbris wird einem Bericht zufolge noch immer belagert. General Haldane, Oberbefehls' Haber in Mesopotamien, ist in Teheran eingetroffen.

Die BoLfchewisicn in 51iew.

A m st e r d a m, 14. Juni. (WTB.) Eine drahtlose Moskauer Meloung besagt: Die ro­ten Truppen besetzten Kiew. Vor der Räu­mung sprengten die Polen die Wla­dimir-Kathedrale, die Eisenbahnsta­tionen, die Elektrizitätswerke und die Wasserleitung. Diese Maßnahme, die durch keinerlei militärische Notwendigkeit zu begründen ist, hat die Stadt der Gefahr schwe­rer epidemischer Krankheiten aus­gesetzt.

Aus desn Aeicbe«

Das Wahle-cgebnis in Mecklenburg.

Rostock, 14. Juni. (WTB.) Nach dem vor­läufigen Landtagswahlergebnis aus allen mecklenburgischen Bezirken mit Ausnahme von Dömitz, das noch ausjteht, entiattep aus die Mehrheitssoziaästen 15 Mandate, die Deutschnationalen 9, Deutsche Vo kspartei 9, die Unabhängigen 6, den Wirtschastsbnnd 3, die De­mokraten 3 und die Llommunisten 2 Sitze.

Aus Hessen.

Der verweigerte Treueid.

Landgerichtsdirekror K. Leb recht in Mainz wurde auf sein Nachsuchen in Nul)e stand ver­setzt. Lebrecht, der sich noch durch beit Tren - e i d gegenüber der früheren großiherzoglich-hes- sischen Negierung gebimben füllte, Txitie sich g e- weigert, den Eid auf die neue Verfassung, zu leisten. *

rmk. Darmstadt, 13. Juni. Das Hes­sische Justizministerium hat dem Landtage eine Regierungsvorlage bete, den Entwurf eines Gesetzes über Zuschlägezuden Ge­bühren der Notare zugehen lasten, der auf die ständig steigende Teuerung und die hohen Ansprüche der Gehilfenschaft begründet wird. Der Mindestsatz der Gebühren ist von drei auf fünf Mark erhöht, die Gebühr bei Ge­genständen bis 500 Mk. Wert betrügt zehn Mark und steigt entsprechend. Entgegen dec bisherigen Gepflogenheit, prozentuale Zu­schläge zu erheben, wurden die G r u n d gebüh- r e n entsprechend erhöht. Die Schreibgebühi wurde von 80 Pf. jetzt auf eine Mark festge­setzt. Der Pauschsatz wurde von 20 auf 30 Prozent, bei kleinen Objekten auf 40 Pro­zent festgesetzt. Das Gesetz soll rückloirkend bis 1. April gültig sein.

Mus dem besetzten Gebiet.

Schmachvolles Verhalten dcutcher Frauen.

hl. Griesheim, 14. Jmti. Am Mittwoch abend unternahm die hiesige Gendarmcrie und Polizei mit einer französisckien Patrouille eine Streife in der Umgebung des Truppenübuitgs- plat^s, um dem immer mehr zu einem Skandal ausartenden Treiben lieberlichw Weiber Einliolt zu tun. Die Zahl der lieh hier herumtreibenden Weiber beträgt gegen hundert. Sie kommen aus der ganzen Umgegend, im Laster ergraute unb kaum der Sckmle entlassene Mädckwn. Manch werden auch von Kupplerinneit hierher verschleppt Dies Ivar auch bei der vom Kreisamt Groß-Gerau als vermißt ausgeschriebrnm 15jährigen Marth.: Schmuck von dort der Fall. Sie konnte von ihrem Vater hier abgeholt werben. Eine Mutter brachte täglich ihre noch sehr jugeirblichen beiden Töchter hierher und hielt sie zur gewerbsmäßigem Unzuch an. Die Namen von sämtlichm obre Grund sich hier chwumtreibenden F aueusp. feiten wurden fest gestellt unb sollen veröffentlicht werden. Ein gro­ßer Teil derDamen" nmrbe über die Grenze rach Darmstadt abgeschoben. Die Franzosen holen die Weiber nicht, tonnen sie aus dem unbesetzten Gebiet auch nicht Holm unb sprechen von ihm. verächtlich alsviel San".