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Erstes Blatt

UO. Mrgang

Donnerstag, (2. August 1920

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oderhessen

Nr. 188

Dec Siehener Aozeiaer erscheint täglich, außer Sonn- und Fe ertags.

Bezugspreise

Monatlich Mari, 3.60 undMK - 6üTrägerlohn, vierteljahrliaiMarN 10 80 undMk.l.95Trägerlol)n; durch die *Porl viertel, jährlich Mark 12. ausschließlich 'Bestellgeld. Fernsprech. Anschläge: für die Schriftlertong 112; D erlag,Geschäsisstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten Anz.ige- Ssttzev.

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fcnid uüv .lag: Vrühfsche UirtD^Bid^ vnd Stditbruderei H. Lange. Sdfrittkttung, Geschastkstekle und Druckerei-. Schulstrahe 7

Die Lage im Osten.

Utadybem gestern die intkwessanten Wassenslill- standsbeinngungen Sowjetnißlands mitgeteüt wor den sind, frfXt vod) jegliche toeitere Nackwicht, die erforderlich wäre, um die Endziele der Most- teuer Po'tti'er richtig rinzuschätzen S.viel ist siche': England ist durch die Mitteilung der Bedingungen endgültig zu einer obttxrrtcubeti und von Frank­reich abrückcnden Politik gedrängt worden. Mehr und mehr macht sich das Gewicht der Arbeiter­partei geltend, die nicht nur gegen einen Krieg wider Rußland sich einsetzt, sondern auch gegen Blockademaßregeln die Gefahr eines Generalstreiks androht. Temgemäß gab Lloyd George im Unter Hause sehr laue Erklärungen ab, indem er fest- steUte, es sei nunmehr eine völlig neue Lage entstanden.

Ob diese Lage nicht recht bald wieder einen Umschwung erfährt, ist höchst unsicher. Die Bedin- gimgen Moskau- lauten gemäßigt imb ziemlich harmlos. Aber es sind bloß Wassenstillstands- bedingungen, nicht die Bedingungen des Friedens selbst. Man weiß also nicht, welche Urberraschung die Heroen Lenin und Tschitscherin der Welt noch Vorbehalten haben, besonders im Hinblick auf poli­tische Umwälzungen in Polen und auf wirt­schaftliche Forderungen im Fntevesse Rußlands. Sodann fällt noch die Frage ins Gewicht: was wird das Rote Heer noch unternehmen? Heber Ver­handlungen in Minsk, die bekanntlich Mittwoch be­ginnen soUten, liegt noch keine einzige Meldung vor. Dagegen wird berichtet, daß der russische Um­gehungsmarsch im Norden von Warschau noch sort- beuere. Werden die Bolschewisten in die polnische Hauptstadt einrücken oder nicht? Um zu einem klaren Urteil über die Friedensverhältnisse des Ostens zu kommen, müssen also noch eine ganze Reihe von Fragen beantwortet werden.

Königsberg i. Pr., 11. August (Wölfs.) Ueber die Lage auf bem r u ssi sch-p o tn i 1 ckien Kriegsschauplätze wird vor lpenger »mAe-* ridrtcier Stelle mitgeteilt, daß gestern abend noch polnische Posten an ber Straße Neidenburg Mlawa standen, und daß Mlawa ansäxnnend noch von den Palen besetzt ist. Eine Berührung des SoLauer ZipVs hat b'si^er nickst stattgef'mden.

Königsberg i. Pr., 11. August. (Wolst.) Die hiesige Ei enbaimdirektion teilt mit: Die dünge!? über n?e Unterbrechung W Eis.n- bähnVerkehrs mit Ostpreußen sind völlig un­richtig. Bisher hat keinerlei Zugauslall statt­gefunden.

Das UmgehungSmanöver gegen Warschau.

Berlin, 12. Aug. Das Umgehungs­manöver im Norden und Silben gegen War­schau soll, wie den Mvrgenblättern berichtet wird, sich mtt überraschender Schnelligkeit entwickeln. Im Norden sind die Polen bereits bis Soldau zurückgegangeu. Tie Not der Warschauer Bevölke­rung ist.auf ihrem Höhepunkt angelangt, ebenfalls der Wucher. Tie Lebensmittel wurden restlos be­schlagnahmt. Tie Eisenbahnsahrkarten befinden sich in den Händen von Schiebern, die sich für eine Fahrkarte WarschauTanzig bis zu 4000 Mk. bezahlen lassen. Ostpreußenwird von bol­schewistischen Prvvagandisten über­flutet. Tie auf Warschau marschierenden roten Truppen sind gegenüber den polnischen Verteidi­gungskräften angeblich in etwa fünffacher Ueber- macht.

Königsberg, 11. Aug. (WTB.) lieber die Lage aus dem russisch-polnischen Kriegsschauplätze an der Grenze Ostpreußens wird hier berichtet: Mlawa ist endgültig von den Bolsche­wisten genommen. Die Polen zogen sich ans Soldau zurück, in dessen Umgebung sie Befesti­gungen ausheben.

Verschiebung der Schweizer-Reise Lloyd Georges.

London, 12. Aug. (WTB.) Havas. Mit Rücksicht auf die Lage in Polen hat Lloyd Ge­orge seine für diese Woche geplante Reise nach Luzern auf nächste Woche verschoben.

Paris. 11. Aug. (WTB.) Nach einer Ha- vasmeldung, die die Pariser Abendpresse wieder- gibt wird G i o l i t t i mit Lloyd George um den 20 .August in Luzern zusammentrefsen. Tie Begegnung M i l l e r a n d s mit Giolitte fin­det in Aix-les-Bains zwischen dem 5. und 10. Sep­tember statt.

Kommunistische Kundgebungen in Memel.

Memel, 11. Aug. (WTB.) Zwischen kommunistischen Demonstranten und der Polizei kam es gestern abend zu Zusammenstößen. Nach einer Versamm­lung der Kommunisten wollte der Zug sich uach der Wohnung des Gouverneurs Odry begeben, um gegen die von diesem ausgespro­chene Ablehnung der Forderung der Rückkehr drerer im Juni ausgewiesenen Agitatoren zu Demo nitrieren. Die Polizei, die dem Zuge ent- Stgentrat, wurde mit Steinen beworfen. Es Nelen aus der Menge zwei Schüsse, daraufhin m?le Polizei mit der Waffe vor und trieb M^s*SenQe auseinander. Mehrere Polizisten

Demonstranten wurden verletzt.

Memel, 11. Ang. W'TB ) Im Verlaust "cs <ages wurde der GenevalivreiL oligemein. Tie

Arbeiter wurden aus den Betrieben >herausgeholt. I Cs 'handel sich um eine fo m munistische Ak­tion der Betriebsräte, deren Führer zum | erheblichen Teil von auswärts hierher galommen sind. Tie Gewerkschaften fatb vollsiMdig ausge schallet. Tie Verhandlungen den französischen Besatzungsbdhörven führten M keinem Ergebnis. Memel ist ohne Gas, Was'er und Clek trizstät. Tie Zeitungen können nickst erscheinen.

Die englischen Arbeiter gegen den Krieg.

London, 11. Aug. (WTB.) Ter Aktions­ausschuß der Arbeiter, der von der Rede Lloyd Georges nicht befriedigt ist, be- schloß, für Freitag eine nationale Konferenz der GÄerlschaften einzuberufen, um über die von der organisierten Arbeiterschaft zur Bekämpfung des Gegenkrieges mit Sowjetrußland zu besohlende Po­litik, die nötigenfalls auch die Pvoklamierung des Generalstreiks umfassen wird, zu beraten.

Rotterdam, 11. Aug. (WTB.) TerNi- cinvc Rotterdamschc Courant" meldet aus Lon­don : Bei dem Empfang einer Arbeitern b- ordnung durch Lloyd George wurde die Frage an ihn g crichtet, ob cs eine Verletzung der von ben russischen Telcgierten überuommcitcn Ver­pflichtungen barstet len inürbe, wenn Karne new Besprechungen mit einer Arbeiterabordnung über den polnischen Frieden sowie Besprechungen mit polnischen Vertretern haben würde. Lloyd George Ivies darauf hin, daß Kamenew amb Krassin nach London zugelassen worden seien aus die bestimmte Versicherung hm, daß sie keine Propaganda treiben würden. Es ivürden deshalb ,Schwierig­keiten entliehen, wenn die Regierung ihnen jetzt erlaube, sich mit den politischen Parteien in Vcr- binbirng zu setzen. Die Russen würden vollständig als diplomatische Vertreter o^hanbelt. Solche Ver­treter iiuürien niemals! ^aran denken, Vertreter poli­tischer Parteien eines Landes, Ido sie sich befinden, zu empfangen. Im übrigen erklirrte Lloyd George, daß er den Wunsch der 'Deputation, fin: den Frie­den zn wirken, zu würdigen wisse. Er sagte, er würde keine Bedenken dagegen haben, wenn die Abordnung ihre Ideen schriftlich zur Kenntnis Kamenckws brächte.

Englische Pressestimmen.

Am fLerdernt, 11. Aug. (WTB.)Telegraaf" zufolge sirrd die e n g l i s<b e n Blätter in ihren Artikeln über die Rede Lloyd Georges optimistisch gestimmt. Sie nennen die russischen Friedensbedvn- gungen zwar streng, halten sie aber für eine geeignete Grundlage, worauf ehrliche Fricdensv.'rh ndlungen geführt neben können. Allgemein wird di? Hoffnung ausgesprochen, daß eine Einigrmg Zustandekommen möge durch eine endgültige Regelung der europäischen Fragen an einem Konferenztisch, woran die Alliierten, Ruß­land und die anderen Staaten Plätze haben.

DieTimes" lotst die Darlegrmg Lloyd Ge­orges imb nennt seine Verteidigung des Staub Punktes der Al.iicnen offen und IT-ir. Das Batt gibt zu, d- Sowselrußland bas Recht habe, Bürg- scl>aften zu verlangen, um gegen die Möglichkeit eines neuen polnischen Ang i ses geschützt zu fern. Es fügt jedoch hinzu: Rußland hat aber kin Recht, das freie unabhängige Polen von der Erde zu vertilgen.

Zrankreich; Sonöerpolitlf.

Paris, 11. Aug. (Havas.) Tie französische Regiermrg hat den französischen Handels­attache in London angewiesen, iveber Beziehun­gen noch Besprechungen mit Kamenew und Krassin, den Vertretern der Sowjetregierung, zu unterhalten.

Paris, 11. Aug. (Havas.) Tie fran­zösische Regierung beschloß angesichts der militärischen Erfolge, der festen Stellung der Re­gierung des Generals W r a n g e l und der er­haltenen Versickerung bezüglich einer demokrati­schen Form der Verwaltmig als tatsächliche Re­gierung diejenige von Sübrußland an zuerken­ne n. Ein französischer diplomatischer Vertreter wird nach Sebastopol mit dem Titel eines &oben Kommissars geschickt werden.

Paris, 12. Aug. (WTB.) Wie die Morgen­blätter melden, wurde gestern im englischen Unter­hause erklärt, baß die englische Flotte im Schwarzen Meer nicht den Befehl erhalten habe, mit den Streitkräften des Generals Wran- g e l zusam men zuarbeiten.

Paris, 11. Aug. (WTB.) DerEclair" veröffentlicht einen Artikel über die fran zösische Politik gegenüber Deutschland. In diesem Artikel wrrd gesagt: Die industrielle.Macht Frankreichs vcruriachc den Engländern für die Zu­kunft die lebhafteste Befürchtung. Die französische Diplomatie müsse England begreiflich machen, daß Frankreichs Zukunft es zwinge, in Dcutschlanb mit Gewalt vorzugehen und das Deutsche Reich aufzulösen. Tiefe Handlung dürfe die Eng­länder nicht verletzerr, denn sie könne ihren Inter­essen nicht schaden, wenn man Deutschland ent­waffne und es zwing.', eine friedliche Nation, zu Werden. Es sei das das beste Mittel, um mit ihm alle möglichen Geschäfte in Europa und außerhalb Europas zu entwickeln. Frankreich'hab? Rechte auf das Ru hrgebiet, nicht nur die Rechte des Siegers. Wenn die Engländer in Deutschland nicht mittun wollten, würde Frankreich ohne sie Vor­gehen, denn Belgien und Frankreich würden jetzt für die zu erfüllende Aufgabe genügen. Zum Schluß heißt es in dem Artikel: Frankreich müsse Eirgland dahin führen, die Bedingungen für ein Abkommen zu schaffen, das auf folgenber Grundlage ausge­baut sei:

1. Besetzung der Rheinlande und Westfalens und zu größerer Sicherheit Besetzung der Main- linie.

2. Die Verwaltung der Rheinlande muffe durch die Bevölkerung selbst ausgeführt werden.

3. Die Steuern und Zölle in den besetzten Gebieten müßten zugunsten Frankreichs und seiner Alliierten, wenn sie an der Besetzung teilnähmen, verwendet werden.

4. Frankreich müsse eine aktive Politik in Teutschland betreiben, selbst wenn diese Politik zur Wiedereinsetzung der ehemaligen Herrscherhäuser mit Ausnahme der Hohenzollern führe, denn cs sei enviefen, bafi diese Wiederherstellung geeignet sei den pazi- sistisckien Eiirsluß zu verstärken imb ixm Födera­lismus wiederherznstellcn.

5. Im Orient müsse Syrien mit Palästina unter französisches Protektorat kommen. Tic fran­zösische Einflußzo-ne müsse Giemen und Kurdistan mit Mossul umfassen. Jedoch müsse Englanb die wirtschaftliche Entfaltung in Mesopotamien, Ara­bien und Persien zuerkannt werben.

Tie Haltung Rumäniens.

Paris, 12. Aug. (WTB.) Nach einer Radio- Meldung aus Bukarest soll die rumänische Re­gierung eingewilligt Ijabm, daß ein Armeekorps bes Generals Wränge 1 durch rumänisches Ge biet nach Galizien marschiert.

Amerika und die Blockade gegen Rußland.

Amsterdam, 11. Aug. (Wolff.) In der gestrigen UnterHaus si'tzun g fragte Den Tillet, wie sich Amerika zur Frage der Ausübung eines wirtschaftlichen Druckes aus Rußland stelle. Lloyd George entgegnete, es werd? ein Ap­pell an Amerika gerichtet, da es an der Schaffung bes polnisckien Staates mitbeteiligt ge­wesen sei.

Washington, 11 .Ang. (WTB.) Tas Staatsdepartement hat bem i ta He n : scheu Botschafter eine 9lotc überreicht als Antwort auf die italienische Anfrage um die An- si-ch der antcrifaniidxnt Regierung über die pol­nische Frage. Tas Staatsdepartement ant- wortet, daß das amerikanische Voll die territoriale Integrität und Unabhängigkeit Polens aust. cht- zuerhalten wünsche. Tie Vereinigten Staaten lubcit in der Anstrengung gewisser Kreise, einen Waffen- ftillstand hcrbeizuführen, nichts Unangebrachtes, sie wollten sich aber nicht an einer Friedenskonfe­renz ganz. Europas in dieser Frage beteiligen.

Wilson, der Greis.

Tie neuesten Berichte aus dem intimen Kreise des Präsidenten Wilson lauten bal/iii. baß sich feine Gesundheit wieder gekräftigt hat. Daß keine unmittelbare Gesckhr vorlstgt, betveist der Umstand, daß sein Hausarzt, Admiral Gray Grayson, der ihn feit vielen Monaten nicht verlassen hatte, nuu- wchr auf eine längere Badereise gegangen ist, ohne den Präsidenten in die Behandlung eines anderen Arztes zu geben. Wilion hat jetzt verschiedenen Kabinettsfitzungen präsidiert, und der Staatssekre­tär des Sleußeren, Colby, erklärte den Bericht­erstattern, die ihn über das Befinden des Präsi­denten befragten:Er arbeitet mehr und besser, als Irgendein anderer Mann in Washing'on, und Sie können sich auf mich beziehen, wenn man das anzweifelt." Man hat Wilsmi, der ourcb Mo­nate hin nur ganz wenigen Jnttmen sichtbar ivar, jetzt ein paarmal gesehen, wenn er vom Weißen Haus nad) bem wartenden Autonwbil geht. Ter Präsident ist ein Greis geworben. Er ge'hl mühsam an einem Stock: sein Haar ist schneeweiß gcicorben, sein Gesicht zeigt tiefe Furchen, und er sieht viel älter aus, als er mit seinen 63 Jahren tatsäch­lich ist.

Reichsfinanzminister Wirth über die Versailler Bertragspflicht.

Paris, 11. Aug. (WTB.) Ter Sonber- berichterstatter besJournals" Lucien Chassaigne, hatte eine Unterredung mit bem Reichs- finanzminister Dr. Wirth. Dieser sagte: Die deutsch? Regierung habe materielle Beweise dafür gegeben, baß sie den lebhaften Wunsch habe, den Friedens vertrag von Versailles auszuführen. Werrn sich bis zur Genfer Konferenz die Ereignisse nicht wesentlich *6nbem würden, würde man kein Angebot machen. So wie der Vertrag ausgestellt sei, hätte ferne Ausführung folgende Folgen: 60 Milliarden Goldmark solle Deutschland zahlen, davon 20 Milliarden in Waren, die bereits über­schritten worden seien, und 40 Milliarden in Bons. Auf 60 Millionerr Einwohner gerechnet, mache das pro Kopf 1000 Goldmark und nach eem augenblick­licher Kurs 10 000 Papiermark. Also jede Familie von vier Personen werde mit einer Schuld von 40 000 Papiermark belastet. Sie müßte also jährlich 24 000 Mark bezahlen. Zähle man dazu 2000 Mark, um die normalen Ausgaben von etwa 30 Milliarden zu decken, so komme man auf 4400 Mark. Nach der Statistik für Preußen von 1918 hätten nur 81 Prozent Deutsche ein höheres jährliches Einkommen als 3000 Mark. Witth erklärte zum Schluß, man solle die Produktions­kraft Deutschlands ausnützen. Wenn man in der jetzigen Zeit Waren besitze, so sei das von viel größerer Bedeutung, als wenn man GÄd habe.

Danzig.

D a n z i g, 11. Aug. (WTB.) Die verfas­sunggebende Versammlung nahm die Verfas­sung der freien Hausaftadt Dcmzig in dritter Lesung an. Vor Beginn der dritten Lesung er­klärten die unabhängigen Sozialisten uno die Polen, daß sie sich an den Beratungen der dritten Lesung nicht mehr beteiligen würden, da sie bei der Zusammensetzung des Hauses auf Annahme ihrer Anträge nich rechnen könn­ten. In der Schlußabstimmung, die nament­

lich erfolgte, stimmten 68 Abgeordnete für, 44 Abgeordnete (Mchrheitssozialisten, Unab­hängige und Polen) gegen die Verfassung. Dem Schluß der Verhandlungen mohnte der Oberkommissar Tower bei. Der Präsident der verfassunggebenden Versammlung drückte in einer Schlußansprache den Wunsch aus, daß das geschaffene Wert der Verfassung dem freien Staate Danzig, solange er bestehe, zum Segen gereichen werde.

Tic Genfer Konferenz

Berlin 11. Aug (WTB.) Wie von zu­ständiger Stelle mitgetcUt wird, ist her deut­schen Regierung eine Einladung zur Genfer Konferenz bisher nicht zugegangen. Auch über den Termin ist an der zuständigen Stelle noch nichts bekannt.

Norwegische Entschiidigungsfordernngen.

Kristiania, 11. Aug. (Wolff.) Die nor­wegische Gesandtschaft in Berlin bat neuerdings auf Grund von Jnstruk.ionen bes ^ttni- fterium» des Aeußern dem benlfchcn Minist.rinnt des Aeußern eine Note über bi. Entschäbi- «ungs fordernngen infolge bei See - kriegführung zu gestellt. In ber Note wird Mitteilung über die durch die wniglick-c Resolution vom 23. 4. 1920 eingefetzte Kommission zur Prü­fung der Entschädiyu..^sforderunaen gemacht, die Die norwegische Regierung glaubt tn naher Zukunft Vorbringen zu können. In der Note wird daran er­innert, baß bst norwegische Regierung sich feincrzeit Vorbehalten hat, mit näher formulierten Entschädi- gungsforberungen berboryutreten.

Eine unerhörte Gewalttat gegen das deutsche Konsulat in Täbris.

Berlin, 11. Ang. (WTB.) Der deutsche Arzt Tr. Schutz, der nach bem Tobe des Kon­suls Wustrow das Konsulat in Täbris übernommen hat, hatte ben Entschluß gefaßt, bst noch im Konsulat befindlichen Waffen zu ver­nichten, um die Habgier gewisser BevölkerungS- schichten nicht zu reizen. Er batte diesen Entschluß bereits zum Teil ausgesührt, als die persische Körgusa und die Führer ber persischen Demo­kraten in das Konsulat einbrmtgen, ohne dessen Erterritorialität zu respettieven. Mehrere per­sische Ofsiziere überwältigten Schütz und hielten ihn über 12 Stunden gefangen, durchsuchten das ganze Konsulat und raubten alle Waffen. Ter Erfische Regierung sucht die Angclegenliett so dar zu stellen, als ob es sich um eine von der Polizei ausaeführte Maßnahme handele, um die gefahrvolle Vernichtung der Munition durch Schütz zu verhindern. Tie deuts che Regierung be­auftragte ihren Geschäftsträger in Teheran telc- gvaphisch, der persischen Regierung ihre Ent­rüstung über den neuen Zwischenfall auszu­sprechen, und sich bis zum Vorliegen näherer Be­richte alles weitere vorzubehalten. Schütz erhielt die Weisung, sich zwecks Berichterstattung zum Geschäftsträger nach Teheran zu begeben.

Der dcmtsche Botschafter in Tokio.

Berlin 11. Aug. (WTB.) Ter deutsch Botschafter Tr. Sols ist in Tokio angekom­men und hat die Gefchäste der Botschaft über­nommen.

Hungerstreik von Sinnfehlern.

Amsterdam, 11. Aug (Wolsf.) TieTv rncct" melden, daß ungefähr 100 Sinnfeiner, die in den letzten Wochen in das Ge'äiigni's zu Beisaft verbvacht worden sind, in einen Hunger­streik getreten seien. In Clonakbily 'Cork! seien von een Sinnfeiner zwei Solbaten erschossen worden.

Die Auslieferung

des Ränbers Hölz verweigert.

Berlin, 12. Aug. DasBerliner Ta» geblatt" berichtet aus Dresden, daß der Ban­denführer Hölz nicht ausgeliefert wird, do die tschechische Regierung den Stand­punkt einnehme, daß Hölz keine gemeinen Ver­brechen begangen habe, sondern nur politische Vergehen.

Der proteftftrett der Saarbeamten.

Tie Beamten des Saargebietes sind in den Streik getreten. Sie kämpfen im wahren Sinne des Wortes einen Existenzkampf in dem Lande, dessen vom Völkerbund eingesetzte Regierung das Muster von Gerechttgkeit und leÄenschaftsloser Vemuiist sein sollte. Ter Beamtenbund und sieben andere Ängestellteii-Verbäiide des Saargebieies ivamcn ihre Mitglieder vor Sabotageakten, welche das Einschreiten von Militär zur Folge haben könnten. Als es sich darum handelte, die Beamtenschaft des Saargebietes in ihrer wirtschaftlichen und recht­lichen Lage grundsätzlich fest zu, verankern, hatten fick die -Saarbeamten von der Völkerbundesregie rung ein fangen lassen und die Mitwirkung D?-o Reiches bei diesen Bechandlungen abgeiehM. Jetzt werden alle wichtigen Interessen ber -aar beamten teils offen verletzt, teils heimlich unf gangen. So sollten nach dem Friedens vertrag nur gebürtige Saarländer und zwar zu ben in «teun a) tanb bestehenden Bedingungen in den ^arorenlf übernommen werden. Nachdem aber die -^aarreM- rung für sich das Recht tn Ampruch genommen hatte Gesuche um Aufnahme m bie saarlandilche Staatsangehörigkeit durch einfache genehmigen, verstärkt sich daL iranzö fisch-