Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

beiden

bleiben.

W.

hochwaffer.

Hochwasser in Gießen.

-m. Wetter selb, 12. Jan. Infolge der starken Regenmassen, die vergangene Nacht, ver­bunden mit heftigem Sturm, ntebctgingcn, trat die Wetter über die User und setzte den tiefer*

** Tie Woch en karrvffel marken Nummer 13 bis einsOießlich der 52. Woche rneruen bei eiert bei: Siubfad, Karl, Wc^ -Anlage. Tie Marlen iönncn bis eimchl. Mittwoch den 14. Januar 1920 eingelÄst werden.

Beranstaltungen.

Montag: Stadttheater, 7 Uhr, Das Be­schwerdebuch Hotel Einl.wrn, 8 Uhr, Zauber-- abend Bellachini. Lichtspielhaus,Eine tolle Kiste" undDie kleine Stafiewska". Licht­spiele, Seltersweg, ,Jm 100-Kil-o metertempo" und Wer gewinnt, der verliert".

Die Sturzbäche, die in den letzten

Tagen von heulenden Stürmen aus den Wolken herab-gegossen wurden, haben nunmehr auch in Gießen unhrilvo le lieber,dxvemmuncen angerich

tet. Die W i e s e ck ist über die Ufer getreten und hat das ganze Buseckcr Tal mit gelben Fluten zu einem weiten See ausgefüllt. Die Gär­ten auf ihrem Wege zur Löberstr. stehen tv.f unter den Wassern, die fast an die Brückenwölbungen der Straßen Übergänge rühren. Auch die Lahn hat bereits ihr Bett verlassen und sich übet den Juxplatz ergossen und die Krofdorfer Straße un­passierbar gemacht. Die Laim ist zu einem gefähr­lichen Strome geworden, besten weiteres Anwachsen zu befürchten ist. Die Niederschlagsmenge betrug gestern 24,7 Millimeter. Der Sturm (Wiitostärke 8; überschüttete auch in Gießen die Straßen mit ab» gebrodxmen Aesten und Zweigen.

Schon mit der Anlage und Psychologie der Per­sonen beginnen die Mangel."

Die aus der damaligen Besprechung heraus­gegriffenen Sätze bedürfen auch im Hinbleck auf die Krndertragödie keiner Korrektur. Schon eine Wie­dergabe des Inhaltes wird dies erweisen.

Drei Geschwister, älterer Bruder, jüngerer Bruder und Schwester, die in einem Alter stehen, das fern eilen Vorgängen selbstquälerisch nach­grübelt, werden der ehelichen Untreue ihrer Mut­ter bewußt. Bereits im ersten Akte tragen sie ge­nügend Anhalte zusammen, den Ehebruch zu er* "Härten. Aber zwei weitere Akte hindurch werden wir zu Zeugen ihres Nachgrübelns, Nachspürens, ihrer Hoffnungen und Verzweiflungen, ihres Sich- abfindens und ihrer Auflehnung gemacht, bis, über­raschend der Schwächling die verzweifelte Tat des älteren Bruders aussührt und den Liebhaber nie» derschießt. Ties, das unerquidlicbe Motiv pein­licher Bühnen Vorgänge, die direkt abstoß-md wir­ken müßten, wenn nicht Schönh. rr das El ernpaar und den Liebhaber von der Bühne fernhielte. Ob er dies tat, um den Vorgängen das Peinliche zu nehmen, oder, um, wie im Weibsteufel seine Meisterschaft in der Oekonomie der Personen zu zeigen, muß unentschieden bleiben. Jedenfalls bot sich Schönherr durch die Beschränkung der Per­sonen auf die drei Kinder eine weitere Möglich­keit, sein technisches Können zu zeigen: die indirekte Charakteristik der im Hintergrund verbleibenden Personen.

Eine Handlung im eigentlichen @i:me ist also nicht vorl-and-en. Gezeigt werden soll die psycho­logische Enttoiülung lieber Kinder einem außer-- lulb der Bühne liegenden Gesehen gegenüber, das iyr fi:tlid)C£' Gefühl auswühlt und ihr Fas­sungsvermögen übersteigt. Schönherr hat lic Kin­der wirkungsvoll lontrastiert und wertet ihre Kon­trastierende Veianlligung in starken Szenen aus. Der ältere Bruder (Hans Heinz^Heres) ist auf­

Andeutung ihres Wissens. Es ist kein unüber­windliches Schicksal, und es geht ihm jede Gemeingültigkeit ab. Wie zu Anfang gesagt: bet Vorwurf des Dramas ist nur Stofs, kein Problem, das nach Gestaltung verlangte. Im Gründe ge­nommen ist es ein peinlicher Vorgang, der uns nichts angehi. Damit ist das Urteil gesprochen. Hirn, nicht Herz.

Ganz anders die Darstellung. Sie verließ die traditionelle Schauspielbehandlrmg unserer Bühne und sand eine Einstellung, in der man erpressionistischen Hauch verspürte. War er der Spielleitung Hans Ei so l ts zu verdanken? Man möchte es annehmen, denn sie sand auch den Mut zu einer umfassenden Ncuorient.erung des Bühnen­bildes zur Slilbühne hin. Be'.onders eindrudsvoll war hier die karge Herbheit und Strenge des zweiten Bildes, das durch Rahmenvorhänge aus kleinere Dimensionen zurückgesührt war. Die drei Darsteller der Tragödie spielten in seltener Aus- geolichenl)eit und mit letztem Einsatz ihrer Fähig­keiten. Ihr Spiel fesselte daher mehr als die Tra­gödie selbst. Hedwig Ru pv recht, die in der Wildente sich für große Aufgaben befähigt zeigte, erwies sich abermals als eine unserer talentvollsten Kräfte. Besonders gelang ihr, den Umschwung ihres Wesens, den Durchbruch des mütterlichen Blutes, lebendig werden zu lassen. Hans Heinz Her es packte durch kraftvolles Herausstellen des ehrlichen Gebirbssohnes, der mit dem Schicksal ringt wie mit einem körperlichen Gegner. Auch er übertraf damit seine bisherigen Leistungen. Am über­raschendsten hatte sich Franz Braun in die Rolle des iörp.r ich und geistig zurückgebliebenen Bruders hineingefunden. Er stellte nicht dar, ec war. Eines weiteren Wortes bedarf es nicht. Daß ihn inner* liches Gepackt fein mehrfach zu übertrieben starken Ausbrüchen hinriß, möge darüber imbeanftanbe*

versuche unternahmen, wurden mißhandelt. Ern Teil der äußerst erregten Volksmenge zog nach dem Fürstenplatz, um die Staatsregierung heraus­zuholen. Auch hier wurden hetzerische Reden gcaen die Regierung gehalten, besonders gegen den Staatsminister Säubert, der indes im Reqi-erungs- gebäüoe nichr anwesend war. Nach zweiltündigcn Demonstrationen zerstreilte sich die Menge Das Ergebnis der Verhandlungen soll später im Volks- Hause bckcmntgcgeben werden. Ein greisbares Re­sultat ist aber nicht vorauszusehen, da nach den Regierungserklärungen das Fehlen der Ka.toffeln und Kol,len auf die T.ansport^hwierigkeiten zurück­zuführen ist.

Außerordentliche Maßnahmen in den kegjerungrdejjrlen Düsseldorf. Arns­berg. Münftck und Minden.

Berlin, 12. Jan. (WTB.) Der Reichspräsident erläßt mit Zustim­mung des Reichsministeriums eine Verord­nung zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in den Regierungs­bezirken Düsseldorf, Arnsberg, Münster und Minden, wonach die in der Verfassung vorgesehenen Beschränkungen der persönlichen Freiheit usw. zulässig sind, die vollziehende Gewalt aus den Reichswehr- mi n i ster übertragen wird, die Weisungen des Mililärbefchlshabers mit Zustimmung des Regierungskommissars erfolgen und Strafbestimmungen getroffen werdeir. Zum Militärbefehlshaber wurde General Mat­ter und zum Regierungskommissar Reichs- kommissar S e v e r i n g ernannt. Die Verord­nung tritt sofort in Kraft. Gleichzeitig un­tersagt eine Verordnung des Militärbe­fehlshabers die Stillegung lebens­wichtiger Betriebe, also öffentlicher Verkehrsmittel, sowie der Anlagen für die Gas-, Wasser-, Elektrizitäts- und Kohlenver­sorgung. ________

Aus dein Uelehe.

Die Reichstagsneuwahlen.

Berlin, 12. Jan. DieKöln. Volks- zeitg." schreibt: Zur Frage der Reichs­tagsneuwahlen wird einer Berliner Korrespondenz von gut unterrichteter parla­mentarischer Seite mitgeteilt, daß die Negie­rung die Zeit unmittelbar nach Pfingsten, also Ende Mai oder Anfang Juni für die Neu­wahlen in Aussicht genommen und den Mehr­heitsparteien dahingehende Jnformalinoen für die Vorbereitung zum Wahlkampf ge­macht hat.

Die preußische Lanvesverfammlung.

Berlin, 12. Jan. DieKöln. Ztg." schreibt: Die preußische Landesver­sammlung wird infolge der E i s e n b a h - nerbewegung vom Präfidenten im Ein­verständnis mit den Fraktionsvorständen nicht einberufen werden. Die Mehrheitsparteien stehen mit den Führern der Bewegung in enger Verbindung.

Eine interessante Aussprache im Reichsrat i über Die neuen Steuervorlagen.

Berlin, W. Jan. (WTB.) Der Reichsrat verwies in seiner heutigen Sit­zung die Entwürfe desKörperschaftsge- 1 etzes und des Ergänzungssteuerge- setzes an die zuständigen Ausschüsse und will diese Vorlagen bis 16. Januar erledigen, so daß sie am 17. in der Nationalversammlung beraten werden können. Die Vertreter Preu­ßens, Sachsens und Bayerns hielten eine gründliche Prüfung dieser wichtigen Vor- " lagen für nötig. Minister Erzbergerfor­derte ihre Beschleunigung, weil sonst nicht alle Steuergesetze am 1. April in Kraft treten könnten. Er sprach die Möglich- 1 keil aus, die Gesetzentwürfe unter Um- 5 gehung des Reichsrates direkt an die Nationalversammlung zu bringen, was der Vertreter Preußens für verfassungsmäßig nicht möglich erklärte. Der Minister machte dann noch Mitteilung von der Bewilligung der Erhöhung der laufenden Teuerungs­zulagen für die deutsche Beamten­schaft um 150 Prozent bis zum 31. März.

Kuudgebuugcn und Ausschreitungen in Weimar.

Weimar, 10. Jan. (WTB.) Deute mittag sand eine große Demonstration wegen der Kohlen- imb Kartosteinot statt. Ein etwa 6000 Personen zählender Demonstrationszug aus allen Bevölke- nmgskreisen zog unter Vorantritt von zwei Mufik- kapellen nach dem Vtarktplatz. Während eine Depu­tation im Ratlxmse mit dem Oberbürgermeister und dem Be irksbircktor verlmndelte, re. ü.ten halb­wüchsige Burschen und auswärtige Agitatoren Ausschreitungen. Sie zertrümmerten eine Anzahl Fensterscheiben des Rathauses und ver- suchien das Rat^airs zu stürmen, was ihnen jedoch nicht gelang. Einige Personen, die Beruhigungs­

recht, gerade, ehrlich, veranyvortungsbcwußt, ein Tatmensch, der die Fortdauer eines Verbrechens Verbindern will, aber vor der Verantwortung der Tat zurückschandert. In seiner ganzen Wesensart wohl ein Abbild seines Vaters, des naturwüch­sigen Försters. Ter iunaere Bruder (Franz Brann) ist eine jüngere Ausgabe des Mannes imWeibsteufel", ein Saugflaschenmanderl ein Küchenhockler, ter von der Mutter verhätschelt wird. Daß ibn ite Mutter sich aus den Füßen schickt, macht ihn bösartig und vachesüchtig. Er empfindet weniger den si.tlichen. Fehltritt der Mutter, als seine eigene VernackMfigung und Zurücksetzung. Er ist der Unverantwortliche und begeht als sol- dyer die Tat, die benti Bruder im letzten Augen­blick Deranlwor ungsZesühl unmöglich macht. Tie Schwester (Hed.vig Rupprecht) ist ein noch un- aus<fewach''ener Weibsteufel, ein vollblütiges, troll* saftiges Kind, das die Schuld der Mutter als be- frrnteenb unverständliche Erregung im eigenen Blut empfindet, bis in ihr selbst der sinnliche Funke auf bringt und sie als ©benbilb ihrer Mutter dem Rausch der Sinne sich preisgibt. Selbst schul­dig geworden, füllt sie sich wiederum zur Mutter l.ingeyogen und fülilt sich ihr gegenüber als ver­stehende Geschlechtsgenossin.

Es hand.lt sich also auch mehr um eine psycho­logische Schilderung, als um eine psychologische Entwicklung. Es wird gezeigt, wie scharf abge- grenzte Charaktere auf bestimmte Reizungen, die alle in der gleichen ansteigenden Kurve liegen, reagieren. Nack) Schönherrs Art sind die Charak­tere in theatralischem Zuschnitt überzeichnet und zu ständiger Sbontraftroiriung vergewaltigt.

Der Hauptfehler der Tragödie ist, daß das Schicksalbewegende nicht veranschaulicht wird. Es maltet ein unsichtbares Schicksal, ab^r der Ver­gleich mit der griechischen Moira ist undurch­führbar. Dieses Schicksal wäre auch mit den Kräf­ten der Kinder aufzuhalten, lediglich durch eine

** Amtliche Personalnachrichten. Kreisdirektor Muhl, Darmstadt wurde durch Ver­fügung des Ministeriums des Innern mit Stell­vertretung des Kreisdirektors zu Erbach L O. beauftragt. Die auf Grund des Artikels 7L Absatz 2 des hessischen Volks Schulgesetzes bestellten Schulleiter (Hauptlehrer, Oberlehrer, Rektoren) führen ab 5. Januar, vorbehaltlich dec zu erwar-- tenben Regelung durch das Reich, einheitlich die Amtsbezeichnung Rektor.

** Eine Gießener Opernwoche. Der gesamte Opernkörper des Hessischen 2an=; destheaters in Darmstadt wird in der dritten Februarwoche nach Gießen kommen und drei Opern sowie ein Symphoniekonzert int Stadt­theater zur Aufführung bringen.

** Konzertverein. Mit dem am Freitag den 16. Januar in der Aula stattsindenden Kammermusikabend be­ginnt der Kvnzertverein die zweite Hälfte seiner winterlichen Veranstaltungen. Bedeutete» die vorhergehenden Konzecte Höhepunkte künst­lerischer Darbietungen, so sollen ihnen die folgen­den in der Neuwahl der Künstler und des must- kalischen Stoffes nicht nachstel-en. Für die Kammer­musik, die dieses Mal aus Berkehrsnöten aus­nahmsweise auf einen Werktag verlegt werden wußte, ist das ©cbörg quartett gewonnen worden. Tie Vereinigung ist aus dem früheren Brüsseler Schörgguartett bet do r gegan­gen und hat bisher in zahlreichen Konzerten den Ruhm ihres Vorgängers von neuem erblühen lassen. Am Mittwoch den 28. Januar findet alsdann in der Stadtkirche zum Gedächtnis unserer Gefallenen die Aufführung des weihevollen, muft- kalisch ergreifend schönen Brahms scheu in Wort und Sinndeutschen" Regutems statt. In ihr wirken unter Herrn Prof. Traut- rn a n n s Leitung der Akademische Gesang­verein, mehrere Solisten, die wesentlich ver­stärkte Rei chswehr kapelle samt Orgel mit. Weiterhin folgt am Sonntag, 8. Febr., in der Aula ein B e e t ho v en -K1 a vrer- abend des ausgezeichneten Pianisten Edwin Fischer aus Berlin und am Sonntag den 15. Febr. ein Solistenabend mit dem hier so beliebten Violinvirtuosen Prof. Josef S z i g e t i aus Genf und Prof. Trautmann am Klavier, lieber die vorgesehenen orchestralen Veranstaltm^ gen werden besondere nähere Mitteilungen noch rechtzeitig erfolgen.

** Höchstp reise für Brenn* und! H e i z st o f f e sind aus dem Anzeigenteil un­seres heutigen Blattes zu ersehen.

** Bekleidung für Minderbe­mittelte. Die in der Bekanntmachung vom 6. d. M. bekanntgegebenen Verkaufspreise werderl um 2 Proz. erhöht. Näheres siehe Bekanntmachung.

** Entlassungsanzüge. Wir verwei­sen auf die Bekarmtmachung im heutigen An­zeigenteil. In ihr werden u. a. alle Leute, die 7wch Ausrüstungsstücke (Tornister, Brotbeutel, Rucksack usw.) im Be itz baten, aufgeforbert, diese lmverzüglich an die V^rsorgungstelle Gießen, 2k- lleidungsalsteilung, abznliefern. Gesuche von heim- getelwtcn Kriegsgefangenen auf Umtausch ter etwa im Durchgangslager echaltenen schleckpten Beil.-i- dungsstücke unter 3/5 Trag wert dürfen nur inner­halb 3 Wochen nach der Entlassung angenommen werden.

**DieStudentengruppederDeut- schen Volt spartet ha.te gestern, abeito die Studierenden zu einem Bortragsal^end ihrer Partei etngrlaben. Zum ersten Male geschah es, daß die Ne ie Aula zu einem parteipolitischen Zwecke zur Berfügimg gestellt wurde. Aus diesem Anlaß lei­tete Prof. Tr. Gmelin den SLeitb ein, indem er als Bertteler des engeren Senats den aufjer- gcwöl)ulick)en Entschluß rcchtfertigle. Die Prosef- soren Dr. Eigener und Dr.> Schian ent­stielten darauf in lichtvollen Darlegungen das Programm der D. Bp. aus ihren geschichtlichen Grüi'.den herauf bis zu den Forderungen und , Zielen, die aus der augenblicklichen Lage gegeben seien. Beide betonten die Stellung ihrer Partei als tje einer wachsamen Oppvfi ion und frucht­baren Krittk . Das ergebe sich daraus, d. sie keine > an der Regiemng unmittelbar bct.iligte Partei , seien, dafür aber freien Blick und freie Bewe-

Gietzener Stadttheatee.

Kindertragödie.

in drei Akten von Karl Schönherr. Gießen, 10. Januar.

Als vor wenigen Jahren Schönberrs Weibs- tenfel in Gießen zur Ausführung gelangte, haben wir uns an dieser Stelle mit Schönherr und seinem Drama ausführlich auscinanderg^'setzt. Es ist nicht intmterejfant; ans der damaligen Besprechung einige Sätze zu toieberbokri, die auch diesmal ihre Gelttmg b galten. Es hieß damals:

Der Vorwurf des Dramas ist tatsächlich nur Stoff, fern Problem, das irgendwie Kur Gestal­tung hindrängte. Er bietet vielleicht bie Möglich­keit zu drastisch wirkenden Bühnenvorgängen, aber nicht die Grundlagen zu einem lvahrhaf en Drama. Ein solcher Vorwurf ist ein mathemat sch:s Rechen- exempel, eine Schachpartie mit der sicheren Bercch- mmg, nach dem four.tfjoiilten Zuge matt. Finden wir ims nun einrital nut der Tatsache ab, ein starkes dramatisches Können hat sich dieses Stoffes be­mächtigt und werfen wir die Frage auf, wie hat er ihn gestaltet. Rein äußerlich tritt zunächst die -technische Meisterschaft l-ervor, mit der Schön Herr es zustonde bringt, mehrere Auszüge hindurch mit nur drei Persionen rine fast nie nachlassende Spannimg aufrechtzuerhalten. Es fesselt die G-'schicklichleit des drama!i,ch?n Auf­baus, die primitiven Mittel der Charaktori^ierungi, die Bodenständigkeit der Sprache (bis auf rein literarische Wendungen), es f.fielt die Einbe stehung der i'dKinbar nebensächlichsten D.tails in die große Richttinie, das Ausschalten jeder Abschweifung, jeder Ablenkung, das rücksichtslose Bloßlegen der Instinkte uni) Impulse, in einem Worte das un­erbittliche Hindrängen auf das eine Ziel. Im Grunde genommen sind das aber alles literarische Qualitäten mehr ober ioeniger technischer Art.

liegenden Teil unseres Ortes unter Wasser. Tre Keller mus/en geräumt werden und das Vieh und die Kleinllere aus ihren Stallungen geljult und in beh höher gelegenen Häusern müergebracht

Marburg (Lahn), 12. Jan. (WTB ) Tas Lah n - und O h m t a l sind seit gestern überflutet.

['JO? ar bürg. 11. Jan. Zum zweiten Male innerhalb kurzer Zeit ist das Lahn - und Oym- tal.lig überflutet. Diesmal ist die Ueberichwem- mirng noch umfangreicher wie kürzlich, weil der durch die vorjährige Trockenheit für Wa icr, feyr aufnahmefähige Erdboden mitt.erweile vollge.vgen ist. Das weite Wiesental bei K i r cn l) a t n bildet einen großen See, aus dem Amöneburg wie eine Insel berauäragt. Inwieweit die im Der- gaitgencn Jahve in Angriff genommenen yteguac- rungsarbciten her Ohm durch die gewaltigen Wassermassen gelitten haben, läßt sich noch nicht seststellen. Auch nördlich und süd.tch unserer ^>tabt, besonders zwischen Riederw.imar und Fronhau^en, steht das ganze Lahntal unter Wasser.

Koblenz, 12. Jan. (WTB.) Wie dieKöln. Ztg." meldet, ist nach den Stürmen und den an­haltenden Regcnfällen der letzten Tage wieder Hochwasser zu befürchten. Die Anuwhner des Rheins tun gut, sich danach zu richten, zumal eine Aenderung der Witterung nicht anzunehmen ist.

Köln, 12. Jan. LautKöln. Ztg." ist der Rhein von gestern nachmittag biH heute früh um zirka 20 cm geftiegen.

Köln, 12. Jan. Wie dieKöln. Bolksttg." meldet, ist die Mosel seit gestern um 2 Meter gestiegen und steigt stündlich um 1012 cm.

Trier, 12. Jan. Wie dieKöln. Bolksztg." meldet, zeigte der Pegel gestern abend 2,11 Meter. Heute früh betrug der Wasserstand 4,14 Meter. Der Fluß steigt ständig weiter.

Aus Sta't und Land.

Gießen, den 12. Jan. 1920.

Volkshochschule.

Heute abend 7 Uhr wird das neue Semester Lurch eine kleine Feierlichkeit (Mus.'kal. Tarl-ietung, Anipvache) int Singaal der Ober» Recl.chule eröffnet. Im Anschluß daran be­ginnt so fort lic Arbeit.

Ter Arbeitsplan umfaßt ßolgiende A r b e 11 s- gemein schäften: Montag: (Shenrie, 2B\lt# anschouungsjragen. T ienstag: Deutsche Ma­lerei im 19. Jahrhundert. Geld-, Bank- und Börsetmreien. Mittwoch: Jesus und die Gegenwarl. Magnetismus und Cl:k rizität. Wirt- sckrafts- und Ver.ehrsg2i.-graphie Cuv p. s. Donnerstag: Das Recht des bürgerlichen Ge­setzbuches. Gesteinskunde. Häusliche Erziehungs­fragen. Freitag: Goethe. Tie vrdcn liehen Gerichte des Deutschen Rcick>es. Rew.lution. Ferner finden znxi Vortragsreihen statt: Dienstag: Die Farben in der Baukunst. Donnerstag: Zeitungswe'en. Die Arb<i sge- Tnein'id>af en fegtonen jewe ls um 8 Uhr, die Vor­trags reihen um 7 Uhr abends.

Tie Arbeitssenieinsck)ast über Geld-, B a nk- undBörsenwesen kann erst amTiens- ta g den 27. Januar beginnen. Tie aus­gefallenen Stunoen werden nachgeholt.

Anmeldungen zu säm lichen Kursen wer­den abends vor und nach den Stunden in der Ober-Ncaljchule en t gegengenommen ober in den Sprech st unden der Geschäft sitclle.

Alles Nähere ist aus dem Verzcickmis der Vor- tvagsreilen und Arbritsgemeinschasten ersichtlich, das in allen Buchhandlungen zu haben ist.

Gültige Lebensmittelmarken

für die Zeit vom 12. bis 18. Januar 1920.

Brot: 2300 Gramm Brot.oder 1580Gramm Mehl. Brot Kilogr. 1,18 Mk. Weizenbrotmehl Kilogr. 1,44 Mk.

Butter: Marke 2. 80 Gramm Margarine zu 90 Pf.

Fleisch: Wochenabschnitt 2. Metzger für Fremde: Josef Kollmann, Creduierstraße 18.

Zucker: Für Januar noch nicht eingetroffen.

Nährmittel: Für Januar noch nicht ein­getroffen.

Nährmittel und Zucker für Zuge­zogen e: Hch. Heyne. Walltorstt. 5, H. Lublinski, Dammstr. 41, C. Schwaab Nachf., Settersweg 23, Th. Schlierbach. Frmlkfurter Straße 9, M. Schäfer Witwe, Kaiser-Allee 4.

Zucker für Kranke: C. Schwaab Nachf., Seltersweg 23. .

Nährmittel für Kranke: Hch. Dnesch, Seltersweg 70.

Mehl für Kranke: Kilogr. 1,70 Mk., Emil Dörr, Großer Steinweg 14.

Nährmittel und Zucker für Fremde: Karl Rüdersdorf, Bismarcksttaße.

Seife: Marke für Januar 1920. Anteil 125 I Gramm K.-A.-Seifenpulyer, das Pfund zu 2 Mk.

Unsere Brotgetreiötoerforgung.

Berlin, 10. Jan. (WTB.) Unter der Ueberschrift:künftige Wirkung der Lieferungsprämien" schreibt die Deutsche Allgemeine Zeitung u. a.: Was die augenblickliche Lage anlangt, so soll nicht ge­leugnet werden, daß sie, wenn man lediglich die Laaerbestände der Neichsgetreidestelle ins Auge faßt, bedenklich erscheinen könnte. In sachlicher Hinsicht darf nicht vergessen werden, daß aus den jeweils bereits in den iben der Reichsgetreidestelle sich befindlichen Vor­räten nicht zu weitgehende Schlüsse gezogen werden können. Es sind in jedem Falle auch die Andienungen in Betracht zu ziehen, die bei der Reichsgetreidestelle Vorlieben. Nach den in den letzten Tagen bei der Neichsgetreidestelle eingelaufenen Meldungen zeigt sich eine all­mähliche Steigerung der täglichen Andienun­gen. Man wird darin bereits den Beginn der Wirkung der Ablieferungsprämien zu sehen haben. Daraus ergibt sich die begründete Aus­sicht, daß auch weiterhin die Brotgetrei­deversorgung durchaus g e s i ch e r t wer­den kann. Es ist dabei noch besonders in Be­tracht zu ziehen, daß in jedem Versorgungs­jahr die Hauptablieferungszeit auf die zweite Hälfte des Januar und die ersten Wochen des Februar traf. Was nun den weiteren Ver­lauf der Versorgung bis Schluß des Wirt­schaftsjahres anlangt, so ist niemals ein Hehl daraus gemacht worden, daß wir mit den Mengen deutscher Ernte nicht über das ganze Versorgungsjahr ausreichen werden. Die Ge­treide- und Brotversorgung für Frühjahr und Sommer wird also nicht nur abhängen von der weiteren Durchführung der innerdeutschen Ablieserungsmaßnahmen, sondern auch von dem Ertrag der zumeist im Monat Januar und Februar zur Aberntung kommenden überseeischen Getreideerträg e. Um | aus ihnen die für Deutschland notwendigen Ernährungsbeiträge heranzuholen, bedarf es aber auch der Bereitstellung entsprechender Zahlungsmittel. Auch diese ist bereits in die Wege geleitet. Die kurz vor Jahresschluß er­gangene Verordnung über die Ausfuhrkon­trolle ermöglicht nunmehr nicht nur eine Ein­schränkung des sogenannten deutschen Ausver­kaufs, sondern auch einen klaren Ueberblick über die Ausfuhrmengen und Ausfuhrwerte und damit aber auch einen Ueberblick und ge­wisse Verfügungsmöglichkeit über die dadurch geschaffenen Devisenwerte.