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Ares Statt «nd Land.

Gießen, d« 6. Te^ 1920.

Die neue Oet-Nasseneinteilung und die amtlichen Lcuerna-ozahle« für Hieße».

Die Ortsgruppe Metzen des Deutschen Bewm- ten-BirndeS schreibt uns:

Die deutsche BMnrtenschaü begleitet mit größ­tem Interesse die Verhaudlungen über Ausstellung eines neuen Ortsklassenverzeichnisses. Tie Gießen nohrihaften Boomten haben ganz befortbere Veran­lassung, der Einreihung ihres Wohn- und Dienst- ortes im neuen Ortskbanenverzeichnis mit Span­nung entgegenzusehen, da Gießen bisher zu Un­recht mit billigeren »Städten und sogar cd d in Sorten der Ortsklasse 0 zugeteilt war. t£in Erlaß tm Deutschen Reichs- und Preußischen Staatsan zeiget: vom 12. August 1920 kündigt zwar leider an, daß das neue Ortsklassenverzeichinis l e - b i g 11 d) auf Grund der amtlich-statistischen Ermittelungen erfolgen soll, also ohne Mitwirkung der örtlichen Bomnlenorganisation. Es darf aber trotzdem noch erwartet werden, daß die von den Gießener Peamlenvertretungen zur Aufklärung der maßgebenden Stellen seit Jahren geleistete Arbeit diesmal dazu fuhren wird, eine gerechte Behand­lung in dieser Frage zu erreichen. So hat doch schon der LaudtagSabgeordiicte Köhler-Langsdon in einem längeren Aufsaß im Gießener Anzeiger vom 16. März 1909 sich für Hebung Gießens in tue OrtÄliasie B entschieden, wobei er erwähnt, daß die hessische Regierung in dem damaligen Entwurf Gießen und Darmstadt aus Grund der amtlichen Eohebungen im Jalsre 1907gleich- gestellt hatte, wcsl-ilb auch das hessische Woh- nungögeldzuschußgeseb vom 28. März 1907 eben­falls Gleichstellung sestsctzte. Jnfolgedesien bezogen die Bolksschullehrer für Gießen seit 1908 einen Wohnungsgeldzuschuß von 600 Mk., während die Deiä's- und preußischen Beamten nur 520 Mt. er­hielten. Mar es sck>on damals ein Unrecht, Gießen in die Ortsklasse C einzureihen, so wäre es fetzt eine neue Schädigung aller Reichs- bzw. Staats­beamten in Gießen, wenn die höhere Einreihung wieder ausbliebe, trotzdem Gießen durch die Reichs­regierung seit April'1919 in die Liste der teueren Orte ausgenommen ist, wodurch doch anerkannt 'wurde, daß die Verhältnisse ui Gießen nicht mehr denjenigen der übrigen Städte tn Orts­klasse G gleichzuachtcn sind, vielmehr Einrethuirg Gießeiis in Ortslbasie B gleichberechtigt erscheinen muß.

In dem im vorigen Jahve gesammelten Ma­terial znm Beweise der tatsächlichen Teuerungs- Verhältnisse in Gießen mißbilligten sowohl die Provmzialdirektion als auch der Oberbürger­meister die Einreihung Gießens in die Orts­klasse C und befürworteten bie Aufnahme in die Liste der teueren Orte und Ortsklassen. Beide Stellen bemerken ausdrücklich, daß die Zeiten vorbei sind, in denen Gießen gegenüber Darmstadt als billigere Stadt angesehen werden konnte. Im Hinblick auf diese beiden Arußermigen der allein maßgebenden Behörden muß es deshalb höchst erstaunen, wie spätereamtliche" Erhebun­gen au Ergebnissen führen tonnten, die die Ein­reihung Gießeiis ht B fraglich machen sollen. Wie ober oben schon erwähnt, sollen allein die amtlich fest gestellten Teueriawszahlen für die Klasseneinteilung maßgebend jein, so daß große Gefahr besteh^, daß das seit 1909 der Gießener Beamtenschaft voventhaltene Recht auf höhere Ein­teilung auch diesmal nicht gewährt wird.

Die Ortsgruppe Gießen des Deutschen Beamtenbundes, m der über 2000 Beamte ver­einigt sind, kann diese amtlichen Zahlen nicht als Grundlage für eine so wichtige Maßnahme aner­kennen und fordert drinaend, daß die seit 1909 bestehende Härte endlich beseitigt wird. Die Gießener Beamtenschaft hat den Land- und Reichs­tagsabgeordneten aller Parteien dos gesamte Ma­terial bereits anfangs Oktober zugesandt. Jetzt liegt das letzte Wort vor der Entscheidung bei den Herren Abgeordneten und ihren Parteien. Die Beamtenschaft, die jetzt noch in allen Parteien organisiert ist, verfolgt diese Angelegenheit mit großem Interesse, da die Ortsklassmeinteilung Und der sich daraus ergebende Ortszuschiag noch nie so einschneidend aus die Besoldungsordnung ein.wirken tonnten, wie diesmal. Den Parteien und ihren Vertretern ruft deshalb die Gießener Be­amtenschaft in letzter Stunde zu:

Gedenket der zu Unrecht schmachtenden Be- amtenscknrft Gießens, gedenket aber auch der politisch fühlenden Beamtenschaft, jetzt und bei den kom­menden Wahlen."

WeihnachtSpakttverkehr.

Bei den zuM Teil noch bestehenden Betriebs- fchNieriäkeiten, die sich für die Postverwaltung namentlich aus dem Mangel an Beförderungs­gelegenbeiten ergeben, läßt es sich nicht umgehen, wie in den Vorjahren, *ur Bewältigirng des Weih- nachtspäckereivettehrs für kurze Zeit eine Be­sch r änkung der Wertpa ketbeförde- r nn g eintreten zu lassen. Für die Zeit vom 13. bis einschließlich 24 Dezember werden deshalb die Postanstalten zur Beförderung unter Wertangabe von Mehr als 500 Mark von Privatpersonen nur solche Pakete annehmen, die abgesehen von den den Jnbalt betreffenden Mittelungen aus­schließlich bares Geld oder Wertpapiere, Urkunden, Gold, Silber, Edelsteine oder daraus gefertigte Gegenstände enthalten. Wertpakete von mehr als 500 Mark mit anderem Inhalt müssen während der angegebenen Zeit von der Versendung unter der höheren Wertangabe ausgeschlossen werden. Die Sperre erstreckt sich, nicht auf Wertpakete bis 5 00 Mark sowie auf Eilsendungen und dringende Pakete.

- Die glatte Abwicklung des Weihnachtsverkehrs kann burf. Beachtung naärstehaider Punkte wesent­lich erleichtert werden. Die Pakete sind unter Ver­wendung guter Veipackungsswfft recht dauerhaft he^ustellen; die Aufschrift ist deutlich, vollständig und haltbar anzubringen, der Name des Bestim­mungsortes unter näherer Bezeichnung der Lage besonders groß und kräftig anzugeben: die Weih- nachtssendlingeu sind nröglichst srühzeittg oufzu- liefern. Auf die Beachtung der Vorschrift, auf . dem Paket den Namen und Wohnort nebst Woh­nung des Absenders anzugeben unb in bas Paket obenauf ein Doppel der Aufschrift zu legen, wird besonders hingewiesen.

Gartenkunst in eiter und neuer Zeit.

-liebet dieses Thema sprach am Dienstag abend inr großen Hörsaal der Universität Professor Küster in einem interessanten und anregenden Vortrag. Einleitend bemerkte er, daß der Garten zu allen Zeiten nicht nur eine von ÄLenschenhand willkürlich zusammengestellte Vereinigung von Pflanzen war, sondern der Ort, an dem die Natur von Menschenhand so geformt wurde, daß sich bas Lebensgesühl fleigert und die Genußfähigkeit wächst

Die Vergänglichkeit aller Gartenkunst bedinge es freilich, daß uns von früheren Zeiten feine Denk­mäler dieser Kunst ü5erfommcn sind. Ersatz bieten aber die Werke der bildenden Kunst, die uns auch sagen, wie sich die verschiedensten Zeiten, ben idealen Gatten dachten. An L>and vieler Einzelbeispiele und einer reichen Fülle van zum Teil sehr fernen Lichtbildern gab der Vortragende einen ausführ­lichen Ueberblick über die Entwicklung der Garten­kunst. Er ging vom Mittelalter aus, nicht allein, weil sich bort die primitivsten Anfänge der Garten­kunst finden, fonbem auch, weil uns 'au§ der hoch­stehenden Gartenkunst der Antike leider zu wenig Material überkommen ist. Es sei jedoch sehr wahr­scheinlich, daß die herrlickren Gärten der.Re­naissance sich zum großen Teil an antike Vorbilder anlehnen. Im Mittelalter wurde der Garten in Deutschland und auch in Italien nur durch einen verhältnismäßig Üeinen wiesenförmigen Ausschnitt ans der Natur gebildet, der, etwas erhöht, gleich­zeitig als Bank biente. Diese sogenannte Vorzeit der Gartenkunst war zu Ende als man den Garten gliedern lernte. Diese Gliederung ist aber vorerst noch rein geometrisch, anfangs durch gerade Linien, dann durch Kurven. Diese geometrischen Gärten wurden allmählich, feinen Stickereien gleich, zu wahren ornamentalen ftünfttoerfen ausgebildet, ar­teten aber später in dekorative Spielereien aus. Dann kam ein neuer Stil auf, der architektonische Garten. Dieser suckt Haus und Garten als eine Einheit zu behandeln und setzt das fort, was im Haus begonnen ward Im Garten finden sich also Korridore, Säle, kleine Zimmer usw., selbstverständlich ohne Dach und alles gebaut aus lebendiger Vegetation. Als Uebergang 'wurde der Garten der Architektur eingefügt, wo die Architektur das eigentlich Reizvolle des Bildes war. Tann aber löst sich der Garten ganz von der Architektur und baut sich selbst bie britte Dimen­sion, zunächst mit Hilfe des Geländes: es ent­stehen Derrassengärlen. Im alten Garten von Ver­sailles wurde bann ein architektonisches Garten­kunstwerk ohnegleichen geschoßen. Noch bilden aber die Pflanzen, vornehmlich Bäume als Majse, als geschlossene Einheit die Architektur. Erst spater kommen die Formbäume auf, die einzelnen Pflan­zen werden durch die Schere des Gartenkünstlers in plastische Zwangsformen gebracht wozu sich be­sonders Heckengttvächse eignen. Wieder spät'r wirb das Wasser zur Raumbildung herangezogen. Zu­nächst durch die Kontrastwirkung zwischm gerader und senkrechter Fläche und durch die Spiegelung, später durch Springbrunnen und Kaskaden. Ta gibt es denn ganze lebende Alleen aus Bäumen und Springbrunnen, die zum Beispiel im russischen Petershof von märchenhafter Wirkung waren. Hilfsmittel tmrb bann auch die Plastik, die mVer- bininmg mit der lebenden Vegetation seine Wir­kungen vor allem in der Billa Albani erzielt. Der Barock endlich befreit den Garten aus der Archi­tektur, indem er tien Mick in die Fevnle öffnete* oder die Grenze zwischen Garten und freiem Ge­lände überhaupt verwischte. Tann werden malerische Werte angestrebt, man komponierte die Gärten nach Gemälden und umgekehrt. Daneben kommt eine naturalistische Tendenz zum Wort, die die Natur einfach kopiert oder man bildete romantische Gärten, intern man die freie Landschaft im Prinzip zu wie­derholen suchte, nur veredelt, durchgeistigt. Alle diese Begrifft, malerisch, naturalistisch und roman- tisch bedeuten im wesentlichen dasselbe, was wir unter dem sogenannten englischen Garten ver­stehen. Leider kommt es bann zu Ausartungen, vor allem, weil «u viel Literarisches in ber Gartenkunst Eingang findet. Der Garten soll möglichst viel er­zählen, soll eine bestimmte Idee zum Ausdruck bringen, toteneues Leben blüht aus den Ruinen" usw. Damit kann die Geschichte der Gartenkunst als abgeschlossen betrachtet werben. Unsere Zeit Heck nichts toefeittlich Neues gefdjaffm. Im allgemeinen werden in der Gegenwart malerische Gärten be- vorttrgt. Tas Neue der Zett liegt höchstens in der Oeffentlichkeit der Gärten: Ausstellungsgärten, Promenaden, Stadtparks, Frftdhöft usw.

Veranstaltungen.

Mitfwoch: Stadtthsater, 7 Uhr,Die Raschhosss". Neue Aula, 8 Uhr, öffentliche Hauptprobe der Jahreszeiten^'. Cafe Leib, 8 Uhr, Konzert und Vorstellung der Chiemfeer. Stabtmission, Löberstvaße, 8V< Uhr, Vortrag über Die Toten mid das Jenseits". ^LichtspieltyafteL, wie gestern.

Wettervoraussage

für Donnerstag:

Vorwiegend bedeckt unb dunstig, zeitweise leichte Niederschläge, etwas milder, südöstliche Winde.

Das Hochdruckgebiet hat sich etwas weiter östlich über Nordrußland verlagert. Sonst ist wenig Aenderung in der Wetterlage eingetre­ten, so daß Fortdauer der bestehenden Witte­rung zu erwarten ist.

** Städt. Seefischmarkt. Morgen Donnerstag früh trifft lebenofrische Nordsee­ware wie Kabeljau, Schellfisch, Schollen uno Rotbarsch ein und kommt tu ben Marktlau­ben zum Verkauf. Der Verkauf beginnt erst von 9 Uhr ab.

** Hafer und Kleie. Bei der städti­schen Futtermittelftelle ist eine größere Sen­dung Haftr sowie Kleie eingetroffen. Bezugs­scheine werden auf dem Lebensmittelamt, Zimmer 13, verausgabt.

Die Kasse des Städt. Lebens­mittelamts wird mit Wirkung vorn 15. Te° «mber geschlossen. Die Kassengeschäfte gehm von diesem Tage an auf die Stadtkasse über.

Die Allgemeine Ortskronken- fasse veranstaltet am Freitags 17. Dezember, abends 8y2 Uhr, im Postkelftr eine Ausschußsitzung

** Dess 1 scheBereinrguugsürV 0 lks- künde. Montag abend fand hier im Uuiversitäts- gebaube ein Vortrag des Herrn Pfarrer Schöilte- Großen-Lmden überOberhessisck« G ocken" statt. Unter dem Gesichtspunkt ber Volkskunde behandelte- der Redner Zweck, Mter, Inschriften unb Atomen der Glocken. Er führte aus: Die Glocke, da§ Symbol der Ruhe und des Friedens, bildet ein wichtiges Sttick des dörflichen hebend. Sie bient der Kirche, indem sie die Gemeinde znm Gottes- bnmst und zu ben gottesdienstlichen Handlungen ruftaber auch zu weltlichen Zwecken ist sie c ' ^"t das Zeichen zum Beginn der Schule,

Versteigerung, Feuersbrunst usw Aus die)em ®rit c ^ueriennen, daß das Ministerium bei Abgabe der Glocken im Kriege bestrebt mar, icoer Gemeinde wenigstens eine Glocke zu belasten.

I $ie der Glocken im allgemeinen

I ,I)r ntiiHlahfttet wb ihr qescknchtliürer Wert maßgeveno Mon ben drei 'hcssisckicn Provinzen

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in der glücklichen Lage, an die Einwohnerschaft zur Bereitung des Weihnachtskuchens eine Soiidcrzuweiung von Mehl und Zucker verteile zu können. Glückliches Höchst!!

?ir heute beobadjb k «r Tendenz a Mr: Toller

fnümungsbi tzsWsftwdM K« mtrfiid) m

<ßerid>tsfaal.

Zweibrücken, 7. Dez. (Wvlft.s Dor dm Schwurgericht der Pfalz ging heute nmht 1 Uhr em weiterer Landsriedensbiuchprozev aus der Bad i schen An i lin-u nd Sodafabritrn LudwigÄhasen zu Ende. Drei Arbeiter: Philip» Löffler, Gustav Temhardt, beide aus Franken- fbal, und Johann WöUrnerer aus Ludwigshafen, standen als Rädelsführer vor den Geschoorv- neu. Im Verlaufe einer Demonstration von meh­reren tausend Arbeitern der Fabrik z.vecks Lohn­erhöhung vvang am 21. Mai eine große Menge in bas Ttrekttonsgebäude ein, zerstörte Fenster, Türen usw. unb mißhandelte mehrere Tireftoter durch Fußtritte, Würfe mit Tintengläfern, Ge- schästSbüchern und Stühlen, lodaß einer ber Tire!' toten blutüberströmt zusammen stürzte. Tie Haupt» schuldigen, die fast nur aus jugendlühen Burjcher bestanden, konnten ebensowenig ermittelt werd« wie die herüber ber Körperverletzungen. Temhacht erhielt 2 Jahre Gefängnis mit Bcwährungsfrtil noch Verbüßung von 9 Monaten, Löffler erhietl 9 Monate, während der dritte fteigesprochen wurde

Acrlin, 7. jlld. Die Mrsr vtir? Bchlrifuns «li Mt in voller * Znimsfes ftar Ä-MM: ho: tzjißahrtÄvertm S R bann alktbin jM Atetfahr stMit «besser äs mit Ausna! llvzml getotn p. kaliwette 1 Bi Dar das Ä iWnb fest.

5t an Tf u r

ist Obethessen dft an alten Glocken reichste. An zweiter Stelle steht Starkenburg, an dritter Rhein- hefien. Die älteste Glocke Hessens besitzt das Dorf Wenings, Kreis Büdingen; sie soll aus dem Iahte 1200 stammen. Gießens älteste Giocke ist die aus dem alten Rathaus, die 1493 gegossen wurde. Die Inschriften aus ben Glocken teilte ber Referent in vier Gruppen: 1. Solche all­gemeinen Inhalts, 2. folche, bie auf ben Ziveck der betreffenden Glocke Hinweisen, 3. Inschriften mit besonderen Zeitangaben, 4. solche, die die Glocke als Trägerin übernatür fieber Kräfte - und Gaben erfcbeinen lassen. Er erläuterte seine Ausführun­gen durch zahlreiche üitmffante Beispiele. In lakholischer Zeit wurden bie Glocken nach Heftigen benannt. Heute gibt ber Zweck ber Glocke ihr den Namen. Betglocke, Schulglocke, Sterbeglocke, Sturmglocke u. a. Der Vortrug zeigte, baß em gutes Stück Volks- und Heimatssmn mit unseren Glocken verknüpft ist. Zu bedauern war nur, daß verhältnismäßig wenig Zuhörer sich erngesunden hatten.

** Der evan gelis che Arbeiter­verein hielt am Soimtag den 5. Dezember feinen ersten diesjährigen Vottragabend. DKtglftd Kauf­mann Scholz referierte über das ThemaGe­sundheitspflege in der Familie". Der Redner sprach einleitend über den hohen Wert ber Gefundlseftspslege und bereu Beziehungen zum Schicksal, zur Krankheit, zum Alter und Tod. Er führte bann werter aus: Die Familie fei bie geeignetste Stätte, um Gefundheitspflege praktisch treiben zu können. Schon bas kleinste Kind muß an die Pflege seiner Gesundheft gewöhnt toetben. Die Leitung der Gefundheitspflege in ber Familie sollte die Fran übernehmen, nachdem sie sich die notwendigen Kenntnisse erworben hat. Um sich und die Seinen gesund zu erhalten, ist besonders nötig: Eine gesunde, d. h. sonnige unb luftige Wohnung (soweit dieses in gegenwärtiger Zeit möglich ist). Das beste Zimmer sollte als Sctzlaszimmer genom­men werden. Reinlichkeit und Hautpflege seien selbstverständliche Bedingungen. Abhärtung des ganzen Körpers durch Luftbäder unb individuell anMpasscnde Wasseranwendungen. Der Nahrung und deren Zubereitirng müsse besondere Aufmerk­samkeit geschrnkt werden. Man sollte unbedingt auf feine Verdauung achten und dafür sorgen, daß dieftlbe immer in Ordnung ist. Tägliche Atem­übungen in guter Luft seien unerläßlich. Die Klei­dung sei bequem und luftdurchläsfig. Genügend Nachtruhe ist genau so wichtig wie zwecftnt- sprechende Bewegung. Den geizigen und leiblichen Kräften angepatite Arbeit abwechftlnd mit rechter SrMung unb Vergnügen in Gottes schöner Natur. Willenskrnrheit und Lckcnsfreudigkeft dem alle Lebensregungen, und das Gftichg-ewicht ber Seele führt zu einer frohen Lebensbejahung. An diese Ausführungen schloß sich eine Aussprache.

** Von der Deutschen Volkspartei wird uns nritaeteilt: Am Montag den 6. Dezember veranstaltete die Ortsgruppe der Deutschen Volks­partei einen gut befudrten Diskusftonsabenb Abg. Kommerzienrat Klingsvor erstattete Bericht über bie Tätigkeit der Fraktion ber Hessischen Volks­kammer unb beleuchtete die Stellung ber übrigen Parteien. Die rege Aussprache zeigte bie volle Einigkeit ber Ortsgruppe mit ber Fraktion. Syn­dikus Dr. Krause erstattete kurzen Bericht über ben Nürnberger Parteitag, mit dem sich ber nächste Dtskussionsaoend eingehend beschäftigen wird. Als nächste Veranstaltung Hübet am 16 Dezember eine öffentliche Versammlung im Einhorn statt, in wel­cher der Vorsitzende der Landespartei Abg. Dingel- bet) über die politische Lage int Reich und in Hessen sprechen wirb.

Landkreis Gießen.

Sch Trais-Horloff, 6. Dez. Mit gü­tiger Unterstützung des Lanoestheaters Darmstadt war es dem hiesigen Volksbildungsverein möglich, das SchauspielDer Schmied von Ruhla" zur Aufführung zu bringen, das auch bei mehrmaliger Aufführung großen Anklang fand. Nächsten Sonntag, 12. d. M., wirb Herr Lang- heinz, Mitglied des Landestheaters Darmstccht einen heiteren Vortragsabend veranstalten. Gleich­zeitig wird dem Plan, Grünoung einer Theater­truppe von Berufsschauspielern und Dftettan- ten, näher getreten werden. Nach Weihnachten hat Dr. meb. H. Nosenhaupt vom Rhein-Mai- nifchm Verband einen Lichtbftdervortrag über das Thema: ,,Luft, Licht und Wasser als Heftmittel" in Aussicht gestellt.

Kreis Schotten.

e. Schotten, 7. Dez. Professor Weiß­gerber von Gießen hatte am Fuße des Hoherodskopses ein einfaches Blockhaus stehen, in dem er seit Jahren des öfteren mit seiner Familie die Ferien verlebte. Durch Ein­bruch wurden nun aus dem Hause fast bie ge­samten Haushaltungsgegenftünde entwendet, dar­unter 2 Zinkbütten. Bettzeug, Vorhänge, lieber» rüge, Kochgeräte, Kaffeeservice usw. Der Geschä­digte setzt 200 Mk. Belohnung aus. Man wun­dert sich stier weniger über den Einbruch in dieser einsamen Gegen sind die Diebstähle und Einbrüche eben leider an der Tagesordnung als darüber, daß diese brauchbaren Dinge solange ungestvhlen blieben.

B. Kaulst 0 s, 6. Dez. Hier wird die Fas- hmg einer neuen Quelle trorgemnnmen, da sich ber Wasserbehälter für bie Gemeinde schon immer als zu wenig ergiebig gezeigt hat. In ber letzten Zeit war bei ber Trockenheit bie Wasser­versorgung für ben Ort überhaupt nicht mehr aus­reichend.

E. Lau back, 6. Daz. Die Stadt Laubach steht im Zeichen be5 H a u sderka u f s und in­folgedessen des Wohnung-Ztoochftls wie kaum ein anderes Städtchen von derselben Gröhe. Sind schon tm Laufe der letzten drei bis vier Jahve mehrere Wohnhäuser und die schön gelegene Bftla des verstorbenen Mftlionärs Albers durch Verkauf in andere Hände übergegangen, so hat sich der Hausverkauf in der letzten Zeit, besonders aber im Laufe der vorigen Woche wieder um drei

Siebener Stadttheater.

Am Tage des Gerichts.

VolVschauspiel von Peter Rosegger.

Gießen, 7. Dez. 1920.

Petri Kettenfeier Rosegger, der sich tn* wandernden Schneiberlehcling zu einem der liebtesten Volksschriftstelln emporgeschwunc>en, » ein zu braver Poet, als daß man mit seiM unseres Wissens einzigen dramatischen VerM Am Tage des Gerichts" emstlich zu Gerichte geftn ' toll. In seiner Art steht das Stück zwischen den Vollsstücken oberbayrischer Wandertruppen um einem dramatisierten Gartenllrubmronmn. Aber und aus diesem Grunde bann es sich noch auf der Bühne halten einige Gestalten sind treffli« gezeichnet unb bieten dankbare Rollen. Wie bei

Wohnhäuser vermehrt. Das GeschästShaus des Kaufmanns Karl Emelius ging mit sämtlichem Inventar zmn Preise von 70000 Mark an den Kaufmann Katz jr. über. Das Wohnhaus des Gräflicken Karnmemats a. D. am ..Schiefen Hain- bevg" kaufte der Rottenführer Leioner für 15 000 Mark Das Wohnhaus der verstorbenen Witwe Bourree verkauften bie Erben zum Preise von 16 000 Mark. Das Wohnhaus mit Schuhgeschäft der Witwe Karl Wagner in der Oberen Lang- gaffe, beten Ehemann eins der ersten Opfer tm Weltkriege war und die nach Mainz übersiedeln will, kaufte ein Bruder des Gefallenen Tür 22000 Mark. Das kleine Wohnhaus des Gemeindeschäsers Kohlet in der ..Unterlipp" wurde zum Prefle von 9500 Matt an den Weißbinder Von Eiff verkauft, nachdem Köhler ixr$ Haus der Witwe Calzni-ann zum Preise von 25 000 Matt erworben halte.

Klifaner 810 b vikaner 664. M gaben 14 Pro toten 13 Prvj

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etsatzpatt der ftüheren Eisvibahnbrigade hatte Unfalls ruhig m große Vorräte von Material aufzuweisen, die bd W btionberä in !

Auflösung der Heeresverwaltung an das Rn«^- ' ' ' '

oertücrhrngdamt übergingen. Das ReichSvermi­ttln gsamt übergab die ganzen Bestä:we einet Reichstreuhand-Aktiengesellschast, die idrersefts des gesamte Material an die Firma Orenftein & Koppel in Berlin veräußerte.

mc. Höchst a. M., 7. Dez. Die Stabt tfl

Sttahl-Toni, fein Weib, unb die beiden Arrestan­ten Soberer unb Gteifftl, die ledialich aktaus- füllenbe Episobensiguren des dramatisch überhrmp überflüssigen zweiten Aktes find. Sie wurden vo» Rudolf Goll und Richard Hellbotn mit köstlichem Humor gesegnet. Im Straßl-Toni hat» Oskar Feigel eine Gestalt gesunden, die et psychologisch fein unb folgerichttg ausgestaltet! konnte. So vermochte er es auch, int letzten Ard diegroße Szme" von innen heraus zur Wir­kung zu bringen. Hervorragendes Spiel bot Ra!' Rubnet als gehetztes Bettclweib. Der Enge! des Stückes, die Frau des erschossenen Oberförsters ist in der Zeichnung zu blaß, als daß aus bet Rolle viel herausgeholt werden könnte. Rofe Erikc von © r an b e cf tat, was in ihren Kräften stand. In Nebenrollen waren beschäftigt Margarete Wer­nicke, Cläre Türk, Karl Juhnke, Hein; Bechsftin Karl Volck, Harry Noebert, Wladimir Brands, 1 Franz Bandis, Georg Heding, Paul Mehnerl, I Wilhelm Ruppett, Wolf Lcutheiftr und Hermam

e. Ulfa, 7. Dez. In einem feierlichen tesdienste wurde bie dem Andenken unserer fallencn Soldaten gewidmete Gedächtnis- täfel unter großer Beteiligung ber Gemeinde etnZ geweiht. Die Tafel hat in der Kirche einen Ehren­platz gefunden. Die würdige Feier rouroe durch des hiesigen Lehrers Schönheit, einä Knegsbeschäbtgten, unb bes Männergesangvrrems verschönt.

Kreis Friedberg.

r. C1 $ o hl -Göns, 7. D^. Als in einer hie- sigen Famftte bie Hausfrau am Abend in ben Keller ging, um etwas zu holen, bemerfte sie, dak sich dort ein fremder Mann verborgen hieto Schnell entschlossen schloß sie die Türe ab unb als der Hausherr nach Hause kam und mit an­deren Leuten sich in den Keller begab, fanden s» emen aus dem Zuchthaus zu Butzbach ent­sprungenen Sträfling, der nach seinem Geständnis tagsüber in der Scheuer sich oufgb- hatten und den günstigen Moment abgeixißt hatte um sich im Keller zu verbergen. Unter sickeren,' Geleite wurde er nach Butzbach zurücktransportiert.

Kreis Wetzlar.

d. Dornholzhausen, 7. Tez. Eine gegnung mit einem verdächtigen Menschen hatte ein hiesiger Bahnarbeiter, als er am Donnerstag morgen früh an die Arbeit ging. Am Ausgange des Dorfes nach Hochelheim stand plötzlich eine in eine Decke gehüllte männliche Person vor ihm, die ein Gespräch anzuknüpfen suchte. Auf die Frage, was er denn schon so früh hier mache und wo er hey, komme, erwiderte der Fremde, daß er aus dem be­setzten Gebiet stamme und nach Hörnsheim unb von da nach Gießen wolle, er der Bahnarbei­ter möchte doch ein Stück Weg mit ihm gehen und ihm den Weg zeigen. Der Arbeiftr ging je­doch seines Weges weiter. Erst als bekannt wurde, daß in Butzbach fünf Sträflinge aus der Zellen- strafanstalt entwichen seien, konnte man sich den Vorfall so erklären, daß es sich jedenfalls um einen ber entwichenen Sträflinge handelte, bei den Arbeiter, wenn er ihm gefolgt wäre, wahr- scheinlich überfallen und ihn feiner Kleider beraubt hätte. Inzwischen hat Wachtmeister Fuchs von Lang-Göns einen der Sträflinge im Walde zwi» fchen Holzheim und Lang-Göns aufgegriffen.

Hessen-Nassau.

Eine deutsch-nationale Versammlung gesprengt.

Frankfurt a. M., 7. Dez. Tie von bet der Deutschnationalen Vvlkspartei für beute abend einberufene Versammlung, in der Reichstagsabgv' orbneter v. Gräfe sprechen sollte, wurde kur; nach Beginn von Sozialdemokraten und Kommunisten gesprengt. Es wurden Stühle gegen ben Dorstandstisch geworfen uno dieser schließlich gestürmt, so daß der Redner den Saal verlassen mußte. Darauf nahm ein Kommunist das Wort, um darzulegen, daß gerade bie Gesimiun^- genossen Grases an der Not der Zeit die Haupt­schuld hätten. Die inzwischen erschienene Sämtz Polizei verhaftete zwei Leute, die an dem Sturm auf den Vorstands tisch beteiligt gewesen sein sollen.

X Hanau, 5. Dez. Der int Nebenersatzpark ausgeführte Diebstahl von Materialien tm Werte von einer halben Million Mark hat zur Festnahme weiterer Personen geführt. Der Neben­

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