Einzelbild herunterladen

Ans dem Reiche.

Das Programm ter wuctteMbergischrn Regierung.

Stuttgart, 7. Juli. (WTB.) In der heutigen Sitzung des Landtages gab die neue württembergische Regierung durch den Staatsprä­sidenten Dr. o. Hie ber ihr Programm bekannt. Als Richtlinien wurden ausgestellt: Erhaltung von Ruhe und Ordnung, enge Zusammengehörigkeit von Land und Reich, wirtschaftlicher und finan­zieller Wiederaufbau, ehrliche Versöhnung und der Versuch inneren Ausgleichens auf der Grundlage des rücksichtslosen Bekenntnisses zur Verfassung itnb ihres unbedingten Schutzes.

Di-e Abstimmung in Ostpreußen.

Warschau,'7. Juli. (WTB.) In der heu­tigen Sitzung des Sejm brachte der Abg. Gdyk einen Tringlichkertsantrag ein, der verfassungge­bende Sejm möge an die Parlamente der verbün- deten Mächte einen Aufruf ergehen lassen, um die Volksabstimmung hinauszuschie­ben. Ter Antrag wurde mit sehr bedeuteirder Mehrheit angenommen. Ferner wurde ein Antrag angenommen, »daß die Bewohner der Vollsabstim- mungsgebiete, die durch das Ergebnis der Volks­abstimmung der Republik zufallen werden, ohne Rücksicht auf ihre Nationalität von der Militär- dienstpilicht für acht Jahre frei sein sollen.

Generalstreik wegen des Steuerabzugs.

Magdeburg, 7. Juli. (WTB.) Tie Presse­stelle des Oberpräsidiums meldet: Im Gegensatz zu dem gestern in Halle gefaßten Beschluß der Be­triebsräte und Gewerkschaftsfunktionäre der U. S. P. D. wegen des Steuerabzuges nicht in den Ge­neralstreik zu treten, brachten kommunistische Ele­mente mittags sämtliche Gruben des Geisel­tales (Merseburg-'MeißensÄÄ mit Ausnahme der Cäciliengrube zum Stillstand. Hier wird als Streikgrund ber Steuerabzug angegeben.

Die rebenrmtttelteuerung.

mo. Franksur t a. M., 7. Juli. In der Stadtvenwdnetensitzung kam es zu einer Ansprache über die Ob st preise, wobei der mehrhetts- svzialistische Stadtverordnete Kirchner bekundete, die Hauptursache liege in der Aufhebung der Bangswirtschaft, während der ebenfalls rnehr- ssozialistrsche Stadttat Liebmann erklärte, mit Aufrechterhaltung der Zwangswirtschaft komme man nicht weiter. Er schob die Schuld dem Publi­kum zu, das Obst einkanse, ohne einfach nach dem Preis zu fragen. Die Versammlung geneh­migte schließlich einen Antrag, den Magistrat zu ersuchen, Schritte für den Preisabbau bei der Reichs- und Landesregierung zu unternehmen. Mit der Aufhebung des Lebens- mrttelamtes, das noch 500 Angestellte be­schäftigt, wird es vorläustg noch gute Weile haben, da erst nftch völliger Beseitigung der Zwangsbe- wtttschaftung im Reich zu erwarten steht, daß das Amt seine Tätigkeit einstellt. Die Forderung auf Vorlage des Rectenschaftsberichts des Amtes wurde von Stadtrat Dr. Schmude mit dem Hin­weis darauf abgetan, daß dieses Amt mit Aus­nahme der durch die Reservepvlittk verursachten Verluste noch kernen Pfennig gekostet habe.

fd. Karlsruhe, 7. Juli. Heute fanden hier abermals schwereLebensmittelunruhen statt, bei denen es zu bluttgen Zusammenstößen Sen der Sicherheitspolizei und der erregten menge kam. Bor dem Abschnittskommando in der Hans-Thoma-Sttaße wutde zwischen drei und vier Uhr nachmittags Sicherheitspolizei von der Volksmenge umzingelt, wobei versucht wurde, den Beamten die Waffe LU entreißen. Die Beamten setzten sich mit dem Kolben ihres Karabiners zur Wehr. Als aus der Menge geschossen wurde, auto gab mit einem Maschinengewehr Streufeuer Gebrauch. Ein zur Hilfe herbeieuendes Panzer­machte die Sicherheitspolizei von ihrer Schußwaffe auf die Menge ab, wurde aber selbst von allen Seiten beschossen. Hierbei wurden eine Frau ge- tötet und mehrere Personen zum Teil schwer ver­letzt. Vom Metallarbeiterverbande wurden Unter­handlungen zur Einstellung des Kampfes mit der Sicherheitspolizei eingeleitet, worauf vorläufig Ruhe einttat. Trotzdem sammelten sich gegen fünf Uhr neue Menschenmassen vor dem Absc^iitts- kommando an uiid es sind leider weitere Zusam­menstöße zu befürchten.

Berlin, 7. Juli. Auf dem Potsdamer Wochenmarkt kam es zu einer regelrechten Schlacht zwischen den Werderschen Bauern und den Käufern. Obst und Eier wurden auf die Straße oder den Bauern über den Kopf ge­schüttet.

Königsberg i. Pr., 7. Juli. (WTB.) Aus dem altstädtischen Markt und auf dem Fischmartt wurde heute früh eine Anzahl Verkaufs­stände geplündert und die Verkäufer mißhandelt. Als die Menge auch die Schn h- g e s ch ä f t e ztu plündern drohte, erschien ein starkes Aufgebot von Sicherheitspolizei mit Ma­schinengewehren und säuberte die Straßen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 8. Juli 1920.

Veranstaltungen.

Donnerstag, 8. Juli: Neue Aula, 8x/4 Uhr, Versammlung des Gießener Hausfrauen­vereins. Hotel Großherzog, 8'/r Uhr, öffent­licher Vortragsabend des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes. Schöne Aussicht, 8 Uhr. Abonnementskonzert der Reichswehrkapelle. Hotel Einhorn, 8x/2 Uhr, Gastspiel Paul Buch­wald. Lichtspielhaus wie gestern. Lichtspiele, Seltersweg,Karussell des Lebens" undDon Juans letztes Abenteuer".

*

**Dasstädtisch-eLebensmittel- a m t macht entgegen anderslautenden Gerüch­ten, die in Gießen verbreitet sind, darauf auf- inerksam, daß Kokosfett in Frankfurt zu 35 Mk. das Pfund abgegeben wird, während in Gießen dasselbe Fett 25 Mk. kostet. Eben­so beträgt der Verkaufspreis für Speck in Frankfurt 25 Mk. Wir bemerken hierzu, daß, wie allgemein bekannt, das Lebensmit­telamt Frankfurt sich in seinen Vorräten un­günstig eingedeckt hat, so daß seine Verkaufs­preise vielfach weit über denen des freien Han­dels stehen und ihm seine Ware in den mei­sten Fällen überhaupt nicht abgenommen wird.

**Bei der stüdt. Obst- untzGemüse- stelle, 'Marktlauben, flammen morgen unter an­derem Johannisbeeren und Heidäbeeven. zum Verkauf.

** Süßstoffkarten. Für die Zeit vom 1.15. Juli wird gegen die Lieferungs­abschnitte 15 der SüßstojfkarteH" (blau) und 4 der SüßstofflarteG" (gelb) von den Süßstoffabgabestellen der Landgemeinden des Kreises Süßstosf abgegeben.

** Ermittelte Diebe. Zu den gestern gemeldeten D i e b st ä h l e n von Wein, Kleidern und Stiefeln usw. sei bemerkt, daß die Täter er­mittelt sind. Es handelt sich jetzt nur noch um den Verbleib des gestohlenen Gutes, worüber die Diebe jede Auskunft verweigern, das sie aber zweifellos in Gießen abgesetzt haben, da sie ohne Arbeit sind und die Handlungen nur begangen haben, um zu Geld zu kommen.

** Von der Feuerwehr. infolge des Gaattumftstes wird die von der Freiw. Gail schm Feuerwehr -auf den 12. Juli vorgesehene zweite Hauptübung auf den 19. Juli verlegt. (Siehe Anzeigenteil.) .

** Der Verkehrsverein hat in seiner Geschäftsstelle, Seltersweg 36, F. Kühn, die neuesten Prospekte der Nord- und O st- seebäder zur Einsicht aufliegen. Außerdem tönern auch die Prospekte anderer Kurverwaltun­gen usw soweit sie in diesem Jahve neu her aus­gekommen sind, eingesehen werden.

** Krieger kam erad schäft Hassia. Am 30. Juni fand im Fürstensaal in Darmstadt der diesjährige Verbandstag statt. Von den 28 Be­zirken waren 36 mit 1612 Stimmen stimmberech­tigt. Tie Versammlung stand unter der Leitung des 1. Präsidenten, Herrn Oberst a. D. v. Neidhatt>t. Der Verwaltung wurde Entlastung erteilt, der Vor­anschlag genehmigt, lieber die Anträge gab es mehrfach lebhafte Erörterungen. Die Sitzung des Kyffhäuserbundes wurde genehmigt und ebenso die neue Verbandssatzung. Zustimmung fand auch der Vorschlag einer Lotterie und der Anschluß an die Wirtschasttabteilung des Deutschen Kriegerbundes. Wichtig ist für die wettere Entwicklung des Ver­bandes, daß die Einstellung eines zwetten Verwal- tmlgsbeamten beschlossen wurde, dem hauptsäch­lich die Kriegsbeschädigten- und Kri-egshintcrblie- benenfürsorge und die Werbetätigkeit übertragen werden solle. Ein Anttag Gießen, der beabsich­tigt, die Reichsregierung um Sttftung eines Kriegs­ehrenzeichens zu ersuchen, fand seine Erledigung durch die Mitteilung, daß die Schritte des Kyfs- häuserbundes in dieser Hinsicht bisher erfolglos geblieben seien, dieser aber beschlossen habe, sich nicht irre machen zu lassen und das Ziel im Auge zu behalten. Die Vorstandswahl ergab die Wahl des Kameraden Oberfinanzrat Lindenstruth, Darm­stadt, zum 3. Präsidenten; das ausscheidende Prä- sidialmttÄlied '(M). Kommerzienrat Tverr, Worms, wurde wiedergewählt unb die Kameraden Hehrer Ofenloch in Fmthen, Rechnungörat Bruchhäuser in Darmstadt imd Lehrer Mohr in Ober-Eschbach wurden neu in das Präsidium gewählt.

** Kreis verband hessischer Ge­meindebeamten. Am verflossenen Sonntag fand in Gießen die Gründungsversammlung des KreisverbandeshessischerGemeinde- beamten Gießen statt. Nachdem der Referent, Herrn. Walz-Vilbel, auf die Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller Gemetndebeamten und den unbedingt zu erwttkenden Gesetzentwurf der Gleich­stellung mit den Staatsbeamten in der neuen Reichsbesolbungsorbnung hingewiesen hatte, schlos­

sen sich sämtliche Vertreter der anwesenden Ge­meinden dem Verbände an. Zum 1. Vorsitzenden wurde Forstwirt Heinrich Textor in Lich ge­wählt. Die Gründungsversammlung des Bundes hessischer Gemeindebeamten findet am Sonntag, 11. Juli d. I., zu Darmstadt statt.

** Der Ortsverband der Zen- trum spartei Gießen teilt mit: Nach einem Rundschreiben des Generalsetretariats der Hessi­schen Zentrumspartei zu Mainz sollten die Orts- ausschußmitglieder und der Vorstand des Orts­ausschusses bis zum 15. Juli 1920 neu gewählt werden. Zum Vorstand des Ortsausschusses sind in der letzten Mitgliederversammlung gewählt worden: Bahnmeister Brams als 1. Vorsitzender, Kaufmann Kübel als 2. Vorsitzender, Teckmischer Eisenbahnsekretär Brühl als Schriftführer und Sekretär Ludwig als Rechner.

Landkreis Gießen.

** Wieseck, 7. Juli. Die hiesige Orts­gruppe der Gemein de beamten hat in ihrer Versammlung am 6. l. Mts. einstimmig den Beitritt zum Kreisverband Gießen der l)essischen Gemeindebeamten beschlossen.

Hessen-Nassau.

mo. Frankfurt a. M., 7. Juli. Die Neue Theateraktiengesellschaft er­suchte den Magisttat um Gewährung eines Zu­schusses von 3.7 Millionen Mark für das laufend: am 1. August endende Spieljahr. Der Magisttat beantragt jefct, die Stadtverordnetenversammlung solle einen entsprechenden Beschluß unter dem Vorbehalt fassen, daß für das neue Spieljahr Vorschläge zur ivesentlichen Herabminderung des städtilchen Zuschusses den städtischen Behörden von der Theater-Aktiengesellschaft gemacht werden.

fd. Frankfurt a. M 7. Juli. Nach einer Magistratsverordnung ist die Frühkartoffel- ernte im Stadtgebiet Frankfurt a. M. beschlag­nahmt. Die Kartoffeln dürfen ohne Genehmigung des üebensmittelamtes nicht verkauft 1 verben und sind vom Erzeuger beim LebenSmittelamt anzu­melden, das dann darüber verfügt.

ch. Frankfurt a. M., 1. Juli. Eine in­ternationale Bande macht gegimwÄrtig die D - Züge-zfvisch en Frankfurtund Mün­chen undBerlin unsicher. Tie Kriminalpolizei nahm gestern im Münchner D-Zug einen Rußen fest, der einem süddeutschen Viehhändler die Brief­tasche mit 11 000 Mark gestohlen hatte. Ein wei­terer Tieb wurde im Berliner D-Zug in dem Augenblick feftgenommen, als er einer Dame die Handtasche entwendete. Ein österreichischer Taschen­dieb wurde drei Tage hindurch von einem Krimi- nalbeamten auf der Straßenbahn verfolgt, bis es diesem gelang, den ehemaligen Bundesgenossen auf frischer Tat zu fassen und seslAunehmen.

np. F r a n k fu r t a. M., 8. Juli. Ter M i t* telrheinische Verband evangelischer Arbeitervereine hielt am vergangenen Sonntag den 4. Juli in Frankfurt unter Vorsitz von Herrn Rektor Jaspert seine Delegieretenver- fammhntg ab. Im Mittelpunkt der Beratungen stand das neue Programm, das für die Zu­kunft als Nichtschuur der Arbeit der evangelischen Arbeitervereine gelten soll. Als erste Aufgabe der Vereine wurde die Pflege sozialer Gesinnung im Geist des Evangeliums anerkannt, dagegen wurde es abgelehnt, ein bestimnttes soziales oder wirt­schaftliches Programm zu D-crtretcn. Das soll den politischen und wirtschaftlichen Organisationen überlassen bleiben. Die verschiedensten politischen und wirtschaftlichen Richtungen sollen in den evangelischen Arbeitervereinen eine Heimstätte fin­den, und dadurch sollen die Arbeitervereine zur Versöhnung und Verständigung, zur Achtung auch der anderen Uieberzeugung erziehen helfen. Im Herbst *nrirb bei genügender Beteiligung ein Kursus für Mitglieder evangelischer Arbeitervereine in Frankfurt stattfinden.

fd. Ka ssel, 6. Juli. Der Streitzwischen der bürgerlichen Presse undtzer St äd- tischen Nachrichtenstelle dauert an. Da in der gestrigen Stadtvenardnebensitzung der Stadt- verordnetenvorsteher flehte befriedigende Erklärung abgab, stellten die Vertreter der bürgerlichen Blät­ter die Berichterstattung über die Stadtverordneten­versammlung sowie über alle Vorgänge, die von der Städtischen Nachrichtenstelle der Presse übermittelt werden, bis zu einer gütlichen Regelung ein. Die Bürgerschaft steht in dem Kampfe hinter der Presse.

Turnen, Spiel und Sport.

r. Büdingen, 5. Juli Samstag den 3. und Sonntag den 4. Juli fanden unter dem Pro­torat von Mitgliedern des Fürstlichen Hauses Vsenburg und Büdingen große sportliche Wettkämpfe des Vereins für Rase n - spiele statt, zu denen sich eine außerordentlich große Bewerberzahl eingefunden hatte. Einge­leitet wurden ine Wettkämpft mit Wasserwett­anstalt. Zum Austrag kamen: 1. Schwimmen, 60 Mtr. beliebig für Schüler bis zu,14 Jahren, 2. Tellertauchen, 3. 150 Mtr. Brustschwimmen. 4. Streckentauchen, 60 Mtr. Brustschwimmen für Schüler bis zu 14 Jahren, Kunstspringen vom 4- Mtt.-Tnrm, Zeittauchen. Auch kamen 3 Wasser­ball spiele zwischen der Schwimmabtcilung des F.-C. Germania Gelnhausen und dem Verein für Rasen­

spiel c zum AustraZ, die in beiden Fällen Geln­hausen mit einem eiege von 5:0 uno 2: 0 Toren für sich entscheiden konnte. Ein Feuerwerk auf dem Festplatze beendete den ersten Tag der Veranstaltung. Ihren Anfang nahmen am Sonn­tag die Einzelwettkämpft mit den' 6er Fußball spielen. Gespielt ronrbe in 2 Klassen, der A« und 8-Klasse. Als Sieger qualifizierten sich folgende Vereine: In der A-Klasft: 1. Ortenberg, 2. Vil bel, 3. Gelnhausen, 4. Düdelsheim. In der L- Klasse: Ehrenpreis: Germania Gelnhausen: 1. Schlüchtern, F.-Abteil. her Seminare, 2. Lmtz- heim. Nachmittags um 3 Uhr sand ein Fußball­propagandawettspiel zwischen einer kombinierten Mannschaft des Gaues Oberhessen (umfassend 12 Vereine) und einer kombinierten Ligamannschaft von Hanau Viktoria 1894 statt, das Hanau 94 mit 3:1 für sich entscheiden konnte. Sämtliche Spiele fanden unter stärkster Teilnahme der Ein­wohnerschaft Büdingens statt. An Einzelwett­kämpfen kamen zum Austtag: Fußballwettstoß (1. Sieger Thome-Schlüchtern 49,40 Meter), 2. Köhler-Fulda (49 Meter), 3. Kögler-Gelnhau-- sen (43,80 Meter), 4. Gvgscher-Ortenberg (42,20 Meter). .Kugelstoßen, 7V2 Kilo: 1. Sieger Zinn- Düdelsheim 8,97, 2. Köhler-Fulda 8,96, 3. Kog­ler-Gelnhausen 8,80, 3. Gog)cher-Ortenberg 7,35 Meter. Diskuswerfen: 1. Sieger Hartwig-Geln­hausen 24,80 Meter, 2. Emmerich-Ortenberg 21,90 Meter. Handgranatenwerfen: 1. Sieger Schlegel- Roth 42,25 Meter, 2. Nanz-Düdelsheim 40,37 Meter, 3. Franz-Nidda 39,90 Meter. Außer Kon­kurrenz Heinbuch-Büdingen mit 58,40 Meter. 50-Meter-Lauf: 1. Sieger £t Graf FriÄHera- Fulda 63,5, 2. Kiefer-Steinhaufen 64,5. 100- Meter-Lauf: 1. Sieger fit. Graf Friedberg-Fulda H/5, 2. Kiefer-Gelnhausen 12V», 3. Kapp-Fulda 122/», 4. Thome-Schlüchtern 122/»- 100-Meter- Damen-Lauf: 1. Sieger Liese Gvost-Büdingen 8,4, 2. Erika Ruth-Büdingen 9. 4mal 100-Meter- Stafette für Jungmannschaften: 1. Sieger Tü­binger Turnverein 572/», 2. Tumgesellschaft Bü­dingen 573/». 4mal 100-Meter - Stafette für Mannschaften: 1. Sieger Borussia-Fulda 51, 2. Germania-Gelnhausen 522/»- Für die Sieger waren vom Fürstlichen Hause wertvolle Preise gestiftet worden.

** Großen-Buseck, 7. Juli. Der Rad - f ab r De re inEdelweiß" beteiligte sich mit Erfolg an dem am vergangenen Sonntag in Londorf (Rabenau) vom Oberhessischen Rad- fahrerbund veranstalteten 50- und 25-Kilorneter- Radrennen. Es errangen in der Klasse A, 50 Kilo­meter, den 1. und 2. Preis: Gebrüder Mar und Julius Jakob, Großen-Buseck; in der Klasse B, 25 Kilometer: 1. Preis Ehr. Dort, 3. Preis K. Bonarius und Ehr. Stephan, 5. Preis K. Stein, 7. Preis L. Bonarius, sämtlich von Großen-Buseck.

HochsebtLlnaLhrichteir.

Die Marburger Zeitfreiwilligen.

hl. Marburg, 7. Juli. Rektor und Deputation der Marburger Univer­sität veröffentlichen in den Marburger Blät­tern folgende Erklärung:Der Prozeß gegen die Marburger Studenten hat mit deren Freisprechung geendet; gegen das Urteil ist Berufung eingelegt. Dennoch werden unter völliger Nichtachtung des Urteils in Parlament und Presft fortdauernd die maßlosesten Angriffe und Beschimpfungen gegen unsere Studenten ge richtet, die Marburger Universität geradezu als Mörverzenttale" bezeichnet. Rektor und Depu­tation müssen dagegen die schärfste Verwahrung entlegen. So günstig die Ergebnisse der Gerichts­verhandlung für hie Angeklagten gewesen sind, so bleibt die Universitätsbehörbe verpflichtet, mit ihrem Urteil vor der Oefs-mtlichkeit bis zur end­gültigen gerichtlichen Entscheidung zurückzuhalten. Nur ist das Eine nochmals mit allem Nachdruck zu betonen, daß das Studentenkorps nicht, wie ihm nachgesagt wird, im Dienst einer Umsturz­bewegung ober einer Partei, sondern auf bic Aufforderung ber Regierung als ein Teil ber militärischen Macht ausgerückt ist, um das fianb gegen Aufruhr zu schützen. Daß unsere Studenten in ber Stunde der Not diesem Ruf ber Negierung in opferwilliger Hingabe gefolgt sind, dafür schulden rotr ihnen nach wie vor nur An­erkennung unb Dank."

<5erid?t*faaL

Leipzig, 7. Juli. (WTB.) Ter zweite Strafsenat des Reichsgerichts berban- bette heute gegen zwei tschecho-slvwakische Spione, den Gärtner Jioftf Bartl und den Ingenieur Robert Rhvnatka aus Böhmen. Beide batten versucht, sich Nachrichten über un­seren östlichen Grenzschutz, über Pulverfabriken usw. zu verschaffen. Bartl stahl außerbem nach Er­brechen eines Behältnisses am 7. August 1919 bei dem österreichischen Konsul in Berlin drei Attenvündel mit Natuvalisatiionsurkunden, wLhrend Rhonatka sich noch des Verpel^ens gegen 8 « des Spionagegesetzes und einer lchweren Urkundenfäl schung schuldig machte. Bartl wurde zu V/a dalp ren, Nhonatka zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Gräfin.

Roman von G. W. Appleton.

(Schluß.)

Wie sie es versprochen, kam mich die Gräfin Maria besuchen. Sie war sehr liebenswürdig und freundlich, aber es fiel mir ein gewisser, un­definierbarer und fast unmerklicher Unterschied ge­gen früher in ihrem Benehmen auf, den ich nicht recht verstehen konnte, trotzdem ich Diplomat ge­nug war, ihn scheinbar nicht zu bemerken. Bon dem langen Gespräch, das zwischen uns beiden stattfand, brauche ich nicht viel zu berichten.

Der Tod ber alten Gräfin war mit über- raschenber Plötzlichkeit eingetreten. Sie hatte den Frnger erhoben, um Maria zu sich -her zu bitten. Diese näherte sich ihr unb beugte sich über sie, um ihre Worte zu vernehmen. Kaum hatte sie sie ai'^~ oc^en, als sie mit einem einzigen Seufzer verschied.

<uas waren diese Worte? fragte ich.

Ihr Antlitz überzog sich plötzlich mit tiefem Rot.

Das ist ein Geheimnis zwischen ber Toten und mir, das ich Ihnen nicht mitteilen kann, antwortete sie unb lenkte hierauf rasch das Ge­spräch auf ben Erbgrasen. Pasquale hatte, wie es schien, seinen Herrn erfolgreich aus dem Wasser- beaen herausgesischt. Seine erbgräflid)e Würde war verschwunden; er war mit Schlamm über­zogen, von seinem Haar troff das Wasser, und vom Schlucken des faulen Wassers war er tod­krank.

Er hat Pasquale auf ber Stelle entlassen, fügte sie hinzu, ich werde den Alten nach England zu mir nehmen, und das bringt mich auf ben Hauptpunkt. Ich wünsche, daß Sie nach Lonbon zurückfahren, und z'war sofort. Der Arzt erlaubt es Ihnen. Vittorio wird von unversöhnlichem Hasse gegen sie erfüllt sein. Er wird vor nichts zurückschrecken, und Sie sind jetzt nicht mehr so stark wie vor einer Woche. Wollen Sie mir den Gefallen tun, es mir zu versprechen?

Wenn Sie mit mir fahren wollen, antwortete ich

Das kann ich nicht, sagte sie, aber ich will Ihnen im Verlauf von ein ober zwei Tagen fol­gen unb Sie rechtzeitig von meiner Anninft in Queens Gate benachrichtigen.

Gut, sagte ich ich fahre mit dem nächsten Zuge nordwärts.

*

Zwei Tage später war ich wieder in London. Mein erster Besuch galt meinem Bankier und hatte das Ergebnis, daß ich noch in derselben Stunde das Paket mit den fünf gelben Siegeln wieder in meinem Besitze hatte. Ich erbrach mit zitternder Hand den Umschlag und fand darin folgendes:

Erstens eine Urkunde auf Pergament, in la­teinischer Sprache, mit schönen groftn BiMtaben abgefaßt. Sie war mit Dem päpstlicl-en Wappen versehen. Ein oberfiäck^icher Blick darauf belehrte mich daß es eine Schenkungsurkunde irgendwelcher Art an die Gräfin Elena war.

Zweitens ein Kuvert, das einen Schlüssel und eine Quittung über den Inhalt des Safes

Nr. 1305 bei der Safe Deposit Co., Chancery Lane, enthielt.

Daher fuhr ich cttends nad} bei Chancery Lane unb befanb mich alsbalb in einem kleinen Gemach, mit einer wundervoll in Silber gear­beiteten Kassette aus dem 15. Jahrhundert vor mir. Ich schlug ben Deckel auf, unb ein blen­dender Anblick wurde mir nunmehr zuteil. Noch nie hatte ich so prachtvolle Juwelen gesehen, von denen bas allerschönste ein großer, blutroter Ru­bin war, fast so groß wie ein Talerstück, dessen Fassung eine wahre Glut zu eittsttömen schien.

Das war die Lösung des Geheimnisses von Vittorios hartnäckigen Verfolgungen und dem ver­bissenen Widerstand ber alten Gräfin, unb bann lag und liegt noch heute ein tieferes Geheimnis, das zu lösen nicht meine Aufgabe ist. Ich will nur noch eins bemerken: als ich auf diese wunder­baren Edelsteine schaute, blitzte mir ein glänzender Gedanke, für mich so wertvoll wie die Edelsteine selber, durch ben Kopf. Ich schiug ben Deckel ber Kassette zu, schloß sie wiederum im Panzerschvank 1305 ein und wandelte die Chancery Lane hinab, so stolz, als irgend ein König auf Erden.

Zwei Tage später erhielt ich ein Telegramm von ber Gräfin, das in Queens Gate aufgegeben war, unb worin sie mich bat, sie zu besuchen. Ich begab mich sofort nach ber Chancery Lane, schlug die Silberkassette samt ihrem funkelnden Inhalt in ein Papier ein und fuhr wie ein Ver­rückter nach ben Formosa Mansions.

Die Gräfin begrüßte mich herzlich, aber nicht ohne eine gewisse Zurückhaltung. Als ich bas bemerkte, sprang ich sofort über alle Schranken

hinweg. Ich riß bas Umschlagpapier auseincuiber, schlug den Deckel ber Kassette auf unb sagte:

vier ist die Erllärung für all das Unverständ­liche!

Mit weitgeöffneten Augen starrte sie den Schmuck an. Ihr Atem beschleunigte sich, als sie in sprachlosem Erstaunen nach dem großen strah­lenden Rubin griff, um ihn zu betrachten.

Endlich sagte sie: Ich habe oft darüber nach gedacht, und es- ist mir auch ein Verdacht gekom men. Vittorio muß es gewußt haben, muß es irgendwie ausfindig gemacht haben: dies ist der berühmte Esterhazy-Rubin! Sehen Sie nur! Die ganze Kassette fefjeint davon erleuchtet. Heiliger Gott! Doktor, diese Edelsteine sind wenigstens eine halbe Million Dollars wert!

Was sollen sie mir nützen? sagte ich Ich kann sie nicht tragen. Ja, wenn ick einen Nacken hätte, wie Sie zum Beispiel! Ick habe ehre gute Idee. Ich will Sie Ihnen mittcllen. Ick möchte mit Ihnen einen Handel machen. Strecken Sie Ihre Hand aus!

Sie folgte meiner Aufforderung, bis zu den Haarwurzeln errötend.

Geben Sie mir diese kleine Hand und Ihr Herz dazu, und die Juwelen gehören Ihnen.

Da lachte sie fröhlick auf.

Oh, Sie guter Junge, das Zeug da so wertvoll es sein mag macht da feinen Unter­schied mehr aus. Hätten Sie mich vor einer Woche gefragt, so wäre meine Antwott genau so aus­gefallen wie heute!

Ich umarmte sie und zog sie an mein Herz, und damit hat die Geschichte von der Gräfin vom Ponttfex Square ein Ende.