170. Jahrgang
Donnerstag, 8. Juli 1920
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Die Lage der Polen.
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Meldung unseres Sonderdienstes.
Spaa, 8. Juli. Tie gestrige Sitzung der Konferenz fand um */»7 ITfyr im Scfavß Frarneuse iatt. An ihr nahmen etwa 50 Personen, Delegierte und Sachverständige, teil.
Sofort nach Eröffnung der Sitzung schilderte Reichsminister Dr. Simons die Schwierigkeiten, die in Deutschland durch die Bevvri- nungen der Entente verursacht Wochen seien. Aus der einen Seite soll Deutschland die Waffenöl»- lieserung durchführen, aus der anderen Seite nehme man ihm die Truppen, die diese Waffen erfassen tollten. Wir brauchten die Truppen, um dir innere Ruhe tyu sichern, die durch die kritische wirtschaftliche Sagt gefährdet sei. Eine Verminderung des Heeres konnten wir dann vornehmen, werrn sich durch die Verhandlungen in Span imfcrq wirtschaftliche Lage bessern sollte. Deshalb hätten wir es
des Innern hier erwartet. , ,
Zur Teilnahme an den Beratungen über die den werde.
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Nach der Sitzung traten sofort die militärischen Sachverständigen zu der twr- «eschlagenen und deutscherseits angenommenen Sonde rbesprechung zusammen. Dabei wurde
Spaa, 7. Juli. (WTB.) Reichsjustizminister Dr. Heinze traf mit dem Reichsanwalt Rechter hier ein, um über das Reichsgerichts - verfahreir gegen die io genannten Kriegsverbrecher vor der Konferenz Auskunft zu geben. Außerdem wird Geheimrat Schmied vom Reichsministerrum
tamafte und öl 60*" 75.- '(1(6. 730k
Rr. 158
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Sonde rbesprechung zusammen. Dabei wurde I geschlagene lange Frist erscheine unnötig. Es Aber die Ziffern des Heeresmaterials Ein verstand- Damme nur eine Fristverlängerung von drei Mo- Lis. erzielt. . | nuten in äm Lik Mnäcn würden Lbogevä
Dänische Reichrtagrwahl.
Kopenhagen, 7. Juli. (Wolff.) Da die im Reichstag im vorigen Monat angenommenen Verfassungsänderungen infolge der Wiedervereinigung mit Schleswig erst Endgültigkeit erlangen, nachdem sie vom neuen Reichstag ange- nommen worden sind, fanden gestern Wahlen zum Folketing statt. Sie hatten folgendes Ergebnis: Lrwerbspartei 4, Konservative 26, Radikale 16, Sozialdemokraten 42, Linkspartei 51 Sitze. Die Konservativen verloren zwei Sitze, die Radr- kalen einen Sitz; die Linkspartei gewann drei Sitze. Die Regierungsgruppe, die sich aus der Linkspartei und den Konservativen zusammensetzt, gewann demnach einen Sitz.
Aus der italienischen Kammer.
R o m, 7. Juli. (Wölls.) Die Kammer nahm durch Handaushebeu die Regierungserklärungen cm und schloß die Debatte.
Kabinettsrücktritt in '/.v
Budapest, 7. Juli. (Wolff.) Der Reichsverweser nahm das Entlassungsgesuch der Regiernngsmitglieber an und betraute das Ministerium mit der vorläufigen Werter- fühxung der Geschäfte.
Das neue persische Kabinett.
Amsterdam, 7. Jilli. (WTB.) Wie die Times aus eheran meldet, ist das perstsche Kabinett endgültig gefaltet. Zeitweiliger Krtegsmrnister wird Vossukh es Sultanen.
beten würden, sei die NotwendigLit einer kurzen Prüfungszeit für diejenigen Mannschaften, die sich als Söldner für 12 Jahre verpflichte wollten, um auf diese Weise ungeeignete Elemente Don der Reichswehr fentzuhalten.
Schon wahrend der Ausführungen des Generals von Seeckt, als er die Hauptpunkte vorgelegt hatte, hatten sich Lloyd George und Marschall Wilson zu einer Beratung zurückgezogen. Als General von Seeckt ferne Ausführungen beendet hatte, trat eine Pause ein. Es war 5.10 Uhr, als Minister Geßler im Garten des Schlosses erschien, um daselbst einige Minuten zu verweilen. Um 5.50 Uhr wurde die Sitzung wieder ausgenommen.
Lloyd George ergriff sofort das Wort zu einer ausführlichen Rede, in der er u. a. sagte, daß es keineswegs Mißtrauen gegen die deutsche Regierung sei, daß die Alliierten zu ihrem Vorgehen veranlaßt. Tie Möglichkeit jedoch, daß jeden Augenblick 3 Millionen Bewaffnete in Deutschland vorhanden sein könnten, sei eine stän- dige Bedrohung der Nachbarn Teutstfaands. Er begreife es nicht, ifae die deutsche Regierung einen solchen Zu stand in ihrem Lande dulde. Es sei jetzt an der Zeit für die deutsche Negierung, eine Probe ihrer Macht zu geben. Im übrigen seien die von General von Seeckt genannten Ziffern feiner Ansicht nach nicht genau und es wäre wohl das richtige, toenn die sachverständigen Offiziere sofort nach der Sitzung ihre Zafaen vergleichen und beraten wollten. Tie von General von Seeckt vor-
Berlin, 7. Juli. (WTB.) Wie der ,,Berl. Lokalanz." aus Königsberg meldet, ist in Weißrußland gegen die Polen ein Aufstand ausgebrochen, der die rückwärttgen Verbindungen der polnischar Armee bedroht. Die Eisenbahnbrücke auf der Strecke Jassen—Berrnsk ist in die Lust gesprengt worden.
S p a a, 7. Juli .(WTB.) Wie Sotr meldet, beschäftigten sich Marschall Foch und Marschall Wilson lebhaft mit den kürzlichen militärischen E reignissen an der polnischen Front. Das Blatt glaubt zu wissen, daß Polen in Spaa von den Alliierten keine Unterstützung und die Entsendung von Truppen, sondern die Entsendung von Munttwn und Waffen erbitten werde.
Berlin, 7. Juli. (Priv.-Telegr.) Die kmw- rnunistischen Abgeordneten Frau Zetkin und Dr. Levi haben im Reichstag eine „kleine Anfrage eingebracht, in der sie auf die Pressenachricht Hinweisen, daß die Ententernäcyte angesichts des militärischen Zusammenbruches Polens an Deutschland das Ersuchen stellen werden, Truppm durch Deutschland zur Unterstützung Polens zu führen und die Reginung fragen, ob sie Trup- pentransPorte durch Deutschland dufa
Spaa, 7. Juli. (WTB.) Wie das . Wolfsbureau von zuständiger Seite erfährt, sind die Beschlüsse, die General von Seeckt heute als Plan tn der Konferenz vorgetragen hat, von den vier anwesenden Kobinettsmitgliedeim nach langen eingehenden Beratungen einstimmig! gefaßt worden.
Paris, 7. Juli. (Wolff.) Wie der Sonder- berichterstatter des „Motin" aus S paa meldet, hat der Chef der englischen Militärmission in Berlin, General M a c c o l m, gestern abend in Spaa mit den Mitgliedern ter deutschen Delegation verhandelt.
Die Beurteilung der Sitzung.
Berlin, 8. Juli. Der Eindruck der Blätter vom gestrigen Tage über Spaa ist überwiegend der, daß es als ein Erfolg anzu sehen sei, wenn es gelinge, die Verhandlungen in Gang zu erhalten.
Die „Vossische Zeitung" sagt, es sei anzunehmen, daß auch die Heeresfrage in irgend einer Weise gelöst werde, ohne den weiteren Verlauf der Ämserenz zu gefährden.
Wie der „Vorwärts" meint, habe der Verlaus der gestrigen Tagung die Ansichten der Optimisten gerechtfertigt und bewiesen, daß sowohl auf deutscher Seite wie auch mindestens zu einem Teil auf der gegnerischen der ernste Wille zum Ausgleich besteht. Das Auftreten des Reichs- ministers Dr. Simons falbe wahrscheinlich einen günstigen Eindruck auf die Alliierten gemacht. Lloyd Georae zeigte sich in seinen Zwischenbemerkungen wesentlich entgegenkommender als am Dienstag. In englischen Kreisen in Spaa sei gestern abend die Aussicht einer Verständigung in der Entwafftrungssrage nicht ungünstig beurteilt worden.
Dasselbe Blatt nimmt Notiz von dem Gerücht, welches in Ententekreisen umgeht, daß im Anschluß an die ersten Hauptberatungen die Konferenz später nach Ostende verlegt werden solle.
Das „Berl. Tagebl." sagt, die Diskussion über die Entschädigungsfrage werde vermutlich'am Freitag beginnen. Auch nach diesem Blatt gefaxt der Erfolg des gestrigen Tages dem deutschen Minister des Auswärtigen Simons. Er HÄe in vollendeter Form, und was auch von alliierter Seite anerkannt werde, mit großer ©(faagfertigtet den deutschen Standpunkt vertreten.
Paris, 7. Juli. (Wolff.) Gustave £>ert>e schreibt heute: „Es ist voll kommen unnütz, wie es ein Teil unserer Presse tut, die öffentliche Mei- mmg gegen Deutschland aufjubringen und die alliierten Regierungen dahin treiben zu wollen. Sie hätte vielmehr dem Publikum in allen Ländern die Schwierigkeiten zeigen müssen, denen die alliierten sttegierungen gegeitüterftänben, um dis wirtschaftlichen und finanziellen Klauseln des Frie- densvertmges von Deutschland aus führen zu lassen, auch ine Schwierigkeiten, die die deutsche Regierung hat, sie auszuführen, selbst wenn sie den besten Willen der Welt aufbringen würde." Sterbe weist darauf hin, daß die Dinge sich nicht so abspielen könnten, wie 1871, denn die Lage von 1871 könne mit ter von 1920 nicht verglichen werden.
Weitere Sachverständige.
nochmals über die Angelegenheit beraten und morgen um 12 Uhr ihre endgültige Antwort mitteilen.
Minister Dr. Simons erbat jetzt nochmals das Wort, er wolle noch einiges sagen, da wir dedauerliwerweise über diese Fragen nicht mit» beraten könnten. Lloyd George falbe ganz recht: die Waffenbestände seien eine Gefahr für Deutschlands Nachbarn. Lloyd George aber könne sich unsere Lage als der Ministerpräsident eines mächtigen siegreichen Landes schlecht vorstellen. Es sei aber wohl nicht ehrenrührig für uns, wenn wir zugeben, daß wir nicht die Macht hätten, unseren Willen durchzuführen.
Lloyd George unterbrach lebhaft. Tas besiegte Frankreich von 18 71 habe gezeigt, wie man eine Revolution Niederschlage.
Minister Simons erwiderte hieraus, wir roürten es, wenn möglich, ebenso maefam. Aber er wolle doch daran erinnern, daß w i r damals den Franzosen geholfen hätten. Wenn die Entente dasselbe nicht tun wolle, bann solle sie uns wenigstens die nötigen Machtmittel belassen. Gesetze reichten in Deutschland nicht aus, wenn nicht die nötigen Machtmittel zu ihrer Durchführung dahinter ständen. Deutschlands Sachverständige hätten übrigens genaue Karten über die Truppenlokationcn bei einem 200 000» und bei einem 100 000 Mann-Heer ausgestellt. Diese Karten seien vielleicht der Entente als Material willkommen.
Die Konferenz nahm das Material bereitwillig entgegen.
Punkt 6.45 Uhr wurde die Sitzung geschlossen. Die nächste Sitztmg findet am Donnerstag um 12 Uhr statt. .Es war 7 Uhr, als die Autos der deutschen Delegation vor dem Hotel Anette und Lubin wieder vorfuhren. Die Minister zogen sich sofort mit den im Hotel verbliebenen Ministern und Staatssekretären zu einer Beratung zurück, die eine halbe Stunde dauerte. Nach der Sitzung traten die militärischen Sachverständigen im Schlosse Fraineuse zu einer Sonderbesprechung zusammen. Gleichzeitig traten die Sachverständigen für das Lust- und Marinewesen zusammen.
Vie dritte Sitzung in Spaa.
Die EntwasinungSfrage.
Spaa, 7. Juli. (WTB.) Reichskanzler Fehrenbach konferierte heute vormittag Mit Simons und Dr. Geßler über die chon den Alliierten geforderte genaue Beantwortung der in der Entwasfnungs- frage gestellten Anfragen. Die Diskussion war lange und lebhaft, da die Sachverständigen nicht geneigt schienen, eine Reduktion zu prüfen. Es scheint, daß man im Gegenteil auf Seiten der Regierung geneigt sei, Zugeständnisse zu machen. Es handelt sich nur darum, in welchem Maße. Hier muß sich, wie man in ^deutschen offiziellen Kreisen bemerkt, die A u - torität des Reichskanzlers zeigen.
Der offizielle Bericht.
Spaa, 7. Juli. (WTB.) Die dritte S i tz u n g der Konferenz von Spaa sand heute nachmittag 3Vs Uhr statt. Anwesend waren die Vertreter der 5 interalliierten Mächte und die deutsche Delegation sowie die alliierten und deutschen militärischen Sachverständigen.
Spaa, 7. Juli. (WB.) Die 3. Sitzung der Konferenz fanb heute nachmittag um W Uhr statt.
Rrichsminister Simons schilderte zunächst die Schwierigkeiten, die für Deutschland mit der Forderung auf sofortige Ablieferung des Heeres- materials und gleichzeitiger Herabsetzung der Truppenstärke verbunden seien, da wir, um das Material zu erlangen, im Notfälle Truppen einsetzen müßten imb auf eine ausreichende Sicherung uinferer Produktion nur verzichten könnten, wenn fcte wirtschaftlichen Vereinbarungen in Spaa uns industriell und finanziell über die schwere Krisis dieses Sommers hinweghelfen. Trotzdem wollten wir, dem Wunsche Lloyd Georges entffaccfamb, bestimmte Daten unb Zahlen über bie Ma- terialablieseruug unb Heeresverminderung geben. Wir hegten aber bie Erwartung, baß bie Alliierten bei ben weiteren Verhandlungen Verständnis für unsere wirtschaftliche Lage bewiesen, daß sie uns bei Unterdrückung des Wassens chmug- gels aus dem besetzten in das unbesetzte Gebiet beistanden unb daß sie insbesondere auf ben Abmarsch der Garnisonen aus der sogenannten neutralen Zone nicht bestünden, da andernfalls dort Revolten, zum mindesten aber schwere Beunruhigung der leitenden Jndusttiekreise imvermeiblich
Darauf legte General v. Seeckt ausführlich ben Plan wegen Ablieferung bes restlichen Heeresmaterials unb der allmählichen Herabsetzung der Truppenstärke bar. Für ersteres gab er ein Jahr, für letzteres 5/* Jahr als Termin an. Er ging besonbers auf bie große Zahl ber in Deutschland noch befindlichen Gewehre ein, von denen vechnungsmätzig noch beinahe drei Millionen ab» -zuliefern seien unb fast zwei Millionen keinen nachweisbaren Verbleib hätten. Die Verminderung der Reichswehr könne daher nur allmählich erfolgen. Sie solle fas zum 1. September 1920 auf 190 000, bis 1. 1. 1921 auf 180 000, bis 1. 4. 1921 auf 160 000, bis 1. 7. 1921 auf 130 000 unb schließlich bis 1. 10. 1921 auf 100 000 Mann durchführt werden. Entsprechmd mürben bie Jnsanterie-Brigabestäbe reguliert unb gewisse Hilfstruppen beschleunigt aufgelöst toerben. Für eine besondere Besprechung der militürischm Sachverständigen meldete er noch eine Reihe von Wünschen zur leichteren Verwaltung des Truppenbestandes an, die weder zahlenmäßig noch grundsätzlich dem Friedensverttag toi» dersprächen.
Lloyd George kritisierte die deittschen VorscÄäge in längerer Rede. Die eigenen Angaben faö Generals zeigten, tote berechtigt die tiefe Be- iorynis der Alliierten vor dem gegenwärtigen rnili- 'ärischen 3uftanbe Deutschlands fei, da jetzt über bie im Friedmsoerttag vor geschriebene Zechl hinaus noch drei Millionm Bewaffnete sich im Lande teftmdm. Das bedeute eine beständige Bedrohung nicht rarr ber deutschen fJtegienmg ietbft, sondern aller Nachbarstaaten mit bolschewistischen Angriffen. Er begreife nicht wie die deutsche Regierung daran benten könne, solche Zustände auch nur fünf Wochen, geschweige beim fünfviertel ■ Jahre bei sich zu dulden. Sie solle jetzt eine Probe chrer Macht geben. Die geforderte Verlängerung her Frist ginge weit über das notwendige Maß hinaus. 3m übrigen schlug Lloyd George vor, o iß die militärische Sachoerständigen ber beiden Parteien sich über die im einzelnen abweichenden Ziffern betr. des HreveSmaterials sowie über bie ‘ Durchführung der Mauseln bezüglich der Marine Md Luftflotte sofort verständigen sollten und daß bie Leiter der alliierten Delegationen rnit chren militärischen Hauptsachverständrgen die Vorschläge der deutscher Regierung beraten sollten. Morgen 12 Uhr würde dann die enbgüttige Antwort au; die Vorschläge erteilt toerben.
Nach einem Schlußwort des Ministers Timons, ber für die Beratung ber Alliierten Dislokationskarten für die Heeresstärke von 200 000 Mann und von 100 000 Mann übergab, mrrbe die Sitzung um 6.45 Uhr geschlossen unb die nächste Sitzung auf Donnerstag mittag anker aurnt.
ginnen werden, sind von ber brutschen Regierung als Sachverstänbige folgende Herren dringlich nach Spaa gebeten worden: Hugo Stinnes, Geheimrat Hilger, Geheimrat Arnhold, Lübsen, Hue und ReichÄohlenkommissar und Genevafa direkter Kongeter.
General Lotend, der Vorsitzende der interalliierten Kommission in Oberschlesien, traf gestern abend 6 Uhr im Automobil hier ein. Der General wurde noch gestern abend von Millerand empfangen.
Berlin, 7. Juli. (Wolff.) Der preußische Minister des Innern, dem bie Sicherheitspolizei untersteht, reift heute abenb nach Spaa ab.
Spaa, 7. Juli. (Wolff.) Havas. Der ftan- zösische Finanzmiuifter Mar sal ist in Spaa ein- getroffen.
Der Vorsitzenbe ber Konferenz, Delacroix, erklärte, es beruhe auf einem Mißverständnis, baß bie Tagcsorbnung fünf Punkte umfassen soll (Abrüstung, Wiebergutmachung, Kohlenlieferungen, Sanktionen unb Danzig). Die Frage von D a n z i g solle nicht vor ben Deutschen zur Sprache kommen, fbnbern lediglich unter den Alliierten besprochen werden.
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Spaa, 7. Juli. (Wolfs.) Der Berichterstatter der Agentur Havas meldet: Heute vormittag elf Uhr ttaten die Vertreter der Alliierten in ber Villa be la Freineuse zusammen, um die Antwort auf die Einwände ber türkischen Delegation gegen bie Friebensbebingungen ber Alliierten zu prüfen. Die Finanzsachverständigen vereinigten sich ebenfalls. Seit gestern herrscht in ben Aufenthaltsräumen ber beutschen Delegation rege Tätigkeit. Man versichert, Geßler habe seinen Kollegen Vorwürfe gemacht, baß sie ihn nach Spaa haben kommen lassen. Die beutschen Minister verhanbel- ten heute mittag mit Fehrenbach über ben enbaültigen Plan, der ben Alliierten unterbreitet werden soll.
Gestern fanb eine Besprechung der finanziellen «Sachverständigen statt, bie sich mit ber i t alienis chen Note befaßten. Die Chefs ber alliierten Regierungen hatten heut: früh eine längere Besprechung über bie türkische Frag:. — Gestern hatten Lloyd George unb Millerand eine lange Unterredung. Sie empfingen barm später Veniselos unb besprachen sich längere Zeit mit ihm.
Spaa, 7. Juli. (WTB.) Wie belgische Blätter melden, sind fast 300 auslänbische Journal i st en in Spaa amvesend, was natürlich eine vollkommene Ueberlastung des Telegraphen- und Telephonverkehrs zur Folge habe.
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orbmmg 'festKusetzen. Tas sei Sache dev Sieger. Wir 'fairten uns entschlossen, auf Llioyd Georges Frage -eine 9hrtnx>rt mit klaren Daten unb Zahlen zu geben. Ter Minister machte bubet barauf aufmerksam, baß toir aber gewisse Erwartungen 'hegten, namentlich vor allem die, baß uns ine Alliierten über bie Katastrophe, von der wir bebrfajt seien, in wirtschaftlicher und finanzieller Hfifficht hinweghelfen.
Lloyd George rief hier dazwischen: Was heißt das? . .
Dr. Simons entgegnete, er mente, daß toir unsere finanziellen Verpflichtungen aus der Wirider- guhnadjamg nicht etwa durch neue Batt knoten zu bezahlen brauchten, fonbern durch die Verhandlungen in Spaa zu einer gesunden Entwicklung kämen.
Lloyd George schiar diese Erklärung zu befriedigen.
In Fortsetzung feiner Erklärungen sagte bann Minister Dr. Simons, daß unser: Erwartungen weiter dahin geben, daß die Alliierten den W a f -- senschmuggel aus dem besetzten in das unbesetzte Gebiet derchindem würden.
Hierauf erhielt General von Seeckt daF Wort. Er äußerte sich ausführlich über bie militärischen Fragen. Er gab einen genauen Ueberblick über bie bereits erfolgte Ablieferung von Kri^smaterial und schilderte die Verluste, die wir im Kriege und beim Rückzug 1918 an Material gehabt hätten. Er Nannte dann genaue Zahlen der Bestände, bie noch über die Besttmmungen des Friedensdevtrages hinweg in intfenen Händen seien, zu einem Teil in den Händen unserer Truppen, zum anderen ohne Kontrolle der Regierung in Händen ber Bevölkerung.
Lloyd George bestritt einige ber angeführten Zahlen.
General von Seeckt erwiberte hierauf, daß es sich hier um zuverlässige Berichte handele. Mit besonderer Ausführlichkeit ging ber General auf bie Ablieferung ber Gewehre ein.
Auch hier griff Lloyd George ein unb erklärte, baß das auch feine Sorge sei. General von Seeckt gäbe selbst zu, baß twch prei Millionsn Gewehre über bie Bestimmungen bes Verttages hinaus in Deutschland sich befänben. Das sei eine sehr ernste Frage unb eine ungeheure Gefahr, nicht nur für bie Nachbarn Deutschlanbs, sondern auch für ganz Europa.
General von Seeckt schilderte darauf, wie bie Ablieferung ber Waffen vor sich gehen solle. Sein Vorschlag gipfelte darin, daß die Mlieferung ber Waffen innerhalb eines Jahres burchgeführt werbe. Mit der Ablieferung soll die Herabsetzung ber Heeresstärke Hand in Hanb gehen.
General von Seeckt schlug daraus vor, daß man uns eine Frist von 5/< Jahren geben, solle, um das Heer auf 100 000 Mann heÄrktzusetzen. Dir Herabsetzung solle in folgender Weise vor sich gehen: Bis 1. DftoÖer 1920 Herabsetzung auf 190 000 Mann, bis 1. Januar 1921 auf 180000 Mann, fas 1. April 1921 auf 160 000 Mann, fas 1. Juli 1921 auf 130 000 Mann unb schließlich bis 1. Oktober 1921 auf 100 000 Mann. Ein
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Dr. Lrnz.
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