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Arrs Stadt -snd Land.

Gießen, den 7. Tez. 1920

Veranstaltungen.

Dienstag: Stadttheater, 7 Uhr,Am Tage des Gerichts". Neue Aula, 81/* Uhr, Licht- bildervortrag über Gartenkunst in alter und neuer Zeit. Stadtmission, Löberstraße, 81/» Uhr, Vor­trag über:Die Toten und das Jenseits". Cafä Leib, 8 Uhr, Konzert und Vorstellung der Chiemseer. Lichtspielhaus,Der Golem, wie er in die Welt kam". Lichtspiele, Selters­weg,Uriel Aeosta" undFalscher Start".

Wettervoraussage

für Mittwoch:

Bewölkt, Meist trocken, Alt, öUiche bis süd­westliche Winde.

Unter dem Einfluß des im Süden lagernden Tiefs traten heute nacht leichte Schneefalle ein. Infolge des sich über Skandinavien nach Osten bewegenden Hochdruckgebiets berrfdxm allgemein östliche Landwinde vor und es ist daher zunächst wieder mit Frostwetter Ku rechnen. Hoherodskops liegt Spurschnee.

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** Amtliche Personalnachrichten. Uebertragen wurde am 2. Dezember 1920 dem Lehrer Gustav Müller zu Altenliain, Kreis Schotten, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Glauberg, KD is Büdin^n. Uebertragen wurde am 2. Dezember 1920 dem Lehrer Karl S a m e s zu Bleidenrod, Kreis Alsfeld, eine Lehrer stelle an der Volksschule zu Lauterbach. Uebertragen wurde am 2. Dezember 1920 dem Schulamtsanwärter Ludwig L u h aus Großen-iLinden eine Lehrer­stelle an der Volksschule zu Hamgründau, Kreis Büdingen. In den Ruhestand versetzt wurde am 2. Dezember 1920 der Studvenrat an dem Real­gymnasium in Gießen undaußeretatsmäßige außer­ordentliche Professor an der Landesuniversität in Gießen Dr. Oskar Holtzmann auf sein Nachsuchm unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste vom 1: Januar 1921 ab.

* * Oberhessischer Kunstverein. Tie Ausstellung ist morgen, Mittwoch, von 111 Uhr, und am Nachmittag von 35 Uhr geöffnet.

* * Freiwerdende Wohnungen. Hausbesitzer oder deren Stellvertreter werden wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß sie nach der Anordnung vom 20. April ver­pflichtet sind, unbenutzte, gekündigte oder frei-. werdende Wohnungen, Laden und Werk­stätten dem Stadt. Wohnungsamt, Asterweg 25, durch Ausfüllung eines dort erhältlichen Formulars zu melden. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 10000 Mk. oder mit Haft bestraft.

* * F r e i b a n k. Mittwoch, 8. Dezember, findet Fleischverkauf von 1 Uhr mittags ab statt.

**DieHundesteuer. Diejenigen hie­sigen Einwohner, welche im Laufe dieses Jah­res Hunde abgeschafft, aber noch nicht abge­meldet haben, wollen dies spätestens bis zum 31. Dezember entweder mündlich oder schrift­lich auf dem Stadchause Zimmer Nr. 8 anzeigen. (Siehe Bekanntmachung.)

** Fahrraddiebstahl. Am Sonntag­abend wuwe hier ein Fahrrad, MarkeExpreß", Fabriknummer 253 997, gestohlen. Das Rad ist neu, hat schwarzen Rahmenbau mit grünen Strei­fen, hellgelben Sattel und ebensolche Werkzeug­tasche. Die Lenkstange ist abnehmbar. Vor Ankauf kiti) gewarnt.

** Zu Gunsten einer Gedächtnis­spende für die gefallenen Angehöri­gen der Universität veranstaltete der Bund Zur Pflege von Musik und Literatur am Sonntag seinen zweiten Abend, der ausschließlich den Werken L. van Beethovens gewidmet war. Im Mittel­punkt des Konzertes stand Frau Werner-Jnsen. Mit wohltönender klarer Stimme, die sie mit der größten Sicherheit und Präzision beherrscht, sang sie zuerst den Liederkreis: An die ferne Geliebte. Zu wunderbarer Steigerung gestaltete sie die ein­zelnen Abschnitte bis zum letzten, der nach einer Kcmtilene von ergreifender Innigkeit schließlich einen Aufschwung zu glänzender Prachtentfaltung nahm. Nicht minder gut gelang die Wiedergabe des ,etwas dramatischen: In quefta tomba oscura, sowie der Gellertschen Lieder. Dabei entfaltete fte ihr umfangreiches Organ mit tief empfundener Wärme, die i'idr den aufmerksamen Zuhörern bald mitteilte und diese den ganzen Abend im Banne hielt. Daß ihre sympatische Stimme von großer Tragkraft mtb auch des weichsten Ausdrucks fähig ist, zeigte Jidj besonders in dem bekannten: Die Himmel rühmen. Eine angenehme Ueberrvschung boten die selten gehörten Schottischen Lieder mit Begleitung von Klavier, Violine imb Cello, mit denen fte den Albend schloß. Blumenspenden und wiederholter reidier Beifall der begeisterten Zu- . Hörerschaft belohnten die Sängerin. Zwei der schönsten Streichquartette, die in die Ausführenden

ferne geringen Anforderungen stellten, vervollstän­digten das Programm. Zuerst Op. IH.Nr. 6, dessen Adagio einen tiefen Eindruck hinterließ, und dessen Scherzo durch seine neckischen, lstipfenden Rhythmen erfreute. Auch bei dem folgenden Quartett, dem zweiten der drei russischen Op. 59 war es der langsame Satz, der eine nachlxlltiw Wietüng aus- löste, ein zu Herzen gehender Gesang, an dem sich vorzüglich die Bratsche mit warmem Ausdruck be­teiligte. Die Schwierigkeiten dieses Weites bewäl- tigten die vier Herren ohne Anstrengung, und vereinigten sich in wohlausgeglichenem Spiel, in dem sich ihr ernstes Stteben offenbarte. Ti? Herren Rein und Andreae erwiesen sich habet als tüchtige Geiger, wohl befähigt, ein Quartett zu führen: die Bratsche lag bei Herrn Sonntag in besten Händen, der sich durchweg durch warme Tongebung auszeichnete. Tie besonders dantbare Cellopartie spielte Herr Schliephacke mit edler Empfindung, und es gelang ihm bei stets angenehm weicher Tongebung doch, sich in der Melod-ieführung über die drei anderen Instrumente zu erheben. Tas bis aus den letzten Platz dicht besetzte HauS spendete den Ausführenden lebhaften wiederholten Beifall, den sie wohl verdient hatten. Als sicherer Be­gleiter waltete öeir Habeuicht am Flügel. Der Bund zur Pflege van Musik und Literatur darf diesen wohlgelungenen Abend als einen großen Erfolg verzeichiren.

** D ie Jugendgruppe der T. V. P. beging am letzten Sonntag im gut besuchten Ein­hornsaale ihre diesjährige Weihnachtsfeier. Nach der Begrüßung des Vorsitzenden verschönten Vortragsstücke im bunten Wechsel mit musikalischen Darbietungen den Abend. Die Feier schloß mit den Wotten des vom Parteitage in Nürnberg zurückgekehrten Prof. Dr. Krausmüller, der kurz und eindringlich seine Eindrücke von Nürnberg schildette und zu gemeinsamer Arbeit aufforderte.

** Tie Toten und das Jenseits. Tie im Stadtmissionssaal, Löberstraße Nr. 14, von Prediger Heitmüller-Hamburg stattfindenden Vor­träge wurden bei gut besuchtem Hause mit großer Befriedigung ausgenommen. Von dem Referat: ,/Eie Toten und das Jenseits" wird heute das Spezialthema:Werden die Toten anserstehen?" und MittwochTie Wiederkunft Christi und ihre Folgen" behandelt. Ter Saal ist gut geheizt und der Eintritt frei. Beginn 8V4 Uhr. Näheres siehe Anzeige.

Landkreis Gießen.

Von seinem Hund gerettet.

sd. Weickartshain, 6 Dez. Em 16jäh- riger Bursche wurde gegen Mitternacht auf dem Wege hierher int Walde von einem Stioldi über­fallen, der mit einem Dolche auf ihn losging. Er hatte ihm schon einige Verletzungen beigebracht, als ihm der Hund des Ueberfallcnen an die Kehle sprang. Der Sttolch ergriff darauf die Flucht und enttarn.

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X Bersrod, 6. Dez. Die Notspende für die I n ne r e M i ss i o n erbrachte in un­serer Gemeinde das Ergebnis von 829.50 Mk.

± Ettingshaus en, 6. Nov. Wieder ist einer von den Altveteranen von 1870/71 dahmgegangen, Johannes Münch ist im Alter von 72 Jahren gestorben. Der Kriegervevein gab feinem Ehrenmitglied das letzte Geleite.

-o-Großen-Lrnden,6. DeK. Als6. Vor­trag unseres Volkshochschulvereins folgte in der volkswirtschaftlichen Reihe am Sonntag abend im Saale von Philipp Schaum IV. der zweite Teil der Besprechung des Friedensvertrages, insbeson­dere seiner wictschaftlrck)en Folgen. Der Redner Wendel von der Liga zum Schutze der deutschem Kultur entwickelte ein Bild des ^virtschaftlichen Umschwungs im Laufe der Kriegszeit und zog dann einen Vergleich zwischen der wirtschaftlichen Lage Deutschlands vor dem Kriege und letzt. In einer äußerst regen Aussprache suchten die Ver­treter aller Parteien und sozialen Schichten Ver­ständigung, wie der gemeinsamen Not gesteuert werden kann. (

** Lich, 7. Dez. DieGesellschaft Ge­mütlichkeit" Lich veranstaltet am 12. Dezbr. zwei Theateraufführungen. Es ist nicht das erste Mal, daß die Gesellschaft, eine Vereinigung junger Licher Bürgersölme, in die Qesfentlichkeit treten wird. Erwähnt sei nur eine Wohltätigkeit svor- stellung zurGefallenenehrung" im vorigen Jahre, deren Reinettrag von ca. 1800 Mk. der Stadt Lich überwiesen wurde. Als Warnung vor der Fremdenlegion werden auf geführt:Der Fremden­legionär" und das BvlNstückTeure Heimat".

-L Queckborn, 6. Nov. Aus Sibirien heim­gekehrt ist Karl Hofmann, der Sohn des Pflastermeisters Fritz Hofmann. Er geriet 1916 in russische Gefangenschaft und hat 50 Monate in Sibirien zugebracht, bis er jetzt ausgeliefett wurde. Der Gesangverein gab ihm am Freitag abenb ein Ständchen. Er hatte sich 30 000 Rubel erspart. Als er sie in Deutschland umwechselte, erhielt er etwa 600 Mk.

. Kreis Schotten.

La!ubach, 6. Dez. Heute Abend hielt im gro&en Saale desSolmser Hofes" Justizanwärter Elbe einen sehr anziehenden Vottrag über fein Er-

Seuilleton.

Die Jahreszeiten amn Josef Haydn.

Zur Ausführung durch den Sängerkranz am Donnerstag den 9. Dezember in der Aula der Uni­versität toirb uns geschrieben:

Haydn bezeichnet zwar dieses Werk auch als Oratorium, jedoch bilden die Jahreszetten eigent­lich einen Zyklus von vier Kantaten, in denen die Beziehungen auf Gott und Kirche nur gestreift werden und das oratorische Moment einzig durch das Auftreten dreier real gedachter Personen (Simon, Lukas, Hanne) und durch in die Vorgänge eingreifende Chöre an gebeutet ist.

Die Einleitung stellt den Uebergang vom Wmter zum Frühling dar und findet im sonnig hellen FrühlingschocKomme holder Lenz" ihren Ausklang.

Auf Simons ArieSchon eilet froh der Ackersmann" folgt der Bittgesang der Landleute Sei uns gnädig, milder Himmel", dem sich die interessante FugeUns sprießet Ueberfluß" an- schlicßt. In dem folgenden Freudenlied findet der Naturfreund Haydn reichlich Gelegenheit, sein Genie als musikalischer Schilderer spielen zu lassen, doch kann er es sich nicht versagen, auch an dieser Stelle seiner Frömmigkeit durch die gewaltige FugeEhre, Lob und Preis sei dir, ewiger Gott" Ausdruck zu geben.

Der Sommer bringt neben der Hirtenarie, den Gruß an die Licht und Leben spendende Sonne und die Gewitterszene. In dieser tritt Haydns lebendig gestaltende Kraft am stärksten hervor, be­sonders der Chor ist hier von packender Wirkung ^Jm fanften Llbendlied klingt der Sommer ans

Der Herbst wird durch ein Orchester-Vorspiel welches des Landmanns freudiges Gefühl über die reiche Ernte schildern soll eingeleitet. Nun folgt eigentlich ein Chor:O Fleiß, v edler Fleiß, von dir kommt alles Heil", der fast stets und auch in dieser Aufführung weggelassen witd. Hydn selbst hat diesen Chor nur nut Widerwillen komponiert) er mernte,er sei sein Leben lang fleißig gckivesen, es falle ihm aber schwer, den Fleiß in Musik umzusetzen". Dieser Chor gehört auch tatsächlich zu den schwächeren Partien des Werkes. Dagegen ist das Liebesduett von Hanne und Lukas:Ihr Schönen aus der Stadt, kommt her" von be­lttickendem Wohllaut. Eine schwierige, aber span­nende Arie Simons vom Hund und Jäger mit folgendem Jagdchor schließt sich an.

Ter Chor:Juchhe, juh der Wein ist da" gibt mit ,,tausendfachem Jubelschall" die ausgelassene Fröhlichkeit der Winzer wieder.

Die Orchestereinlettung des Winters schildert die dicken Nebel, womit der Winter anfängt.

©ine Tenor-Arie bringt die Verzweiflung des un tiefen Schnee verirtten Wanderers und die Erlösung von Angst unb Müdigkeit, als er den Lichtichimmer des Nachbardörfchens erblickt, treffend zum Ausdruck. Tas entzückende Märchen vom betrogenen Edelmann und ein reizendes Spinner- ned zeigen Haydn auch als Komponist des Volks­liedes.

Aus dieser freundlichen Umgebung tritt nun bie weihevolle Schlußbettachtung des Vater Simon über Tod und V rgänglichkeitErblicke hin-, b'- röcter Mensch, erblicke dein.-s Lebens Bild" demoii- lttativ heraus.

. Die SchlußsugeUns leite deine Hand" be­schließt das Werk mit hoffnungsvollemAmen".

mc. Frankfurt a. M., 6. Dez. Tie Polizei ist hinter den Bäckern mit den allerschärfftcn Kvn- trollmaßnahmen, um die Herstellung von Weißgebäck zu verhindern, ©elbft nachts wer­den Kontrollen vorgenommen. Die Folge davon ist, daß in der ganzen Stadt keine weißen Bröt­chen mehr zu haben sind, es sei denn, daß man 2 Mark und mehr für das Stück anlegt

fd. Frankfurt a. M., 6. Dez. Gelegentlich einer Streife durch Gasthäuser minderen Ranges und die Sttaßen des Bahnhofsviertels griff bie Kriminalpolizei eine große Anzahl illegitimer Ehe­leute und Mädchen auf. Mehr als 50 Prozent dieser Nachtschmetterlinge waren Front

tebnisse als Kämpfer an der Palästinafront. Der längere Aufenthalt als Kriegsgefangener gab ihm reiche Gelegenheit zur Beobachtung des orienta­lischen Lebens, das er in klarer und anschaulicher Weise vorfühtte. Unterstützt tunrbe der lehrreiche Vortrag durch prächtige Lichtbilder, denen trefflich ausgefichtte Photographien zugrunde lagen. Die ganz eigenartigen Landschaftsbilder, die Szenen des häuslichen Lebens, des Handels unb Wandels in dieser anderen Welt, alles mußte ungemein inter­essieren. Die zahlreichen Zuhörer spendeten dem Vortragenden vollen Beifall. Der Erlös des Vor­trags wird zur Erhaltung der deutschen Krieger­gräber in Palästina verwandt. Unserer Was­serleitung kommt eine in diesem Sommer an­gebrachte Verbesserung jetzt sehr zu statten. Während jetzt vielfach in der Umgegend infolge des trockenen Herbstes ein sehr fühlbarer Wassermangel herrscht, verspüren wir hier nichts hiervon. Man hat nämlich am hiesigen stärksten und besten Brunnen (unter­halb des Kirchplatzes), am sog.Grieman", der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts angelegt wurde, einen elektrischen Motor angebracht, der un­serer Wasserleitung einen großen Teil der Leitung jenes Brunnens zusühtt.

Kreis Friedberg.

Beethoven feiern als 'Volkskonzerte.

^lBad-Nauheim, 2. Dez. Es ist unserem Kurorchcster nicht genug zu danken, daß es wäh­rend der Wintermonate sich über seinen eigentlichen Wirkungskreis im Kurhaus hinaus auch noch in den Dienst der Allgemeinheit stellt. In gediegenen Volkskonzerten will es mitarbeiten an der großen Aufgabe, auch den einfachen Mann des Volkes zu den edlen und wahren Schätzen der Kunst hin^ufügen. Daß unfer Kurorchester in seinem Bestreben auf dem rechten Wege ist, das zeigten vor allem aber die beiden Beethovenftiern in Butzbach und Bad-Nauheim, zu denen die.Gewerkschafts­kattelle und die Volksbildungsvereine am Platze ihre Mitglieder nochmals besonders eingeladÄi hatten. Der Besuch beider Feiern aus allen Be- völkerungsschichten, besonders auch ans den Ar- beitertteisen, war vorzüglich, und der Eindruck des dargebotenen auf die Zuhörer zeugte Von dem nachhaltigsten Erfolg. Die Feier, die heute abend hier i «rdckms bisjum letzten Platz gefüllten Theater­saal des Kurhauses aus Anlaß des 150jährigen Geburtstages Beethovens stattfand, zeigte unser aus 2-1 Mitwirkenden bestehendes Orchester, das im Vergleich zum Sommer ja nut einRumpf"- Orchester ist, auf voller künstlerischer Höhe. Das Programm brachte u. a. bie Sinfonie in C-Dur (Jenaer,; An baute cantabile mit Variationen aus dem Streichquartett Oper 18; Andante aus bet C-Moll Sinfonie; einige Stücke ausElf Wrener- täuze"; Ouvertüre zu Goethes Trauerspiel Eg- mont. Der Tirigent, Kapellmeister Willi Naue, her als Solist auch die Romanze in F-Dur für Violine zum Vottrag brachte, erntete für feine besonnene Leitung starken Beifall. Wir waren im Herbste nicht weit davon entfernt, unser staat­liches Kurorchester für die Wintermonate zu ver­lieren, und allgemein wurde es begrüßt, daß es zuletzt doch noch gelungen ist, einen Stamm von Musikern, die fick). hier schon für dauernd nieder­gelassen, für die Winterkur zu behalten.. Jsmi Inter­esse des Bades ist zu hoffen, daß eine befriebigtnbe Lösung auch für die kommenden Winter gefunden werde. Vielleicht gelingt es, das Kurorchester von Staats wegen während der Wintettnonate noch Niehr in den Dienst des Landes und der Allgemein­heit zu stellen, in dem Sinne, wie es in den oben erwähnten Volkskonzerten geschehen. Was die hessi­sche Landeswanderbühne auf dem Gebiete derVolks- bildung leistet, das könnte noch ergänzt werden von dem staatlichen Kurorchester, indem esvolks- bildende klassische Musik im1 Laufe des Winters in verschiedenen Otten des Landes zur Darbietung brächte. In unserem Volke ist das Bedürfnis für solche Veranstaltungen vorhanden, und unsere ober- hessischen Landstädtchen würden sie mit großem Beifall unb Tank aufnehmen. Von einer Ent­lassung . bes Orchesters im Winter brauchte man dann nicht mehr zu reden.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Mainz, 6. Dez. Ein Streik der Verkäufer und Verkäuferinnen ist hier eingetreten, bie eine besondere Zahlung für ihre Tätigkeit am gestrigen Sonntag verlangten. Aus diesem Grunde waren gestern die meisten Laden­geschäfte geschlossen.

Kreis Wetzlar.

ra. Wetzlar, 5. Dez. Unsere Stadtver- o r dneten haben für den Ausbau der alten Kirche in Niedergirmes, welche für die Zwecke des dor­tigen Turnvereins benutzt wird, 20 000 Mk. be­willigt. Die Kirche gehött setzt der politisck)en Gemeinde.

d. Grvßrechtenbach, 7. Dez. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch der vorigen Woche wurde bei dem Landwirt und Spezerei­warenhändler Müller Hierselbst ein Einb ru ch- diebstahl verübt. Die Diebe drangen durch ein Fenster, dessen Scheibe sie eindrückten, in den Laden und entwendeten dott einige Ballen Kleider­stoffe im Wette von mehreren tausend Mark. Um die Sache leichter fottschaffen zu können, wickelten

sie die Ballen auf der hinter dem Mullerscken ßu Höfte liegenden Wiese ab und verpackten sie was aus den zurückgelassenen Pappestücken zu schließen ist, in Schachteln, Rucksäcke ober bergt Tronoem bie hiesige Polizeiverwaltung am Mittwoch morgen gleich bie umliegenden Bahnstationen von hem Diebstahl telephonisch benachrichtigte fehlt bis jeni noch jebe Spur von ihnen. Im übrigen muß c-- au Italien, daß gerade in der letzten Zeit eine große Anzahl von Hausierern mit Kleidungsstücken tu den einzelnen Ortschaften fast täglich zu be merken ist.

Hessen-Nassau.

Naubüberfall.

fd. Frankfurt a. M., 6. Dez. Ans einen Schlaftragenkontrolleur der Mitropa wurde Smin tag früh gegen ft Uhr ein schwerer Raub- anfall verübt. Der Beamte begab sich vym Hauptbahnhof mit der Tageseinnahme von 35 000 Matt' nach dem Bureau der Gesellschaft. In ber Posyttasie wurde er Von zwei Kerlen gestellt, nie­dergeschlagen und seiner Ledertasche mit ben 35 000 Matt beraubt. OVtvohl der UeberfaUene um Hilft schrie und diese auch in wenigen Augenblicken ay Stelle, war, gelang doch nicht, die Räuber w erwischen.

Das Strohdach kommt wieder zu Ehren.

fd. Aus dem Westerwald, 3. Dez. Äst. meister des Dachbeckerhandwerkes haben bei einem Neubau in Erbach als Bedachungsmaterial da- Sttoh wieder znrVerwcndnng gebracht. DasSttoh dach in seiner sauberen, dabei durchaus bauer haften Ausführung verleiht dem Bau ein überaus an­heimelndes Gepräge und fügt sich dem Land- schaftsbilde in reizvoller Weift ein.

Schwurgericht.

Gießen, 6. Dez. 1920.

Unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Fmck begann die diesmalige Tagung des Schwurgerichts nrtt einer Verhandlung gegen den Schuhmacher Wilhelm Albett Ambrosius von Schwalheim wegen Urkundenfälschung und Betrugs. Staatsanwalt Neuroth vertrat die Anklage, Rechts­anwalt Dr. Aaron führte die Vetteidigung. Ter Angeklagte war im Sommer 1920 mit seinem Schwager bei einem Zimmermeister in Großen- Linden, um einen Motor zu kaufen. Einige Zeil darauf begab er sich auf eigene Jaust tvicberum zu dem Zimmermeister und fragte, ob er auch Benzol für den Motor bekommen könne, er sei Teilhaber im Geschäft seines Schwagers. Der Zim­mermeister war nicht abgeneigt, ihm, da er ihn für einen solventen Mann hielt, Benzol abzu- Iaffen, verlangte aber, da der Angeklagte erst int Frühiahr 1921 das Benzol bezahlen wollte, zv seiner Sicherheft beglaubigte Bürgscl^aft eines -ah- lungsfähigen Bürgen. Der Angeklagte versprach, diesen beizubttngen, begab sich nach Frankfurt. ließ sich dott einen Stempel mit der UmschriftHessrche Bürgermeisterei Schwalheim" anfertigen, den er merkwürdigerweise auch ohne jede Legittmation erhielt, und fertigte dann selbst die Erklärung eines Wilhelm Meyer von Fttchberg an, in der dieser für seine Schuld bei dem Großen-Lindener Zimmermeister selbstschuldnerische Bürgschaft über­nahm. Am Schlüsse der Bürgschaftserklärung be­glaubigte dann ein Ottsgettchtsvorsteher Klein die Untettchttst des Bürgen Meyer und fügte von dem neuangefertigten Stempel einen Abdruck bei. Tat­sächlich existierte weder der Bür^e Meyer noch ber Ortsgerichtsvorsteher Klein, die Urkunde war nur zu dem Zweck von dem Angeklagten ange- fertigt, um damit den Zimmermeister von Grvßen- Linden zu täuschen und ihn zu veranlassen, das Benzol auf Kredit herauszugeben. Sein Plan gelang vollkommen, der Zimmermeister ließ sich durch den Schwindel, so plump er auch angelegt war, täuschen, überließ dem Angeklagten das Ben­zol, das dieser schleunigst anderweitig verkMfte.

In tatsächlicher unb rechtlicher Beziehung waren sich Staatsanwalt und Verteidiger bei Be­urteilung des Falles vollkommen einig und bean­tragten Bejahung der an die Geschworenen ge­stellten Fragen wegen Fälschung einer öffentlichen Urkunde unb Betrugs, sowie wegen milbembcr Umstände. Der Wohrspruch der Geschworenen ent­sprach diesen Anträgen.

Das Gettcht verurteilte den Angeklagten unter Berücksichtigung seines Geständnisses zu 1 Jahr Gefängnis. Der Angellagte erkannte nach der Sitzung das Urteil an.

Die Erstaufführung der Jahreszeiten fand 1801 in Wien statt und erfreute sich eines fast bei­spiellosen Erfolges. Auch heute noch gehören Haydns Schöpfung" undJahreszeiten" zu dem eisernen Repertoir aller größeren Chorvereinigungen. In Gießen sind dieJahreszeitm" seit eurer langen Reibe von Jahren nicht öffentlich aufgeführt worden.

Frankfurter Uraufführung.

Toni Impekoven:Luderchen".

Toni Impekovens LustspielLuderchen" kam im Neuen Theater zur Uraufführung und brachte dem beliebten Schauspieler und Schwankoichter großen Beifall, aber keinen unumftrittenen Erfolg. Das Motiv ist nicht sehr ergiebig:Luderchen", ein Kabarettstern, geht vom Sohn auf den gräf­lichen Vater über, während jener seine Jung­gesellenabenteuer mit eurer stau des gemäßen Ver­bindung abschließt. Eine durchgehende Wirkung erzielte nur der zweite Akt, der mit Berliner Schnoddrigkeit, einigen aktuellen Anspielungen und Vettauschungskomik das Publikum amüsierte. Ter erste Akt war zu dickflüssig, der dritte schob die Lösung gar zu lang hinaus. Dem Ganzen fehlte es zu einem rechten Schwank an der Schlagkraft unb am frischen Zug. Hertha Hambach gab Luderchen in unbekümmerter Verdorbenheit: auch die andern Rollen waren in guten Händen. Nach dem zweiten 2lkt konnte sich der Verfasser mehrmals zeigen.

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TieFrankfurter Kamm erspiele", von Direk­tor Hellmer ins Leben gerufen und geleitet, er­öffneten ihre Pforten mit Eulenbergs Tra­gödieLeidenschaft" die in Anwesenheit des

Dichters gegeben wurde, beim Publikum aber mischte Aufnahme sand.

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st. Darmstadt, 6. Dez. Eine Wohl^ tätigkeitsvorftellung zum Besten bet Rückwandererhilft gab dem Intendanten Har­tung des LandestlMters und dem bekannten Mib fllieb der Künstlerkolonie, Maler Professor HanAs Pellar, Gelegenheit, eine interessante künstlerische Idee auf dem Gebiete des Tanzes einem breitet Publikum Gestaltung zu geben: föunft, Mode und Tanz im Wandel der Jahrhunderte. IN künstlerisch ungemein fein pointierter Ausdrucksform spiegel­ten die altdeutschen Tänze in Kostüm unb Haltung und Bewegung die derbe anspruchslos, aber gemütvolle Freudigkeit altdeutschen Volks- charakttrs, die schlanke etwas blasiert steift des Barock, die graziöse ^erliche und kokette Rtti- rockminne mit all ihrer verhaltenen Glut und Lei- denschaft des Rokoko und die harmlose steift- gemütliche Geziertheit der ihrer Amoueren Gelüste -geschickt unter Buntheit verbergenden Bieder­meierzeit wieder. Im Anschluß daran wurden einige moderne Gesellschaftstänze Bvston-Fvtt trott, Valse Boston, Onestep in Mustervorml- dern vorgeführt und erwiesen, daß diese Tänze, wirklich gut getanzt und unter Vermeidung aller nnkünstlerischen Auswüchse, also auf die muslka- lisch-rythmisclie Körperbeivegaing beschränkt, vor reiner künstlerischer und durchaus ästhetischer Wn fang sind. Im weiteren gab Nini Willenz, die neue Primaballerina unserer Landesbühne und 9ied;a Eckstein einige temperamentvolle tihtftlertldx Charaktertänze, deren Grundprinzipien der Reform unseres Ballets gewidmet sind.

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